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Silakkhandha-vagga - Der Teil über die Moral
Maha-vagga - Der Große Teil
Patika-vagga - Der Teil des Patika
Die verschiedenen buddhistischen Pfade und Schulen
Es gibt im Buddhismus verschiedene Pfade, das buddhistische Ziel der Erleuchtung - die Wirklichkeit in ihrer höchsten Form, jenseits alles Relativen, zu erfahren - zu erreichen. Dazu gehört zunächst der Weg des Hinayana, des so genannten "kleinen Fahrzeugs", auf dem die Praktizierenden höchste Erkenntnis auf dem Wege suchen, auf dem es gilt, vor allem die so genannten 10 unheilsamen Handlungen zu vermeiden, selbstlos zu handeln, nach den Lehren Buddhas zu leben (gemeint sind hier ausschließlich die alten Palitexte aus Buddhas Zeit und deren spätere Interpretationen) und so nach und nach positive Verdienste anzusammeln, den Geist zur Ruhe zu bringen und so es zu ermöglichen, eines Tages höchste Erkenntnis zu erlangen. Die in der klassischen buddhistischen Theravada-Tradition aus der Zeit Buddhas direkt überlieferten Schriften behandeln nur diesen Weg.
So einfach ist die Lehre In alten Zeiten kamen offenbar viele indische Mönche von Indien nach China, um dort die Buddha-Lehre zu verkünden. Einst gab es einen besonders frommen chinesischen Kaiser, der sehr darauf bedacht war, berühmte Lehrer und weise Männer aus Indien bei sich zu empfangen. Eines Tages traf nun einer der berühmtesten in der chinesischen Hauptstadt ein. Der Kaiser hörte davon und freute siel außerordentlich. Im Geiste malte er sich schon aus, was für ein großartiges philosophisches Gespräch er mit dem Neuankömmling führen würde. So lud man diesen an den Hof ein und empfing ihn mit dem gehörigen Pomp und Zeremoniell. Nach den üblichen Formalitäten nahmen beide, Lehrer und Kaiser, ihre Sitze ein, und der Kaiser stellte seine erste Frage: "Sage mir, was ist das Grundprinzip des Buddhismus?" Dann lehnte er sich in Erwartung einer Antwort aus berufenem Munde im Sessel zurück. Der Lehrer erwiderte: "Aufhören, Böses zu tun; lernen. Gutes zu tun; das Herz läutern - das ist das Grundprinzip des Buddhismus." Diese Antwort verblüffte den Kaiser. So etwas hatte er doch früher schon einmal gehört. (Wir alle haben es meistens schon einmal gehört!) Also sagte er: "Ist das alles? Ist das daß Grundprinzip des Buddhismus?" - "Ja", erwiderte der Weise, "das ist alles. Aufhören, Böses zu tun; lernen, Gutes zu tun; das Herz läutern." "Aber, das ist ja so einfach, daß sogar ein dreijähriges Kind es versteht", protestierte der Kaiser. "Richtig, Majestät", sagte der Lehrer, "Ihr habt völlig recht. Es ist so einfach, daß sogar ein dreijähriges Kind es versteht. Und doch ist es so schwierig, daß auch ein Achtzigjähriger es nicht verwirklichen kann."
Herz-Sutra „Der Bodhisattva der Wahren Freiheit (Avalokiteshvara) übt sich tief und gründlich in der Höchsten Weisheit (Prajñaparamita) und versteht so, dass der Körper mit den fünf Ursachen-Gruppen der Anhaftung (Skandhas) leer (shunyata) ist, und durch diese Erkenntnis hilft er allen leidenden Wesen.
Diamant-Sutra Eine Welle im Ozean ist nur scheinbar ein isoliertes, selbsthaftes Phänomen: sie ist Teil des Ozeans, geht aus ihm hervor. Die Welle besteht also letztlich ausschließlich aus Elementen, die Nicht-Welle sind (Form ist Leerheit). Trotzdem geht die Welle nicht völlig im Ozean auf, sie bleibt trotz ihres Eingebettet-Seins in den Ozean des Universellen eine Welle, ein individuell existentes Phänomen (Leerheit ist Form). Deutscher Text des Avatamsaka Sutras
Die PALI Texte Grundlage sind immer: Die vier Edlen Wahrheiten - Das Leben im Daseinskreislauf ist leidvoll. - Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. - Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. - Zum Erlöschen des Leidens führt der „Edle Achtfache Pfad". Eine sehr umfangreiche Zusammenfassung findet sich unter http://www.palikanon.com/index.html oder besser noch http://www.palikanon.com/willkommen.htm Dem Internet sei Dank... BUDDHA heute aktuell und modern mit vielen Lehrreden Buddhistisches Haus mit Lehrreden
Buddhismus bedeutet Der Dalai Lama berührt spontan eine blinde tibetische Frau
Ein erwachender Mensch hört auf, nach dem "Bedingten" zu dürsten, Durch sehende Achtsamkeit wächst dieser Mensch im Leben in das hinein, "was trägt": Dharma, Im Pali-Kanon drückt es der Erwachte zum Beispiel so aus: Buddha ist der Mensch in Wahrheit. Ein Bodhisattva oder werdender Buddha sieht die Natur (der Erscheinungen). So ist er oder sie frei von Spaltung oder Rotation. Damit kann das Wesen des Menschen ganz hervortreten - das "weltumarmende (Nicht-)Selbst". Es bedeutet Liebe (anstatt Abneigung),
Worte berühmter Persönlichkeiten zum Buddhismus "Als das weitreichendste Ereignis des zwanzigsten Jahrhunderts wird sich rückblickend die Begegnung des Abendlandes mit dem Buddhismus herausstellen."
"Der Buddhismus bietet eine ,Doktrin der Erlösung' an, die in wachsendem Maße viele Abendländer zu faszinieren scheint … Es ist notwendig, dem Buddhismus besondere Aufmerksamkeit zu widmen."
"Die Religion der Zukunft wird eine kosmische sein. Sie sollte einen persönlichen Gott transzendieren und Dogmas und Theologie vermeiden. Indem sie sowohl das Natürliche als auch Spirituelle umfasst, sollte sie auf einem religiösen Sinn beruhen, der aus der Erfahrung aller natürlichen und spirituellen Dinge als tiefer Einheit erwächst. Der Buddhismus entspricht diesen Massstäben. Wenn es irgendeine Religion gibt, die den Ansprüchen moderner Wissenschaft gewachsen ist, heißt sie Buddhismus." Der Weg zum Erleuchtungsgeist In der buddhistischen Tradition gibt es eine klar definierte Schrittfolge zur Läuterung und Schulung des Geistes. Man schwächt die dominierenden, negativen Eigenschaften, indem man die unterlegenen guten stärkt. Aryadeva sagt: Am Anfang beseitigt er das Übel. In der Mitte beseitigt er das ICH Am Ende beseitigt er jede dualistische Vorstellung- So geht der Weise vor. Durch die Erkenntnis von Ursache und Wirkung entsteht das Verlangen das Übel zu bekämpfen. Negative Handlungen führen zu niederen Existenzbereichen. Die dem Übel zugrundeliegenden Ursachen müssen nun bekämpft werden- die Geistesgifte. Durch die Erkenntnis, dass die Phänomene keine ihnen innewohnende Existenz besitzen (die Unwissenheit erzeugt den Glauben an eine den wahre Existenz der Phänomene), kann man die Wurzeln und die Saat der Geistesgifte (Unwissenheit, Haß und Neid) vernichten. Der Glaube an das Individuum als eigenständige Entität (= innewohnend, anhaftent) muß aufgegeben werden. Danach der Glaube an ein ICH. Denn: Die Phänomene erscheinen je nach Standpunkt unterschiedlich- mit unterschiedlichen Wertigkeiten, mit persönlicher Annahme und Ablehnung, mit dem Glauben an Gut und Böse (Dualismus). Sie sind also nicht inhärent existent. Sie vergehen und scheinen auf. Sie sind nicht beständig. Das Individuum unterscheidet zwischen ICH und Anderen. Es ergreift besitz und Eigentum. Baut Grenzen und Mauern auf. Dies führt zu immerwährenden Konflikten. Eine Lösung ist der Altruismus und der gedankliche Austausch von ICH und Anderen, also Empatie. Eine entscheidende Gemeinsamkeit der Individuen ist das Streben nach Glück. Doch die Anhäufung von negativem Karma steht dem entgegen. Materielle Sicherheit des Einzelnen geht somit folgerichtig immer auf „Kosten der anderen“ (Gesetz von Ursache und Wirkung). Nur durch positive, uneigennützige Handlungen kann Glück für den Einzelnen und die Gemeinschaft erzeugt werden. Das Individuum ist somit keine eigenständige Entität. Die dualistische Vorstellung der Welt ist nur vordergründig richtig. Sie wird ersetzt durch die Vorstellung der Leere. Durch Meditation und günstige Bedingungen kann auch sie ersetzt werden. Im „Eintritt in den Weg zum Erwachen“ finden wir eine klare und vollständige Darlegung der gesamten Praxis. Grundzug dieser Praxis ist, eines Tages fähig zu werden, die unendliche Zahl der Lebewesen, die alle einmal unsere Eltern waren, zur Erleuchtung zu führen. Durch geistige Ruhe, durchdringende Meditation, auf der Grundlage eines beharrlichen Strebens, schaffen wir günstige Bedingungen und somit eine Basis für unseren Frieden und das Glück der anderen. Auch hier scheint das Prinzip des Karmas wieder auf. Diese Gedanken wiederum erzeugen den Erleuchtungsgeist. Doch das Leben ist immer wieder wechselhaft. Und diese Wechselhaftigkeit ist die Triebfeder zu unserer geistigen Entwicklung, wenn wir willens sind und nicht durch die Geistesgifte abgelenkt werden. Achtsamkeit ist ein Gegenmittel zu dieser Ablenkung.
