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15.1.06 - Der "Döner" ist wieder da:
Erdogan Günes hat mit seiner Spezial-Variante, seit einiger Zeit "Döner-Gamit" genannt, in der Vergangenheit gute Erfolge erzielt. Nur im geheimen Testmatch zwischen Christopher Lutz und Hydra zeigte sich, wie Schwarz alle Gefahren umgehen und mühelos ausgleichen kann. Seitdem hat Erdo seinen Döner nur noch selten gespielt. Marek Baron, der wie Erdo aus Waldkraiburg kommt und mit ihm befreundet ist, packte in der zwölften Runde diese Eröffnung wieder aus - mit durchschlagendem Erfolg. Spike war der Gegner und genau wie viele andere Engines ahnte er nicht, welche Gefahren drohten, bis es zu spät war. So sah die Stellung nach Verlassen der Bücher aus:
Zappa 2.1b vs. Spike X
Stellung vor 9. Lf4
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1bqkb1r/1p1npppp/p7/2pP4/P5n1/2N1BN2/1PP3PP/R2QKB1R w KQkq - 0 9
Noch sieht alles nicht so schlimm aus - Weiß hat einen Bauern für die Initiative geopfert. Doch Schwarz unterschätzte in der Folge die seinem König drohenden Gefahren und postierte auch seine Dame ungünstig. Einige Züge später sah es dann so aus:
Zappa 2.1b vs Spike X
Stellung nach 16. Se5
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1bk1b1r/1p1nppp1/p4nqp/P1pPN3/2B2B2/2N5/1PP1Q1PP/R4RK1 b - - 0 16
Hier war es bereits zu spät, die Partie entwickelte sich in ein Spiel auf nur ein Tor. Weiß hat einfach zu starken Angriff und kann die Stellung öffnen, das ist Gift für den in der Mitte hängen gebliebenen schwarzen König. Ein paar Züge später gab Schwarz auf. Also Vorsicht: Der "Döner" geht wieder um!
14.1.06 - Können Programme Gewinnangst haben?
Diese Frage würde man gerne Ktulu aus Gruppe C stellen - die Engine stellt sich nämlich so an, als habe sie Angst vorm Gewinnen. Zum x-ten Mal hatte Ktulu die bessere Stellung auf dem Brett und konnte doch nicht gewinnen. Schon die Hinrunde zwischen Spike und Ktulu verlief so - aber in der Rückrunde leistete sich die iranische Engine weit Schlimmeres: Ein Fast-Sieg wurde zum Verlust! Bediener Wolfgang Draeger, der seinem Programm stets gute Eröffnungsvarianten zur Verfügung stellte, war zu Recht verärgert über seinen Schützling: Jede noch so gute Position verwandelt die Engine nicht zu einem Sieg (außer gegen Deep Gandalf) und nun das! Lesen Sie hier, was in der Partie vor sich ging.
13.1.06 - Wohl bekomm's!
Auch wenn es "nur" der Kampf um die rote Laterne in Gruppe D war: Die Partie zwischen SOS und Diep in Runde 11 hatte es in sich! Nach beiderseitig recht frühem Verlassen des Eröffnungsbuches war die Begegnung lange Zeit ausgeglichen. Dann fasste SOS jedoch einen netten Plan und baute sich auf, um die schwarze Königsstellung zu stürmen:SOS 5 vs. Diep
Stellung vor 38. ..Txb4?
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 6k1/2q2pp1/r1p1pb1p/1pP1N3/1P1P1R1P/3R1QPK/5P2/1r6 b - - 0 38
Schwarz steht bereits deutlich schlechter, aber ein Zug wie Dd8 hätte möglicherweise noch die Partie retten können. Stattdessen schnappte Diep gierig auf b4 zu und glaube die Stellung sei ausgeglichen. "Wohl bekomm's" dachte sich SOS wohl bei diesem Zug und packte genüsslich die Keule aus: mit dem Qualitätsopfer 39. Txf6! ließ das deutsche Programm nichts mehr anbrennen und nahm mit Dame und Springer die schwarze Bauernfestung am Königsflügel auseinander. Schön herausgespielt von SOS, der hier nach langer Durststrecke auch mal eine Glanzpartie zeigen konnte!
12.1.06 - Über den Nutzen von Tablebases:
Die Verwendung von Tablebases bei Engine-Partien ist bei den Nutzern umstritten: Die einen behaupten, der Zugriff auf die Endspieldatenbanken bremse die Programme zu stark aus, deshalb werde der Nutzen relativiert oder es komme schlimmstenfalls sogar zu einer Schwächung der Engines. Die anderen entgegnen auf diese Argumente stets mit Partien, in denen fehlende Tablebases Punkte gekostet haben und lassen sich den Einsatz der Datenbanken in Turnieren und Engine-Testpartien nicht ausreden. Die Pro-Seite hat es mit den vorweisbaren Partien sicher leichter, ihre Argumente vorzubringen - die Contra-Seite kann bislang nur auf Statistiken hinweisen, die angeblich den Nutzen von Tablebases widerlegen sollen (denn der Nachweis, wo die Bremswirkung zu einem schlechteren Zug geführt hat, ist sehr schwierig). Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, die Materie ist jedoch viel zu komplex, als dass man alle Faktoren (z.B. auch die verwendete Hardware!) miteinbeziehen könnte.
Hier ist ein Beispiel, in welchem die Abwesenheit von Tablebases möglicherweise einen halben Punkt gekostet, aber zumindest zu einer irreführenden Stellungsbewertung geführt hat. Die Partie wurde in der elften Runde der Gruppe A gespielt, im Endspiel kam es zu folgender Stellung:
Hiarcs X vs. Deep Shredder 9
Stellung vor 80. Lf6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/5p2/p7/P5P1/r7/2B2PK1/4k3/8 w - - 0 80
Eine komplizierte Stellung, die beide Programme als deutlich positiv für Schwarz einschätzen. Shredder hat Hiarcs durch geschickte Manöver soweit gebracht, dass beinahe so etwas wie Zugzwang besteht. Weiß sieht sich genötigt, den a-Bauern herzugeben und spielt Lf6. DS9 spielt Txa5 und sieht sich mit über 5 Bauerneinheiten vorne. Auch Hiarcs glaubt sich auf der Verliererstraße. Ein paar Züge später kommt es zu der kritischen Stellung, in der fehlende Tablebases zu einem dicken Fehler führten:
Hiarcs X vs. Deep Shredder 9
Stellung vor 86. ... a4??
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/5p2/8/p3BKP1/3r1P2/4k3/8/8 b - - 0 86
Shredder glaubte, er könne den Turm gegen den Läufer hergeben - der a-Bauer ist ja schließlich nicht mehr aufzuhalten. Doch was er nicht bedenkt ist, dass Weiß im weiteren Verlauf mit einem seiner Bauern die 7. Reihe der f-Linie besetzen kann. Und Dame gegen Bauern auf dieser Position ist bekanntlich Remis. Hätte Shredder Tablebases gehabt, wäre das nicht passiert. Während Hiarcs mit Endspieldatenbanken die Stellung nach a4 sofort mit Remis bewertete (vorher -6), glaubte der ohne Tablebases spielende Shredder an seinen Sieg (+10 für Schwarz). Der Shredder-Bediener traute wohl seinem Schützling trotzdem oder kannte die klassische Remisstellung mit dem Bauern auf der 7. Reihe (bzw. 2. Reihe) auf der f-Linie (bzw. c-Linie) nicht. Nach 50 weiteren Zügen sahen Shredder und sein Bediener dann ein, dass Schwarz nicht mehr gewinnen konnte und willigten ins Remis ein.
