Indien


INDIEN, der andere Kontinent

Flagge IndiensIndisches Wappen

भारत गणराज्य
Bhârat Ganarâjya
(Hindi)

Wahlspruch: Satyameva Jayate
Sanskrit, „Allein die Wahrheit siegt“

Heute Abend magisches Theater. Eintritt nicht für jedermann. Nur für Verrückte

     Dal - See

Gandhistatue

 


 

 „Ich bin seit vielen Jahren davon überzeugt, dass der europäische Geist im Niedergang steht und der Heimkehr zu seinen asiatischen Quellen bedarf. Ich habe jahrelang Buddha verehrt und indische Literatur schon seit meiner frühesten Jugend gelesen. Später kamen mir Lao Tse und die andern Chinesen näher. Zu diesen Gedanken und Studien war meine indische Reise bloß eine kleine Beigabe und Illustration.“ H. Hesse 1919

Hesse glaubte an "eine Religion außerhalb, zwischen und über den Konfessionen, die unzerstörbar ist". Dabei blieb er stets skeptisch gegenüber Dogmen und Lehren. Er schreibt: "Ich glaube, eine Religion ist so gut wie die andre. Es gibt keine, in der man nicht ein Weiser werden könnte, und keine, die man nicht auch als dümmsten Götzendienst betreiben könnte."

          Die Damen          Die Herren          Das Essen

 

     Katakali - Tänzer          Die Musiker          Die Zukunft

 

     Die Ankunft in Bombay          Mysore Palast bei Nacht       

 

     Bangalore Tempel          Tut Tut    

 

     Where do you come from?          Goa, war toll    

 

     Da ist Krieg, leider          Horn please

 

     respect me, please          Nee, is klar

 

Nelliampathi-Berge in den Westghats     Kerala, die Westgahts

 

Chinesische Fischernetze in Kochi     Ja, Ja, die Chinesen (von den Chinesen übern. Technik)

 

Hausboot auf den Backwaters     Die Backwaters sind traumhaft. Einfach fragen,

die Leute nehmen euch mit, auch auf anderen Booten, die nicht so teuer sind.

 

Typisches Bild am Kanalrand: Einwohnerin bei der Wäsche     Typisch Backwaters. Am Tag sind Mücken kein Problem. Doch am Abend keine Lampen!!!

Mehr davon? Look here, no Problem http://commons.wikimedia.org/wiki/Kerala_backwaters

Leider vermitteln die Bilder nicht den realen Eindruck. Es ist viel besser. Spielende Kinder im Wasser, die freundlich

winken. Schwer beladene Boote, angetrieben durch human power. Wechsel zwischen Seen und engen Duchfahrten.

Der Duft Asiens und der Subtropen.

More stuff....

           

 

 Money makes the World go around.


  

http://www.travelling.be/ ein Reisebericht (sehr schön gemacht!)

http://www.hansaroundtheworld.com/ (große, gut aufgelöste Bilder)

http://www.my-india.net/

http://indiatimes.com/

  

   Outlook

 The TATA - Company

Sommer-Hatz-Diesel ENFIELD Summer-Hatz-Diesel. Habe mit jemandem gesprochen,

der kauft sich immer 1.5l Rapsöl beim Discounter. Kesselt gut, sagt er. 0.79 ct/l !!!!!!!

Royal Enfield aus indischer Produktion 2006    500er. Soll aus 2006 stammen? Aber made in India und ein satter Sound.

   Achtung Werbung. http://www.zmtgmbh.de/html/bullet_350.htm

http://www.zmtgmbh.de/Video/royal_enfield.wmv     Video - haben wollen.

     Genug mit Werbung!

 


 

Jetzt kommen die harten Sachen. ACHTUNG!

Ex-Rucksacktouristen begeistert: "In Goa sind wir hängen geblieben!"Indien wird immer wieder von verschiedenen Naturkatastrophen heimgesucht, besonders Überschwemmungen, die während des Sommermonsuns durch extreme Niederschlagsmengen im ganzen Land auftreten können. Während der trockenen Jahreszeit oder bei Ausbleiben der Monsunregenfälle kommt es dagegen häufig zu Dürren. Zyklone und dadurch bedingte Flutwellen an der Ostküste kosten oft viele Menschenleben und richten verheerende Schäden an. In einigen Gebieten besteht auch erhöhte Erdbebengefahr, betroffen sind vor allem der Himalaya, die Nordoststaaten, Westgujarat und die Region um Mumbai. Im Dezember 2004 verursachte ein Seebeben im Indischen Ozean einen verheerenden Tsunami, der an der Ostküste und auf den Andamanen und Nikobaren 7.793 Menschenleben forderte und schwerste Verwüstungen anrichtete.

 

Auftreffen des Tsunami vom 26. Dezember 2004 auf die Küste Thailands    Love and peace for ASIA

(Auftreffen des Tsunami vom 26. Dezember 2004 auf die Küste Thailands)

Am 26. Dezember 2004 wurden durch ein Erdbeben im Indischen Ozean (9,0 auf der Richterskala) und die dabei entstehenden Tsunamiwellen auf den Andamanen und Nikobaren verheerende Schäden angerichtet und tausende Bewohner getötet. Die Anzahl der Inseln hat sich dadurch verändert. Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist für das Unionsterritorium noch nicht abzusehen.

Nach offiziellen Angaben starben in Indien 12.405 Menschen, drei Viertel davon waren Kinder und Frauen. 5640 Menschen gelten als vermisst. Zahlen über Verletzte liegen nicht vor. Nach Angaben der indischen Regierung gelten 2,79 Millionen Menschen als von der Katastrophe betroffen. Mehr als 235.000 Häuser wurden zerstört. Die indische Regierung gibt die entstandenen Schäden mit umgerechnet 2,15 Milliarden Euro an.

http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/hoffnung-waechst-von-unten.wmv in dem Zusammenhang Meeresspiegelanstieg in Bangladesch und den Niederlanden

Slum in Mumbai    

Ich habe vom Gateway of India bis zum Rand vom Mumbai ca. 1.5h benötigt. That`s India too.

