ALOIS REISENBICHLER

Friedensgottesdienst bei der Sommerakademie in Schlaining:
Die Erde hat genug für die Bedürfnisse aller Menschen - aber nicht genug für die Gier Einzelner.

Die 24. Internationale Sommerakademie des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK)  vom 8. - 13. Juli in Burg Schlaining - war den Themen Ressourcen / Energie und potentiellen und realen Konflikten in diesem Zusammenhang gewidmet. In Referaten und Workshops ging es sowohl um weltpolitische Zusammenhänge (globale Einflusssphären und Kampf um Rohstoffe) als auch um die Chancen und Herausforderungen erneuerbarer Energien und deren gesellschaftspolitische Konsequenzen.

Zum Abschluss dieser Studienwoche am Freitag, 13. Juligestalteten Dra. Evelyn Hödl, Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien und Pfarrer Mag. Michael Meyer, Umweltbeauftragter der Evangelischen Diözese Wien einen gemeinsamen Ökumenischen Friedensgottesdienst unter dem Motto, das Mahatma Gandhi einmal formulierte: Die Welt hat genug für die Bedürfnisse aller, aber nicht für die Gier weniger.

Dieses Zitat stelle - wie Evelyn Hödl es formulierte - einen Kontrapunkt zu den Themen der Tagung dar. Das Anliegen aller Menschen "Guten Willens " müsse es sein, die Ressourcen der Erde - Wasser, Energie, Rohstoffe, Nahrung - zu teilen, das bedeute auch Beschränkungen im Lebensstil für die "reichen Länder", zu denen auch wir gehören. An Hand einer umgekehrten Weltkarte, die die Regionen des Südens flächengetreu darstellt, wurde deutlich, wie sehr die Sichtweise der "Ersten Welt", des reichen Nordens, dominiert. Es bedarf eines Perspektivenwechsels, um die wirklichen Zusammenhänge wahrzunehmen: die seit Jahrzehnten bestehende Ausbeutung der Rohstoffe der so genannten "Entwicklungsländer", ihre Abhängigkeit von den "global players" und ihre nicht vorhandenen Chancen in einer Weltwirtschaft, die vom Norden diktiert wird. Die Industrieländer sehen sich als Geberländer (von Entwicklungshilfe) - faktisch haben die Länder des Südens durch ihre Schulden-und Zinsenzahlung bereits ein Vielfaches jener Hilfen zurückgezahlt. Die Geber - das sind die armen Länder des Südens.

Ein Umdenken ist notwendig. "Dies betrifft sowohl das persönliche Verhalten und Handeln jedes und jeder Einzelnen wie auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen
insgesamt."

Dra. Hödl erinnerte auch an den Libanon-Krieg, der genau vor einem Jahr begann, ein Krieg in einer Region, in der Supermachtinteressen, Ressourcenpolitik, nationale Interessen und historisch bedingte Konfliktpotentiale jahrzehntelang prägend waren und die Chancen auf Frieden immer wieder zunichte gemacht haben.
Aber gerade angesichts all dieser Herausforderungen ist es unabdingbar - so Evelyn Hödl und Michael Meyer, dass die christlichen Kirchen, die Weltreligionen, ja alle Menschen guten Willens sich zusammenschließen. Nur in der Ökumene,  wird der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gelingen,  nur gemeinsam können Kirchen und Religionsgemeinschaften glaubwürdig Zeichen setzen für eine gerechte, gemeinsame Welt.

 Die Texte zum Gottesdienst findet man / frau unter www.friedenschristinnen.at.tf  unter friedenschristinnen
Siehe Artikel
http://stephanscom.at/news/0/articles/2007/07/16/a13115/

 

 Weltfriedenstag 1. Jänner 2007

 Die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum katholischen oder (aufgrund vieler ökumenischer Veranstaltungen in aller Welt eigentlich) kirchlichen Weltfriedenstag am 1. Jänner 2007 ist veröffentlicht worden (offiziell datiert mit 8.12.).

