Riekes
Geschichte

Rieke 7 1/2
Wochen alt
Rieke und Paula
8 Wochen alt

Rieke kam Ende November 2004 mit ihrer
Schwester Paula zu uns. Sie war im Wurf die Kleinste und laut dem
Besitzer "anders" als die anderen. Wie "anders" konnte er uns
allerdings nicht sagen. Rieke und Paula hatten kein schönes
Kinderzimmer und um die kleinen Welpen schien sich niemand so
richtig zu kümmern. Rieke saß verstört in einer Ecke und beteiligte
sich nicht am rumtoben ihrer 7 Geschwister. Sie sah uns nur an mit
ihren großen braunen Augen. Dieser Blick war ein einziger Hilferuf.
Wir hatten verstanden! Paula saß schon auf dem Arm von Ute und ich
bekam Rieke auf den Arm gedrückt. Sie kuschelte sich ganz dicht an
mich und seufzte ganz tief. Zu Hause mit 2 Welpen angekommen
verdrückte sich Rieke gleich wieder in eine Ecke. Paula hüpfte
fidel überall rum und fand ihre neue Umgebung einfach
Klasse.
Rieke war jedoch unser
Sorgenkind. Mit Entsetzen stellten wir fest, dass die kleine Maus
weder alleine fressen, noch trinken konnte. Normale Welpenkost ging
gar nicht, Trockenfutter lut
schte sie rückwärts. Wir besorgten
Mini-Trockenfutter und brauchten ewig, um etwas in den Hund
reinzubekommen. Krümel für Krümel steckten wir ihr in das
Schnäuzchen, bis sie irgendwann anfing zu schlucken . Ganz langsam
fand sie Vertrauen und ließ sich füttern. Es dauerte über 1 Stunde
pro Mahlzeit, bis sie eine Handvoll Futter zu sich nehmen konnte.
Flüssigkeit nahm sie dann auch nur aus der Hand. Es dauerte 2
Wochen, bis wir sie zu den Mahlzeiten zu Paulas Fressplatz setzen
konnten, ohne dass sie vor Angst wegrannte.

Und was
machte Paula? Sie zeigte ihrer
Schwester, wie das Fressen aus dem Napf funktioniert und wie man
alleine Wasser trinkt. (Das alleine Trinken wird noch lange dauern,
denn sie konnte mit ihrer gelähmten Zunge nur schwer und sehr
mühsam Wasser aufnehmen. Auch das wußten wir zum damaligen
Zeitpunkt noch nicht.)
Rieke marschierte
ihrer Schwester bald
hinterher und immer wenn Paula trank, machte
Rieke es nach. Paula war mit ihren 8 Wochen wie eine Mutter zu
Rieke. Sie wusch ihr morgens nach dem Schlafen die Augen und putzt
sie von Kopf bis Pfote sorgfältig ab. Was uns nicht so gefiel,
Paula schubste Rieke immer hin und her und schob sie überall hin.
Die Fahrt ging durch alle Räume obwohl Rieke sich verzweifelt
wehrte. Natürlich gingen wir dazwischen und befreiten Rieke von
Paulas Überliebe. Wir wussten im Gegensatz zu Paula damals noch
nicht, dass Rieke blind ist. Wir wunderten uns nur, dass sie
manchmal im Spielen an den Schrank rannte oder gegen andere Möbel
krachte. Unsere Tierärztin bestätigte Paulas Diagnose: Rieke ist
>sehend blind<, die Augen sind gesund aber die Nerven zum
Gehirn sind defekt, ein "Stress-Wackelkontakt", außerdem ist sie
geistig behindert und wird ihr Leben lang ein Pflegefall sein.
Wahrscheinlich Sauerstoffmangel während der Geburt und
Mangelernährung in den ersten Wochen. Mangelernährung ist gut
gesagt, es war wahrscheinlich gar keine Ernährung, so, wie die
Welpen gehalten wurden. Mit 8 Wochen ging's mit beiden ab auf den
Hundeplatz. Lauter muntere Welpen tobten auf dem großen Gelände und
es begannen die ersten Übungen wie "Sitz" und "Platz". Paula war
glücklich mit den anderen Welpen, Rieke verkroch sich unter Tannen
und Bänken, sie hatte einfach nur Angst. Unsere Trainer bemühten
sich sehr um Rieke und bald hatte auch sie Spaß an den Spielen der
anderen. Nur lernen wollte sie nicht. Sie hatte ihre eigene kleine
Welt auf dem Welpenplatz gefunden und beschnupperte Blümchen,
Gräser und die restliche Umgebung.
Nach 1 1/4 Jahren ist
Rieke ein lustiger kleiner Hund. Manchmal ist sie blind, oft kann
sie richtig sehen. Sie hat ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt
und Paula hat es teilweise ganz schön schwer mit ihr. Ohne unseren
Hundeverein und den Trainern wären wir alle noch lange nicht so
weit. Euch, einen ganz lieben Dank für die Mühe mit unserem
Sorgenkind.



