INFORMATIONSBLATT
der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung - Nr. 1/2010
Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,
das nächste Treffen findet am
Sonntag, dem 10. Jänner 2010
um 14.00 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)
statt. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist die Diskussion mit Adalbert Krims zum Thema „Ein Jahr Obama – ist die Welt friedlicher geworden?“
Aus dem Inhalt:
Martin Maier SJ: Sterben muss, wer an Götzen rührt, das Zeugnis der ermordeten Jesuiten von El Salvador
Leonardo Boff in Wien: Eine neue Ethik und eine neue Spiritualität
Kaplan Franz Sieder: 1. Europäischer Sozialkongress der Katholischen Kirche
Pax Christi und IPPNW Deutschland zum Friedensnobelpreis für Obama
Martin Maier SJ
Sterben muss, wer an Götzen rührt
Das Zeugnis der ermordeten Jesuiten von El Salvador
Manche Verbrechen haben eine geschichtliche Dimension. Das trifft für die Ermordung von sechs Jesuiten und zwei Frauen am 16. November 1989 in San Salvador gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Wenige Tage zuvor war in Berlin die Mauer gefallen – der Anfang vom Ende des Kalten Krieges. Doch in El Salvador wurde der 1980 ausgebrochene Bürgerkrieg noch einmal richtig heiß. Er war auch ein Stellvertreterkrieg im Ost-West-Konflikt. Die linke Guerilla führte seit dem 11. November eine landesweite Militäroffensive und hielt ein Drittel der Hauptstadt San Salvador besetzt. Die Armee fühlte sich mit dem Rücken zur Wand.
Am Abend des 15. November versammelte sich die Obersten und Generäle und beschlossen, sich „die Köpfe“ der Aufständischen vorzunehmen. Ein Spezialkommando wurde in die Zentralamerikanische Universität José Simeón Cañas der Jesuiten geschickt. Die Soldaten zerrten die Patres aus ihrer Wohnung, zwangen sie mit dem Gesicht nach unten ins Gras zu liegen und erschossen sie aus nächster Nähe. Neben Ignacio Ellacuría, dem Rektor der Universität, waren es Segundo Montes, Ignacio Martín-Baró, Amando López, Juan Ramón Moreno und Joaquín López y López. Die Köchin Elba Ramos und ihre Tochter Celina mussten sterben, weil den Soldaten befohlen worden war, keine Zeugen des Massakers übrigzulassen.
Die aus den Schädeln gequollene Hirnmasse der Universitätsprofessoren wurde zum makabren Symbol: Hier sollte Geist getötet werden. Hier glaubten die Täter und ihre Hintermänner einmal mehr, mit Personen auch deren missliebe Ideen aus der Welt schaffen zu können.
Warum wurden die sechs Jesuiten und die beiden Frauen umgebracht? Die kürzeste Antwort darauf ist auf der Grabplatte in der Universitätskapelle zu lesen. Hier wird der wichtigste Auftrag des Jesuitenordens in unserer heutigen Zeit beschrieben, wie ihn die Generalkongregation von 1975 formuliert hat: „Was heißt heute Jesuit, Gefährte Jesu sein? Sich unter dem Kreuz im entscheidenden Kampf unserer Zeit einzusetzen: im Kampf für den Glauben, der den Kampf für die Gerechtigkeit mit einschließt.“
Mit dieser Grundentscheidung wollten die Jesuiten auf die weltweite Ungerechtigkeit als drängendster Herausforderung der Gegenwart antworten. Prophetisch hatte die Ordensversammlung aber auch vorausgesagt: „Wir werden nicht für die Gerechtigkeit arbeiten, ohne einen Preis dafür zu bezahlen.“ Dieser Satz ist ebenfalls in die Grabplatte eingraviert.
Der „Fall der Jesuiten“
Der Fall der Jesuitenmorde wurde zu einem Politikum erster Ordnung. Zuerst versuchten Armee und Regierung, das Verbrechen der Guerilla in die Schuhe zu schieben. Doch dieses Lügengebäude fiel schnell in sich zusammen. Zum ersten Mal befand sich die Armee in der Defensive. Ein besonderer Skandal war, dass auch die US-Botschaft in die Vertuschungsmanöver verwickelt war und ein US-Militärberater sogar im Voraus von dem geplanten Verbrechen wusste, ohne etwas zu unternehmen. Ein salvadorianischer Offizier sagte einmal, nichts habe der Armee in den Jahren des Krieges gegen die Guerilla so geschadet, wie diese von ihr selbst angeordneten Morde. Nicht zuletzt war es die moralische Empörung über das Verbrechen in der öffentlichen Meinung der USA, die schließlich zu einer Änderung der Salvador-Politik der US-Regierung beitrug.
Unter Vermittlung der Vereinten Nationen wurden im April 1990 Friedensverhandlungen begonnen. Der Peruaner Alvaro de Soto leitete diese Verhandlungen als Repräsentant des damaligen UN-Generalsekretärs Javier Pérez de Cuéllar. Rückblickend betonte er die Schlüsselbedeutung der Jesuitenmorde für die Verhandlungen: „Die Jesuiten mussten ihr Leben verlieren, um die moralische Empörung hervorzurufen, die die salvadorianischen Streitkräfte in der Defensive hielten und sie am Verhandlungstisch zu den Zugeständnissen zwangen, ohne die ein dauerhafter Friede wahrscheinlich nicht erreicht worden wäre. Die Untersuchungen der Morde und der Verhandlungsprozess waren ineinander verwoben wie eine Fuge, die Bach würdig gewesen wäre; sie schien vom Himmel her inspiriert.“ Diese Verhandlungen führten zu einem umfassenden Friedensvertrag, der im Januar 1992 unterzeichnet wurde, von dem aber in der Folge nur wenig umgesetzt wurde.
Im September 1991 kam es zu einem Prozess in San Salvador, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte des Landes acht Soldaten und Offiziere auf der Anklagebank saßen. Allerdings wurden nur zwei von ihnen verurteilt, und diese ließ man im Zug einer Generalamnestie im Frühjahr 1993 wieder frei. Obwohl inzwischen feststeht, dass die gesamte Armeespitze in die Planung des Massakers verwickelt war, ist das Verbrechen bis heute noch nicht wirklich aufgeklärt. Nachdem alle Anstrengungen für eine Wiederaufnahme des Verfahrens in El Salvador erfolglos blieben, reichte November 2008 die spanische Menschenrechtsorganisation APDHE sowie das Zentrum für Justiz und Rechenschaft (CJA) beim Nationalen Gerichtshof in Madrid Anzeige gegen 14 ranghohe Militärs ein. Der Richter Eloy Velasco begründete seine Zuständigkeit mit der universellen Gerichtsbarkeit, die laut internationalem Völkerstrafgesetzbuch vorliegt, wenn es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt.
Gerechtigkeit und Wiedergutmachung von staatlicher Seite lassen weiter auf sich warten. Neue Hoffnungen darauf verbinden sich mit dem Regierungswechsel im Juni 2009. Fast 20 Jahre lang wurde in El Salvador die Regierung von der ultrarechten ARENA-Partei gestellt, deren Gründer Roberto D´Aubuisson der Drahtzieher hinter der Ermordung von Erzbischof Romero war. Am 15. März 2009 wurde Mauricio Funes von der linken FMLN, der Partei der früheren Guerilla, zum Präsidenten gewählt. In seiner Antrittsrede bezog sich Funes ausdrücklich auf Erzbischof Romero als seine geistige Leitgestalt.
Am 16. November 2009 wurde den sechs Jesuiten im Präsidentenpalast posthum der Orden José Matias Delgado verliehen. Das ist der höchste Orden El Salvadors. Der Präsident Mauricio Funes verlieh ihnen diese Auszeichnung „für außerordentliche Dienste für das Land in den Gebieten der Bildung, der Menschenrechte, für ihren Beitrag zur Bekämpfung der Armut, ihren Beitrag zur Bekämpfung des sozialen Ausschlusses und der Ungleichheit, zum Frieden und zum Aufbau der Demokratie im Land“. Funes versteht dies als einen Akt der Wiedergutmachung für die Irrtümer, die der Staat in der Vergangenheit begangen hat.
