INFORMATIONSBLATT
der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung
Nr. 1/2009
Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,
das nächste Treffen findet am
Sonntag, dem 18. Jänner 2009 um 14.00 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)
statt. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist die Diskussion mit Herrn Mag. Georg Kovarik (Leiter des Referates für Volkswirtschaft des Österreichischen Gewerkschaftsbundes) über die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise.
Infos im Internet: www.friedenschristen.at.tf www.friedenschristinnen.at.tf
E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at
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Themen
Oberkirchenrat a. D. Dr. Balázs Németh: Körperkirche
Kaplan Franz Sieder: Die Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital
Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld: „Die Ketten der Ungerechtigkeit sprengen“
Alois Reisenbichler: Gerechtigkeit und Friede küssen sich (Ps. 85,11)
In Sichtweite Gottes? Bekenntnisse aus dem Alltag
Zum Gedenken an Professor Ernst Schwarcz: Erinnerung an Hiroshima
Nahost - Lateinischer Patriarch von Jerusalem kritisiert Israel
Gaza: Offener Brief von Pax Christi Österreich
Kurzmeldungen und Termine
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Oberkirchenrat a. D. Dr. Balázs Németh
Körperkirche
Vergangenes Jahr habe ich zusammen mit meiner Frau zum ersten Mal eine Reise in die Toskana unternommen. Wir haben die prachtvollen Kathedralen, Dome, Paläste und Bürgerhäuser aus der Zeit der Romantik und der Gotik bewundert, deren weiße Mamorfassaden schon von der Ferne leuchteten. Aber mit der Zeit habe ich mir gemeinsam mit Bert Brechts „lesenden Arbeiter“ die Frage gestellt, auf wessen Kosten all diese prächtigen Bauwerke errichtet wurden? Zahlten den Preis dafür nicht die zahllosen Armen jener Zeit? Haben nicht die Prunkfassaden vielen Arbeitern das Leben gekostet und hat sich nicht dadurch die Kluft zwischen Arm und Reich noch stärker vergrößert? Und dann, als ich vis a vis vom Palacio Vecchio, dem Rathaus von Florenz, die inmitten des Platzes eingelassene Steinplatte sah, die besagte, dass an dieser Stelle im Jahr 1498 der Bußprediger Fra Girolamo Savonarola verbrannt wurde, da wurde ich daran erinnert, warum dieser Vorreformator an der Spitze des Volksaufstandes stand, der der erdrückend großen Kluft zwischen Arm und Reich ein Ende setzen wollte und eine religiöse Demokratie und das Reich Gottes auf Erden errichten wollte. Denn je höher der Abstand zwischen oben und unten ist, und je mehr die Menschen unten im Schatten des oben leiden müssen, umso mehr wächst die Wahrscheinlichkeit einer Explosion.
Heute, im Unterschied zur Toskana des Mittelalters, werden die Skylines einer Großstadt nicht mehr von den Kirchtürmen dominiert, sondern von den Zentralen des Wirtschafts- und Finanzwesens. Ernesto Cardenal schreibt in einem Gedicht beim Anblick der damals noch existierenden Zwillingstürme in New York, als sein Flugzeug im Landeanflug daran vorbei flog: Es war deutlich „sichtbar als am Himmel hinter den Scheiben der Imperialismus“.
Türme an sich sind keine Macht, aber sie symbolisieren die Macht, die den Menschen in ihrem Schatten klein machen, bedrücken und ihn – um mit Freud zu sprechen – wie ein Über-Ich eine lenkende Funktion innehaben. Solche Türme müssen nicht immer aus Stein gebaut sein, sondern sie können sich als Anspruch auf eine absolute Wahrheit, als eine Wirtschafts- oder Gesellschaftsordnung, als religiöses Gesetz oder eine nationale Tradition gebärden.
In diesem Sinn übt die Bibel oft Kritik an den realen oder auch an den symbolischen Türmen. Der Turm von Babel z. B. symbolisierte den Allmachtswahn der Menschen. Jeremia geißelte die Reichen seiner Zeit, weil diese den Tempelkult besonders favorisierten als Kompensation für ihre Ausbeutung und Unterdrückung der Armen. Jesus reinigte den Tempel in Jerusalem, weil dessen Opferkult verhinderte, dass die ungeteilte Liebe Gottes die Egalität unter den Menschen herstellte. Paulus geißelte eine religiöse Haltung unter den Korinthern, die die Geschwisterlichkeit nur in der gottesdienstlichen Versammlung praktizieren wollten, aber sonst im Alltag Unterdrückung, gesellschaftliche Kälte und Verachtung den Unterschickten gegenüber praktizierte.
Vor diesem Hintergrund sagte der Apostel: „Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und dass Gott Geist in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören; denn der Tempel Gottes ist heilig, und das seid ihr.“ (1. Kor 3, 16,17) Harte, aber bleibende Worte: Der Mensch ist der Tempel Gottes. Er ist heilig, und nicht ein Bauwerk, nicht eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, nicht eine Weltanschauung, auch wenn sie sich als christlich bezeichnet, nicht einmal die persönliche Freiheit oder die Ruhe oder das Privateigentum, wie oft behauptet wird, wenn es um etwas Heiliges geht. Bei allen diesen sogenannten Heiligtümern geht es immer auf Kosten des Menschen und dessen Würde. Vorrang hat die Körperkirche, d. h. der nackte Mensch, sagt der Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti, und danach kommt erst die Kirche aus Stein. Zu Recht hat Kurt Marti die materielle Seite des Tempels Gottes hervorgehoben, denn oft wird behauptet, dass der Leib Hort der Sünde und der niedrigen Instinkte sei, und nur der Geist und die Seele könnten den Anspruch auf höhere Würde erheben. Paulus wehrte eine alte religiöse Vorstellung ab, als ob der Geist näher zu Gott stünde als der Leib. Mit dieser Abstufung wurde und wird viel Missbrauch betrieben, wenn z. B. für seelische Bedürfnisse gesorgt, aber an der sozialen Ungerechtigkeit nicht gerüttelt wird.
Weil der Mensch der Tempel Gottes ist, daher ist es falsch, von der Kirche als dem Haus Gottes zu reden, als ob man Gott in einem Haus lokalisieren und einsperren könne. Gott wird nicht dadurch verletzt und beleidigt, wenn die Kirche beschmutzt und entehrt wird, sondern wenn die Würde und die Rechte des Menschen mit Füßen getreten werden.
Der Mensch ist der Tempel Gottes, weil er das Ebenbild Gottes ist, d. h. auf seinem Antlitz trägt er die Spuren der Liebe Gottes. Diese Sicht hat weitgehende Konsequenzen: dass nämlich alle Menschen aufgrund des einen Gesichtes Gottes zuerst und vor allem unsere Schwestern und Brüder sind. Und diese Erkenntnis wiederum sollte ihren praktischen Niederschlag in der AusländerInnen-, Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik finden. Denn die Verletzung eines Menschen bedeutet, dass zugleich auch Gott verletzt wird.
Dass der Mensch der Tempel Gottes ist, unterstreicht auch die Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist, oder wie es der Evangelist Johannes formulierte: „Das Wort wurde Fleisch.“ Paulus hörte nicht auf, auf die Menschwerdung Jesu hinzuweisen mit ihren sozialethischen Konsequenzen, da in Korinth stets einige behaupteten, dass Jesus nur ein Geistwesen mit einem Scheinleib gewesen sei. Dass Jesus sich stets der Schwachen, Ausgestoßenen und der am Rand Stehenden angenommen hat, und sich mit denen solidarisierte, die sich in der Tiefe befanden, das unterstreicht seine vorbehaltlose Liebe zu den Menschen. Und daher gilt auch für uns: „Nachdem Gott Mensch geworden ist, ist der Mensch zum Maß aller Dinge geworden“, sagte der große evangelische Theologe Karl Barth. Darum sind Menschenrechte nicht nur eine juristische und eine soziale Angelegenheit, sondern auch eine theologische Forderung. Jede Wahrheit entpuppt sich als Lüge, wenn ihr Menschen zum Opfer fallen.
