2008-3-mai

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INFORMATIONSBLATT

der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung - Nr. 3/2008

 

 

Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,

 

das nächste Treffen findet am

 

Sonntag, dem 1. Juni 2008 um 14.00 Uhr
in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,

1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)

 

statt. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist das Referat von

Herrn Univ.-Prof. Dr. Emmerich Talos

zum Thema

„Gibt es in Österreich eine Politik für soziale Gerechtigkeit?“

 

 

Lange Nacht der Kirchen am Freitag, 30. Mai 2008

 

in der Zwinglikirche, Evangelische Pfarrgemeinde H.B. 1150 Schweglerstraße 39:

18.30 Uhr Kaplan Franz Sieder liest aus seinem neuen Buch „Gegen den Strom“

Weiteres Programm in der Zwinglikirche:

19.30 Uhr Theaterstück: Helvers Nacht, von Ingmar Villquist

23.00 Uhr Fein sein beinander bleiben – Chor und Instrumentalmusik

 

Pfarre St. Pölten-Viehofen – Kirche und Arbeitswelt

21.30 Uhr Christian Felber präsentiert sein Buch „Neue Werte für die Wirtschaft“

3107 St. Pölten, Austinstraße 13

           

Eintritt bei allen Veranstaltungen: frei - Infos über alle Veranstaltungen der Langen Nacht der Kirche: http://www.langenachtderkirchen.at

           

 

Infos im Internet: www.friedenschristen.at.tf    www.friedenschristinnen.at.tf

 

 

AUS DEM INHALT:

Kaplan Franz Sieder: Zum Inzestfall Amstetten

Dr. Balázs Németh: Unser tägliches Brot gib uns heute“

Bischof Dr. Manfred Scheuer: Glaube und Gerechtigkeit

Gustav Posch: Den Glauben leben

Donald Moore SJ zum Franz-Jägerstätter-Gedenktag am 21. Mai 2008

Kurzmeldungen und Termine

 

 

 

Kaplan Franz Sieder

Zum Inzestfall Amstetten

Predigt am 4. Mai 2008 in Zeillern

 

Wenn ich vom Fall Josef Fritzl spreche, dann weiß jeder und jede, was damit gemeint ist. Amstetten war in dieser Woche negativ gesehen ein wenig der Mittelpunkt der Welt. Ein Mann hat mir dieser Woche gesagt: „Ich schäme mich ein Amstettner zu sein.“

 

Wenn es uns darum geht die Wirklichkeit dieser Welt mit den Augen des Glaubens zu deuten – dann ist es auch angebracht, dass ich auch in dieser Predigt versuche, diese furchtbare Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens zu sehen und zu deuten.

 

Vieles bleibt auch vom Glauben für uns geheimnisvoll und wir haben nicht auf alles eine perfekte Antwort. In diesem Fall Josef Fritzl wird aber für uns in seiner ganzen Wucht die Existenz des Bösen sichtbar. Ich brauche die Erbsünde nicht ableiten von Adam und Eva. Die Erbsünde, diese Geneigtheit des Menschen zum Bösen können wir im Alltag immer wieder erleben, ja können wir sogar bei uns selbst erleben. Um gut zu sein, müssen wir oft unseren inneren Schweinhund, der uns hinunterzieht, überwinden.

 

Was ist das eigentliche Böse in diesem Fall Fritzl? Ihm ist es nur um sich selbst gegangen. Er war ein Egoist bis zum Exzess. Es hat nur seine eigenen Interessen verfolgt, und wollte nur sein Triebleben ausleben, ohne Rücksicht darauf, ob er dabei andere Menschen zerstört. Er war autoritär und machtgierig und er hat alle anderen Familienmitglieder zum Objekt gemacht. Die Frau war für ihn nur ein Sexobjekt, selbst wenn diese Frau seine eigene Tochter war. Der deutsche Theologe Thomas Söding sagt: „Wenn es einen Menschen nur darum geht, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen – koste es, was es wolle – das ist der Inbegriff der Sünde.“ Das ist eine egoistische Haltung, wo gleichsam über alle anderen drüber gefahren wird. Der berühmte Psychiater Sigmund Freud sagte einmal: „Vom Unterbewusstsein sind alle Menschen eine Rotte von Mördern.“ Er spricht da diese Geneigtheit des Menschen zu Bösen an und er möchte sagen, dass unser Unterbewusstsein, unser Triebverhalten kultiviert werden muss und auf eine höhere Ebene gehoben werden muss. Wir haben einen Verstand, mit dem wir dieses Triebverhalten steuern sollen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber auch Religion und Glaube. In Frankreich gibt es ein Sprichwort, das heißt: „Ein Priester ersetzt 10 Polizisten.“ Dieses Sprichwort möchte uns sagen, dass die Beziehung zu Gott die niedrigen Instinkte der Menschen kultiviert und dass gelebte Liebe und Überwindung des Egoismus auch einer menschlichen Kraftanstrengung bedarf. Gott hat einen Platz in meinem Bewusstsein und er steuert auch mein Gewissen. Beim Herrn Fritzl scheint sein Gewissen völlig abgetötet worden zu sein. Das Gewissen ist diese innere Stimme Gottes im Menschen, die eigentlich in jedem Menschen da ist. Der heilige Paulus sagt: „Das Gesetz Gottes ist ihnen ins Herz geschrieben.“ Der Mensch kann aber auch diese Stimme Gottes töten oder verdrängen. Die sogenannte Säkularisierung der Gesellschaft, wo Religion und Glaube immer mehr an den Rand gedrängt werden, führt auch dazu, dass der Humanspiegel unserer Gesellschaft abgesenkt wird. Die Menschen werden auch immer mehr vom Denken der neoliberalen, kapitalistischen Wirtschaft infiziert und dieses Denken ist ein rein utilitaristisches, da gelten nur die Fragen: Was hab ich davon? Und Was bringt mir das? In der Liebe geht es nicht um den Profit und um den eigenen Vorteil – in der Liebe geht es darum, wie ich dem anderen / der anderen helfen kann und wie ich ihn / sie glücklicher machen kann.

 

Wenn ich diesen Kriminalfall mit den Augen des Glaubens anschaue, dann muss ich auch hinweisen auf das Wegschauen. Ich möchte jetzt nicht beurteilen, ob die Nachbarinnen und Nachbarn etwas in diesen Fall hätten erkennen können. Es ist aber eine Tatsache, dass das Wegschauen gesellschaftsfähig geworden ist. Es wird oft zugeschaut, wenn Kinder geschlagen werden und mir haben oft schon Leute gesagt: „Das geht mich nichts an, wenn der seine Frau betrügt – das ist seine Privatsache.“ Jesu Blick hat immer dem Leid der Menschen gegolten und im Gleichnis vom barmherzigen Samariter sagt er uns, dass wir an den verwundeten und ausgeplünderten Menschen nicht vorübergehen sollen. Ich denke mir auch, wenn Kinder in der Schule immer nur einen traurigen Blick haben und nicht mehr wirklich lachen können, dann sollten die Verantwortlichen dieser Traurigkeit der Kinder nachgehen. Vielleicht ist auch unsere Kirche oft zu sehr zu einer Gesetzeskirche erstarrt und wir haben auch den Blick für das Leid des Menschen größtenteils verloren. Die Kirche hat aber begonnen mit kleinen Gruppen, die so wie Jesus Gastfreundschaft geübt haben und einen Blick für die Leiden der Menschen gehabt haben.