Fünftes Spielwochenende (5.1. - 8.1.06)
8.1.06 - Tiger bleibt trotz schwankender Leistungen stets bissig!
Der Chess Tiger ist Norbert Ramus' bevorzugte Turnierengine - in den letzten Jahren bediente er beim Masters stets das französische Programm und blieb diesem auch beim diesjährigen Turnier wieder treu. Auch wenn er diese Entscheidung ob der stark schwankenden Leistung des Tigers teilweise schon bereute, nach der folgenden Partie hat Norbert seinen Tiger sicher wieder aufs Neue ins Herz geschlossen:Chess Tiger 15 vs. Spike X
Stellung nach Verlassen der Bücher
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1b1kb1r/6pp/p1pppn2/4P1B1/8/q1N5/P1PQ2PP/1R2KB1R b Kkq - 0 13
Soweit die beiden Buchautoren - die Stellung gibt sicher viel her. Ein weißer Bauer wurde bereits geopfert, mit dem letzten Zug e5 wird ein weiterer für Aktivität ins Geschäft gesteckt. Das war bestimmt eine gute Wahl, denn der Tiger (besonders mit "Gambit"-Einstellung) mag solche Stellungen. In der Folge bewerten beide Engines die Position als positiv für Schwarz, wittern aber bereits Kompensation für einen der geopferten Bauern. Spike verpasst an einigen Stellen bessere Züge, weil er sich der Gefahr des weißen Angriffs offenbar nicht genug bewusst ist. Tiger bringt seine Figuren geschickt in Stellung und es ergeben sich Abtäusche, die ungleiches Material zurücklassen. Schließlich erreicht er auf dem Brett die klare Überlegenheit.
Chess Tiger 15 vs. Spike X
Stellung nach 31. h4!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2b2b1k/4q2p/p1p1p3/4prRQ/4Np1P/8/2P3P1/3R3K b - h3 0 31
Ein paar Züge später muss Spike Material hergeben und in Abtäusche einwilligen. Seine vielen Bauern sehen sich einem weißen Turm entgegen, der sie mit Genuss abfrühstücken wird. Aufgabe von Schwarz im 44. Zug. Die Partie mit Kommentaren und Analysen von Kurt Utzinger finden Sie hier.
7.1.06 - Rybka nicht unschlagbar, Turniersieg wieder offen:
Zugegeben, diese Schlagzeile ist ein wenig zu reißerisch formuliert. Auf der einen Seite halten Rybka viele für den Turnierfavoriten, auf der anderen Seite kann unter Turnierbedingungen schließlich alles passieren und es gewinnt nicht zwangsläufig die stärkste Engine das Turnier. Zwar hat Rybka die besten Voraussetzungen dafür (spielstärkste Engine in allen Listen, einen schnellen Rechner mit 64bit-Betriebssystem, einen erfahrenen Bediener), doch in den letzten Jahren gelang dem großen Turnierfavoriten nur ein einziges Mal der Sieg. Bislang ist Rybka in diesem Turnier überzeugend aufgetreten, man sieht den Partien einfach an, dass diese Engine etwas vom Schach versteht. Dass sie aber nicht unbesiegbar ist, brachte die 10. Runde der Gruppe B zu Tage - diesmal war der über ein Jahr alte Gandalf 6.0 der Gegner. Bis um den 20. Zug herum sah Rybka die Stellung als ausgeglichen an:Gandalf 6.0 vs. Rybka 1.0 Beta
20. Tf3
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r4rk1/1bp1qpb1/1p1p1npp/2nP4/p2BPPP1/P1N3NP/1PBQ4/R4RK1 w - - 0 20
In der Partiefolge wurde dann aber Weiß langsam aktiver (mit Zügen wie g5 und f5) und konnte damit jegliche Gegenspielchancen des gefürchteten "Fischleins" im Keim ersticken. Weitere 18 Züge später ergab sich folgende Stellung, welche von Gandalf schon deutlich positiver eingeschätzt wurde als von Rybka (+2.24 gegenüber +0.78 aus der Sicht von Weiß):
Gandalf 6.0 vs. Rybka 1.0 beta
38. Kg2
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 5nrk/1bp1qpr1/1p1p1b2/1B1P1Pp1/4P1R1/P1N1QN1P/1P6/6RK w - - 0 38
Daraufhin fasste Gandalf einen sehr menschlich anmutenden Plan und setzte ihn in die Tat um: König zum Damenflügel überführen (um ihn aus der Schusslinie zu bringen) und danach die Aktivitäten am Königsflügel weiter fortsetzen. Was kann Schwarz groß machen, er ist mehr oder weniger zur Passivität verdonnert. Gandalf hingegen kann sich alle Zeit der Welt nehmen, um den König zu sichern, die Stellung weiter zu blockieren, seine Figuren in Stellung bringen und am Schluss schließlich den Hebel anzusetzen:
Gandalf 6.0 vs. Rybka 1.0 beta
70. h4
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r6k/2pq1prn/1pNp1b2/1P1P1Pp1/P3P1R1/K4N1P/7Q/7R w - - 0 70
Einfach toll, wie Gandalf das gemacht hat - er hat Rybka völlig eingekesselt, so dass diesem absolut keine Möglichkeit blieb, selbst aktiv zu werden. Nur der schlussendliche Ausheber h4 bringt die Stellung zum Einsturz, natürlich zugunsten von Weiß. 10 Züge später streckte Rybka die Waffen - er verlor diese Partie ohne einen wirklich schlechten Zug gemacht zu haben. In dieser Partie hatte Gandalf einfach das bessere Positionsverständnis. Trotzdem schadet diese Niederlage Rybkas Punktestand kaum - es blieb nach dieser Runde immer noch ein Vorsprung von 1,5 Punkten zum Tabellenzweiten.
6.1.06 - Der Zauberer schlägt wieder zu!
Deep Gandalf 7 beta ist in diesem Turnier doppelt vertreten, vollends überzeugen konnte aber bislang nur das Exemplar aus Gruppe D. Hat Bediener Franz Wiesenecker etwa ein besonderes Händchen in der Eröffnungsvorbereitung oder spielen hier lediglich die normalen turnierbedingten Schwankungen eine Rolle? Wie auch immer - Gandalf konnte im Online-Masters der vergangen Jahre stets Akzente setzen: letztes Jahr Platz 2, zwei Jahre zuvor sogar Turniersieger! Und wenn man Gandalfs Spielkünste so beobachtet, wie er sie in der folgenden Partie unter Beweis stellen konnte, dann weiß man auch, warum (Kommentare und Diagrammauswahl von Kurt Utzinger):Deep Gandalf 7.0 vs Deep Shredder 9
Stellung bevor 17.Sb2 !
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r3kb1r/1b3p1p/p3p1p1/q1nnP3/Np1N2Q1/1P1B4/P4PPP/R1B1R1K1 w kq - 0 17
Deep Gandalf 7.0 vs Deep Shredder 9
Stellung nach 25...Dd3
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r3k1r1/5p2/b3p1p1/p1b1P1Bp/1p5Q/1Pnq1P2/P1N2NPP/R3R1K1 w q - 0 26
Deep Gandalf 7.0 vs Deep Shredder 9
Stellung beovr 29...Dd5
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r3k1r1/5p2/b3p1p1/p3P1Bp/1p6/1P1q1P2/P1N2QPP/2R4K b q - 0 29
Deep Gandalf 7.0 vs Deep Shredder 9
Stellung nach 39.g6 !
