
Gründung
Inspiriert durch Bands wie die Sex Pistels oder die Ramones
gründeten Stephan Weidner (17), Kevin Richard Russell (16) und Peter 'Pe'
Schorowsky (16) im November 1980 in Hösbach eine Punkband. Den
Bandnamen gaben Ihnen einige Nachbarskinder - denen die Jugendlichen im November
1980 den Schlitten wegnahmen - mit den Worten: "...da sind wieder die bösen
Onkels..." (laut Angaben der Bandbiografie). Vorher nannten sie sich nach
eigenen Angaben auf dem „Tour 2000“-Film für 2 Wochen „Beulenpest“. Russels
Mutter litt zu dieser Zeit an Alkoholismus, Weidners Vater besaß ein Bordell und
ließ seinen Sohn in der angeschlossenen Kneipe arbeiten. Die Band war anfangs
hauptsächlich im Großraum Frankfurt am Mian aktiv.
1981 stieß Matthias 'Gonzo' Röhr (18) hinzu. Dieser hatte bereits einige
Jahre lang Gitarre in verschiedenen Bands (u.a. Antikörper, Headliner) gespielt
und brachte somit Erfahrung in die musikalisch unbedarfte Band. Zunächst spielte
Pe das Schlagzeug, Stephan die Gitarre, Gonzo den Bass und Kevin übernahm den
Gesang. Kurz vor der ersten Aufnahme zum Sampler „Soundtrack zum Untergang 2“
wechselten Gonzo und Stephan die Instrumente.

Einstieg in die Skinhead-Szene
Die Band nahm ihre erste größere Veröffentlichung auf dem eher linken
Punk-Sampler Soundtrack zum Untergang Vol. II auf. Nachdem aber die
bisher unpolitische Punk-Bewegung immer weiter nach links rückte, verlor die
Subkultur an Interesse für die Onkelz. Fußball wurde wichtiger und die
Schlägereien häuften sich.
Die Band zählte sich zur ursprünglich ebenfalls unpolitischen OI-Bewegung und
machte anfangs deren politischen Rechtsdrift in den frühen 80 ern mit.
Sowohl die ersten Auftritte als auch die damals veröffentlichten Demos bedienten
die Vorurteile ihrer unpolitischen bis rechtsextremen Fangemeinde. 1984 folgte
die Veröffentlichung des Albums Der Nette Mann bei Rock-O-Rama, das sich
vom Punk-Label immer mehr zumRechtsrock-Label entwickelte. Diese Platte wurde im
September 1986 aufgrund von gewaltverherrlichenden und sexistischen Inhalten
indieziert. Kurze Zeit später folgte durch das Amtsgericht Brühl eine
bundesweite Beschlagnahme, also ein Totalverbot auch für Erwachsene. Dies
geschah aber nicht, wie oft fälschlich angenommen, wegen rechtsextremer, sondern
wegen zwei extrem gewalttätiger Titel („Dr. Martens-Beat“ und das Titelstück
„Der nette Mann“). Der Beschlagnahme-Beschluss ist mittlerweile verjährt. Auf
diesem Album wurden auch patriotische Lieder, wie Stolz oder
Deutschland aufgenommen, was den Onkelz einen verstärkten Kultstatus in
der rechten Szene einbrachte. Der Nette Mann verkaufte sich bis zum
Verbot eher mäßig (laut Angaben der Bandbiografie rund 1000 mal), verbreitete
sich jedoch schnell in der Skinheadszene. Erst nach dem Verbot wurde eine
breitere Masse der Öffentlichkeit auf das Album aufmerksam.
Obschon sich die Band vonRock-O-Rama, aufgrund des wachsenden
Rechtsextremismus im Label, trennen wollte, musste sie ihren Plattenvertrag
erfüllen und ein letztes Album veröffentlichen. Dies geschah mit der EP
Mexico. Die Band trennte sich danach im Streit von diesem Label, daher
beinhaltete Mexico auch nur 6 Stücke.
Nach dem Ausstieg aus der Skinhead-Szene
In den späten achtziger Jahren war es recht ruhig um die Band. Die folgenden
Alben handelten zwar anfangs noch immer von Suff und Gewalt, wurden textlich und
musikalisch aber komplexer, trotz massiver Probleme bedingt durch die Alkohol-
und Heroinabhänigkeit des Sängers Kevin, die nach der Tötung des besten
Freundes der Band, Andreas „Trimmi“ Trimborn (am 16. Juni 1990), so sehr
ausartete, dass er fast gestorben wäre.
1992 gelang ihnen ohne jedes Marketing mit dem Album Heilige Lieder
der Einstieg auf Platz fünf der deutschen Charts. Trotz ihres immer größer
werdenden kommerziellen Erfolgs war die Band durch den Vorwurf, sie sei
rechtsextrem, der ab den frühen 1990er Jahren gegen sie geäußert wurde, bis
heute schwer belastet. Im Zuge verschiedenster rechtsradikaler Übergriffe in
dieser Zeit entdeckten die Medien die rechte Vergangenheit der Band, worauf sich
die Onkelz mit einer massiven Kritik konfrontiert sahen, die unter anderem dazu
führte, dass sich mehrere Radiosender und später auch TV-Sender (MTV und VIVA)
weigerten, Onkelz-Platten zu spielen. Während dieser Medieninformation
erschienen auch zahlreiche – meist schlecht recherchierte und auf falsche
Quellen gestützte – Artikel die dem Ruf der Böhsen Onkelz schadeten.