Menschenrechte sind auf der einen Seite die persönlichen Rechte und Freiheiten des Einzelnen, aber auf der anderen Seite gehört auch die Schaffung von Voraussetzungen dazu, die erst die Praktizierung der persönlichen Rechte ermöglichen. Was nützt das Recht auf Schulbildung, wenn jemand dafür die finanziellen Mittel nicht hat. Jesus widersetzte sich gewissen religiösen Geboten, d. h. er stellte die hindernden Strukturen in Frage. Damit schuf er die Voraussetzungen, die die freie Entfaltung des Menschen erst ermöglichten. Und um ein Beispiel aus unseren Tagen zu nehmen: Zweifelsohne werden heute in Tibet die persönlichen Menschenrechte verletzt, aber der Hunger in Afrika und die ungerechten Handelsgesetze sind ebenfalls Menschenrechtsverletzungen, die man allerdings kaum als solche bezeichnet.
Auch heute, wie zur Zeit des Apostels Paulus, kann man von einer Zerstörung des Tempels sprechen, nämlich einer Zerstörung der Körperkirche Mensch. Paulus hat damals damit bestimmte sexuelle Praktiken und Kulte gemeint. Ich dagegen möchte hier auf einige Punkte hinweisen, die meinem Dafürhalten nach heute die Körperkirche, d. h. die Menschenrechte und die Menschenwürde gefährden bzw. verletzen.
Dazu gehört vor allem die ruinöse Vorstellung, dass Sicherheit in der Welt statt durch Brot und Menschenfreundlichkeit allein durch Waffen, Gewalt und Krieg zu schaffen sei. Und gewiss zählt dazu die traurige Bilanz, dass der Irakkrieg bis heute annähernd 3.000 Milliarden Dollar gekostet hat.
Genauso zerstörerisch ist die Praxis, dass der Mensch nicht als Tempel Gottes, sondern als ein Ding gesehen wird, dessen Verwertbarkeit und nicht dessen nacktes Dasein zählt. Vorstellungen wie die „Nur der Starke kommt durch“, oder jene vom angeblichen Vorrang der Wirtschaft gegenüber dem Sozialen zeigen den heranschleichenden, zynischen und menschenfeindlichen Sozialdarwinismus, der schon einmal ein Steigbügelhalter des Faschismus war. Dieser Sozialdarwinismus spricht zwar vom Menschen, aber verstehen tut er darunter nicht das nackte Menschsein, sondern dieses wird festgemacht an Hautfarbe, Religion, Nationalität, Vermögen oder Bildung.
Genau kennzeichnet Menschenfeindlichkeit die vielen Bewegungen, die von der erdhaften Materialität weg im Jenseits, in der Welt der Sterne, in den überirdischen Strömungen und in der Esoterik ihren Halt und ihre Heimat suchen. Und zwar meistens mit einer religiösen Weihe. Dass der heurige Literaturnobelpreis einem Schriftsteller verliehen wurde, dessen Protagonisten sich meistens von der realen Welt verabschieden und Zuflucht in der stummen Natur oder im Weltall finden, ist ein Signal dafür, dass solche weltabgewandte Strömungen sehr verbreitet sind.
Daher soll man nicht müde werden und mit dem Apostel betonen, dass der Geist Gottes in der Körperkirche, im Menschen wohnt. Und darum kann man auch Kurt Martis Wunsch nur unterstreichen, dass Gott zum Tätigkeitswort werde.
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Kaplan Franz Sieder
Die Arbeit hat Vorrang vor dem Kapital
Die momentane weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns allen bewusst gemacht, dass im System etwas faul ist. Es ist ja nicht wie ein Tsunami, der plötzlich über die Menschheit hereinbricht. Wir leben schon lange weltweit in einer Schieflage. Es ist wie ein schiefes Fußballfeld, wo die eine Mannschaft immer bergauf spielen muss und die anderen spielen bergab.
Weltweit gehören wir in Österreich zu jenen, die bergab spielen. Der bedeutende Theologe Karl Rahner sagte: „Wir sind reich, weil die anderen arm sind, weil die Weltstrukturen ungerecht sind. Sie machen uns immer reicher und die Menschen in der südlichen Hemisphäre unserer Welt immer ärmer.“ Rahner sagt dann weiters: „Wir stehlen zwar nicht persönlich, aber wir nehmen teil an einem kollektiven Diebstahl.“
Diese ungerechten und sündhaften Strukturen, die wir in der weltweiten neoliberalen Wirtschaft erleben, diese ungerechten Strukturen erleben wir auch bei uns in der Arbeitswelt. In der Enzyklika „Laborem Exercens“ von Papst Johannes Paul II. wird ausgedrückt, dass alles, was wir heute an Fortschritt und Wohlstand haben, eine Frucht der menschlichen Arbeit ist. Am Anfang der menschlichen Arbeit steht das Geheimnis der Schöpfung Gottes. Der Mensch hat durch die Arbeit gleichsam die Schöpfung Gottes veredelt. Am Beginn des Schöpfungsberichtes sagt Gott zu den Menschen: „Macht euch die Erde untertan.“ Er möchte damit nicht sagen: „Beutet die Erde aus“, sondern: „Macht sie durch euer Hände Arbeit bewohnbar für alle Menschen.“
Der Sinn der Arbeit ist es also dem Menschen zu dienen und die Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Dieser Sinn wird heute nur mehr teilweise wahrgenommen. Ein Teil der Arbeit wird dazu benutzt, sinnlose Rüstungsgüter zu produzieren, die nicht dem Menschen, sondern der Zerstörung des Menschen dienen. Es werden auch viele Güter produziert, die der Mensch gar nicht braucht, die keine Befriedigung seiner Bedürfnisse sind. Sie werden dem Menschen einsuggeriert, dass er sie kaufen soll und mit psychologischen Tricks werden die Menschen zu Konsumtrotteln gemacht, ohne dass sie es merken. Im neoliberalen, kapitalistischen Wirtschaftssystem geht es in der Grundintention nämlich nicht um den Menschen, sondern letztlich nur um Gewinne, um Profitmaximierung. Der Mensch ist nicht das Subjekt in diesem System, sondern er ist zum Objekt geworden. Er / sie wird instrumentalisiert. So wird der Arbeiter / die Arbeiterin immer mehr zum Arbeitssklaven oder zur Arbeitssklavin gemacht. Wenn die Arbeitsbedingungen in manchen Betrieben menschliche Züge haben, dann liegt das nicht am Wirtschaftssystem, sondern daran, dass die Gewerkschaften sich ein wenig Menschlichkeit im Arbeitsprozess erkämpft haben. Was die Arbeiterinnen und Arbeiter an Menschlichkeit und sozialer Fairness heute im Arbeitsprozess haben, das wurde ihnen nie von oben geschenkt, sondern das haben sie sich alles erkämpft. In einem Wirtschaftssystem, das nicht den Menschen zum Ziel hat, muss sich die Arbeiterin / der Arbeiter seine und ihre menschliche Würde erkämpfen, sonst wird er / sie unweigerlich zum Sklaven und zur Sklavin gemacht, weil er / sie ja nicht Subjekt, sondern Objekt in diesem System ist.
Gerade in diesem Zusammenhang macht Papst Johannes Paul II. in seiner Sozialenzyklika eine revolutionäre Aussage. Es ist wahrscheinlich der Schlüsselsatz der gesamten Enzyklika. Dieser Satz heißt: „Man muss in Erinnerung rufen ein Prinzip, dass die Kirche immer gelehrt hat: Das Prinzip des Vorranges der Arbeit gegenüber dem Kapital.“ Dieses Prinzip des Vorranges der Arbeit vor dem Kapital haben auch schon Papst Johannes XXIII. und Papst Paul VI. in ihren Sozialenzykliken betont. Begründet wird diese Vorrangstellung der Arbeit vor dem Kapital damit, dass die Arbeit immer mit dem Menschen selbst zu tun hat, während das Kapital nur instrumentellen Charakter hat. Es geht also um die Vorrangstellung des Menschen schlechthin, weil der Mensch nach Gottes Willen die Krone der Schöpfung ist und immer Subjektcharakter haben muss, - er darf nie zum Objekt degradiert werden.