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 4k1r1/1b1r1p2/4pBP1/p2qPP1p/1p1N4/1P6/P2R1QP1/7K b - - 0 39
Deep Gandalf 7.0 vs Deep Shredder 9
Schluss-Stellung
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/8/k3Q3/8/1pN1K3/pP6/P4q2/8 b - - 0 61
[Event "Blitz:60'+15""]
[Site "MyTown"]
[Date "2006.01.06"]
[Round "9"]
[White "Deep Gandalf 7.0-64"]
[Black "Deep Shredder 9"]
[Result "1-0"]
[ECO "D47"]
[Annotator "Utzinger,K"]
[PlyCount "121"]
[TimeControl "3600+15"]1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 e6 5. e3 Nbd7 6. Bd3 dxc4 7. Bxc4 b5 8. Bd3 Bb7 9. e4 b4 10. Na4 c5 11. e5 Nd5 12. O-O cxd4 13. Re1 a6 14. Nxd4 g6 15. Qg4 Qa5 16. b3 Nc5 {Beide letzter Buchzug mit einer fuer Computerprogramme schwierigen Stellung} 17. Nb2 {! Auf den ersten Blick wenig zweckmaessig, denn sollte Deep Gandalf nicht den Tausch seines weissfeldrigen Laeufers gegen den Springer vermeiden, weil angesichts der schwarzen Bauernstruktur dieser Laeufer excellente Perspektiven haette; aus den genannten Gruenden scheint 17.Sxc5 genauer. Dem ist entgegen zu halten, dass 17.Sb2! durchaus seine Meriten hat; geht naemlich der schwarze Laeufer nach g7, so kann Sb2-c4-d6 folgen, was die schwarze Rochade verhindert; wird indessen der Ld3 genommen, so muss Schwarz noch immer um den Ausgleich kaempfen, so dass man 17.Sb2 mit dem Praedikat "sehr interessant" stempeln muss, weil damit die ganze schwarze Eroeffnungsstrategie in Frage gestellt wird.} h5 {Eine boese Schwaechung der dunklen Felder im schwarzen Lager, aber den Umstaenden entsprechend vielleicht die beste Verteidigung, zumal es echt schwierig ist, gute Alternativen zu finden} (17...Nxd3 18. Nxd3 Qb6 {und Schutz von e6 zwecks Vorbereitung von Lg7 und der kurzen Rochade sieht vernuenftig aus, doch nach} 19. Nb2 {mit der Idee Sb2-c4 und u.U. Sprung nach d6} Be7 20. Nc4 Qc5 21. Nxe6 (21. Bh6 {ist auch gut und haelt den Druck aufrecht}) 21... fxe6 22. Qxe6 Bc8 23. Nd6+ Qxd6 24. Qxc8+ Rxc8 25. exd6 Kf7 26. dxe7 Nxe7 {bleibt Schwarz mit einem Minusbauern im Endspiel sitzen}) (17... Qc7 {gilt es vertiefter zu untersuchen}) 18. Qh4 Nxd3 {Gut war auch das direkte 18...Le7} 19. Nxd3 Nc3 {?! Das Ross stand dominant auf d5 und bewachte unter anderem das schwache Feld f6, und der Sprung nach c3 kommt nur dem Gegner entgegen; dass Shredder 9 Muehe hat, diese Stellung richtig einzuschaetzen, sieht man auch am Umstand, dass die normale S9-Engine zwischen verschiedenen Zuegen wild hin- und herpendelt und sich kaum fuer einen Bestzug entscheiden kann. Wahrscheinlich bessere Alternativen sind 19...Le7, 19...Lg7, 19...Tc8 und 19...Dd8} 20. Bg5 Qd5 {Droht Matt, was leicht abzuwehren ist, nimmt allerdings seinem Ross das Feld d5 weg} (20... Bh6 {verspricht keine Rettung nach} 21. Bxh6 Rxh6 22. Qg5 Rh7 23. Nxe6 Ne4 24. Rxe4 Bxe4 25. Qf4 Bxd3 26. Ng5 Rg7 27. Qf6 Qd8 28. Qxg7 Qxg5 29. Qh8+ Ke7 30. Qxa8) (20... Bg7 {ist vielleicht noch spielbar und jedenfalls kurzfristig nicht zu widerlegen} 21. Bf6 (21. Nxb4 Qxb4 22. Nxe6 Qxh4 23. Nxg7+ Kf8 24. Bxh4 Kxg7 25. Bf6+ Kh7 26. Bxh8 Kxh8) 21... Bxf6 (21... O-O 22. Bxg7 Kxg7 23. Nxb4 {mit Bauerngewinn}) 22. Qxf6 Rh7 (22... O-O 23. Nxe6 {+-}) 23. Nb2 Qd8 24. Qf4 {unklar}) 21. f3 a5 {Schutz von b4, bevor man Lg7 spielen kann} 22. Bf6 Rg8 {Nun ist die schwarze Rochade unmoeglich geworden, was mit dem im Zentrum gebliebenen Koenig recht ungemuetlich ist, und zudem befindet sich auch der schwarze Turm praktisch ausser Spiel, ein schweres Handicap fuer den weiteren Verlauf der Partie} 23. Bg5 Ba6 24. Nf2 Bc5 25. Nc2 Qd3 {Man wird den Eindruck nicht los, dass Schwarz wenigstens voruebergehend die Initiative uebernommen hat, sieht doch die Position von Shredder recht erfreulich aus, denn wohin soll das arme Ross auf c2 fliehen} 26. Rac1 Ne2+ 27. Kh1 Bxf2 28. Qxf2 Nxc1 29. Rxc1 {Schwarz hat die Qualitaet erobert, doch spielen die verbleibenden Figuren schlecht zusammen. Die Stellung ist aeusserst schwierig abzuschaetzen} Qd5 {Ein unverstaendlich wirkender Rueckzug statt des logischer aussehenden 29...Tc8 mit Druck auf den weissen Sc2 und auf der c-Linie; doch selbst nach dem scheinbar besseren 29...Tc8 30.Da7 ist die Lage fuer Schwarz alles andere als komfortabel, denn die Nicht-Rochade und der eingesperrte Turm auf g8 erweisen sich langfristig als grosse Hypothek} 30. Bf6 ({Fritz 9:} 30. Qe1 Qd3 31. Ne3 Kf8 32. Bh6+ Ke8 33.Qh4 Rh8 34. Rd1 Qc3 35. Qe4 Rc8 36. Bg5 {0.41/18}) 30... Rc8 31. h4 {! Eine starke Erwiderung mit Fixierung der schwarzen Felder des Gegners und Schaffung eines Lochs fuer den weissen Koenig, so dass Mattdrohungen auf der Grundlinie kein Thema mehr sind} g5 {Ein Befreiungsschlag, der nicht zum gewuenschten Resultat fuehrt} 32. hxg5 Rg6 33. Re1 {Deep Gandalf befreit sich aus der Fesslung in der c-Linie, so dass all seine Figuren frei aufspielen koennen; nun wird die Lage fuer die unkoorodiniert wirkenden Figuren von Schwarz ernst} Qc5 34. Nd4 Qd5 35. f4 Rg8 36. Rd1 Rc7 37. Rd2 {Schutz des Td2 und der zweiten Reihe, und nun muss Schwarz stets mit einem Abzug des Sd4 rechnen; so droht bereit Sd4-f5-d6} Rd7 {Verhindert den Wegzug des weissen Zentralspringers, doch gibt es bereits eine andere Moeglichkeit fuer Weiss, seine positionelle Ueberlegenheit zuverstaerken} 38. f5 {! Ein entscheidender Durchbruch zur rechten Zeit} Bb7 (38... exf5 39.Qxf5 {mit der toedlichen Drohung Dh7 gefolgt von e6} Rg6 40. Qc2 {droht wiederum e6} Rxf6 {erzwungen} 41. exf6 {und Schwarz - in der Zwischenzeit mit Minusbauer - bei noch immer schlechter Stellung ist hilflos gegen den weissen Ansturm} Bb7 42. g6 Qg5 43. gxf7+ Rxf7 (43... Kxf7 44. Qh7+) 44. Re2+ Kd7 45. Qd3 {und Weiss hat eine Gewinnstellung}) 39. g6 {Wie Weiss die gegnerische Stellung knackt, ist huebsch anzusehen} exf5 (39. ..fxg6 40. fxe6 {+-}) 40. gxf7+ Qxf7 (40... Rxf7 {?? verliert sofort nach} 41. Nf3 {und Schwarz muss wegen der Mattdrohung auf d8 die Dame hergeben}) (40...Kxf7 {scheitert an} 41. Qxf5 Rxg2 42. e6+ Kg8 43. Qxd5 Bxd5 44. Rxg2+ Bxg2+ 45. Kxg2 {+-}) 41. e6 Rxg2 42. exd7+ {Interessant, dass dies viel staerker ist, als das Schlagen der Dame mit 42.exf7+} Qxd7 43. Qe3+ Kf7 44. Rxg2 Bxg2+ 45. Kxg2 Kxf6 {Nun hat Deep Gandalf eine klare Gewinnstellung erreicht, die noch einige technische Fertigkeiten voraussetzt, aber wohl keine Top-Engine vor Probleme stellen duerfte} 46. Qh6+ Ke5 47. Nf3+ Ke4 48. Kf2 Qa7+ 49. Ke2 Kd5 {Das beschleunigt den Untergang, aber es gab natuerlich keine Rettung mehr} 50. Qf6 Qc5 51. Qxf5+ Kd6 52. Qf6+ {Typisch Computer, denn ein Mensch wuerde wohl Damentausch anstreben, um das Endspiel mit Mehrfigur blind nach Hause zu fahren} Kc7 53. Ne5 {Mit der Einladung des Damenschachs auf c2 und Eroberung des Bauern a2, was jedoch mit baldigem Matt beantwortet worden waere} Qd5 (53...Qc2+ 54. Kf3 Qxa2 55. Qc6+ Kb8 56. Nd7+ Ka7 57. Qb6+ Ka8 58. Qa6#) 54. Ke3 h4 55. Nc4 Qc5+ 56. Kf3 a4 57. Qxh4 a3 58. Ke4 Kb7 59. Qd8 Qf2 60. Qd7+ Ka6 61. Qe6+ {Eine packende Partie, die noch viele ungeloeste Raetsel hinterlaesst, von beiden Seiten stark gespielt mit dem schliesslich besseren Ende fuer Deep Gandalf} 1-0
Abschließend der Kommentar des Gandalf-Bedieners Franz Wiesenecker:
Ich bin mit meinen 1900 ELO nicht so berufen einen Kommentar abzugeben, aber als Beobachter der Partie scheint mir die Partie ab dem Bauernopfer g5 endgültig verloren für Schwarz. Ich glaube Shredder hat - durch seine positive Bewertung angezeigt - seine Qualität zu hoch eingeschätzt. Nach dem Abtausch des schwarzfärbigen Läufers war der weiße Läufer wesentlich aktiver (Felder e7,d8) als der eingesperrte Turm auf g8. Nach dem Bauernopfer g5 dachte ich wozu das. Aber nach Tg6 wußte ich Schwarz will die Qualität wieder zurückgeben und TxLf6 spielen. Ich denke das wäre besser gewesen für Schwarz. Nach langem Nachdenken spielte Shredder - für mich unverständlich - den Turm von g6 wieder nach g8 zurück. Verschenkte so einen Bauern und 2 Tempi. Das war das Signal für Weiß seine Bauern gegen den im Zentrum stehenden König los zu schicken. Die Drohung auf g2 war durch T und D auf der 2.Linie sicher gedeckt und der nun Doppelbauer auf g schützte g2 nochmals gegen den untätigen Turm. Der schwarze Springer auf c3 war lange lästig und hemmte den weißen Aufbau. Da war es direkt eine Erleichterung als der Springer gegen den untätigen a-Turm getauscht wurde.
Meine allgemeine Einschätzung von Deep Shredder 9 UCi den ich selbst auch habe und als Testengine gegen Deep Gandalf einsetze, ist, seine Bewertung liegt oft um 1,0 bis 1,5 zu hoch bringt Shredder auf schlechten Weg. Fast jede Testpartie Gandalf-Shredder zeigt nach einer Eröffnung mit leichten Vorteilen für Gandalf eine Kurve nach oben für Shredder, so dass einem das Fürchten kommt. Aber nach etwa 20 Zügen oder später sinkt die Kurve auf 0,00, manchmal auch in den Verlust.
Hier sollte Stefan einmal seine Bewertungfunktionen überprüfen.
Jedenfalls seine "Überbewertung" bringt mich dazu Shredder 9 nicht als Analyse-engine ernst zu nehmen. Da liegt ein Rybka, aber auch Fritz 9 viel näher der Realität.
5.1.06 - Junior kann seine alten Stärken ausspielen:
Deep Junior 8 Bediener Klaus Richter musste schon viel leiden in diesem Turnier - sein Schützling bereitete ihm bislang nicht viel Freude und holte aus den ersten 8 Partien der Gruppe A lediglich 2,5 Punkte. Aber wo viel Schatten ist, muss bekanntlich auch viel Licht sein. Dieses Licht ließ Junior in der neunten Runde gegen Ruffian aufblitzen. Sein opferfreudiger Spielstil wurde belohnt und es ergab sich eine spektakuläre Partie. Bereits vor dem Verlassen des Eröffnungsbuches wurde ein Bauer für die Initiative geopfert - sicher eine kluge Entscheidung von Klaus, denn Junior braucht Stellungen, in denen er aktiv agieren kann:Deep Junior 8 ZX vs. Ruffian 2.1.0
Stellung nach Verlassen des Eröffnungsbuches
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1b1k2r/pp1nbppp/1q2p3/3pP3/Q7/3B1N2/PP3PPP/R1B2RK1 w kq - 0 13
Direkt im Anschluss spielte Junior seinen ersten Zug: Le3! Dieser Zug lädt geradezu ein zu einem weiteren Bauernklau auf b2. Während Junior trotz zweier Minusbauern seine Stellung schon für positiv hielt, glaubte Ruffian computertypisch an schwarzen Vorteil. Im weiteren Verlauf vermied Junior geschickt Figurenabtäusche und ließ den Gegner kurz rochieren. Dann setzte er seine Bauern am Königsflügel in Bewegung und brachte seine Figuren in Stellung. Irgendwann war die schwarze Festung dann sturmreif:
Deep Junior 8 ZX vs. Ruffian 2.1.0
41. Lxg6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2rr1q2/3b1p1k/p3pPpp/3pP3/3bB2Q/7P/3B2P1/1R3R1K w - - 0 41
Das geübte Schachauge sieht sofort, dass es sich bei Lxg6 nur scheinbar um ein Opfer handelt, denn Weiß kann ja im nächsten Zug gleich den Läufer auf d4 zurücknehmen. Trotzdem markiert dieser Zug den Punkt in der Partie, an dem der Vorteil endgültig zugunsten Juniors kippte. Ein wirklich feiner Zug gelang Junior dann noch einige Züge vor dem Ende der Partie:
Deep Junior 8 ZX vs. Ruffian 2.1.0
47. g4!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2r5/3r1q1k/p3pPp1/1b2P1Qp/3p4/7P/3B1RPK/1R6 w - - 0 1
Der finale Schlag gegen das schwarze Lager reißt die Königsstellung ganz auf (Ruffian antwortete mit hxg4). 10 Züge später war Ruffians Stellung aufgabereif.
