2011-1-jaenner

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INFORMATIONSBLATT

der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung –

Nr. 1/2011

 

 

Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,

 

das nächste Treffen findet am

 

Sonntag, dem 20. Februar 2011 um 14.00 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,

1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)

 

statt. Das Treffen um 14.00 Uhr ist diesmal auch die Generalversammlung unseres Vereines. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist die Diskussion mit Dechant Martin Rupprecht (Leiter der Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung in der Erzdiözese Wien)  zum Thema "Friede mit den Fremden".

 

Wir erlauben uns, auf drei Veranstaltungen hinzuweisen:

 

Dienstag, 8. Februar 2011, 19.00 Uhr,

Treffen der Friedensinitiative Donaustadt in der Donaucitykirche,

1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen – VIC):

Die Waffen nieder - dem Elend ein End

Friedenslieder, gesungen und erklärt von Ernst Toman,  Texte von Dorothee Sölle, gelesen von Alois Reisenbichler

 

Donnerstag, 17. Februar 2011, 14.00 Uhr – 22.00 Uhr:

DONAU FRIEDENSWELLE in Wien, Donaucitykirche (Adr. s. o.)

14.00 Uhr Aktion Schwerter zu Pflugscharen, 14.30 Uhr Workshops,

19.00 Uhr Ökumenische Vesper, 20.00 Uhr Konzert Kohelet 3

 

Montag, 28. März 2011, 20.00 Uhr

Ernesto Cardenal, Brigitte Karner und Grupo Sal: Den Himmel berühren – Musik & Poesie

Akkonpfarre, 1150  Wien, Oeverseestraße 2c (U3 Hütteldorfer Straße), Eintritt: Euro 17,--

 

 

 

Aus dem Inhalt:

Elias Bierdel

Über Grenzen. Versuch der Ermutigung in Zeiten der Krise

Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld

Zwischenruf: Kreuz und Koran

Bischof Dr. Michael Bünker bei der Friedensbewegung:

Gerechter Friede statt gerechter Krieg

Bischof Dr. Manfred Scheuer, Präsident von Pax Christi Österreich

Alles andere wäre für die Liebe ein Betrug

Kaplan Franz Sieder

Frauenbefreiung

Buchtipp: Krieg im Abseits

Termine und kurze Meldungen

 

 

 

Elias Bierdel

Über Grenzen. Versuch der Ermutigung in Zeiten der Krise

Rede beim Empfang zum Reformationstag am 28. Oktober 2010 in Wien

 

 

Sehr geehrte Anwesende – ich bedanke mich für die besondere Ehre, hier vor Ihnen sprechen zu dürfen. Als Ausländer bzw.  als EU-Inländer, wie es bürokratenamtssprachlich heißt! Und so will ich das, was folgt auch als eine Wortmeldung eines EU-Inländers verstanden wissen.

 

Wenn ich über Grenzen spreche, dann habe ich vor allem jene Zäune, Mauern, Stacheldrahtverhaue, Schranken, Wachtürme und grimmig dreinschauenden Soldaten vor Augen, unter deren Eindruck sich meine Kindheit abspielte. Ich bin in den 60er Jahren in Berlin aufgewachsen, im West-Teil der Stadt, unmittelbar an jener Todeszone, die man – im Westen, wie gesagt – allgemein die „Schandmauer“ nannte. Im Osten: „anti-imperialistischer Schutzwall“. Beides war irgendwie ideologisch aufgeladen. Normale Menschen, ob Ost- oder Westmenschen, sprachen deshalb schlicht von der „Mauer“. Die Mauer also.

 

Sie verlief keine 100 Meter von meinem Elternhaus entfernt. Am Anfang war es ein einfacher Metallgitter-Zaun, meine Eltern warfen den Grenzern drüben West-Zigaretten herüber. Die lachten, bedankten sich, rauchten. Dann kamen junge Offiziere und die Mauer wurde Stein und die Mienen der Grenzer auch und es war aus mit Werfen, Lachen, Danken und  Rauchen. Stattdessen flogen nachts die Leuchtkugeln, wenn „Grenzverletzer“ im Gelände vermutet wurden, dann suchten die Lichtfinger der Scheinwerfer die Gegend ab, Sirenen heulten, Hunde bellten. Es wurde auch scharf geschossen. Auf der Westseite erinnerten dann kleine Holzkreuze an jene, die es nicht geschafft hatten. Im Osten putzte man bis zum Morgen die Blutflecken weg.

 

Wer aber herüberkam, der war ein Held. Im Westen. Im Osten: ein Republikflüchtling. Und Helden waren – im Westen – auch jene, die anderen (also Republikflüchtlingen) dabei geholfen hatten, die Grenze zu überwinden. „Fluchthelfer“, das war in jenen Jahren ein ehrbares Gewerbe. Und ein einträgliches. Man brauchte: einen präparierten Opel „Kapitän“ und gute Nerven. Bis zu 20.000 D-Mark ließen sich pro Tour verdienen. Wer Pech hatte, wurde erwischt und musste in ein DDR-Gefängnis. Aber meist nicht für lange: Die Bundesrepublik kaufte solche Helden mit Steuergeldern frei.

 

Für die DDR waren diese Zahlungen übrigens ein erfreuliches Zubrot, mit dem unter anderem die Modernisierung der Grenzanlagen finanzieren ließ. Stichwort „SM 70“, der legendäre Selbstschuss-Apparat aus volkseigener Produktion. Angebracht auf halber Höhe des Zauns, gefüllt mit einer Sprengladung und kleinen Metallkugeln. Bei Berührung eines hauchdünnen Drahtes explodierte die Höllenmaschine und kostete so manchen Grenzverletzer einen Arm, das Augenlicht oder das Leben. Uns allen war klar: Ein Staat, der solche Apparate aufhängt, der ist moralisch am Ende, der verdient nur noch Verachtung. Schließlich wurden die „SM 70“ tatsächlich wieder abmontiert, die DDR-Führung erhielt zum Dank weitere West-Milliarden Modernisierungszuschuss. Aber geholfen hat es ihr nicht mehr.

 

Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie gleich zu Beginn mit diesen Kindheitserinnerungen behellige. Sie wissen das alles aus eigener Anschauung – ähnlich hat es sich ja auch hier in der Nähe abgespielt: an den Grenzen zur damaligen CSSR etwa oder nach Ungarn. Auch dort Zäune, Wachtürme, Stacheldraht, Todesschüsse und – phasenweise – Minenfelder.

 

Das alles gehört ja – gottlob! – der Vergangenheit an! Aber noch nicht lange: Am 21. August 1989 wurde der Deutsche Kurt Werner Schulz auf österreichischen Territorium von einem ungarischen Grenzer erschossen. Zwei Tage nach dem „Paneuropäischen Picknick“ und gut drei Wochen, ehe die Grenze endgültig fiel. Kurt Werner Schulz ist der letzte bekannte Tote des Kalten Krieges in Europa. Im Friedensmuseum auf Burg Schlaining wird an sein Schicksal erinnert. Und an das seiner Familie: nachdem der Vater erschossen war, ließ man übrigens seine Frau und den 6jährigen Sohn als Geste des guten Willens „legal“ nach Österreich ausreisen. Die kleine Geschichte aus Lutzmannsburg entlarvt beispielhaft den Wahnsinn des Kalten Krieges.

 

So etwas darf es nie wieder geben. Bis hierhin sind wir uns noch einig. Das ist schön. Jetzt wird es unangenehm. Das ist nötig.

 

Denn die Grenzanlagen, mit denen die Europäische Union sich heute umgibt, ähneln bis ins letzte, schauerliche Detail der Schandmauer von einst: Wachtürme, Stacheldraht, Schießbefehl – jawohl, auch das noch! – und Minenfelder „schützen“ uns vor potentiellen Grenzverletzern. Tausende Menschen sterben nach amtlicher Schätzung Jahr für Jahr bei dem unbefugten Versuch, ins Territorium der EU zu gelangen. Die meisten ertrinken. Ganze Flotten von Kriegsschiffen mit Luftunterstützung, Küstenwacht-Kreuzern und anderen paramilitärischen Verbänden sind im Mittelmeer unterwegs, um Menschen daran zu hindern, lebend unsere Küsten zu erreichen.

