Schach-Theorie

 

 


Das Zentrum

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Zentrum (•)
Erweitertes Zentrum (x)

Als das Zentrum bezeichnet man die vier Felder in der Mitte des Schachbretts d4, d5, e4, e5.
Vereinzelt werden die Felder c3, c4, c5, c6 / d3, d6 / e3, e6 / f3, f4, f5, f6 ebenso als das erweiterte Zentrum bezeichnet.

Bedeutung

Das Zentrum ist während aller Spielphasen einer Schachpartie (Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel) sehr bedeutend, wobei je nach Spielphase auch andere Faktoren gibt. So etwa einen Freibauern oder die Sicherheit des Königs wird eine wichtige Rolle spielen. Der Kampf um das Zentrum beginnt in der Regel bereits mit den ersten Zügen. Neben einer möglichst harmonischen und schnellen Entwicklung der eigenen Figuren ist die Beherrschung des Zentrums das wichtigste strategische Ziel in der gewählten Eröffnung. Ohne ausreichende Kontrolle des Zentrums ist ein Angriff auf dem Flügel  meist erfolglos. Im Zentrum postierte Figuren wirken auf das ganze Schachbrett. Insbesondere gilt dies für die Springer, aber auch für die Läuger und die Dame haben in der Brettmitte mehr Zugmöglichkeiten als am Brettrand.

Zu Zeiten der ersten offiziellen Schachweltmeister wurde das Zentrum von beiden Seiten möglichst mit den eigenen Bauern besetzt. Später formulierte Aron Nimzowitsch den bis heute akzeptierten Lehrsatz, dass es statt einer Besetzung des Zentrums mit Bauern auch ausreichend ist, das Zentrum mit den Figuren zu kontrollieren.

 

Beispiele aus der Eröffnung

 

Zukertort – Steinitz, 1886
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Stellung nach 6. e3
Botwinnik – Smyslov, 1954
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Stellung nach 6. ... Lf8-g7

Das Diagramm zeigt eine bis heute oft gespielte Stellung des abgelehnten Damengabits, die bereits 1886 im ersten offiziellen zwischen Johannes Hermann Zuckertort und Wilhelm Steinitz vorkam. Beide Seiten haben einen Bauern (d4-d5) ins Zentrum gebracht und versuchen dieses dadurch zu kontrollieren, wobei in etwa ein Gleichgewicht entsteht.

Dieses Diagramm zeigt die häufig gespielte Hauptvariante der Grünfeld-Indischen Verteidigung, die erstmals zwischen Michael Botwinnik und Wassili Smyslov 1954 gespielt wurde. Weiß hat ein massives Bauernzentrum (d4, e4) , während Schwarz keine Bauern im Zentrum hat. Dafür kontrolliert Schwarz die Zentralfelder e5 und d4 mit seinem Läufer g7 und versucht in der Folge durch c7-c5 und Sb8-c6 weiter Druck auf das weiße Zentrum aufzubauen Dadurch herrscht in etwa ein dynamisches Gleichgewicht.

www.wikipedia.de

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La petite combinaison

Das kubanische Schach-Genie Capablanca pflegte eine eher unscheinbare, aber sehr nachhaltige, nur 3- bis 5-zügige, aber tödliche Kombination eine sog. "Petite combinaison" zu nennen.

Eine solche ist auch in der folgenden Stellung verborgen, welche in der gestrigen VM-Partie zwischen Danush Ameti und Walter Eigenmann entstand:

Schwarz am Zug 
 
 
26...e4!
Weiss hat nun die Wahl zwischen einem langsamen und einem schnellen Tod.
Danush entschied sich fürs abgekürzte Leiden...:
27.dxe4 Td2 28.Tg3 [28.Dxd2 Dxd2 hilft sowenig wie 28.Tf2 Txc2 29.Txc2 ( 29.Lxc2 Dc1+-+) 29...De3+ und Schwarz gewinnt] 28...Dc5+ 29.Kh1 Df2 ...und aus die Maus
0-1
Etwas mehr (hoffnungslosen) Widerstand hätte Weiss leisten können nach 27.Tg3 Dd5 28.Le2 Lf5 29.dxe4 Lxe4 und Schwarz muss gewinnen.
Auch 27.h4 Dxh4 28.Te3 exd3 29.Txd3 Lxa2 hätte das Sterben verzögert - aber nicht verhindert. (W.E. / 9.Mai 2008)
(Noch mehr "Petites Combinaisons" findet man auf der Schach-Seite des "Glarean Magazins")

 

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Musterbeispiel für das Prinzip der zwei Schwächen

C95 Spanisch / Breyer-System
Alexei Shirov - Evgeny Postny
Deutsche Bundesliga 2006/07 Baden-Baden - Eppingen

 
Eine der entscheidenden Partien in der deutschen Bundesliga.
Diese Partie ist ein Musterbeispiel für das "Prinzip der zwei Schwächen".

