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Ehrenbürger der Stadt Braunschweig
Die Feierstunde zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft fand am 15. Juni 1977 in der Dornse des Altstadtrathauses in Braunschweig in Anwesenheit von etwa 200 geladenen Gästen statt. Damit haben Sie an die beste bildungspolitische Tradition des alten Landes Braunschweig angeknüpft. Gern danken wir Ihnen auch für Ihren Beitrag, den Sie geleistet haben, damit das heutige Georg-Eckert-Institut eine so große Bedeutung gefunden hat. Wer wüßte das besser als Ihr viel zu früh verstorbener Freund Georg Eckert. Viele Ehrungen haben Sie in den letzten Jahren erfahren. Sie sind Ehrenvorsitzender der Bundesorganisation und des Landes Niedersachsen der GEW. Ihre Leistungen sind national und international anerkannt und Sie genießen hophes Ansehen. Ihre Heimatstadt Braunschweig ist stolz auf Sie. 1967 wurden Sie mit dem Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. 1968 erhielten Sie das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1970 den Kulturpreis des DGB. Ihnen wurde im Juli 1968 als erstem Deutschen ein Gedenkstein in einem Ehrenhain in Israel gewidmet. Ihr Name hat im In- und Ausland einen guten Klang. Sie haben den Ruf Braunschweigs als Stadt der Schulen sowie als Wissenschafts- und Forschungszentrum gefestigt und gefördert. Wenn der Rat der Stadt Braunschweig Ihnen jetzt das Ehrenbürgerrecht verleiht, ehrt er damit eine Persönlichkeit, die sich um die Stadt Braunschweig verdient gemacht hat."
In seiner Dankesrede sagte Heinrich Rodenstein:
1. wir wollten die damalige Generation von Studierenden, die schicksalhaft vom Befehlen und Gehorchen herkam, zum kritischen Gebrauch ihres eigenen Verstandes ermuntern. Und wir wollten, dass sie empfindsam würden für jedermanns Freiheit und Würde. 2. wir wollten die vom geistfeindlichen Dritten Reich bis hinter 1870 zurückgeschraubte Ausbildung der Volksschullehrer in Braunschweig wieder auf das Niveau von etwa 1930 heben und unserer Zeit anpassen. Diese Aufgaben übersteigen weit die Kraft des Einzelnen. Es bedurfte einer in ihren Vorstellungen und in ihrem Wollen übereinstimmenden Gruppe leidenschaftlich engagierter Mitarbeiter. Dieser Glücksfall trat damals an der Kant-Hochschule ein.
In seiner Dankesrede beschäftigt sich Rodenstein dann mit den 35 Menschen, denen vor ihm von 1838 bis 1969 die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. Bis November 1918 verlieh die Stadt Braunschweig 19 mal die Ehrenbürgerschaft, darunter an zwei Frauen, nämlich am 7. Mai 1862 an Frau Luise Löbbecke und am 28. Januar 1906 an die Gräfin Görtz-Wrisberg, die Witwe des Staatsministers gleichen Namens. In der Zeit der Weimarer Republik gab es drei neue Ehrenbürger. Während des Dritten Reiches wurden insgesamt fünf Ehrenbürger ernannt, die aber später wieder zurückgenommen wurden. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden insgesamt acht Ehrenbürger ernannt, darunter Frau Martha Fuchs.
Die Dankesrede endete mit zwei persönlichen Aussagen: Die Rodensteins leben seit Generationen hier. Braunschweig ist die Stätte meiner Irrungen und Wirrungen, Torheiten, Eseleien und nicht zuletzt auch meiner Jugendträume und, ach, so süßen Illusionen. Ich war kein Musterknabe. Meine gute und kluge Mutter kannte ihre sechs lebenden Kinder sehr wohl. Eines Tages - ich mag etwa zehn Jahre alt gewesen sein - beschwerte ich mich bei ihr über einen meiner Lehrer. Sie sah mich mit ihren hellen, blauen Augen an und sagte: "Du,du willst dich über deinen Lehrer beschweren? Dich Früchtchen kennen wir doch!" Ja, "Früchtchen" sagte sie. - Im übrigen glaube ich auch nicht, dass Musterknaben - und für Mädchen gilt das gleiche - die besten Voraussetzungen für die Bewährung im Leben als Erwachsene mitbringen. Kein Musterknabe, nur ein Mensch in seinem Widerspruch, ein Früchtchen. |
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