Sie findet sich auf der Homepage des Vatikans: 
www.vatican.va

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/messages/peace/documents/hf_ben-xvi_mes_20061208_xl-world-day-peace_ge.html

Hier gibt es sie in mehreren Sprachen.

Auf der Homepage der Katholischen Kirche Deutschlands
www.katholisch.de gibt es ein Download
einer Broschüre der Deutschen Bischofskonferenz im PDF-Format:
http://dbk.de/imperia/md/content/pressemitteilungen/2006-2/2006_101_weltfriedenstag.pdf

Der Text auf der deutschen Homepage:
http://www.katholisch.de/2315_19035.htm

Auf der Homepage von Pax Christi Österreich gibt es eine
Gottesdienstunterlage,
zu der Kaplan Franz Sieder das Vorwort, Bischof Manfred Scheuer die Predigt und Klaus Heidegger eine Meditation geschrieben haben.

Diese Broschüre kann downgeloadet von der
Pax Christi Österreich Homepage
www.paxchristi.at  downgeloadet werden.
Genaue Adresse:
http://w3.khg-heim.uni-linz.ac.at/pax/inhalte/GodiUnterlage06.doc
 
In Wien gibt es wieder zum Weltfriedenstag ein
Ökumenisches Friedensgebet und Schweigemarsch
am 1. Jänner 2007 um 18.30 Uhr in der Ruprechtskirche 1010  Wien, U4, U1 Schwedenplatz.
Es spricht die Äbtissin Mirjam Dinkelbach(Zisterzienserabtei Marienkron).
 
Dieses Friedensgebet wird von der Gemeinschaft Sant'Egidio in Zusammenarbeit mit der Gemeinde St. Ruprecht, der Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung sowie weiteren christlichen Gemeinden, Bewegungen und Ordensgemeinschaften organisiert.

 

Denken - diskutieren - beten - handeln
für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
Fürbitten beim Friedensgottesdienst am 2. Dezember 2006 in Kassel
(erstellt von der Aktionsgemeinschaft ChristInnen für die Friedensbewegung)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

Gemeinsam überlegen wir, wie wir uns besser für eine gerechtere und friedlichere Welt einsetzen können. Gemeinsam setzen wir uns Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein, gemeinsam engagieren wir uns in Friedensinitiativen und in der Friedensforschung, in Betrieben und Gewerkschaften, in Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, in politischen Organisationen sowie in Pfarren und kirchlichen Gruppen.

Gemeinsam beten wir zu nun zu dir, unseren Vater und unsere Mutter, du Gott des Friedens und der Gerechtigkeit. Wie die Prophetinnen und Propheten klagen wir dir unser Leid, wie viele Menschen, die vor uns und die sich heute, für eine gerechtere Welt engagieren, mahnen wir zur Umkehr und versuchen, am Aufbau deines Reiches mitzuarbeiten.

"Noch nie war die Gefahr eines Atomkrieges so groß wie heute" (Mohamed El Baradei, Direktor der IAEO, Friedensnobelpreisträger). Gott des Lebens, mit einem Atomkrieg ist deine gesamte Schöpfung sterblich geworden. Wir bitten dich für unseren Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt, für die vielen Menschen, die sich weltweit für Abolition 2020  einsetzen.

"Die Deutschen müssen das Töten lernen" (Titelseite Der Spiegel Nr. 47, 20.11.2006), Gott des Friedens, "Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit". (Johannes Paul II.) Wir bitten dich für unsere Friedensarbeit, unsere Aktivitäten gegen Rüstungsproduktion und gegen Waffenhandel, gegen militärische Interventionen, die nur den wirtschaftlich Mächtigen dienen, gegen Aufrüstung und Krieg, für eine Lösung der Konflikte mit gewaltfreien Mitteln, für eine Welt ohne Krieg.