Viertes Spielwochenende (22.12. / 23.12.05)
23.12.05 - Frauenversammlung!Mehr als zwei Damen auf dem Brett hat man in praktischen Partien selten. Nicht so beim Masters, dort kommen gelegentlich mehrere Exemplare der stärksten Figur auf das Spielfeld. Auch wenn es vielleicht ein Einzelfall bei diesem Turnier bleiben wird, kurios sah es schon aus, als sich jeweils zwei Damen jeder Seite in der Schlacht gegenüberstanden:
SmarThink 1.0 vs. Deep Junior 8 ZX
Stellung nach 52. ..e1D
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 3Q4/5pk1/8/2q5/5pP1/3Q3P/5PK1/q7 w - - 0 53
Auch wenn man mit Schwarz hier noch auf Dauerschach spekulieren mag: Weiß gewann diese Partie souverän, nachdem ein Damenpaar kurze Zeit später abgetauscht wurde.
22.12.05 - Schwieriges Endspiel:
Wie würden Sie das folgende Endspiel einschätzen, welches in der 7. Runde zwischen Chess Tiger 15 und Deep Junior 9 (Gruppe E) aufs Brett kam:Chess Tiger 15 vs Deep Junior 9
53. .. Ke2
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/7p/1B2n3/1P6/5p1P/5k2/1P6/1K6 b - - 0 53
Nicht gerade einfach, oder? Spontan würden wohl die meisten lieber mit Schwarz spielen wollen. Der schwarze König steht einfach besser und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der weiße Läufer für den f-Bauern opfern muss. Die meistens Engines schätzen diese Stellung auch leicht besser für Schwarz ein; der Tiger sah sich nach seinem letzten Zug (Lb6) sogar mit -2.31/19 im Nachteil. Trotzdem gewann Weiß die Partie. Die Frage, wo DJ9 ggf. einen Fehler gemacht hat, lässt sich nicht so leicht beantworten. Doch scheint es wichtig zu sein, dass der weiße König nicht in die Nähe des Umwandlungsfeldes b8 gelangt, sonst zieht Schwarz am Ende den Kürzeren (der Springer muss sich auch opfern und der zweite b-Bauer ist schneller als der schwarze h-Bauer). Wahrscheinlich ist die Stellung bei beiderseitig bestem Spiel remis, aber das ist nur eine Vermutung. Wer will, kann gerne mal selbst analysieren...
Drittes Spielwochenende (15.12. - 18.12.05)
18.12.05 - Zeitprobleme!
Nicht nur Menschen geraten in Zeitnot, manchmal neigen auch die Computerprogramme dazu, zuviel Zeit zu verbrauchen. Plötzlich sehen sie sich dann schwierigen Stellungen gegebenüber, in denen man mit nur noch Sekunden auf der Uhr taktisch ausgeknockt wird. An diesem Tag passierte genau so etwas gleich zweimal! Im ersten Fall standen sich Chess Tiger und Fruit gegenüber - eine Partie, die sich endlos in die Länge zog: Bis zum 33. Zug war noch keine einzige Figur vom Brett verschwunden!Chess Tiger 15 vs. Fruit X
Stellung vor 33. bxa6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2b1r1k1/r1q1npb1/pp1p4/1PpPp1p1/2P1Pn1p/P1N1NP1P/6P1/RBRQ1KB1 w - - 0 33
Beiden Programmen fiel einfach nichts ein, sie unternahmen keinerlei aktive Versuche. Fruit bewertete die Stellung die ganze Zeit über völlig ausgeglichen - sicherlich eine korrekte EInschätzung. Doch anstatt sich an das etwas rasantere Zugtempo seines Gegners anzupassen, ließ sich die spielstarke "Frucht" ein wenig zuviel Zeit für ihre Züge. Ungefähr im 90. Zug hatte Fruit dann nur noch Sekunden auf der Uhr; Bediener Andreas Schwartmann hoffte jedes Mal auf einen Pondertreffer, um wenigstens ein wenig Zeit einzusparen. Schließlich kam es, wie es kommen musste - der hohe Zeitverbrauch wurde bestraft. In der folgenden Stellung brauchen Programme eben etwas länger, um zu sehen, dass ein bestimmter Zug zum Partieverlust führen wird:
Chess Tiger 15 vs. Fruit X
97. ..Tb6?
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 1q3k2/3b1p2/r2p1b2/1NpPp1p1/2P1Pn1p/5P1P/1RBB2PK/1Q6 b - - 0 97
Die Antwort des Tigers (98. La5!) lässt die schwarze Stellung zusammenbrechen. Das ist nicht einfach zu sehen - mit nur noch Sekunden auf der Uhr hat eben auch ein starkes Programm wie Fruit nicht genug Zeit, den richtigen Zug zu finden (Ta8 oder Kg7 statt Tb6 hätten bequem das Remis gehalten). So aber konnte Tiger zunächst eine Figur und schließlich die Partie gewinnen.
