Ja, es gab auch schon Schattenseiten in meinem Leben... Aber was mich nicht umbringt, macht mich nur noch stärker! :) Das Ganze schimpft sich GBS (Guillain- Barré- Syndrom) und ist eine Autoimmunkrankheit. Alles fing im Januar 2003 an. Nein, eigentlich im Dezember 2002. Am 2. Weihnachtstag waren wir essen (allerdings hab ich das nicht lange bei mir behalten), ein oder zwei Tage später vergrößerte sich ein Lymphknoten am Hals. Ich ging zum Arzt. Der verschrieb mir Antibiotika. Nachdem dieses aber nicht half, ein paar Tage später ein anderes. Am 3. Januar 2003 bekam ich dann Doppelbilder (ja ganz ohne Alkohol oder sowas in der Richtung ;)) und meine rechte Lippen-/Gesichtshälfte wurde taub. Als Nebenwirkung des Antibiotikums stand u.a. auch "Wahrnehmungsstörungen" dort. Meine Mom rief einen Arzt an, um zu erfragen, ob man meine Beschwerden auf das Antibiotikum zurückführen könne. -Möglich war es. Wenn sich an meinem Zustand etwas ändern sollte, dann sollten wir wieder anrufen. Nachts gegen 3 Uhr weckte mich Mom. Ich konnte mich gar nicht mehr richtig ausdrücken. So kam anstatt "Mir ist total blöd" ein "mm s totl wwlööd" (oder so ähnlich :)) aus meinem Mund. Kurzer Prozess: den Arzt wieder angerufen, der dann auch prompt zu uns kam. Nach kurzer Untersuchung war klar: ich gehöre ins Krankenhaus. So kam ich erstmal nach Leer ins Borromäus- Hospital. Dort stellten die Ärzte zunächst "Pfeiffrisches Drüsenfieber" fest. Anhand meiner Symptome war da aber wohl noch ein neurologisches Problem zu erkennen (ich konnte nur noch schwer laufen und sackte dabei rechts immer etwas weg). So wurde ich dann per Krankenwagen nach Emden ins Hans- Susemihl- Krankenhaus gebracht, da in Leer zu diesem Zeitpunkt wohl kein Neurologe anwesend war. Was auch ein bisschen mein persönliches Glück war, denn der Chefarzt der Neurologie hat seine Dissertation (Doktortitel) über GBS geschrieben. Es wurde daher sehr schnell erkannt, was mit mir los ist. Tja, die Diagnose lautete also sehr schnell: Akutes Guillain- Barré- Syndrom. GBS ist eine extrem seltene Nervenerkrankung, bei der die impulsleitende Schicht der Nerven durch eine Autoimmunreaktion (von den körpereigenen Abwehrzellen) zerstört wird. Das kann Gefühlsbeeintächtigungen oder sogar aufsteigende Lähmungen zur Folge haben, die dann auch die Atmung betreffen können und eine künstliche Beatmung notwendig machen. (wer mehr wissen will: googelt mal nach "GBS- Initiative") Wer mich kennt weiß: ich mache keine halben Sachen.. Ich habe also fast alles mitgenommen, was ich so bekommen konnte... :) Es kann zum Beispiel bis zu 2 Wochen dauern, bis die von unten aufsteigenden Lähmungen am Kopf angekommen sind -- ich war innerhalb von 15 Stunden komplett gelähmt. Davon weiß ich allerdings nichts mehr. Ich wurde dann für 20 Tage ins künstliche Koma gelegt, intubiert und an viele, viele Apperate angeschlossen, deren Namen ich nicht kenne. Insgesamt war ich 9 Wochen auf Intensivstation, davon 8 Wochen beatmet -erst durch den Mund intubiert und dann per Tracheostoma (Luftröhrenschnitt). Darauf folgte ab 5.März ein Monat Rehabilitaion in Geesthacht. Dann kam ich nach Bremen- Lesum, in die Friedehorster Reha -Einrichtung (4. April). -Ein Unterschied wie Tag und Nacht- Zuerst war ich noch 2,5 Wochen auf Station C, der pflegeintensivsten Station des Rehas. Da es mir aber schnell besser ging, war es am 23. April soweit: Mein Umzug nach "B oben". Ich wurde sehr lieb aufgenommen (von Mitrehabilitanden wie Betreuern) und habe mich dort sehr schnell eingelebt. Ich musste alles wieder erlernen. Vom "Alleine- essen" über schreiben bis zum Laufen. Da sich meine Muskeln sehr weit degeneriet hatten, konnte ich Anfangs nicht mal meine Arme oder Beine bewegen. Durch falsche Lagerung und fehlendes Training im Stehtrainer hatte ich zur Krönung auch noch Verkürzungen der Muskeln in den Beinen davon getragen. Alle Versuche das auf manuelle Weise wieder zu bewältigen schlugen fehl. Es half kein Stehtraining im -trainer und auch langwierige Prozeduren mit warmen Körnerkissen auf den Waden und