Wenn es in der Bibel im sogenannten Hohelied der Liebe heißt: „Hättest du aber die Liebe nicht“, dann hätte all dein scheinbar soziales Tun keinen Wert, wenn deine Absicht nicht ehrlich ist, dann müssen wir dieses „hättest du aber die Liebe nicht“ übersetzen mit den Worten: „Geht es dir in deiner Intention nicht wirklich um den Menschen.“ Wenn wir diesen Grundsatz, dass die Arbeit Vorrang hat vor dem Kapital für die heutige Arbeitswelt übersetzen, heißt das, dass die eigentlich Bestimmenden der Wirtschaft nicht die KapitaleigentümerInnen sein sollen, sondern die ArbeitnehmerInnenvertreterInnen. Noch konkreter hieße das, dass in den Aufsichträten der Betriebe die ArbeiterInnenvertreterInnen nicht nur eine paritätische Mitbestimmung haben sollen, sondern eine Mehrheit („Überparität“) der ArbeitnehmerInnenvertreterInnen gegenüber den KapitalvertreterInnen. Auch die Kollektivvertragsverhandlungen für die Löhne müssten dann völlig anders aussehen. Momentan ist es so, dass die GewerkschafterInnen gleichsam betteln müssen, dass einige Brosamen von den erwirtschafteten Gewinnen auch für sie abfallen. Sie müssen betteln, dass ihnen die KapitalvertreterInnen eine kleine Lohnerhöhung gewähren. Das ist demütigend und entspricht ganz und gar nicht dem christlichen und menschlichen Grundsatz, dass die Arbeit Vorrang vor dem Kapital haben soll. Dieser Grundsatz würde natürlich unser ganzes kapitalistisches Wirtschaftssystem in Frage stellen, weil dieses System nur ein geldgerechtes und kein menschengerechtes System ist. Papst Johannes Paul II. hat dieses System auch einer sehr scharfen Kritik unterzogen, wenn er sagt: „Nach dem Scheitern des marxistischen Modells bestehen in der Welt nach wie vor Formen der Ausgrenzung und Ausbeutung sowie Erscheinungen menschlicher Entfremdung, gegen die die Kirche ihre Stimme erheben muss. Es besteht die Gefahr, dass sich eine radikale kapitalistische Ideologie breitmacht, die die Lösung nur einem blinden Glauben der freien Entfaltung der Marktkräfte überlässt.“ Wie sehr der Papst mit dieser Aussage recht hat, das erleben wir jetzt in dieser weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, an der die Schuldtragenden ganz sicher nicht die Arbeiterinnen und Arbeiter sind, aber sie bekommen die Krise am stärksten zu spüren. Wie leichtfertig die KapitalvertreterInnen mit dem erwirtschafteten Geld, über das eigentlich die ArbeiterInnenvertreterInnen bestimmen sollten, umgehen, das erleben wir jetzt im sogenannten Casinokapitalismus. Die KapitalvertreterInnen machen mit diesem Geld Casinospiele, um noch reicher zu werden. Siemens und auch viele andere Betriebe machen mit dieser „Geldschieberei“ mehr Gewinne als mit der Produktion. Arbeiterinnen müssen bei härtesten Fließbandarbeiten 40 Stunden in der Woche arbeiten, um ein Monatsgehalt von 800 Euro zu bekommen – während manche Börsenhaie mit ihrer Geldschieberei Millionen Euro an einem Tag verdienen. 95 Prozent des weltweiten Kapitalflusses geht heute über die Finanzspekulationen und nur mehr fünf Prozent über die Produktion. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Der Casinokapitalismus braucht nicht nur stärkere internationale Regeln oder eine Tobinsteuer – der Casinokapitalismus gehört überhaupt weltweit abgeschafft und verboten, er ist unmoralisch.
Die soziale Botschaft des Papstes, dass Arbeit Vorrang vor dem Kapital hat, ist eine mutige, aber, was ich in der Kirche beklage, ist, dass Botschaft kaum weitergegeben wird. Sie wird kaum verkündet von den Bischöfen und auch nicht von den Priestern in den Pfarren. Vielleicht sind sie selbst in ihrem Denken zu sehr vom kapitalistischen Bazillus infiziert und haben deshalb eine Hemmschwelle, diese radikale Botschaft, die ganz auf Grundlage des Evangeliums ist, weiterzugeben.
Im Gebet der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) beten wir: „Dein Reich komme in die Fabriken, Werkstätten und Büros.“ Das Reich Gottes ist ein Reich der Gerechtigkeit und der Liebe. Zu diesem Reich Gottes in der Arbeitswelt gehören auch gerechte Strukturen in der Wirtschaft. Caritas üben ist gut, aber zu wenig. Wir müssen auch die Räuber bekämpfen, die ununterbrochen Menschen berauben und kaputt machen und damit für Millionen ein menschenwürdiges Leben verhindern.
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Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld
„Die Ketten der Ungerechtigkeit sprengen“
Predigt bei der Sommerakademie des Friedensforschungsinstituts Schlaining 2008
Es ist der erste öffentliche Auftritt Jesu nach der Versuchung durch den Satan in der Wüste. Jesus kommt in die Synagoge und liest aus der Schrift aus dem Buch Jesaja.
Jesus bezieht die Worte nun auf sich: Der Messias ist gekommen und bringt die Frohbotschaft für die Entrechteten und Unterdrückten.
Es ist ein programmatischer Auftritt, der all das umfasst, was Jesus in der kurze Zeit seines Wirkens tun wird.
Der Geist Gottes ruht auf IHM. Dabei handelt es sich nicht um eine groß angelegte Inszenierung Gottes. Der Geist ruht auf Jesus, weil er gesandt wurde, um die Menschen aus Knechtschaft und Elend zu befreien.
Das sind keine neuen Worte. Das sind Worte, das ist Trost und gleichzeitig Verheißung des Propheten Jesaja, der an anderer Stelle von einem neuen Reich voll Frieden und Gerechtigkeit spricht. Das erinnert auch an den Exodus, die Befreiung des Gottesvolkes aus der Sklaverei.
Und es sind Worte, die weiterleben in jenen Menschen und Völkern, die noch immer in Ketten liegen, in Sklaverei, in Abhängigkeit von den Herren dieser Welt.
Kein Wunder, dass man versucht hat, solche Worte, wie sie Jesus zitiert hat, zu entschärfen, indem man sie spiritualisierte und vor allem anfügte: „Nicht wir sollen dieses Reich erschaffen, es wird uns von Gott irgendwann geschenkt. Für uns reicht es, wenn wir anständig nach den Geboten leben.“
Aber wie können wir als Gemeinschaft leben, wenn die einen haben und die anderen darben? Wenn die einen an ihrem Reichtum ersticken und die anderen in Elend versinken?
Der Reformierte Weltbund (RWB) hat seine 23. Vollversammlung unter das Motto gestellt: „Sprengt die Ketten der Ungerechtigkeit“ und hat damit ein Wort aus dieser Stelle aufgenommen, die Jesus vorliest.
Jesus hat genau diesen Auftrag erhalten. Das ist ihn angesprungen. Er schlägt die Schrift auf und siehe da: Eine Botschaft für alle und ein Auftrag, aktuell wie vor 2000 Jahren.
weil er mich gesalbt hat,
Armen das Evangelium zu verkündigen.
Er hat mich gesandt,
Gefangenen Freiheit
und Blinden das Augenlicht zu verkündigen,
Geknechtete in die Freiheit zu entlassen,
zu verkünden ein Gnadenjahr des Herrn.
Den Armen das Evangelium verkündigen – das ist ja in Ordnung. Das hat die Kirche auch immer brav gemacht, Aber den Gefangenen die Freiheit zusagen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen? - Nach einer bestimmten Zeit soll der Grund neu verteilt werden, denn das Land gehört Gott allein. – Wo kommen wir da hin?
