KÖB Kerpen-Horrem


buchtipps

  

Hier die Empfehlungen des Monats    

Neue Bücher   vorgestellt von Renate Stürmer

 

Katzenbach, John:
Der Professor - Psychothriller

Der emeritierte Psychologieprofessor Adrian Thomas erhält eine niederschmetternde Diagnose: Er leidet an einer besonders schnell verlaufenden Form von Demenz. Schon bald, erklärt ihm der Arzt, wird er nicht mehr zwischen Wahn und Realität unterscheiden können. Noch erschüttert von dieser Nachricht macht der Professor auf der Heimfahrt eine Beobachtung, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen will: Kann es wirklich sein, dass das junge Mädchen mit dem Rucksack mitten auf der Straße in einen plötzlich stoppenden Lieferwagen gezogen wurde? Oder sind dies bereits die ersten Anzeichen seiner Krankheit? Zutiefst verunsichert zieht sich der Professor in die Einsamkeit seines Hauses zurück - und bekommt dort Gesellschaft von seiner toten Frau, seinem toten Bruder und seinem toten Sohn. Und die Toten sind es auch, die den Professor bedrängen, Nachforschungen anzustellen und das entführte Mädchen zu suchen. Von Seiten der Polizei erhält er dabei wenig Unterstützung, denn die mit dem "Vermisstenfall Jennifer" betraute Ermittlerin ist unsicher, ob sie den Aussagen des offensichtlich verwirrten alten Mannes Glauben schenken soll. Auf diese Weise vergehen mehrere Tage, in denen die tatsächlich entführte Jennifer hilflos ihren Peinigern ausgeliefert ist. - Durch beständigen Perspektivenwechsel hält John Katzenbach den Leser in atemloser Spannung: So durchlebt der Leser aus der Sicht des Opfers hautnah die sadistischen Spielchen, die das Entführerpaar mit Jennifer anstellt, und ist gleichzeitig durch die Augen der voyeuristischen Zuschauer des Internet-Livestreams quasi live dabei. Zudem wird der Leser mit den Motivationen der Entführer konfrontiert, muss sich gemeinsam mit dem Professor Sorgen um dessen Zurechnungsfähigkeit machen und begibt sich zusammen mit der sympathischen Ermittlerin auf die fieberhafte Suche nach Jennifer. Ein harter, aber brillanter Psychothriller.

 

Suter, Martin:
Allmen und Libellen - Kriminalroman

Held der neuen Reihe ist der feinsinnige Lebemann und Kunstsammler Johann Friedrich von Allmen. Er spricht acht Sprachen, lebt auf großem Fuß und hat das Millionenvermögen seines Vaters längst durchgebracht. Die hochherrschaftliche Villa samt dazugehörender Kunstsammlung musste er verkaufen und seitdem lebt er mit seinem Butler Carlos - einem ehemaligen Schuhputzer aus Guatemala - im Gartenhaus des Anwesens. Da er bis über beide Ohren verschuldet ist, hat er das Kunstsammeln in Kunst beschaffen gewandelt und sein langjähriger Antiquitätenhändler Tanner hilft ihm mit Aufkäufen von Objekten nebulöser Herkunft immer wieder aus der Klemme. Bis nach einem alkoholseligen Opernabend Allmen von Jojo, einer heißhungrigen Blondine, in die Villa ihres Vaters abgeschleppt wird. Dort entdeckt er bei einem nächtlichen "Rundgang" eine geheime Kammer mit einer umfangreichen Sammlung edelster Jugendstilgläser und -schalen - und bei den fünf Schalen mit Libellen kann Allmen nicht widerstehen, scheinen sie doch ein Vermögen wert zu sein. Die Vermarktung der Schätze ist jedoch weit schwieriger als ihre Beschaffung - und so nimmt eine brillante Geschäftsidee Formen an: "International Inquiries" - die Wiederbeschaffung schöner Dinge. - Mit dem mondänen und immer klammen Johann Friedrich von Allmen und seinem Butler Carlos bewegt Suter sich weiterhin auf vertrautem Terrain, denn auch seine bisherigen Geschichten spielten in der wohlsituierten Welt des Zürcher Bürgertums, in der betuchte und manchmal auch gelangweilte Geschäftsleute ihren oft nicht ganz koscheren Geschäften nachgehen. Auch wenn der Erstling seiner Krimireihe ein wenig kurz ausgefallen ist und sich überwiegend in der Vorstellung der Charaktere erschöpft, kommt Suters Talent darin bereits klar zum Tragen: Er kann unterhaltsam-spannende und windungsreiche Geschichten kurzweilig erzählen.
 

Collins, Suzanne:
Flammender Zorn

Der dritte, letzte Teil der düsteren Saga um den diktatorisch regierten Staat Panem beginnt genau da, wo der zweite Teil endete. Die Rebellen haben Katniss aus der tödlichen Arena befreit, konnten ihren Freund Peeta aber nicht retten, der nun in der Gewalt des Kapitols ist. Die Heimat von Katniss ist völlig zerstört, die wenigen Überlebenden wurden im Rebellendistrikt 13 aufgenommen, der sich anschickt, die Regierung und den verhassten Präsidenten Snow endgültig zum Kampf herauszufordern. Widerstrebend entschließt sich das junge Mädchen, ihre mediale Popularität in den Dienst der Aufständischen zu stellen. Traumatisiert von ihren Erlebnissen in der Arena und hin- und hergerissen zwischen persönlichen Rachegelüsten und dem Abscheu vor einem immer brutaler geführten Krieg weiß Katniss längst nicht mehr, ob sie sich tatsächlich für eine gerechte Sache einsetzt. Denn die Präsidentin der Rebellen ist ähnlich machthungrig wie ihr Gegenspieler und zögert nicht, die beim Volk beliebte Katniss als Marionette in einem perfiden Spiel zu missbrauchen. - Nicht alle Fans dieser zu Recht erfolgreichen Trilogie werden mit dem wenig heroischen Ausgang der Geschichte einverstanden sein. Aber auch wenn die Autorin bei der Zusammenführung aller Handlungsstränge zuweilen seltsam unentschieden scheint, passt gerade das sehr verhaltene Ende perfekt zu einer Geschichte, in der es nicht zuletzt um die Verführbarkeit der Menschen durch Massenmedien und um die zerstörerischen Kräfte von Gewalt und Machtmissbrauch geht. Mehr noch als die Vorgängerbände ist diese letzte Episode zuweilen sehr dunkel und blutig geraten. Die Autorin bedient allerdings keine voyeuristischen Reflexe, sondern will junge Leser neben aller zielgruppengerechten Unterhaltung zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Krieg, Gewalt und den Fehlentwicklungen einer modernen Massengesellschaft anregen.


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