"Im Jahr 2000 sind 36 Millionen Menschen an Hunger gestorben oder an Krankheiten, die durch einen Mangel an Mikronutrimenten (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) verursacht sind. Der Hunger ist folglich die hauptsächlichste Todesursache auf unserem Planeten. Und dieser Hunger ist von Menschenhand gemacht. Wer an Hunger stirbt, stirbt als Opfer eines Mordes." (Jean Ziegler, Das Imperium der Schande). Gott der Gerechtigkeit, wir bitten dich für unser Engagement für eine weltweite Gerechtigkeit und internationale Solidarität, für eine Welt, in der die politischen und sozialen Menschenrechte verwirklicht sind, für eine weltweite Wirtschaft, in der der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht.

"Mehr als sieben Millionen Menschen, darunter zwei Millionen Kinder und Jugendliche, lebten Ende 2005 in Deutschland von Leistungen auf dem Sozialhilfeniveau." (Evangelische Kirche Deutschlands) Gott, die ein Leben aller Menschen in Fülle will. Wir bitten dich für unser Engagement eine gerechtere Verteilung von Arbeit, Einkommen, Besitz und Lebenschancen, für eine wirkliche Umverteilung zu Gunsten der Arbeitenden, der sozial Schwachen und wirtschaftlich an den Rand Gedrängten, international, in ganz Europa, in der Europäischen Union und in Deutschland.

"Seit den späten 70er Jahren verlangen wir der Erde mehr ab, als sie uns geben oder von uns nehmen kann. Die Leistungsfähigkeit des Planeten ist überschritten. Die Szenarien zeigen: Wir brauchen unverzüglich die 3. große Revolution in der Geschichte der Menschheit. Eine Revolution zur Nachhaltigkeit mit absolut drastischen materiellen und strukturellen Veränderungen." (Denis Medows, Die Grenzen des Wachstums - Das 30 Jahre Update). Gott, Schöpfer der Welt, wir bitten dich für vielen Menschen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, und für die Erhaltung deiner Schöpfung, unseres Planeten Erde.

"Frauen und Mädchen leisten weltweit zwei Drittel aller Arbeit für nur ein Fünftel des Einkommens" (Slogan der Frauenbewegung) Gott, unsere Mutter, wir bitten dich für die Frauenbewegung und die engagierten Frauen in Gesellschaft und Kirchen, für eine gendergerechte Welt, in der Frauen und Männer die gleichen Chancen haben. Wir bitten dich, dass Geschwisterlichkeit in der Welt und auch in unseren Kirchen gelebt wird.

Wir sind manchmal verzweifelt, doch wir wissen: "Wir können uns den Luxus der Hoffnungslosigkeit nicht leisten" (Dorothee Sölle) Gott, der uns immer wieder Mut und Hoffnung gibt, Gott, die parteiisch auf Seiten der Armen steht, Wir gedenken unserer Schwestern und Brüder, die Opfer von Krieg und Gewalt, von Hunger, wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und Zerstörung der Umwelt, geworden sind, wir gedenken unserer Schwestern und Brüder, unserer Kolleginnen und Kollegen, die vor uns gekämpft haben, wir sind solidarisch mit  unseren Brüdern und Schwester, die heute weltweit aufstehen für das Leben, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung,  wir bitten dich für all diese Menschen, wir bitten dich auch für  uns hier in Kassel und für unsere Freundinnen und Freunde in unseren Initiativen, Gott, wir bitten dich um deine Hilfe und versprechen dir, wir sind deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Werden deiner Welt, des Reiches Gottes, das schon auf Erden beginnt.

 Amen!

  

OKR. a.D. Dr. Balazs Nemeth bei der Friedensinitiative Donaustadt:
Aus der Sicht der Bibel ist Frieden
ein Prozess zum besseren Leben für alle. 

Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt es um 19.00 Uhr ein Treffen der Friedensinitiative Donaustadt in der Donaucitykirche (neben UNO-City und Austria Center, U1 VIC - Kaisermühlen). Am 14. November 2006 haben die Donaustädter FriedensaktivistInnen ausgehend von der Frage "Für den Gerechtigkeit engagieren oder beten" den ehemaligen Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche H.B. Dr. Balazs Nemeth zum Thema "Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung ist Frieden" eingeladen. Nemeth ist ein langjähriger Friedensaktivist, Stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung und Mitarbeiter der Friedensinitiative Penzing-Rudolfsheim/Fünfhaus.