Hinzu kam, dass große Verkaufshäuser wieMedia Markt, WOM (World of
Music) oder Saturn die Tonträger der Onkelz nicht verkaufen wollten.
Tour 2004, zweites
Konzert in Dortmund
Ende der 90er nahmen Media Markt und WOM die Platten wieder in den Verkauf.
Saturn jedoch weigert sich vereinzelt bis heute, obwohl die letzten Alben
mehrere Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Charts standen. In den folgenden
Jahren brachten die Onkelz mehrfach ihre Ablehnung gegenüber „Extremismus
jeglicher Art“ zum Ausdruck, nahmen an mehreren Rock gegen Rechts, sowie Rock
gegen Gewalt-Konzerten teil und engagierten sich in sozialen Projekten. Die Band
bezog Position als Außenseiter, die jede Art von Politik vehement ablehnt.
Die Band erkämpfte sich mit der Zeit eine große Fangemeinde und gehört zu den
erfolgreichsten deutschen Musikgruppen. 1998 verkaufte sie von ihrem Album
„Viva los Tioz“ ohne jede Werbung, innerhalb der ersten 48 Stunden nach
Verkaufsstart über 300.000 Exemplare, womit sie zum ersten Mal Platz 1 der
deutschen Charts erreichte.
Am 8.August 2003 kam es zum „musikalischen Ritterschlag“ (Zitat: http://www.onkelz.de): Die Böhsen Onkelz traten trotz vieler
negativer Schlagzeilen, vor allem aus dem Ausland (wobei die Artikel der
ausländischen Presse sich an diffamierenden Verleumdnungen und fiktiven
Beschuldigungen gegenseitig überboten, so schrieb ein auflagenstarkes
amerikanisches Blatt: "Nazi-Punk-Band opens the Stones"), als Vorband derRolling
Stones beim Konzert auf dem EXPO-Gelände in Hannover auf.
Ende der Karriere
Bühne am
Lausitzring, 17. Juni 2005
Nach dem Vertrag mit dem Plattenlabel Virgin, der nach 3 Studioalben1998
auslief, gründete die Band ihr eigenes Label „rule23“, Virgin übernahm weiterhin
den Vertrieb. rule23 wurde später in „regel23“ umbenannt. Am 24. Mai
2004 kündigten die Onkelz offiziell ihren Rückzug vom aktiven Musikgeschäft
an. Auf der Homepage ließ man folgendes verlauten: „[...] Aber – seien wir
ehrlich zu uns, das ist die logische Konsequenz aus allem. Aus den vergangenen
24 Jahren, aus dem Keller in Hösbach und der ausverkauften Festhalle in
Frankfurt. Die Onkelz hatten nie die Ambition, als Rockeremiten mit ergrautem
Haar auf dem Rockolymp anzukommen, sondern wenn mit vollem Elan und nicht schon
auf dem absteigenden Ast sitzend.“
Nach dem Erscheinen des Albums, einem Auftritt im August beim Wacken
Open Air und der restlos ausverkauften Tour 2004 fand am 17. und 18. Juni
2005 ein Abschieds-Open-Air-Festival unter dem Namen „Vaya Con Tioz“ (frei
übersetzt: Geh mit den Onkelz) am Euro Speedway Laustiz statt.
120.000 Besucher im
Konzert.
Im Rahmen dieses Open Airs brachte die Band auch die eBay-Kartenproblematik
ins Interesse der Öffentlichkeit, da die etwa 100.000 Tickets 22 Tage nach
Vorverkaufsstart ausverkauft waren. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Tickets
wurde von Zwischenhändlern aufgekauft und später bei eBay zu Wucherpreisen
wieder verkauft. Allein für den Weiterverkauf erzielten diese gewerblichen eBay
Händler so Gewinne von mehreren Hundert Prozent. Gegen diese Problematik gingen
die Böhsen Onkelz im Rahmen des Open Airs auf dem Lausitzrings vor, indem sie in
Zusammenarbeit mit dem offiziellen Ticketversand die Auslieferung von Tickets an
diese Händler verweigert haben. Davon betroffen waren nach Auskunft auf der
offiziellen Homepage etwa 850 Karten, die stattdessen an die Fans verteilt
wurden.
Neben den Onkelz als Headliner spielten am Lausitzring zumSupport
Motörhead, Machine Head, .J.B.BO, In
Extremo, Psycopunsh, Children of Bodom, Pro-Pain und
weitere Bands sowie Onkelz-Coverbands wie die Enkelz oder Frei Wild. Bands
wie Misfits und Turbonegro hatten zuerst zugesagt, sprangen aber
aufgrund des öffentlichen Drucks ab. Marky Ramone sagte wenige Tage
vor dem Konzert ab, da ihm in den USA mit Boykott gedroht wurde. Während des
ersten Konzertes beim Abschlussfestival spielte die Band trotz Warnungen
des Landeskriminalamtes Brandenburg das indizierte Stück „Der nette
Mann“ vom gleichnamigen Debutalbum, was zu einer Anzeige führte – bei früheren
Konzerten nahmen die Onkelz dies bereits gelegentlich gegen die Zahlung eines
Ordnungsgeldes in Kauf.
Musikstil

Auch die Musik der Böhsen Onkelz hat sich immer wieder geändert. Anfänglich
spielten sie Punk (1980/81), entwickelten sich für kurze Zeit in die
Richtung des Ska. Anschließend wurde ihre Musik härter und widmeten sich
dem Oi-Punk (1982/83). Ab ca. 1984 spielten sie harte Rockmusik, auf dem Album
Kneipenterroristen (1988) war ihre Musik stilistisch dem Heavy
metal zuzuordnen, wobei spätere Alben fast ausschließlich dem Hardrock
zuzuordnen sind. Sie zeichneten sich nach Meinung ihrer Anhänger durch die Wut,
und den Gestus des Ausgeschlossenseins aus, die ihnen aus der Seele
sprachen. Ein weiteres musikalisches Markenzeichen war die rauhe und aggressive
Stimme des Sängers Kevin Russell.
