Dieser Themenbereich ist sehr schwierig und komplex, da viele Dinge (z.B. Vererbungsgänge) noch nicht abschließend erforscht und die verschiedenen Formen der Autoimmunerkrankungen nur sehr schwer bzw. gar nicht zu diagnostizieren sind. Ich möchte das Themengebiet Autoimmunerkrankungen dennoch nicht unter den Tisch fallen lassen, da gerade diese eine Erkrankung darstellen, die für die betroffenen Hunde und Halter oftmals mit sehr viel Leid verbunden sind. Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass ich weder ein Mediziner bin; noch in der Lage bin, medizinisch fundierte Berichte zu erstellen. Vielmehr soll es sich bei meinen Ausführungen um eine kleine Informationsmöglichkeit handeln.
Hundebesitzer, bei deren Hunden eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde oder deren Hunde auffällige Hautveränderungen (s.u.) oder andere Symptome zeigen, können sich gerne per E-Mail (siehe Impressum) bei mir melden. Es gibt ein spezielles, nicht öffentliches Autoimmunforum für die Besitzer autoimmunkranker Hunde. Den Link zu diesem Forum gebe ich auf Anfrage gerne an betroffene Hundebesitzer heraus. Man kann sich dort über Diagnosemöglichkeiten informieren, aber auch Rat, Hilfetipps und moralische Unterstützung bekommen.
Den Autoimmunerkrankungen liegt eine Störung des körpereigenen Immunsystems zugrunde, die dazu führt, dass Abwehrzellen, die eigentlich dazu da sind körperfremde Zellbestandteile oder Stoffe (z.B. Bakterien, Viren, Proteine) zu bekämpfen, sich auch gegen körpereigene Zellen und Gewebe richten und dadurch zerstören. Daher werden die Autoimmunerkrankungen auch als Autoaggressionserkrankungen bezeichnet. Im Gegensatz dazu würde eine gesunde Immunabwehr erkennen ob es sich um körpereigene oder körperfremde Stoffe und Zellen handelt und nur die „Eindringlinge“ bekämpfen. Von den Autoimmunerkrankungen sind übrigens die Immunschwächen (= ausbleibende oder zu schwache Reaktionen des Immunsystems) und die Allergien (= eine übermäßige Reaktion auf an sich harmlose Substanzen) zu unterscheiden.
Autoimmunerkrankungen befallen Menschen, Katzen, verschiedene andere Säugetierarten und Hunde unterschiedlicher Rassen. Auch bei den Kromfohrländern finden sich leider immer wieder einmal betroffene Tiere. Eine genetische Disposition wird angenommen, so dass erkrankte Hunde von der Zucht ausgeschlossen sind.
Die Autoimmunerkrankungen (kurz: AI) können sowohl einzelne Organsysteme befallen, als auch systemisch auftreten. Weiterhin können neben den Organen, die Haut, der Bewegungsapparat und das Blut betroffen sein. Es gibt auch Autoimmunerkrankungen, bei denen mehrere Bereiche des Körpers gleichzeitig betroffen sind.
Nachfolgend möchte ich ein paar mögliche Formen der Autoimmunerkrankung aufzählen, als da wären
- als systemübergreifende Erkrankung der Systemische Lupus erythematodes, bei dem neben Haut-, Gelenk- und Blutsymptomen auch innere Organe betroffen sein können
- als Erkrankung der Haut der Diskoide Lupus erythematodes,
- als Erkrankung der Muskulatur, mit einer damit oftmals verbundenen Speiseröhrenlähmung bzw. –erweiterung (Megaösophagus), die u.a. zu Erbrechen führt, Myastenia gravis. Auch wechselnde Lahmheiten werden bei dieser Form der AI vielfach beobachtet.
- als Erkrankung des Bewegungsapparates die rheumatische Arthritis, die ebenfalls zu wechselnden Lahmheiten führt.
- als Bluterkrankungen die autoimmunhämolytische Anämie, bei der die roten Blutkörperchen durch Antikörper zerstört werden, und die autoimmuninduzierte Thrombozytopenie, bei der die Blutplättchen betroffen sind, was Gerinnungsstörungen und Blutungsneigungen zur Folge hat. Diese beiden Krankheiten können auch gemeinsam auftreten. Da die Symptome sehr den Symptomen einer Vergiftung ähneln, versterben die betroffenen Hunde oftmals vor der Erstellung der richtigen Diagnose, so dass hier vermutlich eine hohe Dunkelziffer vorliegt.
