Jesus in seiner Jugend


The Annunciation

 

Was tat Jesus in seiner Jugend?

 

Über die Jugend des Religionsstifters gibt uns die Bibel kaum Hinweise. Nur seine Geburt und die Flucht nach Ägypten werden beschrieben. Er taucht erst dann wieder auf, als die Familie in das gelobte Land zurück kehrte - er war damals ungefähr  sechs Jahre alt. Der Jugendliche  lauschte den Vorträgen der Alten im Tempel.  Doch über die Zeit nach der Bar Mizwa, also seinem dreizehnten Lebensjahr, und seinem bekannten Wirken mit ungefähr dreißig Jahren, schweigt die Bibel. Welches Leben und Wirken des Wissenden bleibt uns verborgen?

Es werden drei verschiedene Thesen postuliert. Manche vermuten, dass er sich der Gemeinde der Essener angeschlossen haben könnte. Die Essener  oder Essäer (aramäisch die Frommen) waren eine religiöse Gruppierung innerhalb des Judentums und wurden vermutlich um 150 v. Chr. gegründet. Mit dem Christentum haben sie entgegen einer Reihe von populistischen Veröffentlichungen nichts zu tun, da sie - im Gegensatz zur Verkündigung Jesu von Nazareth - in besonderem Maße an kultischer Reinheit interessiert waren und den Kontakt zu "Zöllnern und Sündern" gemieden hätten. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Jesus diese Gemeinde durchaus kannte und sich ihnen zumindest für eine Zeit anschloß. Sie warteten auf einen zweifachen Messias: einen priesterlichen aus dem Hause Aaron und einen königlichen aus Israel. Sie hätten seine neuen Thesen also kaum anerkannt. Zur Zeit Jesu zählten sie etwa 4000 Mitglieder. Qumran war der Ort, an dem sie sich der Welt entsagten und die bekannten Schriftrollen vom Toten Meer der Zeit hinterließen, um sie vor den Römern zu schützen. Doch auch diese Mutmaßung scheint immer mehr umstritten zu sein.

Die Zweite Möglichkeit ist, dass er bei seinem Vater in die Lehrer ging und Zimmermann wurde. Zu jener Zeit fanden erhebliche Bautätigkeiten statt. Für den jungen Jesus ein guter Broterwerb und Sicherung der Familie. Doch Ausgrabungen haben natürlich keinen Hinweis geliefert.

Wenn man sich den Verlauf der Seidenstraße genauer betrachtet, kann man feststellen, dass das damalige Israel eine gute Anbindung an die bekannte Welt hatte. Neuigkeiten und Waren fanden einen guten Zugang in das Land. Transkontinentaler Austausch durch die Seidenstraße war an der Tagesordnung. Auf der Seidenstraße wurden nicht nur Waren wie Gewürze, Seide, Glas und Porzellan transportiert; mit dem Handel verbreiteten sich auch Religion und Kultur. So gelangte der Buddhismus über die Seidenstraße bis nach China und Japan und wurde dort vorherrschende Religion. Auch das Christentum drang über die Seidenstraße vor bis zur damaligen Hauptstadt von China, wie eine Steintafel im heutigem Xi'an dokumentiert. Die Kenntnis von Papier und Schwarzpulver kam entlang der Seidenstraße in die arabischen Länder und gelangte von dort später nach Europa.

Verlauf der Seidenstraße im Mittelalter

Die Weihrauchstraße war das Bindeglied. Die Erschließung der Weihrauchstraße wurde erst durch die Domestizierung des Dromedars in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. ermöglicht. Mit der Nutzung der Dromedare als Lasttiere sank die Abhängigkeit der Karawanen von den Wasserstellen in der Wüste. Außer dem Weihrauch gelangten über den Karawanenweg auch Gewürze und Edelsteine aus Indien und Südostasien nach Palästina und Syrien. Bei Petra nördlich des Golfs von Akaba teilte sich die Weihrauchstraße in einen nördlichen Zweig mit dem Endpunkt Gaza und in einen östlichen, der nach Damaskus führte. Nach Berichten antiker Autoren benötigten Kamelkarawanen 100 Tagesmärsche für die 3.400 km lange Strecke zwischen Dhofar und Gaza. Die vier nabatäischen Städte Haluza, Mamshit, Avdat und Shivta verdeutlichen die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung des Gewürzhandels, der über 500 Jahre (3. Jahrhundert vor Christus bis 2. Jahrhundert nach Christus) florierte. Die alte Weihrauchstraße durchlief die Arabische Halbinsel. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich Jesus einer Karawane anschloss und eine Reise unternahm, die ihn bis nach Indien führen sollte.