Wenn das Bewusstsein die Pforte unseres Geistes hütet, gesellt sich Wachsamkeit hinzu; auch wenn Sie sich zeitweise entfern, kehrt sie doch zurück. So geht der Weise vor. Meditation, die vom altruistischen Erleuchtungsgeist erfüllt ist, mit geistiger Ruhe und durchdringender Einsicht vereint, ermöglicht es, den Wesen wirksam zu helfen. Das Gelübteeines Bodhisattvas Darbringung in sieben Teilen I Um den Erleuchtungsgeist zu erringen, diesen kostbaren Edelstein, erweise ich dem Buddha, dem reinen Juwel der erhabenen Lehre und den Buddha- Söhnen, dem Ozean von Verdienst, meine Verehrung. II- VI Die Opferung Alle Blumen und Früchte und aromatischen Speisen, alle Schätze der Welt, reines Wasser von köstlichem Geschmack, Berge aus kostbaren Edelsteinen, bezaubernde Orte im Wald, geeignet zur Meditation, Kletterpflanzen, von Blüten in Fülle bedeckt, Bäume, gebeugt von der Last ihrer Früchte, Düfte der Götter- und Menschenwelt, Wunschbäume, Juwelenbäume, lotosbedeckte Weiher, verzaubert von den Stimmen der Schwäne, wilde Kräuter und angepflanzte Gärten, alle Schönheit in den unendlichen Weiten des Alls und auch das, was niemandem gehört, dies nehme ich und opfere es den Buddhas und ihren Söhnen. Mögen sie es annehmen, sie, die würdig sind der allerbesten Gaben, auf dass sie die Barmherzigkeit voller Mitgefühl für mich sind. DennDie unendliche Vielfalt ist Manifestation des Geistes; das Spiel des Karma bringt alle Wesen hervor. Und darumSo viel Atome es gibt in den Reinen Ländern* der Buddhas, so viele Male will ich mich vor den Buddhas der drei Zeiten, vor den Lehre und der Erhabenen Gemeinschaft niederwerfen. (*Welten, in denen die Buddhas erscheinen) WeilDen Tod schert nicht, was wir bereits getan und noch zu tun haben. Ob krank oder gesund, wir sollen ihm nicht trauen. Unvermittelt steht er vor uns. Nur vorübergehend bin ich auf dieser Erde- das sah ich nicht. Verblendung, Begierde und Haß haben mich verleitet viele Fehler zu begehen. Von nun an suche Zuflucht bei den mächtigen Wächtern der Welt, den Siegreichen, die sich um den Schutz der Welt bemühen und die alle Ängste zerstreuen. Erkenntnis führt zum Verständnis, führt zum Mitgefühl. Altruismus ist die Grundlage zum Erleuchtungsgeist. Die Meditation führt zur Geistigen Ruhe und erhält ihn. Der Buddha hat seine Lehre auf zwei Ebenen gegeben. Er zeigte: Wie man zu den höheren Existenzbereichen gelangt Wie man die höchste Krönung der Buddhaschaft verwirklicht Es ist von fünf Fahrzeugen die Rede: Fahrzeug der himmlischen Wesen und Menschen das von Brahma das der Hörer das der Alleinverwirklicher das der Bodhisattvas
Ihr Mönche, wie man Gold anfeilt, um seine Reinheit zu bestimmen, so sollt ihr aufmerksam meine Worte prüfen. Allein aus Ehrfurcht nimmt der Weise keine Lehre an. Prüfung festigt den Glauben. Annehmen des ErleuchtungsgeistesSpirituelle Meister, Ihr siegreichen und Söhne der Sieger, hört mir zu! So, wie die Buddahs vergangener Zeiten den Vorsatz zur Erleuchtung fassten und in der Übung stufenweise voranschritten, ebenso will ich den Erleuchtungsgeist zum Wohl der Wesen in mir wecken. Der Erleuchtungsgeist hat einzig den Zweck, alle Lebewesen vom Leiden zu befreien und zur Buddhaschaft zu führen. Wenn wir von Grund auf liebevoll und gut sind, werden wir selbst glücklich sein, und alles wird sich in die richtige Richtung entwickeln. Eine wirklich große Quelle des Heils und spürbaren Segens. Anwendung des ErleuchtungsgeistesWir müssen ständig vor Zorn und anderen negativen Gedanken auf der Hut sein, die nur darauf warten, unseren Geist zu besetzen. Die sind die einzigen Feinde, die den altruistischen Erleuchtungsgeist wirklich schwächen können. Da wir sie in und tragen, haben wir auch keinerlei Möglichkeit, vor ihnen zu flüchten. Das macht sie sehr viel gefährlicher als äußere Feinde. Sie lassen uns kaum Zeit, ihnen zu entkommen. Durch Achtsamkeit kann man diese Geistesgifte bekämpfen, auch wenn durch geistige Achtsamkeit die negativen Gedanken zeitweilig in den Vordergrund rücken. Doch unser Unterscheidungsvermögen und die richtige Anschauung verringern sie dann doch dauerhaft.
Nachdem er den Entschluß zur Erleuchtung fest gefasst hat, möge der Bodhisattva sich, ohne jemals nachzulassen, bemühen, die Regeln nie zu übertreten.
Das Reifen und Erhalten des Erleuchtungsgeistes bedeutet ständige Arbeit, Achtsamkeit und Streben. Durch Nachlassen wird er wieder verschüttet.
Kein anderer Feind Hat ein solch langes Leben- Ohne Anfang, ohne Ende- wie meine Feinde die Geistesgifte.
Ich will ein Krieger sein, der mit seinem Haß alle Leidenschaften verfolgt, außer jener, die die Leidenschaften zu vernichten sucht
Als Dharma- Übender hat man die Verpflichtung, den Kampf mit den negativen Emotionen aufzunehmen. Wer nach Glückselichkeit strebt, muß sich mit ihnen auseinandersetzen. Einmal vernichtet, können sie von nirgendwoher wieder auftauchen. Die Waffe der Weisheit vernichtet sie mit Leichtigkeit. Die Geistesgifte verbergen sich nicht in den Objekten, noch in unseren Sinnen, nicht dazwischen und auch nicht anderswo.
Wo haben sie sich eingenistet, um die ganze Welt zu quälen? Sie sind nur Illusionen. Darum mein Geist, gib deine Ängste auf, bemühe dich, Weisheit zu erlangen. Warum ohne Grund sich in den Höllen quälen?
Geistesgifte sind Krieger ohne Waffen. Um mit den Geistesgiften fertig zu werden, bedarf es keines Arsenals verschiedener Methoden- es genügt, ihre wahre Natur zu erkennen und zu sehen, dass sie auf nichts beruhen.
Die Wachsamkeit Wer die Regeln einhalten will, achte sorglich auf seinen Geist; denn Disziplin zu bewahren ist unmöglich, wenn der zum Abschweifen neigende Geist nicht beherrscht wird. Was sind nun die Regeln, die uns zwischen dem was vermieden werden soll unterscheiden lassen? Gebe eigennütziges Handeln auf Gebe die Absicht auf, anderen zu schaden
Doch Grundlage für die Einhaltung dieser Regeln ist die Übernahme der eigenen Verantwortung für unser Denken und Handeln. Meine Geist muß ich überwachen und hüten, denn welchen Nutzen haben andere Übungen, solange nicht der Geist im Zaun gehalten wird?
Alle, die ihren Geist hüten wollen, rate ich: Haltet mit aller kraft Bewusstheit und Wachheit aufrecht.
Niemals verärgert über die widersprüchlichen Begierden unverständiger Menschen, sondern voll Mittgefühl für sie, die unter dem Einfluß der Geistesgifte handeln. Möge ich stet untadelig zu meinem Wohl und dem ihren handeln, begreifend, dass das ICH einer Illusion gleich, keine Wirklichkeit hat- auf diese Weise hüte ich meinen Geist. Wenn wir hier von unverständigen, unreifen Wesen reden, sind damit gewöhnliche Menschen gemeint, die sich im Vergleich zu den Verwirklichten unvernünftig wie die Kinder verhalten. Ihre Gesellschaft ist uns abträglich, und wir können ihnen nie das geben, was sie wollen. Ohne ihren Launen nachzugeben oder ihrer Unreife entmutigt zu werden, sollten wir verstehen, dass sie unter dem Einfluß der Geistesgifte handeln, und nur Zuneigung und Mitgefühl verlangen.
Herr über mich selbst zeige er stets ein Lächeln und nicht eine Runzel der Stirn; aller Welt sei er ein Freund. Nachdem er mit den Frommen, den Schwachen und den Tieren alles geteilt hat, esse er maßvoll und gebe alles auf, bis auf seine drei Mönchsgewänder.
Die Anleitung eines qualifizierten Lehrers ist für eine erfolgreiche Schulung des Geistes unerlässlich. Durch das Studium der „Sutras“, den Aufzeichnungen der Reden des Buddha, kann man sein Verständnis der Regeln vertiefen. Auch das „Kompendium der Lehrreden“ wird oft zu Rate gezogen. In Korrelation zum „Eintritt in den Weg zum Erwachen“ sind diese drei Texte ein gutes Studium. Die verkürzte Fassung der „Lehrreden“, das „Kompendium der Sutras“ kann lesen, wem die nötige Zeit fehlt. GeduldDie destruktive Kraft des Hasses ist sehr stark. Das einzige Gegenmittel ist die Geduld. Nichts ist so schädlich für die geistige Entwicklung wie der Haß und somit die Ungeduld. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Verdienste: - Verdienst der Ausübung gewöhnlicher Tugenden - Verdienst durch die Erkenntnis der Leere aus der Meditation Verdienst aus der Erkenntnis der Leere durch die Meditation kann selbst Haß nicht mehr auslöschen, da eine Emotion aus einem niederen Bewusstheitszustand ein Verdienst aus einem höheren Bewusstheitszustand nicht zerstören kann. Alle anderen können durch Haß zerstört werden. Wer den Stachel des Hasses in seinem Herzen trägt Findet keinen inneren Frieden, kennt keine wirkliche Freude und kein Wohlergehen. Er findet weder Schlaf noch Ausgeglichenheit. Wenn sich Befürchtungen bewahrheiten Oder mein Ehrgeiz unerfüllt bleibt, entsteht Unzufriedenheit, eine gefundene Beute für den Haß. Dadurch gestärkt, kann er mich zugrunde richten. Was immer uns auch zustoßen mag, wir sollten nicht zulassen, dass er unsere Heiterkeit zerrüttet und einer wachsenden Unzufriedenheit Platz macht.
Darum will ich zerstören diesen Feind und was ihn stärkt, Denn er hat nur eine Absicht: Mich zu vernichten. Warum unzufrieden sein, wenn es wenn es einen Ausweg gibt? Und gibt es keinen, was hilft da die Unzufriedenheit? Unzufriedenheit entsteht in erster Linie durch unerfüllte Wünsche. Doch der Weise versteht es, widrige Umstände für seinen Weg zu nutzen. Denn Leid kann große Wandlungen bewirken. Alles hängt von der inneren Einstellung ab (rechte Anschauung). Mit Geduld kann Gleichmut bewahrt werden. Und damit wird der Haß besiegt. Ein großer Wohltäter ist das Leid: Durch seine Erschütterung wird mein Stolz bekämpft Es weckt Mitgefühl mit den Wesen, es lehrt mich vor unheilsamen Handlungen zurückzuschrecken und heilsam zu lieben. Geduld, Geduld, Geduld, mit allen Menschen, Umständen und Zusammenhängen Ist der Schlüssel zur geistigen Weiterentwicklung. Denn was sollte es auch einen Sinn haben ständig gegen alle Umstände, Bedingungen usw. ankämpfen zu wollen. Es bringt nur eines mit sich: Unzufriedenheit. Der Geist wird vernebelt und somit davon abgehalten, die entscheidenden Weichenstellungen und gegebenen Chancen zu erkennen. So ist man gezwungen, auf seinem Lebensweg zu bleiben. Die Folge ist eine Spirale der Unzufriedenheit.