Das salvadorianische Volk hat seine eigenen Formen von Erinnerung und Wiedergutmachung. Wiederansiedlungen von Flüchtlingen nach dem Bürgerkrieg wurden nach den ermordeten Jesuiten benannt. Ihre Bilder finden sich in vielen Kirchen und Hütten. Ihr Grab in der Universitätskirche wurde ebenso wie der Rosengarten zu einer Wallfahrtsstätte. Jedes Jahr versammeln sich in der Nacht vom 15. auf den 16. November über 10 000 Menschen auf dem Campus der Universität. Sie singen, beten und feiern ihre Märtyrer. In diesem Jahr wird auch der US-Kongressabgeordnete Jim McGovern an den Feierlichkeiten teilnehmen. Er hat sich von den USA aus ungemein engagiert für eine Aufklärung des Verbrechens eingesetzt. Dabei sparte er auch unbequeme Fragen zur Rolle der US-Administration nicht aus. Dafür wird ihm von der Universität ein Ehrendoktorat verliehen.
Wissenschaft im Dienst der Armen
Ich möchte nun etwas zum Wissenschaftsverständnis von Ignacio Ellacuría sagen. Er war der bekannteste unter den sechs ermordeten Jesuiten. Als Rektor der Universität schaltete er sich immer wieder in die öffentlichen Debatten ein, forderte mehr soziale Gerechtigkeit und die Einhaltung der Menschenrechte. Zusammen mit Erzbischof Arturo Rivera y Damas vermittelte er in der Einleitung von Friedensgesprächen. Er war auch einer der produktivsten Befreiungstheologen. Der Hass auf ihn in einschlägigen Kreisen der Oligarchie war grenzenlos.
Ellacuría war zur Überzeugung gekommen, dass inmitten des zum Himmel schreienden Elends der Mehrheit der salvadorianischen Bevölkerung nicht Wissenschaft um der Wissenschaft willen betrieben werden konnte. Die Zentralamerikanische Universität sollte sich als Universität für soziale Reformen mit dem Ziel einer gerechteren Gesellschaftsordnung einsetzen. Sie sollte zur Stimme derjenigen werden, die keine Stimme haben. Damit wurde sie aber immer mehr zur Zielscheibe der Reichen und der Mächtigen.
Von 1976 bis 1989 wurden gegen die Universität 16 Bombenanschläge verübt. Viermal wurde die Druckerei der Universität in Trümmer gesprengt. Hier werden die Bücher des universitätseigenen Verlages und neun Zeitschriften gedruckt. Ellacuría zitierte in im Zusammenhang mit den Anschlägen gegen die Druckerei einen spanischen Dichter, der unter der Zensur der Franco-Diktatur sagte: „Sie lassen die Leute nicht sehen, was ich schreibe, weil ich schreibe, was ich sehe.“
Schreiben, analysieren, was man sieht. Die sozio-politische Wirklichkeit als Herausforderung für die Universität aufgreifen. Damit ist formelhaft umschrieben, worum es diesen Professoren ging. Die UCA sollte sich unterscheiden von anderen höheren Bildungsanstalten in der Welt, die wir die dritte nennen, die von der reichen Oberschicht finanziert sind, und in denen nur die Söhne und Töchter der Oligarchien ihre Ausbildung erhielten. Sie sollte keine Insel eines vermeintlich reinen Wissens sein, so wie die von Mauern nach außen abgegrenzten Paläste der Reichen Inseln des Wohlstands im Meer des sozialen Elends sind. Eine Universität, die sich so in einen Elfenbeinturm einschloss, trug unweigerlich zur Verfestigung der ungerechten sozialen Strukturen bei. Die UCA sollte sich als Universität für eine soziale Veränderung hin zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung einsetzen.
Bei alledem ließ Ignacio Ellacuría nie einen Zweifel darüber aufkommen, dass die Universität eine Stätte der Pflege von Intellektualität und methodisch gebrauchter Rationalität sein muss. Pointiert formulierte er verschiedentlich: eine Universität, die verändernd auf die Gesellschaft einwirken will, braucht nicht weniger, sondern mehr wissenschaftliche Strenge. Ich erinnere mich an einen Vortrag von Ellacuría in Madrid, wo er von salvadorianischen Studenten erzählte, die ihm stolz berichteten, sie hätten bei einem Besuch des nordamerikanischen Vizepräsidenten mit Eiern geworfen. Er hielt ihnen entgegen, sie sollten nicht mit Eiern, sondern mit Statistiken werfen. Mit einer anderen Formulierung von Ellacuría ausgedrückt: der Wissenschaftler der UCA muss zwar am Schreibtisch arbeiten, doch nicht vom Schreibtisch aus. Seine wissenschaftliche Arbeit muss von der Realität des Landes ausgehen und auf ihre Veränderung zielen.
Wie für jede andere Universität nimmt für die UCA neben der Forschung die Lehre einen zentralen Raum ein. Sie zählt heute mehr als 10 000 Studenten und Studentinnen sowie über 300 Lehrkräfte. Dabei wird angestrebt, die Studierenden zu Akteuren einer sozialen Veränderung zu formen. Über die fachliche Qualifikation hinaus geht es dabei auch darum, ihnen ethische und christliche Werte zu vermitteln. Dabei ist die Option für die Armen sowohl erkenntnisleitende Prämisse wie auch praktische Zielsetzung ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Mit den Worten Ignacio Ellacurías: „Die Universität muss sich intellektuell bei den Armen inkarnieren, um die Wissenschaft derer zu sein, die keinen Zugang zur Wissenschaft haben, die gebildete Stimme derer, die keine Stimme haben. ... Wegen dieser Arbeit wurden wir hart verfolgt. ... Wenn unsere Universität in den letzten Jahren nichts vom Leiden und vom Tod des salvadorianischen Volkes miterlitten hätte, dann hätte sie ihren universitären Auftrag nicht erfüllt und noch weniger ihre christliche Orientierung sichtbar gemacht. In einer Welt, in der die Falschheit, die Ungerechtigkeit und die Repression regieren, kann eine Universität, die für die Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit kämpft, gar nichts anderes als eine verfolgte Universität sein.“
Gilt das nur für eine Universität in der Dritten Welt? – Mitnichten. Vor einigen Jahren gab es ein hochinteressantes Forschungsprojekt des Österreichischen Wissenschaftsfonds unter der Koordination von Professor Clemens Sedmak in Salzburg. Darin ging es um die Frage, ob in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen eine Option für die Armen verfolgt werden könne. Daraus ist im Verlag Herder ein Buch von 629 Seiten entstanden mit dem Titel: Option für die Armen. Die Entmarginalisierung des Armutsbegriffs in den Wissenschaften. Darin finden sich Beiträge aus praktisch allen Fakultäten und akademischen Disziplinen zu der Thematik.
Kirchengeschichtliche Dimension
Wenn ich zu Beginn von verschiedenen historischen Dimensionen in Verbindung mit dem Verbrechen gesprochen habe, so gehört dazu auch die kirchengeschichtliche. Der Jesuitenorden machte sich mit der Grundentscheidung für Glaube und Gerechtigkeit die Neuorientierungen zu eigen, welche die lateinamerikanischen Bischöfe auf ihrer Versammlung im kolumbianischen Medellín 1968 beschlossen hatten. In ihrem Bemühen, das Zweite Vatikanische Konzil auf die Situation Lateinamerikas umzusetzen, erkannten die Bischöfe dort das zum Himmel schreiende Elend der großen Mehrheit der auf dem Subkontinent lebenden Menschen als die entscheidende Herausforderung für die Kirche. Sie zogen daraus die Konsequenz der „vorrangigen Option für die Armen“, mit der sie ihre Grundentscheidung beschrieben, sich in Lateinamerika für Befreiung und Gerechtigkeit einzusetzen. Gleichzeitig entstand auch eine neue Theologie: die Theologie der Befreiung. In ihr wurden Glaube und Gerechtigkeit in eine neue Beziehung miteinander gebracht. Christliches Heil war nicht mehr nur eine Angelegenheit für das Jenseits, sondern auch für das Hier und Jetzt.
Damit wurde eine historische Wende in der Kirchengeschichte Lateinamerikas eingeleitet. Jahrhundertelang war die Kirche in Lateinamerika - von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen - in einem Bündnis mit den Mächtigen und den Reichen gestanden. Mit den Dokumenten von Medellín kündigte sie dieses Bündnis auf. Das alarmierte sowohl die lateinamerikanischen Oligarchien als auch die Regierung der Vereinigten Staaten. Damit war ein Konflikt programmiert. Gott in einen Zusammenhang mit den politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu bringen, wurde als Marxismus und Kommunismus abqualifiziert – in Lateinamerika bis heute ein tödliches Etikett.
