R i e k e hör
endlich auf zu bellen
Rezepte zum
schmunzeln, verzweifeln, oder einfach als Trostspender
Man nehme einen Tag, an dem man zu Hause und frohen Mutes ist,
viele Tage, an denen man die Hoffnung nicht aufgeben darf.
Dazu braucht man pro Tag
Rieke (oder einen anderen Hund)
mindestens 500 g Dokos
und für Paula auch 500 g Dokos
1 kleingeschnittenen Apfel, vielleicht einige Käsewürfel
Tag 1
Bellzentrale ist die Eingangstür, Rieke ärgert sich lauthals über
jeden, der es wagt das Treppenhaus zu benutzen. Das Auf- und
Zugehen der Fahrstuhltür wird extra lauthals beärgert.
Nun denn, gehen wir es an. 3 Meter neben dem Bellzentrum ist unser
Arbeitszimmer. Dort werde ich Tag 1 verbringen. Neben mir eine Dose
mit Dokos hinter mir ein Sessel am Fenster, auf dem Paula liegt und
vor sich hin döst. Auf manche Dinge muss man bei Rieke lange
warten, beim Bellen ist sie jedoch mehr als zuverlässig.
Ich sitze noch nicht richtig mit meiner Dokobox am Schreibtisch und
los geht's. Rieke ist in Höchstform, ich auch noch.
10.oo Uhr: Rieke bellt
Maßnahme: Nein, pfui (streng)
nach 2 Sekunden: feiiiiiiin (fast wie Trainerin Dany) 1 Doko +
loben
Paula wird wach: 1 Doko
Nach ca. 20 Dokos für Rieke und 20 Dokos für Paula hat Paula
begriffen, dass es auf dem Sessel sehr bequem ist und man andauernd
Dokos bekommt.
Rieke hat begriffen, dass man recht laut bellen muß, um Dokos zu
bekommen.
11.oo Uhr bis 13.oo Uhr
Weitere 50 Dokos für Rieke und 50 Dokos für Paula. Paula ist jetzt
immer in meiner Nähe und himmelt mich an. Rieke zerlegt in einer
Ruhepause genüsslich die Bedienungsanleitung des Videorecorders.
(ich dachte sie schläft eine Runde)
13.oo bis 14.oo Uhr Puscherrunde. Erst mit Paula, dann mit Rieke.
Rieke ist in der Zwischenzeit artig, dachte ich, sie bellt
jedenfalls nicht, die Socken die sie in der Zwischenzeit geklaut
hat, kann ich aber wegschmeißen. Dann gehe ich mit Rieke, und Paula
bellt wie irre (ist neu). Wieder in der Wohnung saust Paula auf
ihren Sessel und grinst mich an. Kein Doko!
14.oo bis 18.oo Uhr
Siesta im Wohnzimmer, normalerweise ist bei den Beiden
Mittagsschlaf angesagt. Paula liegt auf der Couch dicht neben mir
und bewacht die Dokobox. Rieke beschließt durchzuhalten. Entfernung
zum Bellzentrum nun 10 Meter. Rieke hat an diesem Nachmittag
reichlich Bewegung, Man muß ja erst zur Tür rennen, bellen und dann
zurück zur Dokobox. Klappt weitere 60 Dokos lang. Paula bleibt
inzwischen liegen und macht ihre Schnauze nur kurz etwas auf, ich
glaube, sie kaut die Dinger gar nicht mehr. Rieke ist glücklich.
Sie ist immer glücklich, wenn sie etwas gelernt hat. Sie will mir
auch andauernd zeigen, wie gut sie es kann.