Doch dem steht der buddhistische Gedanke gegenüber, daß alle Phänomene nicht inhärent existent sind. Alle Phänomene entstehen aus Ursache und Wirkung und sind nicht ewig existent. Sondern sind einem stetigen Wandel unterzogen. Daß bedeutet, Chancen entstehen und vergehen immer aufs neue. Ebenso sind negative Zustände nicht von Dauer. Positive Handlungsweisen verursachen im Grundsatz und endlich positive Bedingungen. Daraus folgen positive Lebensumstände. Man nennt es das Ursache- und Wirkungsprinzip. Alles beruht auf einer Ursache, und diese Ursache hängt wiederum von anderen ab. Warum ärgere ich mich über Marionetten, die magischen Erscheinungen gleichen. Obwohl Leiden und seine Ursachen Illusionen gleichen, erfährt man sie dennoch wirklich. Das ist Grund genug, dem Fluß des Leidens ein Ende zu setzen. Es wird also eine Illusion genutzt, um eine andere zu zerstören. Durch die Geistesgifte vernebelt, haben wir keine rechte Vorstellung (Anschauung) der Dinge. Den Schmerz liebe ich nicht, aber ich leibe seine Ursachen, ich Narr! Aus meinen Fehlern ist er entstanden- Warum jemandem anderen grollen? Unsere Gegner bieten uns eine ausgezeichnete Gelegenheit Geduld zu üben und dadurch unsere früheren negativen Handlungen zu läutern. Hinzu kommt, dass wir, sofern wir auf ihre Aggressionen mit Geduld reagieren, Verdienst ansammeln, von dem sie nichts wissen, nichts haben und das nur uns zugute kommt. Ungeduld => Geduld Wut => Verständnis Haß => Liebe Beharrliches Steben Hat man Geduld entwickelt, so muß man Beharrlichkeit stärken, denn in ihr gründet das Erwachen. So wie ohne Wind keine Bewegung entsteht, so kein Verdienst ohne Ausdauer. Erst nach genauer Prüfung seiner Kräfte Sollte man handeln oder davon ablassen. Denn besser man hält sich zurück, als aufzugeben, was man einmal angefangen hat. Es ist wichtig seine Grenzen zu kennen. Wie eine Baumwollflocke Den Bewegungen des Windes gehorcht, will ich mich vom beharrlichen Streben leiten lassen. So erreiche ich mein Ziel Meditation Nachdem der Bodhisattva Beharrlichkeit entwickelt hat, sollte er seinen Geist in Meditation versenken. Ein Mensch mit zerstreutem Geist gerät in die Fänge der Geistesgifte.
Die Meditation wirkt der Zerstreuung entgegen. Zerstreuung lenkt den Geist ab und verhindert logisches Denken. Meditation führt zu geistiger Ruhe. Mit Hilfe der Meditation läßt sich Einsicht gewinnen in die nicht inhärente Existenz der Phänomene. Diese Einsicht wiederum wir durch beharrliche Meditation gefestigt. Je mehr sich unsere Sammlung stabilisiert, um so klarer wird unser Verständnis der Leere. Was ist Meditation? 1. Analytische Meditation Durch wiederholtes analytisches Untersuchen der Objekte intellektuelle Gewissheit über das Wesen der Phänomene erreichen. 2. Kontemplative Meditation Gelassenes Verweilen in Klarheit auf der Basis der o.g. Gewissheit. Oder Visualisierung von Gottheiten bzw. Übung von geistiger Ruhe. Oder Meditation über Hingabe und Mitgefühl. Oder Meditation über Vergänglichkeit der Phänomene (Entstehen und Vergehen). Kurz: · Meditation ist Geistesschulung, Entwicklung, Transformation · Die Hauptstütze der Geistigen Ruhe ist vollkommene Sammlung · Der wichtigste Gegenstand der Meditation ist der Altruistische Erleuchtungsgeist Wie ähnlich sind uns andere Wesen, wir können mit ihnen die Rollen tauschen. So erzeugt man den Erleuchtungsgeist. Überall gibt es Menschen, die von jedermann geachtet werden. Sie sind erfüllt von Herzensgüte, Altruismus und dem Wunsch, anderen zu helfen. Und Überall gibt es Menschen, deren Namen Schrecken und Furcht auslösen. Sie sind getrieben von Haß, Hochmut und Egoismus. Es gibt im Buddhismus zwei Wege zur Verwirklichung von Liebe: · Erkenntnis, dass alle Lebewesen in den unendlichen Kreisläufen der Wiedergeburt einmal unser Vater oder unsere Mutter gewesen sind. · Über den Nachteil des Egoismus bzw. den Vorteil des Altruismus meditieren. Oder die Kombination aus beidem. Denn im Daseinskreislauf kann niemand dem Leid entgehen. Darum erscheint es nur logisch, auch unseren Feinden Liebe entgegen zu bringen. Sie sind unsere Lehrer, die uns täglich den Spiegel vorhalten, die uns zeigen, was die Geistesgifte bewirken und uns motivieren, einen Weg zu gehen, der nicht zur Destruktion führt. Wir unterlassen deshalb negative Handlungen. Wie beginnt man mit der Meditation? · Auf welchem Niveau beginne ich mit der Meditation – klare Vorstellung von den Modalitäten und der Struktur der Geistesschulung muß vorhanden sein. · Regelmäßig praktizieren => große Veränderungen werden erkennbar. · Beharrlich bleiben, um Fortschritte zu machen. · Tiefe innere Wandlung, wenn der Meditationsgegenstand vor unserem innern Auge erscheint => analytische Meditation ist dann nicht mehr notwendig. Ob die innere Wandlung gelungen ist, kann man an folgendem Umstand feststellen: Beim Anblick eines Vogels kann dann folgender Gedanke kommen: Wann wird er zu einem Buddha werden können? Denn Sie Erfahren Freud und Leid genau wie ich. Darum muß ich sie beschützen. Rollentausch – Wir und andere Wer sich und andere retten will, muß das große Geheimnis kennen: sich an die Stelle der anderen zu versetzen und sie and die seine. Höchste Weisheit Der Buddha lehrte, dass alle anderen Vollkommenheiten dazu bestimmt sind, der höchsten Wesenheit zu dienen. Wer das Leiden beseitigen will, muß diese Weisheit hervorbringen. Was muß man tun, um diese höchsten Wesenheit zu dienen? Erkenntnis der Leere aller Phänomene; sie kommen und gehen- entstehen aus Ursache und Wirkung. Sie sind nicht real. Sieht man sie jedoch als real an, macht man sich gleichzeitig abhängig. Die Kette der Wiedergeburten resultiert daraus. Die Verbindung von Körper und Geist zusammen mit dem Begriff des Ich machen in den Augen gewöhnlicher Wesen das ich aus (Individuum). Die meisten buddhistischen Schulen weisen diese Vorstellung zurück. Sie gehen noch weiter und verneinen ein existierendes „Selbst“ oder Atman. Neuere Neurologische Studien scheinen zu belegen, das das Unterbewußtsein die Vorherrschaft über unser Handeln inne hat. Siehe: Die Illusion, die wir als "freien Willen" bezeichnen [...] Entscheidungen fallen im Kopf schon, bevor wir bewusst nachdenken - das ist eines der Ergebnisse eines interdisziplinären Arbeitskreises am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Der Abwägungsprozess ist also häufig reine Illusion. Die Schlussfolgerung lautet, dass es der Entscheidung manchmal gut tut, wenige Informationen einzubeziehen. Wie diese wenigen Informationen aussehen müssen, damit wir sie verstehen, ist ein zweiter Schwerpunkt im Team um Gerd Gigerenzer. [...] Die Erkenntnis ist die Leere
Zuerst sollte man die positiven und negativen Eigenschaften / Aspekte der Phänomene für sich überdenken. Alles hängt mit allem zusammen. Beeinflusst sich gegenseitig, bildet unsere scheinbare dualistische Welt. Und doch sind sie schlussendlich Leer an inhärenter Existenz. Eben weil sie nicht aus sich heraus existent sind. Doch die Leere bezieht sich auf eine relative Existenz und nicht auf ein Nichts. Form ist Leere, Leere ist Form. Ohne das Vorhandensein von Form kann man nicht von der Leerheit der Form sprechen. Also Man kann nur etwas verändern, wenn man sich bewusst ist, dass und wie die Dinge zusammenhängen. Dass sie immer so erscheinen, wie wir sie wahrnehmen wollen. Sie sind nicht vorbestimmt. Sie stehen zu unsere freien Verfügung. Wir könne sie zu unserem Nutzen anwenden, wenn wir nach den Regeln des Edlen Achtteiligen Pfades handeln. Es gibt zwei Wahrheiten; Die relative und die absolute. Absolute Wahrheit ist vom Intellekt nicht zu erfassen. Der Intellekt wird als getrübt bezeichnet. Dementsprechend gibt es zwei Arten von Menschen: Gewöhnliche Menschen und Menschen, die Meditation üben; die Sicht der meditierenden Menschen ist der des gewöhnlichen Menschen überlegen. Entsprechend dem Entwicklungsgrad ihrer Intelligenz besteht wiederum eine Rangordnung unter allen, die Meditation üben. Warum ist die Erkenntnis der Leere eigentlich so wichtig? Die Antwort ist ganz einfach: Weil wir nicht leiden wollen. Leiden entsteht dadurch, dass wir den negativen Emotionen freien Lauf lassen, anstatt unseren Geist zu meistern. Die Unfähigkeit wiederum, den Geist zu meistern, ergibt sich aus der verfälschten Wahrnehmung mit der wir zwar die konventionelle Erscheinungsweise der Phänomene, nicht aber ihre absolute Natur erfassen.