Demonstration der kommunistischen Partei CPI (M) in Agartala (Tripura)     Die größte Demokratie der Welt. Respekt.

Die Republik Indien ist das größte Land Südasiens und mit 1,08 Milliarden Menschen die bevölkerungsreichste parlamentarische Demokratie der Welt. Indien ist mit 3,3 Millionen Quadratkilometern etwa so groß wie die Europäische Union. Wirtschaftlich gilt Indien als erwachender Tiger. 1998 stieg Indien zur Atommacht auf, was die Außenbeziehungen erheblich belastete. Indien verfügt über eine Mittelschicht von knapp 30 Millionen Menschen mit ansehnlicher Kaufkraft. Dem steht die große Mehrheit, insbesondere die Landbevölkerung gegenüber, die am Wirtschaftskreislauf kaum teilnimmt. Etwa ein Drittel der über eine Milliarde Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als ein Viertel der Inder sind Analphabeten.

Nach Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auch wenn die Ernährungssituation seit den 1970er Jahren entscheidend verbessert werden konnte, ist noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich eine ausreichende Ernährung leisten zu können. Unter- und Fehlernährung (z.B. Vitaminmangel) ist vornehmlich in ländlichen Gebieten ein weit verbreitetes Problem, wo der Anteil der Armen besonders hoch ist. So wird etwa Kinderarbeit hauptsächlich auf dem Land geleistet, da das Einkommen vieler Bauernfamilien nicht zum Überleben ausreicht. Hoch verschuldete Bauern müssen oft nicht nur ihr Ackerland verkaufen, sondern auch ihre Dienstleistungen an die Grundherren verpfänden. Dieses als Schuldknechtschaft bezeichnete Phänomen stellt bis heute eines der größten Hindernisse in der Armutsbekämpfung dar. Die schlechten Lebensbedingungen im ländlichen Raum veranlassen viele Menschen zur Abwanderung in die Städte (Landflucht). Dabei sind die wuchernden Metropolen des Landes kaum in der Lage, ausreichend Arbeitsplätze für die Zuwanderer zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis sind hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Fast ein Drittel der Einwohner der Millionenstädte lebt in Elendsvierteln. Dharavi in Mumbai ist mit mehr als einer Million Menschen der größte Slum Asiens.

 

Soziales

Die Lebenserwartung eines Neugeborenen erhöhte sich von 32 Jahren (1951) auf 60,4 Jahre für Männer und 61,2 Jahre für Frauen (1992/93); in anderen asiatischen Ländern, wie China und Sri Lanka, ist die Lebenserwartung um fast 10 Jahre höher. Es herrscht Männerüberschuß: auf 1.000 Männer kommen (1991) 927 Frauen.

Die Bevölkerungsdichte wuchs von 178 Einw./km2 (1971) auf 257 im Jahre 1991. Besonders dicht besiedelt sind Westbengalen mit 766 Einw./km2 und Kerala mit 746 Einw./km2, in Arunachal Pradesh sind es nur 10 Einw./km2. Die Urbanisieung ist noch niedrig im internationalen Vergleich: 26 % der Einwohner leben (1991) in den Städten.

[...] Strotzend vor Stolz auf den Aufschwung suchen nun immer mehr indische Unternehmen ihr Glück im Ausland: der Stahlkonzern Mittal, der Software-Gigant Infosys oder Reliance Industries, Indiens größter Privatkonzern. Chef Mukesh Ambani hat für Indien ein neues Nationalsymbol geschaffen. Innerhalb von vier Jahren hat er in Jamnagar die weltweit größte Raffinerie errichtet, die jemals auf der grünen Wiese gebaut wurde. "Eine Vision, ein Traum", nennt er die fast vollautomatische Anlage. Auf ihrer Fläche ließ er vier Millionen Bäumen pflanzen: Mangos, Kiwis, Kirschen - alles ohne Pestizide. Dieser Garten Eden soll der Welt zeigen, daß Indiens Zukunft mit dem Image von grenzenloser Armut nichts mehr zu tun hat. Indien soll so wie Jamnagar werden: wettbewerbsfähig, effizient, blühend [...]. DW2006

Aber wir sind nicht unschuldig und schon gar nicht besser.

Mitglied werden?

Denn der Westen hat doch tatsächlich versucht, den indischen Bauern dieses tote Korn und Reis aufzuschwatzen.

Im Jahr danach gab es viele, die sich das Leben nahmen. Der versprochene Ertrag blieb aus. Die Bekämpfung der

Schädlinge verschlang die Rücklagen. Und neues Saatgut mußte gekauft werden.

Menschen, Nahrung, Industrie  no Problem...

 

  

12.05.2006

Indien: Große Probleme mit genmanipulierter Baumwolle

"In Indien haben sich mehr als 40'000 Bauern im letzten Jahrzehnt umgebracht. Mehr als 90% der Bauern, die in Andhra Pradesh und Vidharba in der 2005 Baumwollsaison Selbstmord begingen, haben genmanipulierte Bt-Baumwolle angepflanzt," rechnet die Ökologin und Wissenschaftlerin Vandana Shiva vor. Der Grund seien katastrophale Erträge und hohe Schulden. Eine Studie belegt, dass 2005 die gesamten Verluste von Andhra Pradesh über 80 Mio$ betrugen. Die Bearbeitungskosten von Gentechbaumwolle waren 67% höher als die von IP-und Bio-Baumwolle, die Erträge 37% tiefer."