"Der Markt kennt keine Nächstenliebe",

zitierte Balazs Nemeth Max Weber. Er erzählte eine Szene aus dem Film Darwins Nightmare, wo ein Starker einem schwachen Kind das Essen wegnimmt. Er vergleicht, dass mit dem Gelähmten, von dem in der Bibel erzählt wird, dass ihn niemand ins heilende Wasser gebracht hatte. "Aus christlicher Sicht kann Freiheit nicht von Solidarität getrennt werden", meint Balazs Nemeth: "Ein freies, demokratisches Land hört auf, frei zu sein, wenn es außerhalb seiner eigenen Grenze knebelt, foltert und die Menschenrechte mit Füßen tritt." Nemeth sieht die Ursachen in den Handelsbeziehungen, die die einheimischen Wirtschaftsstrukturen im Süden zerstören, sowie in den Schulden und in der Umweltzerstörung, für die vor allem die Industrieländer verantwortlich sind.

Die Sicht der Bibel

Der heutigen Situation stellt Dr. Nemeth die Sicht der Bibel gegenüber:

- ein umfassender Friedensbegriff, der ein Prozess ist, und das Gegenteil zum "Frieden" Babylons und Roms, der damit bloß Ruhe, Stille und damit die Unveränderbarkeit der Zustände meint.
- Gerechtigkeit - der biblische Gott ist nicht die Göttin Justitia, die ausgleicht, sondern Arme und Reiche werden nicht mit dem gleichen Maß gemessen. Aus biblischer Sicht muss den Schwachen der Vorrang gegeben werden.
- Nach der Bibel gibt es kein "heiliges" Privateigentum, weil die Erde und alles Gott gehört und die Menschen BewahrerInnen und HaushälterInnen sind. Ihr Handeln muss allen Menschen dienen.
- Gott ist der einzige Herr, alle Menschen sind das Ebenbild Gottes, die universelle Liebe Gottes gilt eben allen Menschen. Die Könige werden hier nur als Diener gesehen und die Propheten haben kritisiert, wenn sich die Könige als Herrscher an die Stelle Gottes setzten. "Die Bibel spricht noch nicht von Demokratie. Aber die Bibel hat eine eindeutige Tendenz in Richtung einer egalitären Gesellschaft", so Nemeth.

Ökumenisches Sozialwort 

Mit dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen wurden die Vorstellungen der Bibel in die heutige Realität übersetzt. "Bei der Grundeinkommensdiskussion zitieren alle das Sozialwort", sagt Dr. Nemeth, der die Forderungen des Sozialwortes zur Wirtschaftspolitik und zum "Frieden in Gerechtigkeit" vorstellt. Das Sozialwort findet man / frau im Internet unter www.sozialwort.at

"Betriebsunfall" Kirche?

Nemeth, der als Oberkirchenrat der Leitung seiner Kirche angehörte, übt durchaus auch Kritik am Handeln der Kirchen. Ihre größten Fehler sieht er in der unklaren Haltung zum Krieg, in der Staatsreligion, die die heidnischen Herrschaftsstrukturen "verchristlicht" hat, sowie in einer Religion, die alles "vergeistigt" und mit einer "Absage an der Welt" sich auf Moral beschränkt. Christinnen und Christen können aber nicht die Welt so lassen, wie sie ist.

In der Diskussion wurden mögliche Alternativen angesprochen sowie Erfahrungen aus Arbeitswelt und Kirchen ausgetauscht. "In der Kirche gibt es reaktionäre Strukturen", sagte einer, dem ein anderer entgegnet: "Ich habe selten so viel Freiheit und Unterstützung für das Engagement für eine gerechtere und friedlichere Welt erlebt - wie bei meiner Anstellung in der katholischen Kirche."  