Ratschläge für den spirituellen Weg Seiner Heiligkeit der Dalai Lama In allen buddhistischen Traditionen ist die Zufluchtnahme ein wesentlicher Bestandteil der Praxis. Buddhisten nehmen Zuflucht zu den Drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha. In welcher Reihenfolge werden diese verwirklicht? Im Praktizierenden entsteht zuerst das Dharma-Juwel, indem er die Wahren Pfade entwickelt und die Wahren Beendigungen erlangt, die den eigentlichen Dharma ausmachen. Dadurch wird die Person zum Mitglied der Geistigen Gemeinschaft, dem Sangha- Juwel. Verfolgt die Person den Pfad weiter, indem sie alle Hindernisse des Geistes aufgibt und alle Tugenden vervollkommnet, wird sie zu einem Buddha-Heiligen und damit zum Zufluchtsobjekt Buddha. Betrachten wir die Reihenfolge der Entstehung in Bezug auf die Verbreitung der Lehre, so existiert zuerst ein Buddha, der die Lehre unterrichtet, wobei es sich zunächst um den verbalen Dharma handelt. Dadurch, daß die Schüler die Lehre in sich aufnehmen und verwirklichen, entsteht in ihrem Geist der erkenntnismäßige Dharma, und die Personen werden zu Mitgliedern der Geistigen Gemeinschaft. Es gibt niemanden, der schon immer ein Buddha war. Wer die Erleuchtung anstrebt, ist ein Lernender und muß einen spirituellen Pfad durchlaufen. Am Ende wird er zu einem Nicht-Mehr-Lernenden, einem Buddha. Wie macht man Fortschritte auf dem buddhistischen Pfad? Der eigentliche Pfad ist der Pfad eines Heiligen. Ein Heiliger hat mit seiner direkten Einsicht in die endgültige Realität die Leerheit eine unbefleckte Weisheit erlangt. Um einen unbefleckten Geisteszustand zu erreichen, muß man zunächst aus dem gewöhnlichen Zustand heraus mit großem Bemühen Mittel des Dharma anwenden und Hindernisse aus dem Weg räumen. Die Tugenden eines Heiligen lassen sich unter zwei Gesichtspunkten verstehen: erstens unter dem Aspekt der Beendigung von Hindernissen, zweitens unter dem Aspekt der Erkenntnis, die der Heilige verwirklicht hat. Wir sind im Moment nicht in der Lage, die Hindernisse und Täuschungen in unserem Geist endgültig aufzugeben, aber wir können Vorbereitungen dafür treffen, daß dies irgendwann möglich wird. Wir beginnen also damit, grobe Hindernisse zu beseitigen. Ebenso besitzen wir im Moment nicht die Mittel, vollständige Erkenntnisse eines Heiligen hervorzubringen, aber wir können jetzt anfangen und unserer geistigen Stufe entsprechend Tugenden und Erkenntnisse entwickeln, aus denen heraus dann später die vollendeten Qualitäten eines Heiligen, das heißt die wahren Pfade, entstehen. Diese Praxis läßt sich in den Drei Höheren Schulungen zusammenfassen, der Schulung von Ethik, Konzentration und Weisheit. Dazu hat der indische Meister Aryadeva sinngemäß folgende Anweisung gegeben: Im ersten Schritt geht es darum, unheilsame Handlungen, die zu einer Wiedergeburt in einem niedrigen Daseinsbereich führen, zu unterlassen. Im Weiteren gilt es, die falsche Ansicht eines Selbst aufzugeben. Zuletzt muß man alle Anlagen von Unwissenheit, die die falsche Ansicht eines Selbst im Geist hinterlassen hat, überwinden. So gibt es drei Ebenen der Praxis, wobei es verschiedene Interpretationen gibt, was diese drei Ebenen bedeuten. Atïoea hat in der Schrift Die Lampe auf dem Pfad eine Einteilung in die Übungen der drei Praktizierenden vorgenommen: des anfänglichen, mittleren und des höchsten Praktizierenden. Am Anfang muß das Verständnis aus dem Hören entwickelt werden. Dazu benötigt man Erklärungen eines qualifizierten Lehrers zu den Dharma-Inhalten. Im zweiten Schritt denkt man über die Erklärungen immer wieder nach, dringt tief in sie ein und führt sich die Begründungen vor Augen. Wenn man zu bestimmten Einsichten gelangt ist, sollte man diese mit Hilfe einer konzentrativen Meditation stabilisieren. Die Kontemplation, bei der sich analytische und konzentrative Meditation gegenseitig stützen, ist die Basis für ein tieferes Verständnis dessen, was man zuvor gehört und gelernt hatte. So entsteht auf der zweiten Ebene das Verständnis aus dem Nachdenken. Als drittes übt man die Erkenntnisse in der Meditation ein und vertieft sie, so daß man echte spirituelle Erfahrungen macht. Dadurch entwickelt sich das Verständnis aus der Meditation. Immer ist es das Ziel, Erkenntnisse zu entwickeln, wobei es verschiedene Stufen gibt. Zuerst muß man verkehrte Ansichten über den Dharma, über die Pfade und Beendigungen etc. überwinden. Mittels der Logik führt man sich vor Augen, welche logischen Widersprüche sich aus den falschen Ansichten ergeben und warum sie nicht im Einklang mit der Wirklichkeit stehen. So entsteht ein Zweifel, der an den eigenen falschen Auffassungen rüttelt. Mit Hilfe des Zweifels erkennt man, daß die Dinge nicht so sind, wie man dachte, ohne jedoch eine genaue Kenntnis darüber zu haben, wie es sich wirklich verhält. Hört man dann weitere Erklärungen, studiert die Schriften und untersucht den Sachverhalt weiter, entsteht eine korrekte Vermutung. Zwar hat man noch keine Gewißheit, wohl aber eine Auffassung, die sich der Wirklichkeit annähert. Man denkt intensiv weiter darüber nach, erwägt die verschiedenen Begründungen und Gegenargumente, bis schließlich eine gültige Schlußfolgerung entsteht. Sie ist eine unerschütterliche, verläßliche Erkenntnis eines Sachverhalts, die auf korrekten Begründungen beruht. Nun besitzt man Gewißheit in Form dieser schlußfolgernden Erkenntnis, die aber noch mit begrifflichem Denken verbunden ist. Übt man diese gültige Schlußfolgerung in der Mediation ein und verbindet sie mit punktförmiger Konzentration, entwickelt sich daraus allmählich eine direkte geistige Einsicht, die man eine unmittelbar wahrnehmende gültige Erkenntnis nennt. Sie ist frei von Begriffen. Um die verkehrten Ansichten in einen Zweifel umzuwandeln, formuliert man sogenannte Konsequenzen, die die Widersprüche einer solchen Ansicht aufzeigen. Um den Zweifel in eine korrekte Erkenntnis zu transformieren, stützt man sich auf Beweise, auf Schlußfolgerungen. Es ist wichtig, diese beiden Arten der Beweisführung anzuwenden: die Konsequenzen und die Beweise. Die Mittel der Logik sind von großen indischen Meistern wie Dharmakïrti und Dignaga ausführlich dargelegt worden. Die Konsequenzen dienen der Widerlegung verkehrter Ansichten, die Beweise oder korrekten Argumente dienen der Darlegung des eigentlichen Sachverhalts. Diese Mittel der Logik sind nicht für andere gedacht, d. h. dazu, Disputationen vom Zaun zu brechen, um andere zu überzeugen und ihre falschen Ansichten vorzuführen, sondern für den eigenen Geist. Es geht darum, verkehrte Ansichten bei sich selbst zu überwinden und korrekte Erkenntnisse zu entwickeln. Und so findet im eigenen Geist eine innere Disputation statt, in der die richtigen Erkenntnisse gegen die Unwissenheit antreten. In Shantidevas Bodhicaryavatara beispielsweise gibt es ein Kapitel über die Sammlung. Darin debattiert man mit seinen eigenen negativen Emotionen wie Selbstsucht usw. In dem inneren Disput tritt die Selbstsucht mit ihren fadenscheinigen Argumenten gegen den Altruismus an, der beweisen will, daß die Selbstsucht ein unangemessenes Verhalten ist. Es ist sehr wichtig, durch das Hören und Lernen Unklarheiten in bezug auf den Dharma zu beseitigen und korrekte Erkenntnisse zu erlangen. Ohne das Studium wird man dazu nicht in der Lage sein. Dann wird auch die Meditation nicht wirklich gelingen. Man mag zwar Vertrauen in die Lehre des Buddhas haben, ohne ein fundiertes Wissen jedoch hört man das, was gerade jemand sagt und denkt „Das wird schon richtig sein. Später behauptet eine weitere Person etwas anderes, der man dann auch folgt. Hat man nicht die Unklarheiten im eigenen Geist überwunden, können keine stabilen Erkenntnisse entstehen, und wir können nicht entschlossen meditieren. Unser Geist ist dann wie ein Fähnchen im Wind. Natürlich kann das Studium negative Wirkungen nach sich ziehen. Es ist möglich, daß eine Person durch ihr Wissen stolz und überheblich wird. Statt Tugenden wie Bescheidenheit zu kultivieren, fördert sie negative Faktoren wie Stolz und Arroganz. Dies ist so, als würde sie eine Medizin in Gift verwandeln. Sie macht den Dharma zu Gift. Angesichts solcher Gefahren sollten wir jedoch nicht den falschen Schluß ziehen, das Studium sei zu vernachlässigen und die Praxis das Wichtigste. Wie soll eine solche Dharma- Praxis aber beschaffen sein? Ohne echte Kenntnis des Dharma ist man darauf beschränkt, auf Ansichten zu beharren, statt echte, tiefe Einsichten zu erlangten. Es entsteht der Gedanke: Das sind also die Drei Juwelen, aber diese Erkenntnis hat keinen echten Geschmack. Man ist nicht in der Lage, die Dharma-Praxis von den verschiedenen Gesichtspunkten her zu beleuchten und begnügt sich mit einem sehr oberflächlichen Verständnis. Dann versucht man, quasi gewaltsam meditative Erfahrungen zu machen, und es ist fraglich, ob ein solches Vorgehen gute Früchte trägt. Deshalb sagt ein tibetisches Sprichwort: Die Gelehrsamkeit soll nicht das edle Verhalten schädigen, und das edle Verhalten soll nicht die Gelehrsamkeit schädigen. Wir benötigen beides, das Wissen im Dharma und Verwirklichungen durch die Praxis. Wir sollten anstreben, Gelehrte zu werden, die ein tiefes Verständnis des Dharma besitzen, und gute Praktizierende zu sein, die das Gelernte anwenden und zu verwirklichen versuchen. Auch sollte die Qualität des guten Herzens dazukommen. Wenn wir Gelehrsamkeit und ethisch einwandfreies Verhalten nur zum eigenen Vorteil nutzen, so spricht dies auch nicht für einen echten Fortschritt unserer spirituellen Entwicklung. Ein gutes Herz und Mitgefühl sind der Kern unserer Praxis. In punkto Hören und Lernen ist es wichtig, daß wir selbst Schriften lesen und studieren. Zudem müssen wir Erklärungen über die Themen erhalten, mit denen wir uns beschäftigen und zwar von einer Person, die Erfahrungen auf dem Pfad hat. So laufen wir nicht Gefahr, bloßes theoretisches Wissen anzuhäufen. Ein qualifizierter Lehrer ist wichtig, damit wir Wissen aus erster Hand erwerben können. Der Buddha hat im Rahmen der Bodhisattva-Übungen zehn Vollkommenheiten gelehrt. Sechs Übungen dienen hauptsächlich dazu, den eigenen Geist zur Reife zur bringen: Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft, Konzentration und Weisheit. Vier weiter sind Mittel, Schüler um sich zu sammeln. Sie werden benötigt, um den Geist anderer zur Reife zu bringen. Es ist das Geben von materiellen Gaben an die Schüler, das Erteilen gut verständlicher Unterweisungen, das Ermahnen der Schüler, die Belehrungen auch zu praktizieren. Der vierte Punkt