MEIN PAPST AQUARELL

20054095-papst-benedikt-xvi-malerei-zauberblume2.jpg
Unterwegs auf Spuren des Papstes
NACHZULESEN http://www.rhein-main.net/sixcms/detail.php?id=2393672&_print=true
Von Matthias Gerhart, 16.07.2005
Marktl (fnp) «Herzlich willkommen in der Taufkirche unseres Heiligen Vaters», steht auf dem großen Transparent über dem Eingang zur katholischen Kirche zu Marktl am Inn.
Der Besucher des Gotteshauses aus dem frühen 18. Jahrhundert sucht im Inneren allerdings vergeblich nach dem alten Taufstein. Stattdessen gibt es einen serienmäßigen Stein aus den 60er Jahren. Denn im Heimatmuseums steht zwischen Vitrinen und Fotos der alte Stein. Die Männer vom Heimatverein bargen vor Jahren den verkommenen Taufstein im Garten des Pfarrhauses und wollen ihn nun nicht mehr hergeben.
In Marktl wird auch drei Monate nach der Wahl des Papstes noch viel improvisiert, wie Bürgermeister Hubert Gschwendtner betont. Rund 30.000 Touristen kamen seit der Papstwahl in den 2700 Seelen-Marktflecken, um das Geburtshaus des Papstes zu besichtigen. Seitdem ist der Marktplatz an Wochenenden für den Autoverkehr komplett gesperrt.
Das Verkehrs- und Wallfahrtsbüro hat ein «Altöttinger Pilgerwochenende» arrangiert. Drei Tage lang kann man dort «Auf den Spuren Papst Benedikts XVI» wandeln und die verschiedenen Stätten seiner Kindheit und Jugend besuchen. Überall in Oberbayern zwischen München und Traunstein oder Marktl und Freising haben die Vertreter der örtlichen Tourismusbehörden solche Spurensuchen arrangiert.
Die eigentliche Heimat des Papstes aber begegnet einem im Chiemgaustädtchen Traunstein. Hier lebte die Familie Ratzinger fast zwanzig Jahre lang in einem alten Bauernhaus in Hufschlag am Rande der Stadt. An dem etwas baufälligen früheren Wohnhaus wurde mittlerweile eine Gedenktafel angebracht. Ansonsten aber möchte man den ruhigen Weiler Hufschlag etwas aus dem Tourismusgedränge heraushalten. Dafür kann man mit einem Fremdenführer den täglichen Schulweg der Ratzinger-Kinder nach Traunstein nachgehen.
Die Verbindungen des Papstes reichen aber nicht nur nach Oberbayern. Auch Regensburg war für den Oberhirten eine wichtige Station auf seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Hier wirkte er in den siebziger Jahren als Theologieprofessor und baute sich im Vorort Pentling einen Bungalow. Doch die Regensburger gehen mit ihrer Verbindung zum Heiligen Vater viel gelassener um. Die von den Bomben des 2. Weltkrieges verschont gebliebene Altstadt mit dem Dom und der Steinernen Brücke am Donaustrudel zieht auch ohne direkten Papst-Bezug genügend Touristen an.
Gleichwohl wartet man auch hier sehnlichst auf den ersten Besuch des neuen Papstes. Die erste Einladung hatte Bürgermeister Hubert Gschwendtner aus Marktl ausgesprochen. Die Marktler haben eventuell ein schlechtes Gewissen wegen des Taufsteins im Heimatmuseum und erhoffen sich eine päpstliche Anordnung, den Stein dorthin zu bringen, wo er eigentlich hingehört: In die Taufkirche des bayerischen Papstes Benedikt XVI .
|