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Gedichte1


 

 

Der Baum

 
 
Ich stehe unter einem Baum
und fühl'das Selbe wie im Traum
gestern Nacht,
hab' ich darüber nachgedacht,
 
wieso weshalb warum
bleibt dieser Baum nun stumm.
  
Ich saß als Kind
hochoben stets im aste
wobei der Sommerwind
mich streichelnd sacht erfasste.
Dort wo ich schwankend thronte
auch stets ein Sperling wohnte
doch ich spürte keine Enge
kein astreiches Gedränge
nur der Duft und nur die Luft
nur die Kräfte unter mir
so die Säfte auch in ihr
weckte meine Leidenschaft
Willenskraft und Lebenssaft
floss aus jedem Holz und Blatt.
  
Das was die Rinde in sich hat'
sind die Kräfte der Natur
aber , aber sage nur
was ich damals wollt nicht missen
soll ich heut'vergessen müssen?
  
Verzweiflung ist ein Dauerfluch
des Baumes Rinde ging zu Bruch
seine Äste sind verdorrt
ein Sperling findet keinen Hort
und es trägt nicht mehr der Wind
zum Gipfel rauf ein schwankend Kind.
  
So sind wohl die Gefahren
in all den langen Jahren
von niemanden erkannt
auch wenn man oft darunter stand.
  
Sein Schrei war nirgends mehr zu hören
O Mensch du wirst ihn ganz zerstören.
Aus einem Lüftchen, das ist bitter
wird ein grollendes Gewitter.
  
So hast du Baum kein Lebensraum
Du bist ein Baum nur noch im Traum
ein Ende ohne Wende
und wenn wir vor ihm ständen
wird er kein Schatten spenden.
  
So steht's
so geht's
in Fäulnis strikt voran
aber wann
ist die Erkenntnis mir erwacht
zum erstenmal gestern Nacht
hab'ich darüber nachgedacht.  
 
© Bernd Rosarius 
        
 
 
Der Frühling
 
Kühler Wind im Sonnenglanz,
süße Wonne, klare Luft,
Ein Hauch durchdringt den Knospenkranz,
verheißungsvoller Frühlingsduft.
 
Einst gestorben, neu geboren,
klingt ganz nah der Vogelruf.
Erneut hat Gott euch auserkoren,
womit er große Freude schuf.
Die Menschenseelen aber lauschen,
auf das Erwachen neuer Zeit. 
Die Bäume biegen sich und rauschen,
in ihrem bunten Frühlingskleid. 
  
Glücklich klingt das Vogellied, 
in den Bäumen und am Hang,
und wie froh ist, wenn man sieht,
Wie sie sich tummeln im Gesang. 
  
Hurtig springt von Ast zu Ast, 
Amsel. Drossel und der Star.
Schweigend halten wir hier Rast,
denn dieses Bild ist wunderbar.
  
Vergiß-mein-nicht und Flieder, 
zeigen ihre Pracht,
sie kehren immer wieder, 
solang' die Sonne lacht. 
  
Aus seinem Nest ruft mich ein Spatz, 
als wollt' er stören meinen Traum.
Lächelnd suche ich den Platz,
in einem kleinen Wiesensaum.
  
Ich spüre dieses feuchte Gras, 
noch ist die Sonne nicht so stark,
um zu tilgen dieses Nass,
in der des Winters Schleier lag.
  
Gleich einem Vogel möchte ich fliegen, 
so wie ein kleiner Sperling.
Möchte mich in Ästen wiegen,
und grüßen meinen Frühling. 
  
© Bernd Rosarius 
 
 
Der Stein
 
Dieser Stein in meiner Hand,
wo ist er hergekommen?
Er ist gewandert durch das Land,
ich hab ihn mitgenommen.
 
So glänzend schön,so klein,so fein,
fand ich ihn auf dem Weg ins Feld.
Ich hob' ihn auf, nun ist er mein,
er ist ein Stückchen dieser Welt.
 
Wie lange schon, wer mag es wissen,
lag dieser Stein an diesem Ort,
die Erde sanft sein Ruhekissen.
Wind und Sturm trug ihn nicht fort.
 
Es haben Menschen und Maschinen,
da brauchen wir nicht lang' zu fragen,
unaufhaltsam wie Lawinen,
diesen Stein durchs Land getragen.
 
Was er wohl zu erzählen wüsst`
ich würd` es gern erfahren,
weil das dann die Erkenntnis ist,
die ich brauch in meinen Jahren.
 
© Bernd Rosarius 
 

 

 

 

 

  

  
 

 

 
 



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