Gegen 17.oo Uhr kriege ich meinen ersten Brüllanfall, beide gucken
mich irritiert an. Es fehlt nur noch, dass Paula mir jetzt ein Doko
in den Mund stopft. Rieke beschließt nun, nicht mehr zur Tür zu
rennen, sie bellt gleich im Wohnzimmer, kommt zu mir gerannt und
holt sich ihre Belohnung ab. Ich verlängere die Abstände zwischen
"nein pfui" und "fein". Paula schaut mich mitleidig an, sie denkt
wahrscheinlich, dass ich jetzt nachlasse. Rieke ist nach dem "nein
pfu" blitzartig bei mir und erinnert mich mit einem weiteren Bellen
an meine Pflicht. Wir hatten schon lange nicht mehr so einen
ausgedehnten Spieltag. Macht scheinbar auch hungrig. Beide erinnern
mich wie jeden Abend um Punkt 18.oo Uhr an ihre Abendmahlzeit. Ich
glaub das alles nicht, eigentlich sind die beiden kurz vorm
Platzen, doch sie putzen auch ihren Fressnapf rasant leer. (ich hab
ihnen allerdings weniger gegeben, was Paula mit einem vernichtenden
Blick quittiert). Rieke findet es nicht schlimm, denn im
Treppenhaus ist immer was los und sie geht wieder brav an ihre
Arbeit.
19.3o Uhr nach einem halben Apfel (entspricht ca. 10 Dokos) große
Puscherrunde mit anderen Hundefreunden.
20.45 Beide liegen auf der Couch und schnarchen. Im Treppenhaus ist
der Teufel los, Rieke knurrt nur leise. Ich lobe sie dafür ganz
doll vor Glück. Na also, geht doch! Man muss nur Ausdauer und
Geduld haben, dann klappt es auch. Es klingelt an der Tür. Rieke
und Paula legen los, dagegen war der Tag von der Lautstärke des
Bellens eher besinnlich und ruhig. Ich habe heute auch was gelernt,
ich weiß jetzt, was Mordgedanken sind und wie man sie unterdrückt.
Morgen muss ich Dokos kaufen.

Tag 2
Sonntag
8.oo Uhr Arbeitszimmer. Rieke spielt mit ihrem Tennisball. Noch.
Paula bezieht Stellung auf dem Sessel. Sie kennt ihre Schwester. Im
Treppenhaus schleichen die ersten runter Richtung Zeitungsladen.
Sie haben die Rechnung ohne Rieke gemacht. Nun werden alle wach
sein und ich kann mir wieder die Beschwerden der Mitmieter anhören.
Die wichtigen Dinge vergisst Rieke einfach nicht und das Spiel geht
von vorne los. Mit einem Unterschied.
Wenn ich im Treppenhaus Geräusche höre, sage ich gleich "nein". Es
klappt. Rieke kommt angeschossen und ich lobe sie. Nix gebellt! Ich
hänge den Gang der kleinen Diele mit einer Decke ab und hoffe, dass
Rieke nicht alles mitbekommt, was draußen los ist. Also ich höre
nichts mehr. Rieke schon.
Nach 10 Dokos ist die Verwirrung perfekt. Sie rennt raus, doch ihre
Aufmerksamkeit ist mehr bei mir als bei der Tür. Ich rufe sie, sie
kommt angerast und ich lobe sie.
Aber was ist aus meiner braven Paula geworden? Sie übernimmt Riekes
Arbeit, bellt bei jeder Kleinigkeit, wahrscheinlich Doko-Entzug.
Ich widme mich nun kurzfristig Paula und erkläre ihr, dass sie sich
anständig zu benehmen hat, was ungefähr 5 Dokos kostet, aber sie
hat verstanden. Rieke ist es in der Zwischenzeit langweilig
geworden, sie beschäftigt sich mit Tapetenresten, die sie zuvor in
der Diele abgerissen hat.
11.oo Uhr. Zurück im Arbeitszimmer und viel dichter an der Tür.
Höre ich was draußen, lobe ich Rieke bevor sie zum bellen kommt.
Bellt sie, sage ich "nein" und ignoriere sie anschließend. Paula
fängt sich von mir nur einen vielsagenden Blick ein und sie
kuschelt sich wieder in ihren Sessel hinter mir und legt ihren Kopf
auf meine Schulter. Ich hab's dann auch mit den Dokos nicht so
weit.
