INFORMATIONSBLATT
der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung - Nr. 4/2009
Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,
das nächste Treffen findet am
Sonntag, dem 27. September 2009
um 14.00 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)
statt. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist die Diskussion mit Manfred Sauer (OMEGA – IPPNW) über „Neue Chancen für die Atomwaffenabrüstung“.
Aus dem Inhalt:
Christliche Grußadressen zum Hiroshimatag 2009
Josef Gruber: 3.700 km (per Rad) für den Frieden
Bischof Manfred Scheuer: Nicht Kerker, nicht Fesseln (Franz Jägerstätter)
Kaplan Franz Sieder: Der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit
Bischof i. R. Herwig Sturm: Die Schöpfung – Haus Gottes für alle
Christliche Grußadressen zum Hiroshima-Tag 2009
Die Aktionen der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe Wien wurden auch heuer wieder mit zahlreichen Grußadressen unterstützt. Aus Platzgründen kann nur ein kleiner Teil veröffentlicht werden. Alle Grußadressen sind unter www.hiroshima.at veröffentlicht.
AKTION KRITISCHES CHRISTENTUM (AKC)
Die Jahrestage der Atombomben-Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki erinnern uns jedes Jahr nicht nur an die hunderttausenden Opfer des ersten und (bisher) einzigen Einsatzes dieser inzwischen international geächteten Massenvernichtungswaffe, sondern auch an unsere Verpflichtung, Ähnliches für alle Zukunft auszuschließen. Die Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie der schrittweise Abbau bis zur gänzlichen Vernichtung der bestehenden Arsenale müssen daher vorrangige Ziele der Friedensbewegung sein und bleiben. Es ist begrüßenswert, wenn die Abrüstungsverhandlungen zwischen den USA und Russland wieder in eine konstruktive Phase gelangen, auch wenn es dagegen ein politisches Sperrfeuer von Kräften gibt, die in ihrem Denken offenbar in den Zeiten des Kalten Krieges stecken geblieben sind. Wichtig ist aber auch, dass Staaten, die über Atomwaffen verfügen, sich aber bisher jeglicher internationalen Kontrolle entziehen – wie Indien, Pakistan, Nordkorea oder Israel –, endlich die Regelungen des Nicht-Weiterverbreitungs-Vertrages akzeptieren. Darüber hinaus muss verhindert werden, dass Staaten (darunter auch der Iran), die die Atomenergie für friedliche Zwecke nutzen, dadurch Zugang zu Atomwaffen erhalten.
Die AKC unterstützt daher die Aktionen zu den Gedenktagen von Hiroshima und Nagasaki und hofft, dass die Forderungen der Friedensbewegung auch von den verantwortlichen Politikern – international und in Österreich – gehört und umgesetzt werden.
Ao. Univ.-Prof. Dr. Erwin Bader
Philosoph und Friedensforscher
Ein begrüßenswerter Konsens der internationalen Gemeinschaft ist die Ablehnung aller Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie sie z. B. für den Nationalsozialismus typisch gewesen sind; jeder aufrichtige Weltbürger verurteilt heute Massentötungen unschuldiger Menschen und sonstige Kriegsverbrechen. Seit den Gräueltaten des Nationalsozialismus hat sich die internationale Welt zusammengeschlossen und will alles unternehmen, damit womöglich Angriffskriege und sonstige Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterbunden bzw. verhindert werden. In letzter Zeit scheint aber dieses System der globalen Sicherheit weniger erfolgreich zu sein. Was kann die Ursache sein? Eine Antwort ist, dass das Horten von Atomwaffen als ein Mittel zur Stabilisierung ungerechter Machtverhältnisse empfunden wird. Weil der mögliche Einsatz dieser Waffen eine unterschiedslose Massentötung unschuldiger Menschen bedeuten würde, wird die Glaubwürdigkeit der Bemühungen der Großmächte um den Weltfrieden beeinträchtigt.
Niemand kann ernsthaft in Abrede stellen, dass schon die Existenz von Atomwaffen ein schwer kalkulierbares Sicherheitsrisiko darstellt. Damit wird der Erfolg der Bemühungen um den Weltfrieden im Kern beeinträchtigt. Bisweilen wurde der Verdacht laut, dass die atomare Bewaffnung ein bis heute still weiter existierendes Relikt gerade jenes archaischen (für den Nationalsozialismus typisch gewesenen) Ungeistes sei, welcher meint, jener Staat sollte über die Erde herrschen, welcher am erfolgreichsten töten könne. Ungerechte Verhältnisse zwischen den Staaten würden durch den einseitigen Besitz von Atomwaffen gefestigt. Ein solcher Verdacht schadet der Glaubwürdigkeit der Friedensbemühungen der Westmächte. Die Atomwaffen der Großmächte wurden auch in die Argumente von gefährlichen Terroristen einbezogen, welche deren Behauptung stützen sollten, gegen die als ungerecht empfundenen Übermacht der Großen aufbegehren zu dürfen. Auf der anderen Seite drängen alle möglichen Staaten darauf, auch selber mittels Atomwaffen in den Klub der Weltherrscher aufgenommen zu werden. Dagegen hilft wohl am besten, wenn der Westen einen Schluss-Strich zieht und einen glaubhaften Schritt setzt, damit die ganze Welt endlich und lückenlos auf nukleare Waffen verzichtet!
P. Herwig Büchele SJ
Ich möchte zum Hiroshimatag 2009 ein Wort Mahatma Gandhis mit auf den Weg geben:
"Die Liebe zu meinem Vaterland will allen Völkern wahrhaft zum Besten dienen. Die Freiheit Indiens, wie ich sie auffasse, kann nie eine Gefahr für die Welt werden. Wenn sie jedoch keine Gefahr für die Welt werden soll, dann dürfen wir nur gewaltfreie Kampfmittel verwenden, um sie zu erringen. Wenn gewaltsame Mittel angewendet werden, liegt mir nicht mehr an der Freiheit Indiens, denn Gewalt führt nicht zur Freiheit Indiens, sondern zu verdeckter Sklaverei."
Bischof Dr. Michael Bünker
Evangelische Kirche A.B.
Das jährliche Gedenken an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki gewinnt leider immer wieder neue Aktualität. Noch immer ist das Niveau der atomaren Rüstung unverantwortlich hoch. Dazu geben die Atombomben- und Raketentests Nordkoreas Grund für tiefe Beunruhigung. Die Drohung mit atomarer Vergeltung und die scheinbare Aussichtslosigkeit von Verhandlungen und Sanktionen müssen überwunden werden. Dass mit Yukia Amano ein Japaner zum neuen Generaldirektor der IAEO gewählt wurde, kann auch als Signal an Nordkorea verstanden werden. Außerdem bringt er das durch die schrecklichen Erfahrungen von 1945 bedingte kompromisslose Nein Japans zu Atomwaffen mit. Religionen sind immer aufgerufen, für Frieden und Abrüstung einzutreten. Religiöser Glaube hilft zu einem tieferen Verständnis der Zusammengehörigkeit aller Menschen in der Schöpfung, unabhängig von den ethnischen, kulturellen, politischen, religiösen Unterschieden. Anfang Juli fand in Kasachstan der dritte Weltkongress von Repräsentanten der Weltreligionen und traditionellen Religionen statt. Es ging um die Rolle der Religionen beim Aufbau von Frieden, der auf Toleranz, gegenseitigem Respekt und Zusammenarbeit beruht.
Beides ist aus meiner Sicht unsere Aufgabe hier in Österreich: Für eine Abschaffung aller Atomwaffen einzutreten und für eine Kultur des Friedens, des Respekts und der Anerkennung arbeiten.
Prof. Dr. Ulrich Duchrow
1. Vorsitzender von Kairos Europa
Euer treues und hartnäckiges Eintreten für eine atomwaffenfreie Welt als Wiener Friedensbewegung gemeinsam mit der Hiroshima Gruppe Wien bewundere ich. Einst gab es ein breites, weltweites ökumenisches Bündnis gegen Geist, Logik und Praxis der Massenvernichtungsmittel. Seit dem Fall der Mauer hat sich jedoch die Mehrheit der westlichen Bevölkerung täuschen und einschläfern lassen.
Trotz der Wahl und der Initiativen von Barack Obama hat sich an der grundsätzlichen Gefahr nichts geändert. Die National Defense Strategy der USA gilt noch immer. Danach behalten sich die USA „präemptive“ Kriege und den Erstschlag mit Atomwaffen vor. Israel droht offen mit Militärschlägen gegen den Iran, wobei sogar der französische Präsident nach seinem Amtseintritt für einen solchen Angriff den möglichen Einsatz von Atomwaffen nicht ausgeschlossen hatte usw. Dabei halten gerade die Großmächte den Atomwaffensperrvertrag nicht ein. Denn dieser enthält die Verpflichtung zur atomaren Abrüstung.
Möge Eure Veranstaltung viele Menschen davon überzeugen, dass nur der Druck der Bevölkerungen die Regierungen der Atommächte – auch die Barack Obamas – dazu bringen kann, das Damoklesschwert der atomaren Rüstung über der Erde ein für alle mal zu beseitigen.
Karl Ebner
KAB Amstetten
Mit großer Hochachtung verfolge ich die Aktivitäten der Wiener Friedensbewegung. Eure Bewegung wird nicht müde, gemeinsam mit der Hiroshima Gruppe Wien auf die latente atomare Gefahr hinzuweisen.
Das Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki haltet ihr durch eure Aktivitäten wach. Vielleicht ist dies manchen Menschen auch unangenehm, an diese Abscheulichkeit erinnert zu werden. Vielleicht meinen manche, Hiroshima und Nagasaki war ein einmaliger "Ausrutscher". Die Atommächte haben daraus gelernt und werden diese Waffe niemals wieder einsetzen. Ich wünsche mir, dass sie Recht behalten. Wie wir aber miterleben, versuchen auch heute noch Länder an atomaren Sprengstoff heranzukommen. Der Irrwitz, durch Massenvernichtungsmittel an die Macht zu kommen oder die Macht abzusichern, geht auch im 21. Jahrhundert munter weiter. Ein echter Friede kann nur dort entstehen, wo die Freiheit der Person geachtet wird, wo kleine Gruppen und Länder nicht von größeren übervorteilt werden, wo gerechte Verteilung der Güter und solidarisches Handeln bestimmender Faktor ist und wo man auch unserer Umwelt mit Ehrfurcht begegnet.
Ich wünsche den Veranstaltern und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Veranstaltung am 6. August 2009 vor dem Wiener Stephansdom einen guten Erfolg.
Pfarrer Dr. Matthias Engelke
Mitglied des Initiativkreises gegen Atomwaffen
Am heutigen Hiroshima-Gedenktag grüßen wir Sie und Euch ganz herzlich vom letzten verbliebenen Atomwaffenlager in Deutschland, vom Haupttor vor dem Jagdbombergeschwader 33 in Büchel / Südeifel unweit von Cochem an der Mosel!
Seit dem 13. Juli sind hier zu einem Friedenscamp Menschen aus Deutschland, Belgien und England zusammen gekommen, um vier Wochen lang ununterbrochen gegen die Stationierung der Atomwaffen in dieser wunderschönen Eifellandschaft zu protestieren.
In einer Aktion Zivilen Ungehorsams haben wir auf dem Bundeswehrgelände Rosen an Soldaten verteilt und sie darauf hingewiesen, dass sie bezüglich der Atomwaffen vor der Entscheidung stehen, ein Kriegsverbrechen oder Befehlsverweigerung zu begehen.
Wir grüßen alle Freunde des Friedens und rufen dazu auf, dabei mitzuwirken, diesem Geschäft des Todes zu widerstehen und weder die Forschung, Lagerung, Androhung und Anwendung von Atomwaffen zu rechtfertigen noch dabei selber mitzuwirken, den Umgang, die Lagerung, das Üben und Abwerfen dieser und aller Massenvernichtungswaffen weder zu lehren noch zu lernen!
Atomwaffen gehören geächtet und verschrottet!
Und e i n e unschädlich gemachte Atombombe gehört in ein Museum der Unmenschlichkeit: Kann nicht dazu so bald wie möglich – z. B. in Wien – der Grundstein gelegt werden?
Roman Fröhlich
Präsident der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten a. D.
„Der Friede erfordert andauernden Dienst, unentwegt und zähe, er verlangt Ausdauer, er lässt keinen Zweifel zu. Zweifel, Skepsis und Misstrauen lähmen den Friedensgedanken. Um Friede zu haben und ihn zu erhalten, muss man ihn wollen, man darf nicht ständig daran zweifeln. Man darf nicht immer bloß an die Gefahren denken.“
Die Gedanken dieses Zitates hat sich auch die Wiener Friedensbewegung zu Eigen gemacht und rüttelt mit ihrer alljährlichen Friedensdemonstration zur Wachsamkeit auf. Eine Wachsamkeit, die – beobachtet man die internationale Entwicklung – durchaus angebracht ist. Das Säbelrasseln geht unaufhörlich weiter, die nuklearen Gefahren gewinnen in dem Maße an Brisanz, als immer mehr Staaten Zugriff zu Atomwaffen erlangen, die politisch zumindest als instabil einzustufen sind. Einige dieser Machthaber lassen sich mehr von Eigeninteressen, Machtrausch und Emotionen leiten als von Verantwortungsbewusstsein, Vernunft und realitätsbezogener Einschätzung der Konsequenzen eines vom Zaun gebrochenen Konflikts. Keiner von diesen kann als Garant für Friedenssicherung eingestuft werden. Aber auch anderswo können politische Verantwortlichkeiten kippen und Gefahrenpotentiale heraufbeschwören.
Handelten alle, die sich Christen, Moslems, Juden, Buddhisten, Konfuzianer oder anderswie nennen, nach den Botschaften ihrer Religionen – um wie viel friedlicher könnte die Welt sein. Doch leider wird Religion immer wieder politisch instrumentalisiert und zur Fanatisierung von Menschen missbraucht.
Beten um den Frieden ist wertvoll und kann etwas bewegen, wenn interreligiös – umso besser, aber es braucht auch anderer Taten.
Der Friedensbewegung Dank, Anerkennung, Erfolg und alle guten Wünsche.
Sr. Kunigunde Fürst
Eine Friedensbotschaft angesichts großer Bedrohungen durch wachsende Machtansprüche in den Bereichen Religion, Technik, Atomkraft, Humangenetik u. a. ist vielleicht wie ein Schrei ins Leere. Wenn freilich viele ihre Stimme erheben, viele gemeinsam den Frieden wollen und in Zeichen der Stille, des Gebets, des Gesprächs und eines guten Umgangs miteinander zum Ausdruck bringen, dann kann dies "Berge versetzen". Wenn Paulus im Epheserbrief schreibt (2,17), dass Jesus Christus gekommen ist und den Frieden verkündet hat, weil er in seiner Person die Feindschaft zwischen den Menschengruppen getötet hat, dann sind wir als Christen aufgerufen, dieser Botschaft der Einheit bei aller Vielfältigkeit zu vertrauen, indem wir sie selbst bezeugen: als Botschafter des Friedens, wo immer wir stehen.
Ingeborg Gabriel
Professorin für Ethik, Wien.
Es ist gut sich zu erinnern. Auch an die schlimmsten Schrecknisse wie die Atomhölle von Hiroshima – um der Opfer willen und weil sie unsere Welt wieder betreffen können. Denn die Atomwaffen bestehen weiter. Es ist fast ein Wunder, dass sie in den mehr als sechzig Jahren nicht nochmals zum Einsatz kamen. Aber auf Wunder soll man nicht bauen. Es braucht einen Abbau der Atomwaffen. Die Chancen dafür sind gering, aber doch ein klein wenig größer seit dem letzten Jahr. Wir sollten daher alles tun, um die Vision einer atomwaffenfreien Welt zu unterstützen. Können Technologien, die unverantwortlicherweise in die Welt gesetzt worden sind, wieder abgeschafft werden, verschrottet? Es ist wichtig, an dieser Hoffnung festzuhalten.