Aber wie sollen wir das Evangelium verkündigen den Armen, wenn wir uns insgeheim wünschen, dass alles so bleiben soll, wie es ist?
Das war und ist auch eine Herausforderung für eine Konfessionsfamilie wie es der RWB ist.
Wir wollen uns ja nicht verhalten wie die holländischen Sklavenhalter in Elmina in Ghana. In der Kirche Lobpsalmen singen und einen Stock tiefer Menschen in ihren eigenen Exkrementen elend zu Grunde gehen zu lassen, nämlich diejenigen, die nicht überleben und die dann sowieso keinen Wert haben. Um des Profits willen bereit sein, alles zu tun, keine Schranken zu kennen.
Die Menschen aus dem Süden fragen uns: Wie könnt ihr das zulassen? Und nach zähem Ringen hat diese Gemeinschaft eine Antwort gegeben. Ein Bekenntnis mit Folgen.
Die Worte Jesajas, die sich Jesus aneignete, spiegeln eine Gesinnung wider, die sich wie ein roter Faden durch die Schrift zieht.
Die frohe Botschaft verkündigen und mit allen, die dies tun wollen, gemeinsam zu arbeiten für eine gerechtere und friedlichere Welt.
Dafür sind zwei entgegen gesetzte und sich ergänzende Bewegungen notwendig: Die Ketten der Unterdrückung zu sprengen und gleichzeitig neue Netze der Solidarität und der Geschwisterlichkeit zu knüpfen. Kirchen dürfen keine Berührungsängste haben mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft, sondern sollen vielmehr an einem Strang mit ihnen ziehen; vor allem dort, wo es darum geht, Armut zu bekämpfen, die Macht der Konzerne in die Schranken zu weisen und sich für die Würde des Menschen einzusetzen. Kein Zufall, dass da Motto der letzen RWB-Vollversammlung war: damit alle ein Leben in Fülle haben – und nicht nur ein paar wenige, und dafür auch noch eine Theologie der Reichen entwickelt wird.
Jesus hat Zeit seines Lebens auf das Reich Gottes hin gewirkt. Und so sollen wir diese Botschaft aus dem Buch Jesaja auch so lesen:
Zuerst kommen beim Evangelisten Lukas die Armen in den Blick. Ihnen gilt zuerst das Evangelium, ihnen gilt die befreiende Botschaft. So ist auch unser Auftrag, was wir vorfinden, aus der Perspektive der Armen zu beleuchten, auch im Wissen, selber nicht zu den Armen zu gehören. Als Christen haben wir die Anwaltschaft für die Armen zu übernehmen.
Jesus ist auch gekommen, die Blinden sehend zu machen, die Kranken zu heilen, den Menschen ganz zu machen und aus seiner Zerbrochenheit zurückzuholen ins Leben. Das geschieht auch durch äußere Lebensumstände, durch Ausbeutung und durch Entmenschlichung, wo der Mensch nur noch als Kostenfaktor und Arbeitskraft gesehen wird.
Aber die Erlösung aus der Blindheit gilt auch jenen, die verblendet sind, die blind sind für die Sorgen und Nöte der Mitmenschen, blind aber auch für ungerechte ökonomische und politische Strukturen.
Das alles bedeutet auch, die Frohe Botschaft zu verkündigen, damit die Menschen ein Leben in Fülle haben und die Erde wieder blühen kann.
In einem anderen Dokument des Reformierten Weltbundes wird Mission nicht als Konversion zum Christentum bezeichnet sondern Konversion zum Leben.
So gesehen müssen wir missionarische Kirche sein und auf das Reich hin leben, das Gott uns verheißen hat.
Wir wollen es nicht herbeizwingen, aber wir glauben, dass Gott auch für uns einen Auftrag hat, an seinem Reich in Liebe und Bestimmtheit, gewaltfrei und ohne Fanatismus zu bauen, auf dass es für die Verdammten dieser Erde nicht Vertröstung bleibt sondern Hoffnung, wirklich frei zu werden, nicht frei von Verantwortung sondern frei, um als Gemeinschaft Leben auf dieser Erde und in unserer Welt zu gestalten, auf dass alle ein Leben in Fülle haben.
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Alois Reisenbichler
Gerechtigkeit und Friede küssen sich (Ps. 85,11)
Beitrag im Buch Luitgard Derschmidt / Walter Greinert (Hg.),
In Sichtweite Gottes? Bekenntnisse aus dem Alltag,
Wien 2008, Wiener Domverlag, Seite 141 - 146
Wallfahrten und Friedensdemonstrationen
gehören zusammen.
Meine schwerkranke Mutter wollte unbedingt noch die „Zeit im Bild“ sehen: „Wegen dem Krieg – es kommt wieder ein Krieg – es steht nicht gut“, machte sie sich große Sorgen, „ich bin alt und sterbe. Aber die Bomben fallen auf die jungen Leute. Die hauen ihnen Beine und Füße ab. Die sterben … Macht alles, dass dieser Krieg verhindert wird!“ Sie war sehr zornig. Sie verfluchte den Krieg, dessen Schrecken sie persönlich erlebt hat. Sie schimpfte über die gewissenlosen Verbrecher, die wieder Kriege führen. Es war der 3. Oktober 2001, wenige Stunden vor dem Tod meiner Mutter und wenige Tage vor dem Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen die Menschen in Afghanistan. Der tiefe Glaube meiner Mutter an ein Weiterleben nach dem Tod war in dieser Stunde verbunden mit der Sorge um die Mitmenschen, nicht nur um die Angehörigen und FreundInnen, sondern auch um die Opfer eines kommenden Krieges in einem fernen Land.
Meine Mutter war eine traditionelle Katholikin. Am Beginn der 70er Jahre gab es für mich als jungen Katholiken drei wichtige Fragen: Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, warum gibt es so viel Elend auf der Welt? Warum gibt es Krieg? Warum verhungern Menschen? Das hat mich zum Engagement in der ArbeiterInnenbewegung geführt – und zu großen Konflikten mit meiner Mutter. Sie hat sich immer bemüht, ehrlich und gerecht zu handeln. Dies war jedoch rein individuell, gesellschaftliche Ursachen sah sie damals nicht. Politik war für sie ein gottloses, schmutziges Geschäft und vor allem Aufbegehren gegen „die Herren der Welt“ erschien ihr total unchristlich.
Im Angesicht des Todes hat sie uns aufgefordert, politisch zu handeln, weil „Krieg immer eine Niederlage der Menschheit ist“ (Papst Johannes Paul II., 13. Jänner 2003). Sie hat es wie Kardinal Dr. Franz König in seiner Grußadresse zum Hiroshima-Tag 1999 gesehen: „Die Notwendigkeit, eine Solidarität des Friedens aufzubauen, wird noch dringender. (…) Wir befinden uns alle in einem Boot und können nur gemeinsam in Frieden leben oder untergehen.“ Der Grabstein meiner Eltern zeigt daher die Madonna von Mariazell, zu der wir jedes Jahr eine Wallfahrt gemacht haben, und die Friedenstaube von Picasso. Mit dem Spruch aus dem 85. Psalm wird es erklärt: „Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“
Der Lernprozess meiner Mutter scheint mir ein gutes Beispiel für viele Menschen in den Kirchen. In der persönlichen Hilfe von Mensch zu Mensch, im Spenden für die Notleidenden und in der Caritas haben wir ChristInnen eine große Tradition, die gut und wichtig ist. Schwerer haben wir uns immer getan, wenn es darum ging, die Ursachen zu benennen, politisch Partei zu ergreifen und mit jenen solidarisch zu sein, die sich für Veränderungen der bestehenden Zustände engagieren. Ich bin überzeugt, dass nicht nur am Grabstein, sondern vor allem im Leben Gottesdienst und politisches Engagement zusammen gehören. Wer eine Wallfahrt nach Mariazell, zu jener großartigen Frau, die uns im Magnifikat einen liebenden und befreienden Gott verkündet hat, macht, der- oder diejenige kann doch nicht abseits stehen, wenn Menschen für den Frieden demonstrieren. Wer in jeder Messe um den Frieden betet, kann doch nicht wegschauen, wenn das Kriegführen und Aufrüsten weitergeht.