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sb8 10.d4 Sbd7 11.Sbd2 Lb7 12.Lc2 c5 Diesen Zug hat der jugoslawische Grossmeister Gligoric in die Turnierpraxis eingeführt. 13.d5 Eine der Hauptvarianten in der Spanischen Eröffnung. Weiß schließt das Zentrum, sichert sich Raumvorteil am Königsflügel und greift dort an. Eine Alternative ist 13.Sf1. 13...c4?! Mit diesem modernen Zug sichert sich Schwarz das Feld c5 für seinen Springer und kann in der Folge das Spiel am Damenflügel starten. Im Hinblick auf diese Partie sollten die Schwarzspieler vielleicht zur traditionellen Spielweise zurückkehren, nach welcher Schwarz an dieser Stelle mit 13...g6 fortfährt, um infolgedessen eine Auffangstellung am Königsflügel mittels Sh5 einzunehmen. z. B. wie in der Partie Karpov - Gligoric, gespielt 1973 in Leningrad 14.b3!? Dieses durchaus logische Aufrollen der schwarzen Bauernkette stellt das schwarze Konzept direkt in Frage. Bisher versuchten die Weißspieler in den meisten Partien, ihr Glück am Königsflügel. Der Textzug wurde Anfang letzten Jahres erstmals von Alekseev gespielt. 14.Sf1 ist die Hauptvariante. 14...cxb3N [In einer Partie Akekseev - Sorokin (Moskau 2006) geschah 14...Dc7 , doch auch hier konnte Schwarz nicht völlig ausgleichen. 15.axb3 Dc7 16.Lb2 Sb6 17.Sf1 Sfd7 18.Se3 g6 19.b4!? Ein sehr interessantes strategisches Motiv: Weiß nimmt dem schwarzen Springer das Feld c5 und verhindert gleichzeitig auch noch a5, was den Bauern a6 rückständig macht. In der Folge wird Schwarz versuchen, den Bauernvorstoß c3-c4 durchzusetzen. 19...Sc4 Schwarz versucht das Gegenspiel etwas zu erleichtern. 20.Sxc4 Dxc4 21.Sd2 Dc7 22.Sb3 Weiß macht sich erneut an die Vorbereitung des Hebels c3-c4. 22...Sb6 23.Ld3 Weiss tauscht lieber einen seinen Läufer ab, um dem Springer das Feld a5 und später c6 zu sichern. Am Tausch der Springer nach 23.Sa5Sc424.Sxc4Dxc425.Ld3Dc7 mit unklarer Stellung ist Weiß nicht interessiert. 23...Sc4 Die Alternative zum Textzug bestand in 23...Sa4 wobei es nicht klar ist, welchen Läufer Schwarz eliminieren sollte. 24.Dd2 (Vom Qualitätsopfer 24.Txa4?!bxa425.Sa5 sollte Weiß besser Abstand halten, da Schwarz über den wichtigen Zwischenzug 25...a3! verfügt.Es ist fraglich, ob Weiß genügend Kompensation besitzt.) 24.Lxc4 Dxc424...bxc4?!25.Sa5+/-  25.Sa5 Dc7 26.Dd2 f5 27.c4 bxc4 28.Tac1 Dies ist ein weiterer kritischer Moment in dieser Partie. 28...fxe4?! Schwarz sollte besser mit 28...Tac8 fortsetzen, und falls 29.Txc4Db630.Sc6, so stünde ihm das Qualitätsopfer 30...Txc6!? zur Verfügung, was ihm aktives Gegenspiel verspräche. (Nach 30...Lxc631.dxc6+/- steht ein Riesen-Freibauer auf c6.) 31.dxc6Lxc632.exf5Txf529.Txe4 Tac8 30.Texc4 Das ist der Unterschied im Vergleich zu 28...Tc8. Nun sind die weißen Türme bereits auf der c-Linie verdoppelt und der auf c6 eindringende weiße Springer kann nicht sinnvoll entfernt werden. 30...Db6 31.Sc6 Lf6 31...Lxc632.dxc6Tc733.Dd5+Kg734.T4c2Db535.De4+/- 32.Kh2 Jetzt hat Weiß den Schwarzen am Damenflügel erfolgreich eingeschnürt und dort dem Nachziehenden sozusagen die erste Schwäche zugefügt. Jetzt wechselt er die Seite und bereitet dem Gegner die zweite Schwäche. Zu dieser weiteren Schwäche greift Weiss den gegnerischen König an. 32...Tce8 33.f4! Stellungsöffnung! Darauf hatte Weiß hingearbeitet. 33...exf4? Danach scheint Schwarz erstaunlicherweise schon auf verlorenem Posten zu stehen. Die Öffnung des Spiels musste unbedingt verhindert werden. Nach 33...e4!34.Lxf6Txf6+/= hielte sich der weiße Vorteil noch stark in Grenzen 34.Txf4-> Nun ist der "Hexer aus Riga" in seinem Element. Er trägt den Schlussangriff gegen den schwarzen König energisch und unnachgiebig vor. Bemerkenswert ist, dass weder die schwarze Dame noch der Läufer auf b7 sich an der Verteidigung ihres Herrschers beteiligen können. 34...Lxb2 35.Txf8+ Txf8 36.Se7+! +- Ein wichtiges Zwischenschach, welches die unsichere Stellung des schwarzen Monarchen betont. 36.Dxb2?!De3~~36...Kf7 37.Dxb2 Te8 37...Kxe738.Dg7+Ke839.Te1+ +-38.Sc6 Kg8 Das scheint forciert zu verlieren, doch es war schon schwer etwas anderes vorzuschlagen. Nicht besser scheint 38...Lxc639.dxc6d540.Da2+-, und Weiß sollte keine allzu großen Probleme haben, seinen starken Freibauern in einen vollen Punkt zu verwandeln.; 38...De339.Sd8+!Kg8 (39...Txd840.Tc7+ +-) 40.Sxb739.Df6 Dc7 Schwarz benötigt noch einen Zug, um mittels Dd7 seine Stellung halbwegs zu konsolidieren, doch dazu wird es nicht mehr kommen Kaum besser ist 39...De340.Tf1Lxc641.Df7+Kh842.dxc6+-. 40.Se5! De7 Das Schlagen des Turms hätte ein schönes Mattfinale zur Folge: 40...Dxc141.Df7+Kh842.Dxe8+Kg743.De7+Kh644.Df8+Kh5 (44...Kg545.Sf3+Kh546.g4#) 45.g4+Kh446.Sf3#41.Sg4 mit der Drohung Sh6#.  41...Df8 42.Tc7 Lxd5 43.Dd4 und Schwarz gab sich angesichts der vielen weißen Drohungen geschlagen. Eine sehr schöne und sehr anschauliche Leistung von Alexei Shirov. Es kommt selten vor, dass das "Prinzip der zwei Schwächen" derart klar nachvollzogen werden kann, und es ist eindrucksvoll, wie harmonisch die weißen Figuren beim Schlussangriff zusammenwirkten. 1-0
 
Analyse mit Fritz sowie von Grossmeister Fabian Döttling auf www.chesstigers.de
 
 
Das Original findet man hier : http://www.chesstigers.de/bilder/rosa/bl0607_shirov_postny_r9.htm
 

28.03.2007 / Andi Wüst

Quelle:  www.chesstigers.de

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Kasparow – Topalow, Wijk aan Zee 1999 ist eine der bekanntesten und meistkommentierten Schachpartien des modernen Spitzenschachs. Die weißen Steine führte der seinerzeitige PCA-Weltmeister Garri Kasparow, der spätere FIDE-Weltmeister Wesselin Topalow aus Bulgarien hatte Schwarz. Sie wurde während des internationalen Traditionsturniers in der niederländischen Stadt Wijk aan Zee im Januar 1999 gespielt.

Kasparow errang einen glänzenden Angriffssieg, nachdem er zwei unerwartete Turmopfer anbringen konnte und nach einer langen Verfolgung des schwarzen Königs Topalow zur Aufgabe zwang. Die besondere Schönheit der von Kasparow gefundenen Kombination brachte die großmeisterlichen Kommentatoren zu enthusiastischen Ausrufen: Sie verdient einen Platz im Louvre schrieb Larry Christiansen in seinem Buch "Storming The Barricades", Lubomir Kavalek nannte sie in seiner Kolumne in der Washington Post (am 1. Februar 1999) die faszinierendste Partie, die jemals gespielt wurde. Kasparow selbst bezeichnete diese Partie in einer Äußerung 2005 als die beste Partie, die er je gespielt hätte.

Pirc-Ufimzew-Verteidigung
Garri Kasparow – Wesselin Topalow,
Wijk aan Zee 1999

1.e2-e4 d7-d6 2.d2-d4 Sg8-f6 3.Sb1–c3 g7-g6

Die Pirc-Ufimzew-Verteidigung, die Kasparow nicht erwartet hatte, da sie nicht zum üblichen Eröffnungsrepertoire von Topalow gehört.

4.Lc1–e3 Lf8-g7 5.Dd1–d2 c7-c6 6.f2-f3 b7-b5 7.Sg1–e2 Sb8-d7 8.Le3-h6 Lg7xh6 9.Dd2xh6 Lc8-b7 10.a2-a3 e7-e5 11.0–0–0 Dd8-e7 12.Kc1–b1 a7-a6 13.Se2-c1 0–0–0 14.Sc1–b3

Beide Seiten bauten sich solide auf. Dem schwerblütigen Positionsspiel folgt nun eine Öffnung durch Schwarz. Topalow findet einen Weg, seinen Raumnachteil auszugleichen.

14...e5xd4! 15.Td1xd4 c6-c5 16.Td4-d1 Sd7-b6!

Mit seinen letzten Zügen bereitete Schwarz den entlastenden Zentrumsvorstoß d6-d5 vor. Kasparow lobte besonders den 14. und 16. Zug des Bulgaren.

17.g2-g3 Kc8-b8 18.Sb3-a5 Lb7-a8 19.Lf1–h3 d6-d5 20.Dh6-f4+ Kb8-a7 21.Th1–e1 d5-d4 22.Sc3-d5 Sb6xd5 23.e4xd5 De7-d6

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Stellung nach dem 23. Zug von Schwarz

24.Td1xd4!!

Kasparow "betete", Topalow möge den Turm auf d4 zurückschlagen. Nach 15 Minuten Überlegung (so Kasparow, andere Quellen geben an, Topalow hätte fast eine Stunde nachgedacht) tat er es.

24...c5xd4?

"Dieser Zug verliert, aber er ist ein Ausrufezeichen wert, da großartige Partien nicht ohne Hilfe des Partners gespielt werden können." (Kasparow) Gemäß Kasparows Analyse stand Schwarz ein Weg zum Ausgleich offen: Er musste 24...Ka7-b6! ziehen, worauf 25.Sa5-b3! La8xd5! 26.Df4xd6+ Td8xd6 27.Td4-d2 Th8-d8 28.Te1–d1 mit gleicher Stellung gefolgt wäre.

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Stellung nach dem 24. Zug von Schwarz

25.Te1–e7+!

"Diesen Zug führte ich im Blitztempo aus. Solche Züge macht man stets mit Vergnügen." (Kasparow)

25...Ka7-b6

Auf 25...Dd6xe7 folgt 26.Df4xd4+ Ka7-b8 27.Dd4-b6+ La8-b7 28.Sa5-c6+ Kb8-a8 29.Db6-a7 matt.