DER DOKUMENTARFILM:
Leben außer Kontrolle - Von Genfood und Designerbabies

[...] In Indien stehen viele kleine Bauern vor dem Ruin, weil ihnen die 2002 erstmals zugelassene gentechnisch veränderte Baumwolle von Monsanto eine katastrophale Ernte beschert hatte. Als einzigen Ausweg aus der Schuldenfalle sehen Tausende von Bauern nur noch den Selbstmord. Die promovierte Physikerin, Autorin und Kämpferin für die Umwelt Vandana Shiva engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für die indischen Kleinbauern und die Erhaltung der biologischen Artenvielfalt. Sie sammelt traditionelles Saatgut und gibt es an Bauern weiter. Vandana Shiva ist strikt gegen jegliche Patentierung von Nahrungsmitteln. Mit privatem Geld hat sie vor etwa 15 Jahren die Versuchsfarm NAVDANYA gegründet [...]. http://www.swr.de/das-erste/doku/20040714index.html

 

Vandana Shiva ist eine der bekanntesten indischen Bürgerrechtlerinnen

[...] In Indien ist der Widerstand gegen die kapitalistische Globalisierung seitens der Gewerkschaften, der Bauern und selbst im Parlament sehr stark. Deshalb war es uns lange gelungen, auf demokratischem Weg einige der Schlüsselinstrumente der WTO zu blockieren, wie die Besitzrechte auf intellektuelles Eigentum, den Handel mit Wasser oder die Zerstörung der Ernährungssicherheit. Die Regierung hat dann aber im vergangenen Jahr viele Regelungen innerhalb sehr kurzer Zeit, vor allem während der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen im Unionsstaat Gujarat, durchgeboxt. Der "Krieg gegen den Terrorismus" diente als Rechtfertigung und Schutz für all diejenigen, die die Muslime verfolgt haben. Die Auseinandersetzungen erzeugten eine Rauchwolke, hinter der die Privatisierung von Wasser, der Handel mit genetisch veränderten Organismen, der Ausverkauf der öffentlichen Dienstleistungen und Patente auf Leben erlaubt wurden. Das bedeutet, das Aufkommen von Fundamentalismus und Kommunalismus bereitete der konzerngeleiteten Globalisierung den Weg [...]. http://www.suedasien.net/themen/interviews/vandana_shiva.htm

"Er sagte: "An einem einzigen Tag werde ich gezwungen, ein Dutzend Filmlieder zu hören,

zwanzig Bettler zu sehen, unzählige Bettler zu berühren, unriechbare Gerüche zu riechen,

meine bittere Heimatstadt zu schmecken."

Er sagte: "Ich werde von den fünf Sinnen gezwungen, die fünf Sinne zu fürchten."

Ich ließ ihn ausreden. Mit düsterer Wortlosigkeit."

Nissim Ezekiel, 1976

 


LINKS Newsletter INDIEN     Travelworks    nanana (eben so sind sie nicht!)     Grenzgang    Kultur in Asien.de     Ursprünge der indischen Kultur     Der Hinduismus Indiens     Indische Phylosophie     Hussein in Kalkutta     Themenportal INDIEN     Neru zum Tode Gandhis     Widerstand ohne Gewalt     Open Travellers Club     times of india photogalery    

 


 Globale Gerechtigkeit

Amartya Sen

Der 1933 in Bengal (Indien) geborene Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen wurde für seine Forschungen über die "Wohlfahrt" von Gesellschaften mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er 1998 den Nobelpreis für Wirtschaft, und 1999 wurde ihm der höchste zivile Staatsorden Indiens, der Bharat Ratna, verliehen. Sen hat einen Lehrstuhl an der Harvard-Universität inne und unterrichtet an verschiedenen Universitäten in Indien und Europa. Bahnbrechend sind seine Forschungen zur Interdependenz von Wirtschaft und individueller Freiheit beziehungsweise Demokratie und zur Armutsbekämpfung.

So sieht er die Ursachen für die Hungersnöte nicht nur in Geldmangel und katastrophalen Versorgungsdefiziten, sondern beschreibt äußerst nuanciert die sozioökonomischen Faktoren, die die Armut zementieren beziehungsweise relativieren können. Dennoch ist Sen kein Verfechter des "aktiven Staates". Neben theoretischen Konzepten entwickelte Sen auch empirische Maße zur Bewertung der Wohlfahrt eines Landes im internationalen Vergleich. So sind die von der UNO verwendeten Wohlfahrtsindikatoren maßgeblich von Sen beeinflusst. Siehe auch:

 http://them.polylog.org/3/fsa-de.htm 

 

 

Globale Gerechtigkeit Mehr als internationale Fairness

»Globale Fairness bzw. Gleichheit wird manchmal mit internationaler Fairness gleichgesetzt. Dennoch sind die beiden sehr unterschiedlich.« SEN

 

Definition Urzustand: In diesem hypothetischen Urzustand, einem imaginären Status ursprünglicher Gleichheit (equality), kommen Individuen durch kooperative Handlungen zu Regeln und Leitprinzipien, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, wer sie letztlich sein werden (so dass sie sich bei der Auswahl sozialer Regeln nicht von ihren Eigeninteressen beeinflussen lassen, die an ihre aktuelle Situation geknüpft sind, wie z.B. ihr jeweiliges Einkommen und finanzielles Vermögen). SEN

 

Umfassender Universalismus. Der Bereich der Ausübung von Fairness umfasst hier alle Menschen überall zusammengenommen, und das Mittel des Urzustands wird in einer hypothetischen Ausübung angewandt, in der Auswahl von Regeln und Prinzipien einer Gerechtigkeit für alle, ohne Unterscheidung ihrer Nationalität oder andere Klassifizierungen. SEN

Nationaler Partikularismus. Der Bereich der Ausübung von Fairness betrifft jede Nation einzeln, und das Mittel des Urzustands wird dementsprechend angewandt, während die zwischenstaatlichen Beziehungen durch eine zusätzliche Ausübung unter Einbindung internationaler Gleichheit (equity) geregelt werden. SEN