Als Christin und Theologin hat mich zutiefst erschreckt, als ich letztes Jahr las, dass der erste atomare Test von Oppenheimer „Trinity test“ genannt wurde. Und ich realisierte auch erstmals, dass am Tag des Abwurfs der ersten Atombombe, dem 6. August, nach christlichem Kalender das Fest „Verklärung Christi“ gefeiert wird. Im Englischen heißt steht dafür „Transformation“. In welcher Weise, so die bange Frage, verwandeln wir unsere Welt? Das ist die ethische Frage par excellence – es ist die humane Frage an sich. Sie stellt sich am erschreckendsten dort, wo Menschen einander wahl- und ziellos ermorden. Das ist in vielen Kriegsgebieten der Fall. Es gilt dagegen die Stimme zu erheben, wo immer möglich. Ich danke den Organisatoren des Friedenstages für ihre Beharrlichkeit, sich für das erste humane Anliegen, die Schaffung von Frieden weltweit einzusetzen.
Jacques Gaillot
Bischof von Partenia
Der Einsatz gegen die atomare Rüstung verliert nicht an Kraft. Sie sind dafür der beste Beweis.
Das schreckliche Drama vom 6. August 1945 ließ die Menschheit ins nukleare Zeitalter stürzen.
Wir bewahren die Erinnerung an das Ereignis von Hiroshima, um aus der Atommacht herauskommen zu können.
Seit dem 6. August 1945 hat die Welt an der Bilanz der atomaren Nutzung schwer zu tragen: Die Sicherheit versagt, wie das Drama von Tschernobyl gezeigt hat, nicht kontrollierbare nukleare Abfälle, Kosten, die nicht zu bewältigen sind und die Verneinung der Demokratie.
Aber wir bewahren auch in Erinnerung, was sich in Österreich ereignet hat. Im November 1978 sprach sich das österreichische Volk in einem Referendum gegen die zivile Nutzung von Kernenergie aus.
Die österreichische Anti-Atom Bewegung hat einen beispielhaften Erfolg erlebt. Das Verbot der Nutzung von Kernenergie ist seit 1999 in der Verfassung verankert. Welch ein großartiges Symbol, um den Kampf gegen Atomenergie fortzusetzen!
Deshalb schauen wir heute nach Wien. Ihre Versammlung ist eine Straße der Hoffnung. Sie sind Hoffnungsträger für eine Menschheit, die das Kapitel "Kernenergie" herumdrehen will. Sie sind Bürger für die Welt der Zukunft.
Euch gebührt unser Dank.
Pfarrer Mag. Josef Gaupmann
Viele Menschen leben ganz bewusst nach positiven Normen.
Denn Albert Einsteins Spruch, "alles Denkbare ist auch machbar", sagt: Wege für eine positive Zukunft entstehen nur dann, wenn ICH sie gehe.
Gut und böse ist in mir!
Darum lädt uns die Großmeisterin im täglichen Kampf um das Gute, Mutter Theresa von Kalkutta, ein: "So lasst uns einander mit einem Lächeln (die Achtung) begegnen, denn das Lächeln (die Achtung) ist der Anfang der Liebe".
Alfred Heinrich
Hiroshima ist ein Zustand!
Kein Zweifel: die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren ein Fanal, das die Menschen geschockt hat. Es wäre aber falsch, diese traurigen Gedenktage auf den Anlassfall zu reduzieren. Denn Hiroshima hat nicht erst 1945 begonnen, und es hat nie aufgehört. Hiroshima war, als die Türken die Armenier ausgerottet haben. Hiroshima war, als die Bomben auf Coventry und Dresden fielen. Hiroshima war, als hunderttausende Leningrader während der deutschen Belagerung verhungerten. Hiroshima war in den Gaskammern von Auschwitz, in Hitlers Konzentrationslagern, in Pinochets Folterkammern. Hiroshima ist überall, wo Menschen auf Landminen treten, überall, wo Menschen mit militärischer Gewalt unterdrückt werden. Und deshalb ist dieser Gedenktag eine Mahnung, dass der Widerstand gegen dieses Hiroshima in all seiner schrecklichen Vielfalt nie aufhören darf!
Altbischof Bernhard Heitz
Altkatholische Kirche
Sehr geehrte, liebe Friedensfreunde!
Zum Gedenktag an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sende ich Ihnen im Namen der Altkatholischen Kirche Österreichs und ihres leitenden Bischofs und auch persönlich als ihr Altbischof herzliche Grüße und wünsche Ihrer Veranstaltung guten Erfolg und die gebührende öffentliche Beachtung.
Wir sind mit Ihren Anliegen voll und ganz solidarisch. Die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki betrifft die ganze Menschheit und ist aktuell wie lange nicht mehr. Wer im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) die Reportage von Klaus Kleber mit dem Titel "Die Bombe" am 29. und 30. Juli jeweils um 22.45 Uhr gesehen hat, kann nur alarmiert und beunruhigt sein. Der Mix aus Armut, islamistischem Terror und fanatischem Hass gegen die "Ungläubigen" der übrigen Welt bei gleichzeitiger Zugriffsmöglichkeit auf "die Bombe" bedroht nicht nur die westliche Zivilisation, sondern die ganze Menschheit.
Atombomben dienen zu nichts anderem als Zerstörung und Vernichtung. Sie gehören überall auf der Welt nicht nur reduziert, sondern selbst gänzlich vernichtet.
Pfr. Mag. Thomas Hennefeld
Landessuperintendent der
Evangelisch-reformierten Kirche in Österreich
Der Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wurde zum Fanal für eine neue Ära der Menschheitsgeschichte. Er hat ein neues Zeitalter des Grauens eingeläutet. Nicht nur, dass diese barbarischen Akte und dessen Folgen hunderttausenden Menschen das Leben gekostet haben, und dass Menschen späterer Generationen noch unter den Spätfolgen zu leiden haben. Ab sofort sollte es dem Menschen möglich sein, Gottes gute Schöpfung in wenigen Sekunden zu vernichten. Diese Tage des Grauens sollten sich einbrennen in das Gedächtnis der Menschheit, um an die Opfer von damals zu denken und noch Schlimmeres zu verhüten.
Die Tatsache, dass über den Abbau von atomaren Sprengkörpern wieder ernsthaft verhandelt wird, bedeutet noch lange nicht das Ende der Bedrohung durch Atomwaffen. Wir dürfen uns nicht in einer falschen Sicherheit wiegen, als sei die atomare Bedrohung geringer geworden. Es ist eine Illusion zu meinen, es gebe verantwortungsvolle Atomstaaten und verantwortungslose Staaten, die unbedingt in den Besitz atomarer Waffen gelangen wollen. Ein Staat, der sich bedroht fühlt oder seine vitalen Interessen gefährdet sieht, wird sich den Einsatz von Nuklearwaffen immer auch als eine letzte Option offen halten, unabhängig ob es sich um eine Demokratie oder Diktatur handelt. Jenseits von taktischen Überlegungen dürfen Christinnen und Christen die Utopie nicht aufgeben, dass eine atomwaffenfreie Welt möglich sein kann und das Festhalten an Atomwaffen irgendwann zur Vernichtung des ganzen Planeten führen könnte. Daher müssen wir daran arbeiten, diese Welt von diesen zerstörerischen Waffen zu befreien. Es wäre eine Sünde, sich damit abzufinden, mit Atomwaffen leben zu müssen.
Evelyn Hödl
Arbeitskreis Weltkirche Vikariat unter dem Wienerwald
August 2009: Wieder gedenken wir des ersten Atombombenabwurfes vor nunmehr 64 Jahren, erinnern uns mit Trauer und Zorn an die tausende von Opfern dieser militärischen Aktion und wissen zugleich, dass die Erinnerung daran immer mehr verblasst – für die Generation der 20- und 30-jährigen nur noch ein Datum der Geschichte. Geschichte sind auch der „Kalte Krieg“ sowie die Rüstungs- und Abrüstungsinitiativen und die großen Friedensdemonstrationen der 80er Jahre.
Aber die Welt ist seither nicht friedlicher geworden, die bewaffneten Konflikte, die Rüstungsproduktion, die Waffenlieferungen haben nicht abgenommen. Die Zahl der atomwaffenbesitzenden Staaten ist nicht kleiner, die Zahl der Atomsprengköpfe nicht wesentlich geringer geworden. Das Moment der Unkalkulierbarkeit ist größer geworden, wie die irrationalen Tiraden und Aktionen Nordkoreas oder des Iran zeigen.
Darüber hinaus baut sich das Potential sozialer Spannungen auch in den Industrieländern aus – bedingt durch die Wirtschaftskrise, deren Ende und deren letztliche Konsequenzen auf die Staatenwelt des „Nordens“ und vor allem des „Südens“ noch nicht abschätzbar sind. Ideologien und Grundsätze des wirtschaftlichen Neo-Liberalismus, die in den letzten 20 Jahren als Dogmen verkündet wurden, erweisen sich als obsolet, die Strukturen der bisherigen Weltordnung sind ins Wanken geraten.
Krise ist Bedrohung und Chance: Bedrohung und In-Frage-Stellung bisher unangefochtener Paradigmen, Chance für eine Neuorientierung sowohl nach wirtschaftlichen Prinzipien des Gemeinwohls als auch nach politischen Mechanismen gewaltfreier Konfliktregelung.
Sich an Hiroshima erinnern: das bedeutet auch: sich erinnern an ein System der permanenten Aufrüstung, Ausbeutung und Aufteilung der Welt in Arm und Reich. Erinnerung ist aber nicht genug, wenn sie nicht das Potential der Veränderung in sich trägt.
Der christlich-jüdische Glaube orientiert sich an den beiden Polen der Erinnerung und der Verheißung: Erinnerung daran, dass diese Welt von Gott gut geschaffen und den Menschen zur treuhändischen Obsorge übergeben wurde; Erinnerung daran, dass Gott in dieser Welt durch die Menschen wirkt, dass er/sie aus der Sklaverei in die Freiheit des gelobten Landes leitet. Verheißung einer Welt, in der Gerechtigkeit und Friede einander küssen und alles Leid beendet wird.
Erinnerung und Verheißung sollen auch uns prägen, wenn wir an Hiroshima denken. Verheißung einer Welt, in der Friede und menschenwürdiges Zusammenleben möglich ist, in der die Bedürfnisse aller, nicht aber die Gier einzelner, erfüllt werden.
Aber es muss bewusst werden, dass diese Verheißung sich nicht als Wunder verwirklicht, wir sind berufen, ihr Gestalt zu verleihen, in unserer täglichen und alltäglichen Lebensgestaltung, in der weltweiten Vernetzung der unzähligen Bewegungen, Interessensgruppen, Gemeinschaften, die sich für Gerechtigkeit, Frieden, Abrüstung und Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Und wir dürfen uns nicht entmutigen lassen durch das Bestehen von Gewalt, Unrecht, Ausbeutung. Der Weg aus der Sklaverei in die Freiheit führt durch die Wüste, wie uns die Bibel berichtet. Wüste als Synonym für Bedrohung, Tod, Kampf, Risiko. Die Wüste lässt sich nicht allein bewältigten, sie braucht die Gemeinschaft, in der die Einzelnen einander stärken und ermutigen – und sie braucht die Verheißung, die Vision dessen, was letztlich Wirklichkeit werden soll: einer Welt, in der alle Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe, Religion, politischen Ausrichtung gewaltfrei zusammenleben.
An dieser Welt zu arbeiten ist unsere Aufgabe – jede und jeder in ihrem/seinem Bereich, gemeinsam in unterschiedlichen Netzwerken. Können wir diese Aufgabe bewältigen – angesichts der Bedingungen, Herausforderungen, Risiken der Gegenwart? Können wir eine andere Welt schaffen?
Vielleicht ist es ja schon ein Zeichen der Hoffnung, dazu als Schlusssatz den kraftvollen Slogan von Barack Obama zu zitieren: „Yes, we can!“
Univ.-Prof. Mag. Werner Horn
Superintendent i. R.
Botschaft für den Gedenktag an die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki
Wieder wird in diesen Tagen der Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki gedacht. Diese Erinnerung ist notwendig, um die vielen nicht zu vergessen, die damals ihr Leben lassen mussten. Sie ist aber auch notwendig, um sich die Totalität atomarer Waffen ins Bewusstsein zu rufen und gegen die Herstellung atomarer Massenvernichtungsmittel heute zu protestieren. Denn nicht sie sind es, die den Weltfrieden auf Dauer sichern können. Ein Gleichgewicht der Atompotentiale kann daher nicht das Ziel sein. Immer muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass verantwortungslos denkende und handelnde Menschen sie verwalten und sie in der Hand von Verbrechern zum Einsatz kommen.
Auch wenn moralische Appelle oft unbeachtet bleiben, sind sie dennoch nicht ohne Wirkung. Sie tragen dazu bei, dass sich das Bewusstsein für die ethische Unverträglichkeit atomarer Waffen verstärkt, da diese im einzukalkulierenden Ernstfall ein totales Verderben für alle befürchten lässt. Wir können uns freuen, dass die Vereinigten Staaten mittlerweile in ihrem neuen Präsidenten eine veränderte Sicht atomarer Waffen zeigt. Eine weltweite atomare Abrüstung muss aber nach wie vor das Ziel sein, für das wir uns einzusetzen haben.
Ilse Jedlicka
www.hausdesfriedens.at
Am 6. August 1945 wurde die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen und am 9. August des gleichen Jahres wurde eine Atombombe über Nagasaki abgeworfen.
Unendlich viel Leid ist dadurch entstanden, doch wir haben davon nicht gelernt, liebevoller mit uns und unseren Mitmenschen umzugehen.
Die Politiker lagen seither in einem Wettstreit um die Herrschaft von Atomwaffen und Atomkraftwerken.
Heuer wurde endlich ein US-Präsident gewählt, dem wirklich der Friede auf der Erde und die Erhaltung unserer wunderbaren Natur ein Herzensanliegen ist.
Alle Welt schaut auf diesen Mann und seine Familie. Danken wir Gott, dass er uns endlich ein Vorbild geschenkt hat.
Dieses Geschenk, der US-Präsident Barack Obama, schwebt aber mit seiner Familie durch seinen Mut in Lebensgefahr.
Damit er das, was ihm und vielen von uns Menschen auf der ganzen Welt wichtig ist, erhalten bzw. durchführen kann, ohne selber Schaden dadurch zu erleiden, braucht er unsere Hilfe.
Er bedarf unserer Gebete!
Es sind nur einige Minuten, die Sie täglich aufbringen müssen – aber wir alle gemeinsam mit Barack Obama, sind mit unseren Gebeten fähig, die Politik in eine andere Richtung zu wenden.
So zu wenden, dass es ein
„NIE WIEDER HIROSHIMA“ und „NIE WIEDER NAGASAKI“ gibt!
Göttliches Universum, rechne uns unseren Willen – Liebe zu säen – für die Ewigkeit an.
Mit dieser Bitte wünsche ich Ihnen viel Liebe und Freude.
Mag.ª Katharina Kampl
Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien
Wenn uns die Hunderttausenden von Todesopfern durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki etwas mitteilen könnten – was würden sie uns sagen?
Vielleicht wären sie schockiert darüber, dass wir im Jahr 2009, 64 Jahre nach den Abwürfen immer noch über atomares Wettrüsten, Atomwaffentests, Atomwaffensperrverträge (die nicht eingehalten werden) reden.
Oder sie würden uns zur Rede stellen, warum nicht sofort nach der un-menschlichen Katastrophe im Jahr 1945, alle Nuklearwaffen sofort vernichtet, die Forschung und der Bau von neuen nuklearen Waffen verboten worden wären. Und warum die USA vor der Welt ihr abgründiges Handeln nicht zutiefst bereut und als Irrweg deklariert hätten.
Vielleicht würden die Todesopfer uns fragen, wie viele Menschen noch sterben müssen, bis die Welt umdenkt? Wie viele Kriege die Welt noch braucht bis erkannt werden würde, dass der Mensch sich selbst zerstört?
„Hat die Menschheit daraus nichts gelernt?“, würden sie vielleicht fragen.
Und, vielleicht sogar, ob sie denn umsonst sterben mussten.
Vielleicht würden sie zu bedenken geben, dass das, worum es uns in Wahrheit geht, nämlich an der (Welt-)macht zu sein, herrschen zu können, unbesiegbar zu sein, nichts und niemand fürchten zu müssen – eine Illusion ist?
Denn, wenn zum Beispiel die ach so mächtige USA, wirklich mächtig wäre, wozu bräuchte sie dann noch Atomwaffen und müsste sogar neue und noch grausamere entwickeln?
Ein wirklich mächtiges Land muss keine Angst haben, denn es lebt mit sich und den anderen in Frieden.
Aber das haben die scheinbar Mächtigen wohl noch nicht erkannt. Es wäre an der Zeit, dass US-Präsident Obama nach seinen hoffnungsvollen Worten tatsächlich den ersten Schritt wagt in eine Ära der konstruktiven Konfliktlösung und des Friedens.
