|
|||
Hier finden Sie
Beiträge von verschiedenen Personen und Verbänden, die sich im
weitesten Sinne mit dem Thema Staat und Kirche befassen. Für den Inhalt sind
die
Verfasser/innen selber verantwortlich. Haben Sie Lust einen Artikel zu
verfassen und ihn hier zu veröffentlichen? Dann schicken Sie
ihn bitte an webmaster-ag@online.de _______________________________________________________________________________ . Rudolf Ladwig aus IBKA Pressemitteilung vom 21.04.2006 Von der Leyens Märchenstunde: Christliche Erziehung Das am 20.04.2006 vorgestellte 'Bündnis für Erziehung',
initiiert von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, soll
Maßnahmen zur 'besseren' Kindererziehung auf das Basis 'christlicher
Werte' erarbeiten. Hierzu erklärt der Internationale Bund der Konfessionslosen
und Atheisten e.V. (IBKA): Das von der Bundesregierung zu verantwortende Bündnis stellt
einen Verfassungsbruch dar, da mit der Zielstellung 'christlicher Werte' die
weltanschauliche Neutralität des Staates missachtet wird. Ein wesentliches
Element des modernen demokratischen Staates ist die Trennung von Staat und
Religion. Eine Erziehung zu christlichen Werten kann keine Aufgabe eines
religiös-weltanschaulich neutralen Staates sein. Die nachgeschobene Einladung an Vertreter des muslimischen und
jüdischen Glaubens degradiert diese zu Erfüllungsgehilfen
christlicher Vorgaben. Konfessionsfreie hingegen - immerhin ein Drittel der
Bevölkerung - kommen weiterhin im eng bekreuzten Horizont der Ministerin
nicht einmal vor. 'Wir fordern die Bundestagsabgeordneten auf, genau zu prüfen,
ob die Projekte des 'Bündnisses für Erziehung' weltanschaulich
neutral sind. Falls tatsächlich die angekündigte staatliche
Förderung christlicher Missionsarbeit stattfindet, sollten dafür
keine Haushaltsmittel bewilligt werden', sagt der IBKA-Vorsitzende Rudolf
Ladwig. Hintergrund: Die Ausgrenzung von Nichtchristen war kein Versehen. Die
Initiative der Ministerin zielt darauf, sich als Kulturkämpferin einer
'christlichen Leitkultur' ideologisch zu profilieren. Zur Begründung einer staatlichen Förderung christlicher
Mission führt die Ministerin an: 'Eltern suchen oftmals angemessene
Antworten auf die Fragen der Kinder: Wo komme ich her, wer bin ich, wo gehen
Menschen nach dem Tode hin? Darauf kann nicht außerhalb eines
religiösen Kontextes geantwortet werden.' Philosophische Fragen werden
damit, als lebten wir im Mittelalter, einem Antwortmonopol von Religion
zugeordnet - und zwar der Christlichen! Von der Leyen unterstrich, dass auf
christlichen Werten die gesamte hiesige Kultur basiere. In einer pluralen
Gesellschaft müsse zunächst die eigene Position klar sein. Erst dann
könne man sich gegenüber anderen Werten öffnen. Damit werden auch die Kinder der Nichtchristen gegen den Willen
der Erziehungsberechtigten zu Missionsobjekten deklariert. Der stolze Hinweis
der Ministerin, auf die dominierende Stellung ihrer kirchlichen
Bündnispartner im Kindergartensektor, wirkt da nur noch zynisch. Der Staat basiert tatsächlich jedoch auf den säkularen
Grundwerten, welche erst gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen
erkämpft werden mussten und teilweise erneut durch sie gefährdet
werden - siehe Zensurbestrebungen zur Satire "Popetown". Zu der Säkularitätsverdrängung tritt auch noch ein
unkritisches Weichzeichnerbild: der ethische Gehalt etlicher - insbesondere von
der katholischen Kirche vertretenen - Moralauffassungen u.a. zu Frauenrechten
und Homosexualität ist in Wahrheit grundrechtsfeindlich und nicht etwa
vorbildlich. Was meint die Ministerin überhaupt, wenn sie von 'christlichen
Werten' spricht? 'Die Kirchen [...] verknüpfen auch in besonderer Weise
soziale und moralische Ansprüche. Werte wie Respekt, Verlässlichkeit,
Vertrauen und Aufrichtigkeit sind Leitplanken, die unseren Kindern helfen,
ihren Weg ins Leben zu finden', sagt Ursula von der Leyen. Die genannten Begriffe sind aber gar keine Werte, sondern
Sekundärtugenden, Benimmregeln und Beziehungsfragen, welche mit Religion
und anderem viel und wenig zu tun haben können. Das Fundament des von der Leyen'schen Kulturkampfes ist also hohl.