In El Salvador verdichtete sich dieser Konflikt in besonderer Weise. Das kleinste Land Lateinamerikas vereint in sich die ganze Schönheit aber auch alle Spannungen und Widersprüche des Kontinents. Traditionell war es ein Agrarland mit Kaffee, Baumwolle und Zuckerrohr als Hauptexportgüter. Beherrscht wurde es von den sprichwörtlichen „14 Familien“. 1932 schlug die Armee eine Aufstandsbewegung der Bauern und Landarbeiter blutig nieder: in der berüchtigten „Matanza“ (Schlächterei) gab es innerhalb weniger Wochen 30 000 Tote. Bis 1979 wurde das Land von Militärdiktaturen regiert, die eine notdürftige demokratische Fassade aufbauten. Im Zug eines Industrialisierungsschubs in den 60er Jahren bildeten sich Gewerkschaften, reformorientierte Oppositionsparteien und studentische Organisationen, die auf eine Landreform und soziale Veränderungen drängten.
Anfang der 70er Jahre war noch nahezu die Hälfte des bebaubaren Landes in Händen von 1,5 Prozent der Landeigner, während sich 87 Prozent der Bauern gerade 20 Prozent teilten. Die wachsende soziale Polarisierung und die zunehmende Repression seitens der Regierung führten 1981 zum Ausbruch eines Bürgerkriegs zwischen der linksgerichteten Guerilla FMLN (Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional) und der Armee. Dieser Krieg wurde von den USA als ein ideologischer Stellvertreterkrieg im Zeichen des Ost-West-Konflikts mitgeführt. Sie finanzierten ihn auf Seiten der Armee mit über drei Milliarden Dollar. Der 1994 verstorbene Erzbischof Arturo Rivera y Damas bemerkte dazu trocken: „Die USA liefern die Waffen, und wir liefern die Toten.“
In den 70er und 80er Jahren brach in El Salvador eine regelrechte Kirchenverfolgung aus. Tausende von engagierten Christen und Christinnen, 18 Priester, vier Ordensfrauen und Erzbischof Oscar Romero fielen ihr zum Opfer. Der erste Priester, der im Auftrag von Grußgrundbesitzern ermordet wurde, war 1977 der Jesuitenpater Rutilio Grande. Er hatte in dem Bauerndorf Aguilares mit den Menschen das Evangelium als eine befreiende Botschaft zu lesen gelernt. Oft sagte er in seinen Predigten: „Gott liegt nicht im Himmel weit oben in einer Hängematte, sondern er ist mitten unter uns.“ Rutilio Grandes Ermordung war entscheidend für die Wandlung Erzbischof Oscar Romeros von einem eher ängstlichen und unpolitischen Kirchenmann zum prophetischen Verteidiger der Armen. Diese Wandlung zeigte sich auch in Bischof Romeros Einstellung gegenüber den Jesuiten. Hatte er früher eine kritische Distanz zu ihnen eingenommen, so wurden Ignacio Ellacuría und Jon Sobrino zu seinen engsten Beratern während seiner drei Jahre als Erzbischof.
Gekreuzigtes Volk
Der m. E. originellste Beitrag von Ignacio Ellacuría in der Theologie ist sein Theologumenon des gekreuzigten Volkes. Dem hermeneutischen Grundansatz der Theologie der Befreiung entsprechend stellt er dabei einen Bezug zwischen dem Kreuz Jesu und dem unschuldigen Leiden von Menschen heute her. Doch die Rede vom „gekreuzigten Volk“ wirft auch Fragen auf. Die Kreuzigung ist eine der grausamsten Hinrichtungsarten eines einzelnen Menschen. Wie soll man sich aber die Kreuzigung eines ganzen Volkes vorstellen? Dazu kommt, dass zumindest im deutschsprachigen Raum der Begriff des Volkes spätestens seit dem Nationalsozialismus historisch belastet und verdorben ist. Die „Theologie des gekreuzigten Volkes“ ist im Kontext Lateinamerikas entstanden und zuerst einmal von dorther zu verstehen. In Lateinamerika bezeichnet der Begriff „pueblo“ die einfachen Menschen. Vor allem die einfachen Menschen sind in den vergangenen Jahrzehnten zu Opfern geworden: zu Opfern des „langsamen Todes“ der Armut und des Elends; zu Opfern des „schnellen Todes“ der Repression. Das Adjektiv „gekreuzigt“ wird im metaphorischen Sinn verwendet. Doch die Metapher des Kreuzes bezeichnet eine sehr konkrete und reale Wirklichkeit. Wo ein Kreuz ist, gibt es Kreuziger, Henker. Wo ein Kreuz ist, gibt es Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit. Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit kennzeichnen die Lebenssituation der Mehrheit der Menschen in Lateinamerika.
Den wichtigsten Beitrag zu einer „Theologie des gekreuzigten Volkes“ hat Ellacuría in einem längeren, in der Vorbereitungsphase der Bischofskonferenz von Puebla verfassten Text geleistet, der den Titel „Das gekreuzigte Volk“ und den Untertitel „Versuch einer geschichtlichen Soteriologie“ trägt. Das generelle Anliegen dieses Textes ist die Frage, wie man von christlichem Heil angesichts von Elend und Unterdrückung ganzer Völker in der Geschichte reden kann. Ellacuría bringt das Kreuz Jesu mit dem Leid der Armen und Unterdrückten in Verbindung und verwendet dabei den Begriff vom „gekreuzigten Volk“, den er folgendermaßen definiert: „Wir verstehen hier unter gekreuzigtem Volk jene kollektive Gruppe von Menschen, die die Mehrheit der Menschheit darstellt, und deren Situation des Gekreuzigtseins von einer sozialen Ordnung verschuldet ist, die von einer Minderheit aufgebaut und aufrechterhalten wird, welche ihre Herrschaft aufgrund eines Zusammenspiels von Faktoren ausübt, die in ihrem Zusammenspiel und in ihrer konkreten geschichtlichen Auswirkung als Sünde bewertet werden müssen.“
Hier liegt ein wichtiger Akzent auf der Dimension des Sozialen: das gekreuzigte Volk wird als eine Gruppe verstanden, die die Mehrheit der Menschen darstellt, und auch die Gründe für sein Gekreuzigtsein werden in einem sozialen Kontext von Herrschaft und Unterdrückung beschrieben. Die Gründe für dieses kollektive Kreuz werden mit Schuld und Sünde, und zwar sozialer und struktureller Sünde in Verbindung gebracht. Damit ist auch gesagt, dass die gekreuzigten Völker nicht Konsequenz eines natürlichen Schicksales sind, sondern dass ihre Situation zumindest mitverursacht ist vom Tun und Unterlassen in der Geschichte handelnder Subjekte.
