INFORMATIONSBLATT
der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung - Nr. 2/2008
Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,
das nächste Treffen findet am
Sonntag, dem 13. April 2008 um 14.00 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)
statt. Inhaltlicher Schwerpunkt (ab 16.00 Uhr) ist die Diskussion über „Islam und Frieden / Gewalt“ mit Herrn Alexander Osman (Gründungsmitglied der Muslimischen Jugend Österreichs, angefragt)
Lange Nacht der Kirchen am Freitag, 30. Mai 2008
in der Zwinglikirche, Evangelische Pfarrgemeinde H.B. 1150 Schweglerstraße 39:
18.30 Uhr Kaplan Franz Sieder liest aus seinem neuen Buch „Gegen den Strom“
Weiteres Programm in der Zwinglikirche:
19.30 Uhr Theaterstück: Helvers Nacht, von Ingmar Villquist
23.00 Uhr Fein sein beinander bleiben – Chor und Instrumentalmusik
Infos über alle Veranstaltungen der Langen Nacht der Kirche: http://www.langenachtderkirchen.at
Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld
Bekenntnis des Glaubens
im Angesicht von wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung
Predigt zur Amtseinführung des Landessuperintendenten und der Mitglieder des Oberkirchenrates H.B. in Österreich
Heute stehe ich vor Ihnen als Repräsentant meiner Kirche, einer kleinen Kirche in Österreich, eine Minderheit in der Minderheit, einer großen Kirche von ca. 70 Millionen Menschen weltweit, einer wachsenden Kirche in Asien und Afrika.
Als Reformierte leben wir nicht für uns allein, und das ist der Grund für die ungewöhnliche Gottesdienstordnung. Dieser Gottesdienst soll auch zum Ausdruck bringen, dass wir als Kirchen, als Ökumene in Gemeinschaft leben. Wir sind verbunden in geschwisterlicher Gemeinschaft mit der lutherischen Kirche und mit der methodistischen Kirche, Wir sind ein Teil der Evangelischen Kirchen in Europa und ein Teil der lokalen und weltweiten Ökumene. Reformiert sein heißt für uns auch ökumenisch zu leben, ökumenisch zu arbeiten und ökumenisch zu feiern.
Reformiert sein – schön und gut. Aber was bedeutet mir diese reformierte Kirche und das reformierten Bekenntnis? Ist das bloß eine Tradition, die wir fortführen aus Nostalgie, oder weil wir glauben, dass wir das unseren reformierten Vorfahren schuldig sind, die um ihres Glaubens willen verfolgt, vertrieben und ermordet wurden?
Und glauben wir, den Geist der Reformatoren Zwinglis und Calvins, die unsere reformierte Tradition besonders geprägt haben, als leuchtende Fackeln vor uns hertragen zu müssen?
Im Bekenntnis steckt auf alle Fälle das Wort „bekennen“ drinnen, und das gehört wohl zum Kern unseres Glaubens.
In den Medien taucht der Begriff eher im Zusammenhang mit Bekennerschreiben von Terrororganisationen oder Befreiungsbewegungen auf. Aber das Charakteristische bei solchen Bekennern ist, dass sie unerkannt bleiben wollen, sie haben keinen Namen und kein Gesicht.
Ein Mensch, der sich bekennt, tritt heraus: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, soll Martin Luther vor dem Reichstag in Worms gesagt haben, als er aufgefordert wurde, seine Lehre zu widerrufen. Oder ich denke an die zahllosen hugenottischen Märtyrer, Sturschädeln waren das, die auch um den Preis ihres Lebens ihrem Glauben nicht abgeschworen haben und – so wird es überliefert – mancherorts Psalmen singend zur Hinrichtungsstädte gegangen sind.
Als gläubige Menschen sind wir auch Bekennende, die sich eben zu ihrem Gott bekennen, als Reformierte, als Protestanten, als Christen, als Menschen, die an einen Gott oder ein höheres Wesen glauben. Aber was bedeutet das?
Nicht nur in der Welt und in unserer Gesellschaft ist wenig von Bekennern im positiven Sinn die Rede, auch in der Bibel begegnen wir selten Bekennern.
Das Bekennen in der Bibel steht meist in ganz anderem Zusammenhang, nämlich mit Sünde. Wir bekennen unsere Sünden, und oft heißt das, sich winzig klein zu machen, sich schuldbewusst auf die Brust zu klopfen, aber dazu gehört sich nicht mutig zu dem zu bekennen, was uns in Schwierigkeiten bringen könnte.
Die christliche Geschichte wiederum ist voll von Bekennern, von den ersten Märtyrern bis zu den Widerstandskämpfern im letzten Jahrhundert.
Eine der wenigen Bekenner-Geschichten in der Bibel finden wir im Buch Daniel. So eine Geschichte habe ich als Predigttext ausgewählt.
Hören wir ausgewählte Verse aus dem 3. Kapitel:
Nebukadnezzar, der König, machte ein Standbild aus Gold, sechzig Ellen war seine Höhe, sechs Ellen seine Breite. In der Ebene von Dura in der Provinz Babel stellte er es auf. Und Nebukadnezzar sandte aus, um die Satrapen, die Vorsteher, die Stadthalter, die Ratgeber, die Schatzmeister, die Richter und die Gerichtsbeamten, alle Machthaber der Provinzen zu versammeln, damit sie zur Einweihung des Standbildes kämen, das Nebukadnezzar, der König, aufgestellt hatte…Und laut rief der Herold: Euch, Völker, Nationen und Sprachen, wird gesagt: Sobald ihr den Klang des Horns, der Pfeife, einer Zither, der Harfe, von Hackbrettern, einer Doppelflöte oder irgendeiner Art von Musik hört, sollt ihr niederfallen und dem goldenen Standbild huldigen, das Nebukadnezzar, der König, aufgestellt hat. Und wer nicht niederfällt und huldigt wird umgehend in den lodernden Feuerofen geworfen. ….
Und es kamen chaldäische Männer und verklagten die Judäer. Dabei sagten sie zu Nebukadnezzar, dem König: Ewig lebe der König!...Es gibt judäische Männer, die du eingesetzt hast über die Verwaltung der Provinz Babel: Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Diese Männer scheren sich nicht um dich, König! Deinen Göttern dienen sie nicht, und dem goldenen Standbild, das du aufgestellt hast, huldigen sie nicht. Da befahl Nebukadnezzar voller Zorn und Wut, Schadrach, Meschach und Abed-Nego herzubringen.
Und der König sprach zu den drei Männern: Ist es wahr, dass ihr meinen Göttern nicht dient und dem goldenen Standbild, das ich aufgestellt habe, nicht huldigt? …wenn ihr nicht huldigt, werdet ihr in den lodernden Feuerofen geworfen. Und wer sollte der Gott sein, der euch aus meinen Händen retten könnte? Daraufhin sprachen Schadrach, Meschach und Abed-Nego zum König: Nebukadnezzar, darauf müssen wir dir keine Antwort geben. Wenn der Gott, dem wir dienen, uns retten kann, wird er uns aus dem lodernden Feuerofen und aus deiner Hand, König, retten. Und wenn nicht – es sollte dir bekannt sein, König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und dem goldenen Standbild, das du aufgestellt hast, nicht huldigen werden.
Wenn man diese Geschichte so hört, dann wirkt sie eher wie eine Kontrastgeschichte zu unserer Zeit und unserem Land.
Hier haben sich versammelt Repräsentanten verschiedener Kirchen, Religionsgemeinschaften, Würdenträger und Beamte und vor allem die Gemeinden. Aber es gibt nichts, was man hier anbeten könnte, keine Statue, kein Bild, nicht einmal ein Kreuz, das uns an sich theologisch sehr wichtig ist. Nichts und niemand vor dem wir niederfallen könnten, man kann höchstens stolpern, aber auch das ist nach der Renovierung der Kirche schwerer geworden.
Und die Vergötterung von Menschen findet sich höchstens in einigen Diktaturen, in der haushohe Transparente und Plakate auf Gebäude affichiert werden.
Wir leben doch in einer ganz anderen Welt. Wir dürfen dankbar sein für unsere staatliche Ordnung, für Gesetze, die uns vor dem Faustrecht des Stärkeren schützen.