Ich argumentiere derzeit, dass keine dieser beiden Konzeptionen – weder ein umfassender Universalismus noch ein nationaler Partikularismus – uns ein adäquates Verständnis der Anforderungen der globalen Gerechtigkeit bieten kann, und dass eine dritte Konzeption vonnöten ist, die die Pluralität der bestehenden globalen Beziehungen angemessen berücksichtigt. SEN

»Sen scheut vor einer genauen Klärung der 'Ursachen' der Armut zurück – vielleicht, weil er das intellektuelle Milieu kennt, in dem er sich bewegt. Er analysiert das Problem stets nur partiell; er wendet sich den 'Tatsachen' zu und studiert die Kriterien der Bewertungsmaßstäbe; doch niemals geht er auf das Problem ein, dass die Armut – sowohl absolut wie relativ – möglicherweise einen strukturellen Ursprung hat.«Enrique Dussel (In dieser Nummer, 34)

Individuen leben und handeln in einer Welt von Institutionen, von denen viele über Grenzen hinweg arbeiten. Unsere Möglichkeiten und Aussichten hängen stark davon ab, welche Institutionen existieren und wie sie funktionieren. SEN

Was meint er damit? Eine weltweite Einigung auf Wertemaßstäbe scheint von nöten. Wie soll das gehen? Meiner Meinung nach nur über einen Konsens von Wissenschaft, Philosophie, Ethik, Religion und Wirtschaft. Sie gemeinsam müssen ein Leitbild schaffen. Bei gleichzeitig funktionierenden Institutionen...

Er hat sicher Recht. Ein Gleichklang von Individuen, Regionen, Nationen usw. -bis hin zum Gesamtbild einer neuen Struktur. R.R

»Der Ausgangspunkt dieser Position – ich werde sie 'plurale Einbindung' nennen – kann die Anerkennung der Tatsache sein, dass wir alle multiple Identitäten haben und jede dieser Identitäten Sorgen und Forderungen erzeugen kann, die Sorgen oder Forderungen anderer Identitäten signifikant ergänzen oder mit ihnen ernsthaft konkurrieren können.« SEN http://them.polylog.org/6/index-en.htm oder http://them.polylog.org/3/fsa-de.htm

In "Denken erlaubt" http://www.arte-tv.com/de/kunst-musik/denkenerlaubt/628944.html formulierte SEN "multiple Identitäten" so:

Morgens Lehrender, Mittags in`s Museum und am Abend kümmert man sich um die Schafe.


 

Indische Philosophie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Portal Philosophie

Die indische Philosophie gehört zu den ältesten philosophischen Traditionen der Welt. Sie geht zurück auf die Veden ("Wissen"), eine Sammlung von geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religiösen Texten. Auf dieser Grundlage entwickelten sich neben dem Hinduismus weitere Strömungen: die wichtigsten sind der Buddhismus und der Jainismus, dem die Achtung vor dem Leben ahimsa besonders wichtig ist.

 

Die indische Philosophie beginnt da, wo die europäische Philosophie endet - mit einer Untersuchung über die Natur des Wissens und über die Grenzen der Vernunft; sie beginnt nicht mit der Physik des Thales oder des Demokrit, sondern mit der Erkenntnistheorie Lockes oder Kants. (Will Durant Das Vermächtnis des Ostens)

 

AHIMSA

Ahimsa (Sanskrit, f., अहिंसा, ahiṃsâ, nicht-gewaltsam) bedeutet Gewaltlosigkeit und ist eine der wichtigsten ethischen Grundlagen im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus. (Sanskrit (संस्कृत, n., saṃskṛta, von sam "zusammen" und kṛta "gemacht", wörtl: "zusammengefügt", saṃskṛtâ vâk: "zusammengesetzte Sprache") ist die Sprache der ältesten indischen Literatur, der Veden und spielt vor allem im Hinduismus eine wesentliche Rolle. Sanskrit ist die klassische Sprache der Brahmanen, die erstmals von Panini im 4. Jahrhundert v. Chr. systematisiert wurde.)

 

Alle heiligen Schriften und Legenden der Hindus lehren eindringlich Ahimsa, das Prinzip des Nichtverletzens. Verschiedene Schriften beschäftigen sich mit den grundsätzlichen Tugenden des Einzelnen, die aber in ihrer Beschreibung sehr variieren können. Immer jedoch gehört Ahimsa dazu. Im Patanjali Yoga, dem klassischen Yogalehrbuch, gehört Ahmisa zur ersten von acht Stufen, die einen Yogi ausmachen.

 

Die Interpretation des Gebotes jedoch kann sehr unterschiedlich sein: Für viele bedeutet es ein absolutes Verbot zu töten und folglich gehört dazu strenger Vegetarismus. In einem alten hinduistischen Rechtsbuch, dem Manusmriti etwa heißt es: "Man bekommt kein Fleisch, ohne Lebewesen zu verletzen; die Tötung von Lebewesen aber führt nicht in den Himmel, darum soll man das Fleisch meiden."

Andere dagegen sehen keinen Verstoß des Gebotes darin, Tiere unter Umständen zu Nahrungszwecken zu töten. Auch gibt es heute noch vereinzelt Tieropfer, für die meisten Hindus ein Gräuel, für die Opfernden jedoch kein Vergehen gegen Ahimsa. Einen Widerspruch könnte man auch in der Bhagavadgita annehmen: Beginnt die Ausgangsgeschichte auch auf einem Schlachtfeld, so ist das oberste Ideal trotzdem der Frieden. Nach intensiven, aber erfolglosen Verhandlungen (im Mahabharata beschrieben) den Krieg zu vermeiden, fordert der göttliche Krishna den Fürsten auf, zu kämpfen und die Gegner zu töten, „....denn sie wurden bereits von mir getötet". Hier wird der Kampf nicht als Widerspruch zu Ahimsa gesehen, denn in der weiteren Folge lehrt Krishna, wie äußerer Frieden durch den inneren Frieden erreicht werden kann. Im weiteren Text führt er die fünf wichtigsten Tugenden an, zu denen ausdrücklich Ahimsa gehört.