Im Begriff des gekreuzigten Volkes wird das Kreuz in einem metaphorischen Sinn verwendet. Doch in dieser Metapher drückt sich etwas sehr Fundamentales aus, das an das Spezifikum der Theologie der Befreiung überhaupt rührt: das unschuldige Leiden ganzer Völker wird im Licht des Kreuzes Jesu gesehen, und das Kreuz Jesu wird im Licht bzw. im Schatten der gekreuzigten Völker gesehen. Dahinter steht wieder das hermeneutische Grundprinzip der Theologie der Befreiung, dass geschichtliche Situation und göttliche Offenbarung sich gegenseitig erhellen: „Von der Perspektive des Gekreuzigten aus sind es auch die Armen, die die Sünde der Welt tragen und auf denen das Kreuz der Welt lastet. Man kann von einem gekreuzigten Volk reden, von einem kollektiven und geschichtlichen Knecht Jahwes, der den größten Teil der Schmerzen der Welt trägt, der fast kein menschliches Aussehen mehr hat, und der trotzdem berufen ist, Recht und Gerechtigkeit und so das Heil unter den Menschen aufzupflanzen.“ Doch noch vor allen theologischen und soteriologischen Reflexionen geht es darum, die Wirklichkeit in all ihrer Grausamkeit wahrzunehmen und durch nichts zu beschönigen: „Die Kreuzigung des Volkes vermindert die Gefahr, den Tod Jesu zu mystifizieren, und der Tod Jesu vermindert die Gefahr, die bloße Tatsache der Kreuzigung des Volkes heilsmäßig zu verherrlichen, so als ob das Faktum brutum des Gekreuzigtseins ohne weiteres zur Auferstehung und zum Leben führen würde.“
Wenn Ellacuría das gekreuzigte Volk als „kollektiven und geschichtlichen Knecht Jahwes“ bezeichnet, dann ist darin eine klare Anspielung auf den Gottesknecht des Propheten Jesaja enthalten, der wie schon bei Monseñor Romero die Schlüsselgestalt zur Identifikation des gekreuzigten Volkes mit dem gekreuzigten Christus ist. Eine der ganz zentralen Aussagen vom Gottesknecht ist, dass er Licht und Heil in die Welt bringt. Ellacuría überträgt diese Aussage nun auf die gekreuzigten Völker und erhebt sie zu den „Trägern einer geschichtlichen Soteriologie“. Auf diese Weise vermag er soteriologisch eines der zentralen Prinzipien der Theologie der Befreiung einzuholen: die Armen sind nicht nur die primären Adressaten des Heils (Objekte), sondern sie sind auch Subjekte des Heils und der Befreiung; sie vermitteln das wahre Heil und die integrale Befreiung: „Was der christliche Glaube der historischen Feststellung des unterdrückten Volkes hinzufügt, ist die Vermutung, ob es, über das hinaus, dass es der Hauptadressat der Heilsanstrengung ist, nicht auch in seiner gekreuzigten Situation das Heilsprinzip für die ganze Welt ist.“
Was Paulus schon als Skandal und Torheit bezeichnete, dass nämlich im Kreuz Jesu Heil ist, überträgt Ellacuría auf die gekreuzigten Völker: Die Armen und Unterdrückten sind das geschichtliche Heil der Welt. Nichts anderes kommt letztlich in der Gerichtsrede in Mt 25 zum Ausdruck: die Unterdrückten „sind schon in sich das Sakrament Christi, der geschichtliche Leib Christi, die Geschichte seiner gekreuzigten Gottheit; aber sie sind dies nicht auf eine statische und symbolische Weise, sondern sie sind es in ihrer konkreten Situation, in ihren Ängsten und Leiden, in ihren Befreiungskämpfen“. Das ewige Heil entscheidet sich am Verhalten zu den Armen und Bedürftigen: „Die christologische Dimension der Armen besteht darin, dass Jesus den letzten Grund der Rettung oder der ewigen und endgültigen Verdammung in das legt, was man ihm getan hat oder nicht getan hat, und was man seinen geringsten Brüdern getan hat oder nicht getan hat.“
Im Anschluss an diese theologisch auf den ersten Blick sehr kühnen und neuen Gedanken stellen sich auf dem Hintergrund einer traditionellen Christologie und Soteriologie mindestens zwei Fragen: zum einen könnte es so scheinen, wie wenn die Erlösungstat Christi am Kreuz unabgeschlossen wäre und noch einer Vollendung in der Geschichte bedürfte; zum anderen stellt sich die Frage des Verhältnisses der sakramentalen Gegenwart Christi im gekreuzigten Volk zu seiner sakramentalen Gegenwart in der Eucharistie und in der Liturgie. Ellacuría antwortet auf die erste Frage: „In einem Sinn ist es sicher, dass das Leben und der Tod Jesu sich ein für allemal ereignet haben, weil es sich dabei nicht um etwas rein Faktisches handelt, das den gleichen Wert irgendeines anderen Todes unter denselben Umständen hätte, sondern um etwas, das die endgültige Gegenwart Gottes unter den Menschen voraussetzt. Aber dieses Leben und dieser Tod gehen auf der Erde weiter, und nicht nur im Himmel: die Einzigartigkeit Jesu besteht nicht in seiner Trennung von der Menschheit, sondern im definitiven Charakter seiner Person und in der Heilsallgegenwart, die ihm entspricht.“ Ellacuría erinnert hier an die paulinische Theologie vom Leib, dessen Haupt Christi ist, und an die Sendung des Geistes, in dem sein Werk weitergeführt wird.
Zur zweiten Frage ist zu bemerken, dass Ellacuría der liturgischen Feier der Gegenwart Christi einen hohen Stellenwert in der Glaubenspraxis zumisst. Doch er betont gleichzeitig, dass die liturgisch-eucharistische Feier der Gegenwart Christi nicht das Totum der Gegenwart Jesu umfasst, sondern dass sich seine Gegenwart auch zeigt in der geschichtlichen Fortsetzung dessen was er tat, und in der geschichtlichen Erscheinung seines Leibes. Das Leben Jesu war transhistorisch, doch transhistorisch in dem Sinn, dass es durch die Geschichte hindurchging. Heute ist es das gekreuzigte Volk, das in der Geschichte das Leben und den Tod Jesu weiterführt, und in dem sein Leib in der Geschichte erscheint.
Die heutige Situation
Ich möchte nun noch kurz auf die heutige Situation in El Salvador eingehen. El Salvador kommt bei uns in den Medien in der Regel nur dann vor, wenn sich dort Naturkatastrophen ereignen wie vor einigen Tagen der Hurrican Ida mit mehreren Hunderten Toten, oder wenn außergewöhnliche Verbrechen geschehen wie etwa die Ermordung der Jesuiten und der beiden Frauen. Wie sieht es heute in El Salvador aus? Auch 17 Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrags sind die Probleme des Landes noch weit von einer Lösung entfernt. Es befindet sich immer noch in einem schwierigen und zerbrechlichen Übergangsprozess vom Bürgerkrieg zum wirklichen Frieden, von den jahrzehntelangen Militärdiktaturen zur Demokratie, von extremen sozialen Polarisierungen zu einer nationalen Versöhnung. Die Chance zu einer Aufarbeitung der schlimmsten Verbrechen des Bürgerkriegs, wie sie die Friedensverträge forderten, wurde mit der überstürzten Generalamnestie von 1993 vertan.
Beängstigend ist vor allem das Ausmaß der Gewalt. So werden heute mindestens ebenso viele Menschen Opfer von Mord und Totschlag wie in den Jahren des Bürgerkriegs. Im Jahr 2008 wurden 3136 Menschen getötet. 92 von 100 000 jungen Menschen werden jährlich Opfer von Gewaltverbrechen. Das ist die höchste Rate in ganz Lateinamerika. Hinter diesen Zahlen steht das Problem der Jugendbanden, der sogenannten „maras“, auf deren Konto zwei Drittel aller Mordtaten gehen. Das ist die Konsequenz einer verfehlten oder gar nicht existierenden Sozial- und Bildungspolitik. Die Regierung gibt nicht einmal 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Bildung aus. Dementsprechend haben zwei Drittel der Bevölkerung die Grundschule nicht abgeschlossen; weniger als 15 Prozent besuchen eine höhere Schule. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung haben keine Krankenversicherung.
Die bisherigen Regierungen versuchten, dem Problem der Gewalt mit „harter Hand“, dann mit „superharter Hand“ zu begegnen. Die tieferliegenden Gründe sind aber nach wie vor die extremen sozialen Gegensätze. Das reichste Fünftel der Bevölkerung erhält 56 Prozent des nationalen Einkommens. Das ist 21mal mehr als das ärmste Fünftel. 40 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als 2 Dollar am Tag überleben. Die geschätzten Mindestlebenshaltungskosten betragen 360 Dollar, der „gesetzliche“ Mindestlohn von Textilarbeiterinnen liegt bei 173 Dollar. Eine im Herbst 2008 veröffentlichte Studie des Welternährungsprogramms kommt zum Schluss, dass in El Salvador die absolute Armut um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen habe.
Wie ausweglos viele die Situation in El Salvador erleben, zeigt auch die Migration in Richtung USA. Täglich sollen es über 500 sein, die den teuren und gefährlichen Weg in Richtung Norden antreten. 2,5 Millionen Salvadorianer leben legal oder illegal in den Vereinigten Staaten.