26.Df4xd4+ Kb6xa5 27.b2-b4+ Ka5-a4

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Stellung nach dem 27. Zug von Schwarz

28.Dd4-c3

Lubomir Kavalek fand in seinen Analysen in der Washington Post einen schnelleren Weg zum Sieg, nämlich 28.Te7-a7!! Kasparow bestätigte später die Korrektheit von Kavaleks Ausführungen.

28...Dd6xd5 29.Te7-a7! La8-b7 30.Ta7xb7 Dd5-c4

"Dies ist die natürlichste Verteidigung, die ich auch erwartet hatte", schrieb Kasparow, doch zäheren Widerstand konnte Schwarz mit dem Zug 30...Th8-e8! leisten. Kasparow gibt hierauf folgende Gewinnvariante: 31.Tb7-b6 Td8-a8 32.Lh3-f1!! Te8-e1+! 33.Dc3xe1 Sf6-d7 34.Tb6-b7!! Dd5xb7 35.De1–d1! Ka4xa3 36.c2-c3+-. Ebenfalls besser, aber unzureichend war 30...Sf6-e4! 31.f3xe4 Dd5-c4 32.Tb7-a7!! Td8-d1+ (32...Td8-a8 33.Dc3-e3+-) 33.Kb1–b2 Dc4xc3+ 34.Kb2xc3 Td1–d6 35.e4-e5 Td6-b6 36.Kc3-b2 Th8-e8 37.Lh3-g2! Te8-d8 (37...Te8xe5 38.Lg2-b7+-) 38.Lg2-b7 Td8-d7 39.Lb7-c6!! Td7-d8 (39...Td7-d2 40.Lc6-e8+-) 40.Lc6-d7+-. (gemäß Kasparow)

31.Dc3xf6 Ka4xa3 32.Df6xa6+ Ka3xb4 33.c2-c3+! Kb4xc3 34.Da6-a1+ Kc3-d2 35.Da1–b2+ Kd2-d1

Schwarz wurde gezwungen, seinen König bis auf die Grundreihe von Weiß zu bewegen. Eine kuriose Stellung.

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Stellung nach dem 35. Zug von Schwarz

36.Lh3-f1!!

In dem Buch The Most Amazing Chess Moves of All Time des britischen Großmeisters John Emms belegt dieser Zug Platz 10 in der Liste der bemerkenswertesten Züge aller Zeiten. Kasparow dagegen lakonisch: "Weiß greift die schwarze Dame an, die nicht ziehen darf. Lässt sie das Feld e2 unbewacht, so setzt Weiß mit Db2-e2 im nächsten Zug matt, geht sie nach e6, so setzt Db2-c1 matt." Auf 36...Dc4xf1 folgte aber 37.Db2-c2+ Kd1-e1 38.Tb7-e7+ nebst matt im nächsten Zug.

36...Td8-d2 37.Tb7-d7! Td2xd7 38.Lf1xc4 b5xc4 39.Db2xh8 Td7-d3 40.Dh8-a8 c4-c3 41.Da8-a4+ Kd1–e1 42.f3-f4 f7-f5 43.Kb1–c1 Td3-d2 44.Da4-a7

Der weiße Materialvorteil ist überwältigend. "Topalow gab auf und diese wundervolle Partie war zu Ende." (Kasparow)

Quelle

Die Partie in PGN bei chessgames.com

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Der richtige Zug:

Walter Eigenmann - Walter Ziswiler,
SMM 2007 Emmenbrücke - Goldau-Schwyz

In der 3. SMM-Runde kam es zu folgender Stellung. Weiss hat die Qualität erobert und steht gut. Schwarz hat seine Figuren in aktive Verteidigungsstellung gebracht.

Doch wie soll nun weiss die schwarze Verteidigungs-Stellung aufreissen?

23.Txd6!! Sc6 [ 23...cxd6 24.Sxd6 Dd7 25.Sxe8 Dxe8 26.Dc7+-] 24.Txc6 Lxc6 25.Lxc7+-

Als Einziger hat uns die richtige Lösung Schachfreund Z.M. aus Z. eingeschickt.
Herzlichen Glückwunsch zur Kombinationsgabe!

21.04.2007 / Andi Wüst / Walter Eigenmann

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Partie des Jahrhunderts

Die Partie des Jahrhunderts ist eine Schachpartie zwischen Donald Byrne und Robert James "Bobby" Fischer, die am 17. Oktober 1956 in der 8. Runde des Rosenwald-Memorial-Turniers in New York gespielt wurde. Der Sieger dieser Partie, der 13-jährige "Bobby" Fischer, war zu dieser Zeit ein noch kaum bekanntes Nachwuchstalent, sein Gegner ein anerkannter Meister. Sie machte wegen ihres spektakulären Verlaufs die Runde durch die Schachpresse der ganzen Welt. Ihren Namen erhielt sie von Hans Kmoch, der bei dem Turnier anwesend war. Bemerkenswerterweise nahm Fischer sie nicht in sein Buch Meine sechzig denkwürdigen Partien auf. Die Partie führte auch dazu, dass man in der Sowjetunion auf Fischer aufmerksam wurde. Juri Awerbach äusserte: Nachdem ich die Partie gesehen hatte, war ich überzeugt, dass der Junge teuflisch talentiert ist.

 

D97 Grünfeld-Indisch
Donald Byrne - Robert James Fischer
New York Rosenwald New York, 1956


 


1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.d4 0-0 5.Lf4 d5 Die Grünfeld-Indische Verteidigung. 6.Db3
[6.e3 ; 6.Tc1!? ] 6...dxc4 7.Dxc4 c6 8.e4 Sbd7 [8...Lg4 9.Le2 Sfd7 10.Td1 Lxf3 11.Lxf3 e5 12.dxe5 Lxe5 13.Lxe5 Sxe5 14.Txd8 Sxc4 15.Txf8+ Kxf8 16.Le2! Sb6 (16...Sxb2 17.Kd2 b5[] 18.Tb1 Sc4+ 19.Lxc4 bxc4 20.Tb4+/- ) 17.Kd2+/= V. Dydyshko - J. Dorfman, Minsk 1986,1:0/57; 8...b5! 9.Db3 Da5 /\ b4/ 10.Ld3 Le6 11.Dd1 c5!?<=> ] 9.Td1 Sb6 10.Dc5 Lg4 11.Lg5? [Dieser Zug ist ein Fehler. Besser wäre es gewesen, mit 11. Le2 die Rochade vorzubereiten. Der nächste Zug von Fischer wurde von Byrne sehr wahrscheinlich nicht vorhergesehen. Kmoch schrieb in seinem Kommentar: Bobby sieht mit Adleraugen schwache Stellen in der gegnerischen Position: die Dame und der König stehen schwach. Der Wunderknabe löste eine Reihe von Kombinationen aus, die mächtigen Eindruck machen. zB: 11.Le2 Sfd7 12.Da3 Lxf3 13.Lxf3 e5 14.dxe5 De8 15.Le2 Sxe5 16.0-0+/= G. Flear -P. Morris Dublin 1991,1:0/46]

11...Sa4!! 12.Da3 [Auf 12. Sxa4 folgt 12. ... Sxe4 und Schwarz kommt in Vorteil, zum Beispiel nach 13. Dc1 Da5+ 14. Sc3 Lxf3 15. gxf3 Sxg5 oder 13. Dxe7 Da5+ 14. b4 Dxa4 15. Dxe4 Te8 16. Le7 Lxf3 17. gxf3 Lf8  13...Da5+ 14.Sc3 Lxf3 15.gxf3 Sxg5-/+ ] 12...Sxc3 13.bxc3 Sxe4 14.Lxe7 Db6-/+ @/

15. Lc4 [15.Nach Lxf8 folgt 15.... Lxf8 16.Db3 Sxc3!-/+ ] 15...Sxc3! 16.Lc5 [16.Dxc3 Tfe8 17.Lxf7+ (17.De3 Dc7-+ ) 17...Kxf7 18.Sg5+ Kxe7 19.0-0 Lxd1 20.Txd1 Db5-+ ] 16...Tfe8+ 17.Kf1