Unbedingten Verzicht auf Gewalt jedoch fordert Krishna im einem anderen Buch, dem Bhagavatapurana von seinem Freund und Schüler Uddhava: "Wenn du von jemandem schlecht behandelt wirst, sollst du nicht Böses mit Bösem vergelten. Gib Gutes zurück!" Uddhava war Philosoph, der Fürst dagegen musste das Land verteidigen, Ahimsa konnte darum nicht für beide dasselbe bedeuten.

Auch das Mahabharata fordert an vielen Stellen auf Gewaltverzicht: "Man soll niemals Schlechtes für Schlechtes zurückgeben, sondern ehrenhaft gegen jene handeln, die einem Böses angetan haben".

Für die meisten Hindu-Weisen gehört jede Vorstufe schon zur Gewalt, jede Kränkung durch Worte und selbst böse Gedanken. So betrachtet umfasst Ahimsa mehr als Verzicht auf Gewalt, positiv ausgedrückt bedeutet es Güte und Rücksicht gegenüber jedem Lebewesen.

Der im Westen bekannteste Verfechter des Ahimsa-Prinzips war Mahatma Gandhi. Seine Politik des gewaltlosen Widerstands gegen die britische Kolonialherrschaft bezeichnete er als "Satyagraha", "Festhalten an der Wahrheit". Dazu gehörte nicht nur absolute Gewaltlosigkeit, sondern ebenso bestimmte Diätvorschriften sowie Bedürfnislosigkeit. Er propagierte die hinduistische Auffassung wonach Verzicht auf Gewalt nicht schwächt, sondern im Menschen eine unüberwindliche Kraft entwickelt, durch die der Gegner überwunden werden kann.

Manche Spekulationen gehen davon aus, dass Mahatma Gandhi in seiner unbeirrten Haltung durch die Lehren der Jains, in deren Nachbarschaft er aufwuchs, beeinflusst war.

 

Das AHIMSA- Prinzip des Mahatma Gandhi

"Satyagraha"

Satyagraha ist eine von Mahatma Gandhi entworfene Strategie, die im Kern darauf beruht, die Vernunft und das Gewissen des Gegners anzusprechen durch

die eigene Gewaltlosigkeit (non-violence, Ahimsa) und

die Bereitschaft, Schmerz und Leiden auf sich zu nehmen (soul force).

Hintergedanke ist, den Gegner "umzudrehen", ihn als Verbündeten und Freund für die eigene Sache zu gewinnen. Diese Strategie gründet sich auf die Idee, dass der Appell an Herz und Gewissen des Gegners effektiver ist als ein Appell, der sich auf Drohungen oder Gewalt stützt. Gewalt führt nach Gandhi - ggf. mit zeitlicher Verzögerung - nur zur Verdoppelung von Gewalt. Gewaltlosigkeit dagegen unterbricht die Gewaltspirale und ist in der Lage, den Gegner auf die eigene Seite zu ziehen (Gandhi, Non-Violent Resistance (Satyagraha), S. iii Editor's Note).

Gandhi sieht Satyagraha nicht als eine Waffe der Schwachen, sondern als eine Waffe der geistig Stärksten.

Inhaltsverzeichnis zu Satyagraha

 

 

Die Satyagraha-Normen von Mahatma Gandhi

1. Befolge Ahisma im Gedanken und Sinn!
Du sollst deine gewaltlosen Handlungen aus einer gewaltlosen Gesinnung ent-springen lassen. Deshalb versuche, so zu leben, dass du lernst, keinen Hass gegen jemanden zu empfinden, sondern deinen Nächsten wie dich selbst zu lieben.

2. Identifiziere dich mit denen, für die du kämpfst!
Du sollst dich mit der Gruppe identifizieren, für die du kämpfst, damit du gefühlsmäßig und intellektuell die Umstände und Verhältnisse so zu erleben vermagst, wie sie das einfache Gruppenmitglied erlebt.

3. Gib dem Kampf einen positiven Inhalt!
Du sollst dich in deinem Kampf nie damit betrügen, die bestehenden Institutionen oder Gesichtspunkte niederzureißen, sondern immer versuchen, diesen Teil der Aktion mit konstruktiven Unternehmungen zu kombinieren.

4. Dehne nicht das Ziel des Kampfes aus!
Du sollst nicht die Zielsetzung der einzelnen Satyagraha-Aktion ausdehnen, un-abhängig davon, wie der Kampf und die äußeren Verhältnisse sich entwickeln.

5. Schenke deinem Gegner Vertrauen!
Du sollst immer an deinem Gegner so handeln, wie du an Mitgliedern deiner eigenen Gruppe gehandelt hättest, und wie du wünschst, dass andere an dir handeln sollen.

5a. Begegne dem Gegner persönlich!
Du sollst dein Zutrauen zum Gegner dadurch zum Ausdruck bringen, dass du willig bist, ihm persönlich zu begegnen oder ein persönliches Verhältnis zu ihm zu Stande zu bringen, ebenso aufrichtig, wie du es mit einem von deiner eigenen Gruppe tun würdest.

5b. Beurteile nicht andere härter als dich selbst!
Du sollst weder ethisch noch intellektuell dem Gegner einen niedrigeren Rang als dir selbst beimessen, sondern an ihm so handeln als wenn er wenigstens ebenso hohe ethische Motive und wenigstens ebenso intelligente Analysen der Lage hät-te wie du selbst. Und beurteile ihn mit Rücksicht auf alle mildernden Umstände, die die äußeren Ereignisse geben können.