Welche Hinweise kann es geben, die auf diese Reise schließen lassen würden? Bis heute erregt der Bericht eines russischen Forschers die Gemüter, der 1887 im Himalaja angeblich einen Aufsehen erregenden Fund machte. Nicholas Notovitch war eine schillernde Figur. Der Schriftsteller und Historiker quälte sich über 4.000 Meter hohe Pässe nach Ladakh - damals auch Kleintibet genannt. Zwei Monate verbrachte er im Hemis- Kloster mitten in den Bergen - etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Leh entfernt. Während seines Aufenthalts zeigte ihm der Vorsteher ein heiliges, buddhistisches Buch. Ein Dolmetscher übersetzte, was der Mönch vorlas. In dem alten Text hieß es, Jesus sei als 14-Jähriger mit einer Handelskarawane nach Nordindien gekommen. Er lebte bei Brahmanen und anderen Gelehrten, lernte böse Geister auszutreiben und mit Gebeten zu heilen. Schließlich begegnete er Anhängern von Buddha und machte sich mit den Erkenntnissen des Erleuchteten vertraut. Nach zwölf Jahren sei Jesus in die Heimat zurück gekehrt. Ließ sich der Begründer des christlichen Glaubens von Buddha inspirieren, der 500 Jahre vor ihm Güte, Toleranz und Mitgefühl predigte?

Notowitch sprach in dem Kloster Mulbeck, nahe dem Dorf Wakka bei Ladakh in Kaschmir mit einem Lama. Dieser berichtete ihm, nachdem die Sprache auf Jesus gekommen war, von einer seltsamen Begebenheit: “In der Tat hat Buddha mit seinem geistigen Wesen Fleisch angenommen in der heiligen Person Issas (Jesus), der ohne Anwendung von Feuer und Schwert unsere erhabene und wahre Religion in der ganzen Welt verbreitet hat.“

Der Lama führte weiter aus:“ Issa ist ein großer Prophet, einer der ersten nach den zweiundzwanzig Buddhas; er ist viel größer als irgendeiner von allen Dalai- Lamas, denn er bildet einen Teil des geistigen Wesens unseres Herren [...] Sein Name und seine Taten sind in unseren heiligen Büchern verzeichnet, und beim Lesen seines edlen Daseins, das inmitten verirrter Völker verfloß, weinen wir über die schreckliche Sünde der Heiden, die ihn mordeten, nachdem sie ihn gefoltert hatten.“

Nun wollte Notowitsch wissen, wo diese Schriften seien. Der Lama antwortete, dass die meisten dieser Schriften sich in Lhasa befänden. Einige der anderen Klöster sollten Abschriften aufbewahren.

Notowitsch reiste weiter nach Leh. Dort erkundigte er sich nach dem Lama und stellte wieder seine ihn bewegenden Fragen. Der Lama antwortete ohne zu zögern, dass Issas Name unter den Buddhisten sehr geachtet sei, doch nur den höheren Lamas bekannt ist. Unter den 84 000 Abschriften, die sich in seinem Kloster befänden seien auch einige über das Leben und Wirken Issas, der in Palästina und Indien seine Lehre verkündete.

Der Lama erklärte ihm, wie die Buddhisten Issa sehen.