 

Der Fall Fritzl ist in seiner Brutalität und Abscheulichkeit ein Einzelfall und hat auch deshalb dieses weltweite Interesse. Es gibt aber trotzdem viele Fälle, wo in gemilderter Form ähnliches passiert und wo nicht nur Nachbarinnen und Nachbarn zuschauen, sondern wo die Gesellschaft zuschaut und wegblickt. Ich denke hier an die vielen jungen Mädchen, die aus armen Ländern mit Schleppern nach Österreich gebracht werden, denen eine Arbeit als Serviererinnen versprochen wird und die dann in Wirklichkeit von Zuhältern den Sexuallüstlingen zum Fraß vorgeworfen werden. Sie werden vielleicht in einem vornehmeren Verließ gefangen gehalten und bekommen auch ein kleines Taschengeld. Ich habe auch gehört, dass viele Österreicher die Grenze nach Tschechien überschreiten und dort am Straßenstrich junge Mädchen, die nicht einmal 14 Jahre alt sind, sexuell ausbeuten. Das Nichtwegschauen und die Sensibilität für das Leid der anderen sollen nicht erst bei ganz extremen Fällen beginnen. Der Fall Amstetten kann nicht nur dadurch auch eine positive Seite haben, dass die Mutter mit ihren drei Kindern nun aus ihrem Gefängnis befreit sind, - positiv kann auch sein, dass durch diesen Fall die Bevölkerung aufgeweckt wird und wir unseren Blick schärfen für das Leid der Mitmenschen.

 

Der Philosoph Albert Camus, der selbst nicht Christ war, hat einmal einen Appell an die Christinnen und Christen gerichtet, wo er folgendes sagt: „Wir können zwar nicht verhindern, dass diese Welt eine Welt ist, in der Kinder gemartert werden, aber wir können die Zahl der gemarterten Kinder verringern und wenn Sie als Christinnen und Christen uns dabei nicht helfen, wer soll uns dann helfen?“

 

 

 

Dr. Balázs Németh

„Unser tägliches Brot gib uns heute“

 

 

Zu den bedeutendsten Filmen der Filmgeschichte gehört ohne Zweifel Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“, der über den russischen Matrosenaufstand von 1905 erzählt. In dem Film gibt es eine Szene, in der die Matrosen die Küche der Offiziersmesse das gebrauchte Geschirr ihrer Vorgesetzten abwaschen und dabei merken, dass sich im Speisesaal der Offiziere die Tische nur so biegen von den aufgetischten üppigen Speisen und Getränken, während die einfachen Matrosen in ihren engen Unterkünften nur schimmliges Brot und knapp bemessenes, oft verdorbenes Fleisch bekommen. Da hält einer der Matrosen plötzlich einen Brotteller hoch, an dessen Rändern die Inschrift klar sichtbar wird. „Unser tägliches Brot gibt uns heute“. Dann ein Schnitt im Film, und die nächste Szene zeigt bereits den Aufstand der Matrosen auf dem Panzerkreuzer.

 

Dieser abrupte Wechsel ist vielsagend, denn er macht deutlich, dass die Konfrontation der vierten Bitte des Vaterunsers mit dem Unrecht  gegenüber den Matrosen den Aufstand ausgelöst hatte. Das ist nicht nur eine filmische Erfindung, sondern es wird durch zahlreiche Beispiele der Geschichte belegt, dass fast alle Volkserhebungen in Zusammenhang stehen mit Brot – mit seiner Verteuerung, seiner Verknappung oder seiner immer dunkler werdenden Farbe, die als minderwertig betrachtet wurde. Auch die aktuellen Hungeraufstände in diesen Tagen in einigen Ländern des Südens stehen mit der Verteuerung der Lebensmittel im Zusammenhang. Viele HistorikerInnen sehen in solchen Brotrevolten die Forderung nach einer „moralischen Ökonomie“, weil jeder Mensch das Recht auf Brot, d. h. auf Leben hat.

 

In der Bibel gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Brot und Leben, denn für die Menschen der Bibel, d. h. für die unteren Schichten der Bevölkerung, bestand die tägliche Nahrung oft zu 95 % aus Brot bzw. aus einfachen Getreideprodukten. Heutzutage ist der Speiseplan vielfältiger geworden, und daher können wir den Zusammenhang zwischen Brot und Leben nicht sofort erkennen. Brot bedeutete in der Bibel Leben, und wo es gefehlt hat, war der Tod der ungebetene Gast. Wenn wir uns diesen Stellenwert des Brotes vor Augen halten, dann verstehen wir, warum Jesus so oft vom Brot des Lebens gesprochen und es zum Symbol für das Leben überhaupt gemacht hat. Oft hat er seine Predigten mit einem Brotwunder oder mit der Speisung seiner PredigtzuhörerInnen verbunden und hat dabei das Reich Gottes als ein großes Festmahl veranschaulicht.

 

Jesus hat die moderne Trennung zwischen irdisch-materiellem und seelischen-geistigem nicht gekannt. Alles ist auch geistlich, was der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes dienlich ist, und alles ist geistlos, was dem Leben schadet, auch die ätherischste Sache der Welt. Ganz klar hat das Paulus ausgesprochen, als er die abgehobenen spirituellen Vorstellungen der Reichen in Korinth ablehnte, weil diese nur den liturgischen Teil des Abendmahls mit den armen Sklavinnen und Sklaven feiern wollten, die vorherige Tischgemeinschaft mit ihnen aber verweigerten.

 

Spiritualisierung ist die große Versuchung der Kirchen. Wenn zum Beispiel das Brot für die Seele gegen das Brot für den Leib ausgespielt wird. Sehr treffend wird diese auf einem Cartoon illustriert, auf dem ein ausgemergelter Afrikaner in eine Bibel beißt, die ihm von einem Pfarrer gereicht wurde. Der Pfarrer reagiert mit Entsetzen: „Aber mein Sohn, das ist doch nicht zum Essen!“

 

Genauso gefährlich ist die Ideologisierung des Brotes, die Tür und Tor vor einem Blut-und-Boden-Mythos öffnet, der die naturverbundenen Bauern und Bäuerinnen idealisiert, zur „Reinhaltung des Volkes“ und zur Ausgrenzung und Ausmerzung des „unreinen Fremden“ führt.

 

In der vierten Bitte des Vaterunsers ist es auch wichtig zu beachten, dass Jesus nicht von „meinem“, sondern von „unserem“ Brot gesprochen hat. Die Gefahr ist immer groß zu meinen, je mehr sich jemand von der grauen Masse löst, umso persönlicher kann er mit Gott Gemeinschaft pflegen. In vielen Kirchenliedern singen wir von „meinem Jesus“. Oft mündet allerdings diese „nur-mein-Jesus-Frömmigkeit“ in nackten Egoismus, und viele, die in einem Egotrip die Freiheit suchen, landen im Alleinsein und in der Isolation.

 

Unsere Bitte besagt, dass man vom „Ich“ nur im Zusammenhang mit „Wir“ und mit „Du“ sprechen kann. Zum Beispiel spricht der Heidelberger Katechismus in der Frage 54 „Über unsere Kirche“ davon, dass Gott die Gemeinde als Ganzes auserwählt hat, und der Einzelne / die Einzelne nur „ein lebendiges Glied derselben bleibt und bleiben wird“. Das Individuum existiert nur im Kontext mit den Mitmenschen und im gemeinsamen Umfeld. Ohne Begegnung geht der Mensch ein, so wie ohne geliebt werden die Liebesfähigkeit austrocknet. „Maximales Glück in einem Minimum an Zeit führt zur Desolidarisierung“ – sagte Professor Zulehner kürzlich in einem Vortrag. Im Klartext heißt das: Die gesellschaftliche und die menschliche Widerspiegelung des Neoliberalismus produziert Desolidarisierung.

 

Durch das Teilen wird das Brot zu „unserem Brot“. So spielen wir die Rolle Christi für die Mitmenschen. Am Teilen des Brotes entscheiden sich Friede und Sicherheit in der Welt von heute, und nicht an dem hysterischen Kampf gegen den Terrorismus. Denn der Terror des Hungers erzeugt erst jenen anderen bedrohlichen Terror.