 

Stattdessen werden Flüchtlinge und MigrantInnen ohne Ansehen der Person oder Prüfung möglicher Asylgründe direkt in die Folterlager Libyens überstellt. Dort hat Oberst Muammar al-Ghaddafi für Milliarden von Euro die Aufgabe übernommen, sich im Auftrag und auf Drängen Europas auf seine Weise um die sogenannten „Illegalen“ zu kümmern. Die wenigen Nachrichten, die uns aus den bisher rund 100 Wüsten-Camps erreichen, sind verstörend. Folter, Vergewaltigung, Sklaverei, Mord. Aber es reicht nicht, mit dem Finger nach Libyen zu weisen.

 

Denn auch Staatsbeamte europäischer Demokratien schießen auf unbewaffnete Flüchtlinge, verprügeln Schiffbrüchige, drängen Boote ab, werfen Menschen ins Wasser und überlassen sie den Wellen. Im Mittelmeer ist bereits an vielen Stellen die Fischerei nicht mehr möglich, weil in den Netzen immer öfter menschliche Überreste gefunden werden.

 

An Land wachsen die Friedhöfe mit den meist anonym verscharrten Grenztoten. Es sind auch unsere Toten. Aber wir wollen von ihnen nichts wissen. Regierende meiden das unangenehme Thema, Medien zeigen verdächtig vornehme Zurückhaltung. Die „Grenzschützer“ müssen sich nirgendwo öffentlich rechtfertigen. Die Gesellschaft sieht weg.

 

Die „Schandmauer“ 2010 – kein Thema.

 

Aber wenn das Wort von Paul Tillich stimmt, wonach die „Grenze der eigentlich fruchtbare Ort der Erkenntnis“ ist, dann könnten wir ja gerade hier soviel lernen, über uns, über die Welt, über die „Fremden“. Über die Gründe, aus denen sich Menschen auf die gefährlichen Wege machen. Und über die Verantwortung, der wir uns in diesem Zusammenhang stellen sollten.

 

Über die von uns verursachten Klimaveränderungen zum Beispiel, die zunächst wiederum die Ärmsten treffen – dann aber auch uns selbst auf den Kopf fallen werden.

 

Über die inneren Widersprüche, in die ein „Kontinent der Menschenrechte“ gerät, wenn er seine berühmten Werte, seine moralische Identität derart schurkisch verrät.

 

Über die Umkehrung des Rechts, wo Lebensretter als angebliche „Schleuser“ vor Gericht landen und jene, die an Ertrinkenden vorbeifahren, straffrei bleiben.

 

Und darüber, welche Folgen all dies für uns haben muss und wird. 

 

Denn die beispiellose Brutalität des Grenzregimes an den Außenrändern der Europäischen Union ist meiner Ansicht nach ja nur der extremste Ausdruck jenes Geistes, in dem wir auch im Innern mit Menschen umspringen, die hier Schutz und Hilfe oder auch einfach nur ein Leben in Sicherheit, Freiheit und Würde suchen.

 

Wo Kinder im Gefängnis auf ihre Deportation warten, wo Jugendliche vor den Augen ihrer Klassenkameraden abgeführt werden sollen ... wo Familien auseinander gerissen werden im Namen irgendeines höheren „Rechts“, wo Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft von der Polizei angehalten oder deportiert werden ... um es zusammen zu fassen:

 

Was sich in Sachen „Migration“, „Flucht“, „Asyl“ und „Fremdenrecht“ stillschweigend zum grausigen Alltag entwickelt hat, das ist unserer europäischen Demokratien unwürdig – und im Widerspruch zu praktisch allem, wofür wir zu stehen glauben – und wozu wir im Glauben stehen müssten. Michael Bünker hat hier von einer „Schande“ gesprochen. Und es ist eine Schande. Kein Zweifel. Aber es hilft ja nichts, die Politik, Verwaltung, Justiz, Polizei jeweils anzuprangern.

 

Es ist doch diese Schande eine Schande für uns alle!

 

Wir alle sind beschämt – wenn wir zuwenig dagegen unternommen haben, wenn wir es nicht verhindert haben, dass Mitmenschen morgens abgeholt werden.

 

Aber gerade diese Beispiele haben ja auch gezeigt, dass sich plötzlich in vielen Ecken der Gesellschaft Unverständnis und Widerstand regte: bei Nachbarn, Schulleitern, Sportvereinen, Bürgermeistern ... und sogar in Zeitungen, die ansonsten keine Gelegenheit auslassen, gegen „Ausländer“ zu polemisieren, wurden auf einmal andere Töne angeschlagen. Das ist gut so, da kann man anknüpfen. Und damit sind wir nun aber wirklich bei der Ermutigung angekommen, beziehungsweise dem „Versuch der Ermutigung“ – der naturgemäß, wie jeder andere aufrichtige Versuch auch, das Risiko des Scheiterns in sich trägt. Gerade in Zeiten der Krise. So ein Versuch ist grenz-wertig. Ich wage ihn dennoch – und beginne mit einer simplen These,  vielleicht ... ein ganz klein wenig ... zugespitzt:

 

Wir befinden uns in einer Phase des Übergangs. Das Alte liegt bereits überwiegend in Agonie – das Neue lässt sich noch nicht blicken. Die meisten der vermeintlich bewährten Konzepte haben ersichtlich ausgedient, die sogenannten Eliten in Wirtschaft und Politik zeigen sich zu großen Teilen erschöpft, sind mit ihrem Latein am Ende, ohne Mut und Vision – und für den Rest gilt häufig die Unschuldsvermutung. Das ist – bitte sehr – ein europa- oder gar weltweit grassierender Zustand, keineswegs eine österreichische Spezialität.

 

Wo aber die jeweiligen Führungszirkel den Herausforderungen ihrer Zeit nicht mehr gewachsen sind, da ist in der Demokratie die Zivilgesellschaft gefordert! Da ist die Erneuerung von „unten“ möglich und nötig! Ein solcher Erschöpfungszustand des Systems, den wir „Krise“ nennen, bietet enorme Chancen der Gestaltung, für die Um- und Neugestaltung eines Gemeinwesens! Wo „von oben“ keine befriedigenden Antworten mehr auf die drängenden Fragen kommen, dort wachsen deshalb die Chancen, dort wächst aber auch die Verantwortung jedes und jeder Einzelnen. Es geht darum, einen konstruktiven Prozess der Erneuerung in Gang zu bringen. (Da wir nun hier aus Anlass des bevorstehenden Reformationstages beisammen sind, erlauben Sie mir den Hinweis, dass man ja nicht gleich 95 Thesen ans Kirchentor nageln muss – vorerst genügen vielleicht 3 oder 4 frische, eigene Gedanken auf einem Zettel am Kühlschrank.)

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Worauf kommt es uns an? Sind wir bereit zu teilen? Wovor haben wir Angst? Was wünschen wir uns? Welchen Beitrag möchten wir leisten?

 

Klären wir solche Grundsatzfragen zunächst mit uns selbst. Dann sollten wir das ehrliche Gespräch suchen. Die Lage ist ja ernst genug. Also keine Spielchen mehr, keine Ausflüchte, keine Witzchen statt fern zu sehen treffen wir uns und bereden die Situation, beschließen was zu tun wäre und ... es wird sich etwas ändern!

 

Klingt das für Sie utopisch? Naiv? Verrückt? 

