Meine Omi !


 


 

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Ja meine Omi ... leider ist sie ihrem Alkoholproblem erlegen .

Sie hatte es nicht leicht in ihrem Leben und griff dann zum Alkohol was ihr zum Verhängnis wurde, sie wurde nicht zur Abhängig davon sondern wurde auch sehr schwer krank .

4 mal war sie auf Entwöhnung und 4 mal kam sie trocken wieder heraus und 4 mal wurde sie wieder rückfällig leider .

Zusammen mit meiner mum zog sie mich auf und versorgte mich in den ersten paar Jahren .

Leider weiß ich nicht mehr viel bzw.: das was ich jetzt weiß wurde mir erzählt und somit kamen dann ein paar Erinnerungen immer mal so nach und nach wieder .

In ihren letzten paar Jahren des Leidens wusste sie nicht mehr was sie tat und lebte nicht mehr im Hier und Jetzt sondern irgendwie in einer anderen Welt von ihr selbst errichtet .

Täglich konnte man zu sehen wie sehr sie abnimmt, immer mehr dem Alkohol zum Opfer wird und nicht mehr klaren Verstandes ist .

Ich glaube ich habe mich in der letzten Zeit auch von ihr distanziert aber ich kann mich an nichts mehr erinnern was die letzten Monate und Wochen so war ... vllt gut so, oder auch nicht ich kann es nicht sagen .

In der Nacht vom 7.Jänner 1994 auf den 8.Jänner 1994 wurde sie von ihrem Leid erlöst .

Es war ein Samstag Morgen als sie gefunden wurde .

Jeden Samstag habe ich sie aufgeweckt in der Früh und wir sind dann immer gemeinsam hinaus gegangen zu so einer Wiese hinter einem Haus und haben gemeinsam Blumen gepflückt und Frühstück geholt für meine Eltern und uns .

Diesen Samstag Morgen bin ich auch sofort als ich aufgewacht bin durch das ganze Haus gelaufen um ans andere Ende zum Zimmer meiner Omi zu kommen und sie auf zu wecken wie jeden Samstag halt .

Aber sie lag nicht in ihrem Bett und auch ihre Bettsachen waren nicht auf ihrem Bett .

Nein ... sie lag neben dem Bett, am Boden mit ihrer Bettdecke zugedeckt bis unter die Augen und die hatte sie ganz weit offen und es war so ein leerer Blick - diesen Blick werde ich nie in meinem Leben vergessen !

Ab und zu kommen heute so genannte Flashbacks in denen ich sie sehe mit diesen offenen Augen und in denen ich sie auch ohne der Bettdecke im Gesicht sehe .

Anscheinend habe ich in meiner Verzweiflung oder was auch immer, die Bettdecke vom Gesicht geschoben und folgedessen ihr Gesicht gesehen .

Ihr Gesicht war blau angelaufen und ich hatte große Angst ... das ist es was mir heute so kommt wenn ich diese Flashbacks habe .

Ich war damals 6,5 Jahre alt und mein Bruder war gerade mal 9 Tage alt .

Sie hat den kleinen gerade mal 2 mal gesehen als sie bei der offenen Badezimmertüre vorbei ging und meinte beide male in ihrem Delirium : "Er schaut ganz dem Papa ähnlich, wirklich ganz dem Papa !"

Ich habe erfahren, was in der Nacht passiert ist und woran sie dann gestorben ist .

Dies hat mich ein wenig "beruhigt" ... das Wort passt zwar absolut nicht, aber ich finde leider kein passendes Wort dafür .

Ich habe mir jahrelang Vorwürfe gemacht, dass ich Schuld sei an ihrem Tod, dass sie nur deshalb gestorben ist, weil ich zu spät kam, dass sie nur gestorben ist, weil ich ihr nicht geholfen habe als sie da am Boden lag .

Heute nagen diese Gedanken noch immer in meinem Kopf herum, aber teilweise wird mir immer wieder das Gegenteil gesagt, sodass ich heute - nicht immer aber doch Großteils - weiß, dass es weder meine Schuld ist, noch das ich ihr hätte helfen können in irgendeiner Weise .

Sie fehlt mir so und oftmals wünsche ich mir doch bei ihr sein zu können .

Wenn ich Kinder sehe die mit ihren Großeltern spielen, spazieren gehen oder sonst etwas machen, dann wird mir ganz anders zumute . Ich werde dann traurig und wünsche mir dann so meine Omi her die mich wie früher in den Arm nimmt und mir zur Seite steht und mich tröstet .

Es gibt oft Zeiten in denen es mir Nachts so schlecht geht und ich an sie denken muss, dann bin ich so sehr traurig, dass ich innerlich zusammen breche und aufgebe . In solchen Momenten muss ich dann immer meine mum aufwecken und sie an meiner Seite haben, denn sonst wäre ich glaube ich nicht mehr dazu im Stande irgendetwas zu tun weil es mich dann eventuell gar nicht mehr geben würde .

Jetzt sind es nun schon mehr als 12 Jahre und ich habe jetzt erst damit begonnen, den Tod meiner Omi zu verarbeiten ... eigentlich habe ich jetzt erst vor 2 Jahren überhaupt damit begonnen zu realisieren, dass sie nicht mehr da ist . Vorher war es mir wohl bewusst, aber ich habe es nicht wahr genommen und einfach nicht daran gedacht, dass sie jemals da war oder überhaupt weg ist oder so .

Manche Leute meinen, dass dies so eine Art Schockmechanismus gewesen sei weil ich noch zu klein war um das zu verstehen, dass plötzlich meine Bezugsperson weg war die ich immer und jederzeit um mich hatte .

Ich vermisse sie so sehr, dass es mir heute so vorkommt als wenn ich sie gerade eben erst noch gesehen hätte und mit ihr gespielt hätte .

Omi, ich hoffe, dass es Dir da wo Du jetzt bist gut geht und Du Deine Erlösung gefunden hast !!!

!!! Ich hab Dich lieb - von Herzen und ganz, ganz fest !!!



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