Wer dies erkennt, sollte dem verfassungsfeindlichen 'Bündnis zur
staatschristlichen Erziehungsmission' eine Absage erteilen. www.ibka.org, April 2006 . Quittung für
den Kirchenaustritt: Entlassung und Arbeitslosengeldsperre Dass der Kirchenaustritt eines Menschen, der bei einem
kirchlichen Arbeitgeber beschäftigt ist, in der Regel die Entlassung nach
sich zieht, dürfte bekannt sein. Doch nicht nur das: Aus das
Arbeitslosengeld kann gesperrt werden – mit der Begründung, dass der
Betreffende seine Arbeitslosigkeit selbst herbeigeführt hat! Diese Praxis ist kürzlich vom Landessozialgericht
Rheinland-Pfalz im Fall einer Krankenhausangestellten bestätigt worden
(Urteil vom 30.03.2006 - L 1 AL 162/05). Nach Ansicht des Gerichts muss das
Grundrecht auf Religionsfreiheit mit der Funktionsfähigkeit der
Arbeitslosenversicherung abgewogen werden. Das "Recht" kirchlicher Betriebe, keine
Nicht-Kirchenmitglieder beschäftigen zu müssen, wiegt offenbar
schwerer als beides. Das Gericht führte ferner an, dass die Klägerin bereits
bei Abschluss des Arbeitsvertrages damit rechnen musste, dass sie ihren
Arbeitsplatz bei Austritt aus der Kirche verliert. Demnach müsste man Arbeitslosen, die einen Kirchaustritt in Erwägung ziehen, den sofortigen Austritt empfehlen, damit sie nicht etwa in die Lage kommen, einen kirchlichen Arbeitsplatz angeboten zu bekommen – mit der Folge, bei einem Austritt nicht nur den Job wieder zu verlieren, sondern auch das Arbeitslosengeld gesperrt zu bekommen. Fragt sich nur, ob Arbeitslose, die aus der Kirche austreten,
nicht vielleicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, damit ihre
Vermittlungschancen zu verringern. In jedem Fall bleibt es ein Skandal, dass man kirchlichen
Betrieben gestattet, ihre Beschäftigten solcherart nach
Religionszugehörigkeit zu diskriminieren. Und auch mit dem geplanten
Antidiskriminierungsgesetz soll sich daran nach dem Willen der Politik nichts
ändern – was umso schwerer wiegt, als es in manchen Regionen
für Angehörige bestimmter Berufe kaum Alternativen zu kirchlichen
Arbeitgebern gibt. Veranstaltung mit Carsten Frerk am 15. Nov. 2005 im
Kommunikationszentrum Pumpe, Kiel Caritas und Diakonie
- Wa(h)re
Nächstenliebe Nächstenliebe: ein schöner Gedanke in
unserer oft rauhen Welt. An wen denkt man spontan, wenn's um tätige
Nächstenliebe geht? An die vielen Mitarbeiter von Caritas und Diakonie,
die in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder in Kindergärten
arbeiten? An soziales Engagement der Kirchen? Richtig ist: rund 950.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
arbeiten (sozialversicherungspflichtig) bei den beiden großen
Wohlfahrtsorganisationen der Kirchen, damit gehören Caritas und Diakonie
zu den größten Arbeitgebern in Deutschland, größer als
der Siemens Konzern (420.000) oder der Daimler-Chrysler-Konzern (370.000)
weltweit. 45 Milliarden Euro p.a. setzen beide Wohlfahrtsorganisationen um -
doch wer bezahlt das? Die Kirchen? Gerne schmücken die Kirchen sich mit ihrem sozialem
Engagement, tatsächlich schießen sie magere 1,8 % an ihre
Wohlfahrtsverbände zu. Der Löwenanteil von 98 % wird aus
Beiträgen, Leistungsentgelten (= Zahlungen der Krankenkassen oder
Pflegeversicherung) und aus allgemeinen Steuermitteln bestritten. Nicht die
Kirchen, sondern der Steuerzahler kommt für Krankenhausbau etc. auf. Aber werden Pflege oder Kinderbetreuung dank Kirchensegen
qualitativ besser? Der Hamburger Wissenschaflter Dr. Carsten Frerk ging auch
dieser Frage nach - und entdeckte z.B. ein deutlich höheres Maß an
Mobbing als in vergleichbaren Firmen. Auch rechtlich stellt sich die
Arbeitssituation in den Kirchenorganisationen kritisch dar: die Arbeitgeber
regieren ins Privat-leben hinein, bis ins Schlafzimmer! Denn unverheiratete
Liebschaften - egal, ob hetero- oder homosexuell - liefern einen
Kündigungsgrund. Eine Scheidung ist gleichfalls Kündigungsgrund. Man könnte solche Verhältnisse für mittelalterlich
halten - doch leider segnet das neue Antidiskriminierungsgesetz solche
Zustände mit Sonderregeln für Kirchen sogar ab. Wie angemessen ist
die öffentliche Finanzierung von Caritas und Diakonie angesichts solcher
Zustände? Wie steht es um die Versorgung Nicht- oder Andersgläubiger
- immerhin ein Drittel der Bevölkerung, Anteil weiter wachsend? Carsten
Frerk diskutiert diese Fragen.
Gratis Homepage von BeepworldVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |
|||