Auf den meisten Alben ist das erste Lied eine Art Willkommensgruß, in dem
sich die Böhsen Onkelz mit einem Augenzwinkern und teilweise mit Selbstironie,
als Götter präsentieren. Oft wird in diesen Liedern auch mit dem Ruf der
Band kokettiert – aus der Ablehnung heraus, die Band und Fans von der
Öffentlichkeit erfahren, wird ein Gemeinschaftsgefühl beschworen.
Ebenso greift die Band in ihren Liedern oft Kritiker an, die sie als
Neonazi-Band betrachten. Daher richten sich viele Lieder gegen die Medien, die
ihre meinungsbildene Stellung nach Aussage der Band missbrauchen und den
Konsumenten nur auftischen was Quoten bringt. Ferner wird eine große Zahl an
Journalisten mit allerlei Verachtungen und Kritik bedacht. Dieses Thema zieht
sich durch die gesamte Onkelz-Diskografie bis zum heutigen Tag.
Darüber hinaus beschäftigen sich die Texte späterer Alben (etwa ab 1991) auch
mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, so eine Textstelle in Finde
die Wahrheit: „denn die Wege sind lang, und selbst der Tod ist nicht ihr
Ende, wach endlich auf...“.
Diese Fragen ergaben sich wohl auch durch die Verarbeitung des Todes eines
sehr guten Freundes der Band - Andreas „Trimmi“ Trimborn. Dieser wurde
am 16.Juni 1990 von einem jungen Mann mit einem Messer tödlich in der
Brustgegend verletzt. Der Täter, ein Bundeswehr-Zeitsoldat, der im darauf
folgenden Prozess eine Notwehrsituation schilderte, wurde freigesprochen. Diese
Ereignis wurde in mehreren Stücken verarbeitet. Unter anderem in dem Stück
Nur die Besten sterben jung, das von vielen Fans als das bestes Lied der
Band bezeichnet wird.
Ferner kreidete die Band in ihren Stücken immer auch soziale und politische
Missstände an. So äußerte sich die Band schon öfter in ihren Stücken gegen
politischen Extremismus, vor allem von Seiten Rechtsradikaler. Dies geschieht
unter anderem in den Stücken Hässlich, brutal und gewalttätig,
Deutschland im Herbst, Hass-tler und Ohne mich.
In den Stücken Scheißegal, Schöne neue Welt, Macht für den
der sie nicht will, Worte der Freiheit und Entfache dieses
Feuer thematisiert die Band die Eingriffe durch staatliche Zensur, die
veränderten, chaotischen Bedingungen für die Menschen nach dem Untergang der
Sowjetunion und ihrer Partnerstaaten, die Kriegsleiden der jugoslawischen
Zivilbevölkerung, mangelndes Demokratieverständnis, die Situation der
ostdeutschen Bevölkerung und den Schaden den korrupte Politiker anrichten.
Kindesmissbrauch und Kinderprostitution sind weitere Themen die von der Band
immer wieder aufgriffen werden. So heißt es in dem Stück Wie kann das
sein: "Freier aus den Wohlstandländern, die durch Bankok und Manila
schlendern, durch pädophiles Gebiet, wie Scheiße die mit der Armut zieht." [...]
"Wie mittleidlos können wir zu Tagesordnung übergehn?" In den Stücken
Viel zu jung und Der nette Mann wird der Kindesmissbrauch zwar mit
einer sehr harten und expliziten Sprache behandelt, aber dennoch offentsichtlich
für verabscheuungswürdig erkärt.
Daneben übt die Band auch immer wieder Kritik an der Gesellschaft. In dem
Stück Superstar werden Shows wie DSDS als Produkt der geldgierigen
Musikindustrie entlarvt, die Pop-Maschinen und Retortenbands ohne
Talent produzieren: "Ich will Mädchen, Möpse und Millionen, mich soll der
Bohlen holen." In Überstimuliert und Regen übt die Band Kritik
an einer trägen, gedankenfaulen Gesellschaft, deren Bäuche voll sind und die
sich selbst vernichten wird. In Regen heißt es dann: "Es regnet Kampf
ums Überleben." [...] "Es regnet Wut, hier gibt es keine Arche, wir ertrinken in
Blut."
In Dunkler Ort verweist die Band drauf, dass wir uns unsere dunkle
Realität selbst schaffen und wir sie auch selbst überwinden können. In
Kirche drückt die Band ihre Abneigung gegenüber der katholischen Kirche,
ihren Dogmen und ihrem Verhalten aus. Gesichter des Todes beschreibt die
Quotengier der Medien und die Grundlage zu jenen Quoten, das menschliche Leid,
das am gewinnbringensten vermarktet wird. Exitus charakterisiert konservative,
gedankenträge Menschen, die unfähig sind Veränderung zu schaffen oder eine
eigene Meinung und eigene Ideale zu wählen. "Viel zu feige, die Moral zu
untergraben, ohne Glauben, ohne Ideale."