In der zweiten passierte Hiarcs 10 ein ähnlicher Fauxpas. Doch dieses Programm traf es noch ungleich schlimmer, denn es hatte bis kurz vor dem Ende sogar Vorteile und hätte mit mehr Zeit auf der Uhr die Partie möglicherweise gewonnen! Die Partie zwischen dem mit schwarz spielenden englischen Programm und Deep Junior 8 hatte es aber auch so in sich; nachdem Junior-Bediener Klaus Richter im bisherigen Turnierverlauf viel leiden musste, sah er diesmal eine tolle Partie von seinem Schützling! Nach 40 Zügen sah die Brettposition so aus:Deep Junior 8 vs. Hiarcs 10
Stellung nach 40. Dg3
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 1r1bb1k1/1r1q2pp/3p1p2/2p1pPP1/p1P1P2P/P2P2Q1/1BR3R1/3B2K1 b - - 0 40
Junior bewertet diese Stellung positiv für sich, sie dürfte aber weniger gefährlich für Schwarz sein als es den Anschein hat und daher eher ausgeglichen sein. In der Folge erarbeitete sich Hiarcs immer weiter Vorteile, indem er in die weiße Stellung eindrang und Junior gehörig unter Druck setzte. Junior musste sich schon etwas einfallen lassen, um dem Gegner mit einer verkomplizierten Stellung mehr Zeit abzuknöpfen:
Deep Junior 8 vs. Hiarcs 10
Stellung vor Lxh6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 1q6/4k1p1/2bp1pPp/2p1pP1P/p1P1P3/Pr1P1BRK/1bR1Q3/1rB5 w - - 0 61
Lxh6 ist ein wunderbarer Zug! Nicht, dass dadurch die Stellung zugunsten von Weiß kippen würde. Aber er schafft Probleme, wo vorher keine waren und das gab in dieser Partie den Ausschlag. So etwas ist typisch für Junior - er versteht es manchmal meisterhaft, den Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. Hier hat es wieder gewirkt - aufgrund der Zeitknappheit gelang es Hiarcs nicht, seinen Stellungsvorteil zu verwerten. Im Gegenteil, Hiarcs ließ sich in Zotnot immer weiter in Probleme verwickeln. Nach einer gröberen Ungenauigkeit entkorkte Junior schließlich wieder einmal einen seiner unnachahmlichen Züge, welcher die Stellung sofort zu seinen Gunsten kippen ließ.
Deep Junior 8 vs. Hiarcs 10
Stellung vor 77. Da6!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 6q1/3bk1P1/5pR1/Q1p1pP1P/prP1P3/4bB1K/8/8 w - - 0 77
Game over für Hiarcs: Da6 droht den tödlichen Einschlag auf f6, der schwarze Läufer muss auf g5 zurück, um diesen Punkt zu decken. Junior kann inzwischen seinen h-Bauern weiterziehen und zum finalen Schlag ausholen. Hiarcs letzten Zug, 76. ..Tb4, muss man im Nachhinein mit einem Fragezeichen kommentieren, denn andere Züge hätten die Stellung wohl noch im Gleichgewicht halten können (z.B. Td2, um nach Da6 den Turm auf d6 stellen zu können). Trotzdem war es schwierig für Hiarcs, Da6 kommen zu sehen - testen Sie es selbst, welche Programme diesen Zug in vertretbarer Zeit finden (Junior brauchte in der Partie nur 42 Sekunden!). Junior nahm in der Folge die schwarze Stellung kunstvoll auseinander, am Ende hatte er quasi drei Damen auf dem Brett:
Deep Junior 8 vs. Hiarcs 10
87. h8D, Aufgabe Schwarz
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/2k3PP/6Q1/2p1pP1K/p1q5/5r2/8/8 w - - 0 87
17.12.05 - Ein König wird gekrönt...
Spontan mag man bei diesem Titel an die Engine "The King" denken. Doch der ist hier nicht gemeint, sondern Ktulu mit Bediener Wolfgang Draeger. Diesem gelang es doch tatsächlich, in allen bisher gespielten 6 Runden Unentschieden zu spielen. Ktulu ist damit offiziell Remiskönig! Dieser Titel wurde ihm eigentlich schon nach der fünften Runde verliehen, worauf Wolfgang in Ktulus Engine-Anzeige den Zusatz "Drawking" einfügte. Dieser machte dann seinem Namen alle Ehre und spielte gegen den bislang punktlosen The Baron wieder Remis. In der Runde zuvor hatte Ktulu vielleicht seine besten Gewinnchancen. Der mit Weiß spielende Gegner war Spike. Schon nach der Eröffnung stand Ktulu besser und baute seinen Vorteil nach und nach aus. Dann wurde die Stellung immer komplizierter, ein taktischer Schlagabtausch entstand. Schließlich gelang Spike der entscheidende Konter, so dass er sich ins Remis retten konnte:Spike X vs. Ktulu 7.5
43. Sxh7!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 5r1k/p6p/4Q1p1/P1pP2N1/n2bB2P/2p1q1P1/6R1/B4b1K w - - 0 43
Dieser Zug ist nicht ganz trivial und wird von manchen Engines erst recht spät gefunden. Spike fand ihn jedoch mit wenig Zeit auf der Uhr und konnte damit forciert ins Remis abwickeln. Wolfgang schlitterte in dieser Partie zum wiederholten Male am Sieg vorbei, denn sein Ktulu hatte in diesem Turnier schon öfter sehr vorteilhafte Stellungen auf dem Brett, die er dann am Ende nicht verwerten konnte. Der sympatische Bediener nahm's jedoch ganz locker: "Egal, ich hatte auch so eine Menge Spaß..."
16.12.05 - Zappas schwerste Stunde
In dieser Runde traf es beide Zappas hart: Das Weltmeisterprogramm musste sich in zwei Partien mit jeweils unterschiedlichen Bedienern dem vermeintlich schwächeren Gegner geschlagen geben. Zunächst erwischte es Marek Baron, der mit Schwarz gegen Spike (Marc de Bruyne) antreten musste. Nach der Eröffnung entstand eine ausgeglichene Stellung mit leichtem weißen Vorteil. Spike gelang es in der Folge, langsam Druck aufzubauen, der sich in einem spektakulär aussehenden Zug entlud (dieser Einschlag wird von den meisten Programmen jedoch sehr schnell gefunden, hat Zappa ihn etwa übersehen?):Spike X vs. Zappa 2.1b
31. Sxf7!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) b3r1k1/q1r2pp1/p2bnn1p/3pNB2/3P1P2/P5N1/3QRBPP/4R2K b - - 0 30
Der daraus entstehende Materialgewinn (Qualität plus Mehrbauer) reichte Spike zum Gewinn. In der anderen Partie konnte der Buchautor des Weltmeisters sein Schicksal kaum glauben: Erdo war mit der Stellung nach der Eröffnung sehr zufrieden, denn diese Art von Positionen behandelt Zappa sonst extrem gut (da Weiß einen scharfen Angriff entfachen kann):
Zappa 2.1b vs. Chess Tiger 15
Stellung nach Verlassen der Eröffnungsbücher
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1bqk2r/pp1n1ppp/2pb4/3n2P1/2BN4/2N1P3/PPQB1P1P/R3K2R b KQkq - 0 11
Zunächst lief auch alles nach Plan, nach der kurzen Rochade des Schwarzen führte Zappa seine Springer in Richtung des gegnerischen Königs und rochierte seinerseits lang. Die Schießscharte g-Linie wurde ebenfalls geöffnet, da der sich der Tiger g5 einverleibte. Außerdem rückte der h-Bauer heran, um den gegnerischen Aufbau zu stürmen. Was sollte also noch schiefgehen? Der Tiger konnte Zappa zu einem nicht erzwungenen Damentausch und einer Abwicklung (Turm vs. Springer und zwei Bauern) verleiten. Danach sah die Stellung plötzlich so aus:
Zappa 2.1b vs. Chess Tiger 15
Stellung nach 30. ..Lxh6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 4r1k1/pp3p1p/1np1n1pb/8/4P3/P2R2N1/1PK1BP2/3R4 w - - 0 31
Nun blühte der Tiger richtig auf, während Zappa sich in seiner Rolle zunehmend unwohler fühlte. Der schwarze Plan ist klar: Die Bauern am Königsflügel müssen nach vorne! Mit komplizierten Manövern gelang es dem Chess Tiger nach und nach, diesen Plan zu verwirklichen und am Ende sogar den vollen Punkt einzufahren.