Und das drastische Bild vom Feuerofen, das weckt wohl furchtbare Erinnerungen aus der jüngsten Geschichte, wirkt aber heute wie ein Albtraum aus längst vergangenen Zeiten.
Haben uns diese Gestalten aus einer fernen Zeit und fremden Welt noch etwas zu sagen? Unsere Gesellschaft ist doch offen, demokratisch und tolerant.
Es geht um das Bekenntnis, und da bekommt die Geschichte auch für uns eine Brisanz. Die drei judäischen Männer, mächtige Leute im babylonischen Reich mit entsprechender Verantwortung, verweigern den Kniefall vor dem Götzenbild. Es bringt sie nicht einmal in Gewissensnöte, wie Menschen, die sich dem Staat verpflichtet fühlen, aber eben auch ein Gewissen haben. Für sie ist die Sache glasklar. Da gibt es nichts zu deuten und nichts zu diskutieren. Da finden sich keine diplomatische Floskeln oder Ausreden, um das eigene Leben zu bewahren. Da findet sich konsequentes Handeln, bis zum vermeintlichen bitteren Ende.
Der König baute oder wahrscheinlich vielmehr ließ bauen eine riesige Statue, ungefähr 30 Meter hoch. Das ist nicht einfach ein Kunstwerk oder eine Verschandelung der Landschaft, das ist ein Symbol der Macht, einer Herrschaft, die nichts kennt, außer dieser Macht, der keine Grenzen gesetzt sind. Unwillkürlich denkt man an den Turmbau zu Babel, an menschlichen Größenwahn und an die Besessenheit, alle auf dieselbe Linie zu bekommen. Ein lebendiger Gott, der unberechenbar in seiner Liebe und in seiner Gerechtigkeit ist, hat da keinen Platz. Gottesfurcht und Gottesliebe werden ausgesperrt. Es geht um Totalität. Schließlich sind es nicht irgendwelche Leute, die sich vor diesem Götzenbild hinwerfen, es sind mächtige Leute, Verantwortungsträger im Reich, die aber letztlich alle dem König untergeordnet sind. Widerspruch ist gefährlich, Verweigerung kann tödlich sein. Darüber lächeln wir vielleicht.
Aber sind wir wirklich so autonom, so ungefährdet, uns Götzen zu machen?
Wofür leben wir? Was steht im Mittelpunkt? Sind wir Getriebene, lassen wir uns treiben oder glauben wir, unser Leben ganz in der Hand zu haben?
Wir leben in einer Welt, in der es nicht nur Gesetze gibt, die das Zusammenleben regeln und für alle Beteiligten angenehmer gestalten, wir leben auch in einer Welt in der Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Politik allen Ernstes behaupten, zu dieser Art des Wettbewerbs gäbe es keine Alternative, schlimmer noch, dieses System wird selbst theologisch überhöht und erhebt den Anspruch, nicht nur die Wirtschaft zu lenken, in dem man vorgibt, alles dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, sondern es wird gefordert, dass diese Art der Gesetzlosigkeit, die sich als neue Ordnung ausgibt, für alle Bereiche des Lebens Geltung haben muss. und so beten die einen den Götzen Mammon an, und die anderen reden von Sachzwängen und unterwerfen sich schließlich einem System, dass für die überwiegende Mehrheit der Menschen verheerende Folgen hat.
Sind wir nicht selbst Gefangene des Alltags, die getrieben werden von persönlichen und finanziellen Erfordernissen und Kraft benötigen zu bestehen in einer vorwiegend materialistischen Welt? Haben wir nicht genug damit zu tun, die eigene Not wahrzunehmen und keine Zeit, zu schauen, was links und rechts von uns geschieht?
Bei der Generalversammlung in Accra ist es nicht darum gegangen, sich irgendwelche Ideologien auszudenken oder Phrasen zu dreschen. Wir haben einfach die Schreie der Menschen gehört, die uns vor allem in Europa und Nordamerika aufgefordert haben, etwas zu tun. Persönliches Leid und ungerechte Strukturen hängen eng miteinander zusammen. Das ist bei weitem nicht nur eine politische Frage.
Es ist eine Bekenntnisfrage. Und so hat der RWB eine Bündniserklärung zur wirtschaftlichen und ökologischen Gerechtigkeit verabschiedet, die sich unsere Kirche zu Eigen gemacht hat.
Und darin heißt:
Bekenntnis des Glaubens im Angesicht von wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung
Aus unserer reformierten Tradition heraus und auf Grund unserer Erkenntnis der Zeichen der Zeit erklärt die Generalversammlung des Reformierten Weltbundes, dass die globale wirtschaftliche Gerechtigkeit für die Integrität unseres Glaubens an Gott und unsere Nachfolgegemeinschaft als Christinnen und Christen wesentlich ist. Wir glauben, dass die Integrität unseres Glaubens auf dem Spiel steht, wenn wir weiterhin angesichts des gegenwärtigen Systems der neoliberalen ökonomischen Globalisierung schweigen und untätig bleiben
Die drei judäischen Männer wanken nicht. Sie verweigern, sie zeigen Zivilcourage, die in den letzten Tagen auch in unserem Land ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben hat.
Die drei Männer sagen es klipp und klar: Sie beten nur den Einen an, den einen Ewigen, der Anfang und Ende ist.
Bemerkenswert ihre Antwort auf die Frage des Königs, der den Männern noch eine Chance geben will: Nebukadnezzar, darauf müssen wir dir keine Antwort geben. Wenn der Gott, dem wir dienen, uns retten kann, wird er uns aus dem lodernden Feuerofen und aus deiner Hand, König, retten. Und wenn nicht – es sollte dir bekannt sein, König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und dem goldenen Standbild, das du aufgestellt hast, nicht huldigen werden.
Der heidnische König ist für die drei Judäer kein Gesprächspartner. Allein für diese Ungeheuerlichkeit hätten sie in die Flammen geworfen werden können. Aber dann antworten sie doch. Und diese Antwort ist ein klares Bekenntnis: Gott wird bei ihnen sein. Aber dieser Glaube ist nicht kommerzieller Natur, ist nicht an Bedingungen geknüpft nach dem Motto: Du hilfst mir aus der Patsche, und ich glaube dafür noch stärker an dich, lege Gelübde ab, verspreche Gehorsam. Es gibt die verschiedenen Formen von Religion, und das Thema ist in aller Munde. Und in gewisser Weise religiös waren auch die alten Babylonier.
Aber es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen allgemeiner Religiosität und einem bekennenden Christentum.
Der reformierte Theologe Karl Barth hat gegen Religion gewettert, er ist aufgetreten gegen das, was heute Renaissance feiert: Ein Wohlfühlchristentum oder eines, das den Menschen zu größerer Vervollkommnung bringen wollte. Kein Zufall, dass sich Barth immer wieder auf den ungefähr 70 Jahre früher geborenen dänischen Philosophen Sören Kierkegaard bezogen hat, der gegen ein sattes bürgerliches Christentum polemisierte, ein Christentum, dass sich selbst genügt und der Welt nichts mehr zu sagen hat.
Barth hat Christus gelehrt und einen Gott, dem allein die Ehre gebührt. Aber mit seiner dialektischen Theologie hat er deutlich gemacht, dass es eben kein Widerspruch ist, Gott als den ganz Anderen zu begreifen und in unserem Nächsten Christus zu erkennen. Und eine Konsequenz war, dass er nicht bereit war das nationalsozialistische Regime ohne weiteres hinzunehmen. Er war Mitbegründer der Bekennenden Kirche, er hat die Barmer Erklärung mitverfasst, die zu einer Bekenntnisschrift unserer Kirche geworden ist. Damals war es mehr als gefährlich, sich wirklich zu bekennen, denn das hieß, sich gegen ein unmenschliches System zu stellen und dagegen aufzutreten.
Von dieser Kanzel hat ein ungarischer Doktoratsstudent kritische Predigten gehalten und wurde dafür 1944 verhaftet und starb in der Folge im KZ Gusen.
Wir leben in einer ganz anderen Zeit, haben kaum etwas zu befürchten im Vergleich zu damals oder zu Diktaturen heute. Sollten wir da schweigen zu Unrecht und Unmenschlichkeit?
