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Kriegsgräber fordern Frieden
und mahnen zur Achtung der Menschenwürde
jedes Einzelnen
Wir, die kirchliche und politische Gemeinde Schwabhausen,
die Soldaten- und Reservisten- Kameradschaft Schwabhausen (SRK) 1920 und Sie alle,
sehr verehrte Anwesende, erinnern uns heute an die vielen Opfer von Kriegen und Gewalt.
Die Jüngeren werden sich fragen: Muss das wirklich immer noch sein? Kaum einer aber weiß noch, wofür diese jungen Menschen, die alle ihr Leben noch vor sich hatten, sterben mussten.
Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard bringt es für uns und die Jugend auf den Punkt:
"Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, aber vorwärts muss es gelebt werden!"
Deshalb ist es wichtig und ist es auch richtig, dass wir uns jedes Jahr hier zum Volkstrauertag am Krieger- und Friedensmahnmal treffen, um uns an die schlimmen Ereignisse, Schicksale und vor allem an die Ursachen aus dieser dunklen Epoche unserer Deutschen Geschichte zu erinnern.
Zum einen, um uns tatsächlich zu erinnern, zum andern aber, um zu mahnen, und das ist leider in der heutigen Zeit fast wichtiger als alle anderen Gedenkfeierlichkeiten mit Fahnen, Hymnen und Ehrensalut!
Die vielen Toten, über die wir heute schon gesprochen haben und derer wir stets gedenken, gab es auch zum Teil dadurch, weil in dieser kurzen, schrecklichen Epoche, der wir auch die meisten Opfer zu verdanken haben, unter anderem die Menschenwürde nicht mehr geachtet und respektiert wurde. Es gab in der damaligen Ideologie und wahnsinnigen Rassenlehre unwertes Leben, das nichts wert war und das es deshalb nicht zu beschützen galt, sondern statt dessen zu vernichten und auszulöschen. Das damalige grausame Denken und Handeln wirkte sich auch unweigerlich auf den alltäglichen, ganz normalen Umgang miteinander aus. Die moralischen Schranken wurden immer niedriger. Heute ist es in Zeiten, wo es in unserm Land der Wirtschaft schlechter geht und sich die große Politik zweifelhafter, unberechenbarer und unzuverlässiger denn je darstellt, mit der Menschenwürde auch bei uns nicht mehr weit her. Es beginnt bereits mit der offenen Respektlosigkeit bei Vielen von der jüngeren Generation gegenüber den Älteren. Das was sich heute junge Menschen gegenüber Erwachsenen und viel Älteren trauen und sich vor allem auch in Wort und Schrift erlauben, hätten wir, die wir doch schon einige Jahre nach dem Krieg geboren wurden, vor 30 / 40 Jahren nie gewagt und auch nie getan. Warum? Weil uns damals noch andere Werte anerzogen und beigebracht wurden, die heute schon lange außer Mode sind und weil auch Viele, die heute in der Verantwortung von Erziehung und Ausbildung stehen, keine Zivilcourage haben und auch nicht mehr haben dürfen, denn sonst kriegen sie sehr schnell ein Problem. Wo grüßen denn noch Kinder die Erwachsenen oder Jüngere die Älteren zuerst?Und wer, ja wer, hat ihnen das nicht beigebracht und nicht gelernt? Heute am Volkstrauertag, haben wir Berührung mit unserer deutschen Geschichte. Wo sind die Jungen?
Wo sind ihre Lehrer? Außer einem Kind da drüben und den 3 Ministranten ist niemand da.
Auch heute -wie damals- gibt es bei uns Menschen, die aufgrund ihrer Interessen, die sie verfolgen oder vertreten, sehr schnell eindeutige Tatsachen und Sachverhalte verdrehen.