Und wir? Wir können uns jederzeit für den Frieden einsetzen in unserem nahen und weiteren Umfeld. Denn Friede fängt im Kleinen an. Und immer zuerst bei uns selbst.
Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung
der Erzdiözese Wien (KAB)
Für Frieden und eine atomwaffenfreie Welt!
Kein Geld für Atomwaffen – Geld zum Aufbau für eine gerechte Welt, in der alle in Frieden leben können!
Wir danken euch (auch im Namen unserer Kinder und Enkelkinder) für das gemeinsame Engagement in Sachen Frieden!
Katholische Jugend Österreich
In unserer Arbeit wollen wir eine Welt gestalten, in der Gerechtigkeit und Friede ist und alle Menschen in Würde leben können. Wir wollen Jugendliche zu einem konstruktiven Miteinander anregen und sie auf ihrem Weg begleiten und unterstützen.
Friede und sozialer Zusammenhalt sind zentrale Werte unserer Demokratie. Wir dürfen nie aufhören, daran festzuhalten und uns dafür einzusetzen. Vor allem junge Menschen brauchen die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft, in der es wert ist, sich zu engagieren und an einer gerechteren Welt mitzubauen.
Initiativen wie die alljährliche Hiroshima-Gedenkveranstaltung sind ein wichtiger Beitrag der Friedensbewegung und Bewusstseinsschaffung.
Daher unterstützt die Katholische Jugend Österreich die Hiroshima-Veranstaltung und die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt auch in diesem Jahr.
Pfarrerin Dra. Ines Knoll
Lutherische Stadtkirche Wien
Aber Du Mensch
wirst nie den Krieg mehr wünschen,
schon Dein Schwert wird Dir fliegen
und in Scharen kommt der Frieden
aus den Himmeln in die Welt,
denn in Deinen Träumen ist ein Wissen aufbewahrt
und tief liegt ein Schmerz,
dass es geschehen ist,
das Verheerendste
Hiroshima, mon amour
Weltwunde
Zeichen für alle Städte und Länder dieser Erde
unter dem Rauchpilz
Liebe Gottes Du
und ach, alles, was lebt
auf dem schönen Ball,
der es wäre –.
Von nun an aber wirst Du Mensch
immer umkehren in allem und auf jedem Flug,
der zerstören könnte
und Du betätigst niemals den Knopf der Vernichtung.
Du fragst
und Du fragst noch einmal
selbst auf die Gefahr hin –.
Der Wunsch nach Frieden ist hellwach
zu jeder Zeit Dir in der Seele,
und es entgeht Dir gerne die Macht,
jede Macht,
weil Dein Herz die Liebe schlägt,
Du ein Kind Gottes,
über dem die Güte alle Morgen neu wird,
so wie sie es auch hätte werden können
im August
für Hiroshima
und dann für Nagasaki
und dann für alles,
was je ein Krieg zerstört hat –.
Aber Du Mensch!
Erzbischof Hon.-Prof. Dr. Mesrob K. Krikorian
Am 6. August kehrt der Tag, an dem im Jahre 1945 Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, wieder. Diese atomaren Bomben haben über 200.000 Menschen das Leben gekostet und etwa 100.000 Verwundete gefordert. Die katastrophalen Folgen für die Umwelt sind noch nicht ganz beseitigt.
Was hat die Welt daraus gelernt? Eigentlich wenig. Der Iran versucht, die atomare Forschung weiter zu entwickeln; Israel droht Iran und Syrien zu bombardieren und Atomeinrichtungen zu vernichten. Israel selbst ist im Besitz von Atombomben und spielt die Rolle eines Kontrolleurs. Die Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident G. Bush haben beschlossen, ein atomares Schild über Polen und Tschechien zu installieren und provozieren dadurch die Russen, die ihrerseits planen, ihre atomare Macht auszubauen. In dieser chaotischen Situation sind Millionen Menschen in Verzweiflung, Angst und Schrecken geraten und fürchten sich vor einer neuen atomaren Auseinandersetzung. Es ist daher sehr verständlich, dass zahlreiche Politiker, Religionsvertreter und Anhänger verschiedener Friedensbewegungen und NGOs sich Sorgen machen und die Zivilcourage haben, gegen jegliche Benutzung der Atombomben zu demonstrieren und die Menschen wach zu halten, so dass jede(r) nach seiner/ihrer Möglichkeit seinen/ihren Willen für eine atomfreie Welt zeigt.
Besonders neutrale Länder, wie Österreich, können auf der internationalen politischen Bühne eine wichtige Rolle spielen. Dringend ist, dass alle Atommächte die Verträge über die Nichtverbreitung der atomaren Waffen, gegen die Durchführung von Atomwaffentests und die Vernichtung aller Atomwaffen unterschreiben.
Es ist auch sehr wichtig, die Reduzierung der Atomwaffenarsenale durch Dialog der Amerikaner und der Russen zu erreichen.
Alle Religionen und deren Anhänger sind gegen Gewalt, Krieg, Zerstörung und Vernichtung. Besonders aber das Christentum verkündet Frieden und Eintracht zwischen allen Völkern und Menschen. Christi Worte haben in diesem Zusammenhang kein Jot an Aktualität verloren:
„Selig (sind), die keine Gewalt anwenden,
Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit…
Selig, die Frieden stiften,
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (Mt 5,5:6.9)
Bischof DDr. Klaus Küng
Friedensbotschaft
Der Friede ist und bleibt ein Anliegen, für den wir uns unermüdlich einsetzen und für den wir ohne Unterlass beten müssen.
Hier auf Erden gibt es keinen endgültigen Frieden.
Edith Lauppert
Friede ist lebensnotwendig!
Aber wir Menschen „machen“ (führen) oft Kriege. Genauso können wir Menschen Frieden „machen“! Zuerst jeder Einzelne von uns in sich selbst – in seinen Gedanken, seinen Gefühlen, seinen Taten. Dann gibt es keine Gier mehr! Jeder Mensch anerkennt jeden anderen Menschen, sowie auch die Tiere, die Pflanzen, die „Umwelt“! Ein „Friedensnetz“ umspannt unsere Erde und Friede durchdringt alles!
Friede ist machbar!!!
Wolfgang Machreich
Atomwaffenfreie Welt – Yes we can!
Barack Obama geht mit seinem Vorschlag einer atomwaffenfreien Welt voran – und die Welt klatscht zu diesem utopisch klingenden Wunsch Beifall. Doch die Initiative des US-Präsidenten ist keine Utopie, sie ist eine Vision. So wie sein Vor-Vor-Gänger die Vision eines Menschen am Mond hatte. Diese Idee ist vor genau 40 Jahren umgesetzt worden – wird das auch mit der Idee einer atomwaffenfreien Welt gelingen?
Obama ist nicht allein. Das hat sich bei seiner Visite in Moskau gezeigt, wo sich Russlands Präsident Dmitri Medwedew positiv gegenüber den nuklearen Abrüstungsschritten gezeigt hat. Schon vor ihnen haben Michael Gorbatschow und Jimmy Carter, zwei ehemalige Präsidenten, denen der Atomkoffer jahrelang hinterhergetragen wurde, die Global-Zero-Initiative begründet. Und auch Mohammed ElBaradei, bis vor kurzem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, schließt sich dieser Forderung an und schimpft: "Die Welt kann es sich nicht leisten, 20 Jahre nach dem Kalten Krieg 27.000 Atomwaffen zu haben." Die Global-Zero-Initiative will ein globales Abrüstungsregime und die Vernichtung aller Kernwaffen binnen 25 Jahren durchsetzen. Erstes Etappenziel ist ein internationaler Abrüstungsgipfel im Jänner 2010, auf dem die Zukunft des Atomwaffensperrvertrags verhandelt werden soll. Das klingt realistisch, das wäre ein erster wichtiger Meilenstein für die Umsetzung der Obama-Vision.
Eine weitere Initiative, die den Atom-Knopf weniger gefährlich machen soll, wird von der Schweiz vorangetrieben. Gemeinsam mit fünf anderen Ländern hat Bern einen UNO-Resolutionsvorschlag eingebracht, damit Atomwaffen nicht weiterhin auf höchster Alarmstufe bereitgehalten werden. Gegenwärtig kann man Tausende Atomwaffen innerhalb von einer Minute zünden – ein zufälliger Atomkrieg ist damit nie auszuschließen. Die Schweiz schlägt deswegen in der UNO vor, Sprengköpfe gesondert von Wurfkörpern zu lagern und in die Computerprogramme Verzögerungsschritte zur Zündung einzubauen.
Am meisten überrascht aber die Stimme eines Mannes im Global-Zero-Chor, von dem man sich ein solches Engagement nie erwartet hätte: Henry Kissinger. Gegen Carter und Gorbatschow haben Kritiker leichtes Spiel. Zwei Weicheier in den Augen der realpolitischen Falken, die ihre Länder mit zuviel Nachgeb-Politik an die Wand gefahren haben. Bei Kissinger ist das völlig anders. Weder der Friedensnobelpreis an ihn noch der Kriegsverbrecher-Vorwurf gegen ihn konnten sein Image in die eine oder andere Richtung verändern. Kissinger ist Instanz.
Mit seiner Forderung nach Abschaffung aller Nuklearwaffen ist die bislang nur mitleidsvoll belächelte Vision einer nuklearwaffenfreien Welt auch unter den politischen Falken hoffähig geworden. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar begründete Kissinger seine Forderung damit, dass „die Gefahr eines Atomkriegs zwischen den zwei Supermächten Russland und den USA praktisch verschwunden ist. Aber die Vertiefung der ideologischen Spaltung und die ungelösten Konflikte haben die Entschlossenheit von Schurkenstaaten und nichtstaatlichen Akteuren verstärkt, sich Atomwaffen zu beschaffen." Und er warnte: „Wenn die Vorbereitung von Atomwaffen im Iran weitergeht und in Nordkorea die Atomwaffen bestehen bleiben, dann wird der Anreiz für andere übermächtig, diesem Weg zu folgen.“
Obama, Medwedew, Gorbatschow, Carter, ja sogar ein Kissinger und viele mehr fordern eine atomwaffenfreie Welt. Eine noch vor kurzem unmöglich erscheinende Allianz findet da zusammen und eine Vision bekommt mehr und mehr Durchsetzungskraft. Weiter so, die Richtung stimmt, der Schwung stimmt, so stark wie jetzt war die nukleare Abrüstungsbewegung noch nie zuvor.
Evelyn Martin
Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit i. Ö.
Immer noch versuche ich die Zusammenhänge zu verstehen
„Für mich begann der Kalte Krieg in dem Moment, als Präsident Truman die Entscheidung traf, am 6.August 1945 die Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki zu werfen, …. Die Grausamkeit dieser beiden Ereignisse übertraf alles, was ich jemals erfahren hatte. Es wendete den Kompass der Moral, es eröffnete die Aussicht auf eine neue Welt um Angst und Terror. Als während des Spanischen Bürgerkriegs ein deutsches Flugzeug, besetzt mit Francos Fliegern, den friedvollen Marktplatz des spanischen Dorfes Guernica bombardiert und ein Dutzend Leute oder mehr getötet hatte, empörte sich die zivilisierte Welt. Als die Deutschen als Vergeltung für einen Partisanenangriff auf ihre Besatzungstruppen das Dorf Lidice in der früheren Tschechoslowakei zerstörten, erschien dies einer geschockten Welt als ein erschütterndes Beispiel der Nazi-Barbarei …“ (Gerda Lerner: Feuerkraut, Eine politische Autobiografie, Cernin Verlag Wien 2009)
So schreibt Gerda Lerner, Kreisky-Preisträgerin für das Politische Buch 2006, in ihrer Autobiografie knapp 60 Jahre nach den legendären Atombombenabwürfen und sie kritisiert in dem Zusammenhang die vordergründige, unmenschliche „Logik“, die den amerikanischen Präsidenten bewegte etwa 160.000 japanische Zivilisten zu töten, um das Leben amerikanischer Soldaten zu retten.
Immer noch versuche ich Zusammenhänge zu verstehen, einerseits auf der Suche nach Antworten auf das WARUM? Und WIE KONNTE ES GESCHEHEN?
Diese Stelle in der interessanten Lebensgeschichte der als Jüdin geborenen Wienerin, die sich gezwungen sah zu emigrieren und seit 1938 in den USA lebte, zeigt mir, dass es kein Verstehen, keine Erklärung gibt, die im Entferntesten mit Menschlichkeit zu tun hat.
Ihr Hinweis auf die Empörung der „zivilisierten Welt“ klingt für mich wie der Aufschrei nach der Zivilgesellschaft, die noch immer nicht laut genug ihre Stimme erhebt. Nach Guernica und Lidice ist ihr offenbar die Luft ausgegangen.
Wie aber soll sich etwas ändern, wenn niemand es konkret fordert? Aufstehen, laut sein, Stimme erheben und nicht aufhören damit – das scheint mir auch und besonders in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen mehr als je Gebot der Stunde. Wir als Zivilgesellschaft sind dazu verpflichtet. Auch am 6.8.2009.
Andrea Mayer-Edoloeyi
Nie wieder Hiroshima!
Heute, am 6. August, vor 64 Jahren wurden die erste Atombombe in Hiroshima abgeworfen, drei Tage später, am 9. August fielen die Bomben auf Nagasaki. Seit dem ist die Welt nicht mehr, was sie war. Wir wissen alle, dass Menschen das Potential geschaffen haben, sich selbst, die ganze Menschheit, die ganze Welt, zu vernichten.
Wenig wird alltäglich darüber gesprochen, maximal die Ankündigung des US-Präsidenten Barack Obama für konkrete Schritte zur gemeinsamen Abrüstung mit der Russischen Föderation und das visionäre Ziel einer atomwaffenfreien Welt haben Beachtung gefunden. Alltäglich verdrängen wir alle diese Gefahr, die in den Waffenarsenalen der Atommächte (USA, Großbritannien, Frankreich, China, Israel, Indien, Pakistan, Nordkorea) lauert. Zu undurchschaubar sind die Strukturen, die dahinter stehen und zu furchtbar ist die Vorstellung, dass Atomwaffen auch nach Hiroshima und Nagasaki wieder zum Einsatz kommen könnten.
Der Hiroshima-Gedenktag am 6. August durchbricht dieses Verdrängen – und das ist gut so, denn nur wenn wir uns der Realität der Bedrohung bewusst werden, werden wir anfangen, etwas dagegen zu unternehmen. Hoffnung besteht, auch wenn die Schritte erste und kleine sind, dass die Vision einer atomwaffenfreien Welt Realität werden könnte.
Die feministische Theologin Ina Praetorius* schreibt, dass wir angesichts der Bedrohung durch Umweltzerstörung, Atombomben und neue Reproduktionstechnologien eher vom "Überleben" als "Leben" in der Ethik sprechen sollten. Ja, angesichts solcher Gedenktage verschieben sich die Prioritäten. Es wird Zeit, etwas zu tun.
Das passiert auch. Die Wiener Friedensbewegung organisiert alljährlich verschiedene Aktionen am 6. August und auch dezentral in den Bundesländern tut sich was. Informationen dazu finden sich auf http://www.hiroshima.at/ ebenso wie Grußadressen unterschiedlichster Persönlichkeiten aus Politik, Gewerkschaft, Kirchen und Gesellschaft. Im kirchlichen Bereich ist es Pax Christi, eine ökumenische Friedensbewegung, die sich für Frieden, Abrüstung und die österreichische Neutralität engagiert.
* PRAETORIUS, Ina, Frauenforschung in der Ethik, in: Schlangenbrut 34 (1991), 6-12
Vera Merkel
Gemeinschaft Sant’Egidio
Anlässlich des Gedenkens der Katastrophe auf Hiroshima und Nagasaki appellieren wir an eine Kultur des Zusammenlebens, die heute nötiger ist denn je.
Die Existenz von Atomwaffen stellt nicht nur die Bedrohung für die betreffende Nation, Region dar. Andrea Riccardi schreibt in seinem Buch „Die Kunst des Zusammenlebens. Kulturen und Völker in der globalisierten Welt“ (2008):
„Die Existenz von Atomwaffen ist eine Bedrohung für die Welt und die globalen öffentlichen Güter. (...) Bei der Katastrophe von Tschernobyl machte Europa die Erfahrung, dass staatliche Grenzen nicht vor einer derartigen Bedrohung schützen.