Die Salvadorianer setzen jetzt ihre Hoffnung auf Mauricio Funes und die neue Regierung. Funes hat versprochen, die Kriminalität durch Prävention und Programme für Jugendliche sowie durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zu bekämpfen. Auch der Kampf gegen die Korruption steht ganz oben auf seiner Agenda. Mit Funes könnte ein neues Kapitel in der Geschichte El Salvadors aufgeschlagen werden. Doch kurzfristige Lösungen sind nicht zu erwarten. Im Parlament ist er auf Koalitionen mit den Christdemokraten und der rechten Partei PCN angewiesen. Schon jetzt steht fest: Die Oligarchie und die extreme Rechte werden alles unternehmen, um den Tatsachenbeweis zu erbringen, dass eine linke Regierung in El Salvador nur scheitern kann.
Zivilisation der Armut
Ich komme zu meinem letzten Punkt unter dem Stichwort „Zivilisation der Armut“. Ignacio Ellacuría setzte sich in seinem letzten Artikel wenige Monate vor seiner Ermordung mit der Frage einer neuen Weltzivilisation auseinander. Darin betont er, dass die Lösungen, welche die Erste Welt anbietet, schon allein deswegen keine wirklichen Problemlösungen sein können, weil sie nicht universalisierbar sind. Es ist schlicht unmöglich, dass die Menschen in der Dritten Welt nur annähernd so leben, wie jene in den reichen Ländern, weil dazu die natürlichen Ressourcen fehlen, und weil dies auch ökologisch zum globalen Kollaps führen würde.
Zur Diagnose unserer Weltsituation empfehle ich Ihnen das vor kurzem erschienene Buch von Wilfried Bommert: Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung. Darin geht es nicht nur um die Ernährungsfrage, sondern um die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten und eine neue Weltordnung überhaupt.
Nur der Entwurf einer Weltordnung, der für alle menschenwürdige Lebensbedingungen vorsieht, kann als Modell annehmbar sein. Deshalb plädiert Ignacio Ellacuría für eine Weltzivilisation der Armut, für eine Zivilisation der geteilten Genügsamkeit. Die Zivilisation der Armut „macht die universale Befriedigung der Grundbedürfnisse zum Prinzip der Entwicklung und das Prinzip der gemeinsamen Solidarität zur Grundlage der Humanisierung.“ Jon Sobrino SJ hat diese Vision als „Zivilisation geteilter Genügsamkeit“ weitergedacht. Damit ist zum einen ausgedrückt, dass Ressourcen und Reichtum gerechter aufgeteilt werden müssen, und zum anderen, dass dies von den Menschen in den reichen Ländern unvermeidlich Einschränkungen in ihrem Lebensstil verlangen wird.
Angestoßen durch die Weltfinanzkrise und die immer offensichtlicher werdenden Folgen der Klimaerwärmung wächst das Bewusstsein, dass ein globales Umsteuern notwendig ist. So fordert Nicholas Stern, der frühere Chefökonom der Weltbank: „In den nächsten Jahren müssen Weichen gestellt werden für die künftige Entwicklung des Erdklimas, aber auch unserer Wirtschaft, unseres Lebensstandards und unserer Energieversorgung.“ Das herrschende Wirtschafts- und Zivilisationsmodell muss durch eine neue Weltzivilisation ersetzt werden.
Entscheidende Maßstäbe für dieses neue Zivilisationsmodell müssen Universalisierbarkeit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sein. Die Wirtschaftsweise der reichen Länder des Nordens ist schon aus ökologischen Gründen nicht universalisierbar. Was nicht universalisierbar ist, kann aber dem kategorischen Imperativ Kants zufolge auch nicht ethisch vertretbar sein. Gerechtigkeit im globalen Maßstab bedeutet, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf die natürlichen Ressourcen und auf Energieverbrauch hat und dass auch die ökologischen Folgekosten zumindest annähernd gleich verteilt sein müssen. Nachhaltigkeit heißt, so zu wirtschaften, dass die Grundlagen des Handelns nicht zerstört werden und dass die Rechte und Interessen zukünftiger Generationen berücksichtigt werden.
Die Umsetzung einer solchen Zivilisation geteilter Genügsamkeit ist eine gigantische Herausforderung. Dazu bedarf es eines neuen Gesellschaftskontrakts zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Verzahnung der Probleme macht interdisziplinäre Anstrengungen notwendig. Hier sind auch die Universitäten gefragt.
Mein Freund, der Klimaökonom Ottmar Edenhofer vergleicht unsere Weltsituation mit der Titanic, die auf den tödlichen Eisberg zusteuert. Unser Verhalten angesichts des drohenden Untergangs ist für ihn so, als wären wir damit beschäftigt, im Casino des Schiffs für eine optimale Ausnützung der Stühle zu sorgen. Die Moralphilosophin Martha Nussbaum fordert, die Universität müsse world citizens – Weltbürger und Weltbürgerinnen hervorbringen. Sie meint damit die Fähigkeit, sich selbst über lokale und regionale Grenzen hinaus als Teil einer Menschheitsfamilie zu begreifen.
Ich komme zum Schluss. Vor 2000 Jahren artikulierte Jesus von Nazareth gegenüber Schriftgelehrten und Pharisäern, also den Akademikern seiner Zeit, in polemischer Schärfe die Ambivalenz von Denkmälern: „Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden. Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid.“ Vielleicht kann unser Gedenken heute ein Anstoß sein, im Geist der Märtyrer der UCA dem Vergessen und Verdrängen der Gerechtigkeitsfrage hier bei uns und im globalen Kontext unserer Welt entgegenzuwirken. Für mich sind hier folgende Merksätze wichtig geworden: „Der Gegensatz von Liebe ist nicht Hass, der Gegensatz von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, der Gegensatz von geistiger Gesundheit und von gesundem Menschenverstand ist nicht Wahnsinn, und der Gegensatz von Erinnerung heißt nicht Vergessen. Sondern jedes Mal ist der Gegensatz nur Gleichgültigkeit.“ Und: „Fürchte dich nicht vor deinen Feinden – im schlimmsten Fall können sie dich töten. Fürchte dich nicht vor deinen Freunden – im schlimmsten Fall können sie dich verraten. Fürchte dich vor den Gleichgültigen: Sie töten weder noch verraten sie, aber nur mit stillschweigender Zustimmung gibt es auf der Welt Mord und Verrat.“
Gras über Unrechtsgeschichten wachsen zu lassen, führt nach Adorno dazu, dass die Opfer und „die Ermordeten um das einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht ihnen schenken kann, das Gedächtnis“. Es geht dabei nicht um ein Gedenken um des Gedenkens willen. Die Erinnerung an die Opfer ist nur dann wirkliche Erinnerung, wenn sie uns empfindsam für gegenwärtiges Leiden von Menschen macht und wenn aus ihr eine die Unrechtsstrukturen umgestaltende Praxis erwächst.
(Vortrag in Wien am 16. November 2009)
Leonardo Boff in Wien:
Eine neue Ethik und eine neue Spiritualität
Vom 29. bis 31. Oktober 2009 war Leonardo Boff auf Einladung der Dreikönigsaktion zu Gast in Wien. Bei einer Pressekonferenz betonte er, das derzeitige Weltsystem sei gegründet auf Unrecht und ziele auf die Anhäufung von Reichtum hin. Es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen diesem System und der Armut. Armut ist Ver-Armung und ist gemacht. Ethisch gesehen ist sie Unrecht und Sünde. Das habe mit Gott zu tun! Leonardo Boff wies darauf hin, dass diese kausalen Zusammenhänge durchschaut und aufgedeckt werden müssen. Es gehöre theologisch reflektiert. Mit diesem Anliegen ist die Befreiungstheologie entstanden. Sie ist eine Antwort auf den Schrei der Armen. Im Blick auf den Welthunger sagte Leonardo Boff: „Die Armen verhungern an einem Tisch, der übervoll ist mit Lebensmitteln. Es wäre genug für alle da. Daher ist die Armut nicht nur eine technische und ökonomische, sondern vor allem auch eine ethische, spirituelle und humanistische Herausforderung".
Für Leonardo Boff muss die Theologie auf zwei Beinen stehen: Eines in der Lebensrealität des Elends, ein anderes im akademischen Bereich. Sie muss Antwort geben auf die Herausforderung der sozialen Ungerechtigkeit. Wie können wir Gott als guten Vater verkünden in einer Welt der Misere und der Ungerechtigkeit? Das ist nur glaubwürdig, wenn die Welt des Elends verändert wird. Die Güte Gottes muss erfahrbar gemacht werden. Angesichts der Weltsituation muss die Kernfrage der Theologie sein: Was mobilisiert das Christentum Richtung mehr Gerechtigkeit? Leonardo Boff ist überzeugt: Aus dem Engagement erwächst ein besseres Verständnis Gottes, der Bibel, der Erlösung in Jesus Christus, der als Befreier gekommen ist.