 15.... Le6!!!  [Ein glänzendes Opfer. Wenn Weiß nun nicht die Dame schlägt und stattdessen 18. Lxe6 spielt, folgt ein sogenanntes Ersticktes Matt nach 18. ... Db5+ 19. Kg1 Se2+ 20. Kf1 Sg3+ 21. Kg1 Df1+ 22. Txf1 Se2 matt. Auch 18. Dxc3 rettet Weiß nicht, wegen 18. ... Dxc5. Falsch hingegen 17...Sb5? 18.Lxf7+! Kxf7 (18...Kh8 19.Lxb6 Sxa3 20.Lxe8+/- ) 19.Db3+ Le6 20.Sg5++- ] 18.Lxb6 [18.Lxe6 Db5+ 19.Kg1 Se2+ 20.Kf1 Sg3+ 21.Kg1 Df1+! 22.Txf1 Se2# ; 18.Dxc3 Dxc5! 19.dxc5 Lxc3 20.Lxe6 Txe6-+ ; 18.Ld3 Sb5-/+ ] 18...Lxc4+ 19.Kg1 Se2+ 20.Kf1 Sxd4+ 21.Kg1 [21.Td3 axb6 22.Dc3 Sxf3-+ ] 21...Se2+ 22.Kf1 Sc3+ 23.Kg1

23... axb6 24.Db4 Ta4 25.Dxb6 Sxd1-+ Als Ergebnis der Kombination hat Schwarz nun eine klare Gewinnstellung. Byrne spielte allerdings noch weiter, weil er vielleicht auf einen Fehler seines Gegners hoffte, und lässt sich mattsetzen

26.h3 Txa2 27.Kh2 Sxf2 28.Te1 Txe1 29.Dd8+ Lf8 30.Sxe1 Ld5 31.Sf3 Se4 32.Db8 b5 33.h4 h5 34.Se5 Kg7 35.Kg1

35.... Lc5+ 36.Kf1 Sg3+ 37.Ke1 Lb4+ [Einen Zug schneller war 37. ... Te2+ 38.Kd1 Lb3+ 39.Kc1 La3+ 40.Kb1 Te1 matt oder 37...Lb3!? ] 38.Kd1 Lb3+ 39.Kc1 Se2+ 40.Kb1 Sc3+ 41.Kc1 Tc2# Matt

0-1

 

Die Partie des Jahrhunderts zum Nachspielen...

Quellen 
Garri Kasparow: My great predecessors. Band 4. Gloucester Publishers, London 2004.
Wikipedia-Online-Enzyklopädie

www.chessbase.de

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Das Lavieren

 hätte 38.Sxh6! g4 39.Sf7+! Dxf7 40.Dc3+ Dg7 (40. ... Kg8? Dc8+ verliert den Turm) 41.Dc8+, aber Weiss war in Zeitnot. ---

Kennen Sie auch die Bücher, die man nur kauft, um sie zu besitzen? In der Regel spricht man in solchen Zusammenhängen von “Klassikern”. Solche “Klassiker” besitze ich auch, da ich mir aber recht wenig aus Ihnen mache, verstauben sie dort wo “Klassiker” gewöhnlich verstauben. Im hintersten Winkel des Bücherregals.
Vor kurzem blätterte ich in “Positionelles Schach” nach einem passenden Thema für eine Unterrichtsstunde und stieß auf das Kapitel “Das Lavieren”. Im Vorwort verwies Artur Jussupow auf “Mein System” von Aaron Nimzowitsch und da fiel mir ein, dass ich mir diesen “Klassiker” in frühen Vorzeiten angeschafft hatte, um meiner bescheidenen Schachbibliothek einen Anstrich von Würde zu verleihen. Ich kramte das Buch hervor, studierte Nimzowitschs Ausführungen über das Lavieren und war von der Klarheit und Präzision seiner Beispiele begeistert. Außerdem amüsierte mich der für heutige Verhältnisse ungewöhnliche und erhabene Sprachstil. Um Sie an dieser kleinen freudigen Erfahrung meines Lebens teilhaben zu lassen, habe ich zwei Beispiele aus “Mein System” ausgewählt, die das Problem des Lavierens im Schach ausgezeichnet illustrieren. Das erste Beispiel behandelt das Thema “Lavieren gegen zwei Bauernschwächen” und das zweite “Das Lavieren unter erschwerten Umständen”. Hiermit überlasse ich Nimzowitsch die Bühne:

Diagramm 1    Dr. W. Kalaschnikow-Nimzowitsch (1914)

“Zwei Bauernschwächen, hier c3 und h3. Der Achsenpunkt, um die sich die gegen h3 gerichtete Aktion dreht, erscheint bedroht; wird aber doch gerettet, und zwar durch eine rechtzeitig einsetzende Massage des schwachen Bauern auf der anderen Seite des Hauses, nämlich des Bauern c3. So sehen wir also die beiden getrennten Kriegsschauplätze miteinander logisch verbunden. Es geschah 36. …Ke7. Wenn Weiß nun stillhalten wollte, würde Schwarz durch direkten Angriff in Vorteil kommen, nämlich durch Ke7-f7-g6 gefolgt vom Bauernvorstoß f6-f5. Weiß wird sodann mit f2-f3 decken müssen, und dadurch gibt er dem Gegner endlich die erwünschte Handhabe zum Zugreifen, nämlich zur Postierung des Läufers auf g3 (natürlich nach Wegzug des Sf4), was eine nicht zu parierende Bedrohung der ganzen Verteidigungslinie von Weiß bedeutet. Aber Weiß hielt nicht still, vielmehr suchte er den Gegner an der Durchführung seiner Pläne zu hindern, er zog nämlich 37.Sg2!. Damit wird der Abtausch 38.Lxf4 und falls 38…Sxf4, so 39.Sxf4 Lxf4 tendiert, der ein klares Remis ergeben würde. Der demnach bedroht erscheinende Punkt f4 wäre für Schwarz nun, ohne die Lavierungschance auf der anderen Seite, nicht zu halten gewesen. So aber geschah 37. …Ta3-a1+ 38.Tc2-c1 Ta1-a2! 39.Sg2-e1! (die im 37. und 38. Zuge inszenierte Hilfsaktion erweist sich nun als effektiv, denn nun, bei Stellung des Turmes auf a2, würde der intendierte Erleichterungsabtausch nur zu eigenem Nachteil führen, zum Beispiel 39.Lxf4? Lxf4! 40.Td1 Ld2 41.Se2 Sf4!. Nach den weiteren Zügen 42.Sgxf4 gxf4 43.Kg2 Tc2 entwickelt der Nachziehende einen beachtenswerten Appetit) 39. …Ke7-f7. Also hat Schwarz ein Tempo gewonnen! Aber nun wiederholt sich dasselbe Spiel aufs neue! 40.Tc1-c2 Ta2-a3! 41.Se1-g2 Ta3-a1+ 42.Tc2-c1 Ta1-a2! 43.Sg2-e1 Kf7-g6 44.Tc1-c2 Ta2-a3 45.f2-f3 (dieser schwächende Zug war auf die Dauer noch nicht zu umgehen, sonst folgt nämlich f6-f5 und falls gxf4, so Kxf5 nebst g5-g4 mit freiem h-Bauern) 45…f6-f5. Es ist erreicht! Der Schluß verlief ohne Störungen. 46.Kf2-Kf6 (Räumungszug für den Springer) 47.Lc1 Ta1 48.Ke3 Sg6 49. Sd3 Lg3 (vergleiche die Anmerkung zum 36. Zuge von Schwarz) 50.Se2 Sef4 51.Sg1 Sxd3 52.Kxd3 Lf4! 53.Se1 Lxc1 54.Sxc1 Sf4+ 55.Ke3 Sxh3 Nach heldenmütiger Verteidigung fällt die Festung h3. Es folgte noch 56.Se2 f4+ und Weiß gab auf, da Tf1 noch einen Bauern erobert.”