ist in unserem Zusammenhang sehr wichtig: Der Lehrer muß sich selbst entsprechend den Anweisungen verhalten, die er anderen gibt. Der Buddha Shakyamuni war aus der Sicht des Mahayana schon ein erleuchtetes Wesen, als er in dieser Welt geboren wurde. Das heißt, er ist eine reine Manifestation des höchsten Dharmakaya. Trotzdem verbrachte der Buddha sechs Jahre unter großen Entbehrungen in tiefer Meditation und zwar zu unserem Wohl und entsprechend den Anweisungen, die er uns erteilte, um uns den Weg zur Befreiung zu zeigen. Wir meinen oft, wir könnten angenehm und bequem ohne große Anstrengung Dharma üben. Buddha Shakyamuni jedoch hat sein Ziel unter großen Entbehrungen und Mühen erreicht. Daran sollten wir uns orientieren und nicht denken, der Buddha habe zwar Schwierigkeiten auf dem Weg zur Erleuchtung ertragen müssen, wir aber können es uns bei der Übung des Dharma gut gehen lassen. Das gleiche sage ich auch Christen. Jesus selbst hat unter großen Leiden am Kreuz seinen Weg beschritten. Wenn unsere einzige Übung als Christen darin besteht, in der Kirche schnell ein Kreuzzeichen zu machen, paßt das nicht mit dem zusammen, was uns Jesus vorgelebt hat. Die Religionsstifter sind unser Vorbild, sie zeigen uns, wie wir zu praktizieren haben. Es ist wichtig, einen Lehrer zu haben, aber wir sollten bei der Auswahl Vorsicht walten lassen. Der Lehrer, dem wir uns anvertrauen, muß die Qualifikation besitzen, uns auf dem spirituellen Pfad zu führen. Der Buddha hat sehr genaue Standards aufgezeigt, denen ein Lehrer genügen muß. Wenn wir uns eine Lehrer-Schüler-Beziehung wünschen, sollten wir die betreffende Person zuerst eingehend prüfen, ohne sie gleich als persönlichen Lehrer zu betrachten. Man kann an den Unterweisungen teilnehmen, sich quasi über die Dharma-Inhalte informieren, ohne eine persönliche Beziehung einzugehen. Wenn wir uns einem Lehrer anvertrauen möchten, können wir uns Zeit lassen und die Person Monate lang, sogar Jahre lang prüfen und beobachten, um festzustellen, ob sie ein geeigneter Lehrer ist. Ich habe schon oft gesagt, daß wir eine lange Nase zum Schnüffeln brauchen, wenn wir einen potentiellen Lehrer überprüfen. Natürlich sollten wir unsere Untersuchung aus einer guten, aufrichtigen Motivation heraus anstellen, im Geiste des Mitgefühls. Die erste grundlegende Praxis ist die ethische Disziplin. Ganz gleich, ob wir ein Gelübde angenommen haben oder nicht, der Kern der Ethik ist das Vermeiden der zehn unheilsamen Handlungen. Was immer wir im Dharma, in unserer geistigen Entwicklung erreichen wollen, ein einwandfreies ethisches Verhalten, das andere nicht verletzt, ist die unabdingbare Voraussetzung. Wir sollten uns daher Kenntnisse über die zehn unheilsamen Handlungen verschaffen und eine Disziplin entwickeln, mit Hilfe derer wir solche Handlungen vermeiden. Damit die Ethik des Vermeidens der zehn unheilsamen Handlungen entsteht, ist ein Verständnis des Gesetzes von Karma entscheidend. Wir müssen erkennen, daß es einen definitiven Zusammenhang zwischen heilsamen Handlungen und Glück sowie zwischen unheilsamen Handlungen und Leiden gibt. Ursachen, die in ihrer Natur positiv, nützlich sind, reifen definitiv zu einer angenehmen, positiven Wirkung heran. Dagegen gilt für Ursachen, die in ihrer Natur schädlich sind, daß aus ihnen definitiv leidvolle, negative Wirkungen entstehen. Damit wir sehen, welche Auswirkungen negative Handlungen haben, müssen wir uns mit den drei niedrigen Daseins-formen auseinandersetzen, in die man aufgrund solcher Handlungen geboren werden kann. Dabei sollten wir nicht der Illusion unterliegen, eine solche Wiedergeburt könnte eventuell in ferner Zukunft einmal eintreten, sondern uns bewußt sein, daß unser Todeszeitpunkt ungewiß ist. Wir können in jedem Moment sterben. Sind zum Todeszeitpunkt negative Ursachen in Form von unheilsamem Karma in unserem Geist vorhanden, ist es schon geschehen, und wir werden unmittelbar in einem elenden Daseinsbereich geboren. Wir leben ständig in der Gefahr, in ein niederes Dasein zu fallen. Wir sollten unseren Geist immer wieder auf den Dharma lenken. Die wichtigste Kontemplation ist die über den Tod. Denken wir intensiv über den Tod nach, der uns jeden Moment ereilen kann, verhindern wir, daß unsere Dharma-Übung ein bloßes Lippenbekenntnis ist. Wir sollten jedoch die Zielrichtung im Blick haben, wenn wir über die Vergänglichkeit kontemplieren und nicht denken: Alles ist aussichtslos, da ich ja doch sterben werde. Dies ist eine sehr traurige Sicht der Dinge. Wenn einmal unser Mut, unser Selbstbewußtsein bei der Dharma-Praxis gebrochen ist, ist dies eine sehr schlechte Ausgangslage. Deshalb müssen wir parallel über die Muße und Ausstattung unseres kostbaren Menschenlebens nachdenken, das heißt über die Möglichkeiten, die wir jetzt haben. Unser Menschenleben hat ein großes Potential. Die Buddhanatur, die Essenz eines Vollendeten steckt in jedem von uns. Es reicht jedoch nicht aus, den Samen für die Erleuchtung zu besitzen dies ist auch kleinsten Insekten gegeben, man braucht darüber hinaus ein menschliches Leben, um dieses Potential durch die Schulung des Geistes zur Entfaltung zu bringen. Wir können uns als Menschen, die wir auf die Religion getroffen sind, glücklich schätzen, und wir sollten die Essenz dieses Lebens ergreifen. Unsere erste Aufgabe ist es nach Aryadeva, negative Handlungen einzudämmen. Das eigentliche Ziel ist die Befreiung. Was die Befreiung hauptsächlich verhindert, sind die Leidenschaften, die verblendeten Geisteszustände. Das Wesen der Befreiung ist nichts anderes als die Abwesenheit der Leidenschaften, die die Ursachen für Leiden sind. Die Leidenschaften sind wirkliche Feinde, sie bringen uns nichts als Schwierigkeiten und Leiden ein. Wenn wir uns fragen, was ist Buddhismus und was nicht, können wir es an diesem Punkt festmachen und sagen: Eine Lehre, die dazu geeignet ist, Leidenschaften zu überwinden, ist buddhistisch. Eine Lehre, die weder direkt noch indirekt dazu verhilft, Leidenschaften zu beseitigen, ist nicht buddhistisch. Man kann noch so viele Wunderkräfte oder Hellsicht besitzen, wenn dadurch nicht die Leidenschaften im eigenen Geist vermindert werden, nützt es nichts. Es gibt verschiedene Schritte, um die Leidenschaften zu vermindern und zu überwinden. Der erste Schritt besteht darin, äußeres, gröberes Verhalten aufzugeben, das von Leidenschaften motiviert ist. Auf der zweiten Stufe gehen wir mehr nach innen, indem wir Mittel anwenden, mit denen wir die Leidenschaften direkt bezwingen. Auf der dritten Ebene beseitigen wir auch die Spuren und Anlagen, die die Leidenschaften in unserem Geist hinterlassen haben, mit den entsprechenden Mitteln. Damit verwirklichen wir den Zustand eines Buddhas. Was ist ein Buddha? In den Mahayana- Schriften wie dem Uttara-Tantra von Maitreya, heißt es, das ein Buddha stets in der tiefen Versenkung der endgültigen, unbefleckten Realität verweilt. Dieses Bewußtsein, das in die endgültige Realität versunken ist, nennt man den Dharmakaya. Er stellt die Verwirklichung des höchsten eigenen Wohls des Buddhas dar. Warum hat der Buddha einen Dharmakaya verwirklicht? Es geht allein um das Wohl der anderen. Der Dharmakaya kann sich in vielfältigen Formen zeigen, wie es den Neigungen und Fähigkeiten der Schüler angemessen ist. Wie Maitreya es beschreibt, manifestiert der Buddha, ohne jemals die Sphäre der endgültigen Realität zu verlassen, aus dem Dharmakaya heraus vielfältige Formkörper zum Wohle der Wesen. Es gibt zwei Arten von Formkörpern, den Sambhogakaya und den Nirmanakaya. Der Sambhogakaya ist ein feinstofflicher Körper, der nur von hohen Bodhisattvas, die ihren Geist intensiv gereinigt haben, wahrgenommen werden kann. Darüber hinaus zeigt sich der Buddha den gewöhnlichen Wesen in den unreinen Welten in grobstofflichen Körpern, die als Nirmanakaya oder Ausstrahlungskörper bezeichnet werden. In unserer Epoche, dem so genannten Glücklichen Zeitalter, werden der Reihe nach 1000 Buddhas erscheinen. Buddha Shakyamuni ist der vierte von ihnen. Maitreya wird der nächste Buddha sein. Einige behaupten, Buddha Maitreya sei bereits in dieser Welt erschienen. Daran habe ich meine Zweifel. In den Schriften steht, daß Buddha Maitreya erst dann in diese Welt kommen wird, wenn die Lehre des Buddha Shakyamuni völlig von der Bildfläche verschwunden sein wird. Maitreya wird die Lehre neu in der Welt verbreiten; er weilt nicht quasi inkognito jetzt schon unter uns, ohne daß man ihn erkennt. Die Erklärungen zu den Körpern des Buddhas stammen aus dem Tantra, speziell dem Höchsten Yoga-Tantra, und sie unterscheiden sich von den Ansichten im Sutrayana. Die Vaibhashika- Schule beispielsweise sagt: Wenn der Buddha seinen Körper verlassen hat und das Nirvana ohne Überreste erreicht, ist das Kontinuum dieser Person zu Ende, es löst sich auf. Aus der Sicht des Tantra verhält es sich anders. Hier geht man davon aus, daß der Buddha, nachdem er diese Welt verlassen hatte, weiter aktiv war und den Dharma lehrte. Der Geist des Buddhas wird so lange in den verschiedenen Körpern erscheinen, wie es fühlende Wesen gibt. Im Laufe der Geschichte des Buddhismus gab es immer wieder Menschen, die reine Visionen hatten und vom Buddha direkt Unterweisungen empfangen konnten. So war es zum Beispiel möglich, daß Yogis, die auf dem Pfad sehr weit fortgeschritten waren, Tantras übermittelt wurden. Man kann nicht sagen, daß diese historisch auf den Buddha Shakyamuni zurückgehen. Gleichwohl werden sie von anderen Wesen, die ebenfalls hohe Verwirklichungen auf dem Pfad erlangt und Untersuchungen über ihre Gültigkeit angestellt haben, als fundierte, gültige Übertragungen angesehen. Selbst heutzutage ist es möglich, daß Menschen eine Vision des Buddha oder anderer Meister wie Nagarjuna haben und von diesen Unterweisungen empfangen. Dabei handelt es sich nicht um Halluzinationen oder Einbildungen. Es ist, als würden sie diese Heiligen treffen, ihnen von Angesicht zu Angesicht begegnen, um Dharma-Inhalte mit ihnen zu klären. Nehmen wir als Beispiel Dilgo Khyentse Rinpoche, der während der Übertragung einer Initiaton aus der Taglung-Tradition an den Säulen und Querbalken unter der Decke des Tempels all die Lamas der Überlieferung dieser Tradition klar und lebendig vor sich sah. Dabei handelte es sich nicht um Halluzinationen. Dilgo Khyentse, der lange Zeit in chinesischen Gefängnissen verbracht hatte, war ein hochverwirklichter Lama, dem es fern lag, sich wichtig zu machen. Selbst heute sind solche Visionen möglich, wenn man intensiv praktiziert und tiefe spirituelle Erfahrungen macht. Aus den Unterweisungen S.H. des Dalai Lama im April 1997 in Frankreich. Mit freundlicher Genehmigung des Bureau du Tibet in Paris, das den Besuch mitorganisiert hat. Mündliche Übersetzung aus dem Tibetischen von Christof Spitz