„Er ist der große Buddha, die Seele des Weltalls. Fast immer bleibt er in vollkommener Ruhe, er umfasst alle Dinge, vom Ursprung der Wesen, und sein Atem belebt die Welt. Er hat den Menschen seine eigenen Kräfte überlassen. Von Zeit zu Zeit tritt er aus seiner Untätigkeit heraus, um die Wesen dem unheilbaren Verderben zu entreißen.“

Der Lama erzählte ihm nun die Geschichte der Geburt des Jesus Christus, und dass er in seiner Jugen nach Indien gebracht wurde, um die Gesetze des großen Buddha zu studieren, bis er ein Mann geworden war.

Über den Verbleib der Abschriften, nach denen Notowitsch nun gefragt hatte, konnte oder wollte der Lama keine Antwort geben. Doch er bot ihm an, bei seinem nächsten Besuch, die Archive nach den Schriftstücken zu durchsuchen.

Auf seiner weiteren Reise brach sich Notowitsch ein Bein, wurde im nächstgelegenen Kloster versorgt, und dort konnte er Einsicht in eine Abschrift nehmen, die der Lama persönlich vorlas und der Übersetzer Wort für Wort niederschrieb.

1894 veröffentlichte Notowitsch den brisanten Bericht in Paris. Ein Jahr später verhaftete ihn der russische Geheimdienst und verbannte den Historiker ohne Begründung nach Sibirien. Die buddhistische Schrift, die er gesehen haben will, ist verschollen. Die Mönche, die jetzt das Hemis- Kloster bewohnen, kennen sie nicht. Selbst in der alten Bibliothek wird niemand fündig. Und doch gibt es einen Ernst zu nehmenden Hinweis, der die Suche rechtfertigt. In einem Brief von 1995 schreibt der damalige Leiter des Klosters: "Viele Mönche haben von der Schrift gehört, da man aber immer nur nach einem Buch wie der Bibel suchte und nicht nach einem tibetischen Manuskript, ist es möglich, dass sich die Schrift noch immer in Hemis befindet."

Er hinterließ uns einen erstaunlichen Bericht von Jesus reise durch Persien, Indien und das Himalajagebiet. Doch seine Reise war durchaus nicht ungewöhnlich. Apollonius von Tyana bereiste angeblich die gesamte damalige Welt. Wie auch heute stellte diese Kultur und der so ungewöhnliche Subkontinent mit seinem so alten Schatz an Erfahrungen eine entsprechende Anziehungskraft dar (Philostratos schildert Apollonios als umherziehenden Prediger und Wundertäter, der in Italien, Spanien und Äthiopien tätig war und bis nach Babylon und Indien kam. Letzteres wurde in der Antike auch über Pythagoras, das Vorbild des Apollonios, erzählt. In Wirklichkeit hat Apollonios wohl den Osten des Römischen Reichs nie verlassen. Erst Julia Domna, die selbst aus dem Osten stammte, wollte ihn und seine Lehren in Rom populär machen. Daher gab sie die Biographie in Auftrag, in der Apollonios als Weiser mit übernatürlichen Fähigkeiten verherrlicht wird. Julias Sohn Kaiser Caracalla und ihr Großneffe Kaiser Severus Alexander betrieben einen Kult des Apollonios. Dem Kaiser Aurelian soll Apollonios im Jahr 272 im Traume erschienen sein, um ihn von der Zerstörung der Stadt Tyana abzuhalten). Die Kenntnisse der Menschen über andere Kulturen und der Austausch an Informationen war, auch zur damaligen Zeit und über Entfernungen, die uns heute unüberwindlich scheinen, durchaus möglich.

Der Reisebericht der Tibeter über Issa beginnt schon mit der ägyptischen Sklaverei der Juden und erzählt den Zug ins gelobte Land unter Mose. Notowitsch schreibt:

„In jener Zeit erschien der Augenblick, den der Richter voller Gnadenhuld ausersehen hatte, um Fleisch anzunehmen in einem menschlichen Wesen. Und der Ewige Geist, welcher sich in einem Zustand vollständiger Ruhe und Glückseligkeit befand, wachte auf und trennte sich auf unbestimmte Zeit von seinem Ewigen Wesen. Auf dass er, unter menschlicher Gestalt erscheinend, die Mittel kundgebe, der Gottheit gleich zu werden und zur ewigen Seligkeit zu gelangen.

