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...weiter geht's... Wir haben nun auch zweimal die Kinderonkologie gewechselt. Nach der Tumoroperation war uns der Weg nach Tübingen dann doch zu weit. Es konnte uns kaum jemand besuchen kommen und dass gefiel mir nicht. Wir haben uns entschlossen, dass wir nach Erlangen gehen. Die Klinik an sich war nicht so toll. Ich kannte von Tübingen eine moderne und schöne Kinderklinik, in Erlangen war das nicht der Fall. Man konnte dort die Zimmer nur über den Balkon betreten, d. h. es hätte jeder Fremder auch reinkommen können. Jedes Zimmer hatte zwar ein Bad mit Toilette und Wanne, aber es war nur mit einem Vorhang abgetrennt. Mir hat es dort einfach nicht gefallen. Meine Eltern waren der gleichen Ansicht und deshalb machten sie sich auf die Suche nach einer anderen Onkologie. Durch Zufall haben sie erfahren, dass es in Regensburg (Homepage) auch eine gibt. Meine Eltern sind gleich dort hingefahren und haben sich die Onko angeschaut. Diese war damals noch ganz winzig, d. h. es gab nur 4 Zimmer und manchmal wurden halt dann 3 Kids in ein Zimmer gelegt. Aber das war uns dann egal. Hauptsache wir kommen aus Erlangen raus. Nach 2 Chemos dort sind wir nun "ausgewandert" nach Regensburg. Nun vergingen die Tage und Wochen. Manchmal ging es mir so gut, da hätte ich Bäume ausreißen können. Aber manchmal war ich dann total down, da war ich sauer auf Gott und die Welt, denn warum musste ich ums überleben kämpfen und nicht wer anders?! Der liebe Gott schaute auf die Erde hinunter und sah eine fröhliche Frau. Er sprach: "Dieser Frau gebe ich ein krankes Kind." Ein Engel fragte ihn: "Warum gibst du einer Frau, die so glücklich ist und lacht ein krankes Kind?" Gott sagte: "Soll ich etwa einer Frau, die das lachen bereits verlernt hat, ein krankes Kind geben?" Die ersten Schwierigkeiten gab es dann jedoch schon. Ich war ganz normal zur Chemo im Krankenhaus, dieses Mal bekam ich das MTX. Es war auch alles in Ordnung, aber innerhalb von ein paar Stunden konnte ich fast meine ganze linke Seite nicht mehr bewegen. An der Hand viel es mir auf, mein linker Fuß blieb dann auch einfach nicht mehr richtig stehen und bald merke man es auch im Gesicht. Man wusste nicht, woher das kam, also wurde ein Doktor gerufen. Der damals leitendende Arzt der Onko Dr. Wolff kam und meinte, wir sollten ein Kernspint vom Kopf machen - und zwar sofort! Ich hatte schreckliche Angst, dass ich nun im Kopf auch einen Tumor habe. Es wurde ein Krankenwagen gerufen, der uns zu der Klinik "Barmherzige Brüder" gebracht hat. Dr. Wolff hat meine Mum und mich begleitet. Es wurde das Kernspint gemacht und zum Glück stellte sich heraus, dass ich nur ein Blutgerinnsel im Kopf habe und keinen Tumor. Bei älteren Menschen nennt man so etwas Schlaganfall! Ich bekam nun Thrombosespritzen, die ich täglich spritzen musste, damit mein Blut wieder "dünner" wurde. Langsam bekam ich auch wieder Gefühl in meiner linken Seite. Jeden Tag musste ich vor den Ärzten Grimassen ziehen, damit sie den Unterschied zwischen links und rechts sehen konnten. Aber zum Glück erholte ich mich schnell. Die Chemo verlief dann trotzdem im Großen und ganzem ganz gut. Es schien fast so, als würde ich mich daran gewöhnen, denn ich musste nicht mal mehr so oft spucken. Ich hatte meistens den Nintendo von meinem Cousin dabei und spielte oft mit meiner Mum, meinen Bettnachbarn oder mit den Schwestern "Mario Cart". Ich habe auch einmal mit einer Zimmerkollegin aus Spaß das Lied "die Affen rasen durch den Wald" umgedichtet auf "die Schwester rasen auf Station." Eigentlich war das wirklich nur so aus Spaß, aber man hat sich den Text aufgeschrieben und immer weiter gedichtet; somit ist das Lied nun das "Mottolied" von der Onko in Regensburg. Die anderen Seiten der Zeit auf Station waren nicht so toll. Das schlimmste war, wenn Kinder gestorben sind. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Du verbringst 2-3 Chemos immer mit dem gleichen Kind im Zimmer und freust dich schon auf das nächste Treffen. Du bist da - aber wo ist dein Kumpel?? Also das war dann wirklich schrecklich! Ich kannte einen kleinen Jungen, er war noch nicht mal drei, der ging immer fröhlich in alle möglichen Zimmer rein. Meine Bettnachbarin Martina wollte am Abend eigentlich noch mal zu ihm rübergehen, war aber schon an ein "Herztöne-Mess-Gerät" angeschlossen und konnte deswegen nicht mehr aus dem Bett raus. Also winkte Luis durch das Fenster (die gibt es ja in manchen Krankenhäusern noch, wo man von einem Zimmer in das andere schauen kann). Am nächsten Tag kam dann gegen Mittag der Anruf, dass Luis in der Nacht gestorben ist. Das ist dann ein "tolles" Gefühl...gestern noch gesehen, heute nicht mehr da... Nun ja, die Zeit verging und das Ende der Chemo rückte näher. Bis jetzt brauchte ich nach der Chemo meistens nur Blut. Einen Infekt hatte ich bis dahin noch nie. Das sollte sich aber ändern. Nach der vorletzten Chemo bekam ich Schüttelfrost und bekam deswegen Antibiotikum und musste in der Klinik bleiben. Es wurde nicht besser, das Antibiotika half nicht und man vermutete, dass der Erreger vom Infekt wahrscheinlich im Hicman sitzt. Also wurde mir noch in der Nacht der Hicman operativ entfernt. Mir ging es total schlecht, ich lag eine Woche lang im künstlichen Koma auf der Intensivstation. Als ich aufwachte bzw. als man mich aufwachen lies wollte ich nicht glauben, dass es Montag ist, denn ich habe doch eine Nacht geschlafen und demnach muss es jetzt Dienstag sein. Es halt eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, dass ich eine Woche lang geschlafen habe und jetzt wieder Montag ist. Ich musste noch ein paar weitere Tage auf Intensiv bleiben. Ganz anwesend war ich immer noch nicht. Dann endlich durfte ich zurück auf die Onko. Es war schön, wieder die vertraute Umgebung zu haben. Ich erholte mich auch dieses Mal schnell und durfte bald nach Hause. Die letzte Chemo bekam ich dann über die Vene, den ein neuer Hicman lohnte sich nicht mehr. Diese ging auch schnell vorrüber und ich habe sie gut überstanden. Und dann...dann war die Zeit endlich vorbei. Es kam wieder ein bisschen Normalität in unser Leben. Natürlich musste es jetzt mit meinem Fuß noch weitergehen. Ich musste auf jeden Fall nochmal operiert werden, denn mein Knochen hat ja noch zu wachsen. Aber es war schön, wieder zu Hause zu sein und den Alltag zu genießen. Ein Jahr lang haben wir gemeinsam in die Hölle geblickt. Dort sitzen kleine und große mutige Kinder mit Glatze und kotzen. Ihnen allen wünsche ich von Herzen den Himmel. Sie haben ihn verdient!
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