6. Sei zum Kompromiss bereit!
Du sollst bereit sein, durch Verhandlungen mit dem Gegner Kompromisse zu schließen, wenn es zu einem Verhältnis zwischen euch führen soll, das einen besseren Ausgangspunkt für dauernde Zusammenarbeit gibt, und wenn du nicht durch den Kompromiss Normen der Ahimsalehre brichst.

7. Du sollst nicht töten!
Du sollst vermeiden, körperliche Gewalt gegen irgendein lebendes Wesen zu üben oder dies zu beabsichtigen, wenn es nicht zum Besten des Wesens dient, wenn es undenkbar ist, dass sich das lebende Wesen über seine Lage klar ist, und wenn es in einem gewaltlosen Sinne geschieht.

8. Zwinge den Gegner nicht – wandle seinen Sinn !
Du sollst in einer Konfliktsituation so handeln, dass du den Gegner nicht in eine Lage bringst, wo dein persönliches Furchtmotiv seinen Handlungen zu Grunde liegen wird, sondern versuche, auf ihn so einzuwirken, dass ein Verhalten der Satyagraha-Gruppe für ihn ein annehmbares Verhalten werden kann.

8a. Richte den Kampf gegen die Sache, nicht gegen die Person!
Du sollst, wenn es überhaupt möglich ist, vermeiden, den Gegner persönlich mit deinem Satyagraha-Kampf zu treffen, sondern den Kampf in einer solchen Weise gegen den Übelstand richten, den der Gegner dir verursacht hat, dass der Gegner ihn als einen Kampf gegen eine Sache und nicht gegen seine Person auffassen kann.

8b. Nütze nicht die Schwächen des Gegners aus!
Du sollst aus schwierigen Lagen des Gegners keine Vorteile ziehen, wenn die Lagen Ursachen haben, die außerhalb des Konfliktes liegen. Lasse den Gegner fühlen, dass der Druck, dem er sich ausgesetzt hat, nur eine Folge des Unrechts ist, das es deiner Gruppe antut.

8c. Provoziere den Gegner nicht!
Du sollst Handlungen vermeiden, die dadurch eine Ausdehnung des ursprünglichen Konfliktstoffes zur Folge haben, dass der Gegner in Situationen gebracht wird, in denen er voraussichtlich besonders herabwürdigende Handlungen begehen wird. Sondern du sollst so handeln, dass die Situation, in die du den Gegner bringst, direkte Folge der ursprünglichen Konfliktlage und der Ahimsa-Norm ist.

9. Wähle Mittel, die dem Ziel entsprechen!
Du sollst Mittel wählen, die logisch und sachlich mit deiner Konfliktsituation zusammenhängen und die dem Gegner so deutlich wie möglich das zeigen, was du als Konfliktstoff auffasst.

9a. Feilsche nicht!
Du sollst nicht bereit sein, dir ein Verhalten des Gegners dadurch auszuhandeln, dass du ihm ein Verhalten auf einem anderen Gebiet anbietest, sondern versuche zu bewirken, dass sowohl du selbst als auch der Gegner ein Verhalten um dessen Willen selbst vertritt.

9b. Sei nicht abhängig von einer Hilfe von außen!
Du sollst nur Satyagraha üben, um deiner eigenen Gruppe zu helfen, und von Personen oder Gruppen von außen keinen Rückhalt annehmen, die der Gegner nicht mit dem betreffenden Konflikt direkt in Verbindung sieht, und die nicht von dem Konflikt direkt betroffen sind.

10. Sei opferbereit!
Du sollst bereit sein, alle deine physischen und geistigen Kräfte einzusetzen im Kampf für die eine Sache, an die du glaubst, und um deinen Mitmenschen dienen zu können, wenn nötig mit deinem eigenen Leben als Einsatz. Du sollst es aber um der Sache und deiner Mitmenschen selbst Willen tun, nicht um des Opfers Willen.

11. Befolge Ahimsa im Reden und Schreiben!
Du sollst bestrebt sein, im Reden und Schreiben die Wahrheit zu sagen, die volle Wahrheit, und nichts anderes als die Wahrheit, und du sollst es in einer solchen Weise tun, dass es deutlich wird, dass du dich nur gegen die Gesichtspunkte und Handlungen des Gegners wendest, nicht gegen ihn selbst. Und so dass der Gegner deine Worte als Ausdruck eines Wunsches nach Zusammenarbeit, nicht nach Kampf auf längere Sicht empfindet.

11a. Lebe dich in die Gesichtspunkte des Gegners ein!
Begegne dem Gegner im Meinungsaustausch mit einem Maximum von Einfühlung in seine Lage, seine ausgesprochenen Meinungen, seine Entscheidungsgründe, und wähle – innerhalb der Grenzen der Billigkeit – immer die Interpretation, die der Darlegung des Gegners das größte Gewicht als Antwort auf deine eigene gibt.

11b. Verbirg deine Pläne nicht!
Du sollst ehrlich und offen handeln und deine Pläne dem Gegner darlegen, so dass er zu jeder Zeit wissen kann, was du zu tun beabsichtigst, und sich danach richten kann.

11c. Gestehe deine Fehler ein!
Du sollst immer bereit sein, die Fehler, die du begehst, einzugestehen, sowohl deiner Gruppe wie dem Gegner gegenüber, auch wenn ein solches Geständnis eine zeitweilige Schwächung der eigenen Position mit sich führt, vom Gesichtspunkt deiner eigenen Gesinnungsgenossen und des Gegners aus gesehen.