Damit er durch sein Beispiel zeige, wie man zur sittlichen Reinheit gelangen und die Seele von ihrer groben Hülle loslösen könne, dass sie die Vollkommenheit zu erreichen vermöge, deren sie bedarf, um einzugehen in das Himmelreich, welches unwandelbar ist und worin das ewige Glück herrscht [...].

Dieser für Christen etwas ungewöhnliche Text darf nicht vergessen machen, daß das Leben Jesu im Osten durch die Augen der Buddhisten betrachtet worden ist und in ihrer eigenen Prosa niedergeschrieben wurde. Dennoch zeigt dieses  Beispiel die Fähigkeit der östlichen Kulturen zur Assimilierung deutlich. Nach meiner Meinung ist gerade diese Neigung Ausdruck und Beweis für die auch heute noch bestehenden festen Bindungen zu ihrer eigenen Religion, ohne dass sie versteinerte Strukturen angenommen hätte. Mitleid, Toleranz und Gewaltlosigkeit bestimmen weitestgehend den Alltag dieser Menschen.

Nun kann man diesem Bericht Glauben schenken oder nicht. Tatsache scheint aber für mich zu sein, dass die Aussagen, die die Buddhisten und Jesus Christus treffen auf ein gleiches Ziel hindeuten oder zumindest gleichen Ursprungs sind. Wahr ist auch der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, den beide Religionen postulieren. Gewaltlosigkeit, Mitleid, Toleranz ist der Kern dieser Glaubensrichtungen, wobei der Buddhismus eine genaue Anleitung gibt. Dies fehlt im Christentum. Dazu blieb ihm wohl kaum Zeit.

 

Ich möchte auf meiner Page den Versuch unternehmen, die Dinge und den SINN für mich in Einklang zu bringen. Ich glaube, daß wir alle Suchende sind, die sich auf den Weg gemacht haben - einem uns noch unbekannten Ziel entgegen; Raum um Raum durchschreitend, das Bewusstsein erweiternd, um anzukommen in einer Wirklichkeit, die unbeschreiblich sein sollte. Gerade diese Toleranz, die ich in beiden Religionen zu finden glaube, lässt mich hoffen auf eine Zeit, die alle Schranken in den Köpfen der Menschen fallen lässt und ihnen dann die Möglichkeit eröffnen sollte, einen großen Schritt auf diesen Exitus zumachen zu können. Es ist wichtig, dies nicht nur zwischen den Religionen zu versuchen, sondern auch die Naturwissenschaft und andere Geisteswissenschaften müssen dieses Ziel ins Visier nehmen. Die modernen Gesellschaften brauchen neue Ziele und eine neue Definition der alten Werte, die sich unsere Vorfahren durch Versuch und Irrtum hart erarbeiten mußten.

Dieser gebrochene Prozeß, der jeden Einzelnen und die ganze Menschheit fast zur Erstarrung bringt und uns doch stetig einem uns unbekannten Ziel entgegentreibt, sollte uns den Kampf annehmen lassen. Ohne auf den Gewinn zu warten, ist das Wohl der erste Schritt auf diesem Weg. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.

Vil dicke ich mich gestôzen hân,
dâ ich gar ebene wânde gân.

(Oft stieß ich unvermutet an,
wo ich mich wähnt' auf ebner Bahn.)
Meister Eckhart   

Himmelskunde für das Volk: Die Atmosphäre (Holzstich) Christus-Darstellung aus dem  6. Jahrhundert, Ausschnitt aus einem Mosaik in San Apollinare Nuovo, Ravenna Der Heilige Thomas 

Ein Missionar des Mittelalters berichtet, er habe den Punkt gefunden, wo Himmel und Erde sich berühren; Holzschnitt; erstmals veröffentlicht in: Camille Flammarion: Die Atmosphäre, Paris 1888     http://www.georgpeez.de/texte/flamku.htm