 

Gerechtigkeit und Friede küssen sich
Rede beim Gottesdienst des Kasseler Friedensratschlages
am 3. Dezember 2005 in der Luther-Kirche in Kassel

"an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,
die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden …. (Jes. 58,7)

Liebe Brüder und Schwestern!
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

Frieden und Gerechtigkeit - ich bin in der ArbeiterInnenbewegung und in der Friedensbewegung bewusst als Christ engagiert und ich habe immer gesagt: "Frieden und Gerechtigkeit", aber die Bibel hat mich gelehrt die Reihenfolge umzudrehen: "Gerechtigkeit und Friede küssen sich" (Ps 85,11), heißt es im 85. Psalm. Grundlage des Friedens ist die Gerechtigkeit.

Vor kurzem sagte mir ein Agnostiker, der österreichische Schriftsteller Peter Turrini: "Immer wenn ich etwas wirklich Subversives lesen will, dann lese ich in der Bibel". Oder Bertha von Suttner, leider nicht zuletzt auf Grund ihrer großen Enttäuschung über die Kirche und ihrer Kumpanei mit dem Militär und den Herrschenden zur damaligen Zeit eine Freidenkerin geworden, sah gerade in der Bibel, im Tötungsverbot und in der Bergpredigt eine wichtige ethische Leitlinie ihres Lebens.

So, liebe Freundinnen und Freunde, war es eine richtige Entscheidung, dass ihr zum Kasseler Friedensratschlag, diesem großartigen Friedenskongress, zu dem ich immer sehr gerne von Wien komme, weil hier sehr viel lebendiges Engagement für eine gerechtere und friedlichere Welt erfahrbar ist, diesen Ratschlag zum Thema "Neue Kriege in Sicht" mit dem 58. Kapitel des Propheten Jesaja verbunden habt, wo sehr deutlich steht, dass Gerechtigkeit und das Handeln für eine solidarische Welt im religiösen Sinne Frömmigkeit sind.

Und wir als Christinnen und Christen sind gefordert, nicht wie diese berühmten drei Affen mit Nichts-Sehen, Nichts-Hören, Nichts-Reden, sondern wir sind gefordert aus unserer jüdisch-christlichen Tradition, wir sind gefordert durch die Nachfolge Jesu, der Partei ergriff für die Armen und der die Händler aus dem Tempel vertrieben hat und der darüber zugrunde ging, hingerichtet wurde und von dem wir als Christinnen und Christen glauben, dass er auferstanden ist und wo wir in der Geschichte der Kirche auch einen Strang haben, wo sein Werk auferstanden ist in den Millionen, die sich vor uns für Gerechtigkeit, für Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung engagiert haben. Wir sind gefordert durch den Heiligen Geist, durch die Ruach, die Heilige Geistin, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt, die uns davor bewahrt, zufrieden mit dem Status quo zu sein und die uns zeigt, wie es Joseph Cardijn, der große französische Kardinal und Begründer der Katholischen ArbeiterInnen-Jugend und Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung so gut formuliert in den drei Schritten: Sehen - Urteilen - Handeln

Sehen:

Was ist das für eine Welt, in der wir leben? Wir haben uns diese Welt sehr gut anzuschauen und die beiden Vorredner haben sehr gute Beispiele genannt für die Missstände in dieser Welt.

Ich möchte nur zwei Punkte hinzufügen: In der ausgezeichneten Erklärung der Weltversammlung des Reformierten Weltbundes im August 2004 im Accra (Ghana), wo sie einen "Bund für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit" geschlossen haben, heißt es unter anderem über die Welt:

"Das Jahreseinkommen der reichsten ein Prozent ist genauso hoch wie das der ärmsten 57%, und 24.000 Menschen sterben jeden Tag an den Folgen von Armut und Unterernährung. Kriege, die um Ressourcen der Erde geführt werden, fordern das Leben von Millionen, während weitere Millionen an vermeidbaren Krankheiten sterben."