Nach 1989 träumte man von einer Welt ohne Atomwaffen. Dagegen hat sich die Situation weiter verschlechtert. (...) Während Millionen von Menschen im Laufe der Geschichte größeres Selbstbewusstsein erlangten und ihr Schicksal selbst bestimmen konnten, haben dagegen wenige die Macht, über die Eröffnung tödlicher Konflikte zu entscheiden.
Die derart weite Verbreitung von Atomwaffen zeigt, wie notwendig ein gelungenes Zusammenleben zwischen Ländern ist, die sich gegenseitig zerstören können. (...) Die Atombombe verpflichtet zu einer verantwortungsvollen Multipolarität und erfordert die Einigkeit der Länder, die in der Lage dazu sind, sich gegenseitig zu zerstören.
Es geht darum, eine Kultur zu verbreiten, die sich von der jeweiligen Nation hin zu einem weiteren Horizont ausweitet.“
Entscheidend ist eine Kultur, die das Bewusstsein des verantwortungsvollen Zusammenlebens in sich trägt, das trotz aller Unterschiede die Wahrung gemeinsamer Interessen beinhaltet.
Mit lieben Grüße und im Mit-Gedenken
die Gemeinschaft Sant’Egidio – Österreich
Pfr. Mag. Michael Meyer
Frieden kann nicht warten. Frieden ist etwas, dass sofort gebraucht wird. Denn Frieden ist das Lebenselixier für jede Hoffnung darauf, dass das Leben auf dieser Welt sinnvoll und eben nicht voller Leid ist.
Darum brauchen wir eine Welt ohne Waffen, ohne vernichtende Gewalt, ohne Angst um das Leben auf dieser Erde. Gerade in Zeiten, die voller Krisenstimmung und Katastrophenmeldungen sind, ist es wichtig, zu betonen: Wir brauchen eine Welt ohne Gewalt und ohne gewalttätige Lösungen. So grüße ich alle, die sich am Hiroschimatag in Wien wieder darum bemühen zu zeigen: wenn Menschen auf dieser Erde die Ressourcen des Lebens nicht teilen, wird es Gewalttat und Blutvergießen geben.
Frieden braucht das gelebte Wort des Miteinanders ohne Zerstörung von Würde und Recht, ohne Verschwendung von Energie und Verseuchung von Wasser, Luft und Meer.
Ich danke allen, die mit langem Atem und demonstrativ gegen Atomwaffen auftreten. Ich danke jenen, die ein offenes Herz haben für ihre Nächsten, die ein gutes Wort für Fremde in der Nähe und in der Ferne einlegen, und die ein klares Wort gegen die Verletzung von Menschenrechten aussprechen, und so ein Vergebung wirkendes Wort zwischen Tätern und Opfern ermöglichen. Denn so entsteht im zwischenmenschlichen Raum Frieden.
Ich bitte die OrganisatorInnen des Hiroschimatages und alle Freunde und Freundinnen der Friedensbewegung, sich weiterhin wachsam und mutig für ein Leben ohne "spaltbares Material" einzusetzen, sprich: erfinderisch darin zu sein, allen Kriegstreibern ohne Wenn und Aber das Handwerk zu legen.
Von der Frucht, des gelebten Friedens, spricht Jesus von Nazareth:
"Selig sind, die Frieden stiften. Denn sie werden Gottes Kinder heißen" (Mat. 5). So hoffe ich, dass sich viele dem Hiroschimatag anschließen und sich einsetzen für eine Welt ohne Gewalt und wünsche allen von Herzen eben diesen Frieden Christi.
Superintendent MMag. Hermann Miklas
Evangelische Kirche A.B. Graz
Wieder einmal hat sich die Welt gewandelt. Zurzeit betreiben die meisten der etablierten Großmächte eine relativ vernünftige Politik mit Augenmaß. Man nimmt ihnen zumindest den guten Willen ab, zu Friede, Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung konstruktiv etwas beitragen zu wollen. Das ist ein Grund zur Dankbarkeit.
Bedrohungen gehen nun insbesondere von jenen aus, die sich – aus welchen Gründen auch immer – als Benachteiligte und Verlierer von globalen Entwicklungen sehen. Sie meinen, durch Radikalisierung ihrer außenpolitischen Positionen identitätsstärkend nach innen wirken zu können. In diesem „Spiel“ schrecken sie auch vor atomaren Drohgebärden nicht zurück. Und würden, wenn sie sich frontal angegriffen und in die Ecke gedrängt fühlen, wohl nicht zögern, Atomwaffen tatsächlich einzusetzen.
Diese veränderte Situation verlangt nun eine ganz neue Strategie, vor allem aber besonderes Fingerspitzengefühl von Seiten der Vernünftigen: Wohl Ächtung der eingesetzten Mittel, aber keine generelle diplomatische Ausgrenzung der betreffenden Staaten; vielmehr gilt es, sie allmählich wieder zurück zu führen in den Kreis der besonnen Agierenden. Eine heikle Gratwanderung – möge sie gelingen!
Pax Christi Österreich
Die österreichische Sektion der internationalen Friedens- und Menschenrechtsbewegung Pax Christi grüßt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.
Uns verbindet die Überzeugung, dass die furchtbaren Geschehnisse von damals aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit niemals verschwinden dürfen und sie uns ständige Mahnung sein sollen, uns dafür einzusetzen, dass künftige Generationen nicht mehr in der Angst vor Atomexplosionen und ihren verheerenden Wirkungen leben müssen. "Jede Kriegshandlung", hat das Zweite Vatikanische Konzil deshalb deutlich erklärt, "die auf die Vernichtung ganzer Städte und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist.“ (Gaudium et spes Nr. 80)
Ein entschlossenes Nein zu atomaren Massenvernichtungsmitteln und ein ebenso entschlossenes Ja zur weltweiten atomaren Abrüstung sind wesentliche Schritte auf dem Weg zu Frieden und gewaltfreier Konfliktlösung.
Wir sind fest entschlossen, für die Erhaltung allen Lebens auf unserem schönen Planeten zu tun, was in unseren Kräften steht.
Pater Alois Riedlsperger
In vorsichtiger Freude über die mit dem Wechsel in der USA-Regierung gegebenen Hoffnung auf konsequente Abrüstungsschritte bin ich allen verbunden, die sich unermüdlich in diesen Anliegen engagieren!
In großer Wertschätzung Ihres öffentlichen Einsatzes grüße ich alle, die sich zur Hiroshima-Veranstaltung versammeln, sehr herzlich
P. Alois Riedlsperger
Manfred Sauer
Die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt ist in der Politik wieder salonfähig.
Was fehlt, ist der Druck von unten, der die Politiker nicht nach ihren Aussagen, sondern nach ihren Taten misst.
Dr. Franz Scharl
Weihbischof
Den Frieden heute stiften, denn das Gestern ist vorüber, das Morgen und das Übermorgen aber noch nicht da. Dieser Friede ist zu stiften zwischen Menschen, Gruppierungen, Staaten (-Gemeinschaften), ..., sowohl im Denken, als auch im Sprechen, im Handeln und im Lebensstil. D.h. zudem auch: die Gerechtigkeit, die Wahrheit und die Liebe sind im Blick zu behalten.
JESUS bittet uns sogar für die Feinde zu beten und sie zu lieben (vgl. Matthäus-Evangelium 5,44). Wahrhaft kein leichter Auftrag, aber der Friedensfürst JESUS CHRISTUS kennt unsere Abgründigkeit. ER kam und verkündete den Frieden: den Fernen und den Nahen (vgl. Epheserbrief 2,17). ER wird uns auch weiterhin durch G"TTES ATEM/GEIST beim Frieden stiften beistehen.
Danke für allen Einsatz & G"TTES Segen beim Frieden stiften!
Manfred Scheuer
Bischof von Innsbruck - Präsident von Pax Christi Österreich
Zahlen und Menschen
Grußbotschaft zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki
Wenn wir in diesen Tagen an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki denken, dann geht es nicht um Zahlen oder Statistiken, nicht um mengenmäßige Superlativen des Todes und der Zerstörung. Es ist ein Gedenken der Namen und Gesichter, das Gedächtnis an konkrete Menschen, deren Tod Wunden in die Herzen derer gerissen hat, die ihnen vertraut waren. Das Gedenken ist aber auch mit der Botschaft „Nie wieder!“ verbunden. Und es ist auch darauf zu schauen, wo heute Rüstung auf Kosten der Armen geht und den Skandal des Hungers steigert.
4000 Milliarden Dollar sind für die Anleger und Sparer durch die Finanzmarktkrise verloren, so war es in den vergangenen Monaten zu lesen. Quoten entscheiden in den Medien, in der Wirtschaft und in der Politik über Qualität oder Versagen, über den Wert oder Unwert und auch über die Frage, wann von Krise die Rede ist. Im Anfang war die Zahl? Was wichtig ist, wird erschlossen über Kennziffern, Benchmarks und Rankings.
Unser Blick soll sich nicht zuerst auf Börsen und Aktienkurse richten, sondern auf diejenigen, die national und international am meisten von der derzeitigen Krise betroffen sind, z. B. auf diejenigen, die wegen der Krise hungern oder ihre Arbeit verlieren. Die Krise der vergangenen Monate ist nicht nur eine Frage der Stabilität und Effizienz eines wirtschaftlichen Systems, sondern sie ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Der Skandal des Hungers legt die Unangemessenheit der aktuellen Systeme des menschlichen Zusammenlebens bei der Förderung der Verwirklichung des Gemeinwohls offen. „Während man riesige Summen für die Herstellung immer neuer Waffen ausgibt, kann man nicht genügend Hilfsmittel bereitstellen zur Bekämpfung all des Elends in der heutigen Welt. … Der Rüstungswettlauf ist eine der schrecklichsten Wunden der Menschheit, er schädigt unerträglich die Armen.“ So das Zweite Vatikanische Konzil (GS 81). Armut und Unterernährung sind keine reine Fatalität, die nur von widrigen Umweltbedingungen oder Naturkatastrophen hervorgerufen wird. In Österreich fordern wir die Einhaltung des bereits mehrfach fix zugesagten Stufenplans zur Anhebung der EZA-Mittel auf zunächst 0,51 Prozent des Bruttonationalprodukts (BNP) bis 2010 und schließlich auf 0,7 Prozent des BNP bis 2015. Darüber hinaus dürfen auch die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – Ernährungssicherheit, Armutsbekämpfung und Klimawandel –, die sich in besonderem Maße auf die Armen der Welt auswirken, nicht aus dem Blick geraten.
Kardinal Dr. Christoph Schönborn
Erzbischof von Wien
Grußwort zur Wiener Friedensbewegung
Die jüngsten Gespräche zwischen den Weltmächten USA und Russland lassen bei vielen Menschen wieder Hoffnung auf eine bessere Verständigung der beiden Atommächte aufkommen. Beide Seiten betonen ihren Abrüstungswillen und setzen auf neue Partnerschaft. Gleichzeitig kommen aber immer wieder sehr beunruhigende Nachrichten aus einigen Ländern der Dritten Welt, wo auch heute noch mit offenem Einsatz von Atomwaffen gedroht wird. Der sehnliche Wunsch nach einer friedlicheren Welt wird damit bitter enttäuscht und erfüllt uns alle wieder mit tiefer Sorge.
Es bleibt daher unsere Aufgabe, auch 2009 an die einstigen Schrecken von Hiroshima und Nagasaki zu erinnern und auf die unermesslichen Gefahren für unser aller Zukunft hinzuweisen.
Gerne begleite ich Sie alle mit meinem Gebet und Segenswünschen
Ihr Christoph Kard. Schönborn
Kaplan Franz Sieder
Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft
Christinnen und Christen für die Friedensbewegung
Der US-amerikanische Präsident Obama hat als seine Vision eine atomwaffenfreie Welt verkündet. Eine solche Ankündigung hat vor ihm noch kein US-amerikanischer Präsident gemacht. Das ist ein Hoffnungszeichen für die Welt.
Bei den Atomwaffen kann es nur um Totalabrüstung gehen. Es wird auf die Dauer nicht möglich sein, zu verhindern, dass neue Ländern in den Besitz von Atomwaffen kommen, selbst wenn diese Atomwaffensperrvertrag unterschrieben haben. Es gibt auch keine Logik, die es erlauben würde, dass die USA, Russland, Israel und einige andere Länder Atomwaffen haben dürfen, aber die anderen nicht. Ich denke, dass wir nicht mit dem Finger auf den Iran zeigen sollten, sondern dass die Welt noch mehr Druck ausüben sollte auf jene Länder, die bereits Atomwaffen besitzen und nicht bereit sind, diese zu vernichten. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde Mohamed El Baradei sagt, dass die Atomwaffen längst nicht mehr nur der gegenseitigen Abschreckung dienen. Er sagt, dass extremistische Gruppen diese Bomben verwenden können als Erpressung, um das zu erreichen, was sie wollen.
Ich denke, dass gerade auch jetzt, wo das Geld dringend zur Behebung der Wirtschaftskrise gebraucht wird, der Ruf nach Abrüstung lauter werden müsste.
Im privaten Leben wird das Patriarchat immer mehr geächtet und abgeschafft. Im Zusammenleben der Völker wollen gerade jene Staaten, die Atomwaffen besitzen, das „Patriarchat“ aufrechterhalten. Sie wollen gleichsam unverwundbar sein und dadurch Macht über die anderen ausüben. Eine Sünde begeht der Mensch nicht nur durch die böse Tat, sondern bereits durch die Bereitschaft zur bösen Tat. Atomwaffen zu besitzen ist Bereitschaft zum millionenfachen Mord. Die Vereinten Nationen sollten nicht nur Druck auf Nordkorea und Iran ausüben, damit sie keine Atomwaffen bauen, sie sollten Druck auf alle Länder ausüben, die bereits Atomwaffen besitzen, um diese zu vernichten.
Erzbischof Dr. Michael Staikos
Griechisch-orthodoxer Metropolit von Austria
DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT.
Wir Christen sprechen oftmals von der "Hoffnung" und der Bibel entnehmen wir: "gegen alle Hoffnung" hoffen. Es ist heute so aktuell wie in früheren Zeiten: die Spirale der Gewalt und Friedlosigkeit zu durchbrechen und zwar über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg.
Beobachten wir die Weltsituation so kommen wir zum Schluss, dass einerseits neue Gestalten in den Ballungsgebieten große Hoffnung geben und Exponenten kleinere Völker andererseits im "Atomstreit" stärker denn je "mitmischen" möchten. Printmedien, Radio und Video sowie TV können und müssen mächtige, einflussreiche Träger einer umfassenden Friedensbotschaft sein. Sie müssen Pädagogen gewaltfreien Friedensstiftens werden. Die Sorge um die Erhaltung der Umwelt, des Lebensraumes der gesamten Schöpfung, die Wahrung des Humanen in der Genforschung, in der Weitergabe des Lebens und beim Sterben in Würde; die Beendigung der Nukleartechnik mit ihren unkontrollierbaren Zerstörungspotential muss im Mittelpunkt stehen.
Große Hoffnungen, große Bedrohungen liegen vor uns. Doch wir dürfen mit Vertrauen wirken, weil wir uns eingebunden wissen in das Liebesprojekt Gottes für die Menschheit. Zu dieser Gestaltung aus der Kraft der Wahrheit und Liebe hat uns Gott berufen. Mit der großen Frau Hildegard von Bingen dürfen wir bekräftigen: "Die Menschheit steht im Mittelpunkt der Struktur der Welt. Obwohl klein von Gestalt ist der Mensch mächtig durch die Macht der Seele ... Die Kräfte der Seele erstrecken sich über den ganzen Erdkreis".
Prof. Dr. Michael Striebel
Eben komme ich aus von Münster in Westfalen zurück. Dort wurde 1648 der Westfälische Friede unterzeichnet. Der 30jährige Krieg war der verheerendste: ein Drittel der Bevölkerung Europas fiel ihm zum Opfer.
Die Friedensverhandlungen dauerten ca. fünf Jahre und waren äußerst kompliziert.
Auch heute brauchen wir diesen beharrlichen langen Atem um mit kleinen Schritten den Rüstungswahnsinn zu begrenzen.