 

Ich war vor einigen Monaten in der Nikolaikirche in Leipzig eingeladen. Dort haben sich vor rund 22 Jahren eine Handvoll mutiger DDR-BürgerInnen zusammengesetzt und angefangen, Klartext zu reden. Sie wussten, dass die Spitzel der Staatssicherheit unter ihnen waren und wagten es dennoch. Sie begannen, die erste Montagsdemo zu organisieren ... der Rest ist Geschichte. Es war der Anfang vom Ende der DDR und der fällige Todesstoß für den sogenannten „Ost-Block“. Ich weiß es von Pfarrer Christian Führer, dass seine Amtsbrüder ihn in dieser Zeit von den politischen Umtrieben an der Nikolaikirche abzuhalten versuchten. Sie hatten Angst. „Ihr gefährdet Alles, was wir in 40 Jahren an Vertrauensverhältnis zu den staatlichen Stellen aufgebaut haben!“, sagten sie. Denn sie hatten entweder nicht verstanden, was für eine grundlegende Wende tatsächlich bevorstand. Oder sie fürchteten um ihre kleinen, lieb gewonnenen Privilegien im Unrechtsstaat. Wahrscheinlich beides.

 

Jedenfalls dauerte es kein Jahr mehr, bis die Mauer quer durch Europa – und auch vor meinem Elternhaus in Berlin-Staaken umgefallen war. Buchstäblich: umgefallen! Die grauen Betonwände lagen plötzlich im Niemandsland da wie ein bizarres Trottoir aus schlecht verlegten Riesen-Platten. Die Grenze war weg. Der Weg war frei.

 

Als ich zum ersten Mal herübergehen wollte, musste ein Freund mich stützen. Mir war plötzlich schwindelig. So falsch, so verboten, so undenkbar kam mir das vor, einfach dort hindurch zu laufen, wo in meiner Kindheit und Jugend die Welt zu Ende gewesen war. Aber bald löste sich auch diese zweite, innere Grenze auf. Es war eine persönliche Befreiung, auch im Denken und Fühlen. Ich habe daraus Hoffnung und Zuversicht geschöpft, die mich bis heute treu begleiten.

 

Es kann hier nicht darum gehen, die Revolution auszurufen. Ich glaube nicht an eine Revolution. Aber ich glaube daran, dass es sich zu jeder Zeit und an jeder Stelle lohnt, gegen offenkundiges Unrecht und für gleiche Lebenschancen einzutreten. Ich sehe das als eine Verpflichtung an – und als Privileg.

 

An vielen Orten engagieren sich – zumeist ehrenamtlich – auch in Österreich Bürgerinnen und Bürger, die sich für eine friedliche Zukunft und ein gedeihliches Miteinander einsetzen. In Vereinen, in Kirchengemeinden und in Friedens-Instituten ... Viele tun das übrigens unter massivem politischen und behördlichen Druck. Aber sie bewahren jene kleine Flamme, ohne die unser aller Leben so armselig und kalt zu werden drohte.

 

Solche Menschen – und man trifft sie, wenn man genau genug hinsieht, ja gottlob immer häufiger! – sind die wahren Pioniere. Wegbereiter einer Zeit, von der aus wir dermaleinst mit Kopfschütteln auf die Zynismen unserer heutigen Gegenwart zurückschauen werden.

 

Jene trüben Jahre, in denen Europa, gefangen in seinen Selbst-Zweifeln, sich als Festung abschotten wollte – und unendliches Leid und tausende Tote an den Grenzen in Kauf nahm, weil es eifersüchtig jenen schalen „Reichtum“ bewahren wollte, an den es doch schon selbst nicht mehr glaubte. Weil es – damals! - noch nicht bereit war, endlich von jener unseligen Sucht des „immer mehr“ „immer größer und schneller“ zu lassen, die es doch insgeheim längst als falsch und schädlich erkannt hatte.  

 

Wir können nicht mehr weiter wuchern auf Kosten unserer Nachbarn. Wir werden neue Wege gehen, neue Chancen nützen und neue Kriterien für „Lebensqualität“ finden  müssen ... dürfen!

 

Nicht die ängstliche Abgrenzung löst unsere Zukunfts-Sorgen, sondern die beherzte Öffnung zu einem neuen, freundlichen Miteinander. Es sind viele, die dazu jetzt schon bereit sind – es werden rasch mehr. Und so werden auch die Mauern, die Europa neu errichtet hat, fallen.

 

 

 

Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld

Zwischenruf: Kreuz und Koran

 

Mehr als eine Woche ist es jetzt her, dass in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria in der Neujahrsnacht unter koptischen Christen ein Blutbad angerichtet worden war. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Ausgang der Kirche, gerade als die Messe zu Ende war, in die Luft. Das Ergebnis: 23 Tote und über 80 Verletzte. Die Welt reagierte empört und entsetzt. Beileids- und Solidaritätsbekundungen kamen auch von islamischen Organisationen, auch aus Österreich.

 

Christinnen und Christen wurden in den letzten Jahren vermehrt zur Zielscheibe islamischer Extremisten und Fanatiker. Der Selbstmordanschlag in Alexandria ist nur eines von zahlreichen Attentaten islamischer Extremisten gegen Christen und ihre Einrichtungen. Was aber in solchen Momenten des Schreckens untergeht, das ist die Tatsache, dass es nicht nur Terrororganisationen auf Christen abgesehen haben, sondern dass Christen auch seitens der Staatsmacht in etlichen Ländern schikaniert, diskriminiert und verfolgt werden. Es ist höchst an der Zeit, dass sich Politiker und Kirchenführer verstärkt gegen Diskriminierung und Verfolgung christlicher Minderheiten in islamischen Mehrheitsgesellschaften einsetzen und die betreffenden Regierungen auffordern, Christen und ihre Einrichtungen besser zu schützen und Religionsfreiheit zu achten.

 

Solche Anschläge sind nicht dazu angetan, das Klima zwischen den Religionen zu verbessern. Im Zuge solcher Ereignisse werden Vorurteile und Ängste eher geschürt und besonnene Gemüter geraten ins Hintertreffen. Umso erfreuter war ich, zu sehen und zu hören, dass es in Folge des Attentats nicht nur Gewaltausbrüche, Zusammenstöße, Zorn und Trauer gab, sondern auch andere Bilder. Bei einer Trauerkundgebung in Kairo hielt ein junger muslimischer Demonstrant in der einen Hand den Koran und in der anderen ein Kreuz.

 

"Ich bin gekommen, um gegen das zu protestieren, was unseren christlichen Brüdern geschehen ist, und um zu zeigen, dass sich die Religionsgemeinschaften in Ägypten nicht spalten lassen", wird ein junger Muslim in einer deutschen Tageszeitung zitiert.

 

Da fuchtelt nicht jemand mit einem religiösen Symbol herum, um Stimmung zu machen und zur Rettung des christlichen Abendlandes oder zur Islamisierung der ganzen Welt aufzurufen, sondern da werden religiöse Symbole zu Botschaften des Friedens.

 

In einer aufgeheizten Atmosphäre haben es Hassprediger immer leichter als Friedensstifter. Und oft wird Friedensarbeiterinnen und Friedensarbeitern Blauäugigkeit und Naivität vorgeworfen oder gar Verrat an der eigenen Gruppe.

 

Wo Menschen von Bomben zerfetzt werden, entstehen schnell verständlicher Zorn und Rachegelüste.  Aber als Christ möchte ich die Bibel schon ernst nehmen und mich leiten lassen von jener Friedensbotschaft, die in der jesuanischen Bergpredigt auf den Punkt gebracht wird: „Selig die Friedensstifter, sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.“

 

Gerade dort, wo es brodelt, wo Menschen gegeneinander aufgehetzt werden oder wo gar nur noch die Waffen sprechen, sind Christinnen und Christen gefordert, Frieden zu stiften. Das bedeutet nicht, Terror und Gewalt zu verharmlosen, sondern Wege zu suchen, die ein Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen möglich machen, und es bedeutet, Menschen zu unterstützen, die über feindliche Gräben hinweg, dem anderen die Hand reichen wollen, auch um den Preis, als Verräter in den eigenen Reihen gebrandmarkt zu werden.