 

Auch Luther hat die friedensstiftende Bedeutung des Brotes hervorgehoben, als er meinte, dass in dem Wappen eines Herrschers ein Brot wohl angemessener sei als Löwe oder Adler. Unvergesslich sind auch die mahnenden Worte des ersten Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen, dass die Unterlassung der materiellen Hilfe für die Hungernden dieser Welt genauso eine Häresie sei wie die Leugnung von bestimmten Glaubenswahrheiten. Sehr treffend in diesem Sinn auch der Ausspruch eines afrikanischen Politikers: „Bevor die Weißen kamen, gehörte das Land uns und die Bibel den Weißen. Dann haben sie uns gelehrt, mit geschlossenen Augen zu beten. Als wir unsere Augen öffneten, gehörte das Land ihnen und die Bibel uns.“

 

Im Vaterunser bitten wir um das tägliche Brot und nicht um ein Mehr davon. Mit dem „täglich“ wird ausgedrückt, dass wir nicht vom Haben und vom Horten leben, sondern vom Lieben und vom Teilen. Als Warnung kann hier das Kindermärchen von einem Hamster dienen, der seine unterirdischen Gänge während des Sommers so mit Körnern vollgestopft hat, dass er darin keinen Platz mehr fand, als der Winter kam und jämmerlich neben seinen vollen Kornkammern erfror. Viele Menschen kompensieren durch Kaufen und noch mehr Kaufen, durch Konsumieren und Besitzenwollen nur ihre Ängste, ihr Alleinsein und ihr Defizit an Liebe.

 

Dieses „täglich“ besagt auch, dass das Brot, weil es für das Leben steht, nicht zum Objekt von Spekulationen und von Geschäftemacherei werden darf, was aber in der globalisierten Wirtschaft leider nur zu oft der Fall ist. Zum „moralischen Wirtschaften“ gehört essentiell, dass das Brot gerecht verteilt wird. Weil aber heute mit Biokraftstoffen mehr Gewinn erzielt werden kann als mit der Nahrungsmittelproduktion, wird das tägliche Brot knapper und teurer, und damit nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich ständig zu. Seit 1990 wuchs die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, um 50 %, und sie macht heute 42 % der Erdbevölkerung aus. Brot ist aber sowohl Gnade als auch Recht, und darum ist Jean Ziegler nur zuzustimmen, der kürzlich erst wieder sagte: „Es ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, aus Nahrungsmitteln Biosprit zu erzeugen.“

 

In der 4. Bitte des Vaterunsers muss auch das Wörtchen „gib“ bedacht werden, denn es besagt, dass alles, was wir haben, nicht allein wir selbst erzielt, sondern direkt oder indirekt von anderen vermittelt bekommen haben.

 

Das Wort „gib“ ruft uns ins Bewusstsein, dass wir in einer sichtbaren und unsichtbaren Abhängigkeit leben von Faktoren, Gegebenheiten, Umständen oder anderen Menschen und schließlich von Gott. Gerade das Wissen um dieses Eingebettetsein öffnet unsere Augen für die Welt, für die Menschen und schließlich auch für Gott. Wer nie um etwas gebeten hat, der weiß auch nicht, was Liebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität bedeuten. Zur menschlichen Existenz gehört das, was Luthers letzte Worte ausdrückten: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

 

Das Wissen um diese Existenzgrundlage bröckelt langsam ab, weil an einem neuen Turm von Babel gebaut wird. Horst Eberhard Richter, der Sozialpsychologe, spricht in diesem Zusammenhang von einem Gotteskomplex: die Menschheit sei von neuen Allmachtsphantasien beseelt und glaube, dass sie alles machen, schaffen und erreichen könne und die absolute Wahrheit besitze. Die Entwicklung der Elektronik, der Biotechnologie und der Genforschung gibt dazu reichlich Futter.

 

Es ist bedenklich, wenn das christliche Abendland meint, dass sein neuer Turm von Babel der Nabel der Welt sei, und an diesen Turm hätten die anderen Kulturen, Religionen und Völker sich anzupassen, andernfalls sie abgeschrieben werden. Eine christlich-abendländische Überheblichkeit verleugnet Gott gleich in zweierlei Hinsicht: Erstens leugnet sie die Gnade, weil sie alles auf ihr eigenes Verdienst zurückführt, und zweitens, verneint sie die weltumspannende Liebe Gottes, indem sie zwischen Mensch und Mensch qualitative Unterschiede macht. Ein solcher Gotteskomplex streift an einen Atheismus unter christlichem Vorzeichen.

 

 

 

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Bischof Dr. Manfred Scheuer

Glaube und Gerechtigkeit

Diözesansymposion am 22. April 2008 in Innsbruck

 

Gegenwärtig gibt es einen lauten Schrei nach Gerechtigkeit und eine hohe Sensibilität für Ungerechtigkeit. Kriegswirren, Asylanten, Arbeitslose, Behinderte, Zweidrittel-Gesellschaft, Verletzung der Menschenrechte, die Abhängigkeit der „dritten“ und „vierten“ Welt von den reichen Ländern des Nordens, Diskriminierung der Frau, Probleme der Landwirtschaft, Gerechtigkeit für die Familien und für die Kinder, Steuergerechtigkeit, Privilegienwirtschaft, Arbeitszeit, Lohnabschlüsse, humane Arbeitsbedingungen, ökologische Ungerechtigkeit gegenüber den nächsten Generationen sind nicht bloß Schlagworte, sondern mit vielen menschlichen Schicksalen verbunden. Gerechtigkeit für alle wird gefordert. Viel schwieriger als die Anklage des Unrechts ist jedoch die positive Realisierung von Gerechtigkeit. Das Aufdecken von Unrecht und die Kritik an menschenverachtenden Handlungen, Strukturen und Systemen verirrt sich nicht selten in einem Labyrinth, weil mit dem postmodernen Insistieren auf dem Gewicht der Heterogenität des Individuellen jede konkrete Realisierung von Gerechtigkeit ad absurdum geführt wird. Kommunikation und Kooperation im Hinblick auf Gerechtigkeit müssen in einer Sackgasse enden, wenn es nur noch parteiische Standpunkte gibt und damit Lösungen von Unrecht eo ipso neues Unrecht bringen. Der Preis dieser Skepsis ist die Auflösung jeder belangvollen Form von Gerechtigkeit. Die Frage nach Recht und Unrecht wird in der Folge ähnlich der Frage nach dem Wetter eine Position des Geschmacks. Die Unterscheidung zwischen Humanität und Barbarei, zwischen sittlichen Prinzipien und verbrecherischen Grundsätzen liegt dann auf der Ebene der bloßen Emotion oder des Durchsetzungsvermögens.1 Die Selbstbeschränkung des Denkens, das sich skeptisch weigert, Entscheidungen zu treffen und nach Gerechtigkeit zu suchen, wird insgeheim zur Komplizin des (Un)rechtes des Stärkeren.

 

Der Glaube an Gott ist nicht neutral gegenüber den Unrechtsverhältnissen. Gerade im Alten Testament schließt die Anerkennung der Gerechtigkeit Gottes die prophetische Anklage von Unrecht und Elend mit ein (Amos, Hosea, Deuteronomium). So führt der Glaube an den gerechten Gott in den Einsatz für eine Zivilisation der Liebe, des Friedens, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung. Zugleich ist dieser Glaube, wenn er nicht im Brei eines undifferenzierten Einerleis aufgehen will, mit einem entschiedenen Nein gegen alle Götzen im persönlichen und politischen Leben (Rasse, Macht, Diktatur, Geschlechterunterdrückung, Konsum, Fortschritt) verbunden. Es ist die Liebe selbst, die „an erster Stelle unbedingte Gerechtigkeit, nämlich die Anerkennung der Würde des Mitmenschen und seiner Rechte“ gebietet.2 In Erfahrungen der Befreiung und der Gerechtigkeit, die den Armen Recht schafft, werden Gotteserfahrungen gemacht. Soziale Gerechtigkeit ist aber wiederum nicht alles, sie muss umfangen bleiben von Liebe und Barmherzigkeit. „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit, Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung. Daher müssen beide verbunden werden.“3 Gerechtigkeit ohne freie Gnade wird zum rigorosen Fanatismus, zum Terror und zur Gewaltherrschaft. Die kontur- und profillose Rede von Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit hingegen sanktioniert bestehende versklavende Unrechtsverhältnisse und verrät die Liebe.