Diagramm 2     Lasker-Salwe (1909)

“Die eingeengte schwarze Königsstellung bildet hier eine eklatante Schwäche. Als solche darf auch Bd6 gelten. Aber die eigene Schwäche auf e4 legt dem Anziehenden eine gewisse Reserve auf. Das gegen die Schwäche d6 zielende Terrain ist, um es gleich zu sagen, wenig elastisch: Bd6 ist nur durch Td1 und von der Schräge aus angreifbar. Etwas mannigfaltiger erscheinen die Aufmarschmöglichkeiten am Königsflügel (T und D können jederzeit die h- und g-Linie miteinander austauschen). Diese eben gezeigten, nicht gerage [sic] imponierenden Möglichkeiten zur Basis einer wirkungsvollen Operation zu machen, erfordert hohe Meisterschaft. […] Lasker bekundete sie wie folgt: 27. …De8 28.Df2! (auf Sf4 ist die Parade Sh6 möglich) 28. …Tf8 29.Dd2 (fixiert d6 und macht somit die eben angedeutete Parade unmöglich) 29. …Db8 30.Kh1 Tfe8 31.Tg4! Tg8 (falls 31. …Sh6, so 32.Sxf6! mit weißem Vorteil) 32.Td1! (weil e4 entlastet war) 32. …Db4? (damit gerät die Dame schließlich auf Abwege. 32. …De8 war entschieden vorzuziehen. Aber es war in diesem Moment schwer vorasuzusehen, daß der Wirkungskreis der über b4 ins gegnerische Spiel eingedrungenen Dame so überzeugend lokalisiert werden würde.) 33.Df2! Dc3 34.Dh4 (nun wirkt diese neubezogene alte Aufstellung stärker denn je zuvor) 34. …Sh6 35.Tf4 Sf7 36.Kh2 Tge8 37.Dg3 Tg8 38.Th4 (Hier macht Lasker im Kongreßbuch folgende Glosse: “Wenn 38.Tg4 Sh6 39.Th4, so kann folgen: 39. …d5 40.cxd5 cxd5 41.Txd5 Lc5. Jetzt scheitert das Manöver d6-d5 an 39.cxd5 cxd5 40.Sf4.” Also liegt der Angriff gegen e4 immer noch in der Luft. Man beachte die Präventivwirkung der weißen Manövers [sic].) 38. …g5 (es drohte Sf4 Sh6 Txd6) 39.fxg5 ep. Txg6 40.Df2 f5 (um die Schwäche f6 loszuwerden) 41.Sf4 Tf6 42.Se2 Db2 43.Td2 Da1 44.Sg3 Kg8 (Weiß droht 45. exf5 Lxf5 46.Sxf5 Txf5 47.Txh7+) 45.exf5 Lxf5 46.Sd4! cxd4 47.Sxf5 Kf8 48.Dxd4 Dxd4 49.Sxd4 Se5 50.Th5 Tef7 51.c5 dxc5 52.Txe5 cxd4 53.Txd4 Tf2 54.Td8+ Kg7 56.Ta5 und gewann.

Die Laskersche Spielführung wirkt hier imponierend: wie er es versteht, trotz der geringen Mannigfaltigkeit der zu Gebote stehenden Drohspiele das ganze Brett zu beherrschen und die eigene Schwäche in ihrer Bedeutung fast völlig auszuschalten, ist bewundernswert. Der lernbegierige Adept aber lerne hieraus: die Mannigfaltigkeit der vorhandenen Angriffsobjekte (= feindlichen Schwächen) kann die fehlende Mannigfaltigkeit an Drohspielen bis zu einem gewissen Grade kompensieren.”

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Die Auszüge bzw. Beispiele sind entnommen aus:
Nimzowitsch, Aaron: Das Lavieren gegen eine feindliche “Schwäche”. Der kombinierte Angriff an beiden Flügeln. In: Mein System. 2. verbesserte Auflage Berlin (1965): “Das Schach-Archiv”, S. 239-249

                   Georgios Souleidis

Quelle

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Den Merkmalen des positionellen Schachs auf der Spur

C09 Französisch
Gligoric - Stahlberg
Split/Belgrad  1949
 

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5 4.exd5 exd5 5.Sgf3 Sc6 6. Lb5 a6? Heutzutage reagieren Schachmeister empfindlicher auf Probleme, die in der Eröffnungsphase entstehen und wagen es nicht, ein Tempo so leichtfertig zu verlieren  7.Lxc6+ bxc6 8.0-0 Ld6 [8...cxd4 9.Te1+ Le7 10. Sb3 Sf6 11. Se5 bringt Schwarz in Schwierigkeiten.Das gleiche gilt für 8...Le6 9.c4 dxc4 10.Da4 ] 9.dxc5 Lxc5 10.Sb3 Ld6 [Im Fall von 10...Lb6 folgt 11.Le3 Lxe3 12.Te1] 11.Dd4 In einer frühen Phase der Partie gelingt es Weiß, eine Schwäche festzulegen-das Feld c5.Schwarz hat nicht den üblichen isolierten d-Bauern, aber sein Bauernpaar ist blockiert. 11… f6 12.Lf4 Wir sind dieser Methode bereits begegnet: Man spürt eine Schwäche viel deutlicher, wenn die Figuren, die sie verteidigen, abgetauscht werden. 12...Se7 13.Tfe1 0-0 14.Lxd6 Dxd6 15.Dc5!

Je weniger Figuren auf dem Brett sind, desto mehr wird die weiße Vorherrschaft auf den schwarzen Feldern betont. 15...Dxc5 16.Sxc5 Ta7 17.b4 [Die nächste natürliche Phase besteht in der Festlegung der Schwächen. Das sofortige 17.Sd4 würde durch 17....Sf5 18.Sxc6 Tc7 beantwortet werden.] 17...Sf5 [ 17.... a5 ist vorzuziehen, obwohl 18.c3 den Vorteil aufrecht erhält.] 18.Sb3 Tc7 19.c3 Kf7 20.Sfd4 Sd6 21.Sc5 Te8 22.Txe8 Kxe8 23.f3

Nachdem er die rückständigen Bauern auf a6 und c6 festgelegt hat, verbessert Weiß die Stellung aller seiner Figuren und beschränkt währenddessen die Möglichkeiten des Gegners. 23...Kf7 24.Kf2 g5 25.a4 Indem er den Bauern bis nach a5 vorrückt, wird Weiß den Bauern a6 festlegen und eine Figur an seine Verteidigung binden. 25...h5 26.a5 Sc4 27.Te1 Se5 28.g3 Te7 29.Te2 Tc7 30.f4 gxf4 31.gxf4 Sg6 32.Kg3 Se7 33.Te1 Ta7 34.Kf2 Ta8 [Schwarz kann nur abwarten, aber 34. ... Tc7 sieht besser aus.] 35.Sa4 Von c5 aus wird der Springer ein Auge auf a6 werfen, was das schwarze Gegenspiel auf ein Minimum reduziert. 35...Lh3 36.Te3 Ld7 37.Sb6 Ta7 38.Te1 Sf5 39.Sxf5 Lxf5 40.Sa4 Ld3 41.Sc5 Lb5 42.f5 Durch die Errichtung eines starken Feldes auf e6 engt Weiß seinen Gegner weiter ein 42...Ta8 [Im Falle von 42.... Te7 ist 43.Se6 möglich.] 43.Sb7

Es gibt für Schwarz keine Möglichkeit, seine Figuren zu aktivieren. In der Zwischenzeit wird Sd6+ und Te6 dem weißen König den Weg frei machen, so dass er via e3-d4-c5 ungehindert eindringen kann. Vom Moment der Hervorrufung einer Schwäche bis zur letzten Phase, wenn die Ernte eingefahren werden kann, ist es ein langer Weg, der Konzentration und Disziplin verlangt. Aber wenn diese Anforderungen erfüllt werden, erweisen sich solche langfristigen statischen Schwächen ziemlich oft als tödlich. Es mag merkwürdig erscheinen, aber wenn ich die typische Bauernformation in Betracht ziehe, erscheint es mir logisch, dass Schwächen oft auf der fünften Reihe entstehen. Ein weiteres Feld auf der fünften Reihe, das ich oft von derselben Krankheit befallen sehe, ist das Feld f5... 1-0

Drãsen Marovic, Geheimnisse des positionellen Schachs, Gambit-Verlag 2004
(wie man Stärken und Schwächen auf dem Schachbrett ausnutzt)
ISBN 1-904600-13-1            240 Seiten; 27,50 Euro    
Bewertung:  

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Aufschreiben der Züge

 

 

Manche Bretter sind mit Buchstaben und Zahlen versehen, die für das Spiel keine Bedeutung haben. Sie dienen dem Aufschreiben der Partie,

damit man sie nachher analysieren, oder auch veröffentlichen kann
(z.B. unsere
Partienseite).