Nach unserer großen Puscherrunde gehen wir wieder ans Werk. Ich
bleibe wieder im Arbeitszimmer und Rieke versucht, das Gelernt zu
sortieren. Sie steht jetzt andauernd an der Tür und ist ganz still.
Ich rufe sie mit "fein", freue mich ganz doll und es gibt 1
Doko.
15.oo Uhr. Rieke hat gelernt, dass es Dokos gibt, wenn man an der
Tür steht und nicht bellt. Rieke probiert aber noch ab und zu, ob
es wirklich so ist. Paula ist es inzwischen zu dumm geworden, sie
schläft tief und fest.
16.oo Uhr. Rieke hat eine halbe Stunde nicht gebellt. Es kostete 5
Dokos! Sie geht von alleine ins Wohnzimmer und legt sich hin. Ab
und zu höre ich mal ein leises "wuff". Mehr nicht!! Ich bin stolz
auf mein Mädchen.
Als ich nach einer Weile nach meinem Zwerg gucken gehe, steht sie
auf dem Couchtisch und inspiziert die Dinge, die sie vielleicht
verwerten kann. Aha, darum also die scheinheilige Ruhe! Riekes
Vorfahren waren nicht nur Jäger, sondern auch Sammler. Rieke kann
einfach alles gebrauchen. Nach einem gehörigen Donnerwetter flitzt
sie aus dem Zimmer, ich hinterher und stolpere fast über Paula, die
auf einen erneuten Doko-Regen gehofft hat.
Rieke will alles wieder gutmachen und beginnt zu bellen, wenn sich
jemand im Treppenhaus bewegt. Sie bellt jetzt sogar, wenn draußen
auf der Straße Leute vorbei gehen oder wenn der Müllcontainer
zugeht. Sie will mir einfach nur zeigen, dass sie ein super
Wachhund ist und ich mich immer auf sie verlassen kann. Paula wird
es zu viel. Sie marschiert schnurstracks zu ihrer Schwester und
rempelt sie an, was Rieke hell empört. Sie vergisst tatsächlich
einen Moment ihre Arbeit und stürzt sich auf Paula und eine wilde
Raserei beginnt in der Wohnung. Wer hat eigentlich die
"Leckerli-Erziehung" mit "positiver Verstärkung" erfunden? Der muss
einen Hund wie Paula gehabt haben. Mit Rieke wäre so was garantiert
keinem eingefallen. Ich stehe jetzt jedenfalls mit dem Besenstiel
in der Wohnzimmertür und die beiden Damen haben verstanden. Schluß
mit lustig und Schluß mit der Toberei. Anleinen und raus an die
frische Luft. Erst mit Paula und dann mit Rieke. Aber wo ist Rieke
denn geblieben? Sie hat sich mal wieder versteckt, weil sie nicht
raus will. Rausgehen ist nicht schön, da hat meine Rieke viel
Angst. Ich überrede sie mit der Doko-Methode zum mitgehen. Das muß
man gesehen haben, von der Königin der Bellerei schaltet sie um auf
"ich bin so klein und habe Angst". Hilft alles nichts, raus mit der
Lady. Als sie nun versteht, dass kein Weg daran vorbei geht,
startet sie ihr Beagle-Programm, das da heißt: "Will nicht" und
"will nicht" ist bei Rieke ganz doll "will nicht". Paula bellt oben
wie irre und Rieke liegt auf der Straße auf dem Bauch und bockt.
Eine Passantin meinte nur, ach Gott, ist die süß wie sie da so
liegt. Jaja ein braver Hund murmel ich und trage das süße Riekchen
wieder hoch. Auf der Couch angekommen kuscheln sich beide ganz
dicht an mich und Rieke leckt mit ihrer gelähmten Zunge meine Hände
ab. Ich schmelze vor Rührung denn ich weiß, dass das für meine
Rieke eine wirkliche Kraftanstrengung ist. Ich hab euch lieb
Mädels, und das mit dem Bellen kriegen wir auch noch hin,
irgendwann.