 

Der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit hat einer repressiven Egalität zu widerstehen, die nur einen imaginär anderen kennt, das konkrete antlitzhafte Du mit der konkreten Wirklichkeit von Leid, Angst, Unterdrückung und Tod aber ausblendet. Wenn diese abstrakte und fiktive Gleichheit herrscht, besteht die Gefahr, dass der einzelne in das Allgemeine aufgehoben wird. Der Fremde steht dann unter dem Vorzeichen der Negation. Die Wahrnehmung des anderen geschieht unter der Perspektive der Verdächtigung, der Anfeindung, der Ablehnung, der Verurteilung oder der Eroberung, der Kolonisation und der Unterwerfung. Um dem anderen gerecht zu werden, ist Aufmerksamkeit notwendig: „Die Aufmerksamkeit ist nicht nur der wesentliche Gehalt der Gottesliebe. Auch die Nächstenliebe, von der wir wissen, dass sie gleiche Liebe ist, ist aus dem gleichen Stoff gemacht. Die Unglücklichen bedürfen keines anderen Dinges in dieser Welt als solche Menschen, die fähig sind, ihnen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Fähigkeit, einem Unglücklichen seine Aufmerksamkeit zuzuwenden, ist etwas sehr Seltenes und sehr Schwieriges; sie ist beinahe ein Wunder; sie ist ein Wunder.“4

 

Der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit ist getragen von einer Option für das Leben (vgl. Dtn 30,18ff). Eine Spiritualität der Gerechtigkeit ist eine Spiritualität des Lebens. Von dieser her sind alle Systeme zu durchschauen, die das Ende des menschlichen Subjektes betreiben oder verkünden. Nicht der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit und nach Leben ist auszurotten, sondern die langsame Gewöhnung, die Apathie, die innere Erstarrung und Abstumpfung gegenüber den Opfern. Der Todestrieb, der Zynismus der Vernichtung und die Krankheit zum Tode haben viele Gesichter. Der Hunger nach Gerechtigkeit treibt dazu, Gott als Freund des Lebens (Weish 11,26) zu bezeugen. Die Bezeugung der Recht schaffenden und rechtfertigenden Gerechtigkeit Gottes birgt die Solidarität mit den Geringsten in sich. Ohne Gerechtigkeit für die Armen gibt es keine universale Gerechtigkeit. Die Solidarisierung führt teilweise zum stellvertretenden Ausleiden der negativen Konsequenzen von Schuld und Unrecht, wo eine aktive Veränderung des Unrechts nicht möglich ist (vgl. Jes 53,5). Diese Solidarisierung kann positiv mit der Mühe verbunden sein, dort Würde zu vermitteln, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Menschen zur ökonomischen Funktion reduziert werden. Der Hunger nach Gerechtigkeit sucht nach Strukturen der Kommunikation und des Dialogs, wo jetzt nur Gleichgültigkeit oder ein Gegeneinander herrscht. Er sucht Beziehungen, wo Ghettos errichtet werden. Die Gerechtigkeit Jesu lebt von der Offenheit auf die Liebe hin. In der am Kreuz zugespitzten Feindesliebe zeigt er die Bereitschaft zur Versöhnung, sagt er Vergebung zu. Er leidet gewaltfrei die Verleiblichung der Bosheit aus, worin sich der Bund Gottes mit den Menschen unwiderruflich verwirklicht.

 

Globalisierung und Gerechtigkeit

 

Für die Katholische Kirche, die ihrem innersten Wesen nach Weltkirche ist, multinational, in einer organisierten Vernetzung auf allen Ebenen und bis in die äußersten Winkel, stellt das Phänomen der Globalisierung grundsätzlich nicht etwas Negatives dar. Gerade durch Johannes Paul II. ist in der Katholischen Kirche das Bewusstsein ihrer Globalität stark gewachsen. Kooperation zwischen allen Kontinenten, Austausch an Ressourcen, an Know-how, Vernetzung der Information, Ausgleich der Güterverteilung, all das ist der Katholischen Kirche vertraut und macht sie in einer globalisierten Welt heimisch. Umso mehr sieht sie sich verpflichtet, alle Bemühungen zu unterstützen, die die Globalisierung des Weltmarktes durch neue globale soziale und politische Begleit- und Schutzmaßnahmen ergänzt.

 

„Heute ist häufig die Rede vom europäischen Lebensmodell. Damit ist eine Gesellschaftsordnung gemeint, die wirtschaftliche Effizienz mit sozialer Gerechtigkeit, politische Pluralität mit Toleranz, Liberalität und Offenheit verbindet, aber auch das Festhalten an Werten bedeutet, die diesem Kontinent seine besondere Stellung geben. Dieses Modell steht angesichts der Zwänge der modernen Ökonomie vor einer starken Herausforderung. Die viel zitierte Globalisierung kann nicht aufgehalten werden, es ist aber eine dringende Aufgabe und eine große Verantwortung der Politik, der Globalisierung solche Regeln und Grenzen zu geben, dass sie nicht auf Kosten der ärmeren Länder und der Ärmeren in den reichen Ländern realisiert wird und nicht den kommenden Generationen zum Nachteil gereicht.“5 So Benedikt XVI. in seiner Rede in der Hofburg in Wien im September 2007.  Schon zum Auftakt der Sitzung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Aparecida (Brasilien) 2007 kritisierte Papst Benedikt XVI. vor 162 Bischöfen aus Lateinamerika und der Karibik die Tendenz zum bedingungslosen Profitstreben im Zuge der Globalisierung. Die Globalisierung bringe die Gefahr einer Bildung „großer Monopole“ mit sich. Häufig werde „Profit wie der oberste Wert behandelt“. Und in einer Ansprache zum Fest der Erscheinung des Herrn (Jänner 2008) kritisiert der gegenwärtige Papst scharf Globalisierung und Luxusdenken: „Man kann in der Tat nicht sagen, dass die Globalisierung ein Synonym für Weltordnung ist, mitnichten. Die Konflikte um die wirtschaftliche Vorherrschaft und das An-Sich-Reißen der Energie-, Wasser- und Rohstoffressourcen erschweren die Arbeit all derer, die sich auf allen Ebenen darum mühen, eine gerechte und solidarische Welt aufzubauen. Es bedarf einer größeren Hoffnung, die es gestattet, das Gemeinwohl aller dem Luxus weniger und dem Elend vieler vorzuziehen.“

 

Im Sinne einer globalen Solidarität sollten die Millenniums-Entwicklungsziele der UNO umgesetzt werden: „Wir treffen ferner den Beschluss, bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, dessen Einkommen weniger als 1 Dollar pro Tag beträgt, und den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, zu halbieren, sowie bis zu demselben Jahr den Anteil der Menschen, die hygienisches Trinkwasser nicht erreichen oder es sich nicht leisten können, zu halbieren; bis zum gleichen Jahr sicherzustellen, dass Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Primarschulbildung vollständig abschließen können und dass Mädchen wie Jungen gleichberechtigten Zugang zu allen Bildungsebenen haben; bis zum gleichen Jahr die Müttersterblichkeit um drei Viertel und die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel der derzeitigen Rate gesenkt zu haben; bis dahin die Ausbreitung von HIV/AIDS, die Geißel der Malaria und andere schwere Krankheiten, von denen die Menschheit heimgesucht wird, zum Stillstand gebracht und allmählich zum Rückzug gezwungen zu haben; Kindern, die durch HIV/AIDS zu Waisen wurden, besondere Hilfe zukommen zu lassen; bis zum Jahr 2020, wie in der Initiative „Städte ohne Slums“ vorgeschlagen, erhebliche Verbesserungen im Leben von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern erzielt zu haben.“

 

Nahrungsmittelkrise6

 

Die Lage ist mehr als dramatisch: Laut Schätzungen (WFP) sind die weltweiten Lebensmittelpreise seit Mitte 2007 um durchschnittlich 40 % gestiegen. Reis, das Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung, ist 2008 um 75 Prozent teurer als vor einem Jahr. Der Weizenpreis hat sich seit Mai 2007 sogar verdoppelt. Hohe Preissteigerungen gibt es auch bei Mais, Soja, Fleisch und Milch.