Weihbischof Dipl.-Ing. Mag. Stephan Turnovszky
Unauslöschlich haben sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 64 Jahren in das Gedächtnis der Menschheitsgeschichte eingebrannt. Wir sind in Versuchung, diesen Schrecken der Vergangenheit hinter uns zu lassen, den Mantel des Schweigens zu breiten über ein Ereignis, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Doch die heutige weltpolitische Lage führt uns täglich vor Augen, dass die Existenz und das Wohlergeben so vieler Millionen Menschen akut bedroht sind durch den Einsatz von Gewalt und Waffen, durch Zerstörung und verschiedenste Formen von Konflikten. Täglich werden Menschenleben ausgelöscht und zig Millionen in Verzweiflung, Not und Elend gestürzt. Wie notwendig braucht es daher Menschen, die sich gemeinsam auf den Weg machen für den Frieden, die sich unermüdlich engagieren für soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität!
Die Medienberichterstattung über die weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen lässt selbst dem hoffnungsvollsten Optimisten Frieden wie eine Utopie erschienen. Ich hoffe, dass unser Bemühen um den wertschätzenden Umgang miteinander im persönlichen Umfeld und um die tägliche Versöhnungsbereitschaft mit unserem Nächsten reiche Früchte tragen mögen. Die Saat im Kleinen trägt dazu bei, dass Barrieren zwischen den Kulturen und sozialen Schichten, zwischen Generationen und Geschlechtern abgebaut werden. Mögen wir den Weg zum Frieden, die Bereitschaft zum echten Dialog und zum Gewaltverzicht im Großen wie im Kleinen als lebenslange Herausforderung begreifen lernen. Dann können wir wahrlich zu „Werkzeugen des Friedens“ werden.
Ich bin überzeugt, dass Gott uns hilft, diesen Weg der Friedensarbeit zu gehen. Jesus Christus ist ihn so kompromisslos gegangen, sodass er selbst als dieser Weg (zum Frieden) bezeichnet werden kann.
Gottes Segen begleite alle, die den Weg des Friedens gehen!
+ Stephan Turnovszky
Roland Werneck
Studienleiter Evang. Akademie Wien
Ich möchte in diesem Jahr an zwei große evangelische Vordenker der Friedensbewegung erinnern:
Der deutsche Theologieprofessor Helmut Gollwitzer (1908 - 1993) engagierte sich seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gegen die atomare Aufrüstung in West und Ost. In seiner Schrift „Wir Christen und die Atomwaffen“ setzte er sich 1957 kritisch mit der Rolle der Kirche auseinander, die den Ruf zu den Waffen in der Geschichte oft leichtfertig unterstützte. Für eine christliche Ethik kann es nach Gollwitzer keine gerechten Atomkriege geben. Er charakterisiert die Atomwaffen als „Mittel einer verzweifelten praktischen Gottlosigkeit“.
Ebenso wie für Gollwitzer war für die Theologin Dorothee Sölle (1929-2003) der christliche Glaube mit einer atomaren Bewaffnung unvereinbar. Sie riskierte mit Sitzblockaden vor den NATO-Mittelstreckenraketen in Mutlangen eine Verurteilung wegen „versuchter Nötigung“.
In zahlreichen Publikationen und öffentlichen Auftritten rief Dorothee Sölle dazu auf, dem tödlichen Geist der Rüstungsspirale entgegenzutreten.
In der Tradition Helmut Gollwitzers und Dorothee Sölles versucht die Evangelische Akademie Wien, Impulse für eine Friedensbewegung im 21. Jahrhundert zu setzen. Wir arbeiten mit in der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt, einem weltweiten Netz der christlichen Friedensarbeit.
Der Einsatz für die atomare Abrüstung hat dabei nach wie vor höchste Priorität, denn die Parole der Friedensbewegung der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ist immer noch aktuell, auch wenn die Gefahr nicht immer in unserem Bewusstsein ist: „Der Atomtod bedroht uns alle!“
Ein Band der gesammelten Werke Dorothee Sölles greift die biblische Aufforderung aus dem 5. Buch Mose auf, die für mich zu Leitsatz geworden ist: „Wählt das Leben!“
Es geht um unsere Zukunft, es geht um die Zukunft unserer Kinder!
Pfarrer Mag. Hans Wührer
Es besteht endlich wieder Hoffnung auf Abrüstung – dank den Verhandlungen von Obama und Medjedjew.
Diese junge Hoffnung auf echte atomare Abrüstung wird allerdings getrübt durch die israelischen Drohungen gegen den Iran und die unverständlichen Äußerungen von Alt-Ostpolitikern, die an die Zeiten des Kalten Krieges erinnern.
Machen wir alles, dass trotz aller Schwierigkeiten aus unserer Hoffnung auf Abrüstung auch eine neue Realität wird.
Meldung auf http://religion.orf.at/
Hiroshima-Gedenktag: weltweit Veranstaltungen
Am 6. August jährt sich zum 64.mal der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Aus diesem Anlass werden weltweit Gedenkveranstaltungen durchgeführt.
In Österreich findet unter anderem in Wien ab 17 Uhr ein Laternenmarsch in der Innenstadt statt. Einer der Organisatoren ist Alois Reisenbichler von der Wiener Friedensbewegung:
„Es gibt Opfer, die heute noch an den Atombombenabwürfen leiden. Es gibt zahllose Opfer, die an den Folgen der überirdischen und wahrscheinlich, das ist noch weniger erforscht, unterirdischen Atomwaffentests leiden. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die enormen Mittel, die heute für Rüstung verschwendet werden ein Verbrechen sind angesichts der Tatsache, dass weit über eine Milliarde Menschen hungert.“
Befreiende Botschaft Jesu
Gerade auch Christen und Christinnen an der Basis hätten Wesentliches geleistet, dass die Kirchenleitungen heute klar nein zu Atomwaffen, klar nein zum Krieg sagen, so Reisenbichler. Das Engagement für Gerechtigkeit und Frieden und Bewahrung der Schöpfung sei jedenfalls grundlegend verbunden mit der befreienden Botschaft von Jesus Christus.
Nagasaki
Am 9. August - dem Jahrestag des nuklearen Angriffs auf Nagasaki - findet um 19 Uhr eine traditionelle Buddhistische Lichterzeremonie bei der Wiener Friedenspagode statt.
Auf dem Weg zum neuen Kalten Krieg?
Welche neue Weltpolitik verfolgen die USA nach den Präsidentschaftswahlen bezüglich Umwelt, Sicherheit und Energiepolitik? Strebt Russland eine Rolle in der Weltordnung an, die eine neue Polarität zwischen West und Ost provoziert bzw. inwieweit wird diese vom Westen mitverschuldet? Welche Rolle spielt die NATO bei der globalen Militarisierung? Welchen Einfluss hat die jüngste internationale Finanzkrise auf die aktuellen friedenspolitischen Geschehnisse?
Dies sind Beispiele für die Themen, die bei der State-Of-Peace-Konferenz des Friedensforschungsinstitutes Schlaining im Jänner 2009 diskutiert wurden und die nun im Band „Auf dem Weg zum neuen Kalten Krieg? Vom neuen Antagonismus zwischen West und Ost“, Münster / Wien 2009, Lit-Verlag, ISBN 978-3-643-50061-8 im Rahmen der Buchreihe DIALOG - Beiträge zur Friedensforschung dokumentiert sind. Preis Euro 9,80, www.aspr.ac.at
Termine „Wir sind Kirche“
Montag, 21. September 2009, 19.00 Uhr, Theologisches Gespräch, Thema: Eucharistie in Auseinandersetzung mit Roger Lenaers Buch, „Der Traum des Königs Nebukadnezar“, Pfarre St. Gertrud, Unterkirche, 1180 Wien, Währinger Straße 95, (mit U6 bis Station Währinger Straße und mit den Linien 40 oder 41 eine Station stadtauswärts).
Dienstag, 13. Oktober 2009, 19.00 Uhr, Feierabend-Liturgie-Feier, Pfarre St. Gertrud, Unterkirche (s.o.)
Donnerstag, 12. November 2009, 19.00 Uhr, Bibelkreis mit Dr. Werner Krotz und Dr. Paul Weitzer, Pfarre St. Gertrud, Unterkirche (s.o.)
Montag, 16. November 2009, 18.30 Uhr. „Sterben muss, wer an Götzen rührt“ P. Martin Maier SJ, Zum 20. Jahrestag der Ermordung der Jesuiten in El Salvador, UNI Wien, Hauptgebäude, Hörsaal 47, 1010 Wien, Dr. Karl-Lueger-Ring 1
Freitag, 20. November 2009, 9.00 bis 17.00 Uhr, Menschenrechte in der Kirche, Hotel Modul, 1190 Wien, Peter-Jordan-Straße 78
Samstag, 21. November 2009, 9.00 bis 17.00 Uhr, Vollversammlung, Don Bosco Haus, 1130 Wien, St. Veit-Gasse 25
Donnerstag, 10. Dezember 2009, 19.00 Uhr, Feierabend-Liturgie-Feier, Pfarre St. Gertrud, Pfarrheim (s.o.)
Grußbotschaft der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida zum Hiroshima-Gedenktag 2009
Bald 65 Jahre ist es her, dass die todbringende Gewalt der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki deren EinwohnerInnen in unvorstellbares Leid und Grauen gestürzt hat. Die schrecklichen Folgen dieser letzten Phase des 2. Weltkrieges im Pazifikraum haben die Überlebenden und ihren Nachkommen für immer geprägt.
20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Gefahr des Einsatzes von Nuklearwaffen leider noch immer nicht gebannt. Sowohl die Großmächte als auch einige Entwicklungsländer bauen nach wie vor auf Abschreckung durch atomares Potenzial, rüsten auf oder versuchen mit Nuklearprogrammen ihre Nachbarstaaten unter Druck zu setzen. Beunruhigend wirken in diesem Zusammenhang auch Raketenabwehrschildprojekte der USA in Europa, die jüngsten Terroranschläge in Spanien oder dass Indien gerade sein erstes Atom-U-Boot zu Wasser gelassen hat.
In zu vielen Krisenherden wie etwa dem Nahen Osten, Afghanistan oder Korea lässt eine wirkliche Entspannung noch immer auf sich warten. Die weltweite Angst vor Terrorismus oder „schmutzigen Bomben“ ist noch allgegenwärtig.
Neben dem Kampf für eine Welt ohne Atomwaffen müssen wir uns auch dafür einsetzen, die Vision von einer Welt, die weitestgehend frei von Kriegen, Gewalt und Terrorismus ist, aufrechtzuerhalten. Das kann nur zur Realität werden, wenn so viele Menschen wie möglich sich öffentlich zur gewaltfreien Überzeugungsarbeit, die auch der Weg der weltweiten Friedensinitiativen ist, bekennen. Dieser Weg gegen Gewalt, Krieg und Atomwaffen muss weiter gezielt beschritten werden.
Die Gewerkschaft vida bekennt sich zu den Zielen der Friedensbewegung und glaubt an die vernünftige Vision einer atomwaffenfreien Welt. Wir wünschen zum Hiroshima-Gedenktag herzlich alles Gute und vor allem unermüdliche Stärke und eiserne Überzeugungskraft für die weitere Arbeit für eine friedliche und lebenswertere Welt. Die Gewerkschaften kämpfen weltweit gegen Ungerechtigkeiten und für den sozialen Frieden. Diese Ziele sind es, die auch die Gewerkschaften zu einem der Friedensinitiative eng verbundenen Partner machen.
Rudolf Kaske Wilhelm Haberzettl Willibald Steinkellner
vida-Vorsitzender Stv. vida-Vorsitzender Stv. vida-Vorsitzender
Wir danken der Gewerkschaft vida für den Druck dieser Ausgabe des Informationsblattes der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung!!!
Kaplan Franz Sieder
Der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit
Predigt beim Gottesdienst bei der Sommerakademie des Friedensforschungsinstitutes Schlaining am 10. Juli 2009
Kriege werden immer wieder mit Religionen in Verbindung gebracht. Tatsächlich wurden auch im Namen Gottes Kriege geführt und es wurde sogar durch hohes Blutvergießen „missioniert“. Denken wir nur an die Missionierung Lateinamerikas. Diese „Missionierung“ war ein einziges Verbrechen. George W. Bush hat sich als religiöser Mensch verstanden. Er hat immer wieder das Wort Gott im Mund geführt. Nach der Ereignissen des 11. September hat er öffentlich im Fernsehen gesagt: „Gott will, dass wir jetzt Rache üben.“ Im Namen Gottes hat er den Krieg in Afghanistan und im Irak begonnen. Er hat Gott missbraucht für seine eigenen Interessen und für seine unmenschliche Politik.
Der Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu hat vor kurzem bei seinem Besuch in Österreich gesagt: „Keine Religion möchte den Krieg – alle Religionen möchten den Frieden.“ Ich kann hier Desmond Tutu nur zustimmen. Jene, die im Namen ihrer Religion den Krieg fördern oder rechtfertigen – alle jene haben sich von ihrer Religion entfernt und missbrauchen sie. Sie basteln sich ihren eigenen Gott oder ihre eigenen Götter und gebrauchen dann diese, um ihre eigenen Interessen moralisch zu rechtfertigen. Wir glauben in den großen monotheistischen Religionen an einen Gott. Götter sind immer pluralisierbar und regionalisierbar. Gott aber nicht. Sowohl in den Heiligen Schriften des Judentums, des Christentum und des Islams ist unser Gott ein Gott des Friedens und ein Gott der Gerechtigkeit.
Die Rede vom Gott Abrahams, Isaks und Jakobs, der auch der Gott Jesu ist, zeigt uns vor allem einen leidensempfindlichen Gott. Die Rede von Gott in der Bibel ist immer die Rede von einem Gott, der das Leiden der Menschen im Blick hat. Alle Menschen sind Kinder des einen Vaters im Himmel und er möchte, dass es allen seinen Kindern gut geht. Der Universalismus – die universale Verantwortung ist immer auch die Intention Gottes. Gott geht es niemals nur um Gerechtigkeit in Österreich oder um den Frieden in Europa, sondern immer um Gerechtigkeit und Frieden auf der ganzen Welt.
Auch Jesu erster Blick hat immer dem Leid der anderen gegolten. Auch das Christentum hat begonnen als eine Erinnerungs- und Erzählgemeinschaft, deren erster Blick dem fremden Leid gegolten hat. Diese Empathie oder Empfindlichkeit für das Leid der anderen kennzeichnet Jesu neue Art zu leben. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter versucht Jesus zu verdeutlichen, was er unter Empathie oder gelebten Christentum versteht. In einer sehr gefährlichen Gegend zwischen Jerusalem und Jericho wurde ein Mann von Räubern wund geschlagen und ausgeplündert. Ein Fremder, ein Samariter hat ihm geholfen und brachte ihn in ein Spital. Jesus möchte uns damit sagen: Es ist ganz gleich, wer es ist, der Hilfe braucht – auch wenn es ein Ausländer ist, sollst du ihm helfen. Auch der Fremde ist ein Mensch und leidet. Für die Israelis hieße das: auch die PalästinenserInnen sind Menschen und leiden – und für die PalästinenserInnen heißt es: auch die Israelis sind Menschen und leiden. Wahrer Frieden wird erst dann möglich, wenn die Menschen nicht nur eine Sensibilität entwickeln für die Leiden des eigenen Volkes, sondern auch für die Leiden des Feindes.
Es ist ganz sicher auch in der Intention Jesu für die Leidensbekämpfung, dass wir nicht nur helfen und Wunden verbinden, sondern auch dass wir Räuberbekämpfung machen. Nur durch die Räuberbekämpfung können wir eine wirkliche Gerechtigkeit herbeiführen. Der Haupträuber, der auf der ganzen Welt heute sein Unwesen treibt, ist das neoliberale, kapitalistische Wirtschaftssystem. Dieses gilt es zu bekämpfen.