Ebenfalls ein wichtiges Thema in der Musik der Band ist die Selbstfindung
und Selbstliebe. In dem Lied „Wenn du wirklich willst“, welches auch zum
Soundtrack des Films „Combat 16“ diente, heißt es:„Sei du selbst, steh zu
dir, die Wahrheit wird gelebt und nicht doziert. Du bist was du warst und du
wirst sein was du tust, beginne dich zu lieben, und du findest was du
suchst“. In Liedern wie Das Wunder der Persönlichkeit, Mutier mit
mir, Ich mache was ich will und Ich bin wie ich bin beziehen
sich die Texte stark auf den Individualismus.
In den späteren Alben wird immer wieder die Vergangenheit
angesprochen, wobei es oft um die „Wilde Zeit“ der Bandmitglieder geht. Ein
Beispiel hierfür ist das Lied Erinnerungen. In der Textstelle: „Ich
erinner` mich gern an diese Zeit, eine Zeit, die man nie vergißt. Doch ich muss
mein Leben leben, meinen Weg alleine gehn, mach`s gut du schöne Zeit auf
Wiedersehn.“ wird der Ausstieg aus der Skinhead-Szene thematisiert, die
immer mehr mit der rechtsradikalen Szene korrespondierte.
Auf späteren Platten experimentierte die Band immer mehr mit verschieden
musikalischen Mitteln. So wird der Titel 1000 Fragen von einem
metaphysischen Text, Orgelspiel und Orgelsolo untermauert, zum The
Doors-Tribute. Das Stück Einmal vom Album "Adios" wird dank der
Sitar-Klänge und des lebensbejahenden Textes zum Ausflug in die asiatische
Klang- und Lebensphilosphie.
Auf dem Album Viva los Tioz kombinierte die Band ihre Hardrockrythmen
mit elektronischen Klängen. Das Album dokumentierte nach Ansicht einiger Fans
einen positiven, bzw. negativen Einschnitt in das musikalische Wirken der Band.
Auf der einen Seite gibt es Fans, die die Scheiben vor Viva los Tioz klar
favourisieren und in den folgenden Veröffentlichungen nicht mehr die "alten
Onkelz" sehen. Auf der anderen Seite gibt es Fans die in Viva los Tioz
und den darauffolgenden Platten eine Weiterentwicklung erkennen.
Ähnlich kontrovers diskutiert wurde das Album Dopamin. Von der Band
selbst als glamouröses Album bezeichnet, fand es nicht den Weg in jedes Fanherz.
Nach Meinung einiger Fans fehlte dem Album die gewisse Power, Wut und die
Underdog-Mentalität die den anderen Onkelz-Alben inne wohnte. Andere Fans sehen
das Werk widerum aufgrund seiner politisch-engagierten Texte, der
Gesellschaftskritik und der Veränderung der Band als äußerst gelungen.

In mal düsteren, mal optimistischen und nachdenklichen Stücken wie z. B.
Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt, Koma, Ich bin in
dir, Narben, Nichts ist für immer da und auch anderen Stücken
beweist der Texter Stephan Weidner immer wieder lyrisches Geschick.
Desweiteren gewährt Weidner den Fans immer wieder Einblick in sein
Seelenleben und das der Band. Dies geschieht in Stücken wie So was hat man
..., H oder Der Platz neben mir.
Gecovert wurden von der Band nur wenige Stücke. Unter anderem Coz i luv
you von Slade, sowie Serge Gainsbourgs Je t'aime moi non plus
und The Who's My Generation.
Rechtsextremismusvorwürfe
Ursache
Bis heute werden der Gruppe, trotz zahlreicher Distanzierungsversuche,
rechtsextreme Tendenzen vorgeworfen, wobei häufig der Titel Türken raus
aus dem Jahr 1981 angeführt wird. In diesem Stück, das die Band in ihrer
Punk-Phase aufnahm, finden sich Zeilen wie „Türkenpack, raus aus unserm Land,
geht zurück nach Ankara, denn ihr macht mich krank“. Nach Angaben der Band
entstand das Lied als Reaktion auf eine verfeindete, türkische Jugendgang,
mit der es desöfteren zu Schlägereien kam. Kritiker verweisen darauf, dass in
dem Lied nicht von einer spezifischen Gruppe die Rede ist, sondern gefordert
wird, dass „alle Türken [...] raus“ müssten. Diese Verallgemeinerung ist
laut Band auf ihre damalige primitive Denkweise zurückzuführen.
Außerdem wird das Lied Deutschland den Deutschen, das eine
umgeschriebene Version von Oi, oi, oi ist, angeführt, in dem es heißt:
„[...] gegen euch und eure Kanakenwelt“. Wie Türken raus soll auch
dieses Stück eine Reaktion auf die Erfahrungen auf der Straße und die
Unfähigkeit sich gegen die Gewalttaten der Jugendgangs entsprechend zu
verteidigen gewesen sein. Ihre Wirkung auf Jugendliche, sich rechtsradikalem
Gedankengut zuzuwenden, hatten sie aber in jedem Fall.
Das Stück SS-Staat, ebenfalls von 1981 (auf der Platte Kill the
Hippies), wird nach Angaben der Band als bewusste Provokation von Nazis
verstanden. Eine Zeile in dem Stück wird von Kritikern aufgrund der schlechten
Tonqualität nicht, wie im Orginaltext, als „SS-Staat im Staate wir wollen's
nicht erleben“ verstanden, sondern als „SS-Staat im Staate wir wollen's
miterleben“.