Eine Öko-Theologie der Befreiung
Weiters betonte er, dass die verschiedenen Gesichter und Formen der Armut nach einer je spezifischen theologischen Reflexion und Antwort verlangen. So sei es zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Theologie der Befreiung gekommen. Nicht nur die Armen schreien. Heute schreien auch die Wälder, das Wasser, die Tiere, ja die ganze Erde. Diese Schreie sind Reaktion auf die Ausbeutung. Die „große Arme" ist die Erde. So ist heute dringend notwendig, eine Öko-Theologie der Befreiung zu erarbeiten. Diesem Thema widmete sich sein Vortrag „Eine neue Ethik und eine neue Spiritualität für eine neue Welt" an der Universität, den er am Freitag, den 30. Oktober um 18:30 hielt. Wegen des großen Andrangs von über 300 Leuten musste spontan ein größerer Hörsaal gesucht werden.
Die Krisen als Bankrott des Systems
Leonardo Boff nahm in seinem Vortrag auf die enormen Herausforderungen Bezug, die aus den derzeitigen Krisen erwachsen. Es gelte, die Finanzkrise als Bankrott des kapitalistischen Systems ernst zu nehmen. Sie ist auch ein moralischer und ethischer Bankrott und macht offensichtlich: Die regulative Kraft der Märkte genügt nicht. Die Welt bedarf einer neuen Moral, einer neuen Spiritualität. Und die Klimakrise macht deutlich: Um die Erde bewahren zu können, sei es notwendig, alle Kulturen und alle Lebewesen mit ihren Potentialitäten zu integrieren. Weil die Herausforderungen so komplex und die Ursachen der Krise so verflochten sind, können nur eine ganzheitliche Sicht der Probleme und ein vernetztes Herangehen auf der Suche nach Lösungen zu brauchbaren Ergebnissen führen. Das Beste der Tradition muss sich mit dem Besten der Technik verbinden. Um ein brasilianisches Beispiel zu verwenden: Die Erfahrung der traditionellen Kautschukzapfer und Fischer muss in Verbindung gebracht werden mit der modernen Wissenschaft. Dabei ist das Ziel, die Erde zu heilen. Leonardo Boff meint, die neue Ethik müsse sich um die Grundhaltungen der Achtsamkeit, der Solidarität, der Kooperation und der Verantwortung bemühen. Diese neue Ethik hat ihr Fundament in einer neuen Spiritualität. Die Menschen müssten wieder religiös sein in dem Sinn, dass sie das re-ligare (die Rückbindung der Wirklichkeit an ihren Ursprung in Gott) leben. Für Boff ist nicht der Atheismus als solcher das Hauptproblem der Religionen in unserer Zeit, sondern eine fehlende Praxis der Rückbindung an die Transzendenz, an den Schöpfer. Aus dieser Rückbindung würden Ehrfurcht und Respekt vor der Erhabenheit allen Seins erwachsen und die Erkenntnis, in der Tiefe des eigenen Seins von Gott bewohnt zu sein. Im Dialog mit diesem tiefsten Kern des Menschseins wächst die Fähigkeit, Gottes Liebe und sein Wort anzunehmen und Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Diese Spiritualität wäre auch anschlussfähig an andere Religionen, was in der heutigen krisenhaften Weltsituation von eminenter Bedeutung ist.
Der Vortrag, die Diskussion und Fotos von der Veranstaltung an der Universität sind auf der Homepage der Fakultätsvertretung der Katholischen Theologie zu finden: http://www.fv-katheol.net/theologien-mainmenu-126/blogien/380-qwir-brauchen-wieder-utopien-und-traeumeq.html
Kaplan Franz Sieder
1. Europäischer Sozialkongress der Katholischen Kirche in Danzig
400 Delegierte aus allen europäischen Ländern kamen zu diesem Kongress. Ich war Mitglied der 15köpfigen österreichischen Delegation. Bei diesem viertägigen Kongress ging es darum, welchen Einfluss die Kirche nehmen kann, damit Europa ein soziales Europa wird. Bei den Überlegungen wurde der Blick auf die momentane Wirtschaftskrise gerichtet, die alle europäischen Länder erfasst und es wurde zugleich diese Wirklichkeit auf dem Hintergrund der katholischen Soziallehre gedeutet – in besonderer Weise mit dem Blick auf die neue Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI.
Auf alle Länder bezogen wurde festgestellt, dass der Mensch in der Neuentwicklung nicht das Ziel, sondern oft nur Mittel der Entwicklung ist. Die Entwicklung muss durch Moral untermauert werden und als Kirche haben wir eine besondere Verantwortung, die Moral in die Herzen der Menschen einzupflanzen.
Es wurde beklagt, dass die Kirche zwar eine relativ starke Sensibilität hat für caritative Hilfe, dass sie aber schwach ist, was die Gerechtigkeit anbelangt. Die Gerechtigkeit muss in den Mittelpunkt unserer Betrachtung gerückt werden. Das Reich Gottes, um das es letztlich geht, ist ein Reich der Gerechtigkeit. Die Gleichheit aller Menschen muss sich in den Strukturen der Gerechtigkeit widerspiegeln. Es ist notwendig, dass die Gerechtigkeit in den gesellschaftlichen Strukturen vorhanden ist. Wenn wir Strukturen haben, die die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander treiben, dann sind wir von der Gerechtigkeit in unserer Wirtschaft und Gesellschaft noch weit entfernt. Leider gibt es sogar Bestrebungen, die Menschen ihrer Grundrechte zu berauben. Wir haben 20 Jahre des Mauerfalls in Berlin gefeiert. Die Menschen in vielen europäischen Ländern wurden zwar im Jahr 1989 von einer verbrecherischen Diktatur befreit, aber das besagt noch nicht, dass wir heute in den europäischen Ländern gerechte Zustände haben.
Beim Kongress wurde auch immer wieder auf die Würde des Menschen hingewiesen. Schon Emmanuel Kant sagt: „Die menschliche Würde kann durch nichts ersetzt werden." Die Würde gehört einfach zum Menschen dazu. Nur über die Würde kann auch die menschliche Freiheit verstanden werden. Papst Benedikt XVI. hat auch in seiner Enzyklika „Caritas in Veritate" gerade der Würde des Menschen einen großen Beitrag geschenkt. Für den Christen / die Christin hat die Würde des Menschen noch eine besondere Bedeutung, weil wir uns bewusst sind, dass alle Menschen Kinder des einen Vaters im Himmel sind und er möchte, dass es allen gut geht.
Es wurde festgestellt, dass die Menschen in Europa immer stärker zu IndividualistInnen werden und dass die Solidarität abnimmt. Wir brauchen aber mehr denn je eine Mentalität der Solidarität in unserer Gesellschaft. Wir brauchen die soziale, gesellschaftliche Liebe. Ein Ausdruck von Solidarität ist auch die Subsidiarität. Subsidiarität heißt, dass was in kleinen Gemeinschaften erledigt werden kann, nicht unbedingt den größeren übergeordneten Gemeinschaften übertragen werden soll. Das gilt sowohl für die Europäische Union, aber auch für die Kirche. In der Kirche könnte vieles, was heute von Rom diktiert wird, an die kleineren Gemeinschaften abgegeben werden.
Die Solidarität schließt natürlich auch mit ein, dass wir in der Kirche ankämpfen sollen gegen jegliche AusländerInnenfeindlichkeit. Bei der Migration spielt im heutigen Europa oft auch die Angst eine bedeutende Rolle. Die Ängste der Menschen sollen wir natürlich immer ernst nehmen. Der bewusste Christ / die bewusste Christin sollte aber auch fähig sein über seinen / ihren Schatten zu springen und bereit sein, auch Opfer im Sinn der Gastfreundschaft zu bringen. Der Frage, wer unser Nächster / unsere Nächste ist, können wir uns als Christen und Christinnen nie entziehen.