Ich denke, dass heute eines der größten Probleme für die Friedensarbeit die geschwundene oder mangelnde Empathie vieler Menschen ist. Auch die Gewerkschaft sagt, dass die Solidarität – das Verantwortungsbewusstsein der Arbeiter und Arbeiterinnen füreinander – immer mehr schwindet. Die Leute treten massenhaft aus der Gewerkschaft aus und hoffen, dass die Gewerkschaft doch für sie um gerechtere Löhne kämpft. Dass so viele junge Menschen den Strache wählen, der überhaupt keine Empathie für die Leiden der Fremden hat – auch das ist für mich ein deutliches Zeichen, dass die Empfindsamkeit für das Leid anderer Menschen schwindet. Es ist ihnen „wurscht“, wie es den Ausländerinnen und Ausländern geht – auch wenn sie verrecken. Auch die Tatsache, dass zur Friedensdemonstrationen nur mehr sehr wenige Menschen kommen, auch das deutet auf ein gesellschaftliches Schwinden der Empathie hin und auf eine Zunahme des Individualismus und des Egoismus. Hauptsache, wenn es mir gut geht – wenn ich mich verwirklichen kann und an meiner Karriere arbeiten kann. Diese Haltung ist für mich ein Habitus der Sünde, den es zu bekämpfen gilt. Wie dieses Bekämpfen aussieht, darauf habe ich keine Antwort. Ich möchte euch bitten, über eine Antwort nachzudenken. Eines bin ich mir sicher: dass alle Karrieretypen, denen es nur um sich selbst, um ihre Karriere geht, aus jenen Parteien, die Gerechtigkeit und Soziales auf ihre Fahnen geheftet haben, hinausgeworfen werden sollen. Sie lähmen jene demokratischen Instrumente, die wir haben, um eine gerechtere und eine friedlichere Gesellschaft herbeizuführen. Friede, Gerechtigkeit und Solidarität muss zuerst gelebt werden – nur dann haben wir das Rechte, Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität anderen zu verkünden.
Viele wollen Gott schuldig sprechen, weil wir Kriege und Umweltzerstörung in der Welt haben. Der Filmregisseur Herbert Achternbusch sagt: „Wer beim verheerenden Zustand unserer Welt noch an Gott glaubt, ist ein Ferkel.“ Ich möchte dem Herrn Achternbusch antworten, dass er nicht Gott für etwas verantwortlich machen darf, wo der Mensch verantwortlich ist. Bevor ich die Frage stelle, wo war Gott in Auschwitz, muss ich die Frage stellen: Wo war der Mensch in Auschwitz? Der Mensch ist keine Marionette Gottes – er / sie hat die Fähigkeit, selbst zu handeln. Er / sie hat die Freiheit, Gutes oder Böses zu tun. Ich kann nur sagen, dass Gott ganz sicher auf der Seite der Schwachen und Unterdrückten der Gesellschaft steht und dass er in unserem Engagement für Friede und Gerechtigkeit mit uns mitwirkt. Sein Ziel ist das Reich Gottes auf unserer Welt und das ist nichts anderes als Frieden und Gerechtigkeit – ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen auf unserer Erde.
Informationen (u. a. Bilder, Download des Gottesdienstes) über die Sommerakademie gibt es unter http://www.aspr.ac.at/sak/SAK2009/sak2009.htm
Die Referate der Sommerakademie werden in einem Buch „Söldner, Schurken,Seepiraten Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der ‚neuen Kriege’“, LIT-Verlag, Münster-Berlin-Wien, Voraussichtl. Preis € 9,80 zzgl. Porto, dokumentiert. Infos: Dr. Thomas Roithner, Mail roithner@aspr.ac.at
Bischof Manfred Scheuer
Nicht Kerker, nicht Fesseln
Predigt zum Todestag von Franz Jägerstätter - St. Radegund, 9. August 2009
Gibt es ein richtiges Leben im Falschen?
„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“[1] So ein berühmtes Diktum von Theodor W. Adorno. Er sagt das im Zusammenhang mit der Kritik am Wohnen unter der Überschrift „Asyl für Obdachlose“. – Gibt es kein humanes Leben angesichts der Bedrohung und der Gewalt? Gibt es ein „richtiges“ Leben in bedrückenden Verhältnissen? Kann man gut leben und arbeiten in entfremdenden Systemen und Zwängen? Das gilt in ganz unterschiedlichen Bereichen: Was im Bereich von Wirtschaft, Wissenschaft oder Medien wichtig ist, wird meist erschlossen über Kennziffern, Benchmarks und Rankings. Und doch erreichen Zahlen und das Ökonomieprinzip insgesamt nicht die Herzmitte des Menschen, ja sie können zwischenmenschliche Beziehungen vergiften und verhexen. Gibt es überhaupt einen Vorrang des Menschen vor dem Kapital? Kann Wirtschaft human sein angesichts der Börsen und Aktienkurse, angesichts der „Sachzwänge“ eines undurchschaubaren Marktes?
Oder was ist mit der zunehmenden Bürokratie in der Schule, in den Krankenhäusern, in der Verwaltung? Unter der Dokumentationspflicht leiden fast alle, die mit Pflege zu tun haben. Kann man gut Arzt sein im gegenwärtigen Gesundheitssystem, gut pflegen unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen? Und die Politik: „Treiben Sie keine Politik. Rauchen Sie lieber Tabak, das verdirbt nur die Gardinen.“ So der Rat einer Frau an einen Mann in Gustav Freytags Theaterkomödie „Die Journalisten“. Viele Menschen sind der Auffassung, dass die Politik den Charakter eines anständigen Menschen verderbe. Oft hört man den Satz: „Politik ist nun einmal ein schmutziges Geschäft.“ Oder kann Politik so etwas sein wie „angewandte Liebe zur Welt“? (Hannah Arendt)
Können wir individuell, d.h. als einzelne und privat Christen sein in Zeiten der öffentlichen Säkularisierung, wenn die Bereiche der Politik, der Wirtschaft oder auch der Wissenschaft so abgehandelt werden, als ob es Gott nicht gäbe („etsi Deus non daretur“)? Können wir heute das Evangelium leben oder geht das nur in einer Gegenwelt bzw. Scheinwelt der Wahrheit und Liebe, die von der Gegenwart, von den Fragen und Nöten der Leute nicht beeinflusst sind? Geht Glauben nur fundamentalistisch mit Mustern wie Freund-Feind, Schwarz-Weiß?
Und was ist mit der Kirche selbst? Der im Februar 1945 von den Nazis hingerichtete Jesuit Alfred Delp hat schon damals massiv die Selbstgenügsamkeit und Inzüchtigkeit im kirchlichen Leben kritisiert.[2] Die Verbürgerlichung und Bürokratisierung führt zu einem Menschentyp, „vor dem selbst der Geist Gottes, man möchte sagen, ratlos steht und keinen Eingang findet, weil alles mit bürgerlichen Sicherheiten und Versicherungen verstellt ist.“[3] Der Bürger ist für ihn „das ungeeignetste Organ des Heiligen Geistes.“[4] „Aber die Amtsstuben! Und die verbeamteten Repräsentanten. Und diese unerschütterlich - sicheren ‚Gläubige’! Sie glauben an alles, an jede Zeremonie und jeden Brauch, nur nicht an den lebendigen Gott.“[5] Können wir Kirche in der Nachfolge Jesu leben in Zeiten massiver Kirchenkritik, bei den persönlichen Verletzungen und Kränkungen, im Ärger über die Vorgänge der letzten Monate, bei den konkreten Amtsträgern und in den real existierenden Gemeinden?
Es ist, wie Rene Girard[6] aufweist, ein in der Religions- und Kulturgeschichte verbreiteter Ritus, das Böse, die Sünden, die Schuld auf Gegenstände oder Personen zu lenken und damit die bedrohende Macht abzuwenden. Odo Marquard kennzeichnet für die Gegenwart eine neue Bereitschaft, Sündenböcke zu suchen und entsprechend zu behandeln: „Darum kommt es zur großen Kultur der Ausreden, zur Hochkonjunktur der Entschuldigungsarrangements, zu einem exorbitanten Sündenbockbedarf, kurzum zur Kunst, es nicht gewesen zu sein, zur Kunst, es andere sein zu lassen."[7] Die Schwierigkeiten werden zunehmend reduziert auf vom Einzelnen nicht verantwortbare Ursachen (die Anderen, die Gesellschaft, die Entfremdung, die Verräter). Das ist auch in der Kirche so. Die Benennung von Sündenböcken dient nicht selten als Ablenkungsmanöver, damit eigene Interessen verborgen bleiben. Viele leiden unter der Perspektivenlosigkeit, der Resignation, der Ghettoisierung. Wer ist da verantwortlich?
Nicht Kerker, nicht Fesseln…
Selige in der NS-Zeit wie Franz Jägerstätter haben sich die innere Freiheit in der Diktatur und im Gefängnis bewahrt. Die äußere Gefangenschaft war für Franz Jägerstätter ein Ort der inneren Freiheit und des Friedens: „Solange man ein ruhiges Gewissen haben kann, dass man kein schwerer Verbrecher ist, kann man auch im Gefängnis im Frieden leben.“ „Wenn man gegen niemanden Rachegedanken hat und allen Menschen verzeihen kann, … so bleibt das Herz in Frieden.“ (Brief an Franziska vom 7.5.1943, GBA 159, vgl. 187) Das Gefängnis sieht er als Ort an, wo er die „schönsten Exerzitien machen“ kann (GBA 168). Er fühlt sich dort von Gott nicht verlassen, weil er die Kommunion empfangen kann (GBA 178) Die Kerkermauern können den Glauben und die Liebe zu Franziska nicht zerstören: „Wenn ich auch jetzt hinter Kerkermauern sitze, so glaub ich dennoch auch weiterhin auf deine Liebe und Treue bauen zu dürfen.“ (Brief an Franziska vom 9.4.1943, GBA 144) Der äußere Verblendungszusammenhang führte zu keiner Abstumpfung des Gewissens, die Meinung der Massen nicht zur Anpassung seiner Urteilskraft, die Nazi-Ideologie nicht zur Menschenverachtung und Gottlosigkeit, die äußere Unfreiheit nicht zur Knechtung des Willens, das Gehabe der Macht der Starken nicht zum Willen zur Macht. „Werde hier nun einige Worte niederschreiben, wie sie mir gerade aus dem Herzen kommen. Wenn ich sie auch mit gefesselten Händen schreibe, aber immer noch besser, als wenn der Wille gefesselt wäre. Offensichtlich zeigt Gott manchmal seine Kraft, die er dem Menschen zu geben vermag, [jenen] die ihn lieben und nicht das Irdische dem Ewigen vorziehen. Nicht Kerker, nicht Fesseln auch nicht der Tod sind es imstande, einen von der Liebe Gottes zu trennen, ihm seinen Glauben und den freien Willen zu rauben. Gottes Macht ist unbesiegbar.“ (Aufzeichnungen aus der Zeit nach der Verurteilung zum Tod, GBA 196)
„Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm vorbehaltlos anvertrauen.“ (Ignatius von Loyola) „Alle Menschen werden als Originale geboren, die meisten sterben leider als Kopien.“ (Blaise Pascal) Gott ist kein Konkurrent, kein Rivale des Menschen. Gott ist kein dämonischer Vampir, der den Menschen mit seiner Freiheit und mit seinem Selbstbewusstsein aufsaugen und verschlingen würde. In der Menschwerdung Gottes wird der Mensch unendlich wichtig, unsagbar groß und schön, weil beschenkt durch Gott selbst und mit ihm selbst. So ist die „Ehre Gottes der lebendige Mensch“ (Irenäus von Lyon). – Franz Jägerstätter hat nicht zu groß von der Macht der Nazis gedacht und nicht zu klein von den Möglichkeiten Gottes mit ihm. Er hat die Wahrheit gelebt in einer Welt der Lüge, die Liebe in einer Welt der Verachtung, er hat das Leben geliebt in einer Welt des Totenkopfes. Und er hat geglaubt in einer Welt der Blindheit und der Verblendung. Jägerstätter war keiner, der der Mehrheit nach dem Mund geredet hat. Er wollte sich nicht auf allgemeine Vorschriften und Regeln ausreden. Er ist ein „einsame Zeuge“ des Gewissens. Das Gewissen lässt sich für Jägerstätter nicht durch die Autorität der Obrigkeit suspendieren. „Keiner irdischen Macht steht es zu, die Gewissen zu knechten. Gottes Recht bricht Menschenrecht.“[8] Jägerstätter spricht sehr deutlich von Verantwortung und Verantwortungslosigkeit, von Sünde und Schuld, auch im Hinblick auf den Krieg und die damit verbundenen Verbrechen.[9]
Zerstörungs- und Aufbauwerke
Das Verhalten der Kirche in Österreich im Jahre 1938 sieht Franz Jägerstätter als Gefangennahme bzw. als Sich gefangen nehmen Lassen der Kirche an. Er fragt, was es denn für ein Unterschied sei, wenn auch nicht eine Kirche mehr geöffnet sei, wenn die Kirche doch ohnehin zu allem schweige, was geschehe. Er setzt sich mit der äußeren und inneren Zerstörung der Kirche auseinander: „Wäre ein Mensch imstande, sämtliche Kirchen der Welt zu zerstören, die ja wieder aufgebaut werden können, würde er kein so schweres Verbrechen begangen haben als einer, der imstande ist, einen Menschen um den Glauben zu bringen. … Aber nach meiner Ansicht hat jener mehr Erfolg am Zerstörungswerk der Seelen, der die Kirchen stehen lässt, ja sogar zum Bau der Kirchen beisteuert und mehr mit List und Schlauheit arbeitet, als einer der gleich das Kirchenabreißen anfangt und sämtliche Priester verhaften lässt. Werden da einem (mit) Kirchen noch etwas geholfen sein, wenn man nicht mehr viel oder gar nichts mehr glaubt?“ (Aufzeichnungen aus der Zeit nach der Verurteilung zum Tod, GBA 193)
Selige und Märtyrer wie Franz Jägerstätter vollziehen mit Jesus die Solidarität mit den Menschen in der Zeit mit und gehen nicht auf Distanz. „In einer in Scherben zersprungenen Christenheit machten sie die Erfahrung eines grundlegenden Abfalls. Sie leben die Dekomposition eines Kosmos und sind darin exiliert. Sie sind aus ihrem Land verjagt von der Geschichte, welche sie erniedrigt. … Die Mystiker lehnen die Ruinen, die sie umgeben, nicht ab. Sie harren dort aus. … Nicht etwa weil sie mit dem Niedergang sympathisierten. Sondern weil diese heruntergekommenen Orte die tatsächliche Lage des Christentums ihrer Zeit repräsentierten. Eine durch Umstände bedingte, aber gewollte Solidarität mit dieser kollektiven Misere zeigt den Ort einer Verwundung an.“[10] Franz Jägerstätter hat Kirche gelebt und aufgebaut. Er hat sein Leben und Sterben „für andere“ verstanden. Und so ist sein Tod ein Same für den Glauben heute: „Semen est sanguis Christianorum. – Ein Same ist das Blut der Christen.“ (Tertullian, Apologie 50,13)
Man kann die Zeit des Nationalsozialismus nicht mit der heutigen Zeit vergleichen. Zu unterschiedlich sind die Ideologien und Plausibilitäten, zu gegensätzlich die Moden und Meinungen, zu diffus heute die Mächte, anders die Formen der Müdigkeit und der Resignation, anders die jeweiligen blinden Flecken. Und doch kann uns der Selige zeigen, dass es ein richtiges Leben im Falschen gibt, echte Nachfolge Jesu in der Verfolgung, einen authentischen Glauben gegenüber der Ideologie, Humanität im Angesicht der Barbarei, Hoffnung im Untergang, Kraft in der Müdigkeit, Liebe in der Gleichgültigkeit und im Hass
Bischof Erwin Kräutler in Wien
Dialog - Begegnung - Eucharistie - Information - Feier - Austausch -Solidarität mit DOM ERWIN KRÄUTLER Bischof vom Xingu | Brasilien Freitag, 25. September 2009, ab 17:00 Uhr, Pfarre Altsimmering | Filialkirche St. Josef Bleriotgasse (Ende Sackgasse) | Seeschlachtgasse 1110 Wien Anfahrt: U-Bahn 3 (orange) Station Simmering (Endstation), Fußweg ca. 10 Min., oder mit Bus weiter: 73A Station Florian Hedorfer-Straße (Richtung Landwehrstraße) oder 69A Station Lindenbauergasse (Richtung Südtiroler Platz)
PROGRAMM
17:00 Uhr: rot wie blut die blumen. Ein Bischof zwischen Leben und Tod, Dom Erwin liest aus seinem neuen Buch, anschließen Signierstunde
18:30 Uhr Eucharistiefeier
ab 19:30 Uhr Information
20:00 Uhr Dom Erwin berichtet von seinen Erfahrungen als Bischof am Xingu
20:45 Uhr Agape
ROT WIE BLUT DIE BLUMEN Ein Bischof zwischen Leben und Tod Erwin Kräutler 184 Seiten, gebunden, € 18,- ISBN 3-902525-28-2
Erwin Kräutler erzählt von seiner engagierten, aber auch gefährlichen und lebensbedrohlichen Arbeit als Bischof im Urwald Brasiliens. "Schon vor Jahren erklärte einer der Kaziken: Der Bischof ist kein Weißer, er ist unser Verwandter." Erwin Kräutler ist Bischof des größten Bistums der Welt. Die Prälatur am Xingu ist mehr als viermal so groß wie Österreich und im artenreichen, geheimnisvollen, überwältigenden Amazonien gelegen: einer zunehmend bedrohten Mit-Welt. Seit Jahrzehnten kämpft der Bischof in Brasilien mit den Einheimischen gewaltlos für deren Rechte. Die Gegner: skrupellose Politiker, Großgrundbesitzer und all jene, die auf Kosten der Armen nach Reichtum streben und dabei nicht vor Gewalt zurückschrecken.