Der Umgang der Band mit dieser Thematik ist umstritten. Fans der Band weisen
darauf hin, dass Türken Raus und Deutschland den Deutschen auf
keiner offiziellen Veröffentlichung der Böhsen Onkelz zu finden sind. Verbreitet
wurden die Stücke durch illegales Kopieren von Demotapes, die weitergereicht
wurden. Stephan Weidner meinte in einem Interview dazu: „Der Text war eine
große Dummheit und natürlich gab es nie eine Veröffentlichung des Songs,
selbstverständlich wird es eine solche Veröffentlichung auch nie geben.“
Eine Indizierung beider Stücke durch die Bundesprüfstrelle für
judendgefärdete Schriften erfolgte bisher immer nur mit gemeinsamer
Veröffentlichung von Bootlegs, auf denen die bereits indizierten Lieder des
ersten Albums enthalten waren. Die zwei Lieder selbst wurden seitens
der BPjM bislang nicht beanstandet.
Unstrittig ist, dass Musik und Auftritt der Band und in Folge auch die
Auseinandersetzung über die Verbote zu einer Identifikation von weiten Teilen
der rechten Szene mit ihr führte. Ob dies von der Band beabsichtigt war oder
nicht, oder wie sich deren tatsächliche Haltung entwickelt hat, ist - wie auch
sonst in der Popmusik - nicht genau auszumachen, aber für die Bewertung der
Böhsen Onkelz auch zweitrangig.
Die Sicht der Kritiker
Das erste offizielle Studioalbum, „Der nette Mann“ (erschienen im Mai 1984),
enthielt verschiedene Songs (insgesamt sechs der 14), die
die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften dazu
veranlassten, sie 1986 auf den Index zu setzen: Die Lieder „Der Nette
Mann“, „Doc. Martens Beat“ und „Fußball & Gewalt“ wurden
von ihr als gewaltverherrlichend eingestuft, „Mädchen“ als sexistisch,
„Frankreich '84“ sowie „Böhse Onkelz“ als Verherrlichung von
nationalsozialistischem Gedankengut. Bei den der BPjS-Kommission vorliegenden
Texten wichen einige Zeilen oder Wörter von den eigentlichen Texten ab.
In der Begründung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
Schriften heißt es, das Stück „Der nette Mann“ sei geeignet,
niedere Instinkte zu wecken und rufe zur Gewalt gegen Kinder auf. Die Band
hingegen bezeichnete es als ihr Anliegen, auf eine ziemlich direkt-derbe Art und
Weise darauf aufmerksam zu machen, wie grausam nekro- sowie pädophile
Gewalttäter sind, und dass selbst der unscheinbarste Mensch ein solcher
Straftäter sein könnte (hier „der nette Mann von nebenan“ - Der Nachbar). Der
Sänger der Onkelz meint, dass es notwendig gewesen sei, die Rolle des
Kinderschänders zu spielen, um die Gedankenwelt eines solchen Menschens und das
Abstößige des Verbrechens in aller Deutlichkeit darstellen zu können.
Umstritten waren auch Zeilen in dem Stück „Böhse Onkelz“ – laut
eigener Aussage verherrlicht sich die Band in diesem Stück selbst, die
Bundesprüfstelle jedoch stufte den Text („Wir saufen mit links und herrschen
mit der Rechten (...) Wir sind Böhse Onkelz und machen was uns gefällt,
heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt“) als Verherrlichung
nationalsozialistischen Gedankenguts ein.
Das Stück „Frankreich '84“ ist laut Aussage der Band als „Vorfreude“
auf die Fußballeuropameisterschaft von 1984 zu sehen, da Mitglieder der Band
Eintrittskarten für ein Spiel der deutschen Mannschaft in Straßburg hatten.
Als Reaktion auf die dortigen Erlebnisse kann das Lied nicht verstanden werden,
denn es wurde vor der EM veröffentlicht. Die Indizierungskomission sah in dem
Stück jedoch eine Assoziation mit dem Frankreichüberfall von 1940 („Ja, wir
sehen uns in jedem Fall, im Sommer 84 beim Frankreichüberfall, ...“).
Oft wird auch das Lied „Deutschland“ zu den Titeln mit tendenziell rechtem
Inhalt gezählt. Das Lied weist einen übersteigerten Patriotismus auf, welcher
unterschiedlich aufgefasst werden kann. Mit der Zeile „Auch zwölf dunkle
Jahre in deiner Geschichte machen unsere Verbundenheit mit dir nicht zu
nichte!“ wird ein Bezug zur nationalistische Zeit
Deutschlands hergestellt, der als Distanzierung verstanden werden kann.
Dieses Lied wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften nicht
beanstandet (siehe auch den Indizierungsbericht).
Auf der Platte Böse Menschen, böse Lieder veröffentlichte die Band den
Song „Hässlich, brutal und gewalttätig“ in welchem sie sich gegen
Neonazis und das Vorurteil, alle Skinheads seien rechtsradikale Gewalttäter,
aussprachen. In dem Stück heißt es: „Wir tragen alle Hakenkreuze, Skinheads
haben nur Gewalt im Sinn. Ist es das, was ihr hören wolltet, dass wir hirnlose
Schläger sind?“ und weiter „In den Medien steht es immer wieder, dass wir
Schlägertrupps und Nazis sind. Doch wir haben uns nichts vorzuwerfen, denn es
ist ihr Gerede, das stinkt.“
Bei einem Konzert bei Lübek 1985 vor etwa 700 Skinheads, von denen
einige klar dem rechten Lager zuzuordnen sind, tauschte der Sänger Kevin Russell
- laut Aussagen der Band eigenwillig - beim Lied „Deutschland“ die Erwähnung der
Farben Schwarz-rot.gold gegen Schwarz-weiß-rot aus. Nach Angaben der
Band, die dies als „weitere Dummheit“ bezeichnete, waren sie „außer sich vor Wut
über diesen Alleingang“. Die Spannungen innerhalb der Band sollen sich dadurch
verstärkt haben.