 

Die Extremisten hätten ihr Ziel erreicht, würden Christen und Muslime in großem Stil nun aufeinander losgehen. Und bei aller Tragik, wie Christen in zahlreichen muslimisch dominierten Ländern behandelt werden, wird so eine christenfeindliche Politik von Christen auch zu Propagandazwecken benutzt, um Muslime generell als gewalttätig und fanatisch zu verdammen.

 

Religionen bergen Zündstoff und gleichzeitig wunderbare Schätze. Sie können dazu missbraucht werden, um dem anderen seine Existenzberechtigung abzusprechen oder Wege zu erkennen, wie Menschen unterschiedlich und doch miteinander versöhnt leben können. Die drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam führen den Namen Frieden ständig im Munde, beim Gruß, im Gottesdienst oder im Gebet. Ich schlage vor, suchen wir in den Heiligen Schriften der anderen Religionen all die Stellen, die zu Respekt und zu wahrhaftigem Frieden aufrufen, und wir werden staunen, wie zahlreich sie sind.

 

Kreuz und Koran, das muss kein Gegensatz sein, das kann auch zusammenpassen, das kann gelebt werden, das wird schon gelebt, auch bei uns in Österreich. Manchmal ist es so eng beisammen, wie bei dem jungen Muslim in Kairo, der beides gleichzeitig in seinen Händen hielt.

 

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der religiöse Symbole hochgehalten werden, nicht zur Demonstration eigener Vorherrschaftsansprüche, eigener Überlegenheit, sondern um damit die Solidarität zu bezeugen mit jenen, die friedlich und ernsthaft ihren Glauben leben wollen, mit den Söhnen und Töchtern Gottes. (Sendung am Sonntag, 09. 01. 2011,  6.55 Uhr - 7.00 Uhr Österreich 1)

 

 

 

Bischof Dr. Michael Bünker bei der Friedensbewegung:

Gerechter Friede statt gerechter Krieg

 

Auf Einladung der Friedensinitiative Donaustadt referierte evangelische Bischof Dr. Michael Bünker am 11. Jänner 2011 in der Donaucitykirche. Bischof Dr. Bünker schilderte die Entwicklung der kirchlichen Soziallehre zu Friedensfragen seit den 80er Jahren, jener Zeit der großen Friedensdemonstrationen, in der auch der „konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ entstand.

 

Gerechtigkeit ist das Erste

 

„Die Reihenfolge ist sehr wichtig: er setzt ein mit dem Begriff der Gerechtigkeit, denn der Friede ist auch eine Folge Gerechtigkeit und der gerechten Zustände – und wir wissen, dass überall dort, wo krasse Ungerechtigkeit herrscht, es auch sehr schnell zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt,“ betonte Bischof Dr. Bünker.

 

In den Kirchen gibt es laut Bischof zwei Strömungen, jene, die strenge Kriterien für den Ausnahmefall für den Einsatz von militärischer Gewalt anwenden und jene, die Gewalt grundsätzlich ablehnen. Beim NATO-Krieg gegen Jugoslawien und beim Irak-Krieg waren diese Kriterien nicht erfüllt, stellte Bischof Bünker fest.

 

Krieg gegen den Terror?

 

„Krieg ist das schlechteste Mittel zur Bekämpfung des Terrors. Ein weniger schlechtes Mittel ist die internationale Polizeiaktion. Das erfolgreichste und damit wohl beste Mittel, um den Terror zu bekämpfen und Menschen, die in solchen Gruppen kämpfen, eine Rückkehr in eine gewaltfreie Konfliktlösungsgesellschaft zu ermöglichen, ist sie am politischen Leben zu beteiligen – make diplomacy, not war“, forderte Bischof Bünker.

 

Gute Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Zivilgesellschaft

 

Für die Vereinten Nationen war das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausend eine „Dekade für Frieden und Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt“ und für die Kirchen eine „Dekade zur Überwindung von Gewalt“. „Bei uns gab es eine gute Zusammenarbeit zwischen der kirchlichen Friedensdekade und der Plattform der UN-Dekade. Österreich ist hier europaweit das einzige Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation der Kirchen und der Zivilgesellschaft für die beiden Friedensdekaden“, freute sich Bischof Bünker.

 

Abschluss der Friedensdekade

 

„Die Kirchen haben sich zu lange mit dem gerechten Krieg beschäftigt, es geht um den gerechten Frieden“, so Bischof Bünker. Daher wird bei der Abschlussveranstaltung der kirchlichen Friedensdekade in Jamaika eine „Erklärung zum gerechten Frieden“ mit den Schwerpunkten „Frieden in Gemeinschaft“ (unter den Weltreligionen), „Frieden mit der Erde“ (Bewahrung der Schöpfung / Ökologie), „Frieden in der Wirtschaft“ (Gerechtigkeit) und „Frieden zwischen den Staaten“ verabschiedet. In Europa gibt es entlang der Donau im Rahmen einer  „Donaufriedenswelle“ eine Reihe von Veranstaltungen, weil „die Donau einen Großteil der Staaten, eine große Vielfalt von Kulturen und religiösen Bekenntnissen miteinander verbindet.“ Die Wiener Veranstaltung findet am Donnerstag, 17. Februar in der Donaucitykirche statt. Sie beginnt mit einem Umschmieden von Schwertern zu Pflugscharen vor der Kirche, wird mit Workshops und einer ökumenischen Friedensvesper fortgesetzt und mit einem Konzert der Gruppe „Kohelet 3“ abgeschlossen.

 

 

 

Bischof Dr. Manfred Scheuer, Präsident von Pax Christi Österreich

Alles andere wäre für die Liebe ein Betrug

Erlösung durch Gewaltlosigkeit

 

Eine jüdische Geschichte erzählt von einem Rabbi, dem seine Schüler die Nachricht brachten: „Der Messias ist gekommen!“ Der Rabbi stand auf, ging ans Fenster, blickte auf die Straße, kam zurück und setzte sich wieder hin. „Was ist nun? Was sollen wir tun?“ fragten die Schüler. „Nichts sollt ihr tun, weiterlernen sollt ihr“, sagte der Rabbi. „Wie kann der Messias gekommen sein, wenn nichts in der Welt sich verändert hat?“ Erlösung und Vollendung ereignen sich von dieser Perspektive her nicht in der Geschichte, nicht in dieser Zeit, sondern nur durch Diskontinuität, durch die endgültige Unterbrechung der „katastrophischen Kontinuität“ (Walter Benjamin). Messianische Vollendung geschieht nicht in der Fülle der Zeit, nicht als Vollendung, sondern als Unterbrechung der Zeit.

 