Der Friede ist heute sehr bedroht:
Wir stehen vor der Entscheidung: die Menschheit schafft die Atomwaffen ab, oder die Atomwaffen schaffen die Menschen ab. Trotzdem geht die „Modernisierung“ der Kernwaffen in den bestehenden Atommächten weiter und neue Atommächte sind im Entstehen.
Krieg ist für viele Herrschenden (vor allem im reichen Norden) wieder ein „normales“ Mittel der Politik und ein „gutes“ Geschäft. Die Auswirkungen sehen wir in Afghanistan und im Irak.
Aufrüstung steht auf der Tagesordnung – in den USA (die Hälfte der Weltrüstungsausgaben) genauso wie in den EU-Staaten, in Russland und China wie (in weit kleinerem Umfang) in einigen Staaten des Südens.
Die US-Pläne, Abwehrraketen in Polen und Raketenabwehrsysteme in Tschechien (beides sind EU-Länder) zu stationieren, führen zu einer neuen Runde des Wettrüstens.
Die Militarisierung der Europäischen Union schreitet voran – statt die Atomraketen in den beiden EU-Staaten Großbritannien und Frankreich zu verschrotten, wollen die „Spitzen“ in Politik und Wirtschaft der Europäischen Union aus der wirtschaftlichen Supermacht eine militärische machen.
Waffenproduktion und Waffenhandel boomen.
Die enormen Ressourcen, die für die Forschung, Entwicklung und Produktion von immer besseren Methoden und Mitteln, Menschen zu töten, verschwendet werden, fehlen uns bei der Lösung der dringenden, ebenso das Überleben der Menschheit bedrohenden Umweltprobleme wie dem Klimawandel. „Aufrüstung tötet auch ohne Krieg.“ (Dorothee Sölle)
Das Menschenrecht auf Wehrdienstverweigerung ist weltweit nicht verwirklicht, Deserteure, also Menschen, die beim Morden nicht mehr mitmachen wollen, bekommen nicht einmal in Österreich Asylrecht.
Schon die wenigen Themen dieser leider unvollständigen Aufzählung, deren genauere Erörterung ein Buch füllen würde, zeigen wie dringend und wichtig Friedensengagement ist.
„18.000 Kinder sterben täglich an NICHTS.“
Dieses deutliche Motto der August-Sammlung 2007 der Caritas zeigt, dass die Menschen nicht nur an den Kriegen, sondern aufgrund der ungerechten wirtschaftlichen Strukturen sterben. „Tag für Tag sterben auf unserem Planeten ungefähr 100.000 Menschen an Hunger oder an den unmittelbaren Folgen des Hungers. 826 Millionen Menschen sind gegenwärtig chronisch und schwer unterernährt.“ (Jean Ziegler, UN-Berichterstatter für die Hungerfrage).
Auch bei uns im reichen Norden wird die Kluft zwischen Armen und Reichen immer größer. Fast jede und jeder kennt das aus persönlicher Erfahrung, manchmal aus der eigenen oder meistens aus den Problemen von KollegInnen und FreundInnen, die dem Druck am Arbeitsplatz nicht mehr aushalten; die große Sorgen haben, den Job zu verlieren; die keine bezahlte Arbeitsstelle finden; die nicht mehr wissen, wie sie am Ersten die Miete bezahlen. Manchmal bin ich persönlich sehr verzweifelt, weil ich nicht weiß, wie ich Menschen in einer Notsituation helfen kann.
Den Mächtigen in der Wirtschaft ist nichts heilig. Das sehen wir an der fortschreitenden Zerstörung des freien Sonntags, für dessen Erhaltung die Katholische Aktion Unterschriften sammelt. Rund um die Uhr produzieren, arbeiten, konsumieren – wer etwas einzubringen hat, für diese/n ist Platz, wer nicht mehr mitkommt, der oder die bleibt auf der Strecke.
Ich habe immer gesagt „Friede und Gerechtigkeit“. Die Bibel und das Engagement in der ArbeiterInnenbewegung haben mich gelehrt, die Gerechtigkeit als die Grundlage des Friedens als Erstes zu nennen. Wenn wir uns für den Frieden einsetzen, dürfen wir über die wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeit global, in der Europäischen Union und in der EU nicht schweigen. Eine wirtschaftliche und soziale Alphabetisierung ist notwendig.
Sehen – Urteilen – Handeln
Dieser Drei-Schritt von Kardinal Joseph Cardijn ist dabei eine wichtige Grundlage.
Sehen – die Probleme sehen und deren Ursachen analysieren, die Erkenntnisse der ArbeiterInnenbewegung, der Friedensforschung und -bewegung sowie der Frauenbewegung, leider oftmals im Gegensatz zu den offiziellen Kirchen entstanden, sind uns dabei eine wertvolle Hilfe.
Urteilen – die Bibel, die befreiende Lehre vom Kommen des Reiches Gottes auf dieser Erde und die Praxis Jesu, die kirchliche Soziallehre und das Handeln von Christinnen und Christen auf Seite der Armen in der Geschichte und heute (wie zum Beispiel Bischof Erwin Kräutler in Xingu/Brasilien oder Betriebsseelsorger Kaplan Franz Sieder in Amstetten) sind uns dabei eine wichtige Orientierung,
und Handeln – Christentum und neoliberale Globalisierung sind unvereinbar. Dieser Neoliberalismus ist aber kein Betriebsunfall, sondern geradezu eine logische Konsequenz aus dem Kapitalismus, der ein Wirtschaftssystem ist, bei dem der Profit einiger weniger und nicht der Mensch im Mittelpunkt steht (wie es die christliche Soziallehre fordert). Im Kapitalismus kommt das Kapital weit vor der Arbeit, in der katholischen Soziallehre die Arbeit vor dem Kapital. Globalisierungskritische Gruppen, Friedensinitiativen, Umweltorganisationen oder die Gewerkschaften sind daher „natürliche“ BündnispartnerInnen der Kirchen, wenn sie Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ernst nehmen. Daher müssen wir als ChristInnen in den Kirchen und in der Zivilgesellschaft konkret und konsequent für gesellschaftliche Veränderungen arbeiten. Ein Beispiel ist die jährliche Hiroshima-Aktion und die Grußadressen zur Unterstützung des Anliegens einer atomwaffenfreien Welt, die auf www.hiroshima.at veröffentlicht sind.
Das geschwisterliche Miteinander von Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen ist sehr wichtig. Als Katholik habe ich in der Gerechtigkeits- und Friedensfrage von evangelischen TheologInnen wie zum Beispiel Dorothee Sölle viel gelernt. Gerade in Österreich gibt es viele positive Erfahrungen wie zum Beispiel das Ökumenische Sozialwort der Kirchen, erarbeitet von allen Kirchen und unterzeichnet von allen Kirchenleitungen, oder die ökumenische Aktionsgemeinschaft der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung als eine Basisinitiative.
Die Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens ist heute in unseren Kirchen weitgehend selbstverständlich. Als Christinnen und Christen sind wir wie viele Menschen der anderen Weltreligionen oder nichtreligiöser humanistischer Weltanschauungen überzeugt, dass eine andere Welt möglich ist, dass eine Welt ohne Hunger und ohne Ausbeutung, ohne Atomwaffen und ohne Krieg möglich ist.
Als Christinnen und Christen leisten wir unseren Beitrag zum Aufbau des kommenden Reiches Gottes, weil wir glauben, dass Jesus mit den geringsten unserer Schwestern und Brüder leidet und Gott ein Leben in Fülle für alle Menschen auf diesem Globus will. Ich persönlich wäre ohne die Erkenntnisse und ohne mein Engagement in der ArbeiterInnen- und Friedensbewegung an einem „Gott“, der eigentlich ein Götze zur Legitimierung der Macht der Mächtigen und zur Verschleierung ungerechter Zustände ist, verzweifelt. Weil ich mich für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetze, glaube ich an einen liebenden und befreienden Gott und weil ich auf Gott vertraue und auf eine mögliche, bessere Welt hoffe, setze ich mich trotz mancher Niederlagen weiter ein.