Frieden und Buddhismus? Ein Vortrag (Unbekannt) Es war bei einem Spaziergang in Delhi: Autos schoben sich hupend durch die Straßen. Radfahrer bahnten sich mühsam ihren Weg. Fußgänger schlängelten sich durch den Verkehr. Mittendrin liefen ein Deutscher und ein indischer Buddhist – ein Lehrer. Mitten im größten Getümmel sagte der Inder plötzlich, ganz leise, so dass man es kaum verstand: "Die Menschheit liegt in tiefem Schlaf." Als ihn sein westlicher Begleiter erstaunt und fragend anblickte, wiederholte er: "In tiefem Schlaf" und lächelte. "Schlafwandler vielleicht?", fragte der Deutsche zurück. "Schlafverfallene eher," antwortete sein Freund: "Sie sind noch nicht erwacht." Die Welt, in der wir leben, wird immer mehr zu einem Schauplatz vielfältiger Gewalt. Auch wenn wir angesichts der Bilder von Völkermord, den es an vielen Orten der Welt heute gibt, erschauern, so sind wir doch dabei, uns daran zu gewöhnen. Unsere Kinder wachsen mit Bildern von Gewalt, Mord und Totschlag auf. Wir lassen sie alleine und sind nicht in der Lage ein Gegengewicht zu schaffen, um diese "Selbstprogrammierung" auszugleichen. Was soll man in Zukunft erwarten von dieser Generation, die Gewalt verherrlicht und sie als Maßstab und Grundlage für ihr weiteres Leben nimmt, aus Unwissenheit über die eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Zusammenhänge. Und wir halten so etwas, wenn nicht gerade für nötig, so doch zumindest für unvermeidlich aufgrund der Komplexität der menschlichen Beziehungen. Entwicklungsgeschichtlich war es unabdingbar für den Menschen sich seiner Umwelt anzupassen. Der Menschheit fehlten die Werkzeuge ihre Lebensbdingungen durchgreifend zu beeinflussen . Sie mußten die Welt weitestgehend so nehmen, wie sie sie vorfanden. Beschäftigt mit den wechselhaften Bedingungen der Natur, dem Nahrungserwerb und den gesellschaftlichen Zwängen, fehlten dem einzelnen die Möglichkeiten. Doch das hat sich grundlegend geändert. Gute Bildung, ein freiheitliches Denken, Demokratie und der Zugang zu Informationen, gepaart mit dem Verlust der Angst die Grundbedürfnisse, wie Nahrung, Kleidung und Wohnraum nicht decken zu können, sollten uns den KOPF freimachen für Veränderungen. Atomwaffen, Genmanipulationen, Klimawandel usw. Das alles sind "hausgemachte" Problemstellungen, die ein neues Denken auf der Grundlage einer übergeordneten Philosophie, Religion oder Ethik bedürfen. Man kann es nennen wie man mag, wir werden uns dem nicht entziehen können. Wir haben vom Baum der Erkenntnis gegessen und müssen nun die Verantwortung, die damit verbunden ist, voll und ganz übernehmen. Machbarkeitsdenken, Gewinnstreben, endloses, stetiges Wachstum, Energiehunger und Konsumterror in Verbindung mit den Medien als Opium für das Volk, diese Faktoren werden uns in den Abgrund führen. Das steht für mich fest. Verzicht auf der Grundlage eines übergeordneten Denkens und bewußtes, verantwortungsvolles Handeln, das sind die neuen Zeichen der Zeit. Darum möchte ich euch an dieser Stelle kurz die Sichtweise des Buddhismus auf diese Welt vorstellen. Meine Unzulänglichkeiten bitte ich zu entschuldigen. Schlagen wir das Buch der Geschichte auf (Überlieferung): //Vor zweieinhalb Jahrtausenden gelang es einem jungen Mann aus dem "Schlaf" zu erwachen. Auch er hatte sehr lange geträumt: genau 35 Jahre. Seine Erkenntnisse über das Da-Sein und über den Zusammenhang aller Existenzen begründeten die Lehre des Buddhismus – eine Lehre, der heute weltweit rund fünfhundert Millionen Menschen folgen. Der Weg des "Erleuchteten", so die Übersetzung des Wortes Buddha, begann in einem Palast an der indisch-nepalesischen Grenze. Siddharta Gautama wurde wahrscheinlich im Mai 563 v. u. Z. als Sohn eines nordindischen Wahlfürsten geboren. Er verlebte eine sorglose Kindheit und Jugend hinter den Palastmauern, übte sich im Reiten und Bogenschießen und war ein gelehriger Schüler. Mit 16 Jahren heiratete er seine Cousine Yasodhara, die ihm einen Sohn gebar. So ebnete ihm sein Vater den Weg als möglicher Nachfolger. Doch dem intelligenten, jungen Mann entgingen, trotz aller Abschottung, die Vorgänge hinter den Palastmauern nicht. Es war eine Zeit des politischen und religiösen Umbruchs in Nordindien. Das strenge Kastensystem, welches der Einwandererstamm der Aryas etabliert hatte, ließ die Masse verarmen. Die Gewinnsucht der Großen und Mächtigen, der Brahmanen und Grundbesitzer, ruinierte die Bevölkerung. Arme und Kranke prägten immer mehr das Bild. Eines Nachts, um von seiner Familie nicht umgestimmt zu werden, verließ er sein Heim. Vor der Stadt entledigte er sich der teuren Kleider und seiner Standesinsignien, schnitt sich die Haare ab und ging auch in die Hauslosigkeit. Völlig besitzlos, war er nun dazu gezwungen, um Nahrung und um einen Schlafplatz zu betteln. Doch er ließ nicht nur seine bisherige Lebensweise hinter sich; Siddharta Gautama hatte auch ein klares Ziel vor Augen: Er wollte die Ursachen des menschlichen Leidens finden und die Grundlage für nicht vergängliches, dauerhaftes Glück suchen. Auf seiner Suche schloss er sich zuerst dem Meditationslehrer Alaro Kalamo an. Siddharta begriff die Lehre des Meisters schnell. Dieser wollte ihn an der Schule halten, um das Geschäft anzukurbeln. Doch das war nicht Siddhartas Weg: "Ich fand diese Lehre ungenügend und unbefriedigt von ihr zog ich fort," äußerte er später gegenüber seinen Anhängern. Auch in der Lehre des Uddaka fand der Suchende keine Antworten auf seine Fragen, weil ihr, seiner Meinung nach, die letzte Einsicht in die Lebenszusammenhänge fehlte. Enttäuscht wählte er einen ganz anderen Weg: Siddharta schloss sich einer kleinen Gruppe von Asketen an und begann ein Leben in Einsamkeit und Selbstverleugnung. Er hoffte dadurch Erkenntnis zu finden; doch die wollte sich trotz Kasteiung auch nach fünf Jahren nicht einstellen. Das einzige Ergebnis war Siddhartas vollkommene Verwahrlosung: Er nahm nur aller vierzehn Tage Nahrung zu sich, egal ob es Reisstaub, Wurzeln oder Kuhmist war. Der Schmutz fiel ihm in großen Brocken vom Körper. Wenn er seinen Bauch berührte, erfasste er sein Rückgrat. Bevor es zum Äußersten kam, gestand sich Siddharta ein, den falschen Weg gegangen zu sein. Er erkannte, dass beide Extreme unsinnig sind – ein verwöhntes Leben voller Luxus und sinnlicher Genüsse, ebenso wie die Kasteiung. Um ein Ziel zu erreichen, braucht man einen klaren Kopf und einen gesunden Körper, besonders, wenn es sich um das Streben nach Erkenntnis handelt. Sinnvoll ist also der mittlere Weg, und den erkannte Siddharta in der Versenkung – der Meditation. Am Ufer des Neranjara-Flusses bei Bodh-Gaya wählte er einen großen Baum, den Bô-Baum, unter dem er sich in Meditations- Haltung niederließ. Er beschloss, nicht aufzustehen bis er sein Ziel erreicht haben würde. In der Legende vom Buddhas ist jetzt der Moment gekommen, in dem das Böse – Mara genannt – in Erscheinung tritt, um den Suchenden von seinem Weg abzubringen. Mara, der Gott der Unterwelt, schickt Teufel und Kobolde aus den Tiefen, um Siddharta zu ängstigen. Doch alle Teufel und Kobolde verwandeln sich in duftende Lotosblüten. Da entsinnt sich Mara seiner schärfsten Waffen: seiner Töchter Begierde, Unzufriedenheit und Leidenschaft. Diese tanzen verführerisch vor dem Meditierenden, doch ohne Erfolg. Mara sieht seine Machtlosigkeit ein und zieht sich zurück. Siddharta deutet daraufhin mit der Hand zur Erde. Mit der Geste bezeugt er, dass er jetzt das Recht hat, der Erleuchtete zu werden. Sieben Tage waren vergangen. In einer frühen buddhistischen Schrift - Das Leben des Buddha - wird jener Augenblick folgendermaßen beschrieben: "Als der Morgenstern am östlichen Himmel erschien, war der Kampf vorüber und der Geist des Prinzen so klar wie der Tagesanbruch. Es war am 8. Dezember, als der Prinz fünfunddreißig Jahre alt war und der Buddha wurde." So weit die historische Geschichte des Siddharta Gautama Buddha.// Was sind nun die Grundzüge dieser Religion? Am Anfang stehen Vier Edlen Wahrheiten die Buddha in der Versenkung schaute (WIKI)
Die vier Edlen Wahrheiten lauten:
Der genaue Wortlaut der Wahrheiten kann je nach Autor bzw. Übersetzter leicht variieren. Die hier verwendete Formulierung entspricht dem Konsens des buddhistischen Bekenntnisses, die Kommentierung richtet sich nach dem Pali-Kanon. Als Leidensgrund wird manchmal auch das Nichtwissen (skt. avidyâ, p. avijjâ) angeführt, das auch Teil der zwölfgliedrigen Kette des bedingte Entstehens ist. S.H. der Dalai Lama sagt: //Da Leiden verursacht werden, muß man schauen woher sie kommen. Ein Beispiel: Wenn ich ärgerlich bin, kann dies eine starke Kraft sein für eine rohe Geisteshaltung. Diese Geisteshaltung führt zu negativen Taten. Es entsteht im Umgang mit anderen Menschen eine gespannte Atmosphäre. Es mag sein, daß ich durch diese Geisteshaltung einen Sieg über andere erringen kann. Doch später wird es mir leid tun. Auch verlieren die Menschen in meiner Umgebung Vertrauen, Ruhe und Frieden. Das ist das Gesetz des Karma; der Zusammenhang von Motivation (Absicht), Handlung und Resultat. Unheilsame Karmas werden durch die Kraft von Begierde und Haß angesammelt. Die Wurzel von Begierde und Haß ist Unwissenheit.// WIKI: //In den indischen Religionen ist die Lehre des Karma eng mit dem Glauben an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten, verbunden und damit an die Gültigkeit des Ursache-Wirkungsprinzips auf geistiger Ebene auch über mehrere Lebensspannen hinweg. Im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bezeichnet der Begriff die Folge jeder Tat, die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in jeder Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht infolge einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott, es geht darum nicht um "Göttliche Gnade" oder "Strafe". Nicht nur "schlechtes" Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das "Gute". Letztes Ziel ist es darum, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.// Diese Zusammenhänge erschließen sich aber nur, wenn man sie in sein tägliches Leben übernimmt. Der Buddhismus ist also vor allen Dingen eine Geistesschulung. Ein Beispiel: S.H. der Dalai Lama sagt: //Wir müssen ständig vor Zorn und anderen negativen Gedanken auf der Hut sein, die nur darauf warten, unseren Geist zu besetzen.