15.12.05 - Sensation: Titelverteidiger erneut geschlagen!
Was ist nur mit dem letztjährigen Turniersieger los? Beim Online-Masters 2004/05 kam Deep Shredder (Zor_Champ) noch ohne Niederlage durch das gesamte Feld bis ins Finale. Und nun schon der zweite Verlust gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner? Nun, auf dem Papier war die Hardware des Titelverteidigers zwar mehr als doppelt so schnell (Dual Opteron vs. Single Athlon XP), aber bei den Engines sieht die Sache ein wenig anders aus. Toga 1.1 dürfte Shredder 9 inzwischen knapp überholt haben. Trotzdem war es erstaunlich, wie mühelos Toga gestern den großen Gruppenfavoriten überspielt hat, allerdings zunächst nur bis zu einem bestimmten Punkt. Lassen wir an dieser Stelle den Toga-Bediener Heiko Langhans zu Wort kommen:
"Eine Partie der 5. Runde, die man nicht alle Tage sieht: Toga kommt sehr gut aus der Eröffnung und baut langsam, aber gezielt seinen Stellungsvorteil weiter aus. Dann findet aber er lange Zeit (rund 50 Züge!!!) nicht den richtigen Gewinnweg, da Toga zum einen nicht über TB-Zugriff verfügt, zum anderen sich nicht von seinem g-Bauern trennen wollte.Die zweite Hälfte der Partie ging einzig um die Fragestellung: 'Kd6 or not Kd6'...und alle Anwesenden (mich natürlich schwitzend eingeschlossen) waren am Verzweifeln. Doch dann - im 100. Zug wird Toga auf das erlösende Kd6 durch ein Schach von Deep Shredder 9 förmlich gedrängt... nach dem Motto: Wenn Du (Toga) es nicht findest, zeige ich (Shredder) Dir, wie Du hinkommst ;-)
Aber schaut selbst.. übrigens: Fruit und Fritz (der ja nun TB´s hat) tun sich in diesem Endspiel T-S auch sehr, sehr schwer."
Mit 58.Txh6 ging das Drama los...
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/5k2/5p1R/5Pp1/3K1nP1/8/8/8 b - - 0 58
... und im 100. Zug gab es schließlich die Erlösung!
100. Kd6!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/6k1/3K1p2/4nPp1/6P1/8/7R/8 b - - 0 100
Zweites Spielwochenende (8.12. - 11.12.05)
11.12.05 - Der Tiger zeigt seine Krallen:
Glücklos verlief das Turnier in den ersten drei Runden für den Chess Tiger der Gruppe E, er musste sich in allen drei Partien geschlagen geben. In Runde 4 zeigte der Tiger dann jedoch, dass er noch scharfe Krallen besitzt. Der Gegner war das Amateurprogramm Scorpio, welches bis dato eine gute Leistung gezeigt hatte. Mit einem feinen positionellen Manöver gelang es dem Tiger zu zeigen, wer der Chef in der Manege ist:Scorpio 1.6 vs. Chess Tiger 15
41. ..Dc2!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 6k1/6p1/4p1qn/3pP3/2p2P2/B1P2QPp/rP5P/4R1K1 b - - 0 41
Dieser Zug sieht unscheinbar aus, hat es jedoch in sich! Weiß bekommt wie aus heiterem Himmel große Probleme: Der schwarze Springer lauert bereits darauf, nach g4 zu hüpfen, während der Turm auf a2 indirekt auch eine große Rolle spielt. Sollte nämlich irgendwann ein schwarzer Bauer nach c3 gelangen, sieht es für Weiß sehr übel aus. Und genau das geschieht in der Partiefolge: Zunächst werden die Damen getauscht (forciert für Weiß), der Springer kommt nach g4 und im Zentrum spielt der Tiger d4, um nach cxd4 selbst seinen Bauern nach c3 zu bringen. In die weiße Stellung hat plötzlich der Blitz eingeschlagen und 20 Züge später musste Scorpio aufgeben.
10.12.05 - Zwei Deeps prallen aufeinander...
In der vierten Runde kam es zu einem Showdown in Gruppe A: Deep Fritz traf auf Deep Junior. Bei diesem Prestigeduell ging es richtig zur Sache: Zunächst war Fritz am Drücker, doch nachdem sein anfänglicher Angriff abgeebbt war, kam Junior mehr und mehr ins Spiel. Schließlich gelang es Fritz jedoch wieder, mit feinen Manövern eine Angriffsstellung aufzubauen, die den Gegner wohl eingeschüchtert hat:Deep Fritz 8 vs. Deep Junior 8
40. ..hxg5?
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2rr1k2/3q1pp1/p3p2p/4P1P1/1P3Q2/2n2B1P/2P2R2/R6K b - - 0 40
Jeder Mensch kann nachvollziehen, dass die schwarze Stellung nicht gerade angenehm aussieht. Doch der Zug Sd5 hält alles noch in der Waage. Wie ein Kaninchen vor der Schlange ließ sich Junior jedoch zu hxg5? hinreißen, worauf der weiße Angriff voll durchschlug. Nach 6 weiteren Zügen streckte Junior schließlich die Waffen...
9.12.05 - Junior, der Fallensteller!
Gruppe C, Runde 3 / 4: Der Gruppenfavorit Deep Junior 9 versteht es offenbar, seinen Gegnern Gegnern im passenden Moment eine Falle zu stellen. In Runde 3 musste Deep Sjeng dran glauben, während es Fritz 9 in der vierten Runde erwischte:Deep Sjeng X vs. Deep Junior 9
33. ..c5!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 8/2p1kp1p/1np1bp2/1p2r3/p3P1P1/P2BP1NP/1PPR4/3K4 b - - 0 33
Der Zug sieht komisch aus, scheint er doch nach Lxb5 erst einmal einen Bauern herzugeben. Dieser Bauer ist jedoch vergiftet, weil in Folge der weiße Läufer ausgesperrt wird und Schwarz es gelingt, am Damenflügel die weißen Bauern einzukassieren. Deep Junior konnte am Ende souverän den Sieg erringen.
In der anderen Partie trafen die beiden Gruppenfavoriten Junior und Fritz aufeinander. Die beiden lieferten sich ein spannendes Duell und schenkten sich dabei nichts. Vielleicht verzettelte sich Fritz dann ein wenig im Mittelspiel, so dass es zu Abtauschaktionen kam, die ungewöhnliche Materialverhältnisse hinterließen. Schließlich kam es zu folgender Stellung, in der Fritz schließlich daneben griff:
Deep Junior 9 vs. Fritz 9
59. ..Txh2?
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2Q5/5k2/8/p3np2/2p3p1/3bK1P1/1r5P/3R4 b - - 0 59
Auf den ersten Blick scheint der Zug okay zu sein, er lässt jedoch zu, dass sich der weiße König im Zentrum einnistet und dort eine aktive Stellung einnimmt. In der Folge davon bricht die schwarze Stellung zusammen, weil Juniors Figuren ihre volle Wirkung entfalten können. Der richtige Zug wäre Te2+ gewesen, wodurch der schwarze Turm aktiv bleibt. Der weiße König kann dann mit einer Reihe von Schachgeboten über das Feld getrieben werden, so dass es schwierig wird, für Weiß einen Gewinnweg zu finden.