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In Sichtweite Gottes? Bekenntnisse aus dem Alltag
Institutionell verordnete Religiosität sei heute nicht mehr möglich, gefragt ist eine persönliche Gottesbeziehung, heißt es im Vorwort des von der Katholischen Aktion herausgegebenen Buches. Es folgen über 50 sehr persönliche Bekenntnisse aus dem Alltag von Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.
Anlass für das im Wiener Dom-Verlag erschienene Buch ist der Jahrestag des Papstbesuches in Österreich, der unter dem Motto "Auf Christus schauen" stand. Es besteht aus über 50 Beiträgen, die sich als "Bekenntnisse aus dem Alltag" verstehen. Die Autoren und Autorinnen haben sich die Frage gestellt, ob, wer "auf Christus schaut", "in Sichtweite Gottes" ist? Oder einfacher gesagt: "Fühlen wir uns heute noch in Sichtweite Gottes?" Und: "Wie kann heute in Österreich ein Leben aus dem christlichen Glauben gestaltet werden?", so schreibt Luitgard Derschmidt, Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich im Vorwort des vorliegenden Buches und erläutert, dass die gesammelten Texte dem Papst persönlich übergeben wurden.
Erfahrungen aus dem Alltag
Über ihre persönliche Gottesbeziehung und über ganz konkrete Erfahrungen aus dem Alltag schreiben Frauen und Männer aus den unterschiedlichsten Kontexten und Lebenssituationen, denen eines gemeinsam ist, nämlich, dass ihnen ein christliches Leben wichtig ist. Doch worin dieses besteht, wie ihr Verhältnis zur Kirche aussieht, oder ob sie sich als "katholisch" bezeichnen, diese Fragen werden sehr verschieden beantwortet.
Überzeugende Bekenntnisse
Die Beiträge sind berührend und ehrlich - und gerade deshalb ist das Buch überzeugend. So schreibt etwa die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi: "Ich bin so eine Art ungläubiges Kerzenweiblein." Und dann ihr Bekenntnis: Sie bete gerne den Rosenkranz und würde nie aus der Kirche austreten. Der Wiener Universitätsprofessor Roland Girtler gesteht, dass er als Historiker oft Probleme hat, weil er meint, dass sich Gott in Situationen nicht einschalten kann - auch nicht, wenn Kinder sterben. Als Hobbykletterer aber gibt er ein schlichtes Bekenntnis, das in einer besonders gefährlichen Situation in einer Bergwand entstand: "Lieber Gott, lass mich das überleben." Und die katholische Theologin und Pastoralassistentin aus Oberösterreich, Martina Lainer, bekennt sich zur Kirche als einer großen Kraft, "die der Welt zu einem menschlichen Gesicht verhilft, in dem sich das Antlitz Gottes widerspiegelt." Am Ende ihres Beitrags artikuliert die Autorin - wie auch viele der anderen Verfasser - ihre Wünsche an die Kirche.
Wünsche an die Kirche
"Dass die Kirche die Sehnsucht der modernen Menschen in einer globalisierten Welt zu verstehen sucht und gemeinsam mit ihnen neue Wege findet und geht", so eine der Hoffnungen für die Zukunft der Kirche. Um diese Kirche geht es allen Verfassern, haben sie auch viel Kritik, Ärger oder Enttäuschungen zu äußern. Und so sind die - an den Papst gerichteten – Bekenntnisse aus dem Alltag in Wahrheit sehr liebevolle und ernst gemeinte Bekenntnisse zur Kirche.
Herausgeberin Derschmidt resümiert mit den treffenden Worten: Aus dem Buch wird eine "Hoffnung aus dem Glauben spürbar: Hoffnung für eine bessere Welt, aber auch Hoffnung auf und Chancen für eine Kirche, die sich mit der Jetztzeit versöhnt und die Sehnsüchte und Nöte der Menschen wahrnimmt, aufgreift und dadurch alltagstauglich wird."
In Sichtweite Gottes? Bekenntnisse aus dem Alltag
Luitgard Derschmidt / Walter Greinert (Hg.)
Wiener Dom Verlag, ISBN: 978-3-85351-201-2
Preis: 12,90 Euro, http://www.domverlag.at/
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Zum Gedenken an Professor Ernst Schwarcz: Erinnerung an Hiroshima
Rede am 6. August 2007 am Wiener Stephansplatz
Die Nachricht über den Tod des unermüdlichen Friedensaktivisten Prof. Ernst Schwarcz im Oktober 2008 macht uns traurig. Er war eine große Persönlichkeit der Friedensbewegung, Ehrenpräsident des Internationalen Versöhnungsbundes – österreichischer Zweig und ein aufrechter Kämpfer für Frieden, Abrüstung und Gewaltfreiheit. Mit seinem Engagement war, ist und bleibt er uns ein Vorbild, seine Anliegen - wie er sie zum Beispiel in den Reden am Hiroshimatag auf dem Wiener Stephansplatz und in seinem Buch „Zeitenwende - Entweder es gelingt der Menschheit, alle Kriege abzuschaffen oder es wird den Kriegen gelingen, die Menschheit abzuschaffen" formulierte - sind uns Vermächtnis und Auftrag.
Gestatten Sie mir bitte, dass ich meine heutige Rede mit einer Anekdote über Albert Einstein beginne. Einstein wurde gefragt, ob er sagen könne, mit welchen Waffen ein möglicher dritter Weltkrieg geführt werden würde. Er antwortete, das könne er leider nicht sagen. Was er aber mit größter Bestimmtheit sagen könne ist, wie ein vierter Weltkrieg geführt werden wird, nämlich mit Knüppeln und Keulen.
Diese kleine Anekdote des am 18. April 1955 verstorbenen weltberühmten Nobelpreisträgers zeigt in ihrer Kürze, in welcher kritischen und in der bisherigen Weltgeschichte noch nie da gewesenen Situation sich die heutige Menschheit befindet. Gelingt es den derzeit regierenden Politikern nicht, den seit dem Kalten Krieg schon immer möglich gewesenen dritten Weltkrieg zu vermeiden, so ist das unvermeidliche Schicksal der ganzen Menschheit der Weltuntergang.
Alle wissen, dass das Führen von Kriegen schon vor ihrem Beginn eine möglichst hohe militärische Bereitschaft der jeweils kriegführenden Staaten durch systematische Aufrüstung voraussetzt. So wäre der Erste Weltkrieg vielleicht gar nicht ausgebrochen, wenn nicht schon zwanzig Jahre vor 1914 ein Wettrüsten in Bezug auf die Flottenstärken Deutschlands und Englands begonnen hätte. Damals ist der Flottenadmiral Tirpitz an den deutschen Kaiser Wilhelm herangetreten, um ihn zur intensiven Aufrüstung der deutschen Flotte zu überreden. In den zwanzig Jahren bis zum Kriegsausbruch 1914 ist der Bestand der deutschen Kriegsflotte von 190.000 Tonnen auf 1,305.000 Tonnen angewachsen, während die Tonnage des Kriegsgegners England in der gleichen Zeitspanne von 679.000 Tonnen auf 2,714.000 Tonnen angewachsen war. Also war die englische Flottenstärke 1914 "nur" viermal so groß wie zwanzig Jahre vorher, die deutsche Flottenstärke war aber fast siebenmal so groß.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelten völlig andere Maßstäbe für die Vorbereitung neuer Kriege. Jetzt wird mit "absoluten Vernichtungskapazitäten" durch den jederzeit möglichen Einsatz der allermodernsten Waffen – besonders von Atomwaffen – in einem Nullsummenspiel auf dem Schachbrett der Gegenwartsgeschichte Poker gespielt. – Das Wort Nullsummenspiel bedeutet, dass es in einem kommenden großen Krieg keine Sieger in herkömmlichem Sinn mehr geben wird; alle werden am Ende Verliererinnen und Verlierer sein!