Die obige Aufzählung ist nicht abschließend, da es mir nur darum geht einen kleinen Überblick darüber zu geben, wie vielfältig die Autoimmunerkrankungen sind. Interessierte können über Google weitere Formen der Autoimmunerkrankungen finden. Im Zusammenhang mit den Autoimmunerkrankungen wurden auch schon Dermatomyosotis (entzündliche Erkrankungen der Haut und der Muskulatur) und Vaskulitis (immunbedingte Entzündungen der Blutgefäße) diagnostiziert. Mir persönlich ist es ehrlich gesagt völlig egal, WIE sich die Krankheit mit den AI-ähnlichen Symptomen nun nennt, an der die Hunde leiden. Wichtig finde ich, dass Betroffene Hilfe bekommen und die Symptome dem Rassezuchtverein der Kromfohrländer gemeldet werden (siehe unten).
Da die Autoimmunerkrankungen so vielfältig sind, ist eine Diagnose entsprechend schwer und oftmals leider gar nicht möglich. Als Diagnosemöglichkeiten stehen unter anderem der ANA-Test (Bluttest auf antinukleäre Antikörper), der Coombs-Test (wird bei den Blutformen angewandt), die Bestimmung von Rheumafaktoren (bei der Gelenkform) und eine immunfluoreszenz-mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben (Biopsie) zur Verfügung. Leider hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass diese Diagnosemöglichkeiten unzuverlässig sind, so dass auch bei einem negativen Ausfall der Tests eine AI vorliegen kann. Vielfach wird dann auf eine diagnostische Therapie mittels Kortison zurückgegriffen. Dies bedeutet, dass dem Hund über einen gewissen Zeitraum Kortison verabreicht wird. Klingen die Krankheitssymptome unter dieser Kortisongabe ab und kommen nach der Absetzung des Medikaments wieder, so besteht ein starker Verdacht auf AI. Da das Kortison als solches gerade auch bei Naturheilkundlern nicht unumstritten ist, scheut jedoch so manch ein Hundehalter diese Form der Diagnose. Dennoch ist es wichtig, dass auch Hunde ohne diagnostizierte AI, jedoch mit einem starken Verdacht auf AI dem Rassezuchtverein der Kromfohrländer (RZV) gemeldet werden, damit bei den in der Zucht befindlichen Verwandten des Hundes auf Paarungszusammenstellungen geachtet werden kann, die das Risiko von weiteren erkrankten Hunden weitestgehend minimieren. Sollte Ihr Hund also von seinem Tierarzt eine AI diagnostiziert bekommen oder verdächtige Symptome vorliegen, so melden Sie dies bitte unbedingt umgehend der Zuchtbuchstelle des Rassezuchtvereins. Warten Sie nicht bis zur nächsten Zusendung des Gesundheitsfragebogens durch den RZV, denn unter Umständen können zwischen Auftreten der Erkrankung und der Zusendung des nächsten Fragebogens viele Monate vergehen. In dieser Zeit wird mitunter aber mit den Eltern, Geschwistern oder anderen nahen Verwandten des erkrankten Hundes weitergezüchtet, ohne dass die Züchter oder der Zuchtausschuss, der die Zuchtanträge zu genehmigen hat, etwas von der Erkrankung des betreffenden Hundes wissen. Das Risiko weiterer erkrankter Hunde wird dadurch erhöht! Gerade die Schwanzspitzennekrosen (siehe unten) vererben sich gerne weiter, wobei in dem Vererbungsgang auch eine Generation übersprungen werden kann. Selbst wenn bei dem eigenen Hund „nur“ eine Schwanzspitzennekrose vorliegen sollte, mit der er einigermaßen beschwerdefrei leben kann, könnte bei einem seiner später gezüchteten Verwandten durchaus eine stärkere Form der AI durchschlagen, die bei entsprechender Meldung vermeidbar gewesen wäre!
Was aber sind Symptome, die den Verdacht auf eine AI nahe legen? Die nachfolgenden Punkte sollen eine kleine Hilfestellung sein:
- schlecht heilende Wunden (Wundheilungsstörungen)
- häufigere Nagelbettentzündungen, die teilweise auch mit einem Krallenverlust verbunden sein können
- länger andauernde Entzündungen der Mundschleimhaut und/oder der Lefzen. Hiermit verbunden ist oftmals ein charakteristischer unangenehmer Mundgeruch, der an Metall erinnert. Auch ein vermehrter Speichelfluss (verklebte Barthaare) wurden in diesem Zusammenhang schon beobachtet (siehe Bild unten). Der bei einem gesunden Hund waschbrettartig aussehende Gaumen, ist bei an AI-erkrankten Hunden oftmals von glatter Struktur (siehe unten).