 

 

 

  Die Zahlen auf diesem Brett stehen für folgende Felder:

X steht für schlägt, + für Schach 

Außerdem müssen die großen Figuren dazugeschrieben werden:

  • Ta4 bedeutet: Turm geht auf a4.
  • Oder Sxc3 was bedeutet: Springer schlägt eine Figur(oder Bauer) auf c3.
  • Außer K für König, D für Dame und L für Läufer gibt es keine weiteren Abkürzungen für Figuren.
  • Die Bauern bleiben ohne Buchstabe. 
  • Können zwei gleiche Figuren auf ein Feld ziehen, dann schreibt man zB. Scd4 (einer steht auf der c-, der andere auf der d-Linie) oder T1a5 bzw. T6a5.

Partienseite SGE mit Notationen

Quelle

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 Motive kennenlernen

Der Zugzwang Teil 1

                                      Im Schach bedeutet das Wörtchen Zugzwang normalerweise, daß der
Betroffene, wenn er denn aussetzen könnte, noch ganz manierlich stehen würde. 

Sämisch - Nimzowitsch








                                                                                                                                            
                                      Doch durch die Pflicht zu ziehen, muß der vom "Zugzwang" betroffene seine Stellung selbst ruinieren. Bei größeren Figurenansammlungen ist Zugzwang eher unwahrscheinlich, aber es gibt ihn. Dem legendären Aaron Nimzowitsch gelang ein Kunstwerk, das in die Annalen des Schachs als "Unsterbliche Zugzwangpartie" einging.  

                                                                                                             
Saemisch,F - Nimzowitsch,A  0-1

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Der Zugzwang Teil 2

                                      Übrigens gibt es eine weitere Partie, welche diesen Titel wohl ebenso verdient hat:

In Alexander Alekhine - Nimzowitsch, San Remo 1930,
ist Nimzowitsch jedoch das Opfer:
 
 
 







Alekhine - Nimzowitsch

                                                                                                                  
                                                                                                             
Alekhine,A - Nimzowitsch,A  1-0

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Der Zugzwang Teil 3 

Eine klassische solche Zugzwangstellung ist auch die Folgende:                                                                                                                                                                                                                                                     
                                                                                                                     

schaut man genau, so erkennt man die Pein des w.Königs - er hat kein Feld auf welches er ziehen könnte. Die Bauern sind "blockiert" - können also auch nicht ziehen. Was bleibt ist der Turm auf b7, dessen "Bewegungshorizont" ist indessen aber extrem eingeschränkt. Die einzigen Felder auf welche der Turm ungefährdet ziehen könnte sind b6 und b8. Die 7.Reihe ist Tabu. Aber auch das hat schlimme Konsequenzen. Nun ist es für den "hohen Zugzwang" aber symptomatisch, daß man eben nur mit einem einzigen Stein ziehen kann. In diesem Fall der Turm auf b7 - er muß ziehen und egal wo er hinzieht er wird entweder geschlagen oder aber er löst die (noch rettende) Fesselung des Bauern e7 auf. So ganz nebenbei - Patt spielt unter Umständen auch eine Rolle - siehe Analyse! In der folgenden Partie, bedeutet der Zugzwang entweder Turmverlust und später Matt oder sofortiges Matt!

                                                                                                                 
NN - Herzog Adolf  0 - 1 

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Eröffnungstheorie

In der Eröffnung geht es vor allem darum, die eigenen Figuren zu entwickeln, also in vorteilhafte Stellungen zu bringen. Ein weiteres Ziel der Eröffnungsstrategie ist die Beherrschung der Zentrumsfelder. Man sollte in der Eröffnung darauf achten, seinem König die Rochade, beispielsweise durch falsche Bauernzüge, nicht zu verbauen, da das dem Gegner schnell zu einem Angriff auf den König verhelfen kann.

Die großen Schachlehrer Ruy López, Gioacchino Greco und Philidor, aber auch großartige Schachspieler wie Paul Morphy, vor allem aber auch die Schachweltmeister, angefangen mit Wilhelm Steinitz bis hin zu Garry Kasparow, haben die Entwicklung der Eröffnungslehre vorangetrieben, so dass heute etwa folgende Grundsätze in der Schacheröffnung gelten:

  • Ziehe anfangs einen Zentralbauern, um die Läufer entwickeln zu können
  • Entwickle dann die Leichtfiguren (Läufer, Springer)
  • Vermeide, die Dame zu früh ins Spiel zu bringen, auf das Schäfermatt fallen nur Anfänger rein
  • Jede Figur sollte in der Eröffnung möglichst nur einmal gezogen werden
  • Jeder Zug sollte der Beherrschung des Zentrums, der Sicherung der eigenen Figuren oder dem Angriff auf den gegnerischen König gewidmet sein
  • Ein Schutz des Königs durch eine Rochade sollte so früh wie möglich in der Eröffnungsphase geschehen

Es gibt Eröffnungen, in denen diese Regeln nur eingeschränkt gelten, bei den meistgespielten Eröffnungen jedoch wird man diese Regelmotive deutlich erkennen können.

 

Die Wahl des Eröffnungssystems 

In Jahrhunderten der Spielpraxis sind etliche Eröffnungssysteme versucht worden. Viele davon wurden durch Analyse oder Spielpraxis widerlegt. Andere haben sich als robust erwiesen und werden ständig in den Turniersälen, im Internet oder in privaten Begegnungen von Spielern aller Spielstärken gespielt.

Über diese Eröffnungen gibt es eine Literatur, die Hunderttausende von Seiten zählt. Einige oft gespielte Varianten in gängigen Systemen sind bis zum 20., ja bis zum 30. Zuge durchanalysiert. Wirklich gut auskennen in diesen Komplikationen können sich nur die Berufsspieler, die Großmeister, und auch die müssen sich heutzutage auf bestimmte Systeme spezialisieren, in denen sie wirklich sattelfest sind.

Aber auch Amateure versuchen sich Eröffnungssysteme anzueignen, mit denen sie sich auskennen. Am besten kommt der Spieler zurecht, der ein System wählt, das seinen spezifischen Stärken besonders entspricht:

  • Ist der Spieler eher ein Taktiker, der in komplizierten Situationen präzise rechnen kann, oder ist er ein Stratege, der langfristige Pläne schmiedet und ein ruhiges Spiel bevorzugt?
  • Liegt seine Stärke eher in der Kunst der Bauernführung, oder weiß er die besonderen Eigenarten der Figuren gut zu nutzen?
  • Ist er eher Angreifer oder Verteidiger?
  • Will er lieber risikobereit auf Gewinn spielen oder aber das Verlustrisiko minimieren?
  • Will er den Gegner mit einer gut vorbereiteten, genau analysierten Variante bereits in der Eröffnung überspielen, oder sucht er den Vorteil eher im Mittel- oder Endspiel?

Neben diesen Überlegungen spielen auch Moden eine Rolle im Schach. Einige haben bestimmte schachliche Vorbilder, verfolgen deren Partien und richten sich bei der Wahl der Spielsysteme danach.

Prinzipiell werden Eröffnungen in drei verschiedene Systeme eingeteilt:

  • Offene Spiele:  1.e2-e4 e7-e5 (beispielsweise Spanische Partie)
  • Halboffene Spiele:  1. e2-e4 nicht e7-e5 (beispielsweise Französisch)
  • Geschlossene Spiele:  1. nicht e2-e4 (beispielsweise Damengambit)

 

 

Die Geschichte der Schacheröffnung 

Die Geschichte der Schacheröffnungen beginnt mit dem „Großvater“ des Schachspiels, dem indischen Spiel Chaturanga. Die Zugmöglichkeiten der Figuren waren eingeschränkt, so dass in der Regel bis zu 20 Züge notwendig waren, bis die gegnerischen Figuren aufeinandertrafen.