Schauen wir uns die aktuellsten – erst am 12. Juni dieses Jahres veröffentlichten – Zahlen des schwedischen Friedensforschungsinstitutes SIPRI über die weltweiten Rüstungsausgaben (entnommen dem SIPRI-Jahrbuch 2007) an: Betrugen die Militärausgaben aller Staaten der Welt im Jahr 2003 "erst" 879 Milliarden US-Dollar, so haben sie sich bis zum Jahr 2006 – in nur drei Jahren(!) ? um mehr als ein Drittel, nämlich um 36,6 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar erhöht. SIPRI stellt fest, dass die Militärausgaben der USA im Jahr 2006 528,7 Milliarden Dollar betragen haben, was 46 Prozent der weltweiten Militärausgaben entspricht. – Im globalen Durchschnitt wurden pro Kopf der Weltbevölkerung im Jahr 2006 184 Dollar für militärische Zwecke ausgegeben; die entsprechende Kopfquote nur für die amerikanische Bevölkerung beträgt 1.756 Dollar – ein Betrag, der das Jahreseinkommen hunderter Millionen Menschen in der Dritten Welt beträchtlich übersteigt.
Wenn nicht manche Großmächte eine unverantwortliche Politik – gepaart mit der Unfähigkeit zur objektiven Beurteilung historischer und aktueller Gegebenheiten – betreiben würden, könnte vielleicht der Einfluss der jeweiligen Generalstäbe zurückgedrängt werden. Diese behaupten nämlich, dass die Realisierung gewisser militärischer Pläne für die weitere Existenz ihres Landes von überragender Bedeutung ist. (Wobei es selbstverständlich auch um lukrative Wirtschaftsaufträge und geopolitische Interessen – besonders um Erdöl – geht.)
Das aktuellste Beispiel für ein solches wahrhaftig "verantwortungsloses" militärisches Projekt ist das geplante US-amerikanische Raketenabwehrsystem in Osteuropa, das sowohl in den USA wie in der EU heftig umstritten ist. Es führt schon seit vielen Monaten zur politischen Verstimmung zwischen Russland und den USA. Mit der fadenscheinigen Begründung, es handle sich doch bloß um ein Abwehrsystem gegen nordkoreanische und iranische Raketen (die es von Seiten des Iran frühestens in fünf Jahren geben könnte, von Seiten Nordkoreas aber wahrscheinlich überhaupt nie geben wird) sollen in Polen zehn Abfangraketen aufgestellt und im benachbarten Tschechien Radaranlagen errichtet werden.
Gegen diese Pläne hat der russische Präsident Wladimir Putin schon im April 2007 Einspruch erhoben und damit gedroht, seinerseits die beiden 1990 und 1999 beschlossenen internationalen Verträge über die Begrenzung der konventionellen Streitkräfte in Europa (KSE) aufzukündigen. Diese Verträge waren ein wichtiges Resultat zur Beendigung des Kalten Krieges zwischen Ost und West. – Und Putin hat schließlich am 14. Juli 2007 seine Drohung wahr gemacht und die Verträge ausgesetzt!
Der Widerstand Russlands ist deshalb durchaus verständlich, weil die in Tschechien geplanten Radaranlagen der amerikanischen Armee die Möglichkeit einer genauen Beobachtung aller Bewegungen des Militärs in fast ganz Russland ergeben würde. Und obendrein könnten bei einem möglichen Kriegsfall die in Polen stationierten amerikanischen Atomraketen auf kürzeste Distanz und ohne Vorwarnung gegen Ziele in Russland abgeschossen werden. Diese Beschlüsse von Präsident George W. Bush und seiner Administration wurden bei vollem Wissen über die faktische Parität der Zahl von jeweils sofort einsatzbereiten Atomwaffen beider Seiten, und zwar in Russland 5.682, in den USA 5.521, gefasst.
Die hier von mir geäußerte Kritik an diesem gegenwärtigen Trend der amerikanischen Außenpolitik schließt nicht eine berechtigte Kritik auch an den heutigen Trends der Politik Russlands aus. Die russische Militärpolitik in Tschetschenien und gegenüber den ehemaligen Staaten der Sowjetunion im Kaukasus ist kein Ruhmesblatt für die russische Geschichte. Ebenso ist auch die Demonstration der neuen wirtschaftlichen Macht Russlands als Folge seines Erdöl- und Erdgasreichtums fast gleichzusetzen mit den US-Machtdemonstrationen für die weltweiten amerikanischen Erdölinteressen.
Die hier von mir aufgezählten Fakten zeigen die Gefahren eines jederzeit möglichen dritten Weltkrieges auf! - Ich stelle die Frage: Werden sich die Völker der Welt wieder wie 1914 und 1939 auf die Schlachtbank – diesmal eines absoluten Vernichtungskrieges – führen lassen? Ich rufe alle Menschen guten Willens auf: Lasst uns gegen die verantwortungslose Politik einiger "großer Staatsmänner" gewaltfreien Widerstand leisten! Quelle: http://www.hiroshima.at/
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Nahost - Lateinischer Patriarch von Jerusalem kritisiert Israel: "Überproportionierte" Antwort - Christliche Kirchen fordern Ende der Gewalt im Gaza-Streifen
Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat Kritik an den israelischen Militärschlägen gegen den palästinensischen Gaza-Streifen geübt. Die israelische Antwort auf die Raketenangriffe der Hamas bezeichnete der Jordanier Twal nach einem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres als "überproportioniert". Im Gespräch mit der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" sagte der Patriarch am Dienstag laut Kathpress, eine militärische Lösung könne keine "gute Lösung" sein.
Twal, der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. und weitere Oberhäupter von christlichen Kirchen in Jerusalem haben Israelis und Palästinenser zu einem Ende ihrer Konfrontation aufgerufen. Blutvergießen und Gewalt führten nicht zu Frieden und Gerechtigkeit, sondern nur zu mehr Hass und Feindschaft, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung vom Dienstag. Beide Seiten sollten deshalb zur Vernunft kommen und ihre Differenzen nicht mit Gewalt austragen, sondern friedlich beilegen. Die internationale Gemeinschaft solle ihrer Verpflichtung nachkommen und sich umgehend für ein Ende des Blutvergießens und aller Formen von Gewalt einsetzen. Für den 4. Jänner schlugen die geistlichen Würdenträger einen "Tag für Gerechtigkeit und Frieden" im Heiligen Land vor.
Twals Vorgänger, Patriarch Michel Sabbah, hatte schwere Vorwürfe gegen die israelische Okkupationspolitik erhoben. Der Palästinenser führte in Hirtenbriefen unter anderem "Beschränkungen der Freiheit, die Sperrmauer, Straßensperren und Enteignungen" an, sowie "israelische Soldaten, die in jedem Moment in die Dörfer und Städte kommen können, um Menschen zu töten, Gefangene zu nehmen, Bäume zu entwurzeln und Häuser zu zerstören". (30. Dezember 2008)
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Gaza: Offener Brief von Pax Christi Österreich
an Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer, Außenminister Dr. Michael Spindelegger und EU-Kommissarin Dr. Benita Ferrero-Waldner
Pax Christi Österreich ist zutiefst betroffen durch die seit Samstag laufenden israelischen Militärangriffe auf Gaza sowie deren Vorgeschichte, die fast totale Blockade des Gaza-Streifens durch Israel, die Angriffe mit Kassam-Raketen auf israelische Dörfer und die jetzige überaus blutige Vergeltungsmaßnahme Israels durch die massive Bombardierung des Gazastreifens. Wir wollen nicht die Zahl der Opfer im Gazastreifen gegen jene auf israelischer Seite aufrechnen, wir möchten viel mehr darauf hinweisen, dass zahlreiche FriedensaktivistInnen auf beiden Seiten ihre Lebenskraft für einen Frieden einsetzen, ohne den es für beide Völker keine Zukunft gibt. Allein am letzten Wochenende dieses Jahres protestierten in Tel Aviv etwa 1000 Israelis gegen die Bombenangriffe auf den Gazastreifen.