Gerade weil wir in einer freien Gesellschaft leben, haben wir als Kirche auch eine besondere Verantwortung, unsere Stimme zu erheben.
Heute will uns niemand unseren Glauben nehmen, aber gerade dadurch laufen wir Gefahr, ihn zu verlieren in der Beliebigkeit und Gleichgültigkeit, in der alles möglich sein soll, aber nichts verbindlich ist. Dabei haben wir es nicht notwendig, uns gegen andere Religionen zu stemmen. Im Gegenteil, wir sollten versuchen, ins Gespräch zu kommen, mit anderen Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen. Wir sollten uns herausfordern lassen auch vom Atheismus, von Menschen, die an kein transzendentes Wesen glauben. Wir haben dann die Gelegenheit, über unseren Glauben und unser Bekenntnis neu nachzudenken, eine allgemein verständliche Sprache zu finden, vielleicht eine neue theologische Sprache zu kreieren, die nicht dem Zeitgeist verfällt, aber die Menschen unserer Zeit ansprechen kann.
Gerade als Menschen, deren Vorfahren unter Verfolgung und Vertreibung gelitten haben, wissen wir es zu schätzen unsere Stellung im Staat und gegenüber dem Staat, staatlichen Behörden und Organen. Aber das ist auch eine Versuchung, sich zu arrangieren. Vor lauter Bequemlichkeit dürfen wir unsere prophetische Rolle nicht vergessen. Je besser gestellt, um so eher überlegt man sich, sich einzumischen, Aufsehen zu erregen, sich angreifbar zu machen. Höchstens wird ganz allgemein auf Unrecht aufmerksam gemacht, um sein Gewissen zu beruhigen.
Aber wenn wir unser Bekennen ernst nehmen, dann können wir rasch an Grenzen stoßen. Die letzten Tage haben das deutlich vor Augen geführt.
Es gibt Situationen, in denen wir abwägen müssen, was wichtiger ist, Gott gehorchen oder dem Menschen, das Gesetz zu achten oder dem Gewissen zu folgen.
Ich erinnere mich an eine Erkundigungsreise der Caritas Oberösterreich in die Schweiz Ende der 80-er Jahre. Es war die Zeit, in der illegal im Lande lebende Menschen aufgespürt und ausgewiesen wurden. Wir haben Organisationen und Einzelpersonen, Pfarrer, Künstler, Kooperativen, besucht, die diese Leute versteckten und manche damit vor Gefängnis und Hinrichtung in den Heimatländern bewahrten. Auch damals standen Geld- und Haftstrafen auf solche Aktionen. Es gab ein starkes Zeichen von Menschen mit Zivilcourage, Menschen, die sich bekennen, die ihren Glauben ernst nehmen und diesem auch Taten folgen lassen.
Ich wünsche mir, dass meine Kirche bekennt, mutig und mit Zivilcourage, nicht gleichgültig gegenüber dem Elend der Welt ist, sondern etwas tut, damit es nicht so bleibt, wie es ist. Das haben uns die Reformatoren vorgelebt. Gott die Ehre geben heißt in dieser Welt zu handeln und nicht nur den einzelnen als Kind Gottes sehen, sondern auch die ungerechten Strukturen in dieser Welt. So hat Calvin den Menschen in Genf nicht Almosen gegeben, sondern hat alles daran gesetzt, die Armut und das Elend aus der Stadt zu verbannen, nicht die Menschen.
Eine biblische Kontrastgeschichte zur Versammlung der Mächtigen vor der Statue Nebukadnezzars ist die Völkerwallfahrt, wo die Vision geschildert wird, wie alle Völker zum Berg des Herrn wandern. Von dort, so heißt es, werde Gerechtigkeit und Frieden ausgehen. Und Schwerter würden zu Pflugscharen umgeschmiedet. Diese Vision vor Augen sind wir als Bekennende unterwegs, als Reformierte, als Protestanten, als Christen, als Gläubige, als Kinder dieser Erde. Es sind die großen Herausforderungen, die wir gemeinsam annehmen sollten, wenn wir überhaupt eine Zukunft haben wollen. Die drei judäischen Männer sollten uns stets vor Augen halten, zu der Welt, in der wir leben und in der viele Menschen nicht in Würde leben dürfen, zu dieser Welt gibt es eine Alternative, zu unserem Gefängnis ein Fenster, das in die Freiheit führt, zu einem Leben, das für wenige fast alles bietet, ein Leben, in dem alle Leben in Fülle haben.
Kaplan Franz Sieder
Armut
Predigt beim Amnesty-Gottesdienst am 15. Dezember 2007 in Ulmerfeld
(eine Predigt im Advent, die auch in der Osterzeit aktuell ist)
Ich habe vor einigen Jahren in Amstetten eine Predigt zum Thema „Armut“ auf dem Hintergrund des Evangeliums vom reichen Prasser und vom armen Lazarus gehalten. Ich habe da die Frage aufgeworfen: Wer sind die Lazarusse und wer sind die Prasser heute? Ich habe die Frage noch konkreter gestellt: Wer sind die Lazarusse und wer sind die Prasser in Amstetten? Bei den Lazarussen habe ich genannt die SandlerInnen, die AusländerInnen, die verschuldeten Menschen, die aus ihren Schulden nicht mehr herauskommen. Oft gehören zu diesen Lazarussen auch die geschiedenen Frauen, die alleinerziehenden Mütter und auch Menschen in sogenannten prekären Arbeitsverhältnissen. Bei den Prassern habe ich genannt die Großindustriellen, die Primarärzte (-ärztinnen), die Rechtsanwälte (-innen) und alle, die ein Gehalt von über 10.000 Euro im Monat haben. Ich habe damals auch gesagt, dass ich nicht die Reichen an den Pranger stellen möchte, sondern dass ich in erster Linie jenes System angreife, das es ermöglicht, dass manche Menschen in unvorstellbaren Reichtum leben. Die Prasser von Amstetten sind nur kleine Fische im Vergleich zu den wirklich Superreichen. Eine Sekretärin, die bei Magna in Graz beschäftigt ist, sagt mir, dass der Generaldirektor dieses Stronach-Imperiums Siegi Wolf ein Jahresgehalt von 16 Millionen Euro hat und in dieser Woche war in der Zeitung zu lesen, dass der Vorstandsvorsitzende der Firma Porsche ein Jahresgehalt von 55 Millionen Euro hat. Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer. Wir können nicht über Armut sprechen, ohne zugleich über den Reichtum zu reden. Von Bert Brecht stammt der Satz: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah'n sich an. Und der Arme sagte bleich: ‚Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.’“
Eine Journalistin vom ORF ist vor einigen Jahren zu mir gekommen und sie hat mich gebeten, im Raum Amstetten Arme aufzustöbern, die bereit sind, sich über ihre Armut interviewen zu lassen. Das war sehr schwierig – nicht weil es keine Armen gibt, sondern weil sie sich ihrer Armut schämen und weil sie nicht darüber sprechen möchten. Die Armut in Afrika oder in Lateinamerika hat aber ein noch ganz anderes Gesicht als die Armut bei uns in Österreich. Armut in Afrika heißt, dass hunderttausende Kinder unterernährt sind und den Hungertod sterben. Millionen von Menschen haben in vielen Ländern kein menschenwürdiges Leben. Das Gesicht der Armut Afrikas zeigt sich auch in den vielen tausenden Flüchtlingen, die täglich oft in ganz primitiven Booten auf dem Meer nach Spanien kommen, und bei uns in Europa um Herberge bitten. Wir nennen sie oft „Wirtschaftsflüchtlinge“ – in Wirklichkeit sind es junge Menschen, die zu Hause keine Arbeit finden und in bitterster Armut leben. Es sind Menschen, deren Leben zu Hause keine Zukunft hat. Ich weiß, dass ich hier ein sehr heikles Thema anspreche, weil auch unter den sogenannten praktizierenden Christinnen und Christen oft eine latente oder auch offene AusländerInnenfeindlichkeit sichtbar wird. Oft hört man den Ausspruch: „Das Boot ist voll. Wir können nicht noch mehr aufnehmen.“ Manche politische Parteien punkten beim Volk gerade mit ihrer ausländerInnenfeindlichen Haltung. Sicher können wir nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, die bei uns um Herberge anklopfen – aber die Frage, ob das Boot voll ist, dürfen wir erst dann stellen, wenn wir persönliche Opfer für die Flüchtlinge gebracht haben. Ich getraue mir zu behaupten, dass wir diese persönlichen Opfer noch nicht gebracht haben. Außer jenen, die durch Krieg bedroht und verfolgt werden, nehmen wir momentan nur jene auf, die sogenannte Fachkräfte sind, die der Wirtschaft etwas bringen. Ich möchte hier auch sagen, dass alle jene Christinnen und Christen, die eine ausländerInnenfeindliche Gesinnung haben, sich am Brauch des Herbergsuchens im Advent nicht beteiligen sollen. Das Herbersuchen wäre für sie nur eine Verlogenheit.