Freilich haftet einer solchen Hoffnung auf eine solche Unterbrechung wenn schon nicht der Vorwurf der falschen Vertröstung, so doch das Vorzeichen des Triumphalismus an, in dem Gott das Leid doch nicht ganz ernst nimmt und von oben herab etwas kittet, was innergeschichtlich nicht zu lösen ist. Sören Kierkegaard hat diese Spannung zwischen Theodizeeproblem und Hoffnung auf Rettung scharf erkannt. Er versuchte eine dichterische Annäherung: Ein König liebt ein Mädchen niederen Standes. In ihm erwacht die Sorge, ob wohl das Mädchen dabei glücklich werden würde, ob es den Freimut gewinnen würde, sich niemals dessen zu erinnern, nämlich, dass er der König sei und sie ein Mädchen niederen Standes gewesen sei. Analog dazu ist es die Sorge Gottes, die Gleichheit mit dem Menschen zuwege zu bringen. Ohne diese Gleichheit bleibt die Liebe unglücklich. Die Einheit und Gleichheit ist nicht durch ein Emporsteigen des Menschen zuwege zu bringen, sie muss durch ein Herabsteigen versucht werden. Gott muss dem Geringsten gleich werden. Der Geringste ist aber der, wer andern dienen muss, also wird sich der Gott in der Gestalt des Knechtes zeigen. Es ist die Allmacht der beschließenden Liebe, das zu vermögen. So steht denn Gott auf der Erde, durch seine allmächtige Liebe dem Geringsten gleich. Die Knechtsgestalt war keine angenommene, sondern seine wahre Gestalt. „Deshalb muss Gott alles leiden, alles dulden, in der Wüste hungern, in Qualen dursten, im Tode verlassen sein, absolut dem Geringsten gleich – sehet, welch ein Mensch; denn nicht das Leiden des Todes ist sein Leiden, sondern dies ganze Leben ist ja eine Leidensgeschichte, und es ist die Liebe, die leidet, die Liebe, die alles gibt und die selbst Mangel leidet ... Jede andere Offenbarung wäre für die Liebe Gottes ein Betrug.“ (Sören Kierkegaard) Gottes Armut in der Liebe und Gottes Identifizierung mit den Armen stehen somit gegen alle imperialistischen und triumphalistischen Absolutheitsansprüche. Das spezifisch Christliche und zugleich seine universale Bedeutsamkeit wurzeln in der Gegenwart Jesu im Geringsten. Alles andere wäre für die Hoffnung ein Betrug.

 

Jesus wendet sich gegen gewaltsame Endlösungen, die das Reich Gottes durch Austilgung der Gegner herbeiführen wollen. In der Verkündigung Jesu gehören Gewaltverzicht, unbedingte Bereitschaft zur Versöhnung, Verzicht auf Vergeltung und Feindesliebe zusammen (Mt 5,21-26; 5,38-48). Aus dieser Entwurzelung in Gott durchbricht Jesus die unheilvolle Kette von Gewalt und Gegengewalt. „Der falsche Gott verwandelt das Leiden in Gewaltsamkeit. Der wahre Gott verwandelt die Gewaltsamkeit in Leiden.“ (Simone Weil)

 

Erlösung geschieht nicht durch Gewalt, auch nicht durch einen bloßen moralischen Imperativ. Gottes Gewaltverzicht kommt aus seiner Ehrfurcht vor der menschlichen Freiheit. Sein Weg ist die innere Annahme und Verwandlung, die Einwohnung und Eingewöhnung. „Und weil der Abfall von Gott ungerechterweise über uns herrschte und trotz unserer naturhaften Zugehörigkeit zu Gott uns widernatürlich von Ihm entfremdete und zu seinen eigenen Knechten machte – darum hat das Wort Gottes, das in allem mächtig ist und in Seiner Gerechtigkeit nicht versagt, sich gegen den Abfall selber gewandt und das Seinige von ihm zurückgekauft; nicht durch Gewalt, so wie jener vorher über uns herrschte, fremdes Eigentum unersättlich raubend, sondern in der Sanftheit des Zuredens. Denn so ziemte es sich für Gott, das zu erreichen, was Er sich vorgenommen: durch Überreden und nicht durch Gewalt, so dass weder das Recht verletzt noch das Urgebilde Gottes zugrundegerichtet wurde.“ (Irenäus von Lyon) Alles andere wäre für die Liebe ein Betrug.

 

 

 

 

Kaplan Franz Sieder

Frauenbefreiung

 

100 Jahre Frauentag – Am 19. März 1911 fand die erste große Frauendemonstration Wien statt. 100 Jahre später werden die Frauen ebenfalls am 19. März für ihre Rechte auf die Straße gehen (Infos http://www.20000frauen.at/ ) Über Frauenbefreiung hat Kaplan Franz Sieder beim Gottesdienst bei der Bundeskonferenz der KAB Frauen am 16. Jänner 2011 in Wien gepredigt.

 

Bei eurem Wochenende ist es um bessere Bildungsmöglichkeiten für die Frauen gegangen. Ihr habt euch auch mit der traurigen Wirklichkeit auseinander gesetzt, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer und dass das, was Frauen leisten, in der Öffentlichkeit zu wenig gewürdigt wird. Ich habe gehört, dass ihr heute in Wien unterwegs gewesen seid und nach Denkmälern von Frauen Ausschau gehalten habt. Ich denke, dass ihr außer dem Denkmal für die Kaiserin Maria Theresia und der Mariensäule Am Hof kaum ein Denkmal von einer Frau gefunden habt.

 

Es ist leider eine traurige Wirklichkeit. In der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen heißt es zwar: „Alle Menschen sind gleich an Rechten und Würde.“ Das ist eine Forderung. Die Wirklichkeit hinkt dieser Forderung noch weit nach. Ich besuche als Betriebsseelsorger regelmäßig  eine Wäscherei und Putzereifirma, wo nur Frauen härteste Fließbandarbeit verrichten. Ich habe einmal als Betriebsseelsorger gefragt, warum es keine Männer gibt. Sie sagte mir: „Das kann ich Ihnen schon sagen: Ein Mann arbeitet um dieses Geld nicht.“ Vor Weihnachten war ich beim Friseur und ich habe mit der Friseurin über das Gehalt der Friseurinnen diskutiert: Sie bekommt im Monat 980 Euro und da ist das Trinkgeld schon miteinbezogen. 75 Prozent des Trinkgeldes fließen in die Betriebskassa und sind damit Teil des Gehalts. Ich frage mich nach solchen Begegnungen immer. „Warum lassen die Frauen sich das gefallen?“

 

Weltweit ist die Entwürdigung der Frau noch größer als bei uns. Ich denke hier an die Millionen von Mädchen, die heute noch genitalverstümmelt werden oder an die Situation der Mädchen in der Türkei, wenn sie ein uneheliches Kind bekommen.

 

Wie stehen wir als Kirche zu dieser Benachteiligung und Unterdrückung der Frau in unserer Gesellschaft? Ich möchte dazu sagen, dass die Kirche nicht wirklich glaubwürdig sich für die Befreiung der Frau einsetzen kann, weil sie selbst die Frauen unterdrückt und benachteiligt. Solange die Kirche die Frauen nicht zum Diakonat und zum Priestertum zulässt, können wir nicht glaubwürdig für die Gleichberechtigung der Frauen kämpfen. Ich habe vor meiner Priesterweihe sehr darum gerungen, ob ich mich zum Priester weißen lasse. Mit meinem heutigen Bewusstsein würde mir die Entscheidung noch schwerer fallen, weil ich es mir sehr überlegen würde, einen Beruf zu ergreifen, zu dem Frauen bewusst nicht zugelassen werden. Dieses Vorgehen der Kirche ist ganz sicher nicht von Jesus sanktioniert. Wenn manche sagen: Ja, Jesus hat auch nur Männer zu Aposteln gemacht, dann müssen wir sagen, dass damals die Frau in der Gesellschaft noch völlig diskriminiert war und sie hätte damals keine Leitungsaufgabe ausüben können. Aber die Intention für die Zukunft war das nicht von Jesus. Jesus wollte vielmehr, dass die Frau von jeglicher Unterdrückung befreit wird. Es ist historisch, dass zur JüngerInnenschar von Jesus auch viele Frauen gehört haben und Jesus hat sich auch über Gesetze, die verboten haben, dass ein Mann öffentlich mit einer Frau spricht, hinweggesetzt. Mit der Samariterin am Jakobsbrunnen hätte er nach damaligen jüdischen Gesetzen nicht sprechen dürfen, aber das war ihm wurscht und mit dieser Frau, die eigentlich eine wiederverheiratete Geschiedene war, ein tiefes theologisches Gespräch geführt und er hat ihr versprochen, dass er ihr Ströme lebendigen Wassers geben wird. Wir in der Kirche verweigern den wiederverheirateten Geschiedenen diese Ströme lebendigen Wassers. Wir verbieten ihnen zur Kommunion zu gehen.