- Entzündungen oder Geschwüre an den Lidrändern und/oder am After
- Entzündliche Pusteln oder Blasen, die anschließend verkrusten können
- Eine kahle Schwanzspitze, die auch offen (= entzündet bzw. blutig) sein kann. Gerade im Anfangsstadium der AI wird dieses Symptom oftmals übersehen, da die kahle Schwanzspitze von längeren Haaren verdeckt sein kann. Um die Schwanzspitze richtig betrachten zu können, sollte man die Haare beiseite ziehen (siehe Bilder unten). In einem späteren Stadium der AI kann die Schwanzspitze von oben herab schwarz werden und absterben (= Schwanzspitzennekrose). Manchmal ist dann eine Amputation der Schwanzspitze erforderlich.
- Kahle, entzündete Ohrränder, die ebenfalls schwarz (nekrotisch) werden können und anschließend „verledern“ (siehe Bild unten)
- Geschwollene Ohrränder
- Wechselnde Lahmheiten, ohne dass man einen Grund dafür finden würde, teilweise auch verbunden mit einer schmerzhaften Schwellung der Gelenke
- Häufiges Erbrechen, ohne dass ein anderer Grund hierfür gefunden werden könnte
- Unerklärlicher Fellverlust. Markante Stellen hierfür sind der Gesichtsbereich und die „Hosen“ an den Hinterbeinen
- Geschwollene Lymphknoten
- Immer wiederkehrende und häufige Infekte (z.B. Mandelentzündungen, Gebärmutterentzündungen, Bindehautentzündungen, Blasenentzündungen, Magen-Darm-Probleme). Ab und zu mal ein Infekt im Welpenalter ist normal (Kinderkrankheiten), aber wenn es immer wieder und häufig zu Infekten kommt, so sollte man seinen Tierarzt auch mal auf die Möglichkeit einer Autoimmunerkrankung ansprechen.
Nachfolgend einige Bilder um die Symptome zu verdeutlichen:
Kahle Schwanzspitze
Zum Vergleich: Gesunde Schwanzspitze
Entzündungen im Maul, an den Lefzen und an der Zunge
Verklebte Haare im Maulbereich und entzündete Lefzen
Entzündungen im Maul. Besonders gut zu erkennen ist hier auch der glatte Gaumen
Entzündlich veränderte Zunge
Zum Vergleich: Gesundes Schleimhäute im Maul
Hier kann man gut die waschbrettartige Struktur eines gesunden Gaumens erkennen
Die gesunde Zunge ist gleichmäßig von samtiger, ebener Struktur
Veränderungen an den Ohrrändern und Pusteln in den Ohren
Diese Innenansicht zeigt die schorfige Struktur des Innenohres (die weißliche Farbe rührt von Penaten-Créme her, die die Besitzer zur Linderung der Symptome aufgetragen hatten). Die Ohrränder sind verledert.
Hier kann man gut entzündliche Pusteln erkennen. Sie kommen und gehen in unregelmäßigen Zeitabständen.
Von außen kann man an den Ohren nur die schwarz verfärbten Verlederungen erkennen. Bevor es zu der Verlederung kam, waren die Ohrränder rosa entzündet.
Zum Vergleich: gesunde Ohren
Innen
Außen
All diese Symptome können einzeln oder gemeinsam vorliegen. Eine erfahrene Züchterin erwähnte mir gegenüber auch einmal, dass sie bei den Welpen, bei denen später eine AI ausbrach, während der Geburt untypische schwallartige Blutungen zwischen den einzelnen Geburtsabschnitten beobachtet hätte. Hierzu gibt es bislang jedoch keine gesicherten Erkenntnisse. Es wäre interessant zu erfahren, ob ähnliche Beobachtungen auch durch andere Züchter gemacht wurden.
Wie ich oben schon geschrieben habe, ist eine genaue Diagnose der AI sehr schwer. Oftmals werden nur irgendwelche häufig vorkommenden Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze, die sich auf den erkrankten Hautstellen festsetzen, diagnostiziert und dementsprechend mit Antibiotika behandelt. Die Linderung der Symptome ist jedoch nur kurzfristig, da durch die Antibiotikagabe nur die bakteriellen Sekundärinfektionen und nicht die Autoimmunerkrankung als solches bekämpft werden können.