Tschaturanga entwickelte sich in Persien weiter zu Shatranj. In diesem Spiel entwickelten Meisterspieler so genannte „Tabijen“, das heißt, es wurden Figurenaufstellungen geschaffen, die ein Aufeinandertreffen der Parteien bereits mit dem ersten Zug möglich machten, jedoch waren die Tabijen so ausgeklügelt, dass keine Partei von Anfang an einen Vorteil besaß. In diesen Tabijen ist die Grundidee zu der heutigen Eröffnungslehre zu suchen.

Schach, in der Form wie es heute gespielt wird, gibt es so erst seit 300 Jahren. Die Bewegung einiger Figuren ist neu, die Dame zieht weiter, die Läufer ebenso. Zuletzt kamen sogar noch solche Spezialzüge wie die Rochaden, das Schlagen en passant und der Doppelschritt des Bauern hinzu. Tabijen haben in unserer heutigen Zeit ihren Sinn verloren, denn die Figurenaufstellung wird durch jeden Spieler selber bestimmt, wobei sich die gegnerischen Parteien gegenseitig beeinflussen, was den Hauptgrund für die heute notwendige Eröffnungslehre bildet.

Früher meinte man, dass man in der Eröffnung unbedingt danach streben sollte, das Zentrum – das sind die Felder d4,d5,e4,e5 – mit Bauern zu besetzen, um so die Herrschaft über das Zentrum zu erkämpfen. Folgerichtig begannen die meisten Schachpartien mit den Zügen e4,e5 beziehungsweise d4,d5 (Damengambit). Mit dieser Auffassung verbindet man insbesondere den Namen des Schachmeisters Tarrasch.

Später gelangte man zu der Auffassung, dass es eigentlich darum geht, das Zentrum zu kontrollieren – ohne es zwingend mit Bauern zu besetzen. Dabei erlangten unter anderem die indischen Eröffnungen an Bedeutung. Beispielsweise versucht Schwarz in der Königsindischen Eröffnung mit Sf6, g6, Lg7, d6 Einfluss auf das Zentrum zu gewinnen. Diese so genannten hypermodernen Ideen stammten unter anderem von den Schachmeistern Réti, Nimzowitsch, Tartakower und Breyer.


Wikipedia

 


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Schwache Rochade-Punkte nach der
Läufer-Flankierung

Botvinnik-Padevsky
Moskau Olympiade, 1956
Zitiert nach R.Teschner (Schach für Fortgeschrittene)

Möglichst zu vermeiden sind schwache Felder in der Nähe des Königs. Sie bilden sich besonders häufig, wenn ein Läufer zuerst flankiert und dann abgetauscht worden ist.

Der Spieler sollte immer versuchen, schwache Punkte im gegnerischen Lager zu eigenen starken Punkten auszubauen:

 

  a b c d e f g h  
 8     BR    BK    BR  BK    8 
 7   BP    BN      BP  BB  BP  7 
 6     BP          BP    6 
 5       BP  BB          5 
 4                   4 
 3     WP          WP    3 
 2   WP  WB  WQ  WN  WP  WP  WB  WP  2 
 1   WR          WR  WK    1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002)


1r1q1rk1/p1n2pbp/1p4p1/2pb4/8/1P4P1/PBQNPPBP/R4RK1 w - - 0 16

Weiss erspähte hier die Chance, den Punkt f6 als Schwäche zu brandmarken. Es geschah 16.Lxg7 Kxg7 17.Tad1 (droht eine Fesselung nach Abzug des Sd2) 17...Lxg2 18.Kxg2 De7 19.Se4 Der Springer markiert hier die geschwächten Punkte d6 und f6. 19...Tbd8 20.h4 Der h-Bauer soll dem Springer einen Stützpunkt auf g5 geben, er droht aber auch gelegentlich h4-h5 nebst Tausch auf g6 oder sogar h5-h6. 20...Txd1 21.Txd1 Td8 Schwarz bekämpft die Verdoppelung der schweren Figuren auf der d-Linie und übersieht dabei die Schwäche von f6, die der damalige Weltmeister mit einem kräftigen taktischen Schlag ausnützt: 22.Db2+ f6 Darauf hatte sich Schwarz verlassen, denn zu 7... Kh6 8.Sf6! wollte er sich nicht verstehen: der weisse Turm wäre wegen Sg8+ indirekt gedeckt und es droht Sg4+ 23.Sxf6! erstürmt den umstrittenen Punkt. Der Td1 darf wegen Sd5+ nicht geschlagen werden, und auch de Springer ist tabu, weil sonst der Td8 seine Deckung verlöre. Der Rest der Partie war einfach, Weiss gewann leicht. 23...Kf7 24.Txd8 Dxd8 25.Sxh7 Se6 26.De5 b5 27.Sg5+ Sxg5 28.hxg5 Da8+ 29.e4 Dc6 30.Kf3 c4 31.bxc4 Dxc4 32.Dd5+ 1-0

Zum Nachspielen

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"Sitze auf den Händen!"

W.E./Auf dem Schachbrett liegen bekanntlich Himmel und Hölle nur zentimeterweise auseinander. Das bestätigte sich einmal mehr in der diesjährigen Auflage des SGE-Thema-Turniers.
Im 29. Zug der Partie Lustenberger-Eigenmann kam es zur folgenden Stellung, in der Schwarz am Zuge ist; ich hatte schon ne ganze Menge Holz geopfert, um den FKK-König des Weissen inkl. seinen völlig unterentwickelten Damenflügel attackieren zu können:

SGE-ThemaTurnier 2006
J. Lustenberger - W. Eigenmann

 

  a b c d e f g h  
 8                 BR  8 
 7         BK  BN      BP  7 
 6       BP            6 
 5                 WQ  5 
 4         BK      BP    4 
 3       WP            3 
 2   WP  WP    WP      WP    2 
 1   WR    WB    WK        1 
  a b c d e f g h  
 black to move
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002)

Schwarz hat ein Mattnetz!

7r/3kn2p/2p5/7Q/3q2p1/2P5/PP1P2P1/R1B1K3 b - - 0 29

Was ziehen Sie? Etwa auch wie ich das naheliegende, aber harmlose 29...Dg1?! Schlieslich kriegt man noch den g-Bauern mit Schach, oder?!

Zu voreilig, viel zu voreilig! Der weisse Bauer ist quasi "vergiftet": Dieses Damen-Schach lässt den weissen König entwischen (und in der Folge vergeigte ich das Endspiel sogar noch zur Niederlage...).

Stattdessen bewahrheitet sich auch hier einmal mehr der berühmte Tarrasch-Lehrsatz: "Sitze auf den Händen!"
Will heissen: Das Naheliegende bringt einen oft noch weiter weg... Ein paar Minuten des zusätzlichen Nachdenkens können oft Wunder wirken.
Schwarz muss hier den Weissen auf seinen schwachen weissen Feldern "beschäftigen" - und man glaubt es nicht, aber man sehe und staune: Schwarz kann mattsetzen!

29... De4+!! 30. Kd1 (30. Kf1 Tf8+ 31. Kg1 g3 32. Dh3+ Sf5 33. Dxh7+ Kc8 34. Dc7+ Kxc7 35. Kf1 Sh4+ 36. Kg1 Dxg2#) (30. Kf2 Tf8+ 31. Kg1 (31. Kg3 Df4+ 32. Kh4 Tg8 33. g3 Df6+ 34. Dg5 Dxg5#) 31... g3 32. Dh3+ Sf5 33. Kf1 (33. Dxh7+ Kd8 34. Dd7+ Kxd7 35. Kf1 Sh4+ 36. Kg1 Dxg2#) 33... Kd8 34. d4 (34. Dh5 Se3+ 35. Ke1 Sxg2+ 36. Kd1 Tf1#) 34... Dd3+ 35. Ke1 Te8+ 36. Le3 Txe3#) 30... Tf8 31. Dh1 Dd3 und Weiss zappelt im Mattnetz!

 

 

  a b c d e f g h  
 8             BR      8 
 7         BK  BN      BP  7 
 6       BP            6 
 5                   5 
 4               BP    4 
 3       WP  BK          3 
 2   WP  WP    WP      WP    2 
 1   WR    WB  WK        WQ  1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002)

5r2/3kn2p/2p5/8/6p1/2Pq4/PP1P2P1/R1BK3Q w - - 0 32

Diese Stellung hätte Schwarz anstreben (bzw. "riechen") müssen:
Weiss ist komplett paralysiert - sowas geht immer "irgendwie" matt...