Militärisch ist der Konflikt nicht zu lösen. Die israelische Blockade der Einfuhr aller für die 1.5 Millionen Menschen im Gazastreifen lebensnotwendigen Güter ist der Nährboden für Verzweiflung und Vergeltungsaktionen. Die Besatzungsmacht ist völkerrechtlich für die ausreichende Versorgung der besetzten Gebiete verantwortlich. Israel kommt dieser Verantwortung ebenso wenig nach wie der Ratifizierung der einschlägigen UN-Resolutionen, die das Existenzrecht sowohl für Israelis wie auch für Palästinenser einfordern.
Der Beschuss israelischer Dörfer mit den Kassam-Raketen trifft, wenn auch in ungleich geringerem Maß, ebenfalls die Zivilbevölkerung und ist daher ebenso als Kriegsverbrechen einzustufen wie „die Bombenabwürfe auf Menschen in Gaza, die nichts zu ihrer Verteidigung haben“ (Erzbischof Desmond Tutu, 28.12.08) Doch die Zerstörung palästinensischen Lebens wird die Bürger Israels nicht schützen. Israel muss seine Bombardierungen sofort einstellen, auch um seiner eigenen Bürger willen. Der bereits am 4.11.08 durch eine militärische Aktion der israelischen Armee gebrochene (Gush Shalom) und aufgrund der Blockaden durch die palästinensische Autorität beendete Waffenstillstand muss wieder verhandelt werden, und zwar mit der – demokratisch gewählten – Hamas und zu fairen Bedingungen. Eine Bodenoffensive darf es nicht geben.
Pax Christi Österreich schließt sich den Befürchtungen an, dass die Kriegshandlungen auf die Westbank übergreifen und andere schwelende Konflikte im Nahen Osten anfachen würde. Nur ein gerechter und nachhaltiger Friede, der nicht durch Waffengewalt, sondern nur durch sorgfältig verhandelte Übereinkommen zu erreichen ist, kann sowohl PalästinenserInnen wie auch IsraelInnen die Sicherheit bringen, die sie alle ersehnen und verdienen.
Wir erhoffen uns von der österreichischen Bundesregierung in dieser Sache eine aktive Außenpolitik und eine aktive Rolle in der EU, um so ernsthaft eine politische Lösung des Konflikts zu erreichen.
Mit der Bitte an Sie, sehr geehrte/r … alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung.
Linz/Innsbruck, 30. Dezember 2008
Für die Arge Israel-Palästina:
Dr. Gotlind Hammerer, Vize-Präsidentin Pax Christi
Gerhilde Merz, Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft
Dr. Meinrad Schneckenleithner, Gen.-Sekr. Pax Christi Österreich
Informationen und Termine der
Friedensinitiative Frauen in Schwarz:
http://www.fraueninschwarz.at/
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KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt (nicht in den Sommerferien).
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Friedensgebet von Pax Christi Wien
Ab März wieder jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr in der Alten Börse – Begegnungszentrum der Jesuiten, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19, U3 Stubenring (nicht in den Ferien).
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Der Österreichische Friedensrat
lädt zur Generalversammlung am Freitag, 16. Jänner 2009 um 19 Uhr an unserem Vereinssitz, 1170 Wien, Rosensteingasse 69/6, Straßenbahn 43 Rosensteingasse (Büro „schulhefte“, LehrerInnen für den Frieden) ein.
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Friedensinitiative Donaustadt
trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen – VIC):
Di., 13. Jän., Ohne Geld kein Militär – wohin geht das Bundesheer?
Di., 10. Feb., Das Phänomen „Sekte“ – unterschiedliche Aspekte eines wieder aktuellen Themas, Dr. German Müller, Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen
Di., 10. März, Von der Weltwirtschaftskrise zum Weltkrieg – Österreich von 1929 bis 1939, Historiker Dr. Friedl Garscha (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands)
Di., 14. April, Obama – neuer Präsident – neue Politik, Adalbert Krims (Aktion Kritisches Christentum)
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Wir sind Kirche
Mo., 19. Jän. 2009, 19.00 Uhr, Ernst Kühn, Im Alltag ethisch leben
Mi., 18. Feb. 2009, 19.00 Uhr, Bibelkreis Dr. Werner Krotz, Dr. Paul Weitzer
Psalmen in unserer Sprache zum Blühen bringen
Do., 26. März 2009, 18.30 Uhr, Vorösterliche Liturgie-Feier
Ort jeweils: Pfarre St. Gertrud, Unterkirche
1180 Wien, Währinger Straße 98, mit U6 bis Station Währinger Straße und mit den Linien 40 oder 41 eine Station stadtauswärts)
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www.findfightfollow.at
Die nächsten Jugendgottesdienste sind:
So., 25. Jän., 18.00 Uhr, Lachen geboten, Pfarrgasse 33, 2013 Göllersdorf (Region Hollabrunn)
So., 8. März, Wien 21./22. und So., 26. April, Wien 15
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Nicaragua-Heuriger
am Sa., 17. Jän., 19.00 Uhr in der Pfarre Akkonplatz, 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, U3 Hütteldorfer Str.
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Zauber der Ferne
Do., 29. Jän., 16.30 Uhr (!), im WIEN MUSEUM, 1040 Wien, Karlsplatz, Imaginäre Reisen im 19. Jahrhundert, Schwerpunkt: Südwestafrika, Ursula Storch (Wien), http://www.sadocc.at/
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Die ÖGB-Verlagsbuchhandlung
präsentierte am 4. Dezember 2008 das neue Buch von Kaplan Franz Sieder “Gegen den Strom”. Auf der Homepage, wo das Buch auch bestellt werden kann, findet man / frau auch einen Filmbericht http://www.oegbverlag.at
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Globale Armutsbekämpfung – ein Trojanisches Pferd?
Auswege aus der Armutsspirale
oder westliche Kriegsstrategien?
Die Ziele der UN-Mitgliedstaaten, den Anteil der Menschen, die hungern und von weniger als einem US-Dollar täglich leben müssen, bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren scheint aus heutiger Sicht nicht erreichbar. So sind aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise Hungerrevolten anstatt ernstzunehmender Armutsbekämpfung festzustellen. Die Entwicklungshilfe „dient den Interessen der Geber“, so der bekannte Schauspieler und Kabarettist Josef Hader. Die politische Wegstrecke von EU-Soldaten im Kongo, Sudan, Tschad oder am Horn von Afrika im Sinne der „humanitären Hilfe“, der „Stabilisierung“ oder des US-amerikanisch geprägten Krieges gegen Terrorismus zur militärischen Wahrnehmung von Rohstoffinteressen oder neokolonialen Begehrlichkeiten ist mittlerweile sehr kurz geworden.
Zweifellos führt Krieg für viele Menschen zu Armut. Dargelegt wird in diesem Band aber zudem, dass Armut auch Kriege schafft, „nicht immer, aber fast überall“. Kritisch hinterfragt werden die EU-Rüstungsexporte und die damit im Zusammenhang stehenden „Kriege der Armen mit den Waffen der Reichen“. Globale ökonomische Strukturen, das Umgehen mit gescheiteren oder zum Scheitern gebrachten Staaten und zahlreiche Fallbeispiele prägen den vorliegenden Band. Im Zentrum stehen die vielfältigen internationalen, nationalen und nichtstaatlichen Zugänge und „Wege aus der Armut“ jenseits von neoimperialer Ordnung und Krieg.
Bibliographische Angaben:
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.), Projektleitung: Roithner Thomas: Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd? Auswege aus der Armutsspirale oder westliche Kriegsstrategien?, Dialog 56 - Beiträge zur Friedensforschung, ISBN 9783825817626, Lit-Verlag, Münster - Hamburg - London - Berlin - Wien, 364 Seiten, € 9,80, Jänner 2009.
Unsere Bitte:
Unsere Kosten sind enorm gestiegen!!!
BITTE UM SPENDEN
an Konto 040-32-675, Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,
Christen f. d. Friedensbewegung
Die Kosten stiegen und steigen und ….
Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!
E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at
http://www.friedenschristen.at.tf/ http://www.friedenschristinnen.at.tf/
IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, Eigendruck. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adressverwaltung: Manfred Sauer.
Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.