Das Scheidungskind
Vater ach Vater, siehst du mich?
Vater ach Vater hier stehe ich.
Mutter ist Mutter, ist nicht der Vater.
Ich brauche den Freund, Kameraden, Berater.
Du hast mich verlassen vor mehr als ein Jahr.
Du gingst als ein Knab, ein kleiner ich war.
Oft stand ich weinend vor eurer Tür,
Ihr habt gezankt, gestritten, wofür?
Ich sollte nicht hören den ewigen Streit,
Ich tat dir Vater immer so leid.
Ich hörte genau den ewigen Krach,
ich lag im Bette stundenlang wach.
Ich konnte nicht wissen, warum es so war.
Du führtest die Hand so sacht durch mein Haar.
Du hast mich geküsst, gestreichelt, geherzt.
Mit mir gesungen, gespielt und gescherzt.
Du hast an meinem Bettchen gesessen,
Geschichten erzählt, die Zeit ganz vergessen.
Du hast mich gewaschen, gewickelt, getragen,
Du gabst mir Antwort auf meine Fragen.
Über Nacht musstest du fort,
irgendwohin an einen anderen Ort.
Ich blieb zurück mit der Mutter allein,
sag Vater, musste das sein?
Ich bin doch, so sagt ihr, in Liebe geboren.
Warum hab ich so jung schon den Vater verloren?
Was immer zwischen Erwachsenen ist,
ich bin das Kind das den Vater vermisst.
Warum könnt ihr euch für mich nicht entscheiden?
Warum muss ich unschuldig so fürchterlich leiden.
Ihr habt mich jetzt schon kaputt gemacht,
und darüber bestimmt nicht nachgedacht.
Trotzdem schlägt mein Herz für beide so sehr.
Ich will die Mutter und den Vater, nichts mehr.
Alles was ich mir wünsche, hoffend erträume,
sind und bleiben auf Dauer nur Schäume.
Ich möchte erzogen werden zum Manne im Leben,
ihr sollt auch mir die Chance geben.
Vater, hart ist das Leben, hast du gesagt,
Ich habe nicht nach den Gründen gefragt.
So trocknen meine Tränen nicht,
wie sehr ich leide siehst du nicht.
Vater ach Vater, komm doch zurück.
Mein lieber Vater, ich brauch dich zum Glück.
© Bernd Rosarius 1982
Die Sekunde
Plötzlich ein Schlag in meiner Brust,
durch meinen Körper zieht der Frust.
Ich press die Faust fest an mein Herz,
und lokalisiere diesen Schmerz.
Fürwahr, fürwahr!
Ich glaub sogar,
zu spüren jetzt in der Sekunde,
meine allerletzte Stunde.
Ich wanke,
ich schwanke.
Wer erklärt mir das Geschehen?
Warum kann ich nicht richtig sehen?
Ich breche ein ich stürze hin,
mein Gott, ich weis nicht wo ich bin.
Dort eine Bank,
Gott sei Dank!
Mit letzter Kraft
Geschafft. !
Da liege ich auf kaltem Holz,
Schweißbedeckt und ohne Stolz.
Laut nach Hilfe will ich schreien,
es muss jetzt jemand bei mir seien.
Kaum spüre ich die Hände,
die so sachte und behände,
mein Gesicht bedecken,
und mich wickeln in Decken.
Geist und Augen sind beisammen.
Der Körper fällt in sich zusammen.
Ich sehe den Baum und seine Äste,
Ich sehe zwei Krähen dort als Gäste.
Wie sie im Winde nieder kauen,
und sich nicht von dannen trauen.
Wie sie ängstlich um sich blicken,
Und sich aneinander drücken.
Der Ast sich schneller jetzt bewegt,
die Krähenflügel sind angelegt.
Sturm kommt auf die Wolken ziehen,
wo eben noch die Sonne schien.
Ich denk an meine Kinderzeit,
mit nassen Augen, hohlen Wangen.
Und möchte mit Selbstverständlichkeit,
noch einmal neu anfangen.
Ein Herzinfarkt das wird es sein,
der bringt mich hier zur Strecke.
Der Notarzt redet auf mich ein,
und befestigt meine Decke.
Ade ,Ade du große Welt,
Du Welt, ich will dich küssen.
Ob man mich am Leben hält,
Der Notarzt wird es wissen..
Blau angelaufen lieg ich hier,
und immer schlechter geht es mir.
Blaulicht, Trage und so weiter,
Sind meine wichtigsten Begleiter.
Das Rennen mit der Zeit beginnt,
der Sand durch meine Sanduhr rinnt.
Auf den Notarzt muss ich hoffen,
Der war als erster eingetroffen.
Noch eben stand ich stark und fest,
Im Leben ohne Schmerz.
Dann kam der Schlag, gab mir den Rest.
Es will nicht mehr mein Herz.
Wenn ich noch etwas leben kann,
fang ich mit Neubewusstsein an.
Ich werde mich besinnen,
und ganz neu beginnen.
(c) Bernd Rosarius
Verbrannte Erde
Das Feuer ist erloschen,
alles ist verbrannt,
mit meinem letzten Groschen,
verlasse ich das Land.
Anstatt der Mutter Erde,
leg` Asche ich ins Glas,
hier wächst so alt ich werde,
nimmermehr das Gras.
Verbrannt sind auch die Träume,
aus meiner Jugendzeit,
ich seh` nie mehr die Bäume,
in ihrem bunten Kleid.
Wohin das Auge schaut,
ist alles öd` und leer,
nichts wird wieder aufgebaut,
es gibt ja wohl kein Leben mehr.
Verdorrt sind alle Wälder,
oh armselig` Getier,
es lagen einst die Felder,
so satt und prächtig hier.
Nirgendwo ein Zeichen,
das mich noch halten könnt`
ich werd` dem Boden weichen,
weil er doch wieder brennt.
Die Heimat ist verloren,
in Feuer, Schweiß und Blut,
hier wurde ich geboren,
wie weh` der Abschied tut.
Doch werd` ich nicht verzagen,
die Heimatliebe bleibt bestehen,
im Herzen wird sie schlagen,
und niemals von mir gehen.
© Bernd Rosarius