Aber eben nur, wenn man Tarrasch beherzigt: "Sitze..." - genau...

Finden Sie selbst heraus, wie es weitergehen könnte!

 

(Für all jene, die nicht auf den Händen sitzen können ;-) hier die ganze Lösung:

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Das Prinzip der ZWEI Schwächen

Oft hängt der Erfolg in einer Schachpartie davon ab, ob es möglich ist, gegen zwei Schwächen zu operieren bzw. abwechselnd am linken und am rechten Flügel vorzugehen. Betrachten wir mal den folgenden, grundlegenden Fall:

Prinzip der zwei Schwächen (I)
Weiss gewinnt

 

  a b c d e f g h  
 8                   8 
 7                   7 
 6                 BP  6 
 5     BK            WP  5 
 4     WP              4 
 3     WK              3 
 2                   2 
 1                   1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

Die Partie wäre remis, hätte Weiss nicht ausser dem Freibauern b4 die zusätzliche Chance, auf Eroberung des Bauern h6 zu spielen. Weiss gewinnt also deshalb, weil Schwarz an zwei Fronten verteidigen muss - was zuviel ist:

1. Kc3 Kb6 2. Kc4 Kc6 3. Kd4 Kb5 4. Ke5 Kxb4 5. Kf6 Kc5 6. Kg6 Kd6 7. Kxh6 Ke7 8. Kg7 und Weiss verwandelt den Bauern.

Noch ein anschauliches, elementares Beispiel (Nimzowitsch-Janovsky, Karlsbad 1907):

Prinzip der zwei Schwächen (II)
Weiss gewinnt

 

  a b c d e f g h  
 8                   8 
 7           BN        7 
 6         BK          6 
 5     WP          BP    5 
 4         WK  WB        4 
 3                   3 
 2               WP    2 
 1                   1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

Ohne das Bauernpaar auf der g-Linie hätte Weiss keinerlei Gewinnchance, weil es dem Gegner gelänge, 1. den Bauern auf der b-Linie zu blockieren, und 2. seinen Springer gegen den Bauern zu opfern, was theoretisch dann remis werden muss.
Doch Schwarz hat zwei Verpflichtungen, und so ist seine Niederlage besiegelt:

1. b6 g4 2. b7 Kc7 3. Ke5 g3 4. Kf4 Sg8 5. Kxg3 Sf6 6. Lf3 Sd7 7. Kf4 Kd6 8. Kf5 Ke7 9. Lc6 Sb8 10 Lb5 und gewinnt.

(W.E. / 14.3.06 / Zitiert nach R.Teschner, Schach, Goldmann 1965)

Zum Nachspielen

_________________________________________

 

Hier kommen die 7 Matt-Zwerge!

W.E./Die sieben folgenden, leichten Zweizüger wollen nicht stressen, sondern amüsieren. Trotzdem geht's nicht jedesmal auf den ersten Blick... - und nicht schummeln bitte! Erst unten Nachspielen, wenn aller eigener Hirnschmalz aufgebraucht ist...

Matt in 2 Zügen
Atkins - Gibson 1-0

  a b c d e f g h  
 8   BR      BK    BR    BK  8 
 7       BP    BB    BP  BP  7 
 6   BP    BN            6 
 5     BP    WQ    BB  WN    5 
 4           BN        4 
 3     WB  WP    WB        3 
 2   WP  WP        WP  WP  WP  2 
 1   WR          WR  WK    1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

r2q1r1k/2p1b1pp/p1n5/1p1Q1bN1/4n3/1BP1B3/PP3PPP/R4RK1 w - - 0 1

 

Matt in 2 Zügen
Rossolimo - Wood 1-0

  a b c d e f g h  
 8   BR      BK          8 
 7         BR  BK        7 
 6     BP  WR  BP        BP  6 
 5     WP    WP  BP  WR  BP  WP  5 
 4   BP        WP    WP    4 
 3   WP  BP  WQ            3 
 2                   2 
 1     WK              1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

r2q4/3rk3/1pRp3p/1P1PpRpP/p3P1P1/PpQ5/8/1K6 w - - 0 87

 

Matt in 2 Zügen
Colle - Rubinstein 1-0

  a b c d e f g h  
 8       BB    BR  BK      8 
 7           BP    BB  BP  7 
 6     WB  WQ    WP    BP    6 
 5   BP          BP      5 
 4   WP                4 
 3                   3 
 2           BR  WP  WP  WP  2 
 1         WR      WK    1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

2b1rk2/4p1bp/1BQ1P1p1/p4p2/P7/8/4rPPP/3R2K1 w - - 0 31

 

Matt in 2 Zügen
Spielmann - Walter 1-0

  a b c d e f g h  
 8   BR      WN  BK  BB    BR  8 
 7   BP  WQ    BB  BP    BP  BP  7 
 6     BP  BN    BP        6 
 5       BK  BP          5 
 4   WP    BP      WB      4 
 3       WP            3 
 2     WP  WP      WP  WP  WP  2 
 1   WR        WK  WB    WR  1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

r2Nqb1r/pQ1bp1pp/1pn1p3/2kp4/P1p2B2/2P5/1PP2PPP/R3KB1R w KQ - 0 19

 

Matt in 2 Zügen
Morphy - Isouard 1-0

  a b c d e f g h  
 8           BK  BB    BR  8 
 7   BP      BN    BP  BP  BP  7 
 6           BK        6 
 5           BP    WB    5 
 4           WP        4 
 3     WQ              3 
 2   WP  WP  WP      WP  WP  WP  2 
 1       WK  WR          1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

4kb1r/p2n1ppp/4q3/4p1B1/4P3/1Q6/PPP2PPP/2KR4 w k - 0 16

 

Matt in 2 Zügen
VanEssen - Duff 1-0

  a b c d e f g h  
 8   BR    BK    BK    BN  BR  8 
 7   BP    BP  BB    BN    BP  7 
 6         BP  WN  WQ  BP    6 
 5     WB  BP  WN          5 
 4           WP        4 
 3                   3 
 2   WP    WP      WP  WP  WP  2 
 1   WR        WK      WR  1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

r1q1k1nr/p1pb1n1p/3pNQp1/1BpN4/4P3/8/P1P2PPP/R3K2R w KQkq - 0 17

 

Matt in 2 Zügen
Euwe - VanMindeno 1-0

  a b c d e f g h  
 8   BR    BB      BR  BK    8 
 7   BP  BP        BP  BP  BP  7 
 6         BP          6 
 5         WQ    BN  BK    5 
 4       WB    WR        4 
 3                   3 
 2   WP  WP        WP  WP  WP  2 
 1   WR            WK    1 
  a b c d e f g h  
 
ChessDiag V1.01

r1b2rk1/pp3ppp/3p4/3Q1nq1/2B1R3/8/PP3PPP/R5K1 w - - 0 17

(W.E. / 13.03.2006)

Zum Nachspielen

 

 

 

1...Kb8! Ein König kann drei nebeneinander stehende Bauern aufhalten, wenn er sich unmittelbar nach Vorrücken des ersten Bauern vor diesen stellen kann (siehe Varianten im 4. Zug) 2.Kf2! g1D+! [ 2...h3? 3.Kg1 und Schwarz wäre wegen Zugzwang verloren 3...Kc7 ( 3...Kb7 4.b6 Kc6 5.a6 Kxc5 6.b7 ; 3...Ka8 4.c6 Ka7 5.b6+ Ka8 6.a6 Kb8 7.c7+ Kc8 8.a7 Kd7 ) 4.c6 Kb8 5.b6 Ka8 6.a6 Kb8 7.c7+ Kc8 8.a7 Kb7 9.a8D+ Kxa8 10.c8D# ] 3.Kxg1 h3! Jetzt ist Weiß im Zugzwang 4.c6 [ 4.b6 Kb7 5.a6+ Kxa6 usw.; 4.a6 Ka7 5.c6 Kb6 siehe Hauptvariante] 4...Kc7 5.a6 Kb6 6.a7 Kxa7 7.c7 Kb7 8.b6 Kc8 9.b7+ Kxc7 10.b8D+ Kxb8 11.Kf2 h2

[Schmitz,Gerhard]

 

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