 

Ich habe für diesen Gottesdienst das Evangelium von der Begegnung von Jesus mit den beiden Schwestern ausgewählt. Auf den ersten Blick ist es etwas unverständlich, dass Jesus die Martha rügt, obwohl sie ihm das Essen herrichtet und ihn bedient, während Maria bei ihm sitzt und mit ihm diskutiert. Das Diskutieren war damals eigentlich nur eine Sache der Männer und die Frauen hatten sich um die Hausarbeit zu kümmern. Jesus wollte den beiden Frauen eine Botschaft vermitteln. Er wollte vor allem der Martha sagen: Martha, ich freue mich natürlich über das gute Essen, aber ich möchte dir sagen, dass die Frau nicht nur der „Schani“ ist, dass sie nicht nur in die Hausfrauen- und Mutterrolle hineinschlüpfen soll – sie hat das Recht genauso wie der Mann zu diskutieren und theologische Gespräche zu führen. Das heißt für uns heute, dass es nicht in der Intention von Jesus ist, die Frau zurückzudrängen zu den Kindern und an den Herd. Die Frau soll sich bilden wie der Mann sich bildet – sie soll ihre Fähigkeiten entfalten und sie soll auch in der Gesellschaft und in der Kirche Verantwortung übernehmen. Die Botschaft Jesu sagt uns, dass es keine Über- und keine Unterordnung zwischen Mann und Frau gibt. Die patriarchalische Ehe ist nicht im Geist des Evangeliums und ganz sicher auch nicht in der Gesinnung der Liebe. Wahre Liebe schließt das Herrschen über den / die andere aus. Der heilige Paulus hat diese Botschaft auch richtig verstanden, wenn er in seinem Brief an die Galater sagt: „Von nun an gibt es nicht mehr Juden / Jüdinnen und Griechen / Griechinnen, nicht mehr Sklaven / Sklavinnen und Freie, nicht mehr Mann und Frau, sondern von nun sind alle eins in Christus.“ Wir müssen ehrlich zugeben, dass die Befreiung der Frau in diesen 2000 Jahren, seit Jesus auf dieser Welt war, schon große Fortschritte gemacht hat, aber sie ist ganz sicher noch nicht abgeschlossen. Es ist daher wichtig, dass wir weiterkämpfen. Ich finde es auch sinnvoll und gut, dass ihr euch immer wieder zusammenfindet und ihr die Unterdrückung und Benachteiligung der Frau zum Thema macht. Josef Cardijn hat einmal gesagt: „Die Befreiung der Arbeiterinnen und Arbeiter kann nur durch die Arbeiterinnen und Arbeiter selbst kommen.“ Was die Arbeiterinnen und Arbeiter an sozialen Errungenschaften haben, das haben sie sich alles erkämpft. Ich würde sagen: Die Befreiung der Frauen kann nur durch die Frauen selbst kommen.

 

Eine wahre Kämpferin für die Befreiung der Frauen war hier in Wien ganz sicher die Johanna Dohnal. Sie war eine Pionierin und ihr sollte man in Wien ein Denkmal setzen.

 

Vielleicht hat die Frau sogar ganz spezifische Fähigkeiten, die der Mann nicht in demselben Maß hat, um unsere Welt friedlicher und menschlicher zu machen. Vielleicht würde die Kirche auch sehr schnell ein menschlicheres Antlitz bekommen, wenn Frauen mehr zu reden hätten und sie Macht und Verantwortung in der Kirche bekommen.

 

Letztlich geht es Jesus um den Aufbau und die Verwirklichung des Reiches Gottes hier auf dieser Welt. Das Reich Gottes kommt und wächst dann, wenn die Welt gerechter, friedlicher und menschlicher wird. Ein wesentlicher Mosaikstein in diesem anbrechenden Reich Gottes ist, dass der Frau jenes Recht und jene Würde gegeben werden, die ihr jahrhundertelang vorenthalten wurde.

 

 

 

Krieg im Abseits

 

Zum 27. Male fand Anfang Juli 2010 die Internationale Sommerakademie im Friedensforschungsinstitut Schlaining statt, an der beinahe 400 Menschen teilnahmen. Der „Krieg im Abseits“ –jene Kriege, die über die wenig oder gar nicht berichtet wird –  standen diesmal im Mittelpunkt. Der Organisator der Sommerakademie Thomas Roithner hat die Beiträge als 60. Band in der Reihe „Dialog – Beiträge – Beiträge zur Friedensforschung“ veröffentlicht.

 

„Wer wollte sich schon mit dem Wissen darum belasten,

 

dass unsere Art und Weise des Lebens Ressourcenkriege um Öl und mineralische Rohstoffe, schwere Landkonflikte (…) oder Kämpfe um den Zugang zum Lebenselixier Wasser provoziert?(…) Heute ist die Distanz verringert, die Ignoranz umso größer und einem komplexen Prozess der Verdrängung geschuldet, der im kollektiven, gesellschaftlichen Dasein ebenso bearbeitet werden muss wie die Verdrängung im individuellen Leben.“, stellt der Ökonom Elmar Altvater fest: „Die globale Infrastruktur deregulierter Ökonomien ist es, die für die neuen Kriege eine Vorbedingung ist. Diese werden heute zwar fast ausschließlich in den Entwicklungsländern ausgetragen. Doch die Geldwaschanlagen, die Waffenschieber und Söldnerfirmen stammen aus den Industrieländern (…)“

 

Die Auswirkungen von drei Jahrzehnten neoliberaler Politik beschreibt Peter Lock als ein „Labyrinth aus ständig neuen Mauern, Zäunen und virtuellen Barrieren mit vielfältigen scharfen sozialen Spaltungen“, „die Menschen ausgrenzen und deren Teilhabe an der neoliberalen Globalisierung bestenfalls auf magere und verbreitet auch skandalöse Ausbeutungsverhältnisse reduzieren.“ Der informelle und sogar kriminelle Sektor der Wirtschaft ist stark im Steigen; den Menschen, vor allem im Süden, wird jede Perspektive genommen.

 

Der Völkerrechtler Norman Paech zeigt das Bestreben der USA und der wirtschaftlich mächtigen Staaten auf, das Gewaltverbot der UN Charta zu umgehen.

 

Kriege durch Medien?

 

Der Journalist Andreas Zumach beklagt, dass der „Konzentrations- und Globalisierungsprozess in den Medien“ dazu führt, „dass heute an immer weniger Orten darüber entschieden wird, ob über einen Konflikt berichtet wird.“

 

Claudia Haydt sieht einerseits in der Berichterstattung der Medien eine Voraussetzung dafür, einer mitunter sehr kriegsmüden Bevölkerung Interventionskriege plausibel zu machen. Sie warnt andererseits, die in den Medien Hauptursache zu sehen: „Es ist vielmehr ein kompliziertes Wechselspiel, in dem es Medien bewirken, eine politische Agenda zu popularisieren, die zuvor bereits von Politikern, Think Tanks und Unternehmen entwickelt wurde.“

 

Tausende tote Flüchtlinge

 

„Nur zwei NGOs  (…) zählen seit rund 20 Jahren all die Leichen der Erstickten, Ertrunkenen und Verdursteten vor unserer Haustüre: Auf diesen Listen sind derzeit 15.566 Todesfälle dokumentiert. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Schätzungen gehen davon aus, dass rund die Hälfte der afrikanischen Migranten ihr Ziel lebend nicht erreicht.“ Doch: „Ein vergessener Krieg ist dies freilich nicht, sondern ein von Behörden und Regierungen vertuschter, von Medien weitgehend verschwiegener und den Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union wohl bereitwillig verdrängter, in besonderer Weise asymmetrischer Krieg. Die hochgerüstete Abwehr von Flüchtlingen und Migranten fordert immer mehr Opfer“, betont Elias Bierdel.