[...] Und wenn ich wiederum sage, dass ja eben dies das größte Gut für den Menschen ist, täglich über die Tugend sich zu unterhalten und über die andern Gegenstände, über welche ihr mich reden und mich selbst und andere prüfen hört, ein Leben ohne Selbsterforschung aber gar nicht verdient, gelebt zu werden, das werdet ihr mir noch weniger glauben, wenn ich es sage. Aber gewiss verhält sich dies so, wie ich es vortrage, ihr Männer; nur euch davon zu überzeugen ist nicht leicht [...]. Platon: Die Apologie des Sokrates

Oder auch so: http://www.kerber-net.de/literatur/deutsch/drama/brecht/gaglilei/lebg8bld.htm

und so: "Einstein, schreiben Sie Gott nicht vor, was er zu tun hat." - Niels Bohr,

und natürlich so: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!" - Johannes 8,31-32

Möglicher Wanderweg JesuJesu Grab in Srinagar, Kaschmir

Anreise und Grabstelle Jesu

R.R

http://www.orden-online.de/  http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kloester/ 

http://www.diegrossestille.de/deutsch/index.html  http://www.ndganagobie.com/

 

... darkness?

 
 
         
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Abendländische Meditation

 

Man vermutet vielfach, Meditation stamme aus dem asiatischen Raum. Dem ist sicher nicht so. Auch in der westlichen Welt wurde und wird diese Methode der geistigen Sammlung stets praktiziert. In den mittelalterlichen Klöstern des Christentums wurden die „geistlichen Übungen“ meditatio (gegenständliche Betrachtung) und contemplatio (gegenstandfreie Anschauung, Kontemplation) zur Sammlung des Geistes überliefert. Besonders in den mystischen Traditionen sollte damit der Verstand und das Denken zur Ruhe kommen, um den „einen Urgrund“ freizulegen. Standardisierte Elemente einer meditativen Praxis finden sich bis heute auch in den Exerzitien von Ignatius von Loyola oder einiger benediktischer und franziskanischer Traditionen.

 

Meditation (lat. meditatio = „das Nachdenken über“; auch in der Bedeutung „zur Mitte ausrichten“ von lat. medius = „die Mitte“) ist eine grundlegende religiöse oder spirituelle Praxis, die in vielen Religionen und Kulturen nachweisbar ist. Mithilfe von Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll der Geist beruhigt und gesammelt werden. Während heute in wesentlichen Ländern die Meditation meist als Methode zur Stressbewältigung und zur Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens praktiziert wird, ist sie insbesondere in östlichen Kulturen eine zentrale religiöse und bewusstseinsverändernde Praxis.

 

Ich möchte hier auf eine Richtung eingehen, die unserer westlichen Denkweise nahe zu liegen scheint.  Herman Weidelener hat in seinem Buch „Abendländische Meditationen“ einen einfachen Zugang beschrieben. Eine kurze Zusammenfassung der grundlegenden Techniken soll stichpunktartig der Einführung in dieses Thema dienen.

 

 

1. Grundsätzliche Herangehensweise

 

Durch geistige Energie, die in der Regel nach außen gewandt ist, kann der Mensch das innere Wesen und seine eigene Struktur erkennen, wenn er sich in die Lage versetzt, diese Energie nach innen zu wenden.

Weidelener geht es weniger um Erkenntnis, als um Freisetzung von Energie als Gegenmittel zur „äußeren Gewalt“ der materiellen Welt. In der westlichen Welt ist der Intellekt vorrangig. Eingebettet in Normen und Zwänge ist die Ausbildung des eigenen Wesens kaum möglich, da Strukturen, Vorbilder und Möglichkeiten fehlen. Versklavung durch die einseitige Teilnahme an der Materiellen Welt ist die Folge. Es geht nicht um Veränderung im „Außen“. Das Verhalten zu den Verhältnissen muß geändert werden. Es geht um innere Schulung. 

W. geht davon aus, dass das Vordringen zum Mittelpunkt jederzeit gelingen kann. Er macht diese Vorstellung an dem Bild eines Rades deutlich. Er spricht vom Raum der Meditation. Zu diesem Raum gehören verschiedene Schulungsansätze, die er nicht linear verstanden wissen will, sondern kreisförmig einem Rad entsprechen angeordnet. Von hier kann das Vordringen zum Mittelpunkt jederzeit gelingen.