Informationen: www.domerwin.com
Sommerakademie
Kirche und Gewerkschaft in Gaming
Schon zum 15. Mal fand vom 23. August bis 26. August 2009 die gemeinsame Sommerakademie von Kirche und Gewerkschaft in Gaming statt. Gemeinsam wird bei dieser Akademie an Themen gearbeitet, die sowohl die VertreterInnen der Arbeiterkirche als auch die Gewerkschaft bewegen. Die Kirche vertreten durch Betriebsseelsorge und Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung, die Gewerkschaft vertreten durch Betriebsratsvorsitzende der verschiedensten Betriebe des Mostviertels und LandesvertreterInnen von Gewerkschaft und Arbeiterkammer.
Dieses Jahr wurde das Augenmerk vor allem auf drei Themen gelegt:
die Wirtschaftskrise
die Ausländerproblematik in Österreich und auf
die spezifische Situation der Frauen in der Arbeitswelt.
Bezüglich Wirtschaftskrise erhoffen die TeilnehmerInnen, dass es wirtschaftlich nicht nur bald wieder aufwärts gehen möge, sondern auch, dass wir nach der Krise eine neue Gesellschaft haben, wo nicht mehr das Profitdenken die einzige Maxime der Wirtschaft ist, wo es zu einer neuen Verteilungsgerechtigkeit kommt und wo durch Arbeitszeitverkürzung die vorhandene Arbeit aufgeteilt wird auf alle. Es wurde auch eine stärkere Kontrolle der Wirtschaft durch die Politik gefordert.
Beim Thema "Migration" wurde sehr positiv erwähnt, dass sich in der Öffentlichkeit die Kirche mutig gegen jegliche Ausländerhetze gestellt hat. Gewerkschaft und Kirche können sehr viel beitragen für ein wohlwollendes Klima gegenüber Ausländerinnen und Ausländern. Wir sollten auch sehr wachsam sein, wenn unmenschliche Ausländergesetze gemacht werden oder wenn bestehende Gesetze unmenschlich angewandt werden. Die Ausländerinnen und Ausländer gehören zu den schwächsten unserer Gesellschaft und sowohl Kirche als auch Gewerkschaft sollen immer ein Anwalt der Schwachen sein.
Zum Thema "Frau und Arbeitswelt" besuchten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Sommerakademie einige Hallen der Firma Zizala in Wieselburg , in denen fast ausschließlich Frauen arbeiten. In Betrieben wo Männer und Frauen beschäftigt sind, verdienen heute Frauen nicht mehr weniger nur weil sie Frauen sind, es ist aber eine Tatsache, dass Betriebe, in denen fast ausschließlich Frauen arbeiten, sehr niedrige Löhne haben. Das ist eine Ungerechtigkeit, die beseitigt werden soll. Die Frauen sollen auch keine Reservetruppe am Arbeitsmarkt sein. Die Mutterrolle ist für die Frau eine wichtige, aber die Frau soll nicht nur in diese Rolle hineingedrängt werden. Die Frau hat genauso wie der Mann das Recht, sich auch in ihrem Beruf als Mensch zu verwirklichen. Der Befreiungsprozess der Frau in der Arbeitswelt ist noch lange nicht abgeschlossen.
Diese gemeinsame Sommerakademie von Kirche und Gewerkschaft ist einzigartig in Österreich. Sie könnte auch ein Symbol dafür sein, dass die Zusammenarbeit von Kirche und Gewerkschaft um des Menschen willen noch stärker werden soll. Der verstorbene Sozialminister Alfred Dallinger hat einmal gesagt: "Wir müssen als Gewerkschaft und als Kirche näher zusammenrücken, denn wir haben dieselben Ziele und dieselben Gegner".
Kaplan Franz Sieder beim Forum Ostarrichi:
Neoliberale Wirtschaft versklavt den Menschen
Die Kathpress berichtete über das Referat am 28. August beim Forum Ostarrichi des Katholischen Laienrates in Neuhofen/Ybbs:
Betriebsseelsorger Franz Sieder aus Amstetten berichtete über seine Betriebseinsätze und seine dortigen Erfahrungen. Er kritisierte dabei vor allem die Arbeitsbedingungen am Fließband, die zunehmenden prekären Arbeitsverhältnisse sowie das zunehmende Mobbing. Dieses, so Sieder, werde sogar in Managerkursen gelehrt, wie ihm ein Kursteilnehmer versicherte. Zudem würden heue viele Menschen trotz Vollerwerbsarbeit bereits unter die Armutsgrenze fallen, sagte er. Dies seien Auswirkungen einer neoliberalen Wirtschaft, der es nicht mehr um die Menschen, sondern nur mehr um Gewinnmaximierung gehe. Der Wirtschaft sei es gelungen, auch die politischen Kräfte in ihren Bann zu ziehen, so Sieder.
Arbeit brauche aber Elemente zur Selbstverwirklichung, es brauche Phasen der Ruhe und Entspannung. Steter Stress sei unmenschlich und laufe auch der katholischen Soziallehre zuwider. Der Betriebsseelsorger trat zudem für eine Grundsicherung ein, in der nicht die Leistung zähle, sondern das Mensch
KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt (nicht in den Sommerferien).
Ökumenischer Gottesdienst im Karl-Marx-Hof
finden jeweils am Sonntag um 10.00 Uhr im Waschsalon, 1190 Halteraugasse 7 (U4 Heiligenstadt) statt: 11. Oktober, 1. November, 29. November (Adventkranzweihe), 6. Jänner 2010 (Heilig Drei König-Feiertag)
Der nächste Jugendgottesdienst ist am Sonntag, 8. November in der Pfarrkirche Groß-Eggersdorf, Bahngasse 12 geplant.
Weitere Termine: 29. November in Wien, 6. Dezember in der Dompfarre Eisenstadt.
Mag. Josef Gruber MAS
3700 km (per Rad) für den Frieden
„1. Friedensradfahrt Wien – Jerusalem“ im Frühjahr 2009
“Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an.“ (Spruch aus China)
Mit diesem Satz beginnt Dieter, ein 68-jähriger ehemaliger Steuerberater sein Tagebuch, das unter www.friedensradfahrt.eu diese 1. Friedensradfahrt von Wien nach Jerusalem beschreibt.
Oder korrekter: Die Reise begann mit einer Vision, der Vision des Journalisten Werner Ertl (Mitglied der Franziskusgemeinschaft Pinkafeld, wohnhaft in Melk), „die Pilgerfahrt des Lebens – einmal mit dem Fahrrad nach Jerusalem mit Juden, Christen und Muslime als Freunde des einen Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs und Ismails“ gemeinsam zu machen. Nach einer einjährigen Vorbereitungszeit starteten am Ostermontag (13.4.) nach einer Verabschiedung durch die Vertreter der 3 „abrahamitischen“ Religionen (Anas Shakfeh, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Duna, stellv. Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen und der wegen des Pessachfestes entschuldigte Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg von der israelitische Kultusgemeinde) unter dem Ehrenschutz des Wiener Bürgermeisters Häupl 19 RadlerInnen im Alter von 48 bis 69 Jahren vom Wiener Rathausplatz Richtung Jerusalem. Leider gelang es nicht, Muslime oder Juden zur Teilnahme zu gewinnen - der Obmann der Mevlanamoschee in St. Pölten (Isik Mehmet) wollte ursprünglich mitradeln und musste wegen dem AK-Wahlkampf absagen. Begleitet wurden die 16 Radler und 3 Radlerinnen von einem Begleitbus mit dem Logo der Tour, gestiftet von der Autofirma Weintritt in Baden und chauffiert von einem Mitarbeiter des österr. Samariterbundes Wien, der sich auch um alle Wehwehchen während der Fahrt kümmerte. Mit dabei waren von Beginn an Gerhard Havlik, ehemaliger Bezirksstellenleiter der AK St. Pölten und passionierter Radler, der Chefredakteur der Vorarlberger Kirchenzeitung, Walter Buder, Hans Gattringer von Missio, Joschi Mann von der Kontaktstelle für die Weltreligionen, Hans Auzinger, Mitarbeiter der Emmaus-gemeinschaft St. Pölten und andere Radbegeisterte und Friedensinteressierte aus Wien und NÖ. Der „Routenplaner“ Sepp Gruber, Betriebsseelsorger und ‚Multikultispezialist’ aus St. Pölten konnte wegen einem wichtigen Familienfest erst nach der 1. Nacht in Sopron zur Reisegruppe dazukommen. Von dort ging es 3740 km geradelte Kilometer durch Südungarn, durch die im Jugoslawienkrieg umkämpfte Region Ostslavonien (Osijek, Vukovar), durch die Voyvodina nach Belgrad, wo beim 1. Ruhetag das serb.-orth. Osterfest mitgefeiert wurde und ein Besuch der jüd. Synagoge am Programm stand, von Belgrad durch Serbien weiter bis Nis, von wo die einzige Etappe per Bahn nach Sofia führte. In Osijek, Novi Sad und Belgrad traf sich die Gruppe mit friedensbewegten Menschen (über Pete Hämmerle vom IVB, der nur 1 Woche mitradeln konnte) aus den ehemaligen Kriegsgebieten Jugoslawiens. Von Sofia ging die Fahrt durch das ziemlich kühle Bulgarien (1 Grad und Reif in Kostenec), wo ein Höhepunkt die Übernachtung im bulgarischen Kloster Zlatna Livada war, in die europäische Türkei bei Edirne bis nach Istanbul, wo uns bei der Stadteinfahrt nur zahlreiche Schutzengel vor Unfällen bewahren konnten. Hier war der Höhepunkte der Besuch beim obersten Vertreter der orthodoxen Kirchen, bei Patriarch Bartholomäus, ebenso wie der Besuch in der dortigen Synagoge, die schon zweimal Ziel blutiger Anschläge war, in der Hagia Sofia und im österr. St. Georgskolleg. Mit der Fähre setzten wir nach Kleinasien über und kamen vorbei am alten Nizäa (Iznit) immer tiefer ins Hochland von Anatolien mit der religiösen Hauptstadt Konya mit dem Grabmahl des berühmten islamischen Mystikers Mevlana (Rumi) und einer Pauluskirche. Hier machte uns auch der Regen und der Gegenwind einige Male zu schaffen. Durch das Taurusgebirge gelangten wir bei Tarsus, der Geburtsstadt des Apostels Paulus endlich in wärmere Regionen am Mittelmeer. Ein Besuch beim kath. Bischof in Iskenderun und im ‚Haus der Begegnung’ der Deutschen Barbara Kallasch im antiken Antiochien und der Besuch beim dortigen islamischen Mufti waren weitere Höhepunkte der langen Türkeietappe, wo uns die große Gastfreundschaft und das Interesse an unserer Friedensidee besonders überraschte. So wurden wir dreimal von Journalisten für Lokalmedien interviewt oder gefilmt. Nach langen Schwierigkeiten wegen des syrischen Visums, das nur durch Interventionen bis zum Außenminister und zahlreiche Gebete von Freunden gelöst werden konnte (zu guter Letzt mussten wir extra per Bus zum syrischen Generalkonsul im kurdischen Gaziantep fahren, um das Visum zu bekommen), durchquerten wir dieses interessante Land im Schnellzugstempo auf den gut ausgebauten Autobahnen, begleitet und kontrolliert von Mitarbeitern des Tourismusministeriums, die uns nebenbei aber auch sehr günstige Hotels organisierten. Der geplante Besuch beim Großmufti der Ommayadenmoschee in Damaskus konnte leider wegen einer Terminkollision nicht stattfinden, trotzdem nahmen wir uns 1 Tag Zeit für diese multireligiöse historische Stadt. Besonders erwähnenswert ist hier das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen und Konfessionen. Nach einer Nacht in Nordjordanien überquerten wir die israelische Grenze am Jordan und wurden mit einer mörderischen Hitze von 42 Grad im Schatten (und 62 in der Sonne) empfangen, was zu einigen körperlichen und gruppendynamischen Turbulenzen führte. So hatten wir am kommenden Tag nicht die nötige Ausdauer, um den militärischen Checkpoint zur Einreise ins besetzte Palästinensergebiet bei Jenin, wo uns ein Bus und Freunde zu palästinensischen Flüchtlingen bringen wollten, doch zu überwinden. Trotz der eigens ausgestellten Ausweise der österreichischen Botschaft und zahlreichen Telefonaten mit dieser und einem israelischen General wurde uns die Einreise verweigert. Hier scheiterte erstmals unsere bescheidene Friedensinitiative. Doch wir schafften am späten Nachmittag noch den Umweg an die israelische Mittelmeerküste bei Netanya, von wo wir plangemäß am 38.Tag über Korridorstraßen durch das Palästinensergebiet (von dieser sind die einheimischen Palästinenser ausgeschlossen) von Norden her die Altstadt von Jerusalem erreichten. Am Damaskustor, nicht weit vom österreichischen Hospiz, wo wir einquartiert waren, umarmten wir einander und waren glücklich, den Radlerpart gemeinsam geschafft zu haben. 3740 km und 23000 Höhenmeter in nur 38 Tagen (davon 6 Ruhetage) und das mit 18-20 nicht mehr so jungen RadlerInnen! Eine nicht schwache Leistung!
In Jerusalem und Bethlehem trafen wir uns mit VertreterInnen von jüdischen, christlichen und muslimischen Friedensinitiativen, um die Möglichkeiten für ein gemeinsames Zusammenleben im so verfahrenen Konflikt im nahen Osten auszuloten. Leider erlebten wir auch gleich am ‚Jerusalemeinheitstag’ (Gedenktag zur Erinnerung an die Rückeroberung der Altstadt durch die Israelis 1967) direkt vor der Haustüre, wie unterschiedlich diese Vorstellung vom Zusammenleben aussehen: Zahlreiche junge Israelis mit Fahnen und Stöcken zogen unter Militärschutz durch die arabische Altstadt vom Damaskustor bis zur Westmauer (Klagemauer) des alten Tempels, um ihre Besitzansprüche auszudrücken und schlugen dabei auf alle arabischen Aufschriften (auch solche von christlichen Einrichtungen), der Rest der Altstadt war für Passanten gesperrt und so mussten wir uns mit Mühe gegen die nationalistischen Menschenmassen zum Hospiz kämpfen. Am Tag darauf, ein Freitag, war die Straße wieder voll mit islamischen Pilgern, die (friedlich) zum Gebet am Tempelberg zogen. Und dazwischen sahen wir auch die frommen christlichen Pilger, die betend auf dem Weg zur Grabeskirche waren. 3 verschiedene Weltreligionen und 2 verfeindete Nationen an einem Ort und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt – ein nicht einfach zu lösendes Konfliktfeld.
Jerusalem, die Stadt des Friedens – eine nicht einfache Vision!
Doch für uns FriedensradlerInnen war vor allem der lange mühsame gemeinsame Weg durch so viele Länder und Kulturen nach Jerusalem der größte Beitrag zum Frieden – in der Gruppe und in der Welt nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ und „der Friede beginnt im Kleinen“.
Bischof i. R. Mag. Herwig Sturm
Schöpfungstag 2009: Die Schöpfung – Haus Gottes für alle
Predigt zum Evangelium nach Matthäus: 21, 12-17
Warum tut Jesus das? Warum treibt er die Geldwechsler und die Tierhändler hinaus aus dem Tempel? Das System funktioniert doch: Das schmutzige Römische Geld mit dem Bild des jeweiligen Kaisers wird in gutes altes jüdisches Geld getauscht; die Käufer kriegen ihre Opfertiere; Gott kriegt das Seine und die Welt das Ihre.