Die Meinung der Fans zu den frühen Liedern ist gespalten. Es finden sich
sowohl Anhänger der frühen Phase, als auch andere, die alles bis Der Nette
Mann ablehnen. Fans der Band sehen in dieser Streuung des Publikums (die bei
unbestritten rechtsradikalen Bands wie Landser nicht gegeben ist) ein
klares Zeichen dafür, dass es primär nicht der politische Nimbus ist, der
für die meisten Hörer ausschlaggebend sei. Kritiker hingegen stellen sich auf
den Standpunkt, die Band wolle ein breiteres Publikum erreichen, jedoch darauf
achten, rechtsextreme Fans nicht zu verprellen. So habe die Band ihrer Ansicht
nach ihre Texte gerade genug abgemildert, um nicht offen „rechts“ zu sein und
folglich einer Zensur (und der damit verbundenen Unmöglichkeit eines
kommerziellen Erfolgs) entgehen zu können.
In dem Lied Ohne mich aus dem Album Viva los Tioz distanzieren
sich die Onkelz sowohl von Rechts- wie Linksextremisten. Kritiker sind
allerdings der Meinung, dass dies eine Gleichsetzung von Rechts- und
Linksextremismus und damit eine verkappte Verharmlosung des ihrer Meinung nach
gefährlicheren Rechtsextremismus darstelle.
Der Titel „Deutschland im Herbst“, wird von Fans häufig als Beweis für die
Distanzierung von der Vergangenheit gesehen: „Ich sehe alle gegen alle, jeder
gegen jeden. [...] Ich sehe braune Scheiße töten. Ich sehe Dich! [...] Ich höre
weiße Geräusche, rassenreine Lieder. Ich höre hirnlose Parolen von Idioten und
Verlierern. Ich hör die Lügen der Regierung. Die Lüge eures Lebens. Die Lüge
über uns.“ Kritiker sind jedoch der Ansicht, dass der Text einen Mangel an
Klarheit mit sich brächte, die Kritik an der Band und ihren Texten angreife und
somit nicht als Beweis von Distanzierung gesehen werden könne.
Auch in Konzertansagen distanzierte sich die Band von politischer Gewalt von
beiden Seiten - rechts wie links („Bei unseren Gigs wird keine Politik gemacht“
Stephan Weidner), und Konzertbesucher, die rechtsradikale Symbole
wie Hakenkreuz oder Hitlergruß präsentierten, bekamen von der Security
einen Platzverweis ausgesprochen oder wurden von der Band während des Konzerts
aufgefordert, die Halle zu verlassen. Die Saalverweise lassen die Kritiker nicht
als Beweis für die Distanzierung von rechtem Gedankengut gelten, da die
Verwendung nationalsozialistischer Symbole in Deutschland gesetzlich verboten
ist, und es im Eigeninteresse der Band liege, keine Straftaten bei ihren
Konzerten zu dulden. Als weitere Kritikpunkte werden die Verherrlichung des
Männlichen (oft in Form von Gewaltphantasien) und ein bewusstes Spiel mit der
Gruppendynamik und Lagerbildung deutlich, die entsteht, wenn man sich als zu
Unrecht und aus politischem Kalkül verfolgt darstellt. Das kann man unter
anderem im Lied „Danket dem Herrn“ hören, wo es heißt: „Mit dieser Band hast
du nicht viele Freunde, doch die, die du hast, teilen deine Träume. Die die du
hast, teilen alles mit dir“. Dies wird von Kritikern als bewusstes
Ansprechen von Rechtsradikalen verstanden, da auch in der rechten Szene Kritik
am Standpunkt der Gruppe als politisches Kalkül gedeutet wird, mit dem die
Feinde die Gruppe aus niederen Motiven unterdrücken wollten. Allerdings ist das
Bilden eingeschworener Gemeinschaften, die sich gegen den Mainstream
behaupten wollen und Wert auf die Betonung des Männlichen legen, ein häufiger
Effekt bei der von Metal-Bands propagierten Kultur.
Auch die Weigerung der Band bezüglich eines Namenwechsels sorgt immer wieder
für Kritik. Kritiker sehen darin einen Beweis dafür, dass dies Band versucht,
durch die Kontinuität des Namens weiter aus ihrer Vergangenheit Profit zu
schlagen. Von der Band und ihrem Umfeld wurde erwidert, dass eine Namensänderung
verlogen und der Wandel der Band dann nicht mehr dokumentiert sei. So nimmt die
Band im Lied Danke für nichts dazu Stellung: „Ändert Euren Namen,
sagst du – ändere Deinen!“ und „Nichts würde sich ändern, nicht in Tagen,
nicht in Jahren..." „Die Wahrheit ist in dir, und nicht in Deinem
Namen“.
Als die Onkelz auf einem Konzert für die Opfer rechter Gewalt
spielten, wies Stephan Weidner in einem Interview darauf hin, dass es um die
„Opfer rechter Gewalt“ gehe, und „kein Konzert gegen Rechts“ sei.
Damit sollte die Veranstaltung für die Menschen stehen und nicht selbst einer
Politisierung zum Opfer fallen, die die Menschen für politische Zwecke
instrumentalisieren würde. Kritiker sahen in dieser Unterscheidung einen Beleg
dafür, dass die Band noch immer bewusst eine rechtsradikale Klientel
bediene, Band und Fans hingegen bezeichneten es als Versuch, ein Publikum
anzusprechen, das normalerweise nicht auf „Konzerte gegen Rechts“ komme.
