Fanny

Fanny



Als Kind hatte ich erst einmal zwei Meersäuli, die ich nach meinen Brüdern Ernst und Paul nannte, doch die hat man (gegen meinen Willen) im Garten springen lassen, damit sie etwas Auslauf haben... und weg waren sie.

Danach hatte ich ein Meerschweinchen, das ich Mumi nannte - das war in einem Käfig im Garten, doch ein Nachbarshund kam und hat es sich geschnappt, als ich gerade in der Schule war. Die Katze, die wir zu der Zeit auch schon hatten, war noch hinter dem Sofa versteckt, als ich nach Hause kam...

Eh voilà, die Katze. Muschi. Lacht nicht, ich hab das früher mal in einem Kinderbüchlein gelesen und fand es einen reizenden Namen für eine Katze. Obwohl Muschi eigentlich ein Kater war... und was für ein Schöner! Obenrum getigert, mit weissem Bauch und weissen Pfötchen - aus dem Wurf der Nachbarskatze. Doch nach einem Jahr verschwand er spurlos...
Aber die Nachbarskatze hatte erneut Junge und wir bekamen einen neuen Muschi.
Ich weiss noch genau, wie wir gerade unser kleines Katerchen von nebenan zu uns geholt haben (allerdings weiss ich nicht mehr, ob es sich dabei um Muschi1 oder Muschi2 gehandelt hat, die übrigens bis auf einen Flecken an der Hinterpfote beide identisch aussahen, weshalb die Erinnerung wohl auch ziemlich verschwommen sind) und kaum haben wir ihn im Garten abgesetzt, sah der junge Kater am anderen Ende eine fremde Katze - und spurtete sofort los, um den Eindringling aus seinem neuen Revier zu vertreiben. Hach, ich hab meine Muschi geliebt!
Doch auch der zweite Muschi ist nach einem Jahr verschwunden, gerade als er langsam schön kräftig und katerig wurde... und dann wurde auch noch die Nachbarskatze überfahren und es gab also keine Muschis mehr.

Als Mutschka gerade mit dem Frauenturnverein auf einer Reise war, sind Väterchen und ich dann losgezogen und haben uns einen Hund gekauft. Einen Zwergdackel mit langem rehbraunen Fell. Den grössten Zwergdackel, den ich jemals gesehen habe, ein lustiger und wilder Geselle, der gerne über die Felder wetzte und auch Mäuse jagte, auch wenn wir ihm dabei helfen mussten, denn er tat es nicht gerade auf Katzenart, sondern wollte sich meistens einfach durch das Gestrüpp durchbeissen, wo sich die Maus verkrochen hatte. Unseren Mingo (offiziell hiess es Amingo von Waldjäger) hatten wir acht Jahre lang... bis ihn an einem heissen Tag (nachdem er zuvor schon mal etwas krank war, weil er vielleicht irgendwo was aufgelesen und gefressen hat, was er wohl lieber hätte lassen sollen) schliesslich der Schlag traf, weil er sich vermutlich zu sehr darüber aufregte, dass er eine verdammte Maus nicht erwischte, die sich hinter der Bank draussen verkrochen hatte... es war kurz vor dem 1. August - wenigstens hat er die Knallerei nicht mehr erleben müssen, das hat er nämlich immer gehasst.

Tja, danach hatten wir nur noch die Goldfische in den kleinen Gartenteichen... und was sonst noch so kreucht und fleucht. Doch nichts mehr zum streicheln, es sei denn, eine Nachbarskatze (Andere Katze, andere Nachbarn!) kam mal vorbei:
Die bezaubernde Jeannie!


Ich hab mir immer gesagt, irgendwann hätte ich gerne mal wieder selber eine Katze. Vielleicht schwarz-weiss-kunterbunt-gescheckt, womöglich mit einem kleinen Schuss Angora, denn ich hab's gern schön wuschlig. Aber die Jahre vergingen und mir ist keine Katze zugelaufen...

