Ortsheimatpflege


Hier können Sie Berichte und Geschichten aus der Vergangenheit Angerstein`s nachlesen.
Zusammengestellt und teilweise auch im Mitteilungsblatt Nörten-Hardenberg veröffentlicht, durch unseren

Ortsheimatpfleger Eberhard Christ

Vielen Dank für diese Arbeit

 

Zunächst ein Bericht des Göttinger Tageblatt vm 04.01.2007 über den Ortsheimatpfleger
Eberhard Christ

GT-Bericht

 

Ein weiterer Bericht aus dem Leben in der vergangen Zeit, in Angerstein, ist unter dem folgenden Link nachzulesen.

Das Gesinde des Gutsbesitzers Herrn Franz von Daake, Angerstein (Ladezeit beachten, ca. 820 kb)

 

Sehen Sie bald einmal wieder hier vorbei, wir werden in Kürze diese Rubrik mit weiteren Geschichten ergänzen.

 

 

 

 

 

Woher kommt der Name ANGERSTEIN                                                                                             
Ein Beitrag von Ortsheimatpfleger E. R. Christ
 
Der Name Angerstein ist ein Widerspruch in sich: Unter ‚anger’ ist eine niedrig liegende Wiesen- / Weidefläche zu verstehen, zu feucht für Ackerbau. Der größte Teil der Flur des mittelalterlichen Dorfes Angerstein*bestand aus Anger. Das Grundwort ‚stein’ weist auf eine vorwiegend steile Anhöhe hin; im Ort gibt es sie nicht. - Nun liegt einen Kilometer nördlich das ehemalige Benediktinerkloster Marienstein. Dieses befindet sich in der Tat auf einem Höhensporn. Sein Name war bis eingangs des 17. Jh. Steina. Naheliegend wäre nun anzunehmen, der Ort Angerstein hätte als Anger für das Klostervieh gedient und von daher seinen Namen erhalten, Anger(von)Stein(a).
 
Dagegen spricht: Ein Flurstück zwischen dem Kloster Marienstein im Norden und dem südlich gelegenen Dorf Angerstein auf einer Karte von 1760 hat den Flurnamen Zwischen dem Steine und dem Kloster.
Das lässt vermuten, es habe weiter südlich tatsächlich ein Stein bzw. ein steinernes Denkmal existiert. Für diese Annahme spricht, dass,  hier noch erkennbar, diagonal über die Fläche von Südost nach Nordwest der frühmittelalterliche Hellweg zu der links oben auf der Karte angedeuteten Leinebrücke (erstmals 1055 erwähnt) führte. An derartigen Fernverbindungswegen wie dem Hellweg wurden üblicherweise im Mittelalter u. a. steinerne Sühnekreuze aufgestellt.
 
In der Grenzbechreibung des plessischen Herrschaftsgebiets anlässlich der Übernahme durch Hessen-Kassel im Jahre 1571 heißt es: „Die Roda (Rodebach) hienab, und fürders zr rechten hand über das Rodeland den weg hinaus, uf die creutze, so am wege hinder dem kloster Steina stehen, und da dannen fürtters bis dahin, da die Aspel (Espolde) in die grosse Leyne fleusset.
 
                                                                                                                                       
 
 
 
Die Abbildung zeigt einen der drei steinernen Scheibenkreuzsteine, die im Angersteiner Wald stehen. Anfang des 19. Jh. waren sie dort als Grenzsteine in Zweitnutzung eingegraben worden. Unbekannt ist ihr ursprünglicher Aufstellungsort. Man ist versucht zu spekulieren, ob sie die ‚creutze’ aus dem Umfeld des Klosters Marienstein sind.
 
Und noch ein gewichtiges Indiz, dass der Ortsname nicht schlicht aus Anger(von)Stein(a) zusammengefügt worden ist. Sagen beinhalten oft einen historischen Kern. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm haben im zweiten Band ihrer Sammlung deutscher Sagen (1816 und 1818) unter der Nummer 546 die ‚Sage von den Schwanringe zu Plesse’ abgedruckt. Darin wird unter anderem von der Ermordung eines Ritters derer von Schwanring / Plesse wiedergegeben. Und es wird von der Aufstellung eines Sühnesteins durch den Mörder berichtet. Der Text endet: „Die Schäfer zeigen noch die Stelle, wo Sieghart erschossen wurde (zwischen den Dörfern Angerstein und Parenhosen), und fügen hinzu: dass auch daselbst ein steinern Creuz gestanden habe, das Schwanringer Creuz genannt.“  Bis in die 1950-er Jahre wurden die Flächen zwischen den besagten Orten nahezu nur als Anger genutzt, dort, wo der Stein aufgestellt worden war.
Fazit: Ein Stein hatte einst - der Sage nach - auf dem Anger gestanden und war (vielleicht) Namen gebend gewesen.
 
 
Historische Schreibweisen des Namens Angerstein:
( Casemir,K., Menzel,F., Ohainski, U.: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim, 2005, S.32 f.)
 
 
1082 (Fälschung des 12.Jh.)….. Angersten                                1433 ……………………………. Angersteyn
1139 …………………………...Aggerstein                               1493 …………………………….Angersteyna
1150 (Abschrift Anfang 16.Jh.)  Angerstheim                            1535 …………………………… Angersteyn
1150 (        „             „              ) Angerstein                               1588……………………………. Anngerstainn
um 1263 ……………………….Angersten                               1620 ……………………………. Angerstein
1318 …………………………. .Angerstene                              1784 ……………………………. Angerstein
1376……………………………Angersteyn                               1823 ……………………………..Angerstein
1409 …………………………..Angersteine   
         
 
 
Ergänzende Splitter:
 
> In Ungarn gibt es unweit der österreichisch-burgenländischen Grenze die Stadt Szombathely. Ihr früherer  
   Name lautete Steinamanger. Diese Namensbildung mag mit der Angersteins vergleichbar sein.
 
> Im Dachsteingebirge erhebt sich im Gosaukamm bis 2.100 m hoch der Angerstein, ein bei Bergsteigern
   beliebter Gipfel.
 
> Berühmtheiten mit Namen ‚Angerstein’ sind der Schwede Reinhold Rücker Angerstein (1718 - 1760) und
   der Engländer John Julius Angerstein (1735 - 1823). Zumindest bei ersterem führen schwedische 
   Genealogen den Ort Angerstein als Namens gebend an. Vorfahren des Engländers mit Namen Angerstein
   wurden in Kulmbach ausgemacht.