Amnesty International ist eine Menschenrechtsorganisation und beschäftigt sich momentan schwerpunktmäßig mit der weltweiten Armut. Armut hat sehr viel mit den Menschenrechten zu tun, weil jeder Mensch dieser Erde ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat. Wenn ich nichts zu essen habe, keine anständige Wohnung, kein gesundes Wasser und keine Gesundheitsversorgung habe, dann werden die Menschenrechte gröblich verletzt. Die Lösung ist dabei auch nicht, dass wir eine „Licht-ins-Dunkel“-Sendung machen und dabei noch angeben, wie gut und spendenfreudig wir sind, weil einige Brosamen vom Tisch der Reichen für den armen Lazarus abfallen. Es geht nicht um Almosen oder Caritas, sondern es geht um Gerechtigkeit. Jeder Mensch hat das Recht auf der Erde das vorzufinden, was er zu einem anständigen Leben braucht. Dass Milliarden von Menschen nicht das Nötige finden, das dürfen wir nicht Gott in die Schuhe schieben, dafür sind die Unrechtsstrukturen unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems schuld. Diese Strukturen lassen es zu, dass Inseln von unermesslichem Reichtum entstehen und dass zugleich Milliarden von Menschen darben und nur dahinvegetieren können. Der heilige Ambrosius, einer der großen Kirchenväter aus dem 4. Jahrhundert sagte schon damals: „Es ist nicht dein Gut, mit dem du dich gegen die Armen großzügig erweist. Du gibst ihnen nur zurück, was ihnen gehört. Du hast dir nur herausgenommen, was zur gemeinsamen Nutzung gegeben ist. Die Erde ist für alle da, nicht nur für die Reichen.“ Eigentlich müsste eine Zeit kommen, wo die Reichen nicht mehr angeben mit ihrem Reichtum, sondern wo sie sich schämen müssten, dass sie reich sind.
Die Christliche Soziallehre sagt zum Eigentum folgendes: Die Erdengüter sind für alle Menschen da und jeder Mensch hat das Recht auf der Erde das vorzufinden, was er oder sie braucht. Papst Paul VI. sagt: „Jeder Mensch hat das Recht an der Güternutzung beteiligt zu werden“ und der Papst sagt, dass das Gemeinwohl immer Vorrang hat vor dem Privateigentum. Als ArbeiterInnenseelsorger muss ich auch sagen, dass das Privateigentum die Arbeiterschaft versklavt hat. Die Freiheit eines Volkes hängt nicht davon ab, dass man seiner Oberschicht eine grenzenlose Willkür gibt. Das wirtschaftliche Zauberwort heißt heute Markt. Der Markt ist auch noch nicht schlecht, wo ein Angebot mit einem entsprechenden Preis da ist. Wer aber in diesen Markt nichts einzubringen hat, wie Millionen aus der Dritten Welt, der verhungert auf diesem Markt. Der Markt ist ein Mechanismus, der Lebenschancen verteilt. Am Ende wird auf diesem Markt über Leben und Tod entschieden. Jesus ist hundertprozentig auf der Seite der Armen gestanden. Er hat die Armut nicht glorifiziert, sondern er möchte die Menschen von der Armut befreien. Jesus hat nicht so sehr gegeißelt wie die Habsucht und den Reichtum. Er hat sogar gesagt: „Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon – das ist unmöglich.“ Wenn wir im Advent von Umkehr sprechen und wenn der Adventruf heißt „vom Schlafe aufzustehen und die Straße zu ebnen“, dann können wir der Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit nicht ausweichen. Wir müssen uns dann selbst die Frage stellen: Wie stehe ich zu Armut und Reichtum? Bin ich bereit, den Armen zumindest in meinem Herzen eine Herberge zu geben?
Ich möchte schließen mit einem Gebet, das der Befreiungstheologe Erzbischof Helder Camara verfasst hat und das er betitelt hat als „Gebet für die Reichen“:
„Herr, hilf allen, die sich bereichert haben – und sei es auch durch harte Arbeit: Überzeuge sie, dass die beste Erbschaft für ihre Kinder das lebendige Beispiel der Gerechtigkeit ist, des offenen Herzens und der offenen Hände, der Freiheit vom Geld, das zum Dienen gebraucht wird und nicht zum Götzen erhoben wird.
Ein Scheckbuch lässt sich in den Tod nicht mitnehmen. Angesichts der Ewigkeit gilt eine einzige Währung: getane, gelebte Liebe.“
Jean Ziegler:
Es liegt am Liberalismus,
an der herrschenden Weltordnung.
Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO sagt, dass zwölf Milliarden Menschen ernährt werden könnten. Warum geschieht das nicht? Die dominierenden Instanzen wie Weltbank, Welthandelsorganisation und der Internationale Währungsfonds praktizieren den Konsensus von Washington. Sie sagen, wenn alle Kapital-, Güter- und Dienstleistungsströme total frei sind, wenn alle öffentlichen Sektoren privatisiert sind, dann geht das Kapital dorthin, wo es den maximalen Profit erzielt. Das Ergebnis ist, dass heute die 500 größten Konzerne 52 Prozent des Weltbruttosozialprodukts kontrollieren. Das bedeutet einerseits eine Refeudalisierung der Welt, eine Monopolisierung unglaublicher Reichtümer, anderseits eine ungeheure Verelendung in der südlichen Hemisphäre.
Sie klagen die WTO, Weltbank und IWF an...
... das sind die Söldner der Oligarchie des internationalen Finanzkapitals.
Halten Sie diese Organisationen für reformierbar?
Nein, die sind überhaupt nicht zu reformieren.
Was müsste an deren Stelle treten?
Eine Welthandelsregelung, die der Ungleichheit Rechnung trägt. Totale Liberalisierung, das hieße doch, den Boxweltmeister Mike Tyson gegen einen unterernährten bengalischen Arbeitslosen antreten zu lassen. Und dann wie die WTO zu sagen, es gelten doch für beide die selben Regeln und beide haben die selben Boxhandschuhe, der Bessere wird schon gewinnen. Da sieht man, dass das gar nicht gehen kann, nach 400 Jahren Kolonisation und Ausbeutung durch den Norden. Der Neoliberalismus an sich ist ein mörderisches System. (Frankfurter Rundschau, 12.3.2008)
Adalbert Krims
Franz Sieder 70
Wir haben in "KC" in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Reden und Predigten von Kaplan Franz Sieder, katholischer Betriebsseelsorger in Amstetten und Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung", veröffentlicht. Schon das ist ein Grund, dass wir hier auch seinen 70. Geburtstag "feiern" wollen. Zusätzlich ist es für mich aber auch noch ein persönliches Anliegen, kenne ich Franz doch schon rund 40 Jahre.
Franz Sieder wurde am 13. Jänner 1938 in Obergrafendorf (Niederösterreich) in einer Arbeiterfamilie geboren, besuchte das Gymnasium in Melk (als Internatsschüler des bischöflichen Knabenseminars), trat dann in das Priesterseminar in St. Pölten ein und wurde 1962 zum Priester geweiht. Schon als Seminarist hatte er intensiven Kontakt zur Katholischen Arbeiterjugend (KAJ). Bei einem dreiwöchigen KAJ-Seminar in Belgien begegnete Sieder persönlich dem Gründer Internationalen Christlichen Arbeiterjugend, dem späteren Kardinal Joseph Cardijn, auf den auch die "KAJ-Methode" (sehen - urteilen - handeln) zurückgeht. Diese Begegnung hinterließ bei ihm einen nachhaltigen Eindruck.