Bei einem weiteren Rock-gegen-Rechts-Konzert 1996 in Bremen wollte die Band
erneut klarstellen, dass sie rechtes Gedankengut, Fremdenhass und generellen
Hass ablehne. Die Veranstaltung trug den Titel „Mensch!?" und fand in der Bremer
Stadthalle statt. Die Böhsen Onkelz und einige andere kleinere Bands spielten
dort. Des Weiteren wurden Arbeiten zum Thema Ausländerfeindlichkeit ausgestellt,
und den Bremer Kulturvereinen die Möglichkeit gegeben, sich vorzustellen.
Einige Kritiker sind der Ansicht, dass die Band durch die Koketterie mit
rechten Themen eine Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie allein durch ihre
Live-Auftritte und durch ihre Musik nicht erreicht hätte.

Auseinandersetzungen zwischen Band und Kritikern
In einem Kommentar in der Tageszeitung Darmstädter Echo glaubt ein Journalist
einen Liednamen entschlüsselt zu haben, der rückwärts gelesen „Arier on“ ergebe.
Tatsächlich heißt das Lied, welches auf dem Album „Heilige Lieder“
erschien, nicht „Noreira“, sondern „Noreia“, benannt nach einer
keltischen Gottheit. Allerdings gab es einen Fehldruck auf frühen Ausgaben sowie
- bedingt durch das Verwenden der ursprünglichen Druckfolie - auf dem Re-Release
des LP-Covers, auf dem Noreira steht. Als Reaktion auf die pedantische
Suche nach Skandalen veröffentlichte die Band 1996 auf dem Album
E.I.N.S. das Lied Enie Tfahcstob rüf Ediona-RAP (für: 'Eine
Botschaft für Paranoide'), auf dem ein von Stephan Weidner gesprochener
Text rückwärts abgespielt wird, der richtig herum folgendermaßen
lautet: „Herzlichen Glückwunsch. Muss 'ne Menge Arbeit gewesen sein, dieses
Lied rückwärts abzuspielen. Entweder du bist eines dieser paranoiden
Arschlöcher, für die wir dieses Lied gemacht haben, oder du bist einfach nur
neugierig. Ersteren sei gesagt: Wer rückwärts gesprochene satanistische oder
faschistische Botschaften auf unseren Platten vermutet, muss ausgesprochen
dämlich sein und außerdem unter extremem Verfolgungswahn leiden. Armes Schwein,
du tust uns echt Leid. Sperr dich ein und schmeiß den Schlüssel weg.“
Im Mai 2001 scheiterten die Böhsen Onkelz mit einer Klage gegen die
taz. Diese hatte die Onkelz in einem Artikel als „berüchtigte rechtsradikale
Band“ bezeichnet. In zweiter Instanz wurde zu Gunsten der taz entschieden.
Laut Landgericht Berlin sei dies ein „zulässiges Werturteil“,
welches durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Die taz hatte ihren
Standpunkt unter anderem folgendermaßen begründet: „Die Böhsen Onkelz geben
zwar vordergründig vor, mit ihrer rechten Vergangenheit nichts mehr zu tun zu
haben, versichern ihren rechtsradikalen Anhängern allerdings bei jeder
Gelegenheit augenzwinkernd, dass sie trotz des Drucks der Öffentlichkeit im Kern
ungebrochen und ganz die Alten geblieben sind.“
Im Juli 2001 strahlt MTV im Rahmen der Sendung „MTV
Masters“ einen Beitrag über die Böhsen Onkelz aus, in dem die Band sehr kritisch
beleuchtet wird. Der Beitrag wurde zwei Tage vor der Ausstrahlung komplett
umgeschnitten und anders ausgestrahlt als die persische Redakteurin ihn zeigen
wollte. Diese verweigerte daraufhin ihre Unterschrift unter diesen Beitrag, da
er die Gruppe auf eine Art darstelle, die nicht dem entspräche, was sie während
Ihrer einjährigen Recherche kennengelernt habe. Obwohl im Beitrag nicht gesagt
wird, die Böhsen Onkelz seien rechtsradikal, sorgt er sowohl bei Band als auch
bei Fans für Empörung. So interpretiert MTV beispielsweise das Lied „Der
nette Mann“ ebenso wie die BPjS als gewaltverherrlichend, während es
nach Aussage der Band gegen Kindesmissbrauch gerichtet sein soll. Darüber
hinaus äußern sich Kollegen aus der Musikbranche wie Die Ärzte, Afrob
und D-Flame im Bericht kritisch über die Band. Die Onkelz beschließen
daraufhin, nicht mehr mit MTV zusammenzuarbeiten. Außerdem wird noch ein offener
Brief verfasst und ein halbes Jahr später veröffentlichen die Onkelz den Song
Keine Amnestie für MTV.

Weitere negative Presseerfahrungen, bei denen die Onkelz sich beklagten, mit
schlecht recherchierten Artikeln in die rechte Ecke geschoben worden zu sein,
ohne eine Chance zur Rechtfertigung erhalten zu haben, führten zur Einschränkung
der Zusammenarbeit mit der Presse. So wurden teilweise Interviews und
Pressekarten für Konzerte verweigert.
Sicht anderer Musiker
Einige Kollegen aus der Musikbranche betrachten die Böhsen Onkelz sehr
kritisch. Campino von den Toten Hosen bezeichnete in einem am 12.
