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Das Lager Meslay-du-Maine (Mayenne) Das neue Lager bestand aus nichts. Auf freiem Feld standen wir. In meiner Kompanie wurde das sentimentale "Wilde Gesellen, vom Sturmwind verweht, ..." angestimmt. Der Gesang war Ventil. Der Kommandant verkündete, das Lager sei von Maschinengewehrposten umstellt. Auf jeden Flüchtling würde geschossen. Wir glaubten ihm kein Wort. Flüchten? Wohin denn? Währende der folgenden Tage wurden in der ganzen weiteren Umgebung alle Zelte, die sonst auf Jahrmärkten, Schützenfesten usw. gebraucht wurden, requiriert, ebenso alles Stroh. Nach und nach wurden alle Internierten in Zelten auf Strohlagern untergebracht. Auch gab es jetzt morgens Kaffee und schließlich auch eine warmes Essen. Und auch richtigen Stacheldraht um das ganze Lager. Der Karzer war ein leerer Ziegenstall. Es gab dort mehr Stroh als im Zelt, und es war wärmer. Häufig spielte der Gefangene durch die halboffene Tür Schach mit dem Wachsoldaten.
Meslay-du Maine liegt im Lande des Calvados. Die meisten von uns kannten diesen tückischen Apfelschnaps nicht. Eines Abends kamen sechs Wachsoldaten - alle über 50 Jahre alt - mit einigen Flaschen Calvados in unser Zelt. Es wurde sehr fröhlich, und schließlich schenkten uns die Soldaten ihre (ungeladenen) Gewehre. Sie sagten uns, kein Offizier sei im Lager. Am nächsten Tage wurde im Lager erzählt, die Sache sei den Offizieren zu Ohren gekommen und eine Untersuchung sei im Gange. Ich verpflichtete die Kompanie, unter keinen Umständen einen der Soldaten zu belasten. Einzige Aussage, komme, was da wolle: "Ich war total blau; ich erinnere mich an absulut nichts." Sie haben alle standgehalten. Fast täglich wurden einigen Internierten Die Möglichkeit zu Arbeiten für Privatleute außerhalb des Lagers geboten. Am begehrtesten waren Bauhandwerker, auch Installateure und Tischler. Die Internierten meldeten sich gern. Die Zahl der Arbeitenden überstieg niemals 10% der Belegschaft.
Mitte November ergriff das Lager eine fiebrige Unruhe. Es ging das Gerücht um, eine Kommission sei aus Paris angekommen, um die Fälle zu überprüfen, die eventuell für eine Entlassung in Frage kämen. Tatsächlich wurden ab etwa 20. November fast täglich Gruppen von schätzungsweise 20 bis 50 Internierte freigelassen. Die Betroffenen wurden am Vorabend gegen 21.00 Uhr aufgefordert, am nächsten Morgen um 6.00 Uhr mit allem Gepäck abmarschbereit zu sein.
Die zurückbleibenden Kameraden fragten mich, ob ich bereit sei, Post für sie mit hinauszunehmen. Ich erklärte mich bereit, machte sie aber auf ihr eigenes Risiko aufmerksam, falls ich durchsucht würde. Mein Risiko schätzte ich auf etwa drei Tage Karzer oder - und - 14 Tage weiteres Verbleiben im Lager.
Am nächsten Morgen war Abmarsch aus dem Lager. Es mag eine Kolonne von etwa 50 Mann gewesen sein. Das Gepäck, die Alten und Schwachen wurden auf einem LKW befördert; wir anderen marschierten die etwa 3 km zum Verwaltungsgebäude des Lagers gern zu Fuß.
Dann folgte der letzte Appell. Auf einem Tisch stand ein Leutnant, der langsam einen Namen nach dem anderen aufrief. Der Aufgerufene musste etwa 30 Schritte weit vor dem Tisch vorbeigehen und wurde dabei vom Lagerkommandanten, der neben dem Leutnant stand, noch einmal scharf gemustert. Als ich aufgerufen worden war und mit zerbeultem Hut in der Hand vor dem Tisch stand, sagte der Kommandant: Vom Bahnhof Meslay-du-Maine fuhren wir nach Laval. Dort hatten wir fünf Stunden Aufenthalt.. Entgegen der erhaltenen Weisung erlaubte ich den vier Angehörigen meiner früheren Kompanie, das Bahnhofsgelände zu verlassen, bat sie aber dringend,, sich nicht zu betrinken, Auseinandersetzungen - mit wem auch immer - unbedingt zu vermeiden und spätestens 30 Minuten vor der Weiterfahrt zurück zu sein. Sie haben es gewissenhaft befolgt. Am späten Abend kamen wir in Paris an und gingen auseinander. Jetzt war ich wieder "privat". Noch in der Nacht fuhr ich weiter nach Toulouse, dort mit der Straßenbahn vom Bahnhof zur Pont des Demoiselles, von wo damals die "Micheline" direkt nach Revel fuhr. Am 26. November kam ich dort an. |
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