1965 wurde Franz Sieder von Bischof Franz Zak zum hauptamtlichen KAJ-Diözesanseelsorger von St. Pölten ernannt. Einige Jahre war er auch Nationalkaplan der KAJ-Österreichs. Ich lernte Kaplan Sieder in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre kennen, als ich selbst in der Diözese Linz in führenden Funktionen in der Katholischen Jugend tätig war. Damals gehörte er noch nicht zum "linken Flügel" der KAJ, sondern war eher christlich-sozial geprägt. Ich sah ihn damals gewissermaßen als "kirchlichen Verbindungsmann ins Arbeitermilieu", mit dem er sich aber immer stärker identifizierte, womit er auch politisch mehr und mehr nach "links" rückte. Nach meinem Ausscheiden aus der Katholischen Jugend und meiner Übersiedlung nach Wien 1970 verlor ich einige Jahre den persönlichen Kontakt zu Franz Sieder.
Im Jahr 1976 wurde das Betriebsseelsorgezentrum Amstetten für das Ybbs- und Erlauftal gegründet, das von Kaplan Sieder wesentlich mitinitiiert wurde und das er seit Beginn nun schon über 30 Jahre leitet. Er sah und sieht seine Schwerpunkte im regelmäßigen Kontakt mit den Gewerkschaftern der vielen Betriebe in dieser Region und vor allem auch in den verschiedensten Runden, die er aufgebaut hat und leitet. Es sind dies Fabriksarbeiterrunden, Eisenbahnerrunden, Krankenschwesternrunden, KAB-Runden und auch eine Runde mit geschiedenen Frauen. Sieder engagierte sich u. a. auch in der "Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus" (ACUS) und bei "Amnesty International". Durch die ACUS und später durch die Friedensbewegung kam ich wieder in ständigen Kontakt zu Franz Sieder, mit dem ich mich inzwischen politisch und geistig noch enger verbunden fühlte als in den Sechzigerjahren.
Als Anfang der Achtzigerjahre eine neue Friedensbewegung auf breiter Basis entstand, gehörte Franz Sieder zu den Aktivisten der ersten Stunde. Er organisierte Zusammenkünfte, hielt Friedensgottesdienste und sprach bei Demonstrationen. Er war auch von Anfang an dabei, als die ökumenische "Aktionsgemeinschaft Christen für die Friedensbewegung" gegründet wurde - und übernahm nach dem Rücktritt von Pfarrer Hans Fischer auch den Vorsitz, den er bis heute ausübt. Auch bei “Pax Christi” ist Sieder engagiert und ist dort seit einigen Jahren auch Geistlicher Assistent auf Bundesebene.
Daneben war Kaplan Sieder bis Ende der Neunzigerjahre auch noch rund zwei Jahrzehnte lang Auslandsseelsorger für die Österreicherinnen und Österreicher in England (hauptsächlich Au-pair-Mädchen) und verbrachte dort dreimal im Jahr je einen Monat.
Nach der Bildung der schwarz-blauen Regierung im Februar 2000 trat Sieder in Wort und Schrift verstärkt gegen den Sozialabbau und andere unsoziale Maßnahmen dieser Regierung auf (übrigens hatte er auch vorher unsoziale “Reformen” der SPÖ-ÖVP-Koalition kritisiert). Bei der ersten großen Demonstration gegen Schwarz-Blau am 19. Februar 2000 in Wien forderte er den Rücktritt von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (diese Rede ist im ersten Band “Gegen den Strom” abgedruckt). Sein Auftreten bei Demonstrationen bezeichnet er selbst als “wichtige Glaubensverkündigung”, denn: “Wir sollen nicht grundsätzlich von Gerechtigkeit reden, sondern wir sollen die konkreten Ungerechtigkeiten auch benennen und mit unseren Möglichkeiten mithelfen, sie zu beseitigen.”
Sieder gehörte auch zu den Aktivisten des Sozialstaats-Volksbegehrens, das im April 2002 von über 717.000 Wahlberechtigten unterzeichnet wurde. Im Oktober 2006 wurde Kaplan Sieder auf Vorschlag der niederösterreichischen Arbeiterkammer mit einem “Anton-Benya-Preis” des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ausgezeichnet.
Aus Anlass seines 70. Geburtstages ist der zweite Band mit politischen Predigten und Reden von Franz Sieder unter dem Titel "Gegen den Strom" erschienen. Die Herausgeber/innen Alois Reisenbichler und Irmgard Schmidleithner schreiben im Vorwort u. a.: "Franz findet klare Worte - bei Predigten in der Kirche wie bei Reden auf Kundgebungen und Demonstrationen. Seine Analysen helfen, die Ursachen unserer Probleme zu verstehen, er deutet die Situation im Lichte des Evangeliums und macht Vorschläge, was zu ändern ist. Seine Worte sind aber mehr - sie geben Mut auszusprechen, was ist; sie geben die Power, sich für Veränderungen einzusetzen, und sie geben Hoffnung. In seiner Praxis ist Franz Sieder uns ein Vorbild."
Dem kann ich mich für "Kritisches Christentum" und im eigenen Namen nur vollinhaltlich anschließen. In diesem Sinne danken wir Franz Sieder für sein Engagement und erhoffen von ihm auch in Zukunft "Beiträge zu Kirche und Gesellschaft" - auch für unser Heft!
Aus: „Kritisches Christentum“ Nr. 314/315, Jänner/Februar 2008
Probeexemplare: Aktion Kritisches Christentum (AKC), 1040 Wien, Mühlgasse 25, Mail: akc@aon.at,
Gustav Posch
Die Vision vom Gottesreich
Predigt am 9. März 2008 – Sonntag Judica
Wir hören ein Wort der Heiligen Schrift, das der heutigen Predigt zu Grunde liegt, wie es geschrieben steht im Brief an die Hebräer im 13. Kapitel
Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.
In dem Herrn geliebte Gemeinde, meine lieben Schwestern und Brüder!
"Ich habe einen Traum..."
So begann vor 45 Jahren der farbige Pastor und Bürgerrechtskämpfer Martin Luther King seine berühmte Rede in Washington.
"Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.
Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandelt."
So lange diese Rede nun schon zurückliegt, so wenig uns selbst die Rassenproblematik vielleicht betrifft - diese Worte treffen, berühren:
Ich habe einen Traum...
Glücklich, wer einen Traum hat.
Eine Hoffnung, eine Vision, ein Ziel!
Glücklich, wer sagen kann "Ich habe einen Traum", und dabei nicht nur an sein eigenes Glück, an seinen eigenen Erfolg denkt!
Welche Träume haben wir?
Können wir überhaupt von uns sagen: "Ich habe einen Traum"?
Oder hangeln wir uns atemlos von einem Tag zum andern, von einem Urlaub zum andern, von einem Jahr zum andern? Beschäftigt mit Planen und Kalkulieren, ängstlich bedacht, nicht unter die Räder unserer Leistungsgesellschaft zu geraten...?
Der Traum Martin Luther Kings bestand aber nicht ausschließlich darin, dass Schwarze die gleichen Rechte wie alle anderen Bürger genießen können, er trat für alle Menschen ein, die zu schwach waren, um sich wehren zu können, deren Stimme nicht gehört wurde, weil sie am Rand der Gesellschaft angesiedelt sind.
Was Martin Luther King so erfolgreich werden ließ, war seine kompromisslose Anwendung der Gewaltlosigkeit. Am Beginn seiner Laufbahn als Führer der Bürgerrechtsbewegung wurden vor allem Gerichtsurteile erwirkt, die die herrschenden Zustände als illegal erklärten. Dann wurde in gewaltloser Weise versucht, diese Rechte in Anspruch zu nehmen. Die lokalen Behörden in den Südstaaten agierten ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz und gingen mit brutaler Härte gegen die friedlichen Demonstranten vor. Jedes Mal gab es Verletzte, oft sogar Todesopfer zu beklagen.
Zum ersten Mal in der Geschichte der USA musste die Regierung Eisenhower reguläre Truppen, an die 10 000 Mann, gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, um schwarzen Kindern den Besuch einer Schule in Little Rock, die bisher Weißen vorbehalten war, zu ermöglichen.