12. Entziehe dem Übeltäter das Handlungsobjekt!
Du sollst den Kampf gegen eine böse Handlung nicht direkt gegen den Täter richten, sondern versuchen, so zu handeln, dass du ihm durch dein Benehmen die Mittel und Gegenstände, die für die Handlung erforderlich sind, verweigerst, so dass die negativen Wirkungen der Handlungen verschwinden.

13. Mache keine Sabotage!
Du sollst dem Eigentum anderer keinen direkten, aktiven Schaden zufügen mit der Absicht, dem Gegner Schwierigkeiten zu bereiten oder auf ihn Druck auszuüben, sondern nur einen passiven Schaden, der eine Folge davon ist, dass du ihm eventuell Zusammenarbeit verweigerst.

14. Sei, wo immer möglich, loyal!
Du sollst ein loyaler, gesetzestreuer und pflichtbewusster Bürger der Gesellschaft sein, von der du Mitglied bist, solange sie von dir nicht verlangt, dass du gegen dein Gewissen handelst, und der Widerstand soll erst bei einem ernsten Konflikt geleistet werden, auch dann, wenn er zu einem Kampf gegen die Mehrheit führen sollte.

15. Wähle Gewalt vor Feigheit!
Du sollst immer bestrebt sein, Ahisma zu folgen in der Bedeutung 1–14, aber in einer Lage, wo du es nicht fertig bringst, ist ein gewaltsames Verhalten mit einem von Ahisma erfüllten Sinn einem nicht gewaltsamen, aber aus Feigheit entstandenen Verhalten vorzuziehen.

 

Aus dieser inneren Überzeugung Gandhis entstand unter anderem der Salzmarsch

 

 

 

Gandhi und seine Anhänger - es beteiligten sich Tausende - machten sich von Ahmedabad auf den Weg zum über 200 Meilen entfernten Arabischen Meer, wo er nach der Ankunft 24 Tage später demonstrativ einige Sandkörner aufsammelte.

Diese Aktion war der symbolische Brennpunkt einer Kampagne bürgerlichen Ungehorsams, bei der zunächst das staatliche Salzmonopol der englischen Kolonialmacht übertreten wurde.
Die gewaltfreie Aktion sollte sich über ganz Indien ausbreiten. Es war gesetzwidrig, Salz herzustellen; geschmuggeltes Salz zu besitzen oder zu verkaufen, war strafbar, ebenso war es ein Gesetzesbruch, von den natürlichen Salzablagerungen an der Küste etwas zu nehmen.

Ca. 2500 Freiwillige marschierten auf die Salzwerke von Dhrasana zu; sie wurden reihenweise von Polizisten niedergeschlagen und schwer verletzt, doch keiner der Marschierer hob die Hand gegen die Polizisten. Reihe um Reihe schritten sie voran und ließen sich niederknüppeln.
Es wurden ca. 50 000 Inder im ganzen Land (unter ihnen auch Gandhi) verhaftet.

Gandhi hatte vor Beginn der Kampagne an den Vizekönig geschrieben und darin den Rückzug der Engländer und damit die Unabhängigkeit Indiens gefordert. Es vergingen noch rd. 17 Jahre bis Indien unabhängig wurde.
"Ich will das britische Volk durch Nicht-Gewalt bekehren", hatte er gesagt, "es so zur Erkenntnis des Unrechts führen, das man Indien zugefügt hat."

 


 

Ein kleiner Reisebericht von mir (1989)

 

Lange schon war ich unterwegs. Eine Reise zu mir selbst sollte es werden; doch war da in mir nicht die geringste Vorstellung, wie es sein würde. Hätte ich alles vorher schon geahnt, ich würde mich wohl erst gar nicht aufgemacht haben.

 

Georg, ein Freund aus meiner frühen Jugend, erzählte mir von seinem Bruder, der in den letzten Monaten in Asien unterwegs gewesen war, um Länder und Menschen kennen zu lernen. Fasziniert folgte ich seinen Ausführungen. Er selbst war im Jahr zuvor in Kaschmir gewesen. Ich hörte von Indien, von Chai, von Menschen und anderen Kulturen. Religionen, die mich schon seit meiner Jugend immer wieder beschäftigt hatten, wurden erfahrbar. Kopfkino von einem Sternenhimmel in über 3000m Höhe, der so beeindrucken sein soll. Keine störenden Lichtquellen und eine saubere Atmosphäre lassen den südlichen Sternenhimmel vor einem tiefschwarzen Nachthimmel erstrahlen. Der Einfluß des Sauerstoffmangels auf die Denkweise. Morgendliches Wecken durch Händler, die einfach ungefragt durch das gemietete Hausboot laufen und Frühstück anbieten. Der Dal – See in einer atemberaubenden Landschaft gelegen. Anreise über einen der höchsten befahrbaren Pässe der Erde auf dem Dach eines Lkw. Traumhafte Aussichten und abgestürzte Pkw und Busse in den Schluchten. Ladakh, Leh, Srinagar. Ausgangsverbot – Granaten, die über den See gefeuert werden. Das alles war so weit entfernt von meinen eigenen Erfahrungen.

Ich war schon früh in meiner Jugend gereist, um meinen Wissensdurst zu stillen, aber der Gedanke an solche exotischen Länder war mir nie gekommen. Andere Perspektiven für mein eigenes Leben taten sich auf. Sich einfach so aufzumachen in eine andere Welt hatte für mich etwas von Abenteuer. Denn gerade in dieser Zeit war ich durch meinen Job nicht sehr bereichert worden. Einiges entwickelte sich nicht so wie erwartet. Doch der Zivildienst, den ich erst vor kurzem beendet hatte, eröffnete in mir Wirklichkeiten, die fernab von Industrie und bürokratischem Denken lagen.