 

Kriegs- und Konfliktregionen

 

„Lateinamerika ist, gemessen an den Mordraten, die gewalttätigste Region“, schreibt Daniel Brombacher im Beitrag „Organisiertes Verbrechen und Gewalt in Lateinamerika“. Johannes M. Becker zeigt die Rolle Frankreichs in den „vergessenen Kriegen“ von Indochina bis Tschad auf, Werner Ruf deckt in den Unübersichtlichkeiten im Algerischen Bürgerkrieg die Interessen Frankreichs auf. Vlasta Jalusic behandelt die Konflikte Bosnien und Ruanda. Über zwei bekannte Konfliktregionen – Afghanistan und Pakistan – informieren Jochen Hippler und Peter Strutynski.

 

Hoffnung

 

Manfred Sauer erzählt eine Erfolgsgeschichte der Friedensbewegung: die Durchsetzung des weltweiten Verbotes der Anti-Personen-Minen. In einem ähnlichen Verfahren gelang es, auch bestimmte Arten von Streumunition zu verbreiten.

 

Fabian Ndubueze Mmagu, aus Nigeria stammender, burgenländischer Dechant, sagt in seiner Predigt beim Friedensgottesdienst, dass er trotzdem Hoffnung habe: „Die globalisierte Welt wird die Solidarität als ihre Rettung haben, oder sie wird immer mehr zu einer globalisierten Angst mit einem globalisierten Gewaltpotenzial.“

 

Das letzte Buch der letzten Sommerakademie?

 

„Krieg im Abseits“ bietet eine Vielfalt an wichtigen und interessanten Informationen. Auch wenn man / frau sich an die politikwissenschaftliche Sprache erst gewöhnen muss, leistet das Buch wichtige Aufklärungsarbeit. Vor allem die Informationen über die Hintergründe müssten in Kurzfassung als Flugblätter verteilt oder ins Facebook gestellt werden. Die Sommerakademie in Schlaining war bisher immer mein schönster Urlaub und das Buch eine gute Möglichkeit, das dort Gehörte an einen noch größeren Kreis zu verbreiten. Nun werden durch massive Streichungen im Forschungsbereich solche wichtige Projekte in ihrer Existenz gefährdet. Die öffentlichen Stellen geben heute schon sehr wenig für Friedensforschung und fast nichts für Friedensarbeit aus. Meine Hoffnung ist, dass diese Akademie und dieses Buch NICHT das letzte ist, und dass uns das gemeinsam gelingen wird. (Alois Reisenbichler. Der Artikel ist zuerst erschienen in der Zeitschrift „KRITISCHES CHRISTENTUM“ www.akc.at )

 

Österreichisches Forschungszentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hg.) Projektleitung: Thomas Roithner, Krieg im Abseits „Vergessene Kriege“ zwischen Schatten und Licht oder das Duell im Morgengrauen um Ökonomie, Medien und Politik, Wien / Berlin 2011 (Lit Verlag), Euro 9,80. 

 

 

 

T E R M I N E   UND KURZE MELDUNGEN:

 

 

Wir sind Kirche Termine

 

Donnerstagsgebete für Reformen in der Katholischen Kirche

Pregarten: jeden 2. und 4. Donnerstag, 19.30 Uhr, Pfarrkirche St. Anna in Prägarten

Salzburg: Do. 3. Feb., 19.00 Uhr , Pfarrkirche Taxham, Klessheimer Allee 93, 5020 Salzburg, Musik: Ökumenischer Chor mit Tom Preston

Linz: Do., 10. Feb., 19.00 Uhr, Pfarre Guter Hirte, 4030 Linz, Am Steinbühel 31, Thema: „Gratis Essen! Die umfassende Einladung Jesu zum Mahl“

Wien, Do., 24. März, 18.30 Uhr, Barockkirche St. Gertrud, 1180 Maynollogasse 3

 

So., 20. Feb., 15.00 Uhr, Mag. Martin Schenk, Wie können wir als Christinnen und Christen mit der ungerechten Verteilung von Besitz und Reichtum umgehen, Lainzer Kreis, Kardinal-König-Haus, 1130  Wien, Kard.-König-Platz 3 (Lainzer Str. 138)

 

Mi., 23. Feb., 19.00 Uhr, Bibelgespräch mit Paul Weitzer, Pfarre St. Gertrud, Pfarrheim, 1180 Wien, Maynollogasse 3 (U 6 Währinger Straße und dann mit den Linien 40 oder 41 eine Station stadtauswärts)

 

 

 

 

Katholisches Bildungswerk St. Nepomuk,

1020 Wien, Rotensterng. 33-35, U1 Nestroyplatz, Ausgang Rotensterngasse

 

Mi., 16. Feb., 19.30 Uhr, Mag. Martin Schenk, Armutsgefährdung in Österreich – Österreich ist ein reiches Land. Warum immer mehr Arme?

 

Mi., 6. April, Dr. Annemarie Fenzl, Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Meine Erinnerungen an Kardinal Dr. Franz König

 

Infos: www.pfarre-nepomuk.at

 

 

 

KAB Vesper

 

Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt.  

 

 

Ökumenische Gottesdienste im Karl-Marx-Hof

 

finden jeweils um 10.00 Uhr in den Räumen des PensionistInnenclubs, Eingang Grinzinger Straße, Ecke Heiligenstädter Straße statt: So., 13. Februar, So., 6. März,  So., 3. April.

 

 

 

Friedensinitiative Donaustadt

 

Jeden zweiten Dienstag im Monat trifft sich die FI 22 um 19.00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen - VIC):

 

Di., 8. Feb., Die Waffen nieder – dem Elend ein End, Friedenslieder und Texte von Dorothee Sölle

Di., 8. März, Adalbert Krims, Aktuelle friedenspolitische Situation

Di., 12. April, Dechant Martin Rupprecht, Interreligiöser Dialog

Di., 10. Mai, Mag. Walter Baier, Frieden im Nahen Osten?

 

 

 

Evangelische Akademie

 

Do., 3. Februar, 18.30 Uhr, Barbara Rauchwarter (ev. Theologin): Die 10 Gebote als Fundament der Ethik, Gebote 7, 8, 9, 10.

 

Mo., 14. Februar, 19.00 Uhr, Ökonomie alternativ denken – das politische Streitgespräch; Bischof Michael Bünker, Margit Appel (KSÖ), Christian Felber (attac)

Ort beider Veranstaltungen: Albert Schweitzer Haus, 1090  Wien, Schwarzspanierstraße 13.

 

Di., 15. Februar, 19.30 Uhr, Evangelisch für Neugierige – Glauben heißt Handeln, Bischof Michael Bünker, Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Christa Schrauf (Leiterin Diakoniewerk Gallneukirchen), Doris Appel (Mod.), ORF Kulturcafe, 1040 Wien, Argentinierstraße 30a

 

 

 

Pax Christi Wien

trifft sich wieder am Montag, 21. Februar um 18.00 Uhr in der Alten Burse, 1010  Wien, Sonnenfelsgasse 19 (U3 Stubentor).

 

 

 

Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka bei ACUS Amstetten

am 24. März 2011 um 19.30 Uhr zum Thema „Das Vermächtnis von Bruno Kreisky für die Politik von heute“, Rathaussaal Amstetten.

 

 

 

Das 20-Jahr-Jubiläum der Betriebsseelsorge St. Pölten

wird am Freitag, 25. Februar um 18.00 Uhr im Stadtmuseum St. Pölten, 3100 Prandtauerstraße 2, gefeiert.

 

 

 

Dekade für Frieden und Gewaltfreiheit

Die Mitgliederversammlung 2011 des Österreichischen Netzwerks für Frieden und Gewaltfreiheit am Freitag, 18. Februar 2011 von 15.00  - 18.00 Uhr im Büro des Internationalen Versöhnungsbundes, 1080 Wien, Lederergasse 23/3/27, statt.

 

 

 

SADDOC: HIV / Aids in Namibia

Über die aktuelle Entwicklung informiert Chileshe Gloria Mange (Windhoek) am Donnerstag, 17. Februar 2011, 19 Uhr in der SADOCC-Bibliothek, 1040 Wien, Favoritenstraße 38/Stiege18/1 (in Englisch).