Einen wichtigen Teil des Kongresses hat das Thema Familie eingenommen. Ich möchte nur einige Feststellungen oder Wünsche wiedergeben, die zum Bereich der Familie gesagt werden:
Die Familie ist in fast allen europäischen Ländern in einer Krise. Viele leben heute nur in informellen Beziehungen und diese verfallen größtenteils nach fünf Jahren. Auch die Ehen sind in Europa sind sehr brüchig geworden. Ein Phänomen, das die Familien in Europa belastet, sind die hohen Wohnungsmieten. Die hohen Mieten führen dazu, dass die Eltern sehr lange arbeiten müssen und daraus entstehen Erziehungsprobleme. Viele junge Menschen fragen sich, warum sie überhaupt eine Familie gründen sollen. Die Rechte der Familien werden in der neuen Charta der Europäischen Union überhaupt nicht erwähnt. Auch die informelle Arbeit der Frau wird von den europäischen PolitikerInnen nicht wahrgenommen. Die Politik sollte es ermöglichen, dass alle Menschen eine Familie gründen können. Die Mütter sollten bei der Kindererziehung unterstützt werden und es sollte auch mehr Beratungsmöglichkeiten für die Familie geben.
Natürlich musste bei diesem Sozial-Kongress der europäischen Kirche ein besonderer Blick auch auf die aktuelle Wirtschaftskrise gerichtet werden. Europa ist gefährdet durch einen sozialen Dualismus. Die Armut steigt in Europa. Die marktwirtschaftlichen Prinzipien sollten nicht mehr für alles eine Anwendung finden. Bereiche, die Dienst am gesamten Volk sind, sollen verstaatlicht bleiben und nicht privatisiert werden. Es bedarf auch einer viel stärkeren staatlichen Kontrolle des Marktmechanismus. Die großen Herausforderungen sind heute alle von globaler Bedeutung. Der Markt zerstört sich selbst, wenn er nicht Regeln hat. Wir brauchen heute einen internationalen Ordnungsrahmen einer sozialen Marktwirtschaft. Die europäische Politik darf nicht nur Binnenmarktpolitik sein. Wir dürfen die Welt nicht einfach dem Markt überlassen. Der Markt muss gebändigt werden. Viele Werte werden heute auf die Müllhalde eines übertriebenen Liberalismus gekippt. Arbeitsplätze bilden und erhalten muss heute ein großes Anliegen der europäischen Wirtschaft und Politik sein. Die Entwicklung muss eine nachhaltige Entwicklung sein. Auch die nächsten Generationen sollen auf unserem Planeten noch gut leben können. Es müssen die sozialen Ungerechtigkeiten beseitigt werden und eine neue Form der Gerechtigkeit herbeigeführt werden. Die Wirtschaft ist nicht das Ziel, sondern nur ein Instrument. Das Ziel muss der Mensch bleiben.
Es sind nicht unbedingt neue Erkenntnisse, die bei diesem Kongress zur Sprache kamen. Die Grundsätze und Markierungen für ein soziales Europa und eine soziale und gerechte Welt sind im Evangelium und in der katholischen Soziallehre schon grundgelegt. Diese Grundsätze wurden aber in Verbindung gebracht mit der konkreten Wirklichkeit von heute. Der Kongress machte auch sichtbar, dass die soziale Botschaft ein Wesenselement der kirchlichen Verkündigung sein muss, wenn wir die Botschaft von Jesus nicht verraten wollen.
Pax Christi Deutschland:
Nur öffentlicher Druck kann ein Ende des
Afghanistankrieges bewirken
Präsident Obamas geplante Truppenaufstockung in Afghanistan ist grundfalsch und seine Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises eine Enttäuschung
„Obamas Truppenaufstockung, die einer Invasion gleichkommt, wird nicht zur Stabilisierung der Region beitragen, sondern zur Eskalation der katastrophalen Lage der afghanischen Bevölkerung.“ kommentiert pax christi-Generalsekretärin, Christine Hoffmann, Obamas neue Afghanistanstrategie, die er in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises erneut rechtfertigte.
„Sowohl in Amerika als auch hier in Europa ist es höchste Zeit, die Ablehnung dieses Krieges durch die Bevölkerung in verstärkten, öffentlichen Druck auf die Regierungen umzusetzen, damit die Gewaltspirale dort endlich gestoppt wird anstatt sie immer wieder anzuheizen. Die Stabilisierung Afghanistans und Pakistans ist nur durch ein Ende des Krieges und die Stärkung der zivilen Unterstützung zu bewirken. 30.000 weitere Soldaten nach Afghanistan zu schicken und gleichzeitig den Rückzug für 2011 anzukündigen, ist keine Exit-Strategie, sondern eine Invasion, an der Deutschland sich keinesfalls beteiligen darf“, betont Hoffmann.
Pax christi USA kommentierte Obamas Rede ähnlich: Es sei enttäuschend, dass dieser Präsident sich kurz vor der Ehrung zur Eskalation des Krieges in Afghanistan mittels der Entsendung von 30,000 zusätzlichen Soldaten ausgesprochen hat. Pax Christi USA bedauert, dass er sich nicht vom Beispiel des früheren Friedensnobelpreisträgers, Dr. Martin Luther King, Jr. hat leiten lassen, der den Preis als starke Bestätigung dafür angesehen hat, dass Gewaltfreiheit die Antwort auf die politischen und ethischen Herausforderungen unserer Zeit ist – und als Ansporn für die Menschheit, Unterdrückung und Gewalt zu überwinden, ohne selbst zu Gewalt und Unterdrückung zu greifen.
Die IPPNW widerspricht Obamas These:
"Ja, die Mittel des Krieges spielen eine Rolle in der Erhaltung des Friedens."
Die IPPNW setzt gegen die These des US-Präsidenten Obama auf die Kraft der Gewaltfreiheit. Sie steht zu dem Ziel der Charta der Vereinten Nationen, "künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat".
Die IPPNW setzt sich mit anderen Organisationen der Friedensbewegung für eine Strategie des Friedens ein. Diese will neben dem Abbau von Gewalt die Gestaltung des positiven Friedens herstellen, erhalten und optimieren, und zwar auf allen Ebenen des Handelns und in allen Feldern des Lebens: politisch, ökonomisch, ökologisch, soziokulturell, individuell.
In einem umfassenden Sinn der Auseinandersetzung mit "struktureller Gewalt" beschäftigt sich Friedenspolitik nicht nur mit der Abwehr konkreter Kriegsgefahr, sondern schafft mittel- und langfristig Bedingungen für einen Frieden, der auf Gerechtigkeit, Solidarität und einem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen beruht.
Weil das Zusammenleben von Menschen und Völkern immer von Konflikten geprägt ist, werden Strukturen und Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung gebraucht. "Zivile Konfliktbearbeitung" (ZKB) ist der bewusste Einsatz nicht-militärischer Mittel zur Vermeidung, Beilegung und Nachsorge gewaltsamer Auseinandersetzungen, es ist zugleich ein Gesamtsystem von Institutionen und Mitteln.
Gegen Militär, Kriegsvorbereitungen und Krieg sind Widerspruch und Protest sowie die Formen des direkten gewaltfreien Widerstandes und zivilen Ungehorsams notwendig. Dieser Widerstand steht in der Tradition des gewaltfreien zivilen Ungehorsams, den z. B. Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Nelson Mandela und Aung San Soo Kyi ausgeübt haben. Die gewaltfreien Widerstandsaktionen in Mutlangen gegen die atomare Aufrüstung mit Pershing-II-Raketen bis hin zu den Airbase-Blockaden gegen den Irak-Krieg sind beispielhaft. In dieser Tratdition engagiert sich die IPPNW.
Fremd in Österreich
Migration – Hintergründe und Probleme ist das Thema der nächsten Mostviertler Gespräche mit Sabine Strobl (Bildungs- und Frauensekretärin des ÖGB, Hanife Onay (Arbeiterkammer NÖ) sowie zum Thema „Kirche und Migation - Aussagen dern euen Sozialenzyklika" mit Mag. Sepp Gruber, Betriebsseelsorge Traisental am Donnerstag, 21. Jänner 2010 um 19.30 Uhr in Amstetten, Gasthaus Gürtler, Rathausstraße 13
Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka
spricht bei einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) Amstetten) am Donnerstag, 28. Jänner 2010 um 19.30 Uhr im Gasthaus zur Rennbahn – Sandhofer, 3300 Ybbsstraße 14 zum Thema „Die Zukunft der Sozialdemokratie“.