Mein Freund hatte mich angesteckt. Langsam aber stetig wuchs in mir die Lust auf neue Eindrücke und Erfahrungen. Doch wo lagen meine Grenzen. War ich bereit, mich diesen Elementen hinzugeben. Armut, westliche Arroganz, Leid, die Macht des Geldes? Man kennt ja nur die Bilder, die uns in den Medien gezeigt werden. Ja, Ja, Indien. Das ist Hunger, Armut, Slums, Überbevölkerung, Elend und Tod. Das sind Paläste, Turbane und Elefanten. Ach ja, und die Kühe nicht zu vergessen. Heilige Männer,

 

Oft saßen wir zusammen und sprachen über die anstehende Reise. Einige Vorbereitungen mussten getroffen werden. Meine Liste wurde immer länger und damit auch die Sehnsucht und das Fernweh. Eine genaue Reiseroute planten wir nicht. Nicht mal den Ort unserer Ankunft.

 

Es musste erst einmal gelesen werden. Ich kaufte mir einen guten Reiseführer, der alle wichtigen Informationen lieferte. Städteinfos, Übernachtungsmöglichkeiten, Busfahrpläne, Beschreibungen der Stadtviertel usw. Eben alles außer schönen Bildern, die mir sowieso nicht nützlich sein würden. Und ein Buch, das den Kulturschock zum Thema hatte. Damit hatte ich eine gute Wahl getroffen, denn es sollte mir helfen, dieses so widersprüchliche Land besser zu verstehen.

 

Im Sommer 1989 war noch nicht daran zu denken Reiseinformationen über das Internet zu bekommen. Ich rief also im Hamburger Tropeninstitut an, um mich über die nötigen Impfungen zu informieren und sprach dann mit meinem Hausarzt. Ich kannte ihn schon lange, und er war so begeistert - er selbst ist Perser - dass er die Kosten für die Impfung übernommen hat. Colera, Hepatitis, Tetanus, Kinderlähmung. Dafür, und für vieles andere bin ich ihm noch heute sehr dankbar. Auf die Malaria – Prophylaxe verzichtete ich. In den Indischen Apotheken stehen, wenn es nötig sein  sollte, die Medikamente in der Regel zur Verfügung. Auch Entkeimungsmittel für mein Trinkwasser ersetzte ich durch den Kauf von Jod. Man kann es bis zu zwei Monaten bedenkenlos anwenden, ohne dass die Schilddrüse nicht mehr mitmacht, so hatte ich es gelesen und unsere Reise sollte nur 6 Wochen dauern.

 

Nach dem Kauf eines Rucksacks und der noch fehlenden Reiseapotheke (wichtig sind Einwegspritzen und Kanülen) machten Georg und ich uns auf zum Reisebüro. „Zweimal Jahresticket mit Hin- und Rückflug nach Bombay bitte. Aber billig, wenn es geht.“ "No Problem," war die Antwort dieser sehr hübschen asiatischen Reisekauffrau. Dieses No Problem sollten wir auf unserer Reise noch oft zu hören bekommen. Paß abgeben und auf das Touristen – Visum warten. Jetzt wurde es ernst. Doch vorher musste ich noch drei Wochen Urlaub durch Überstunden rausarbeiten. Ein hartes Brot. Doch die Firma, in der ich schon lange arbeitete, stimmte zu.

 

Mitte Dezember 1989 ging es los. Amsterdam, via Arabische Emirate und dann Bombay, wie es damals noch hieß.

 

Anflug auf Dubai - mitten in der Nacht. Man sah nur unzählige Bohrlöcher in der Wüste, erleuchtet von den Flammen überschüssiger Gase, die abgefackelt wurden. Das warme Licht ließ Schatten entstehen, Lichtpunkte in einem Meer aus Sand und Dünen. Gespenstisch. Gleichzeitig ahnte man die Wärme der Nacht des Wüstenstaates. Antoine de Saint-Exupéry und sein Kleiner Prinz entstanden vor meinem geistigen Auge.

 

Geordntes Verlassen der Maschine, wie überall in der Welt. Nur dieser Mitreisende, der schon über Stunden schlief, mußte geweckt werden. Er machte den Eindruck, als wenn nichts seine Ruhe stören könnte. Eine Valium war wohl sein bester Freund.

 

Männer mit Maschinenpistolen geleiteten uns in den nagelneuen Unterflurbus der Daimler-Benz-Werke. Kein Betrieb auf diesem Flugplatz in der Nacht. Unbehagen überkam mich. Nichts wie rein in die Abfertigungshalle. Der kalte Hauch der Klimaanlage umfing uns. Ein einziges Wechselspiel der Gefühle. Eine Kollage von Eindrücken. Reisen mit einer Geschwindigkeit, die dem Kopf keine Zeit zur Verarbeitung läßt. In sich Aufnehmen von Moderne und Mittelalter. Die Stille der Wüste, überlagert von westlichen Stukturen. Nachtgedanken über Umweltschutz und Traditionen. Kamelrennen und Reichtum. Das muß Arabien sein. Mamor, Messing, Granit, Sandstein und Gold im Überfluß. Arabische Spitzbögen, mit fein ausgearbeiteten Verzierungen. Und der billigste Duty- Free- Shop der Welt. Ein einsamer Geselle wischte den auf Hochglanz polierten Fußboden. Völlig unnötig, wie mir schien. Kurz noch eine Flasche Whisky zum Tauschen oder für den Eigengebrauch eingelagert.

 

http://www.hallodubai.com/images/ipix/DMC.htm

http://www.hallodubai.com/images/ipix/dutyfree2.htm

 

Denn der Aufenthalt war nur kurz. Nachtanken, Boarding und weiter ging es unserem Ziel entgegen. Ich war froh, wieder auf meinem Platz zu sitzen. Unser Mitreisender schlief schon.


Bilder aus China die besten Bilder die ich je im Netz gefunden habe, traumhaft!!!!

Ich weiß, ich hatte etwas anders vor, aber in dem Zusammenhang Traumhaft
 

 
 
  
 
 
Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!