... bis eines Tages jemand während einer zufällig zustandegekommenen Plauderei sagte, sie wüsste da eine tolle Katze für mich. Okay, ich war gerade krank, hatte im Oktober 2004 so eine hartnäckige Husten-Grippe-Wasweissichnichtalles und kam gerade von der Apotheke... und ich sagte dann einfach "Okay!" und dabei hatte ich noch nicht mal ein Bild von der Katze gesehen.
Erst hat die Erika sogar noch was von einer Siam-Katze erzählt... aber dann war's plötzlich doch was anderes. Egal. Wenn mir eine Katze schon so auf dem Silbertablett serviert wird, dann ist das doch ein Wink des Schicksals! ;-)

Am Abend stand die Katze schon vor meiner Tür. Oder vielmehr die Frau, die sie mir gebracht hat, samt Kratzbaum, Katzenklo und allem drum und dran... und obwohl Väterchen erst wenig begeistert war, kam die Katze ins Haus. Fanny. Eine wuschlige schildpatt-farbene Perser-Katze, schon 7 Jahre alt und bei uns nun in dritter Hand.
Bei uns hat sie sich wohl sofort wohl gefühlt, denn kaum hab ich sie in den Arm genommen, da hat sie auch schon geschnurrt. Ist dann natürlich auch Väterchen schnurrend und mit niedlichem Katzenbuckel um die Beine gestrichen und man konnte förmlich zusehen, wie er dahinschmolz... hehe. Sie hat alles interessiert ausgeschnüffelt und ist dabei in die hintersten Winkel gekrochen, weshalb ich sie dann eine ganze Weile 'Staubwedel' genannt habe.
Oh, sie ist so süss und wuschlig und total verschmust! Und ich mochte sie auf Anhieb... aber so wie Fanny ein paar Tage gebraucht hat, um sich an uns, die neue Umgebung und auch anderes Futter zu gewöhnen, so habe auch ich ein wenig gebraucht, bis ich sie auf den ersten Blick als meine Katze erkannt habe - denn hey, im Gegensatz zu den Katzen, die ich sonst so kenne, sieht so eine Persianer schon etwas exotisch aus mit ihrem flachen Gesicht, das aussieht, als wäre sie gegen eine Wand gelaufen. Auch ihr Körperbau ist ein wenig anders, wie bei einem tiefergelegten Auto, so dass sie irgendwie ständig wirkt, als würde sie sich anschleichen... wenn sie nicht gerade einen Katzenbuckel macht.

Offensichtlich schmeckt ihr billiges Katzenfutter mindestens genau so gut wie das teure Zeugs oder zumindest gewisse Sorten - denn inzwischen ist sie nicht mehr so spindeldürr unter ihrem wuschligen Pelz, sondern hat etwas Speck auf den Rippen... ;-)
Und sie hatte so lange Haare an ihren Pfoten, dass es kein Wunder war, dass sie Catsan im halben Haus verteilte, doch ich habe ihr dann den Pelz an den Pfoten etwas gestutzt, so dass sie meiner Meinung nach nun etwas beherzter laufen kann - gerade auch draussen, wo sich auch ihre langen Krallen nun etwas besser abwetzen können. Oh, sie hat wirklich hübsche Pfötchen!
Und ein schnuckliges Näschen. Das Schnäuzchen darunter ist auf der einen Seite hell und auf der anderen dunkel. Auf der einen Seite hat sie auch ganz weisse Schnauzhaare, während auf der dunklen Seite bis auf ein weisses die Schnauzhaare dunkel sind - und weil die dunklen Haare auf dunklem Grund fast unsichtbar sind, sieht es fast so aus, als hätte sie nur einen halben Schnauz bzw. auf der anderen Seite nur ein einzelnes Haar, das wirkt irgendwie schon ziemlich drollig.
Ihre Farbe ist ja auf ihrem Impfausweis als 'Schildpatt' angegeben... aber in einem Buch über alle möglichen Rassekatzen, das ich dann auf Weihnachten bekommen habe, würde ich ihre Farbe nicht als reines Schildpatt (schwarz/rot), sondern eher als Chocolate Tortie (schokoladenbraun/rötlich) sehen - ja, sie ist ein Schoko-Tortie!