 

Was sind nun diese Schulungsansätze? Ihrem Wesen nach sind sie vielfältig. So vielfältig, wie die Menschen sind. Jedem ist ein anderer Zugang zum Mittelpunkt beschieden, der die Samenkapsel, also die Erkenntnis des eigene Selbst und die Beziehung zur Umwelt, zum Zerspringen bringt. Manchen geling es sofort, andere müssen verschiedene Zugänge probieren. Doch das „Durchmachen“ sämtlicher Stufen bedingt eine Weitläufigkeit der Beherrschung und Entfaltung von Kräften, die durch nichts aufgewogen werden kann.

 

 

2.Schulungsansätze

 

2.1.  Die größte Hemmung ist der Zweifel.

 

Grundlage ist die Subjekt-/Objekt-Beziehung. Die erlernte duale Weltsicht. (Subjekt-Objekt-Spaltung (im Bewusstsein) nennt man in der Philosophie die Einteilung des gesamten Daseins je nach der Funktion in handelnde bzw. wahrnehmende Wirklichkeit einerseits (=Subjekt) und behandelte bzw. wahrgenommene Wirklichkeit andererseits (=Objekt)). Die Unterscheidung von „Ich und Anderen“.  Aus buddhistischer Sicht liegt die Lösung in der Betrachtung der wahren Seinsweise der Phänomene.  Kurz in der Erkenntnis der Leere (Durch das Anhaften an die Vorstellung, dass der jeweils erlebte, temporäre Zustand eine Art von unveränderlicher und dauerhafter Seele bildet, entsteht Leiden. Die Lehre von „Anatta“ versucht die Buddhisten zu ermutigen, sich vom unangebrachten Anklammern an das zu lösen, was als fester Wesenskern betrachtet wird. Denn erst dadurch (unterstützt von ethischem Verhalten und Meditation), kann der Weg zur völligen Befreiung Nirvana erfolgreich gegangen werden). W. spricht hier in diesem Zusammenhang von „Herrschaft über die Situation“. Es soll eine Sichtweise erreicht werden, die den Zweifel, geboren aus der dualen Weltsicht, als selbständige Macht neben mir und mich als selbständige Macht neben dem Zweifel erkennt. Buddhistisch würde man sagen: da die Phänomene nicht inhärent existent sind, ist der Zweifel wechselhaft und kann durch den Geist überwunden werden. Gerade in der westlichen Welt scheint der Zweifel aber fest mit dem Denken verbunden zu sein.

 

 

2.2. Überwindung der Unaufmerksamkeit

 

In den Mythologien wird von „Augen auf allen Seiten“ gesprochen. Die Aufmerksamkeit soll auf sich und die Umgebung gerichtet werden. Es soll ein Wechselspiel zwischen den Bedürfnissen des eigenen Selbst, der Umgebung und den Regularien von Selbst und Umgebung entstehen. Bestimmend bleibt jedoch der Aspekt auf das eignen Wesen. Sensibilität, Zartheit und Fingerspitzengefühl sind Errungenschaften der Aufmerksamkeit. Auch wird die eigene Aura und damit die Geschlossenheit des Kraftwesens hergestellt. Die Steigerung der Aufmerksamkeitsintensität und –frequenz ist Ziel dieses Schulungsansatzes. Anders ausgedrückt sollte die Achtsamkeit so gesteigert werden, dass man sagen könnte: er ging mitten durch sie hindurch.

W. macht diese an folgendem Satz fest: innerhalb unserer soziologischen Struktur unserer Zeit ist man ja ganz darauf eingestellt, den anderen am Vorgang der gegenseitigen Störung, des Ins-Auge-Fallens wahrzunehmen. Doch zur Beherrschung der Meditation ist solch eine ausgeprägte Achtsamkeit nicht zwingend erforderlich.