Als dann Martin Luther King daran ging, einen anderen Teil seines Traumes, nämlich den von einer gerechteren Welt, zu realisieren, schuf er sich auch im Norden der USA mächtige Feinde. Legendär ist seine Deutung des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter: es genügt nicht, dem halb tot geschlagenen Opfer von Räubern vom Straßenrand aufzulesen und ihm gesund zu pflegen, das würde nur Stückwerk bleiben. Man muss auch den Räubern das Handwerk legen. Er engagierte sich schon in einem frühen Zeitpunkt gegen den Vietnamkrieg und damit machte er sich auch kirchliche Kreise zum Gegner. Denn bis zum heutigen Tag spukt in manchen Köpfen die Mär vom gerechten Krieg herum, dass auf der einen Seite die Guten, auf der anderen Seite die Bösen zu finden seien und um eine bessere Welt zu schaffen, die Bösen bekämpft, bekriegt und womöglich ausgerottet werden müssen.
Neben dem hohen Blutzoll, den der Vietnamkrieg forderte, gab es noch weitere negative Folgen. Das Rauschgiftproblem war nur eines davon. Die Unsummen, die dieser Krieg verschlang, fehlten dann zu allererst bei den sozialen Belangen. Die Anzahl der Milliardäre stieg, zwangsläufig aber auch die Armut. Es wurde errechnet, dass die Tötung eines Vietcongsoldaten eine halbe Million Dollar verschlang. Die Unterstützung eines Amerikaners unter der Armutsgrenze durchschnittlich ganze 56 Dollar.
Das offizielle Amerika schlug zurück. Der FBI überwachte Martin Luther King, verwanzte seine Hotelzimmer, schnüffelte in seinem Privatleben und ähnliches mehr. Time Magazine schrieb über eine seiner Reden, sie hätte genau so gut von Radio Hanoi gesendet werden können und denunzierte ihn als Kommunisten. Als er allerdings nicht viel später einen Mordanschlag zum Opfer fiel, brachte der selbe Verlag eine umfangreiche Würdigung dieses wahrhaft großen Mannes, weil damit Geld zu machen war.
Die Umstände der Bluttat, der er zum Opfer fiel, sind bis heute nicht restlos geklärt.
Martin Luther King hat sich Zeit seines Lebens vom Streben nach Gerechtigkeit leiten lassen. Und Gerechtigkeit ist auch das Thema des heutigen Sonntags Judica. Neben der Liebe ist die Gerechtigkeit eine zentrale Forderung der Bibel.
Gerade in der heutigen Zeit ist die Durchsetzung von mehr Gerechtigkeit ein Gebot der Stunde. Denn der Tanz um das goldene Kalb hat Formen angenommen, die jeder Beschreibung spotten. Wie die Beispiele in letzter Zeit zeigen, wird Steuerhinterziehung nicht nur von ein paar schwarzen Schafen praktiziert, sondern – und die Vermutung liegt nicht fern – gehört zu den Praktiken der Reichen und Superreichen.
Obwohl von den Nutznießern des Neoliberalismus stets heftig geleugnet, ist die Wurzel allen Übels die herrschende Wirtschaftsordnung. Das Streben nach Profit um jeden Preis, das eine unstillbare Gier nach sich zieht, die anscheinend auch nicht mit noch so hohen Einkünften gestillt werden kann.
Mit der Implosion des menschenverachtenden Systems des Kommunismus ist eine einzige Wirtschaftsmacht, nicht minder menschenverachtend, übrig geblieben. Ihre Prinzipien geißelt schon die Bibel. Es müsste aber möglich sein, eine Wirtschaftsordnung zu schaffen, die die Nachteile der genannten Systeme weitgehend verhindert. Eine Ordnung mit mehr Gerechtigkeit, wo der Mensch zählt und nicht ein bloßer Kostenfaktor ist. Was Christen auch in einer viel schwereren Zeit, als es die heutige ist, ausgezeichnet hat, ist die Hoffnung.
In unserem Predigttext heute ist die Rede davon, dass Christen ihren Blick heben sollen und sich ihrer Hoffnungen bewusst werden.
Im 13. Kapitel des Briefes an die Hebräer schreibt der Verfasser:
Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir.
Die zukünftige Stadt - das ist die Stadt Gottes.
Die zukünftige Stadt - das ist Gottes Reich.
Dieses Reich kommt zu euch. Ihr solltet euch aufmachen, ihm entgegengehen - nach dem Reich Gottes fragen und suchen.
Wenn wir in jedem Gottesdienst beten "Dein Reich komme", so heißt das natürlich: Wir erwarten das Kommen seines Reiches von Gott selbst.
Aber zugleich erinnern wir uns daran: Wir haben hier, in den bestehenden Zuständen der Welt, keine bleibende Stadt. Wir haben eine Vorstellung, ja eine Vision, was kommen soll. Daran können wir uns orientieren. Und dann, ja dann können wir auch darauf zugehen.
Spätestens, wenn wir im Gottesdienst das Vaterunser sprechen, wird uns bewusst: Nicht nur Martin Luther King, auch wir haben die Vision von einer anderen, einer veränderten Welt.
Auch wir können sagen: Ich habe einen Traum.
Im Grunde unseres Herzens wissen wir:
Leben - das ist nicht nur das tägliche Sorgen und Kämpfen, um Nahrung und Kleidung, um Arbeit und Erfolg, um Glück und Anerkennung. Wir gehen der zukünftigen Stadt, dem Gottesreich entgegen. Wir haben eine Hoffnung, die unser Denken und Tun beeinflusst.
Im Matthäusevangelium wird uns das Jesuswort überliefert:
"Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes
und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“
Der Ausblick auf Gottes Reich gibt die Kraft zum Leben.
Gibt den Mut zum Durchhalten.
Gibt die Geduld zum Tragen.
Die Vision vom Gottesreich, in dem der Tod nicht mehr sein wird noch Leid noch Geschrei noch Schmerz, - diese Vision hat Menschen wie Martin Luther King die Kraft gegeben, ihr Leben zu riskieren, den Tod in Kauf zu nehmen.
Unser Predigttext sagt es so: die Schmach Jesu zu tragen.
Im Trachten nach dem Reich Gottes hat Martin Luther King seinen Lebenssinn gefunden. So sagt er am Tag vor seiner Ermordung:
"Ich habe auf dem Berggipfel gestanden. Wie jedermann möchte ich gerne leben, lange leben, mit Langlebigkeit gesegnet sein. Aber darüber mache ich mir jetzt keine Sorgen. Ich will nur Gottes Willen tun. Und er hat mir gewährt, dass ich auf dem Berggipfel stehen durfte. Ich habe hinuntergesehen, und ich habe das Gelobte Land gesehen."
Menschen wie Martin Luther King haben gezeigt, wie stark die Macht der Liebe ist, und wie sie die Welt verändern kann.
Vielleicht kann sie auch etwas in unserer Welt, in unserem Leben verändern.
Vielleicht schaffen wir es, auch in unserem Leben ein wenig mehr Gerechtigkeit und Frieden und Freude herzustellen.
Die Bibel lehrt uns, dass wir schon hier auf Erden beginnen müssen, das Reich Gottes zu bauen. Ein nicht unberechtigter Vorwurf an die Adresse der Kirche hat in der Vergangenheit gelautet, dass sie die Unterdrückten aufgefordert hat, alle Unbilden auf Erden geduldig zu ertragen, weil im Himmel der Lohn auf sie warten würde. Freilich, trotz all unserem Bemühen wird das Reich Gottes auf Erden nie vollendet werden, das darf uns aber nicht daran hindern, daran zu arbeiten.
Wir brauchen keine Angst haben davor, dass wir auch immer wieder scheitern in unserem Bemühen. Auf die kleinen Schritte kommt es an. Und darauf, dass wir nicht aufgeben, uns nicht entmutigen lassen.
Es ist uns mit Christus der Maßstab vorgegeben, an dem wir uns orientieren sollen:
Es war teuer für Christus, uns das wirkliche menschliche Leben wieder zu zeigen und zu bringen. Wir sind ihm unwahrscheinlich lieb und teuer, nicht mit Geld zu bezahlen. Mit seinem Blut hat er uns erkauft, uns wieder auf den richtigen Weg gebracht. Er hat sich für uns ans Kreuz schlagen lassen, draußen vor den Toren Jerusalems. Hat Verachtung und Schmach auf sich genommen.