dem "Bauchschrägliegebrett" (wie ich das Ding gehasst habe :)) waren nicht erfolgreich. So hab ich dann im "Jahrhundertsommer 2004" meine Beine in Kunststoffgipse gelegt bekommen. Man... das war vielleicht warm. ;) Aber es half ja kein Jammern und Wimmern: was sein muss, muss sein. Also stellte ich mich zwei Mal pro Woche dem Gipswechsel, so dass meine Beine Stück für Stück gedehnt wurden und solangsam wieder in Streckung waren. Das Ganze dauerte (inklusive abtrainieren der Gipse) 7 Wochen. Das waren 7 sehr warme, schmerzhafte und anstrengende Wochen. :) Aber ich leb immer noch ;D Am 15. September 2004 habe ich meine ersten Schritte gemacht - in einem Mordsteil von "Rollator". :) War schon ein tolles, aber auch seltsames Gefühl, dem Erdboden wieder so fern zu sein. Die Monate vorher hatte ich ja "nur" im Rollstuhl verbracht. Leider war ich eine Woche später wieder stillgelegt, was das Laufen angeht. Wir -ein paar Mitstreiter, -innen und ich- waren zum monatlichen Kegeln gegangen, was vom Reha organisiert wurde. (Ja, ich hab im Sitzen gekegelt :D mit Kegelhilfe -einer Art Rutsche für die Kugel-) auf dem Nachhauseweg ist es dann passiert: ich wurde geschoben, da es zu weit war, zum selber fahren. Leider hat derjenige, der mich schob, einen Gulli übersehen -so nen tollen mit "Gitter". Darin verfing sich ein Rad des Rollstuhls und "Klein- Steffi" wurde sozusagen "rausgeschubst"... Tat ganz schön weh.. Laut Röntgenaufnahme, die am nächsten Tag gemacht wurde, hatte ich dann einen Riss in der Kniescheibe. (Ganz toll, wenn man gerade anfängt zu laufen und dann sein Knie nicht mehr beugen darf!) Aber zum Glück durfte ich mein Bein weiter belasten und so ging es dann für eine Woche mit halber Kraft weiter. Nach dieser Woche ging ich dann zur Nachkontolle wieder zum Arzt. Der fand allerdings keinen Riss mehr- so musste ich noch ins Krankenhaus: Computertomografie meines Knies..suuper.. naja.. Letztenendes stellte sich doch raus, dass ich DOCH keinen Schaden von dem Sturz davon getragen hatte und so ging es weiter mit dem Lauftraining. Nach ein paar Wochen bekam ich dann auch Therapie im Gangtrainer. --hui..so ist also das Gefühl, wenn man läuft... was man nicht alles vergessen kann... ;) Als es dann später besser ging mit Laufen, hab ich so ein "Oma- Wägelchen" bekommen, wieder etwas später bin ich dann nur noch mit "Krücken" gelaufen. Natürlich war der Rollstuhl immer noch mein treuster Freund -zum Beispiel beim Einkaufen oder weiteren Strecken-. Jaa.. Es kam der Zeitpunkt, wo ich meine doch so liebgewonnene Reha verlassen musste/durfte (21. April 2004). So vom heutigen Standpunkt aus kann ich sagen "Es war mein Zuhause". Ich habe nie verstanden, wie viele meiner Mitstreiter schon am Tag nach ihrem Einzug ins Reha nach Hause wollten. Klar, es war auch bei mir nicht immer einfach, ich hatte auch meine Höhen und Tiefen, aber so im Großen und Ganzen war es eine seht schöne Zeit für mich. Es hatte manchmal ein bisschen was von Jugendfreizeit oder Jugendherberge. Tja.. ab 26. April bin ich dann wieder in meine alte Schule gegangen. Natürlich nicht in meine alte Klasse, denn die hatten 2003 schon ihren Abschluss, aber ich habe in der 9. Klasse meine "Eingliederungszeit" verbracht um dann nach den Sommerferien mit ihnen in der 10. wieder voll einzusteigen. Alle haben meine Situation akzeptiert (ich bin noch mit "Krücken" zur Schule gegangen) und haben mich echt lieb aufgenommen. Im Sommer 2005 hab ich dann auch meinen Abschluss gemacht und hab im August 2005 meine Ausbildung zur Optikerin angefangen. Ganz weg ist mein GBS immer noch nicht. Meine Nervenleitgeschwindigkeit ist noch um fast 50% verringert und auch mein Fußheber ist noch nicht vollkommen wieder intakt. Allerdings sind das so kleine Nebensächlichkeiten, die mir nur in Extremsituationen und anderen gar nicht mehr auffallen. Ich höre immer öfter: "Das du mal "was hattest"... kann man fast nicht glauben... da sieht man ja nichts mehr von!" Ja und so wendet sich doch alles zum Guten! :)

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