Ich war in dem jetzt zu Ende gehenden Jahr in der Betriebsseelsorge tätig und da ist mir bewusst geworden, dass nicht nur Rio de Janeiro, in Maputo oder in New Dehli die Menschen nicht mehr wissen, wovon sie leben, sondern es in St. Pölten, der Hauptstadt Niederösterreichs, es Leute gibt, die ohne Schwarzarbeit und ohne Stehlen im Supermarkt nicht mehr zu den Lebensmittel und den dringendsten Gütern des täglichen Bedarfs, um zu überleben, kommen. Während auf der anderen Seite in Österreich nach dem offiziellen Sozialbericht - und es wird in Deutschland nicht anders sein - das oberste  Prozent der Bevölkerung ein Drittel des Vermögens und die nächsten neun Prozent das weitere Drittel besitzen, das heißt zwei Drittel gehören den obersten zehn Prozent

Und man könnte noch sehr viele Daten bringen und wir haben heute ja in der sehr guten Rede von Herrn Dr. Peter Strutynski viele Daten und Fakten über die aktuelle Friedensbedrohung und Rüstung erfahren. Liebe Freundinnen und Freunde, lesen wir einmal diese Worte von Peter gegen im Lichte des Propheten Jesaja und wir kommen zum

Urteilen:

" die Fesseln des Unrechts zu lösen;
" die Stricke des Jochs zu entfernen;
" Brot für die Hungernden;
" Häuser für die Obdachlosen;
" ein Ende der Unterdrückung.

Das ist der Maßstab der Prophetinnen und Propheten. Das ist der Maßstab Jesu Christi. Das ist der Maßstab, der angelegt wird, aus der Perspektive des Gottesreiches, das hier auf Erden anbricht und das uns zum

Handeln

aufruft.

Wir in unseren Kirchen, in den christlichen Organisationen, in den Pfarren und in vielen Initiativen haben eine große Tradition an Diakonie, an Caritas, an tätiger Nächstenliebe. Und das ist gut so. Das ist richtig und wichtig.

Aber es gibt auch noch andere Felder des Handelns, wo wir als Christinnen und Christen dazu lernen müssen, zum Beispiel den Mund aufzumachen, sich in der Politik einzumischen, Politikerinnen und Politiker beim Wort zu nehmen, wenn notwendig, ihnen zu widersprechen, oder ihre Reden zu hinterfragen.

Wenn diese Woche die neue Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Dra. Merkel gesagt hat, wir sollen "mehr Freiheit wagen", dann müssen wir aus der Perspektive Jesu, nicht nur aus der Perspektive der Friedensbewegung, nicht nur aus der Perspektive der ArbeiterInnenbewegung, nicht nur aus der Perspektive der Linken, sondern vor allem aus der Perspektive Jesu Christi fragen: Wessen Freiheit und wessen Unfreiheit?

Hat sie gemeint, die Freiheit derer, die schon genug haben oder schon viel zu viel haben. Ich erinnere mich noch - und das gerade eine wichtige Zeit unserer christlichen Tradition - an die Revolution in Nicaragua Ende der 70er Jahre und in den 80er Jahren. Ich erinnere an "Die Vision" von Ernesto Cardenal, der formuliert hat: "Es gibt keine Freiheit, so lange es die Freiheit gibt, andere auszubeuten."

Freiheit ist wichtig. Oder meint Frau Dra. Merkel jene Freiheit, die in diesem großartigen Text einer wirklichen Kirchenlehrerin, in diesem Text von Dorothee Sölle formuliert ist:

"Frei werden wir erst,
wenn wir uns mit dem Leben verbünden,
gegen die Todesproduktion
und die permanente Tötungsvorbereitung.

Frei werden wir
weder durch den Rückzug ins Private, ins "Ohne mich",
noch durch Anpassung an die Gesellschaft,
in der Generäle und Millionäre besonders hoch geachtet werden.

Frei werden wir,
wenn wir aktiv, bewusst und militant für den Frieden arbeiten."
 