 

Die Zutaten für diesen katastrophalen Mix sind Missernten (etwa Australien durch Dürre und Ukraine), der hohe Erdölpreis (verteuert vor allem Kunstdünger, aber auch Transportkosten),  der Anbau von Mais, Zuckerrohr, Raps … für Biosprit auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen für Nahrungsmittel und die steigende Fleischnachfrage in Schwellenländern wie Indien und China (Produktion von 1 Kilo Rindfleisch braucht sieben Kilo Getreide).

 

Die Nahrungsmittelkrise ist ein Armutsproblem. Denn das besondere Drama liegt darin: Die jetzigen Teuerungen treffen gerade die am härtesten, die ohnehin bereits am Limit leben: 2,8 Milliarden Menschen leben von weniger als 2 Dollar pro Tag. Diese Menschen müssen wesentlich mehr als die Hälfte für Nahrung ausgeben.

 

Die derzeitige Lebensmittelkrise ist deshalb auch eine ernste Bedrohung für die Erreichung der  Millenniumsziele, die eine Halbierung der Armut bis 2015 vorsehen.

Was ist zu tun? Kurzfristig ist rasche direkte Lebensmittelhilfe für alle jene, die sich nun das Essen nicht mehr leisten können, die nötige Antwort. Alles andere wäre zynisch weil es hieße, Menschen sehenden Auges sterben zu lassen.

 

Die hungernden Menschen stecken in einer  Doppelmühle: Durch die Teuerungen brauchen mehr Menschen Hilfe und gleichzeitig können die Hilfsorganisationen ums gleiche Geld aber weniger helfen. Beispielsweise bräuchte das Welternährungsprogramm zusätzliche 500 Mio. Dollar, um nur für dieses Jahr seine bestehenden Programme fortzusetzen. Hier ist ein globaler Kraftakt nötig, um den Armen beizustehen.

 

Mittelfristig gilt es freilich, alles zu tun, damit die Menschen wieder auf eigenen Beinen stehen können: stärkere finanzielle Unterstützung von Menschen in Not bzw.  Lebensmittelbeihilfen für die Armen als Soforthilfe (empfiehlt auch die Weltbank). Erhöhung der EZA-Mittel auf 0,7 Prozent des BNP: derzeit gehen die globalen EZA-Mittel sogar zurück. Statt zu bremsen muss hier die internationale Staatengemeinschaft das Tempo im Gegenteil steigern und die Armutsbekämpfung muss dabei absolute Priorität haben. Ernährungssicherheit muss Ziel internationaler und EU-Agrar- und Handelspolitik sein. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben, sich ausreichend und gesund zu ernähren, sei es vom eigenen Feld oder durch ein ausreichendes Einkommen.

 

Beispiel Getreidespeicher: In Ländern wie  Burkina Faso und Mali sind die Bauern gezwungen, ihr Getreide zu Billigpreisen verkaufen, während sie später gezwungen sind, Saatgut zu Wucherpreisen zu erstehen. Um diesen Teufelskreis der Armut zu durchbrechen,   hilft z. B. die Caritas den Bauern in diesen Ländern mit Getreidespeichern und Getreidebanken. Gerade die Errichtung solcher, am besten flächendeckender Ernährungssicherheitssysteme kann und muss auch eine  Aufgabe der Regierungen und der gesamten Staatengemeinschaft  sein:

 

Angesichts der aktuellen Krise sind die österreichische Regierung aber auch die EU gefordert, einen Teil der EZA-Mittel in diesem Sinne zu investieren. Die von der österreichischen Bundesregierung versprochene Erhöhung der EZA-Mittel muss so rasch wie möglich umgesetzt und zur Bekämpfung der Nahrungskrise eingesetzt werden.

 

Der Biospritboom, ausgelöst nicht zuletzt durch den hohen Erdölpreis, hat zu einer massiven Konkurrenz zwischen Treibstoff und Lebensmitteln geführt. Die Menschen dürfen angesichts der Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Treibstoffen nicht auf der Strecke bleiben. In Österreich sollen zehn Prozent der Treibstoffe Biosprit sein. Angesichts des Ernstes der Lage fordern wir hier von der österreichischen Bundesregierung ein Moratorium. Und zwar so lange, bis ExpertInnen die Kollateralschäden der Biospritproduktion geprüft haben. Mit dem Getreide für eine Tankfüllung kann ein Mensch ein Jahr ernährt werden.

 

Langfristig muss man sagen, gerade im Bereich der Missernten haben wir jetzt einen sanften Vorgeschmack dessen, was passieren wird, wenn der Klimawandel tatsächlich in seiner ganzen Dramatik einsetzt. Wenn wir jetzt nicht ernsthaft genug gegen den Klimawandel vorgehen,  werden wir das Nahrungsmittelproblem in naher Zukunft um eine Zehnerpotenz verschärft serviert bekommen.  Klimaschutzmaßnahmen sind langfristig ein zentrales Element der Armutsbekämpfung.

 

Dr. Manfred Scheuer ist Bischof von Innsbruck

und Präsident von Pax Christi Österreich

 

Anmerkungen:

1 Vgl. Georg F. W. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (WW 7, ed. Glockner) 19–37.

2 Römische Bischofssynode 1971, Gerechtigkeit in der Welt (De iustitia in mundo), in: Texte zur Katholischen Soziallehre. Hg. vom Bundesverband der KAB Deutschlands, Kevelaer 41977, Nr. 35.

3 S. Thomae Aquinatis, Super Evangelium S. Matthaei lectura, Marietti 51951, n. 429.

4 Simone Weil, Aufmerksamkeit für das Alltägliche, München 1987, 65.

5 Papst Benedikt XVI. Hofburgrede 2007 Wien.

6 Aus einem Positionspapier der Caritas Österreich vom 11.4.2008.

 

 

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Gustav Posch

Den Glauben leben

Predigt am 25. Mai 2008 in der Weinbergkirche in Wien-Döbling

 

Das wohl kürzeste Glaubensbekenntnis des ersten Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, mit Noah und seinen Nachkommen, liegt als Bibeltext der heutigen Predigt zu Grunde.

 

Wenn auch der Glaube ein Geschenk ist und nach Martin Luther nicht erworben oder gar errungen werden kann, so ist es doch eine feststehende Tatsache, dass ohne lernen und wiederholen ich mir die Inhalte des Glaubens nicht aneignen kann.  Wenn wir diese Inhalte nicht kennen, kann dieser Glaube uns in den Krisensituationen des Lebens auch nicht helfen.

 

Wenn die Reformatoren vom Priestertum aller Glaubenden gesprochen haben, dann meinten sie vor allem die Mütter und Väter, die Großmütter und Großväter und Paten,  die den jungen Menschen die Inhalte des Glaubens nicht nur vermitteln sollen, sondern auch vorzuleben haben.

 

Glaubensweitergabe hat ganz sicher nichts mit Einhämmern, sturem Auswendiglernen und Drohen zu tun, denn damit kann mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden. Entscheidende Voraussetzung, um den Glauben weitergeben zu können, ist, dass er uns selbst wichtig ist. Dass wir uns selber zu Herzen nehmen und danach leben, was wir unseren Kindern nahe bringen wollen. Glaubensbekenntnisse können noch so wahr und richtig sein und ich kann ihnen noch so zustimmen, sie werden hohl und leer bleiben, wenn ich nicht täglich neu versuche, sie im Alltag umzusetzen.

 

Der Herr ist unser Gott, der Herr allein.

 

So heißt es in diesem kurzen biblischen Glaubensbekenntnis. Die Juden lebten mit ihrem Glauben an den einen Gott immer in der Diaspora. Sie waren immer von anderen Völkern umgeben, die viele Götter anbeteten.