8.12.05 - Favoritenremis in Gruppe B (Runde 3):
In der Partie zwischen Fruit und Zappa sollten richtig die Fetzen fliegen - wenn es nach den Bedienern ginge. Diese lieferten sich vor der Partie bereits ein Wortgefecht darüber, welches denn nun die bessere Engine sei. Das Gefecht wurde schließlich auf dem Brett ausgetragen und es ging wahrlich heiß her: Nach ausgeglichener Eröffnung belauerten sich die Kontrahenten zunächst nur ohne aktive Pläne zu verwirklichen. Dann ergriff Zappa im Zentrum die Initiative:Fruit X vs. Zappa 2.1b
28. ..d4!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2rbr1k1/1p3b2/p1nq2p1/P2p1p1p/4nP2/1NPBBNP1/1P2R1QP/R6K b - - 0 28
Diesen Zug fand Zappa in weniger als 2 Minuten, was wirklich nicht jede Engine schafft (testen Sie es selbst; manche Programme finden diesen Zug gar nicht oder erst später). Fruit sah sich alsbald genötigt, die Qualität für einen Springer und Bauern herzugeben. In der Folge verteidigte sich Fruit recht geschickt und setzte sein Läuferpaar ein. Am Ende musste Zappa das Material zurückgeben und die Partie wurde Remis.
Erstes Spielwochenende (1.12. - 4.12.05)4.12.05 - Die Spiele der Gruppen D + E (Runde 2):
Auch an diesem Tag gab es wieder einige Überraschungen. Deep Shredder 9 wurde von Deep Gandalf beta positionell überspielt und in eine Stellung gebracht, in der sich der Weiße kaum noch rühren konnte:
Deep Shredder 9 vs. Deep Gandalf 7 beta
67. f6
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 7k/5pp1/7p/2q2P2/1p2p3/8/1PP1QbPP/r1B2R1K w - - 0 67
Was soll Shredder schon tun? Der schwarze e-Freibauer wird im nächsten Zug nach e3 marschieren und dort seine Position festigen. Die weißen Figuren übernehmen alle nur Verteidigungsaufgaben und können selbst nicht aktiv werden. Es herrscht beinahe so eine Art Zugzwang. Shredder entschloss sich für den besten Zug f6, welcher die Partie aber auch nicht mehr retten konnte - Gandalf gewann 20 Züge später die Partie!
Etwas überraschend konnte sich in Gruppe E auch Scorpio den vollen Zähler gegen Spike sichern. In einer tollen Angriffspartie (Sizilianische Eröffnung) entschieden schließlich die weißen Freibauern am Damenflügel .
3.12.05 - Auch Computer können patzen:
Gruppe A, Runde 2: Ruffian 2 gewinnt gegen Deep Junior 8, an und für sich kein Beinbruch, auch wenn DJ u.a. wegen schnellerer Hardware sicherlich Favorit war. Doch wie Junior verloren hat, war für Bediener Klaus Richter ein Schock:
Ruffian 2 vs. Deep Junior 8
20. .. Scd7??
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) 2rb1r2/1p3ppk/p3qn1p/2n1pN2/P3P3/2N2Q2/1PP3PP/R1BR3K b - - 0 2
Die Stellung war sicherlich schon vorher etwas besser für Weiß, aber mit Zügen wie Lc7 oder Tc6 noch haltbar für Schwarz. Deep Junior macht jedoch a tempo einen Verlustzug, der die Partie praktisch hinschmeißt. Der weiße Turm kann nun nach d6 gelangen und die schwarze Dame vertreiben; die Stellung ist danach hoffnunglos für Schwarz. Was DJ zu diesem Zug bewegt hat, weiß wohl nur der Programmierer...
Obiges Beispiel ist jedoch nicht der einzige seltsame Fall, der sich in der zweiten Runde ereignete. In Gruppe C warf The Baron gegen Loop List seine Partie ebenfalls mit einem einzigen Zug weg:
The Baron vs. Loop List
40. Th1??
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r3r1k1/5pp1/1p5p/7R/2P2PP1/B2Qp3/P3B1K1/q7 w - - 0 40
Hier hätten Züge wie Te5 oder Tb5 noch Widerstand geleistet bzw. die Partie vielleicht sogar Remis gehalten. Die Partie war bis zu diesem Zeitpunkt äußerst spannend, denn The Baron konnte trotz Hardware-Nachteils gut mithalten. Nach dem Verlustzug Th1 allerdings war die Partie sofort entschieden.
2.12.05 - Der Tag der "Fast-Sensationen":
Die erste Runde der Gruppe D bot einige der berühmten "Beinahe-Sensationen". So standen in den Begegnungen Deep Shredder vs. SOS, Deep Gandalf (beta) vs. Little Goliath exp. und Fruit X vs. The King die jeweils mit Weiß spielenden Favoriten zeitweise schlechter. Es bestand vielleicht keine unmittelbare Verlustgefahr, doch Zuschauer und Bediener witterten einmal mehr, dass es eventuell wie am Vortag einen Favoritenskalp geben könnte. Doch am Ende kam es ganz anders: Die Underdogs verspielten ihren Vorteil und wurden von den sicherer spielenden Top-Engines ausgekontert. Alle drei fuhren den vollen Punkt ein, doch die Verlierer können erhobenen Hauptes in die nächste Runde gehen; sie haben gezeigt, dass man mit ihnen kein leichtes Spiel hat...
Djafar Baigi ("Saht" auf dem Server) wechselte in letzter Sekunde noch von Deep Fritz 7 auf die Privat-Engine "Diep". Er ließ mitteilen, dass die Adapter-Probleme behoben seien, welche manchmal zu seltsamen Problemen beim Einsatz der Engine in der CB-GUI führten. Diep ist sicherlich eine Bereicherung für das Turnier, da man dieses Programm sonst nur bei einigen "Vor-Ort-Events" (ICGA-WM, Leiden, IPCCC) spielen sehen kann. In der ersten Runde musste sich das Programm des Autors Vincent Diepeveen allerdings Hiarcs 9 geschlagen geben.
1.12.05 - Paukenschlag in Runde 1 (Gruppe A):
Titelverteidiger Deep Shredder 9 muss gegen Ktulu 7.5 Federn lassen!
Bediener und Zuschauer waren ganz aus dem Häuschen: Wie kann es passieren, dass der haushohe Favorit in dieser Partie so klar überspielt wurde? Manche sprachen gar von einem Kampf a lá David gegen Goliath. Verständlich, wenn man sich die Hardware-Unterschiede bewusst macht: Deep Shredder auf einem Quad-Opteron System mit 4x 2,6 GHz gegen Ktulu auf einem nicht mehr ganz aktuellen Sempron 3100 (1,8 GHz). Hier dürfte der Rechner des Shredder-Bedieners (Zor_champ) in der Tat ca. 4mal so schnell gewesen sein! Ktulu-Bediener Rainer Serfling war mit dem Abschneiden seines Schützlings beim Thüringer Turnier (4,5 aus 9) nicht zufrieden, doch mit dieser Partie hat er die Scharte wieder ausgewetzt. Trotz Untermotorisierung entlockte der Rechner dem Programm Züge wie den folgenden:Deep Shredder 9 vs. Ktulu 7.5
22. .. d5!
ChessDiag V1.01 (12-OCT-2002) r1r2b1k/1b1n1ppp/pp1p1n2/P3pP2/1q2P2Q/1NNR1B2/1PP3PP/3R2K1 b - - 0 22