Dezember 1998 abgedruckten Interview mit der Frankfurter Rundschau die
Liedtexte der Böhsen Onkelz als „unsägliche Landser-Heftchen-Lyrik“. In einem
Interview auf der Toten-Hosen-Homepage 2003 kritisierte er jedoch, dass den
Onkelz immer wieder vor 20 Jahren begangene Fehler vorgehalten werden, und
meinte: „Man sollte die Onkelz endlich wie jede andere Hardrock-Band behandeln.
[...] Ich bin bei diesem Thema mittlerweile entspannter.“
Im Anti-Nazi-Lied Schrei nach Liebe von den Ärzten lautet eine Zeile:
„Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ne Kuschelrock-LP“, wobei
diese Textpassage auf dem Album „Unplugged Rock'n'Roll Realschule“
„zwischen Störkraft und den anderen“ lautet. Diese Textänderung hat für
einige Verwirrung gesorgt. Farin urlaub sagte dazu: „Wir haben
daraufhin tatsächlich begeisterte E-Mails von Onkelz-Fans gekriegt, mit dem
Tenor ‚Endlich habt Ihr’s verstanden!‘. Was ich eigentlich meinte, war viel
härter: ‚Störkraft und die anderen‘ - das ist für mich noch viel deutlicher,
dass die Onkelz ’ne Naziband sind. Wir singen jetzt auch wieder ‚Onkelz‘ für die
ganzen Stumpfen. Ich weiche da keinen Deut von ab. Ich mag die nicht, nach wie
vor.“ Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Ärzten und den Toten Hosen
veröffentlichten die Onkelz 1996 auf dem Album „E.I.N.S.“ das Lied
„Ihr sollt den Tag nicht vor dem Abend loben“, in dem sie bewusst die
beiden Bands ansprechen: „Schöne Grüße nach Düsseldorf und Berlin [...] Opium
fürs Volk, Scheiße für die Massen, ja Ihr habt es geschafft, ich beginne euch zu
hassen, wenn ich so etwas sage, ist das nicht gelogen, Ihr sollt den Tag nicht
vor dem Abend loben!“. „Opium fürs Volk“ heißt ein 1996 erschienenes Album
der Toten Hosen, Düsseldorf und Berlin sind die Gründungsorte der beiden
Bands.
Innerhalb der Musikbranche gibt es aber auch prominente Befürworter wie den
Rapper Moses Pelham. Die Techno-DJs Sven Väth und Mark Spoon
zählen bzw. zählten zum Freundeskreis der Band. Im Laufe der Zeit bekamen
die Onkelz auch außerhalb der Musikbranche prominente Fürsprecher, wie die
Ausländerbeauftragte des Landes Bremen Dagmar Lill,
den Grünen-Politiker Danile Cohn-Bendit oder die
Emanzipations-Ikone Alice Schwarzer.
Das heutige Verhältnis der rechten Szene zur Band

Die rechte Szene ist zu diesem Thema gespaltener Meinung. So äußern vor
allem Neonazis immer wieder, dass sie gerne die älteren Stücke der Böhsen
Onkelz hören. Andererseits gibt es auch Musiker aus der rechtsradikalen Szene,
die schon zum Ausdruck gebracht haben, dass sie sich von den Onkelz
„verraten“ fühlen. So sang die rechtsradikale Band Landser in dem
Lied „KPS“ von 1992, „Böhse Onkelz, ihr wart mal geil / doch dann
wolltet ihr Geld verdienen / und machtet zum bösen Spiel / ganz einfach die
guten Mienen // Kennt ihr noch eure alten Lieder? / Hören wollt ihr sie nicht /
denn das Signum des Verrats / steht Euch mitten im Gesicht.“ (mit Anspielung
auf das Lied Signum des Verrats vom Album „Böse Menschen, böse
Lieder“), gefolgt von Beleidigungen. Die Zillertaler
Türkenjäger beschimpfen Stephan Weidner im Lied „1001 Nacht“ des
indiezierten Albums „12 Doitsche Stimmungshits“.Klaus Farin, deutscher
Journalist, zählt insgesamt 20 Hasslieder von rechten Bands (Interview
2001).
Allgemeine Informationen rund um die Band
Die Band bezeichnete ab Mitte der 90er Jahre ihre Fans als „Neffen und
Nichten“, was das Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Anhängerschaft verstärken
sollte. Dies wird unter anderem im Lied „Danke“ vom Album „Ein böses Märchen
...aus tausend finsteren Nächten“ besungen wird.
Das Lied „Mexico“ wurde schon öfters von Fans der deutschen
Fußballnationalmannschaft, im Stile des englischen Fußballlieds „Three Lions
(It´s coming home)“, bei Länderspielen gesungen.
Die 2. Strophe des Liedes „Nur die Besten sterben jung“ wurde - laut
Angaben der Band-Biografie Danke für Nichts - schon mehrmals als
Todesanzeige in lokalen Zeitungen verwendet ("...die Zeit heilt Wunden, doch
vergessen kann ich nicht, die Zeit heilt Wunden, doch ich denke oft an
dich...").
Das 1996 erschiene Album „E.I.N.S“ wurde in mehreren
Leserumfragen angesehener Fachzeitschriften (z.B.Rock Hard oder Metal
Hammer) mehrmals unter die Top 10 der Rubrik „Bestes Metal Album aller
Zeiten“ gewählt, obwohl es nicht das meistverkaufteste Album der Band ist. Zum
Abschlusskonzert auf dem EuroSpeedWay Lausitz kamen neben den offiziell 120.000
Fans, die eine Eintrittskarte hatten, noch geschätzte 60.000 Fans, die während
der Konzerte auf den Campingplätzen verweilten.