chemo-zeit


Dann sollte sie kommen - die Zeit, die alles verändern wird!

Ich wurde auf die Station C5 West - die Kinderonkologie - der Kinderklinik Tübingen (Homepage) verlegt. Ziemlich erschrocken bin ich, als ich dünne und müde Kinder ohne Haare gesehen hab (Mir war immer noch nicht bewusst, dass ich auch bald so aussehen werde).

Gleich am zweiten Tag auf Station wurde mir ein "Hicman" gelegt. Durch diesen Katheter konnte mir Blut abgenommen werden und auch die Chemo sollte da durch laufen.

Dann kam sie - meine erste Chemo. Ich hatte fürchterlich Angst meine Haare zu verlieren, aber ich konnte eh nichts dagegen machen. Mir war speiübel,  hatte Probleme mit der Verdauung und gegessen hab ich überhaupt nichts. Alle 10-20 Minuten musste ich zur Toilette, weil ich so viel "gespült" wurde (die Chemo musste ja auch irgendwie wieder gründlich raus). Außerdem musste ich eine Mundpflege machen, d. h. man muss mit scheusslig schmeckenden Sachen den Mund spülen und Tabletten lutschen. Alles damit die Mundschleimhäute nicht zu sehr kaputt gingen und man essen konnte (wenn man Appetit hat). Lange habe ich diese Pflege nicht durchgehalten, denn mir wurde schon beim Anblick der Spülungen schlecht. Ich glaub ich war am meisten froh, als die erste Chemo vorüber war und ich immer noch alle Haare am Kopf hatte.

Nach dieser ersten Chemo blieben meine Mum und ich in Tübingen. Wir wollten nicht nach Hause, denn was ist, wenn mir dort etwas passiert. Was machen wir dann? Während ich immer in der Klinik blieb, war meine Mum im Geschwisterhaus untergebracht. In den Chemo-Pausen wohnte ich dort auch mit. Wir gingen oft spazieren (was so viel heißt wie meine Mum schob mich im Rollstuhl) und erkundigten Tübingen.

Nach ca. einer Woche, als das Blutbild wieder in Ordnung war, startete der zweite Chemo-Block. Mir ging es genau so beschissen wie bei der ersten. Ich spuckte die ganze Zeit, gegessen hab ich wieder nichts und so ging es mir die ganze Woche lang. Das Beste, was ich in dieser Zeit brauchen konnte war der Gameboy meines Cousins und den Fernseher. Der Rest war mir eigentlich voll egal.

Es war Ostern, als ich entlassen wurde. Zum ersten Mal fuhren wir nach Hause - ich hatte bald Geburtstag!

Meinen 12. Geburtstag feierte ich also zu Hause. Alleine war ich dennoch überhaupt nicht. Die ganze Verwandtschaft stand vor der Tür, ebenso alle Freunde und Bekannte. Ich war zwar ein müde und hab öfters geschlafen, aber sonst ging es mir gut. An dem Abend hatte ich sogar richtigen Appetit und ich aß mit Genuss ein gefülltes Weißbrot. Dies bereute ich jedoch bald, denn es kam alles wieder raus. Aber es war trotzdem ein toller Tag!

Nun vergingen die Tage und Wochen, manchmal war ich im Krankenhaus, manchmal zu Hause. Es ging mir beschissen, es ging mir gut.

Dann kam die Frage auf, wie der Tumor nun entfernt werden soll. Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder man versucht, den Tumor rauszuschneiden. Dieses war aber etwas gefährlich, weil nicht genügend Rand um den Tumor war, den man mit wegschneiden musste. Die andere Möglichkeit war, das Bein zu amputieren. Ich wollte natürlich die erste Methode wählen, da ich mein Beinchen behalten wollte.

Der Spezialist (Dr. Böhm) wollte mir das Bein amputieren, da das Risiko einfach zu groß gewesen ist. Mein Leben stand halt nun mal im Vordergrund. Er hat uns aufgeklärt und wir haben uns schon fast für eine Amputation entschieden. Aber zum Glück haben meine Eltern einen festen Willen und wollten deshalb noch eine zweite Meinung hören. Sie haben sich ein bisschen umgehört und sind dann nach Münster gestoßen. Dort soll ein Dr. Hillmann sein, der sich auch gut auskennt mit Knochentumoren.

Also haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind nach Münster gefahren. Den Doktor, den wir eigentlich suchten, haben wir dort nicht angetroffen, weil er nach Ingolstadt "versetzt" (er ist dort Chefarzt geworden) wurde. Aber dort waren noch zwei andere liebe Ärzte und die haben uns erklärt: "Warum amputieren, da ist doch noch genügend Platz!" Somit stand unsere Entscheidung eigentlich schon fest, der Fuß bleibt dran und Dr. Hillmann wird das operieren.

operation füssle

"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."             

 

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