Die Autoimmunerkrankungen treten in verschiedenen Altersabschnitten (Hunde jedweder Altersklasse können betroffen sein) und verschiedenen Ausprägungen auf. Manchmal „schlummert“ die Anlage zu einer AI jahrelang völlig symptomlos in einem Hund bis sie durch irgendeinen Auslöser dann ausbricht. Solche Auslöser können Impfungen, Stress, Unfälle, Operationen, Trächtigkeiten oder auch andere Dinge sein. Ein mir bekannter Junghund, bei dem eine impfinduzierte Vaskulitis diagnostiziert wurde, entwickelte die Symptome (entzündetes Maul, Nagelbettentzündungen, Erbrechen, kahle Schwanzspitze) ab dem Alter von 4 Monaten mehrere Wochen nach einer Tollwutimpfung. Ein weiterer mir bekannter Rüde entwickelte AI-ähnliche Symptome (Ohrspitzennekrosen, kahle Schwanzspitze, wechselnde Lahmheiten) nachdem er im Alter von 8 Jahren kastriert wurde. Wie gesagt: Die Anlage zu dieser Krankheit muss schon vorher in dem Hund sein! Bei Hunden, die keine Anlageträger sind, ist der Ausbruch einer AI aufgrund der o.g. Dinge unwahrscheinlich.
Auch die Ausprägung der AI ist von Hund zu Hund verschieden. Die einen Hunde bekommen „nur“ eine Schwanzspitzennekrose, mit der sie (fast) beschwerdefrei leben können und die anderen Hunde machen das volle Programm der o.g. Symptome durch. Diejenigen Hunde, bei denen die AI im ersten Lebensjahr ausbricht und sehr stark ausgeprägt ist (Entzündungen im Maul, Nagelbettentzündungen, Nekrosen, Erbrechen...), haben leider meistens keine besonders hohe Lebenserwartung und sterben nach einem längeren Leidensweg. Die Hunde, bei denen die AI nicht sehr ausgeprägt ist bzw. bei denen sie in einem späten Lebensabschnitt auftritt, können durchaus die durchschnittliche Lebenserwartung der Rasse erreichen. Vielfach tritt die Krankheit auch in „Schüben“ auf.
Eine Bekämpfung der AI mittels Medikamenten ist schwierig. In der Regel lassen sich nur die Symptome mildern. Eine Heilung ist nicht möglich. Das Mittel der Wahl ist meistens Kortison, aber auch mit homöopathischen Mitteln kann teilweise geholfen werden. Ist der Hund erst einmal auf Kortison eingestellt, so muss dieses Medikament oftmals lebenslang gegeben werden. Aber auch ein „Rausschleichen“ aus der Kortisongabe bzw. das Ermitteln der geringstmöglichen Menge ist in einigen Fällen möglich.
Stress jedweder Art sollte vermieden werden. Auch eine getreidefreie Ernährung und eine Umstellung auf Rohfütterung (Natural Dog Food bzw. B.A.R.F.) haben schon Erfolge bei einigen Hunden gebracht. So hat eine mir bekannte Kromi-Hündin, bei der die AI (in Form von Nagelbettentzündungen, Krallenverlusten, offener und kahler Schwanzspitze und Pigmentstörungen an den Lidrändern) nach einer Operation ausbrach, nach der Umstellung auf Rohfütterung „nur“ noch eine kahle, aber nicht mehr entzündete Schwanzspitze. Alle restlichen Symptome sind verschwunden.
Auch eine zu starke Sonneneinstrahlung (z.B. in den Sommermonaten) führt in vielen Fällen zu einer Verschlimmerung der Symptome, so dass diese ebenfalls vermieden werden sollte.
Nochmal: Für Kromi-Besitzer, aber auch die Besitzer von Hunden anderer Rassen, bei deren Hunden ein Verdacht auf AI besteht, deren Hunde kahle Schwanzspitzen haben und/oder andere AI-Symptome zeigen bzw. bei deren Hunden eine AI-Diagnose vorliegt, gibt es ein spezielles, nicht öffentliches AI-Forum, in dem man sich in Ruhe austauschen kann. Auch Tiermediziner sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Wer Interesse an dem Austausch mit anderen Betroffenen hat, kann mir gerne eine E-Mail schicken. Ich werde dann einen Link zu diesem Forum zuschicken. Auch Züchter aus deren Würfen betroffene Hunde hervorgegangen sind, sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.