Dank ihm haben wir Christen die Vision der zukünftigen Stadt.
Dank ihm sind wir auf den Weg gebracht.
Er wird anschaulich an Menschen wie Martin Luther King.
Und deshalb schließe ich mit den letzten Sätzen seiner berühmten Rede, die ich zu Beginn angesprochen habe:
"Ich träume davon, dass eines Tages der Krieg ein Ende nehmen wird, dass die Männer ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen, dass kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und nicht mehr kriegen lernen wird.
Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages das Lamm und der Löwe sich miteinander niederlegen werden und ein jeglicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen wird ohne Scheu.
Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages alle Täler erhöht und alle Berge und Hügel erniedrigt werden, und was ungleich ist, eben, und was höckerig ist, schlicht, und dass die Herrlichkeit des Herrn offenbart werden und alles Fleisch miteinander es sehen wird.
Ich träume noch immer davon, dass wir mit diesem Glauben imstande sein werden, den Rat der Hoffnungslosigkeit zu vertagen und neues Licht in die Dunkelkammern des Pessimismus zu bringen. Mit diesem Glauben wird es uns gelingen, den Tag schneller herbeizuführen, an dem Frieden auf Erden ist. Es wird ein ruhmvoller Tag sein, die Morgensterne werden miteinander singen und alle Kinder Gottes vor Freude jauchzen."
Amen.
Friedensinitiative Donaustadt
Die Friedensinitiative Donaustadt trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystraße 2 (U1 Kaisermühlen – VIC):
Dienstag, 8. April, Manfred Sauer, Nicht nur Panzer für Tschechien – die österreichische Rüstungsindustrie
Wiener Friedensbewegung:
Stoppt den Militäreinsatz im Tschad!
Die Wiener Friedensbewegung fordert die sofortige Beendung der österreichischen Truppenentsendung im Tschad. Die EU-Mission ist gescheitert, da das offizielle Ziel des humanitären Schutzes der Flüchtlinge nicht erreicht wurde, betont die Wiener Friedensbewegung.
Grundsätzlich müssen auch UN-mandatierte Einsätze neutral sein und dürfen sich nicht wie in diesen Fall an eine Konfliktpartei, die Kolonialmacht Frankreich, anlehnen. Für einen neutralen Staat wie Österreich kommen ohnehin nur Einsätze, die klaren "peacekeeping"-Charakter (Blauhelmeinsätze) haben, in Frage. Die Teilnahme an Kriegseinsätzen ist abzulehnen.
Sogar die Statements in den vergangen Tagen zeigten die gar nicht mehr so verborgenen Interessen der westlichen Staaten hinter den so genannten humanitären Einsätzen: Zugang zu Erdöl und anderen Ressourcen.
Die Friedensbewegung erinnert daran, dass es vor allem darum geht, die Ursachen der Konflikte zu beseitigen, nämlich die unerträglichen Lebensbedingungen der Menschen im Süden. Dies kann nicht durch Militäreinsätze, sondern nur durch eine andere Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik geschehen. Das neutrale Österreich soll daher für eine Änderung der Wirtschaftspolitik aktiv eintreten und sich anstelle von Militäreinsätzen auf zivile, nicht militärische Konfliktlösungen konzentrieren. (Presseaussendung, 6. Februar 2008)
Existenzsichernde Arbeitsplätze statt unsicherer Niedriglohnjobs
29. Februar – Tag der Santa Precaria
Im Rahmen der österreichweiten Aktion „Fair statt prekär – für ein Leben in Fülle“ besuchte die Santa Precaria mit ihrem Gefolge, den Aktivistinnen und Aktivisten des „Forum Kirche und Arbeitswelt“ der Diözese St. Pölten, die Landtagsklubs von SPÖ, Grüne und ÖVP. Santa Precaria ist eine „Teilzeitheilige“ und Symbol für die immer größer werdende Zahl von Beschäftigten, deren Einkommen nicht das wirtschaftliche Auskommen sichert (z.B. Teilzeitarbeit, Leasingfirmen, freie Dienstverträge, Werkverträge).
Die Forderungen wurden den Klubobleuten Hannes Weninger von der SPÖ, Mag. Klaus Schneeberger von der ÖVP und an Dr. Helga Krismer von den Grünen übergeben.
In ihren Forderungen verlangen die VetreterInnen von KAJ, KAB und Betriebsseelsorge:
„planbare Arbeitszeiten und bezahlte Bereitschaft“,
„ein Existenz sichernder Mindestlohn und eine Grundsicherung“ ,
„ Arbeitslosengeld, Gesundheits- und Pensionssicherung auch für prekär Beschäftigte“,
„Vereinbarkeit von Beruf und Familie“,
„gleichberechtigten Zugang zur betrieblichen Mitbestimmung und Interessensvertretung“ .
Vom Land Niederösterreich und allen öffentlichen Einrichtungen sowie deren ausgelagerten Bereichen verlangen die VertreterInnen von Kirche und Arbeitswelt, mit der Schaffung von Existenz sichernden Arbeitsplätzen vorbildlich zu sein.
Franz Sieder: Gegen den Strom
Bei einer sehr gut besuchten Veranstaltung der Betriebsseelsorge, der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) und des Katholischen Bildungswerkes (KBW) Herzogenburg las Kaplan Franz Sieder aus seinem neuen Buch „Gegen den Strom“.
Die ÖGB-Frauenvorsitzende a.D. Irmgard Schmidleithner berichtete in ihrer Einleitung von der Entstehung des Buches: „Ich danke Kaplan Franz Sieder für seinen Einsatz für die Arbeiterinnen und Arbeiter sowie für die sozial Schwachen. Er ist eigentlich – wie es ÖGB-Vizepräsidentin Bachner einmal formulierte - der ‚erste Gewerkschafter des Landes’.“
Kaplan Franz Sieder las Texte aus den vielfältigen Bereichen seines Engagements:
In einem Beitrag über das Ökumenische Sozialwort heißt es: „Wenn die Kirche nur einigermaßen dem Evangelium treu sein will, dann kann und darf sie nicht mehr mit dieser neoliberalen Wirtschaft lavieren und Kompromisse schließen.“
Bei der Rede bei einer Demonstration gegen Präsident Bush kritisierte Sieder den Irak-Krieg: „Herr Bush, an Ihren Händen klebt noch das Blut des Mörders.“
In einer Predigt formulierte er seine Anliegen an Papst Benedikt XVI: „Ich wünsche mir auch, dass du eine Demokratisierung der Kirche einleitest. Es muss nicht alles von Rom aus bestimmt werden.“
In der regen Diskussion standen die Probleme in der Arbeitswelt im Mittelpunkt: die Nichteinhaltung von Arbeitsrecht und Kollektiverträgen, der Druck am Arbeitsplatz, Kündigungen und die großen Einkommensunterschiede. „Einer oder eine allein kann nix ausrichten. Nur gemeinsam können die Arbeiterinnen und Arbeiter etwas durchsetzen. Daher ist die Gewerkschaft sehr wichtig“; so der Amstettner Betriebsseelsorger Sieder.
Das Buch von Kaplan Franz Sieder „Gegen den Strom“ gibt es um Euro 15,-- bei Irmgard Schmidleithner, 4501 Neuhofen/Krems, Flurweg 20, E-Mail: i.schmidleithner@aon.at
KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20.00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt.
Friedensgebet von Pax Christi Wien
Jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr in der Alten Börse – Begegnungszentrum der Jesuiten, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19, U3 Stubenring.
Einladung zur Reflexion 5 Jahre Sozialwort
- ein Kompass für die sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen
Die vierzehn christlichen Kirchen in Österreich haben sich 1999 entschlossen, gemeinsam zu den gesellschafts-politischen Herausforderungen in Österreich Stellung zu beziehen. In einem mehrjährigen Prozess haben sie das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich erarbeitet und 2003 veröffentlicht. Am Entstehungsprozess haben viele Mitglieder aus den Kirchen und aus zahlreichen Gruppen und Einrichtungen in der Gesellschaft mitgewirkt.