Und wir sollten die Frau Bundeskanzlerin fragen:

- Meinen Sie die Freiheit einer gerechteren Verteilung?
- Meinen Sie die Freiheit von größeren Lebenschancen für möglichst vielen Menschen, für möglichst alle Menschen in einer Gesellschaft bei uns und in Perspektive für möglichst alle Menschen auf der Welt?
- Meinen Sie diese Freiheit zum Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung?

Oder wenn Sie uns versuchen einzureden - und sie waren zumindest in Frankreich und in den Niederlanden nicht erfolgreich, dass wir eine EU-Verfassung brauchen, in der die Aufrüstungsverpflichtung und in der die Freiheit der Bank, der Europäischen Zentralbank, die die Unfreiheit für viele Leute bedeutet, festgeschrieben ist, dann sagen wir:

"Bei dieser EU-Verfassung steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern nur das Geld. Diese Verfassung betet nicht Gott an, sondern den Mammon."

Diese Worte stammen von Kaplan Franz Sieder, Betriebsseelsorger in Amstetten in Niederösterreich, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung und Geistlicher Assistent von Pax Christi Österreich.

Und wenn Sie uns jetzt wieder einreden und sei es im Zusammenhang mit dem Iran, mit dem Kaukasus oder sonst wo, dass nur durch Krieg Humanität und Menschenrechte gesichert, nur durch Krieg Massenvernichtungsmittel vernichtet werden können, dass es nur mit Krieg eine bessere Welt gibt, dann sagen wir mit dem verstorbenen Papst Johannes Paul II.: "Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit." Ohne Zusatz, ohne Wenn und Aber, ohne irgendwelche Ausflüchte.

Und gerade an seiner Person sehen wir einen Lernprozess eines Christen, der je älter er wurde, immer kritischer geworden ist, gegenüber der kapitalistischen Globalisierung, immer klarere Worte gefunden hat, gegen Krieg und Neoliberalismus. Und das sei vor allem auch jenen ins Stammbuch geschrieben, die immer nur die Individualmoral der Kirche sehen und die hochhalten - sie ist wichtig -, die aber immer dann auf die Sozialmoral vergessen.

Es gibt weltweit viele wertvolle und wichtige Beispiele des Handelns, sei es die Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Überwindung der Gewalt, seien es die Beiträge von Christinnen und Christen zur Dekade der Vereinten Nationen für eine Kultur des Friedens und Gewaltfreiheit für die Kinder dieser Welt, seien es die Beiträge der Christinnen und Christen, ja eigentlich aus allen Weltreligionen und auch nichtreligiösen Weltanschauungen im Rahmen der Anti-Globalisierungs-, ja eigentlich der globalisierungskritischen Bewegung, dieser Globalisierung der Solidarität, sei es die Vorbereitung jetzt auf die in zwei Jahren stattfindende Europäische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung…..

Ich möchte zum Schluss auf drei kleine Beispiele aus Österreich hinweisen, wie wohl ich weiß gerade durch die vielen engagierten Menschen beim Kasseler Friedensratschlag, dass wir von Freundinnen und Freunden aus Deutschland sehr viel lernen können und die Friedensbewegung in Deutschland viel stärker als in Österreich ist. 

" Wir sammeln jedes Jahr zum 6. August, dem Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima, Grußadressen für die Unterstützung unserer Forderung nach Vernichtung aller Atomwaffen und für eine atomwaffenfreie Welt. Wir wenden uns alle Menschen - an Prominente und BasisaktivistInnen, an Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen und Religionen. Und gerade da haben sehr viele Menschen aus den Kirchenleitungen und aus der Kirchenbasis Grußadressen geschickt: Kardinal Franz König, Fulbert Steffensky und Dorothee Sölle, Bischof Jacques Gaillot und Bischof Erwin Kräutler und und und - das ist eine lange Liste, und selbstverständlich auch viele Leute von der Basis, aus den Pfarren. Die Grußadressen finden Sie unter www.hiroshima.at