Aus fanatischem Zugehörigkeitsgefühl heraus (wie auch damals, vor 60 / 70 Jahren) werden z.B. Rechts- und Verantwortungs- und Sicherheitsbewußtsein ins Gegenteil verkehrt und sogar als Schändung und Beschmutzung ihrer Organisation bezeichnet. Das wäre allein als Einzelfall noch nicht so schlimm. Gefährlich wird es aber erst dann, wenn mehrere sich zusammentun und gemeinsam, zum Teil auch noch anonym, in der heutigen Medienwelt z.B. im Internet, somit in der Öffentlichkeit, alle Schranken der Vernunft und Höflichkeit niederreissen. Sie überziehen einen darin mit Beleidigungen, Drohungen, Verunglimpfungen, übler Nachrede, Verleumdungen, Rufmord, Hetze, Unterstellungen und Behauptungen, dass einem als Betroffener zunächst gleich Angst und Bange wird, wenn man es zum ersten mal liest. Versucht man sich normal dagegen zu wehren, behaupten die Angreifer, dabei auch noch im Recht zu sein und begründen dies ganz ungeniert mit dem im GG garantierten Grundrecht der persönlichen Meinungsfreiheit! Das ist der Art. 5. Den kennen sie, die Achtung der Menschenwürde nicht! Und das in der heutigen Zeit, wohlgemerkt im Jahr 2005. Auch hier in Schwabhausen gibt es aktuelle Beispiele dafür. Heute am Volkstrauertag, wird überall vollmundig und pathetisch über den Frieden gesprochen und er wird zu Recht auch überall angemahnt und eingefordert. Doch, wo beginnt der Frieden? Was können wir hier in Schwabhausen und was kann jeder Einzelne hier von uns für den Frieden tun? Was glauben Sie? Wenig? Nichts? Die Unentschlossenen werden sagen: weiß nicht? Ich sage: Sehr viel! Der Frieden beginnt unmittelbar um uns herum. In der Familie, in der Schule, in der Arbeit, in allen örtlichen Vereinen, nicht nur hier bei uns im Soldatenverein und in der Kirche! Und überall haben wir es dort mit Menschen zu tun und immer wieder begegnen wir neuen Menschen! All diese Menschen, in der Familie, Schule, Arbeit, in den Vereinen und Kirchen, haben eine Würde. Jeder Einzelne hat sie mit seiner Geburt im Grundgesetz gesetzlich von unserem Staat in unserer Verfassung garantiert bekommen! Und diese Würde, die ja nicht umsonst gleich ganz vorne, im Artikel 1 unseres Grundgesetzes verankert ist, die gilt es zu achten und zu respektieren. Von jedem und überall. Daraus wird dann auch der Respekt gegenüber dem Anderen! Jeder Mensch, dessen Würde man achtet und nicht verletzt, wird friedlich und zufrieden sein.
Das muss man aber den jungen Menschen auch frühzeitig im Leben vermitteln und lernen.
Wenn uns das gelingt und wenn sich jeder täglich darum bemüht, dann ist es auch überall friedlich im täglichen Miteinander und sichert und stärkt uns unseren Frieden.
Den wir ja so gerne wollen. Üben wir uns in Toleranz, denn ohne Toleranz funktioniert es nicht in unserer Gesellschaft. Herr Pfarrer Schuman sagte einmal hier bei uns in Schwabhausen: "Liebe beginnt mit Toleranz". Hören wir auf ihn und handeln wir danach. Liebe macht friedlich! Vermischen und verknüpfen wir auch nicht Dinge, Sachverhalte und Konflikte mit unterschiedlichen Zugehörigkeiten zu örtlichen Vereinen und Organisationen, die absolut nichts miteinander zu tun haben und somit nur für neuen Zündstoff sorgen können, den wir aber doch gar nicht haben wollen bzw. brauchen.
So appellieren wir an alle unsere lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, hier und heute in Schwabhausen am Volkstrauertag, dem Tag der Erinnerung und dem Tag des "Nicht-vergessen-dürfens", an die Vernunft und Bereitschaft zur friedlichen Verständigung im täglichen Miteinander.
Verstehen wir die Bedeutung der "Trauer" im Volkstrauertag auch als Trauer darüber, weil damals auch die Menschenwürde nicht mehr geachtet und respektiert wurde, weil es damals die Wachsamkeit nicht mehr gab und auch nicht mehr geben durfte, die letztendlich so viel Trauer über unser Volk und viele andere Nationen gebracht hat. Besinnen wir uns deshalb gerade an jedem Volkstrauertag bewusst zur Achtung der Menschenwürde und zur besonderen, hellhörigen Wachsamkeit, der wir uns dann auch täglich stellen und verpflichten. Lassen wir es als ganz normale Selbstverständlichkeit in unser Fleisch und Blut übergehen, dass wir jedem Menschen, mit dem wir es zu tun haben, seine natürliche und ihm zustehende Wertschätzung schenken, die in unseren Grundrechten gesetzlich und moralisch festgelegt ist, dann braucht es uns um den Frieden hier, um uns herum und anderswo nicht Bange sein.
So gesehen wird der Volkstrauertag seine Bedeutung nie verlieren und vielleicht erkennt dann hoffentlich auch die junge Generation, dass dieser Tag jetzt und in der Zukunft ein ganz wichtiger Anker für unsere Gesellschaft und Demokratie ist, den man deshalb auch nicht zur Diskussion und in Frage stellen darf.
Genauso, wie wir unsere toten, gefallenen und vermißten Kameraden, alle Opfer des Krieges und die an den Folgen des Krieges Verstorbenen aus Schwabhausen und aus den Orten und Gemeinden der Heimatvertriebenen nicht vergessen dürfen, nur weil einige jüngere Zeitgenossen glauben, dass das nicht mehr in die heutige Zeit passt.
Oh Herr, lass‘ sie ruhen in DEINEM himmlischen Frieden.
(Originalansprache im kompletten Wortlaut,
in Schwabhausen am 13.11.05, Albert Winkler 1. Vors. SRK Schwabhausen 1920)
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