Fünf Jahre nach dem Erscheinen des Sozialwortes soll seine Wirkung geprüft werden. Diese kritische Reflexion will Anregungen geben für die weitere Umsetzung des Sozialwortes. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Veranstaltung "5 Jahre Ökumenisches Sozialwort" am 27. November 2008 in Wien vorgestellt-
Zur Mitarbeit sind Initiativen engagierte Menschen eingeladen - Informationen: http://www.sozialwort.at/
Wir sind Kirche
Mittwoch, 16. April, 19.00 Uhr, Thema: Dialogveranstaltung 24.-26.10. im Anschluss an die Delegiertenversammlung in Salzburg zu 10 Jahren im Rahmen des Dialogs für Österreich;
Montag, 19. Mai, 19.00 Uhr, Bibelgespräch Sodom und Gomorrha
Sonntag, 8. Juni, 9.00 Uhr Gottesdienst, anschließend gemeinsamer Ausflug
Ort: jeweils Pfarre St. Gertrud, Pfarrheim, 1180 Wien, Maynollogasse 3, (Die Pfarre St. Gertrud erreichen Sie am besten mit der Linie U 6 bis zur Station Währinger Straße und dann mit den Linien 40 oder 41 eine Station stadtauswärts),
Infos: http://www.wir-sind-kirche.at/content/
Für eine Volksabstimmung
über den EU-"Reform"-Vertrag
Aktionstag der Plattform Volxabstimmung am Samstag, 5. April
13.00 Treffpunkt Wien Westbahnhof,
gemeinsam über die Mariahilferstraße zum Parlament
15.00 Menschenkette um das Parlament
Infos: http://www.volxabstimmung.at/
Öst. Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung
Europäische Friedenspolitik,
Inhalte, Differenzen, Methoden und Chancen
Projektleitung und Koordination: Gerald Mader und Thomas Roithner, 488 Seiten, Euro 9,80
Das Buch präsentiert die Beiträge von 19 AutorInnen zu einer umfassenden europäischen Friedenspolitik, die sich als Alternative zur bestehenden EU-Politik versteht. Die Beiträge behandeln folgende Themenbereiche: Außen- und Sicherheitspolitik, die innere Struktur der EU, Friedenspädagogik und Medien, die EU in ihren Beziehungen zur UNO, USA, NATO und Russland, Entwicklungspolitik im Zusammenhang mit Ökonomie und Ökologie sowie die außereuropäischen Beziehungen zu Afrika, Naher und Mittlerer Osten, China und Lateinamerika. Die Einführung zeigt die Differenzen, aber auch die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Friedenspolitiken auf.
Von kalten Energiestrategien zu heißen Rohstoffkriegen?
Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und
zukunftsfähiger Rohstoffpolitik im Zeitalter des globalen Treibhauses,
Dokumentation der interessanten Vorträge der Sommerakademie 2007,
Euro 9,80
Informationen und Bestellungen: http://www.thomasroithner.at
25. Int. Sommerakademie in Schlaining
"Globale Armutsbekämpfung -
ein Trojanisches Pferd?
Auswege aus der Armutsspirale
oder westliche Kriegsstrategien?"
6. - 11. Juli 2008, Burg Schlaining
Themen u.a. Finanzmärkte, Aggressivität und Armut, Wege aus Armut und Krieg - Entwicklungsgeschichtliche Lehren, Armut, Ressourcen und Konfliktdynamik, Parameter von Kriegen im 21. Jahrhundert, Globale Armutsbekämpfung in des Kaisers neuen Kleidern, Gescheiterte oder zum Scheitern gebrachte Staaten und Nation-Building, EU: Zwischen größter Entwicklungshelferin und Rüstungsexportweltmeisterin, Gewaltkonflikte am Horn von Afrika, Teufelskreis von Armut und Krieg am Beispiel Naher Osten, Perspektiven der Zivilgesellschaft
ReferentInnen: Dieter Senghaas (Universität Bremen), Josef Hader (Kabarettist und Schauspieler), Franz Nuscheler (Universität Duisburg), Elmar Altvater (Freie Universität Berlin), Ulrich Brand (Universität Wien), Hildegard Goss-Mayr (Int. Versöhnungsbund), Claudia Haydt (Tübingen), Jörg Huffschmid (Universität Bremen), Volker Matthies (Universität Hamburg), Martina Schloffer (Rotes Kreuz), Mohssen Massarrat (Universität Osnabrück), Rainer Tetzlaff (Universität Hamburg), Franz Küberl (Caritas Österreich), Peter Lock (Sozialwissenschafter, EART Hamburg), Andreas Zumach (Journalist und Autor, Genf) u.v.a.,
Gottesdienst, gestaltet von Landessuperintendent Mag. Thomas Hennefeld,
Teilnahmekosten: Euro 45 / 22 ermäßigt, Unterbringung in Hotel, Gästehäusern oder kostenlose Nächtigung mit Schlafsack
Programm und Informationen: http://www.aspr.ac.at/sak.htm
Termine:
St. Pölten, Do, 27. März, Carla Amina Baghajati, "Mit Feuer und Schwert? Gewalt und Gewaltfreiheit im ISLAM", Betriebsseelsorgezentrum (BSZ), 3100 Schneckgasse 22.
Bregenz, Mo., 31. März, Mag. Michael Chalupka (Direktor der Evangelischen Akademie), Vom goldenen Kalb zum Börsenbullen? Gerechtigkeit und Freiheit in der Bibel und am Markt, Foyer des Theaters am Kornmarkt, Infos: http://www.acus.at/
Wien, Mi., 2. April, Der Österreichische Blick auf islamistische Tendenzen – naiv oder realistisch?, Podiumsdiskussion mit J. Dean Yap (US-Botschaft), Mouhannad Khorchide (Islamwissenschaftler Universität Wien), Thomas Schmidinger, Hans Rauscher, Peter Pawlowsky (Moderation, Albert Schweitzer Haus, 1090 Wien, Schwarzspanierstraße 13, Evangelische Akademie, http://evang-akademie.at/
Wien, Di., 8. April, Die Bibel eint, die Bibel trennt, Die Bibel in gerechter Sprache, 15.00 Uhr – 18.00 Uhr Workshops Barbara Rauchwarter, Roland Werneck, Christiane Koch, 19.00 Uhr Vortrag von Jutta Henner, Direktorin der Österr. Bibelgesellschaft, Kardinal König Haus, 1130 Wien, Kardinal König Platz 3, Infos , http://evang-akademie.at/
Herzogenburg, Di., 9. April, 19.30 Uhr, Junge Familien im Hamsterrad, Wird Familienarbeit honoriert?, Maga. Rosina Baumgartner (Generalsekretärin des Katholischen Familienverbandes Österreich), Betriebsseelsorgezentrum, 3130 Kremser Straße 61.
Christian Felber
präsentiert im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen bei einer Veranstaltung von Betriebsseelsorge, Katholischer ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) und Katholischem Bildungswerk (KBW) der Pfarre Viehofen am Freitag, 30. Mai um 21.30 Uhr in der Pfarre Viehofen, 3107 St. Pölten, Austinstraße 13 (Bahnstation Regionalbahn Richtung Krems / Tulln St. Pölten-Traisenpark) sein neues Buch „Neue Werte für die Wirtschaft – Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“.
Infos http://www.pfarreviehofen.net/
Bitte vormerken:
6. August Hiroshima-Tag
9. August Nagasaki-Tag
Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe 1945 und
Engagement für eine Welt ohne Atomwaffen und Krieg,
Infos in Kürze: www.hiroshima.at
Unsere Bitte:
Unsere Kosten sind enorm gestiegen!!!
BITTE UM SPENDEN
an Konto 040-32-675, Erste Öst. Sparkasse, BLZ 20111,
Christen f. d. Friedensbewegung
Die Kosten stiegen und steigen und ….
Daher unsere große Bitte an Sie und dich / euch!!
E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at
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IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien, Oeverseestraße 2c, Eigendruck. Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adressverwaltung: Manfred Sauer.
Offenlegung: EigentümerIn: 100 % Verein Aktionsgemeinschaft Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Blattlinie: Unterstützung der Friedensarbeit in den Kirchen und der Friedensbewegung, Diskussionsforum zu Christentum und Friedenspolitik.