 

Wir müssen uns aber die Frage stellen: Ist Gott der alleinige Herr in unserem Leben? Es gibt doch so vieles, was uns beschäftigt, was wir fürchten oder lieben. Unser Reformator Martin Luther erinnert in seiner Auslegung zum 1. Gebot: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

 

Ein Theologe hat einmal die Behauptung aufgestellt, dass viele Christinnen und Christen „praktizierende Atheisten sind“. Sie singen am Sonntag beim Gottesdienst „Großer Gott, wir loben dich“, aber von Montag bis Samstag, in ihrem alltäglichen Leben, tun sie so, als ob es Gott überhaupt nicht gäbe.

 

Die Götter unserer Zeit tragen moderne Namen. Sie heißen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

Der Zweck heiligt die Mittel.

Jeder ist sich selbst der Nächste.

Profitmaximierung

Wirtschaftliche Zwänge

Und vieles ähnliche mehr

 

Wir verachten Religionen, für die Kühe heilig sind, finden aber nichts dabei, dass unsere Heiligen Kühe, die Automobile, mit einem immer höheren Anteil an Biosprit betrieben werden. Weil zur Erzeugung dieses Treibstoffes auch Getreide  verarbeitet wird, ist das einer der Gründe der Verknappung der Nahrungsmittel auf unserer Erde.

 

Auch der Einzelne kann dagegen etwas tun. Nur ein Beispiel: Es gibt etliche  NGO’s (englische Abkürzung für Non Gouverment Organisation) was soviel heißt wie regierungsunabhängige Organisationen, die mit einer breiteren Unterstützung sicher mehr erreichen könnten.

 

Wenn das Bekenntnis zu Gott, unserem Herrn, nicht ein bloßes Lippenbekenntnis sein soll, dann muss es Konsequenzen haben, dann wird es sichtbar in der Art und Weise, wie ich lebe. Rufen wir uns den Predigttext noch einmal ins Gedächtnis:

 

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

 

Nicht nur mit dem Kopf, auch mit dem Herzen. Nicht nur am Sonntag, sondern auch an allen Tagen. Nicht nur in unserem Reden, sondern auch in unserem Handeln.

 

Aber Gott lieb haben, wie geht das? Die Liebe zu Gott schließt immer die Liebe zu seiner Schöpfung und zu seinen Geschöpfen mit ein. Jesus von Nazareth, als Jude geboren und wegen seiner Lehren, die von den Herrschenden als Gotteslästerung empfunden wurden, ans Kreuz geschlagen, hat das Gebot der Gottesliebe erklärend ergänzt, wie der Evangelist Markus im 12. Kapitel schreibt:  “und deinen Nächsten wie dich selbst.“

 

Und das gehört zum Fundament des christlichen Glaubens. Wir können nicht Gott lieben, wenn uns die Nöte unserer Mitmenschen kalt lassen. Man kann nicht irdische Güter sonder Zahl anhäufen und glauben, mit einer milden Gabe zu Weihnachten sei alles abgetan. Christen und Christinnen dürfen einfach nicht angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit der herrschenden Weltwirtschaftsordnung, des Neoliberalismus, die Hände in den Schoß legen und nichts dagegen tun.

 

Es steht nirgends geschrieben, in keiner Bibel, in keinem Koran, in keinem heiligen Buch einer anderen Religion, dass die Besitzenden immer größeren Reichtum anhäufen und die Armen an Hunger und Krankheiten zu Grunde gehen müssen.

 

Jean Ziegler, der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, schreibt, dass in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie so viele Menschen hungern mussten, wie in unseren Tagen, obwohl unsere Erde 12 Milliarden Menschen ernähren könnte.

 

Eine Reihe von Päpsten der letzten Jahrzehnte hat diese Zustände als Strukturen der Sünde gebrandmarkt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Freilich gilt auch der Umkehrschluss: Seinen Nächsten zu lieben, ohne Gott zu lieben, trennt uns Christinnen und Christen von den AnhängerInnen jener Lehren, die nur auf das Diesseits bezogen sind.

 

Aber Gott lieben und seinen Nächsten verachten? Eine  bekannte Choralstrophe gibt die Antwort auf diese Frage.

 

„So jemand spricht, ich liebe Gott

und hasst doch seine Brüder,

der treibt mit Gottes Wahrheit Spott

und reißt sie ganz darnieder.“

 

So wichtig und unverzichtbar der Gottesdienst für unser Christsein ist, so sehr kann sich die Liebe zu Gott nicht auf die eine Stunde am Sonntag beschränken. Dort, wo mein tägliches Leben sich abspielt, in meiner Familie, mit Nachbarn und Freunden, an meinem Arbeitsplatz, da ist das Praxisfeld meiner Liebe zu Gott, da muss sie sich bewähren, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all meiner Kraft. Die Menschen, mit denen ich zu tun habe, werden sehr schnell merken, wie weit her es mit meiner Liebe zu Gott und zu meinen Mitmenschen ist.

 

Weil zur Einübung in den Glauben die sichtbaren Zeichen gehören, hat unser Predigttext noch eine praktische Anweisung:

 

„Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du binden zum Zeichen auf deine Hand und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deine Augen sein und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.“

 

Das klingt für uns seltsam. Doch bei frommen Juden ist heute wie seit urdenklichen Zeiten über der Einhangstür des Hauses ein kleines Kästchen befestigt, das folgenden Spruch beinhaltet;

 

„Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.“

 

Ein Kästchen mit den gleichen Worten bindet sich der fromme Jude beim Gebet um den rechten Arm und um die Stirn. Es ist wie ein Merksatz an der Pinwand oder der Knoten im Taschentuch.

 

So fremd uns diese jüdische Glaubenspraxis vorkommen mag, so wichtig ist es doch auch für uns, dass wir immer wieder an unsere Beziehung zu Gott erinnert werden. Das Kreuz im Wohnzimmer, das Losungsbüchlein auf dem Frühstückstisch und die griffbereite Bibel sind für uns solche Zeichen, die uns immer wieder daran erinnern, im Einklang mit Gott, seiner Schöpfung  und unseren Nächsten zu leben.

 

 

 

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Donald Moore SJ zum

Franz-Jägerstätter-Gedenktag am 21. Mai 2008

 

Als erhellendes, hoffnungsvolles und Mut machendes Licht- und Wegzeichen bezeichnete Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz Franz Jägerstätter in seiner Predigt anlässlich der Seligsprechung am 26.10.2007 im Linzer Mariendom. Am 21. Mai begehen wir zum ersten Mal seinen Gedenktag. Der amerikanische Jesuit, Prof. Donald Moore, der seit über zwanzig Jahren zu den Gedenkfeiern nach St. Radegund kommt, über seinen Zugang zu Franz Jägerstätter.

 

Mein erster Kontakt mit Franz Jägerstätter erfolgte durch dasn Buch des amerikanischen Soziologen Gordon Zahn „In Solitary Witness“. Ich war von der Einfachheit seines Lebens tief beeindruckt. Das war ein Mann, den man in jedem kleinen Dorf in den USA, in Österreich oder in irgendeinem anderen Land treffen konnte. Was ihn allerdings aus der Masse heraushob, war die tiefe Liebe zu seiner Familie, seine feste Verbindung zum Glauben und sein einfaches, aber klares Verständnis der politischen Situation Europas in den späten 1930er-Jahren. Er erkannte die Unvereinbarkeit zwischen Nationalsozialismus und seinem eigenen Glauben.

 

Zwei Gedanken gingen mir sofort durch den Kopf:

 

Warum war seine Geschichte in westlichen Ländern – und besonders bei uns Katholiken/-innen – nicht bekannter? Ich möchte seinen Heimatort St. Radegund in Oberösterreich aufsuchen und eventuell seine Witwe und seine Töchter treffen. Eine Gelegenheit bot sich mir im Sommer 1982, als ich in Nürnberg einen amerikanischen Armeekaplan für eine Woche vertreten musste.

