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Gedichte4


Die Straßenmalerin
 
Sitzt du des nachts auf einer Bank,
dann siehst du sie vorübergehen.
Gerade an deiner Bank entlang,
kannst du kurz ihr Antlitz sehen.
 
Ihr langes Haar hebt sich im Wind,
frieren muss sie, es ist kalt.
Wie ein Wiesel läuft geschwind,
das Mädchen durch den dunklen Wald.
 
Sie schaut dich auf der Bank nicht an,
sie schenkt dir keinen einzigen Blick.
Dein Auge hängt noch hintendran,
da bleibt das Dunkel nur zurück.
 
Schaue nur genauer hin,
das ist die Straßenmalerin.
 
Sie liebt das Dunkel einer Nacht,
früh morgens dort hindurch zu gehen.
Sie kann mit voller Farbenpracht,
ganz früh auf ihrer Straße stehen..
 
Denn sie hat sich losgesagt,
von gesellschaftlicher Pflicht.
Sie geht durchs Leben unverzagt,
und hört die vielen Störer nicht.
 
Eilt der Tag mit Licht herbei,
sitzt sie in Straßen und in Gassen,
Um beim ersten Hahnenschrei,
zu warten auf die Menschenmassen.
 
Schaue nur genauer hin,
Das ist die Straßenmalerin.
 
Dann malt sie in Farbenpracht,
ihre Seele in den Raum.
Was sie kunstvoll dargebracht,
entstand zuvor in ihrem Traum.
 
Ein alter Blechtopf steht daneben,
er füllt sich rasch mit kleinem Geld.
Ein bisschen Mehr zum Weiterleben,
ein Tag länger auf der Welt.
 
In ihren Augen bricht das Licht,
die Schöpfung gibt ihr einen Kuss.
Sie sieht die vielen Menschen nicht,
Weil sie schneller malen muss.
 
Schaue nur genauer hin
Das ist die Straßenmalerin.
 
Hat sie ihr Werk zu End gebracht,
ergreift sie hastig noch ihr Geld,
und verschwindet in der Nacht,
die sie fest umschlungen hält.
 
Sie hustet stark, kein Arzt ist nah,
kein Mensch reicht ihr die Hände.
Niemand ist so wirklich da,
der hilfreich bei ihr stände.
 
Du möchtest sie gern wiedersehen,
des nachts auf deiner Bank?
Doch niemand wird vorübergehen,
an deiner Bank entlang.
 
Du wirst sie irgendwann beklagen,
So wie sie lebte starb sie auch.
Man hat sie kürzlich erst begraben,
Unter einen Brombeerstrauch.
 
Schaue nicht mehr weiter hin,
Es war die Straßenmalerin.
 
© Bernd Rosarius
 
 
Heuchelei
 
Ich höre die Glocke wohl aus der Ferne
erst leise, dann stark im Akkord
ich höre die Glocke so gerne
Sonntag ist es unten im Ort.
 
Ich stehe weit ab auf dem Hügel im Wind
schaue hinab auf das Häusermeer
und frage mich wo denn die Menschen sind
die Straßen und Plätze sind leer.
 
In einem Haus mit spitzem Giebel
stehen sie alle gedrängt und dicht
von der Last ihrer Seelen nach innen getrieben
singend und betend im Kerzenlicht.
 
Eine Stimme erhebt sich grollend wie Sturm
ruft nach dem Himmel, nach Jesus, nach Gott
die Glocke schlägt lauter jetzt noch vom Turm
o welch' ein Hohn, o welch' ein Spott.
 
„Gott vergib“ ruft die Stimme jetzt klar
unsere Sünden, stell' neu unsere Weichen
ich auf dem Hügel frage ist's wahr?
Kann man die Sünden mit Worte begleichen.
 
Es kocht meine Seele, in den Adern das Blut
ich öffne mein Herz und mache mich frei
mein Körper zittert in rage vor Wut
es entflieht meiner Brust ein markiger Schrei.
 
Eure Seelen da unten sind böse und schlecht
meine hier oben parallel dazu auch
es ist nur billig, notwendig und recht
zu brechen mit diesem seltsamen Brauch.
 
Ihr habt gelogen gehasst und betrogen
ihr konntet am Rade der Macht eifrig drehen
ihr habt den Schwachen das Rückgrat verbogen
und seine Tränen gesehen.
 
Wünsche und Hoffnungen habt ihr zerstört
abgetötet mit Lust jeden Schrei
ihr habt die Hilferufe gehört
was soll jetzt nur die Heuchelei.
 
Was geht euch bloß der Nächste an
er ist euch fern und fremd
und wenn ihr könntet irgendwann
ergreift ihr auch sein letztes Hemd.
 
Zieht auch der Sonntag nun vorüber
geht alles wieder von vorne los
ihr stürzt euch sacht und fein kopfüber
in den grauen Alltag Schoß.
 
Macht es wie ich auf diesem Hügel
schaut euch offen ins Gesicht
erteilt euch gegenseitig Rüge
mehr zum Erkennen braucht ihr nicht.
 
Reicht dem Nachbarn eure Hand
drückt sie fest, doch mit Gefühl
ihr seit alle artverwandt
zur Menschlichkeit gehört nicht viel.
 
Ach was soll's der Mensch ist so
resigniert bleib ich hier stehen
auf dieser Welt wird niemand froh
man kann sich selbst ja nicht verstehen.
 
Bäche sie rauschen
Wind wird zum Sturm
ich werde lauschen
auf die Glocke im Turm.
 
 
Cop.Bernd Rosarius 1965
 
 
 
Begegnungen
 
Was hab ich wohl erfahren
in allen meinen Jahren
wer war mir Freund,wer war mir Feind
wer hat es gut mit mir gemeint.
Wer war ein Lehrer für mein Leben
wer konnte mir die Hoffnung geben
wer wollte Böses mir bereiten
wer wollte in der Not mich leiten.
Wo fand ich Ruhe fand ich Frieden
wer ließ mich unbekümmert liegen
wer zeigte mir der Welten Glanz
wer hielt mein Glashaus ganz
wer hatte mich wohl gerne
wer zeigte mir die Himmelssterne
wer wollte über mich richten
wer wollte mich vernichten.
Wer reichte mir wohl seinen Arm
wer hielt mich mit seim Mantel warm
wer waren sie die mich berührten
und mich durch das Leben führten.
Begegnungen nur meist ganz kurz
doch grauenvoll war mancher Sturz
unverhört blieb manches Schreien
mich von Ketten zu befreien.
Wer zeigte mir mikt sicherer Hand
wo man sein Glück am besten fand
wer stand als Helfer mir bereit
für etwas “mehr” an Menschlichkeit.
Es war nur stets der Augenblick
wo sich schied das Pech vom Glück.
Das waren Menschen die sich trafen
die Bösen und die Braven.
Die Zeit bleibt niemals stehen
die Menschen werden gehen
so frage ich mich wer mich führte
durch den ich Herz und Seele spürte.
Ich werde jenes noch vermissen
was ich noch hätte wissen müssen
doch weis ich sicherlich genau
das Leben ist nur eine Schau.
Und geht es einmal rasch vorbei
so gibt es auch kein Wehgeschrei
man wird weiter weinen,lachen
meine Fehler auch so machen.
und man denkt auch nicht daran
was ein Toter raten kann.
Was Leben ist,ich habs erfahren
in allen meinen Jahren.
 
Cop.Bernd Rosarius  
 
 
 
 
 
 
 
 



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