 

 

2.3. Die Trägheit / Mitgefühl / Freigiebigkeit

 

Man kontrolliert sich darauf, wie hoch die Bereitschaft ist, mit der man unberechtigten Forderungen, die an einen gestellt werden, nachgibt. Ganz im Sinne der Bergpredigt: gib dem, der dich bittet; wende dich nicht ab von dem, der dir abborgen will; so dich jemand bittet um den Rock, so gib auch deinen Mantel dazu; so dir jemand nötigt eine Meile, so geh mit ihm zwo.

Folgende Ursache kann für die Erschlaffung angenommen werden: Die Erschlaffung und Erschöpfung des Menschen findet seine Ursache in der Tatsache, dass der Genius (man kann ihn als ein inneres Wirkungsprinzip bezeichnen) vor dem Schicksal der gestellten Forderungen des Tages zurückschreckt oder gar ausweicht. Durch intellektuelle Begründungen weist er die Anforderungen zurück. Kraftverlust oder Depressionen können die Folge sein. Überwindet man die Trägheit im Sinne der Anforderung an die Meditation, so kann sie ein Quell der Freude und Lebenskraft werden.

 

 

2.4. Die Verschlafenheit

 

Der Schlaf und die Verschlafenheit rettet den Menschen vor der Begegnung mit dem Gorgohaupt (Wurzeltiefen des eigenen Selbst). Daraus kann eine Belastung durch das Verschlafensein resultieren (Verdrängung der eigenen Wesensmerkmale). Manch einer hat an entsprechenden Seelennarben keine andere Möglichkeit, als sich zu verleugnen und sich in die Verschlafenheit, Verdrängung, Projektion oder Ablehnung zu flüchten. Nur durch das Annehmen des eigenen Wesens kann man der Verdrängung entgegenwirken. Im christlichen Sinn ist folgende Denkweise möglich: Der Mensch, der in seinem Wesen ein wunderbar leuchtendes, schmetterlinghaftes Wesen ist, verliert in der Menschwerdung seinen ganzheitlichen, überirdischen Glanz. Die Antwort darauf ist Trauer und ein Gefühl des getrennt seins; denn jedes Opfer ist mit Leiden verbunden.

Geht man aber in der hier dargestellten Weise im Sinne der Meditation mit seinem Wesen um, so zeigt sich wohl jedem, der ein wenig Erfahrung in diesem Bereich hat, dass sich zwangsläufig Veränderungen einstellen sollten. Wendet man diese Techniken an, so erzeugen sie innere Freiheit, mit deren Hilfe man in die Lage versetzt wird auch in anderen Lebensbereichen mit mehr Elan Veränderungen oder Klarheit herbeizuführen zu können. Eine Aufwärtsspirale wird erzeugt. Das Schattenhafte verschwindet und das Lichthafte beginnt sich auszubreiten.

 Vorgänge, die sich im Denken abspielen, wirken direkt zurück auf die verschiedenen Teile des als Ganzheit zu betrachtenden Wesens. Also Empfindungen, Gefühle, Triebe, Willensimpulse, die nicht vom Denken zu trennen sind, manifestieren sich dann im gesamten Ausdruck des Menschen. Praktiziert man eine Meditation, die nur auf das Beobachten der Gedanken gerichtet ist, ähnlich dem Kommen und Gehen der Wellen am Strand, so stellt man über kurz oder lang fest, dass die eigene Akzeptanz der auftauchenden Gedanken zunimmt. Man findet nach einiger Zeit immer schneller zu seinem eigenen Fokus zurück und kann Gedanken, die diese Mitte versuchen zu stören, einfach gehen lassen. Es wird nicht umsonst immer wieder von einer Geistesschulung gesprochen. Wesentlich dabei ist, dass eine Verwandlung des Bewusstseins stattfindet.