Mit meiner Schwester, einer Dominikanernonne, fuhr ich nach St. Radegund. Wir besuchten die Dorfkirche, in der Franz als Mesner gedient hatte und wo sich sein Urnengrab befindet. Ein junger Mann bot uns an, uns zur Witwe, Franziska Jägerstätter, zu bringen. Innerhalb kürzester Zeit saßen wir in Franziskas Küche bei einer Tasse Kaffee und ich erklärte ihr in meinem holprigen Deutsch, wie sehr ich Franz Jägerstätter bewundere. Sie zeigte mir ihr Gästebuch mit Unterschriften von Leuten aus der ganzen Welt, die mit einem ähnlichen Vorhaben wie ich nach St. Radegund gekommen waren. Sie zeigte mir ein Foto ihrer drei glücklichen Töchter, aufgenommen bei einer Fronleichnamsprozession im Jahr 1943, einige Monate nachdem Franz wegen seiner Verweigerung, in Hitlers Armee zu dienen, gefangen genommen worden war. Die Töchter hielten ein Spruchband vor sich mit dem Wortlaut „Lieber Vater, komm bald!“ Ich fragte Franziska, ob Franz dieses Foto je gesehen hatte. Sie erzählte mir, dass dieses Bild in seine Gefängniszelle nach Berlin geschickt worden war.

 

In diesem Moment wurde mir bewusst: Franz ist ein Heiliger. Er war bereit, alles aufzugeben, um der Gnade, die ihm gegeben worden war, gerecht zu sein. Er war bereit, Gott nicht nur sein Leben anzubieten, sondern alles, was er in seinem Leben geliebt hat, vor allem seine Frau und seine Kinder, um seinem Gewissen zu folgen. Seine Gefängnisbriefe zeigen deutlich, wie sehr ihm bewusst war, wie viel Schmerz und Leid seine Entscheidung für Franziska und ihre Töchter bringen würde. Er würde nie fähig sein, ihre einfache Bitte zu erfüllen: „Lieber Vater, komm bald!“ Nicht, wenn er seinem Gott und der besonderen Gnade, die Gott ihm gewährt hatte, treu sein wollte. Ich konnte mir nur zum Teil vorstellen, wie sehr sein Herz hin und hergerissen war. Franz hatte sich in seinen letzten Briefen oft auf das verzweifelte Gebet Jesu in Getsemani bezogen: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Ich verstand nun warum.

 

Der Gemeindepfarrer und der Bischof hatten Franz früher erklärt, dass er nicht nur seinem Land gegenüber verpflichtet sei, sondern vor allem seiner Frau und seinen Kindern. Seine Antwort war immer die gleiche – nämlich, dass Jesus zu uns sagte: „Wer Mutter, Vater, Frau oder Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“

 

(Zeitung des österr. Canisiuswerkes Nr. 5/6 2008,

übermittelt von Pax Christi Österreich www.paxchristi.at )

 

 

 

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KAB Vesper

Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt (nicht in den Sommerferien).

 

 

Friedensgebet von Pax Christi Wien

Jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr in der Alten Börse – Begegnungszentrum der Jesuiten, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19, U3 Stubenring (nicht in den Ferien).

 

 

Bischof Kräutler am 4. Juni in St. Pölten

Bischof Erwin Kräutler spricht auf Einladung des Forum XXIII zum Thema „Mich erbarmt des Volkes“ am 4. 6. um 19.00 Uhr im Raab-Saal des WIFI Niederösterreich, 3100 Mariazellerstraße 97. Eintritt: Euro 7,--, Jugendliche frei, Infos: www.forum23.at

 

Kirchenfrauenkabarett

Das Vorarlberger Kirchenfrauen-Kabarett (Eva Fitz, Elisabeth Hämmerle, Gisela Meier, Maria Schimpfössl, Gerda Staffa, Annemaria Spirk, Klavier Anna Hämmerle, Regie: Brigitte Walk, Peter Lampeitl) ist mit dem neuen Programm „Uns reicht’s – und wie!“ auf Tournee:

Fr., 23. Mai, 20.00 Uhr, Bildungshaus St. Virgil

Sa., 24. Mai, 19.30 Uhr, Wien, St. Johann Evangelist,

          Pfarrsaal, 1100 Wien, Gudrunstraße 135,

Mo., 26. Mai, 20.00 Uhr, Göfis, Pfarrsaal

Di., 27. Mai, 20.00 Uhr, Bregenz, Austriahaus

Fr., 30. Mai, 20.00 Uhr, Übersaxen, Dorfsaal

Sa., 31. Mai, 20.00 Uhr, Ravensburg, Matthäus-Gemeindesaal

Di., 3. Juni, 20.00 Uhr, Feldkirch, Saumarkt

Fr., 6. Juni, 20.00 Uhr, Klaus, Winzersaal

Sa., 7. Juni, 20.00 Uhr, Dornbirn, Pfarrheim Oberdorf

 

 

25. Int. Sommerakademie in Schlaining

"Globale Armutsbekämpfung -

 ein Trojanisches Pferd?

Auswege aus der Armutsspirale

oder westliche Kriegsstrategien?"

6. - 11. Juli 2008, Burg Schlaining

 

Themen u.a. Finanzmärkte, Aggressivität und Armut, Wege aus Armut und Krieg - Entwicklungsgeschichtliche Lehren, Armut, Ressourcen und Konfliktdynamik, Parameter von Kriegen im 21. Jahrhundert, Globale Armutsbekämpfung in des Kaisers neuen Kleidern, Gescheiterte oder zum Scheitern gebrachte Staaten und Nation-Building, EU: Zwischen größter Entwicklungshelferin und Rüstungsexportweltmeisterin, Gewaltkonflikte am Horn von Afrika, Teufelskreis von Armut und Krieg am Beispiel Naher Osten,  Perspektiven der Zivilgesellschaft

 

ReferentInnen:  Dieter Senghaas (Universität Bremen), Josef Hader (Kabarettist und Schauspieler), Franz Nuscheler (Universität Duisburg), Elmar Altvater (Freie Universität Berlin), Ulrich Brand (Universität Wien), Hildegard Goss-Mayr (Int. Versöhnungsbund), Claudia Haydt (Tübingen), Ueli Mäder (Universität Basel), Volker Matthies (Universität Hamburg), Martina Schloffer (Rotes Kreuz), Mohssen Massarrat (Universität Osnabrück), Rainer Tetzlaff (Universität Hamburg), Franz Küberl (Caritas Österreich), Peter Lock (Sozialwissenschafter, EART Hamburg), Andreas Zumach (Journalist und Autor, Genf) u.v.a.,

 

Gottesdienst, gestaltet von Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld.

 

Teilnahmekosten: Euro 45 / 22 ermäßigt, Unterbringung in Hotel, Gästehäusern oder kostenlose Nächtigung mit Schlafsack

 

Programm und Informationen: http://www.aspr.ac.at/sak.htm

 

 

Fest der Begegnung 6. / 7. 6. in St. Pölten

 

Der inhaltliche Schwerpunkt des Festivals, das von der Betriebsseelsorge St. Pölten gemeinsam mit gut 20 NGO's organisiert wird, ist diesmal der Skandal der neuen Sklaverei durch den Menschenhandel mit Frauen, die in Europa zur Prostitution gezwungen werden. Mary Kreutzer und Joana Adesuwa Reiterer (vom Verein Exit, der Betroffene betreut) werden am 6. Juni um 18.30 Uhr das Buch "Ware Frau. Auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa" im cinema paradiso präsentieren und anschließend mit anderen Vertreterinnen von Migrantenvereinen und dem Publikum über dieses skandalöse Phänomen, das von österr. Behörden zumindest geduldet wird, diskutieren. Um 21 Uhr wird dann die 6-köpfige multikulturelle Band aus Wien, Jayasri, das Publikum auf eine "mystische, musikalische Reise durch Asien, Afrika, Europa und die Karibik führen" und die Leute zum Mittanzen und -fühlen für Toleranz, Friede und Zusammengehörgikeit aller Menschen führen.