Die sind die einzigen Feinde, die den altruistischen Erleuchtungsgeist wirklich schwächen können. Da wir sie in und tragen, haben wir auch keinerlei Möglichkeit, vor ihnen zu flüchten. Das macht sie sehr viel gefährlicher als äußere Feinde. Sie lassen uns kaum Zeit, ihnen zu entkommen. Durch Achtsamkeit kann man diese Geistesgifte bekämpfen, auch wenn durch geistige Achtsamkeit die negativen Gedanken zeitweilig in den Vordergrund rücken. Doch unser Unterscheidungsvermögen und die richtige Anschauung verringern sie dann doch dauerhaft.//
Durch Meditation, Lehrreden und Achtsamkeitsübungen kommt es zur Verinnerlichung. Wenn man diesen Gedanken folgt, so ist es mehr als einleuchtend, daß der ständige Umgang und Konsum von Gewalt folgen haben wird.
S.H. der Dalai Lama sagt: //Ausgehend davon, daß alle Wesen für sich Glück wünschen und von Leiden frei sein wollen und die Position des jeweiligen Betrachters somit austauschbar ist, entwickelt sich die Geduld auf der Grundlage der Weisheit, daß Feinde einen großen Wert besitzen. Das Wohl der Mehrheit ist weitaus wichtiger als mein eigens Wohl, das einer einzigen Person. Sichtweisen...
Liebe und Mitgefühl sind außerordentlich wichtig und notwendig; sie sind der Mühe wert. Eine der wichtigsten Übungen ist die der Geduld und Toleranz. Diese Eigenschaften kann man nur durch einen Feind lernen. Man sagt, ein Feind sei eigentlich ein guter geistiger Lehrer, denn in Äbhängigkeit von einem Feind kann man Geduld entwickeln, und in Abhängigkeit von der Geduld große Verdienste ansammeln. Es ist so als wäre ein Feind absichtlich zornig geworden, um einem beim Ansammeln von Verdiensten zu helfen. Für die Übung der Geduld sind Feinde nötig, sie sind keine Übeltäter. Wenn man auf den Schädiger wütend wird, sollte man Wut entweder auf die Waffe oder aber auf die ihn motivierenden Leidenschaften in seinem Geist lenken, nicht aber auf die Person selbst. Wir werden ja auch nicht wütend auf das Feuer wenn es uns die die Haut verbrennt, weil wir wissen, daß das Brennen das eigentliche Wesen des Feuers ist. Wut ist wie die Wolke, die die Sonne verdeckt. Sie vergeht wenn man den Fokus auf die Ursachen, die Leidenschaften lenkt.// //Man hätte also die Vorstellung, die Dinge würden aus sich selber heraus so sein wie sie scheinen. Da wir aber in einem dualistischen System leben ist dies absurd. Jedes Bewußtsein unterliegt der falschen Erscheinungsweise des objektes, wiel es dem Anschein unterliegt, als würde es wahrhaftig so existieren, wie es den Anschein hat. Man beginnt also zum Beispiel Mitgefühl zu entwickeln, obwohl dies mit der falschen Vorstellung von inhärenter Exsitenz verbunden ist. Würde man sich aber entschließen, aus Sorge darüber mit der Entwicklung von Mitgefühl nicht fortzusetzen, so beginge man einen Fehler, denn zur Zeit hätte man keine Wahl. Man überwindet die falsche Vorstellung von inhärenter Existenz der Phänomene nicht dadurch, daß man sein Bewußtsein einfach von allen Dingen abzieht und möglichst inaktiv bleibt. Die Lösung liegt in der Selbstlosigkeit, die das Gegenteil von inhärenter Existenz ist. Die Macht der Selbstlosigkeit besiegt die falsche Vorstellung. Das Anhängen an materiellen Dingen sollte man aufgeben. Es wird aber nicht gelehrt, daß man hinsichtlich der Übungen auf dem Pfad genügsam sein sollte. Es geht hier um unterschiedliche Gesichtspunkte und Wertigkeiten. Die Unterscheidung muß von dieser Sicht aus getroffen werden.// Ich hoffe, daß ich mit diesem kurzen Abriss einigermaßen belegen konnte, daß der Buddhismus wirklich und ernsthaft am Frieden interessiert ist. Durch Verantwortung, Übung und Ansicht erschließt sich dem Suchenden in dieser Religion zwangsläufig der Weg zum eigenen Frieden und dem der anderen Wesen.
Doch was sagen die anderen? Franz-Johannes Litsch trug vor: //Wohl mit Recht kann gesagt werden, dass von allen Geistestraditionen, Weltanschauungen und Religionen der Menschheit der Buddhismus - eine geistige und kulturelle Strömung, die vor 2500 Jahren von dem indischen Weisen Siddharta Gautama Buddha - ausging die älteste gewaltfreie Bewegung ist und diejenige, die dem Anliegen der Gewaltlosigkeit in ihrer Geschichte auch am meisten gerecht wurde. In Buddhas Lehrreden (immerhin einige Tausend Texte) wurde bisher keine einzige Rechtfertigung für Gewaltausübung gefunden. Begriffe wie "Heiliger Krieg" oder "Kreuzzug", ja selbst "Kampf gegen das Böse" sind dem Buddhismus unbekannt. In der langen Geschichte des Buddhismus gab es auch keinen Fall eines buddhistisch begründeten Angriffskriegs. Kein Beispiel, wo mit dem Ziel der Ausweitung des buddhistischen Einflussbereiches, der Mission oder der Bekehrung ein Krieg geführt wurde. Aus dem 20.sten Jahrhundert gibt es allerdings Beispiele, wo kriegerische Handlungen als Akte der Verteidigung der buddhistischen Kultur oder der Kultur Asiens gerechtfertigt wurden (der Krieg Japans gegen die USA im 2.Weltkrieg; der Krieg der Regierung Sri Lankas gegen den tamilischen Terrorismus). So kann und soll nicht behauptet werden, dass alle Buddhisten immer nur friedlich und freundlich seien, dass es in buddhistischen Ländern keine Gewalt gäbe und dass buddhistische Völker oder Länder keinerlei Kriege geführt hätten. Zeugnisse von Gewalt gab es auch dort leider etliche. Buddhistische Schulen oder Klöster haben sich gelegentlich gegenseitig bekämpft (in Tibet und Japan) und einige Male führten buddhistische Länder Kriege gegen andere buddhistische Länder, zerstörten gar die Tempel der anderen oder entführten wertvolle Buddhafiguren (insb. Thailand und Burma). Dennoch - diese Kämpfe und Kriege gingen nie von inhaltlichen (Lehr-) Streitigkeiten oder Wahrheitsansprüchen aus und nur selten von den religiösen Institutionen oder Führern. Ihre treibenden Kräfte waren stattdessen ethnische Konflikte (Völkerwanderungen in Südostasien oder der 2000-jährige Konflikt zwischen den Tamilen Südindiens und den Singhalesen Sri Lankas), Sippen- und Clankriege (insb. im japanischen Mittelalter), soziale Aufstände (Bauernkriege in China) sowie die weltlichen Machtansprüche oder auch nur puren Emotionen (Wut, Rache, Eifersucht) verschiedener Herrscher oder Mönchsgemeinschaften. [...] [...] Dass es in buddhistisch beeinflussten Ländern dennoch Gewalt, Kämpfe und Kriege gab und gibt, ist aus buddhistischer Sicht selbst nicht verwunderlich, denn das bloße Bekenntnis zum Buddhismus oder bloße Geborensein in einem buddhistischen Land macht keinen Menschen schon automatisch zum besseren Menschen oder zu einem Menschen, der das leben würde, worum es dem Buddha ging, nämlich Buddhaschaft. Buddhistsein hatte für den Buddha keinerlei Bedeutung. Für ihn zählte nur die gelebte Praxis. Es ging ihm nicht um Glaube, Bekenntnis und Zugehörigkeit sondern um Verwirklichung der Buddhaschaft und die bedarf wahrhaft großer Anstrengung und Ausdauer, wird darum nur von wenigen Menschen ernsthaft angestrebt und nur von sehr, sehr wenigen auch verwirklicht. [...] Der historische Buddha formulierte als Basis für alle, die seinem Weg folgen wollen (also Mönche, Nonnen und Laien) 5 ethische Grundprinzipien. Sie bilden den Anfang, das bleibende Fundament und das Ziel der Praxis. Mit der "Zuflucht" zu Buddha (unserem inneren Potential), zum Dharma (der Wirklichkeit und Lehre) und zum Sangha (der Gemeinschaft der Übenden), verbunden mit der Annahme der ethischen Übungen, beginnt der Praktizierende den Weg oder wird man gleichsam zum Buddhist. Die ethischen Richtlinien (Silas) lauten in der Form, in der sie angenommen und erinnert werden: Kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, Keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen, Nicht zu lügen oder unheilsam zu sprechen, Nicht durch berauschende Mittel mein Bewusstsein zu trüben, [...] Die Ethik des Buddha lässt sich so in einem Satz zusammenfassen, nämlich: "Ich übe mich darin, kein lebendes Wesen zu verletzen". Oder noch konzentrierter in zwei Begriffen: Ahimsa, Nicht-Verletzen. Und Sati, Achtsamkeit. Nicht-Verletzen ist das Ziel der ethischen Praxis, Achtsamkeit ist die Methode. [...] [...] Wer achtsam ist, der kann nicht gewalttätig sein. Denn Gewalt ist zumeist blind - unachtsam. Achtsamkeit ist deshalb die alltägliche Grundpraxis oder Grundübung auf dem Weg des Buddha. Und es geht darum, sie so umfassend wie möglich in unserem Leben zu entfalten. In allen unseren Handlungen und Situationen möglichst uneingeschränkt achtsam und vollbewusst zu sein, so dass wir tatsächlich wissen, was wir tun. Nur der Wirklichkeit bewusst können wir ihr gemäss leben. Nur achtsam und bewusst sind wir in der Lage, verantwortlich zu denken, zu entscheiden und zu handeln. Bewusstheit ist Verantwortlichkeit. Selbstverantwortlichkeit zu praktizieren, ist ein zentraler Inhalt des buddhistischen Weges. Die Veränderung oder Heilung der Welt, die Überwindung der Gewalt, beginnt bei mir und liegt in meiner Hand. Sie wird möglich und wirklich, indem ich achtsam bin. [...] [...] Wenn es darum geht, Frieden zu schaffen, dann erfordert das, den permanenten Unfrieden in mir zu beenden. Mich darin zu schulen, die Unruhe des ständig hin und her springenden, immer wieder nach neuem und anderem greifenden, permanent hinweg flüchtenden Geistes zu beenden. [...]// Währe nicht diese Praxis für uns alle wohltuhend und die Lösung vieler Probleme vor denen wir stehen? Aber es ist nicht einfach seinen Geistesgiften zu entfleihen. Es bedarf dazu einer stetigen Übung. In einer Zeit des schnellen Konsums kaum vorstellbar. //[...] Nur der erkennt darum die Wirklichkeit, so wie sie ist - und nicht, wie wir sie sehen oder sehen wollen - der sich selbst erkennt, der sich selbst "auf die Schliche kommt", dem seine Projektionen bewusst werden. Sich selbst erkennen, erfordert, die uns eigene Weise kennen zu lernen, die Dinge und die Welt zu sehen; kennen zu lernen, wie wir auf die Erscheinungen und Begebenheiten, gewohnheitsmäßig und unbewusst, von eigenen Erfahrungen und Konditionierungen geprägt, reagieren. Wirklichkeitserkenntnis heißt im Buddhismus darum vor allem anderen Selbsterkenntnis. "Wer sich selbst erkennt, der erkennt die Welt", so lehrte der Buddha. [...]// Darum sollte man meiner Meinung nach vom Opium der Medien Abstand nehmen und in der Ruhe zum eigenen Frieden finden.