Jesus nimmt eine Geißel aus Stricken (Johannesevangelium Kap.2) und treibt sie alle hinaus. Ihre Herzen sind beim Geld und bei den Tieren und beim Kult – nämlich für die eigene Schuld zu bezahlen mit dem Blut der Opfertiere - aber nicht bei Gott.
Sie nennen es Bethaus, er eine Räuberhöhle.
Das trifft doch voll auf uns zu.
Der Tempel von heute ist die Börse; das schmutzige Geld wechselt schnell und wird immer sauberer, die Händler machen ihr Geschäft und die Opfertiere sind Kinderarbeit, Frauenhandel, Länder, die aus ihren Schulden dank Zins und Zinseszins nicht mehr herauskommen. Die Opfer sind der Regenwald, die Eisbären, unsere Enkelkinder.
Unser Tempel ist die Schöpfung; dieser wunderbare blaue Planet.
Wer macht ihn vom Bethaus zur Räuberhöhle? Du und ich: als Fernurlauber, als Autofahrer, als Konsument. Wir essen zu viel Fleisch, wir fliegen zu weit, wir fahren zu schnell. Dazu stützen wir unsere Wirtschaft, dafür schützen wir unsere Grenzen – vor denen, die wir mit unserer Wirtschaft und Technik und Finanzgebarung zu Lahmen und Krüppeln gemacht haben.
Nachdem Jesus die Händler vertrieben hat aus dem Vorhof des Tempels kommen die herein, denen sonst diese heilige Stätte verboten war, die Lahmen, die Krüppel.
„Und er heilte sie“, heißt es im Evangelium. Es ist möglich, dass auch sie, die Ausgesperrten, Unangepassten, die hungern nach Arbeit und Brot und dürsten nach Gerechtigkeit, dass sie heil werden; aber zuerst müssen sie hereinkommen dürfen in unser Heiligtum. Und dann die Kinder, die kommen auch. Sie schreien es hinaus “Hosianna dem Sohn Davids“; er ist der König des Friedens, der endgültige Retter und Heiland der Welt. Das haben sie gesungen; Kirchenmusik aus Kindermund, zusammen mit dem Lachen und Springen der Lahmen und Krüppel.
Selten ist Jesus so deutlich, so grob, so radikal, wie in dieser Geschichte. Er bricht mit dem System, das einer Gruppe von Menschen eine geordnete Beziehung mit Gott und Frieden mit den Mächtigen der Welt verspricht, aber die anderen aussperrt.
Das ist die Räuberhöhle. Er öffnet das Haus Gottes für alle.
Wir feiern heute den Schöpfungstag und eröffnen die Schöpfungszeit.
Wir lieben diesen blauen Planeten, der so voller Schönheit und Wunder ist.
Wir leiden unter der Gefährdung und Zerstörung, die täglich geschieht; an der Schöpfung und ihren Kindern.
Wir sind aber nicht Sklaven des Systems, das alles zu Geld macht und immer mehr Menschen aussperrt von den Gütern, die Himmel und Erde uns schenken.
Wir können noch etwas bewegen, verändern, gestalten.
Wir dürfen in ihm leben, in dem Tempel der Schöpfung; aber dann sollten wir auch unsere Opfer bringen: den Widerstand gegen jede Zerstörung, den Aufschrei gegen jede Ausgrenzung, die Bewahrung mit allen Kräften.
So können wir die Schöpfung erfahren als Haus des Gebetes und mit allen Geschöpfen, auch mit unseren Kindern singen und Gott loben für seine herrliche Welt.
Friedensinitiative Donaustadt
Anfang der 80er Jahre waren hunderttausende Menschen für atomare Abrüstung auf den Straßen. Die Sorge um den Frieden war ganz oben auf der Tagesordnung – neue Friedensinitiativen entstanden. In dieser Zeit bildete sich aus dem antifaschistischen Personenkomitee Donaustadt die Friedensinitiative 22.
Nun sind schon etliche Jahre vergangen, aber die Donaustädter Friedensaktivistinnen und Friedensaktivisten sind noch lange nicht müde. Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sie sich in der Donaucitykirche und diskutieren mit kompetenten ReferentInnen ein interessantes Thema. Eine Lesung mit Texten von Frauen über den Zweiten Weltkrieg sowie antifaschistische Lieder; die Entwicklung des Bundesheeres; Sekten; von der Wirtschaftskrise zum Weltkrieg (1929 – 1938); der neue US-Präsident Obama – das waren die Themen der vergangenen Abende.
Die Friedensinitiative trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen – VIC):
Di., 13. Okt., Michael Genner, Staatlicher Rassismus
Di., 10. Nov., Helmut Rizy, Buchvorstellung "Ahasver kehrt zurück"
Di., 15. Dez., Abg. z. NR Karl Öllinger, Rechtsextremismus in Österreich, (wegen des Feiertags dritter Dienstag)
Pater Riedlsperger zur Sozialenzyklika
Beim Diözesantag der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung Wien referiert Pater Alois Riedlsperger über die neue Sozialenzyklika „Caritas in veritate“. Der Diözesantag beginnt am Samstag, 26. September 2009 um 13.00 Uhr in der Pfarre Namen Jesu, 1120 Wien, Schedifkaplatz 3 (beim Bahnhof Meidling, Philadelphiabrücke).
ÖsterreicherInnen bauen in Südafrika
- ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung?
mit Christoph Chorherr / Jutta Leithner, am Donnerstag, 24. September 2009, 19.00 Uhr in der SADOCC-Bibliothek, 1040 Wien, Favoritenstraße 38/18/1 (U1-Station Taubstummengasse; 13A-Station Favoritenstraße) Seitdem er 1994 den Anstoß zur sog. Wiener Schule in Johannesburg gegeben hat, ist der Wiener Grün-Politiker in Südafrika aktiv geblieben. In Zusammenarbeit mit Technik- und Architekturstudent/inn/en aus Wien, Linz, Salzburg, Graz etc. sind mittlerweile mehrere Kindergärten oder Schulen in Südafrika errichtet worden, einige Projekte sind in Bau. Angesichts der Stagnation der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika eine begrüßenswerte Initiative. Dennoch stellen sich Fragen hinsichtlich der entwicklungspolitischen Nachhaltigkeit. Veranstaltung von SADDOC und der Grünen Bildungswerkstatt Wien.
Weltweiter Friedensmarsch
Start mit Friedenszeichen in Wien
Am 2.10.1869 vor bald 140 Jahren wurde Mahatma Gandhi geboren. Am 140. Geburtstag Gandhis, am 2.10.09 dem Internationalen Tag der Gewaltfreiheit ist auch der Start des Weltweiten Marschs für Frieden und Gewaltfreiheit in Neuseeland. Weltweit setzen friedensbewegte Menschen Friedenszeichen. In Wien wird es aus diesem Anlass ein Friedenszeichen mit 140 Fackeln geben. Der Wiener Stefansplatz wird mit einem Lichtsymbol von 24 m Durchmesser den Weltweiten Friedensmarsch begrüßen. Infos: http://www.weltweitermarsch.at
Friedensfest - Licht für den Frieden"
am 20.09.2009 rund um den Attersee
Ein kräftiges Zeichen für die Sehnsucht nach Weltfrieden vieler Menschen wird am Vortag des UNO-Weltfriedenstages, am 20.09.2009, rund um den Attersee gesetzt. Zahlreiche MusikerInnen, AutorInnen, FriedensbotschafterInnen, WorkshopleiterInnen und andere Aktive gestalten einen Tag lang ein dichtes lichtes und kostenloses Programm. Im Zentrum steht die Frage: Wie können wir selber zum Frieden in der Welt beitragen? Unter anderen liest Maria Neuberger-Schmidt aus ihrem Buch „Erziehung ist (k)ein Kinderspiel“ (Friedensschiff Abfahrt 20.9. 11.24 Uhr, Weyregg). Höhepunkt des Tages ist eine menschliche Lichterkette an den Seeufern rund um den See. Stimmungsvoll beleuchtete Schiffe, Boote, Lichterballons, Feuershows und vieles mehr zaubern lichtvolle Friedensstimmung bei Einbruch der Dunkelheit. Jedes Licht zählt!
Infos: http://www.elternwerkstatt.at/
Salzburger Beitrag zum UNO-Weltfriedenstag,
Montag, 21. September 2009
in der Rudolf-Steiner-Schule, Salzburg, Waldorfstraße 11.
18.00 Uhr Musikalischer Auftakt bei den Friedenspfählen
18.30 Uhr Festakt im Dorothea Porsche Saal
Grußbotschaften, Meditatives mit Symbolen der Weltreligionen, Vorstellen des Friedensprojektes 2009, Gemeinsames Legen eines Flaggenmandalas, dazwischen künstlerische Darbietungen, Friedenstanz, KünstlerInnen: Bläserensemble der Musikkapelle Hallwang, Oikumenia Gospel Chor Salzburg, Iris Corinna, Holtzhausen (Klangschalen), Elvira Goebert (Tanz), Salzburger Schulklassen, Literaturgruppe Lachmeer, Ehrenschutz: Bürgermeister Dr. Heinz Schaden (Mayors for Peace)
SONDERPOSTAMT Bertha von Suttner, 15.00 Uhr – 19.00 Uhr in der Waldorfschule, Anlässlich der Herausgabe der Sondermarke „Bertha von Suttner 2009“ durch die Österr. Post AG findet bereits am Nachmittag ein Sonderpostamt statt. Vor 120 Jahren erschien der Anti-Kriegs-Roman „Die Waffen nieder“, geschrieben von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, einer Kämpferin für Frieden und Abrüstung.
Aktive Gewaltfreiheit als Perspektive im Nahostkonflikt
Vernetzungs- und Informationsforum am 26. Oktober 2009, 10.00 Uhr – 17.00 Uhr, Albert Schweitzer Haus. 1090 Wien, Schwarzspanierstraße 13. Zur Teilnahme an diesem Forum sind Initiativen, Organisationen und Personen eingeladen, die sich für eine friedliche und gerechte Lösung des Nahostkonfliktes mit gewaltfreien Mitteln einsetzen... ... Für die VeranstalterInnen bedeutet das, dass es keinen Platz für Feindbilder und Stereotype, Antisemitismus, Islamophobie und jede Form von Rassismus geben darf. Es geht um Information über gewaltfreie Initiativen vor Ort und die Möglichkeit, diese von Österreich aus zu unterstützen. Mit: Jeremy Milgrom (Mitbegründer der Rabbis for Human Rights, Jerusalem) Zoughbi Zoughbi (Gründer und Leiter des Wi’am-Palestinian Centre for Conflict Resolution Bethlehem) Infos: http://www.evang-akademie.at
„Ich war fremd und ihr habt mir Heimat gegeben"
lautet das Motto des Bundeskongresses der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) am Freitag, 25. September und Samstag, 26. September (09.00 Uhr – 16.30 Uhr) im Dr. Karl Renner-Institut, 1120 Wien, Khleslplatz 12 (U6 Schöpfwerk), ReferentInnen sind u.a. Ute Bock, Anny Knapp, Weihbischof Franz Scharl und Pfarrer Wolfgang Pucher. Am Freitagabend liest das 1. Wiener Lesetheater. Teilnahmegebühr inkl. Mahlzeiten Euro 20,--. Infos: www.acus.at
ACUS Vorarlberg:
Mitveranstalter bei Vortrag von Bischof Dr. Michael Bünker über „Calvin. Theologie, Gesellschaft, Ökonomie – der Reformator und seine Aktualität heute“. 19. Oktober 2009, 20 Uhr, Theater am Kornmarkt Bregenz
Mitwirkung bei der Veranstaltung „Nationalsozialismus im Familiengedächtnis“, 9. November 2009, 17 Uhr, Gymnasium Gallusstraße, Bregenz
Studientag: GEWALT ÜBERWINDEN - KINDER HABEN RECHTE
am Samstag, 7. November 2009, 10.00 Uhr – 17.00 Uhr im Albert Schweizer Haus, Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien, VeranstalterInnen: Arbeitsgruppe Dekade zur Überwindung von Gewalt, Netzwerk für Frieden und Gewaltfreiheit, Österreichische Kommision Iustitia et Pax, Evang. Akademie Wien Kosteinbeitrag: 20 €
Der Vater Kardinal Schönborns und der Krieg
Wiener Erzbischof erzählte im ORF-"Club 2" über die Desertion seines Vaters - "Er vermittelte uns Kindern: Er wollte den Krieg nicht, er wollte Hitler nicht"
Über die Hintergründe der Desertion seines Vaters Hugo im Zweiten Weltkrieg berichtete Kardinal Christoph Schönborn in der jüngsten Folge des ORF-"Clubs 2", die am Mittwochabend unter dem Titel "Helden oder Kriegsverräter - die Deserteure der Wehrmacht" ausgestrahlt wurde. Sein Vater habe zwar nach Kriegsende sehr wenig über den Krieg gesprochen, doch seinen Kindern gegenüber keinen Zweifel an seiner klaren Einstellung gelassen: "Er wollte den Krieg nicht, er wollte Hitler nicht", so der Wiener Erzbischof. Er und seine Geschwister hätten auch von Kind an gewusst, dass ihr Vater 1944 zu den Engländern übergelaufen war, sagte der Kardinal. In der Verwandtschaft hätten manche dies "sehr negativ gesehen", in der Öffentlichkeit sei dies jedoch kaum je Thema gewesen.
Unter der Leitung von Gastgeber Rudolf Nagiller diskutierten u. a. auch der frühere Nationalrats-Präsident Andreas Khol, die Historikerin Brigitte Hamann, der einstige "Deserteur" Richard Wadani und Otto Keimel vom Kameradschaftsbund sowie Mitgestalter der im Wiener Nestroyhof eröffneten Ausstellung über die Opfer der NS-Militärjustiz. Kardinal Schönborn und Khol gehören zu den Persönlichkeiten, die den Ehrenschutz für die Ausstellung übernommen haben.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Adeligen habe es Hugo Schönborn abgelehnt, innerhalb der deutschen Wehrmacht die Offizierslaufbahn einzuschlagen - er blieb einfacher Gefreiter, wie der Kardinal erzählte. Als solcher habe er die Schlacht um Stalingrad knapp überlebt, bei einem späteren Einsatz an der Westfront desertierte Hugo Schönborn 1944 in Belgien und wurde von einer mutigen Familie in deren Schloss versteckt. Später diente Hugo Schönborn der britischen Armee als Übersetzer. Seine schwangere Mutter sei nach der Fahnenflucht von der Gestapo mehrmals "scharf befragt" worden, berichtete der Wiener Erzbischof. Dass ihr Mann noch am Leben war, habe sie erst nach Kriegsende erfahren. 1946 sei die Familie in Graz wieder zusammengetroffen. (Kathpress, 4. Sep. 2009)
Die Ausstellung "Was damals Recht war... - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht" ist bis 15. Oktober im Theater Nestroyhof, am Nestroyplatz 1, 1020 Wien, zu sehen Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag, 10.00 bis 19.00 Uhr und am Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Infos: http://www.pk-deserteure.at/
Unsere Bitte:
Unsere Kosten sind enorm gestiegen!!!
BITTE UM SPENDEN
an Konto 040-32-675, Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,
Christen f. d. Friedensbewegung
Die Kosten stiegen und steigen und ….
Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!
E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at
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Wir danken der Gewerkschaft vida für den Druck des Informationsblattes!
IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, Eigendruck. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adressverwaltung: Manfred Sauer.
Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.
[1] Theodor W. Adorno, Minima Moralia, I, 18; in: Gesammelte Schriften, Bd. 4, 19.
[2] Vgl. dazu Gotthard Fuchs, Der Bürokratisierungs-Gegner, in: Die Furche 38 (20. September 2007) 10.
[3] Alfred Delp, Gesammelte Schriften IV: Aus dem Gefängnis, Frankfurt 1985, 299. Zur Verbürgerlichung vergleiche auch Gesammelte Schriften IV, 159.170.
[4] Ges. Schriften IV, 212.
[5] Ges. Schriften IV, 212.
[6] Rene Girard, Der Sündenbock, Zürich 1988.
[7] Odo Marquard, Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie, Frankfurt 1973, 76.
[8] Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen 191 (Heft 4,76); 158f. (Lose Blätter II 4).
[9] Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen 140.144.156.177.
[10] Michel de Certeau: La fable mystique I, XVIe-XVIIe siècle, Paris 1982, 42f. Vgl. dazu auch Christian Duquoc, Théologie en exil. Le défi de sa survie dans la culture contemporaine, Paris 2002.