" Das zweite Beispiel ist das Ökumenische Sozialwort, das alle christlichen Kirchen nach einem langen Diskussionsprozess an der Basis der Kirchen und unzähligen Gesprächen mit vielen Menschen in den Initiativen, in den Gewerkschaften, in den verschiedenen Hilfseinrichtungen, in den verschiedenen Bewegungen, auch mit der Friedensbewegung veröffentlicht wurde und an dem jetzt weiter gearbeitet wird. Es wird jedes Jahr evaluiert, was haben wir in den Kirchen umgesetzt, was haben wir in der Gesellschaft durchgesetzt, wo müssen dran bleiben, wo müssen wir uns engagieren. Das Sozialwort finden Sie unter www.sozialwort.at

" Und zum Schluss eine Erfahrung, ich bin leider kein Theologe, aber ich durfte eine Karenzvertretung machen in der Betriebsseelsorge. Die Betriebsseelsorge ist eine Einrichtung der Kirchen, die einerseits in den Kirchen für die soziale Frage sensibilisieren will, die jene politische und ökonomische Alphabetisierung macht - von der das Sozialwort nach einem Zitat von Dorothee Sölle spricht, und die ihr Christsein, ihr Christinsein gerade in der Intention des Propheten Jesaja leben will. Die Betriebsseelsorge ist eine Einrichtung, die zu den Arbeiterinnen und Arbeitern geht. Ihr kennt vielleicht die französischen ArbeiterInnen-Priester, die in den Fabriken arbeiten, und es gibt auch viele Betriebsseelsorger und auch -seelsorgerinnen, die in Fabriken arbeiten, ja sie müssen sogar zeitweise in Betrieben als HilfsarbeiterInnen arbeiten. Es gibt auch Beispiele wie die Christliche Basisgemeinde der VÖEST Linz, einem großen Stahlbetrieb in Oberösterreich, wo der Pfarrer im Betrieb arbeitet und die Gemeinde von einer Pastoralassistentin geleitet wird. Hier geht es konkret um Parteinahme mit den Arbeiterinnen und Arbeitern, mit den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern. Kirche in der Arbeitswelt - das Leben, sagt Kardinal Cardijn, ist das fünfte Evangelium.

Und so ist die Betriebsseelsorge auch ein Beispiel, dass wir eine Kirche brauchen, die eine befreiende Kirche, eine jesuanische Kirche, eine Kirche im Sinne des Propheten Jesaja.

Obwohl wir wissen, dass das alles sehr schwierig und Konstantin Wecker hat gestern beim Konzert gesagt und das ist ein sehr schwerer Satz: "Es kommt nicht auf das Siegen an, sondern auf das Tun." Martin Buber sagte: "Erfolg ist kein Name Gottes".

Und daher möchte ich zum Schluss aus einer Weihnachtspredigt von Dorothee Sölle uns allen, auch mir, Mut zusprechen, an einer gerechteren, an einer friedlicheren, an einer schöpfungsgerechteren, an menschlicheren Welt mitzuarbeiten, Mut zuzusprechen, an einer Kirche mitzuarbeiten, die in eine Befreiungskirche verwandelt wird, Mut zuzusprechen, nicht aufzugeben:

Dorothee Sölle hat am Schluss dieser Weihnachtspredigt gesagt:

"die herrschenden können die schrift an der wand nicht mehr übersehen
die beherrschten kehren sich ab vom kopfnicken
die Waffenhändler wagen nicht mehr über die am boden liegenden zu steigen
die bischöfe geben die schlüpfrigen reden auf und sagen nein
die freunde und freundinnen jesu blockieren die Straßen des overkill
die schulkinder erfahren die Wahrheit
woran sollen wir einen engel erkennen
außer dass er und sie mut macht wo angst war
freude wo nicht mal mehr trauer wuchs
einspruch wo sachzwang herrschte
abrüstung wo terror glaubwürdig drohte
fürchte dich nicht der widerstand wächst

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, fürchtet euch nicht, der Widerstand wächst.


 

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