Ökumenischer Gottesdienst im Karl-Marx-Hof
finden jeweils am ersten Sonntag im Monat um 10.00 Uhr in den Räumen des Pensionistenclubs, Eingang Grinzinger Straße, Ecke Heiligenstädter Straße statt: Mi., 6. Jänner 2010 (Heilig Drei König-Feiertag), 7. Februar, 7. März
Die nächsten Jugendgottesdienste sind
Sonntag, 24. Jänner, 18.30 Uhr, Pfarrkirche Schwechat, „Raus aus dem Grau“
Sonntag, 18. April, Firmevent – Feuerfest, Jugendkirche Wien, Wiedner Hauptstr. 97;
Sonntag, 16. Mai Kirche Maria Schnee;
Sonntag, 8. August Laxenburg
(zu diesen Gottesdiensten gibt es noch keine näheren Infos auf der Homepage).
Evangelische Akademie
Das Vater Unser
Do., 14. Jänner 2010, Teil 2: Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
Do., 21. Jänner 2010, Teil 3: Was Menschen brauchen - Brot, Vergebung und Erlösung vom Bösen
Mit Barbara Rauchwarter, jeweils 19.00 Uhr, Albert Schweitzer Haus, 1090 Schwarzspanierstraße 30
So., 17. Jänner 2010, 16.00 – 19.00 Uhr, MAHL-ZEIT Essen und Trinken in verschiedenen Religionen Wie schmecken jüdische Speisen? Was essen MuslimInnen beim Fastenbrechen? Gibt es christliche Gerichte, Fastengebote im Buddhismus oder typisch hinduistische Speisen?, Albert Schweitzer Haus, 1090 Schwarzspanierstraße 30
Fr., 29. Jänner 2010, 16.00 Uhr – 20.00 Uhr, Argumentationstraining gegen rassistische Äußerungen, mit AntirassismusexpertInnen des Vereins ZARA – Zivilcorage und Anti-Rassismus-Arbeit, Albert Schweitzer Haus, 1090 Schwarzspanierstraße 30
Infos, Anmeldungen:
http://www.evang-akademie.at/ akademie@evang.at
Termine „Wir sind Kirche“
Mi., 20. Jänner, 18.00 Uhr, Lenaers: Der Traum des Königs Nebukadnezar, Kapitel 10 und 11, Gesprächskreis unter der Moderation von Dr. Michael Striebel, Dornbirn, in der Pfarre St. Christoph, Rohrbach
Do., 21. Jänner 2010, 19:00 Uhr, „Moralpädagogische Bibelinterpretation anhand von Beispielen. Nach einer Dissertation von Univ. Prof. Dr. Wolfgang Langer“. Pfarre St. Gertrud / Wien-Währing, Pfarrheim, 1180 Wien, Maynollogasse 3 (U6 Währinger Str. und Straßenbahn 41/42 eine Station stadtauswärts
KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt (nicht in den Sommerferien).
Friedensinitiative Donaustadt
Anfang der 80er Jahre waren hunderttausende Menschen für atomare Abrüstung auf den Straßen. Die Sorge um den Frieden war ganz oben auf der Tagesordnung – neue Friedensinitiativen entstanden. In dieser Zeit bildete sich aus dem antifaschistischen Personenkomitee Donaustadt die Friedensinitiative 22.
Nun sind schon etliche Jahre vergangen, aber die Donaustädter Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten sind noch lange nicht müde. Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sie sich in der Donaucitykirche und diskutieren mit kompetenten ReferentInnen ein interessantes Thema. Eine Lesung mit Texten von Frauen über den Zweiten Weltkrieg sowie antifaschistische Lieder; die Entwicklung des Bundesheeres; Sekten; von der Wirtschaftskrise zum Weltkrieg (1929 – 1938); der neue US-Präsident Obama – das waren die Themen der vergangenen Abende.
Die Friedensinitiative trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen – VIC):
Di, 12. Jänner 2010: Peter Schmidt: SUDAN – vom Bürgerkrieg zum Aufbruch
Di, 9. Februar 2010: M. Sauer (OMEGA / IPPNW) – Hat Abrüstung Zukunft?
Di, 9. März 2010: Dra. Elke Renner (LehrerInnen für den Frieden) – Wer hat Angst vor der Bildungsreform?
Südafrika – zwischen Rezession und Aufschwung
Dr. Stefan Pistauer (österr. Handelsdelegierter in Johannesburg) spricht am Donnerstag, 28. Jänner 2010, 19.00 Uhr über „Derzeitige Wirtschaftslage und südafrikanisch-österreichische Wirtschaftsbeziehungen“ in der SADOCC-Bibliothek, 1040 Wien, Favoritenstraße 38/18/1 (U1-Station Taubstummengasse; 13A-Station Favoritenstraße)
Im Interview mit INDABA (Zeitschrift der SADOCC, Heft 64/09) kündigt der südafrikanische Minister für Handel und Industrie, Rob Davies, eine neue Wirtschaftspolitik an, in der die Diversifizierung des Außenhandels sowie die Modernisierung und Ökologisierung der Industrie eine große Rolle spielen sollen. In diesem SADOCC-Abend geht es um die Einschätzung der südafrikanischen Wirtschaftslage und der bilateralen Handelsbeziehungen aus österreichischer Sicht.
Antisemitismus
im Vorarlberger Wahlkampf – war’s das?
Im letzten Vorarlberger Landtagswahlkampf waren Töne zu hören, die man von SpitzenpolitikerInnen seit 1945 nicht mehr gehört hat. Einige Wochen danach ist Zeit für ein paar Überlegungen: War der „Exil-Jude aus Amerika“ nur ein Wahlkampf-Hit der FPÖ und ist die Sache erledigt. Welche Rolle spielen Antisemitismus heute in Vorarlberg – angesichts von Spannungen und Ängsten im Zusammenhang mit wachsender sozialer Unsicherheit, mit Migration und mit dem Sichtbarwerden des „Fremden“ in der Gestalt des Islam? Was sind mögliche Antworten des Bildungswesens und welche Strategien erfordert die öffentliche Auseinandersetzung heute?
Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages diskutieren Hanno Loewy (Jüdisches Museum Hohenems) und Werner Dreier (Projekt erinnern.at) am Mittwoch, 27. Jänner 2010, 20.00 Uhr im Theater KOSMOS Bregenz (schoeller2welten, Mariahilfstr. 2), Moderation: Kurt Greussing. Eine Veranstaltung von Theater Kosmos, Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS), Grüne Bildungswerkstatt, Renner-Institut, Jüdisches Museum Hohenems, erinnern.at, Johann-August-Malin-Gesellschaft)
Söldner, Schurken, Seepiraten
Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der „neuen“ Kriege – war das Thema der Sommerakademie 2009 des Friedensforschungsinstituts Schlaining. Hier ging es weder um reißerische Schlagzeilen noch um Munition für die Kriegspropaganda und Terrorhysterie, wie sie nach dem verhinderten Anschlag in den USA wieder einmal betrieben wird, sondern um die Hintergründe für Piraterie und die zunehmende „Privatisierung des Krieges“. Besonders wichtig ist, dass wirtschaftliche Ursachen dieser Konflikte aufgezeigt werden. Als ChristInnen für die Friedensbewegung freut uns, dass die Predigt von Kaplan Franz Sieder beim Friedensgottesdienst in der Burgkapelle abgedruckt wurde.
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hg.), Projektleitung: Thomas Roithner: Söldner, Schurken, Seepiraten. Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der "neuen" Kriege, 343 Seiten, Dialog 58 - Beiträge zur Friedensforschung, ISBN 9-7836-4350-0991, Lit-Verlag, Münster - Hamburg - London - Berlin - Wien, € 9,80 zzgl. Porto, Jänner 2010. Infos: http://www.thomasroithner.at
Unsere Bitte:
Unsere Kosten sind enorm gestiegen!!!
BITTE UM SPENDEN
an Konto 040-32-675,
Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,
Christen f. d. Friedensbewegung
Die Kosten stiegen und steigen und ….
Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!
E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at
http://www.friedenschristen.at.tf/ http://www.friedenschristinnen.at.tf/
IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, Eigendruck. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adressverwaltung: Manfred Sauer.
Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.