 

 

 

Wir trauern um

 

Leopold Kunrath, der als evangelischer Christ sich in vielen Bereichen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzte, sowie um

 

Anna Maria Peter, eine langjährige Freundin der Friedensbewegung und (solange es ihre Augen erlaubten) treue Leserin unseres Informationsblattes.

 

 

 

Lehrgang Gewaltfreiheit

 

Der österreichische Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes lädt recht herzlich zum "Lehrgang Gewaltfreiheit" ein. Dieser wird von März bis November 2011 stattfinden. Der Lehrgang, der aus fünf Modulen und einer Woche im Sommer besteht, vermittelt die Grundlagen der aktiven Gewaltfreiheit und bietet eine praxisorientierte Ausbildung zum Umgang mit Konflikt- und Gewaltsituationen. Infos: www.versoehnungsbund.at

 

 

 

Solidarität mit Bischof Kräutler

 

Es gibt eine neue Möglichkeit, das Anliegen von Bischof Kräutler und vielen UmweltaktivistInnen, den Megastaudamm in Belo Monte (Amazonien / Brasilien) zu verhindern, im Internet auf der Homepage www.avaaz.org zu unterstützen:

STOP BELO MONTE-NO MEGA-DAM IN THE AMAZON

http://www.avaaz.org/en/amazon_under_threat?fp

 

 

 

Werte haben einen Namen

 

Mit einem Wertekatalog stellt die KAB der Diözese St. Pölten Menschen mit ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten in den Mittelpunkt und macht sich für alle stark, die in der Arbeit unter Druck geraten oder vom Erwerbsleben ausgeschlossen sind. 13 Werte wie beispielsweise Solidarität, Gerechtigkeit, Zivilcourage oder Nachhaltigkeit sollen an Hand einzelner anschaulich aufbereiteter Katalogtafeln für das persönliche Leben als auch für die betriebliche und gesellschaftliche Ebene erfahrbar gemacht werden. Werte sollen kein leere Worthülse bleiben. Der Katalog fordert: die Wirtschaft soll dem Menschen dienen. Die Leserinnen und Leser sollen ihr konkretes Arbeitsleben analysieren und im Geist des Evangeliums und der kath. Soziallehre mögliche Konfliktfelder erkennen und zu notwendige Veränderungsschritten ermuntert werden. Bestellungen: Kaplan Franz Sieder, Dammstr. 36 A-3300 Amstetten

 

 

 

„Demokratie im globalen Wandel“

Welche Chancen bestehen für die neu postulierte US-Außenpolitik von Barack Obama in Hinblick auf weltweite demokratische Reformen, insbesondere im "Greater Middle East"? Sind im islamischen Raum die diktatorischen Bastionen auf Dauer noch zu halten oder müssen auch diese früher oder später demokratischen Entwicklungen weichen? Welche Rolle spielen die internationale Medienberichterstattung sowie die globalen Datennetze im Zuge dieses weltweiten demokratischen Transformationsprozesses? Welche sicherheitspolitische Rolle spielte das transatlantische Militärbündnis NATO während und nach dem Kalten Krieg und welche Zukunft steht diesem bevor? Das sind einige der Fragen, denen auf der State-of-Peace-Konferenz 2010 auf den Grund gegangen wurde, deren Ergebnisse in diesem Friedensbericht dokumentiert sind. Der Friedensbericht 2010 ist in der Reihe Dialog im Lit-Verlag erschienen: Preis: Euro 9,80.

 

 

 

Donaufriedenswelle in Linz

Am 13. Februar 2011 um 19 Uhr wird ein Gottesdienst in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), Wiener Strasse 260 unter dem Motto "Es ströme das Recht wie Wasser" gefeiert. 

 

 

 

Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB)

 

Bei der Diözesankonferenz am Samstag, 19. März von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Pfarrheim Heidenreichstein, Kirchenplatz 4, wird das Thema „Wie geht die Kirche mit der Arbeitslosigkeit um?“ diskutiert. Gottesdienst mit Kaplan Franz Sieder.

 

Am Freitag, 13. Mai 2011 sprechen  über „Veränderungen brauchen einen langen Atem“ u.a. Dr. Alois Riedlsperger SJ (120 Jahre Kath. Soziallehre) und KAB-Bundesvorsitzender Reinhard Grausam (60 Jahre KABÖ) um 19.00 Uhr im Vereinshaus Horn, Robert Hamerling-Straße 9. Bischof Küng wird die Preise der Papst Leo Stiftung überreichen.

 

Am Samstag, 14. Mai 2011 gibt es einen Studientag ab 9.00 Uhr im Stift Altenburg zum Thema „Solidarität in Bedrängnis“, Referat von Dr. Markus Schlagnitweit sowie Arbeitskreise zu den jeweiligen Feldern wie z. B: Asyl, Ökologie, Armut, Prekäre Arbeitsverhältnisse sowie um 16.00 Uhr ein Gottesdienst mit Abt Christian Haidinger. Infos: http://www.kaboe.at  (St. Pölten)

 

 

 

Der Friedensweg

 

am Ostermontag, 25. April 2011, bei dem Vorarlberger Initiativen mitmachen, findet in Rorschach (Schweiz) unter dem Motto „Fremde werden einheimisch“ statt. In Rorschach sind 45 Prozent der EinwohnerInnen AusländerInnen. Infos: www.sosos.org/

 

 

 

Weibliche Freiheit und Religion sind vereinbar

 

Die Frauen des Interreligiösen Think-Tank, einem institutionell unabhängigen Zusammenschluss von Exponentinnen des interreligiösen Dialogs in der Schweiz, haben ein Manifest unter diesem Titel erarbeitet, das für ein differenzierteres Verständnis sowohl von Religion wie von Feminismus plädiert. Im Internet unter http://interrelthinktank.ch

 

 

 

Volksbegehren RAUS AUS EURATOM!

 

Vom 28. 2. bis 7. 3. 2011 findet die Eintragungswoche für dieses Volksbegehren statt. Die Eintragung ist auf den Gemeinde- und Bezirksämtern (amtlichen Lichtbildausweis mitnehmen).

 

Wichtige Argumente für den Ausstieg aus EURATOM:

 

EURATOM (=Europäische Atomgemeinschaft) fördert seit 50 Jahren die Atomindustrie mit Milliardenkrediten! Ziel des EURATOM-Vertrages ist es, „ die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen.“ (Präambel des EURATOM-Vertrages). Seit Beginn wurden über EURATOM rd. 400 Milliarden Euro an die Atomindustrie ausgeschüttet.

Österreich ist trotz seinem Nein zur Nutzung der Atomenergie Mitglied bei EURATOM. Das erschüttert die Glaubwürdigkeit der Antiatompolitik Österreichs.

Österreich zahlt für EURATOM zig Millionen Euro jährlich für die Atomindustrie ein!  Bereits im Jahr 2004 überwies Österreich 40 Millionen Euro für die europäische Atomwirtschaft. Dieser Beitrag dürfte sich mittlerweile vervielfacht haben, da mit dem 7. EU Rahmenforschungsprogramm die EURATOM-Mittel verdreifacht wurden (Der genaue Betrag wird von der Regierung verschwiegen). Geld, das für die Förderung erneuerbarer Energien dringend fehlt!

Das Europäische Parlament hat keine Mitentscheidungskompetenz bei der Vergabe von EURATOM-Krediten! Eine umfassende Revision des EURATOM-Vertrags wird seit Jahren verweigert!

 

 

 

BITTE UM SPENDEN

an Konto 040-32-675, Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,

 Christen f. d. Friedensbewegung

Die Kosten stiegen und steigen und ….

Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!

 

 

 

E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at

Friedensbüro: pax.vienna@chello.at

 

IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c. Eigenvervielfältigung. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Sabine Strobl.

Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.

 

 

 



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