TORNE

Ich denke, es gibt Dinge, die einen das ganze Leben prägen. Die Geschichte von Torne ist eine davon. Mit ihm und Boris habe ich zusammen eine Kindergruppe der Johanniskirchengemeinde geleitet…eine superschöne Zeit, weil wir uns im Team super verstanden haben. Er gehörte für mich zu den Leuten, mit denen ich gerne zusammen war, wenn wir uns auch eigentlich immer nur zur Vorbereitung der Gruppe, zur Gruppe selbst oder auf irgendwelchen Veranstaltungen der Gemeinde getroffen haben. Ich habe ihm aber ständig meine Sorgen erzählt (z.B. mein Leid mit meinem damaligen Freund usw.)…, er hat immer fleißig und ausdauernd zugehört und war immer total aufgeschlossen. Ich mochte ihn immer sehr gut leiden. Zwei knappe Wochen vor seinem Tod hat er mir von seinen Problemen erzählt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich ihm kaum zuhören konnte, weil ich ziemlich hohes Fieber hatte (ich kam zwei Tage später ins Krankenhaus). Er hat mir in diesem Gespräch gesagt, dass er mit meditieren angefangen hat und dass er momentan das Gefühl hat, total neben sich zu stehen. Dass er sich selbst nur noch zuguckt. Er hat bedrückt gewirkt und ich konnte in dem Moment kaum helfen. Beim Abschied hat er mich gefragt, ob er mich mal in den Arm nehmen darf, einfach mal nur so. Das hat er dann auch ganz feste gemacht. Außerdem hat er mir noch nen Kuss auf die Wange gedrückt. So etwas kannte ich von ihm kaum. Mich hat es ein bisschen gewundert, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Die Gruppenstunde in der darauf folgenden Woche fiel für mich aus, ich hatte keine Zeit. Am 06.03.1995 sind Michael (ein damaliger Freund) und ich mit der Straßenbahn gefahren. Wir standen gerade am Rathausplatz, da hat Torne vom Fahrrad aus in die Bahn gewunken, ganz fröhlich. Wir waren verabredet für den 08.03., um die Gruppenstunde für den 09. vorzubereiten. Ich habe auf Boris und Torne gewartet, beide kamen nicht. Irgendwann kam Mara dann zu mir mit dicken, roten Augen. Sie hat mir dann erklärt, dass sich Torne am 07.03. umgebracht hat. Aus dem 13. Stock eines Iduna-Hochhauses ist er gesprungen. Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, ich war wie gelähmt. Unser Jugendleiter hielt mich für zu labil, um es mir am Vorabend, wie allen anderen auch, zu sagen. Fand ich mehr als daneben, weil ich es so erfahren musste, als ich mit Torne verabredet war. Zwei Wochen später hatten wir unser erstes Tensing-Konzert – ich hatte Torne viele Wochen vorher schon gefragt, ob er dorthin kommt. Er hat geantwortet „wenn ich dann noch da bin“. Ich Depp dachte, er fährt vielleicht in den Urlaub oder so. Ich habe das Lied „Drachen sollen fliegen“ gesungen und das Lied wurde ihm gewidmet. Den Sandkerzen-Turm, den er in der Gruppe mal gemacht hat, habe ich bei uns im Wohnzimmer stehen. Außerdem habe ich noch ein Buch von ihm, in das er mir eine persönliche Widmung geschrieben hat. Fast jeden Tag denke ich an ihn, obwohl die ganze Sache jetzt schon 14 Jahre her ist…drum bekommt er hier auf der Seite seine eigene Rubrik.

 

Am 23.12.2009 habe ich Tornes Eltern kennengelernt. Viel zu lange habe ich gewartet, diesen Kontakt herzustellen. Ich bin dankbar, dass ich bei dieser Familie zu Gast sein durfte und dankbar, dass ich mit zwei so liebevollen Menschen ein so berührendes Gespräch führen durfte! Wahnsinng gefreut haben mich zwei sehr persönliche Geschenke der Eltern. Das hat mich wirklich sehr berührt und ich kann versichern, dass diese Dinge einen Ehrenplatz bekommen haben! Ich hoffe, dass noch weitere Gespräche folgen werden!!!

Diese Sandkerze hat Torne in einer unserer Gruppenstunden gegossen - ein Turm,

leider sind mir schon zwei Turmspitzen abgebrochen

Sein Geburtstagsgeschenk für mich ein halbes Jahr zuvor...

Das Buch "Man sieht nur mit dem Herzen gut", eine Text-Sammlung von Antoine de Saint-Exupéry

mit persönlicher Widmung

 

 


   

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