Und die Kritiker? Licht und Schatten des Buddhismus oder: [...]
Erich Fromm (aus WIKI) Der entfremdete Mensch - Psychosoziale Störungen im Kontext des etablierten Gesellschafts-Charakters [...] Im 19. Jh. definierten Hegel und Marx einen Menschen als von sich selbst entfremdet, wenn ihm „die eigene Tat [...] zu einer fremden, gegenüberstehenden Macht wird, die ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht“. Die Entfremdung des Menschen zu sich selbst, seinen Handlungen und dadurch notwendigerweise auch zu seiner Umwelt, ist in der modernen Gesellschaft zu einem zentralen Problem geworden. Im folgenden soll die Situation des Menschen unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Der Mensch als abstrakte Größe Der einzelne Mensch wird in der heutigen Gesellschaft und Wirtschaftswelt vorwiegend als unpersönliches Einzelteilchen wahrgenommen statt als individuelle Persönlichkeit. Egal ob im Unternehmen oder in der Konsumwelt, er ist zu einer abstrakten Größe geworden, die sich in Zahlen ausdrücken lässt und somit berechnet werden kann. Ein gutes Beispiel ist der typische Bürokrat. Für ihn existieren die Menschen, über deren Schicksal er möglicherweise entscheidet, nur als Objekte und Zahlen auf dem Papier. Dies ermöglicht ihm, ohne Anteilnahme oder zwischenmenschliche Gefühle wie Sympathie oder Antipathie Entscheidungen über sie zu fällen. Ebenso geht es dem Großunternehmer, der mit nur einer Unterschrift 100 Menschen entlassen kann, ohne diese je kennen gelernt zu haben und von ihren Lebensumständen zu wissen. Nur ob sie die Anforderungen erfüllen oder nicht ist entscheidend. Eine maßgebliche Ursache für die Abstraktion des Menschen ist das Streben nach größtmöglicher Effizienz, das für den Kapitalismus so charakteristisch ist. Vor allem durch die stetige Zunahme von Großkonzernen und dem damit verbundenen Verschwinden kleiner Betriebe wird der Einzelne vorwiegend nach seinem „Marktwert“ beurteilt und kann wie die kaputte Schraube einer Maschine beliebig ausgetauscht werden. Eine weitere Auswirkung dieser gesteigerten Produktivitätsverhältnisse ist eine sich immer mehr verzweigende Arbeitsteilung, die dem Einzelnen den Bezug zu seiner Arbeit nimmt. Im humanistischen Sinne dient die Arbeit der Menschwerdung des Einzelnen. Indem er die Natur beherrscht und gestaltet, kann er einen Weg finden, sich mit ihr zu vereinigen und gelangt durch diesen fortwährenden Entwicklungsprozess zu Individualität. Für die meisten Menschen der heutigen Gesellschaft dient die Arbeit nur als Gewährleistung für ein geregeltes Einkommen. Da man somit nur einen Teil irgendeines Ganzen produziert, verliert man den Gesamtzusammenhang zu seinem Tun und den Bezug zu den selbst oder von anderen produzierten Dingen. Arbeit kann in diesem Sinne nicht mehr als sinnvolle Tätigkeit angesehen werden, da sie keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr in sich birgt. Die narzisstische Selbstspiegelung des Menschen Durch den Drang nach Konformität und die entfremdete Arbeitsweise entsteht im Menschen ein „Loch im Selbst“. Dieses wird ferner verstärkt durch den etablierten Gesellschafts-Charakter, der in der heutigen Gesellschaft ein Leben nach außen hin als gesunde Lebensweise vorgibt und auf die Möglichkeit verweist, innere Gefühle der Leere oder Unsicherheit durch die Vielzahl kultureller Opiate zur überdecken. Das Ergebnis dieser Lebensweise ist eine narzisstische Selbstspiegelung des Einzelnen. Durch das ständige Ablenken vom eigenen Innern ist man sich seiner inneren Kräfte nicht mehr bewusst und erfährt sich somit nicht mehr als Initiator seines Handelns. Das Handeln an sich, das von äußeren Kräften gelenkt wird, hat stattdessen die Überhand über das Selbst genommen. Auf diese Weise ist es unmöglich, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen, sodass der Einzelne sein Selbstwertgefühl aus seiner sozio- ökonomischen Rolle entnimmt. Hierdurch hat sich in unserer Gesellschaft auch in mentaler Hinsicht eine bizarre Marketing-Orientierung ergeben. Für den Einzelnen ist sein Dasein zu einer Art Ware geworden, die im Spiegel des sozialen Echos einen gewissen Wert erlangt: „Sein Körper, sein Geist und seine Seele sind sein Kapital, und seine Lebensaufgabe besteht darin, diese vorteilhaft zu investieren, einen Profit aus sich zu ziehen“. Ihren höchsten Ausdruck hat dieser Wunsch nach einer spiegelnden Aufmerksamkeit in den Massenmedien gefunden. Egal ob die Teilnahme an Talk- und Realityshows oder die Vielzahl persönlicher Homepages, alles spricht für den Drang, ein sekundäres Selbstwertgefühl zu erlangen, indem man das Interesse anderer Menschen weckt. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich unter anderem die Zunahme der Suizide erklären. Wenn man sein Leben vorwiegend als eine Art Unternehmen betrachtet, in das man seine physischen und psychischen Fähigkeiten möglichst sinnvoll investieren muss, dann ist das Leben ein Fehlschlag, wenn die Bilanz unterhalb des erhofften Werts liegt. „Man begeht Selbstmord, genau wie ein Geschäftsmann seinen Bankrott erklärt, wenn die Verluste größer sind als der Gewinn“. Der moderne Mensch lässt sich also insgesamt als „passiver Empfänger von Eindrücken, Gedanken und Meinungen“ beschreiben. Zwar ist er im Laufe der Jahrhunderte erheblich intelligenter geworden, doch hat er was die Vernunft betrifft starke Einbußen zu verzeichnen. Seine Intelligenz nutzt er als Werkzeug, sich selbst und andere zu manipulieren. Das vernünftige Hinterfragen von Gegebenheiten, das Urteilen und Handeln nach gefundenen Grundsätzen ist jedoch zugunsten der Konformität eingestellt worden. Der Massenkonsum Der entfremdete Mensch wird vielmehr von äußeren Einflüssen statt inneren Strebungen gelenkt. Insofern dient auch der Konsum nicht mehr dazu, sich selbst einen Wohlgefallen zu tun, sondern es geht vielmehr um „die Befriedigung von künstlich stimulierten Phantasievorstellungen“, die vor allem durch die Massenmedien an den Menschen herangetragen werden. Da diese scheinbare Befriedigung die tatsächlichen menschlichen Bedürfnisse des Einzelnen jedoch unbefriedigt lässt, hat sich in der heutigen Gesellschaft eine regelrechte Konsumsucht etabliert. Das Bedürfnis nach Massenkonsum erzeugt im Gesellschafts-Charakter den Drang, „daß jeder Wunsch sofort befriedigt werden muß und kein Verlangen frustriert werden darf“. Dadurch ist der moderne Mensch weitgehend unfähig geworden, seine Wünsche aufschieben zu können, auch wenn diese nur von der Wirtschaft vorgegeben sind. Anstatt sich mit Konflikten mit dem eigenen Selbst auseinander zu setzen, beschäftigt sich der Einzelne ständig mit einem neuen Vergnügen aus der breiten Palette kultureller Opiate. In der heutigen Gesellschaft besteht also nicht einmal mehr die Notwendigkeit, sich seiner selbst bewusst zu werden. Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen Der entfremdete Mensch ist vor allem durch das hohe Maß an Manipulation sich selbst und anderen gegenüber gekennzeichnet. Die Beziehung zu seinen Mitmenschen kann somit zwangsläufig nur krankhafter Art sein und ist im Allgemeinen von reiner Gleichgültigkeit durchsetzt. Hinter der aufgesetzten Freundlichkeit steht nur der Wunsch nach Selbstbestätigung und die egoistische Motivation, dass der andere einem irgendwann nochmal von Nutzen sein könnte. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zudem zu einer weiteren Möglichkeit geworden, sich selbst und seinen Gedanken aus dem Weg zu gehen. Als Mechanismus hierfür dient ein weit ausgeprägter Verbalismus, der sich in der modernen Kultur stark etabliert hat. „Sich auszusprechen ist Mode geworden“ und ermöglicht dem Menschen, beunruhigende Gedanken sofort auszusprechen und einen inneren Druck auf diese Weise abzubauen. Hierdurch geht ihm jedoch ein wichtiger Schritt zur Selbstfindung verloren, da die Gedanken auf diesem Weg nicht fruchten und zu neuen Ideen führen können. In der zwischenmenschlichen Intimität einer Partnerschaft sucht der Mensch das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Wie bereits erläutert ist der Mensch jedoch nur zum Lieben fähig, wenn er ein Gefühl von Integrität mit sich selbst besitzt. Durch die entfremdete Lebensweise in unserer Gesellschaft ist es dem Einzelnen folglich kaum möglich, eine gesunde Partnerschaft aufzubauen und zu erhalten. Die Selbstdarstellung des Menschen ist zu ausgeprägt und er muss in zu vielen Rollen seine Konformität und die darin geforderte Flexibilität erhalten. Unter diesem Gesichtspunkt ist es kaum verwunderlich, dass Partnerschaften in der modernen Gesellschaft nur selten von langer Dauer sind bzw. zu einer reinen Zweck- und Interessengemeinschaft umstrukturiert wurden. [...] Der Weg des Buddhismus, also die persönliche Entwicklung nach hohen ethischen Maßstäben voran zu treiben, kann meiner Meinung nach helfen, sich den Umständen des Lebens in unserer Gesellschaft bewußt zu werden, von denen Erich Fromm und andere immer wieder sprechen und gesprochen haben. Einhergehend damit ist der innere und äußere Frieden des Einzelnen und der Gesamtheit. Ich danke für die Aufmerksamkeit und Ahimsa
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