 

Am 7. Juni um 12.00 Uhr beginnt dann das Openairprogramm am Rathausplatz Nord mit afrikanischen Trommlern und den Ehrengästen Bürgermeister Stadler, Landesrätin Bohuslav (angfr.), Bischof Küng (angef.) u. a. Ab 12.30 gibt es dann ein buntes multikulturelles Programm von Folklore, Liedern und Tänzen aus Kroatien, dem Kosovo, aus Österreich, der Türkei, Palästina, Tschetschenien u.a. sowie zahlreiche internationale Essensstände und Infostände zu Migration, Asyl und Entwicklungspolitik in den Zelten des Roten Kreuzes. Auch für Kinder- und Jugendprogramm ist reichlich vorgesorgt.

 

Um 16 Uhr spielt das cinema paradiso noch den Film zum Thema "Kurz davor ist es passiert." über die Zwangsprostitution osteuropäischer Frauen in Österreich. Der Abschluss ist das Konzert der Wiener Tschuschenkapelle ab 18.30 Uhr mit ihrer völkervereinenden Botschaft und Musik. Sie spielen aus ihrem Repertoire, das von 'traditionellen Liedern der Balkanländer über türkisch-orientalische Weisen, griechischen Rembetiko, bosnischen Sevdalinka bis zum Wiener Lied und Zigeunerjazz" reicht.

 

 

 

6. August Hiroshima-Tag

9. August Nagasaki-Tag

 

Die Hiroshima-Veranstaltung beginnt am Hiroshima-Tag (Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima), Mittwoch, 6. August 2008 um 17.00 Uhr auf dem Wiener Stephansplatz und wird um ca. 20.30 Uhr mit einem Laternenmarsch vom Stephansplatz zum Teich vor der Karlskirche abgeschlossen. Im Rahmen der Aktion werden wieder Grußbotschaften von prominenten Persönlichkeiten veröffentlicht.

 

Bei Schlechtwetter findet die Hiroshima-Veranstaltung im Pfarr-Cafe der Dompfarre St. Stephan, 1010 Stephansplatz 3, statt.

 

Am Samstag, 9. August 2008, wird um ca. 19.00 Uhr mit einer traditionellen Buddhistischen Lichterzeremonie und einem Kulturprogramm bei der Wiener Friedenspagode der Opfer von Hiroshima und Nagasaki gedacht (Wien 2, Hafenzufahrtsstraße, Endstation Straßenbahn 21 dann Fußweg; oder Bus 80B).

 

Am Samstag, 9. August 2008 gibt es von 10.00 bis 13.00 Uhr in Melk Gedenkaktion zu Hiroshima und Nagasaki in der FußgängerInnenzone (vor dem Rathaus).

Infos:  www.hiroshima.at

 

 

Südafrika bremst westliche Iranpolitik.

 

Immer deutlicher positioniert sich Südafrika als Gegner der von den USA vorangetriebenen Eskalation im Atomkonflikt mit dem Iran. Das Vertrauen in die friedlichen Ziele des iranischen Atomprogramms wachse, erklärte der südafrikanische Botschafter bei der UN-Atomenergiebehörde IAEO in Wien, Abdul S. Minty, am 28. Februar. „Die IAEO hat kein einziges Ding gefunden, das verschwunden wäre oder in einen militärischen Bereich umgeleitet wurde“, betonte er in Oslo in einer Telefonkonferenz mit südafrikanischen Journalisten. Es seien zwar weitere Kontrollen nötig, um sicherzustellen, dass der Iran nicht an Atomwaffen arbeite, der jüngste Bericht der IAEO zeige aber, dass die Regierung in Teheran mit der Aufsichtsbehörde zusammenarbeite.

 

Nach tagelangem Tauziehen im UN-Sicherheitsrat gelang es den Vereinigten Staaten schließlich am 3. März, die nichtständigen Mitgliedsländer – darunter auch Südafrika – zur Befürwortung einer Iran-kritischen Resolution zu bewegen; diese geht über die bisherige Beschlusslage jedoch nicht wesentlich hinaus und bleibt stark hinter den ursprünglichen US-Vorstellungen zurück. In einer veröffentlichten Rede vor dem Gouverneursrat der IAEO Anfang März in Wien kritisierte Minty die Haltung des UN-Sicherheitsrats heftig; es sei schwer einzusehen gewesen, warum man in New York auf einer Verurteilung des Iran bestanden habe, bevor noch Generaldirektor ElBaradei den vollständigen Prüfbericht der Atomenergiebehörde vorgelegt hatte (Mintys Ansprache ist im Volltext auf der SADOCC-Website www.sadocc.at abrufbar).

Südafrika bekenne sich nach wie vor zur Eliminierung aller Massenvernichtungswaffen und sei daher gegen die nukleare Aufrüstung auch des Iran. Zugleich aber dürfte das Recht jedes Staates, Nuklearenergie für friedliche Zwecke zu verwenden, nicht geschmälert werden.

 

Am 2. Juni 2008 wird  Abdul S. Minty in einer gemeinsam von SADOCC und südafrikanischer Botschaft organisierten Veranstaltung Stellung zur südafrikanischen Haltung in Sachen nuklearer Abrüstung  – inklusive der Irankrise – nehmen. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien, 1010  Dr. Karl Lueger-Ring 1

 

 

Helvers Nacht

 

Das Stück "Helvers Nacht" des jungen polnischen Autors Ingmar Villqist zeigt in packender psychologischer Verdichtung, die bewusst an Ingmar Bergman erinnert, die letzten Stunden des geistig behinderten Helver (verblüffend echt Manfred Stadlmann).

 

Gerade noch ließen ihn seine fragwürdigen Freunde bei der Zerstörung eines jüdischen Geschäftes mitmachen, doch plötzlich gehört auch er, der „Idiot“, zum Freiwild der fanatisierten Menge. Die Küche, in der Helver mit seiner Ziehmutter Karla lebt, hört auf Asyl zu sein. Stiefelabsätze donnern im Gleichschritt über das Pflaster, das Klirren berstender Scheiben erfüllt die Luft. Die Gesellschaft soll von unnützen Essern erlöst werden. Karla muss handeln...

 

„Erinnern für die Zukunft“ Mit dem Einmarsch der NS-Truppen in Österreich im März 1938 begann der Terror gegen alle Menschen, die von der Norm des gesunden Ariers abwichen. - „Erinnern für die Zukunft“ bedeutet folglich, Festschreibungen von „normal“ und „gesund“, „vollwertig“ oder gar „lebens(un)wert“ abzulehnen und Menschen mit „anderen“ oder „besonderen“ Bedürfnissen in ihrer Eigenart zu akzeptieren und zu fördern.

 

„Andreas Kosek inszenierte hier – in einem schlichten und überaus effektiven Bühnenbild - eine sehr tiefgründige Geschichte, die von Beginn an bis zum Schluss spannend bleibt.“

 

Das Stück wird im Rahmen der Langen Nacht der Kirche am 30.5. um 19.30 Uhr in der Evangelischen Kirche H.B., 1150  Schweglerstraße 39 gezeigt.

 

 

www.findfightfollow.at

30.5. in der Langen Nacht der Kirchen um 22.00 Uhr NIghtprayer, Jugendkirche, Wiedner Hauptstraße 97

16.11., 18.30 Uhr, Hainburg, mit Kardinal Schönborn

 

 

30. Mai www.langenachtderkirchen.at

Es gibt in vielen Kirchen in Österreich interessante Programme. Leider haben wir in unserer Zeitschrift zu wenig Platz. Daher bitte auf die Homepage schauen!!!

 

 

 

 

Unsere Bitte:

Unsere Kosten sind enorm gestiegen!!!

BITTE UM SPENDEN

an Konto 040-32-675, Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,

 Christen f. d. Friedensbewegung

Die Kosten stiegen und steigen und ….

Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!

 

E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at

Friedensbüro: pax.vienna@chello.at

 

http://www.friedenschristen.at.tf/    http://www.friedenschristinnen.at.tf/

 

IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, Eigendruck. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adressverwaltung: Manfred Sauer.

Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.

 

 

 

 

 

 



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