In der westlichen Welt hat der Mensch eine bestimmte Vorstellung von seinem Bewusstsein. Man kann diese Vorstellung mit dem Bild einer Herde vergleichen. Der Westler versucht immer neue Tiere in seine Herde einzubinden. Neue Begriffe, Vorstellungen, Erkenntnisse und Lerninhalte. Damit wird seine Herde immer größer. In der Meditation geht es allerdings um Anderes. Es geht um Zulassen, Anschauen, Unbefangenheit, Vorurteilslosigkeit. Jede erreichte Selbstlosigkeit in der Hingabe bedeutet eine Erschließung; feine, subtile und differenzierte Schwingungen sind die Folge. Jesus gibt eine einfache Regel vor: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das übrige zufallen.“ Wer wagt nach diesem Wort in der Realität zu leben? Doch macht man ernst damit, dann wird man überraschende Fortschritte erleben. Setze ich mich mit diesen Worten meditativ auseinander, so folgen sie mir nach. Denn in dem Augenblick, in dem ich mich in der Meditation damit beschäftige, mich mit ihnen verbinde und damit in die Wahrheitsbeziehung trete, in dem Augenblick folgen auch die Dinge nach. Man wird durch die Entwicklung eines meditativen Bewusstseins für die Dinge attraktiv.  Eine Spekulation auf diese Erfolge jedoch verdirbt das Ganze.

 

 

2.5. Der Gehalt der Schrecksekunde

 

Wie hätte ich mich wohl verhalten, wenn die Benommenheit der Schrecksekunde mich nicht ergriffen hätte? Auch hier geht es im Grunde um Achtsamkeit mit Projektion in die Zukunft. Erschrecken erzeugt Verwirrung. Dem kann man entgegenwirken, indem man sich übt, bestimmte Situationen im Kopf durchzuspielen. Es soll nicht geplant werden. Allerdings versucht man die Durchschlagskraft des Schreckens zu durchschauen. Erwartung (nicht Planung) erzeugt Besonnenheit. Beispiel: Mit Gelassenheit kann man am Abend versuchen, sich auf das Schrillen des morgendlichen Weckers vorzubereiten. Mit etwas Übung erreicht man, dass man nicht aus seinen Träumen gerissen wird. Dies ist eine Übung, die dem Mensch eine große Gelassenheit und Heiterkeit vermittelt.

 

 

2.6. Erlangen des seelischen Gleichgewichts

 

Das heißt, dass einen weder Freude noch Trauer oder Schmerz aus dem Gleichgewicht bringen sollte. Diese Übung ist relativ leicht, denn dem menschlichen Wesen macht es Freude in dieser Waage zu stehen.

 

 

2.7. Überwindung der Schwefälligkeit

 

Mit Schwerfälligkeit ist hier die im Denken gemeint. Sie stellt im meditativen Raum ein großes Hindernis dar. Durch die Abschweifung der Gedanken kommt es zum Verlust des Meditationsobjektes. Die Schwerfälligkeit der Gedanken kann durch folgendes Bild beeinflußt werden: In der Meditation sollten die Gedanken wie Schmetterlinge sein, die umherflattern, aber immer wieder die gleiche Blume besuchen. Ohne Zwang kommt man immer wieder zum Meditationsobjekt zurück. Um dies zu erreichen, kann außerhalb der Meditation das Auswendiglernen von Texten helfen.

 

 

2.8. Handhabung der Energie

 

Der Weg der Mitte ist anzustreben. Weder sinnlose Geschäftigkeit noch Pflegmatismus sind anzustreben. Achtsamkeit in Bezug auf die eigenen Energierecourcen ist wichtig.

 

 

2.9. Überwindung der Zerstreutheit

 

Der westliche Mensch hat heute keine Schwierigkeiten, sich der Zerstreuung hinzugeben. Es fehlt ihm nicht an Angeboten. Scharf ins Auge gefaßt sollte die Zerstreuung sein.

 

 

2.10. Selbstversunkenheit

 

Ich möchte an dieser Stelle mit Hesse sprechen: "Es ist der stetige Wechsel zwischen Vita activa und Vita conpemplativa."

 

 

2.11. Bei allen oben angeführten Punkten geht es umstetiges Ringen und nicht um Überwindung.

 

 

3. Das Spiel mit der Quecksilberkugel

 

 

 

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