Schon am zweiten oder dritten Tag haben wir sie auch mal vor die Tür gelassen. Am Anfang hat sie fast ausgesehen, als wäre sie noch nie im Leben draussen gewesen, denn sie blieb immer auf den Steinen und machte erst keinen Schritt ins Gras.
Später musste ich dann schon Laub und sogar mal Schnecken aus ihrem Fell kämmen - offensichtlich wuselt sie zuweilen auch durchs grösste Dickicht und kommt auch schon mal wieder tropfnass herein. Sie setzte sich immer vor die Haustür, wenn sie wieder herein wollte, egal wo wir sie rausgelassen haben, und weil es uns langsam zu bunt wurde, immer für sie Portier zu spielen, haben wir dann im Dezember Katzentürchen einbauen lassen. Eins innen, damit sie in den Keller kann, und eins an einem Kellerfenster, damit sie raus und rein kann. Seitdem muss sie ein Halsband tragen, denn das Äussere Katzentürchen ist elektronisch gesichert - und so trägt Fanny jetzt ihren persönlichen Hausschlüssel quasi um den Hals. Samt einem kleinen Glöckchen, so dass wir jetzt immer hören können, wenn sie rumläuft.
Jetzt kann sie also nicht nur zum Fenster raussehen, was sie sehr gerne tut, sondern auch selber rausgehen, wenn sie Lust dazu hat.

Frühlingsgefühle! Fanny hat ein paar Mal eine Nachbarskatze besucht - ein Kater... und wenn man der Nachbarin glauben darf, haben die ganz schön rumgeschmust! *räusper* Und ich habe selbst gesehen, wie sie mal dieser dunklen Katze nachgeschlichen ist - und prompt kam sie danach erst spät nach Hause bzw. stand dann vor der Haustür, weil sie nämlich ihr Halsband verloren hat... Aber wir hatten ja noch einen Ersatzschlüssel und den trägt sie nun an einem stabilen Lederhalsband, das bestimmt nicht so leicht abfällt wie das andere Ding mit dem Klick-Verschluss; und ein Glöckchen hab ich auch drangenäht.

Dann hatte sie Anfang März 2005 eine Bindehautentzündung am rechten Auge - aber nach einer Antibiotika-Spritze beim Tierarzt und Augensalbe für zwei Wochen geht's ihr nun wieder gut, zum guten Glück. Als sie da so einen Tag lang halbtot rumlag und nicht essen und nicht trinken wollte und ihr Auge so geschwollen war, da hat sie mir wirklich einen ganz schönen Schrecken eingejagt, als ich abends heimkam und sie so dalag und wimmerte. Und trotzdem hat sie geschnurrt, als ich sie gestreichelt habe... also nahm ich sie mit hoch ins Bett und hab sie dann den ganzen Abend lang gestreichelt, bis sie ruhiger geatmet hat - und es war wirklich rührend, wie sie mal wieder ihre Pfote nach mir ausstreckte und sich an mich gekuschelt hat, mein kleines Wuschelchen. Aaah, war ich dann froh, als es ihr am nächsten Tag nach dem Tierarzt-Besuch wieder besser ging!

Im Mai 2005 war sie mal zwei Tage verschwunden und natürlich hab ich mir schon die grössten Sorgen gemacht - doch sie ist dann mitten in der Nacht wieder aufgetaucht. Hungrig, durstig und furchtbar dreckig. Als wäre sie in einer Garage oder sowas eingesperrt gewesen und hätte in einer Ölpfütze geschlafen oder sowas in der Art. Jedenfalls haben wir sie dann am nächsten Tag gebadet - das hat ihr nicht so gefallen, aber immerhin war sie danach wieder halbwegs sauber. Am nächsten Tag dann noch mit Pulver dahinter und dann war ihr Fell wieder schön wuschlig.

Inzwischen ist schon 2008 und Fanny ist immer noch putzmunter - auch wenn sie meist so faul herumliegt oder hoheitsvoll herumschreitet, dass man ihr fast nicht zutrauen würde, dass sie tatsächlich hin und wieder auf die Jagd geht. Doch erst letzte Woche hat sie einen Spatz angeschleppt - denn Vögel haben es ihr schon immer angetan.
Kaum hat sie sich jeweils etwas Winterspeck angefressen, lässt ihr Appetit wieder nach - aber wie sie frisst hängt meist sowieso vom Wetter und von ihren Launen ab. Früher hat sie spätestens beim Weckerklingeln lautstark miaut, dass sie Fressen will, doch inzwischen muss ich morgens nicht mehr auf den Zug und sie lässt mich nun tatsächlich schlafen, legt sich sogar zuweilen zu mir ins Bett. Und wenn ich dann aufstehe, will sogar meist erst schön gestriegelt werden, bevor sie ihr Zmorge will.

 



 

Noch viel mehr Fanny-Föteli
im LiveJournal:


 

B.B. / 3.4.2005 - 7.7.2008 - 11.9.2010 [Letztes Update]

 

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