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Spannung und bange
Erwartung liegen in der Luft, wenn an jedem Fastnachtsonntag um 19
Uhr die Lichter in der ganzen Innenstadt gelöscht werden. Mit
dumpfem Trommelwirbel und unruhig lodernden Fackeln kündigt sich das
Femegericht der Pennäler Schnitzelbank an, das seit über 150 Jahren
die Schwächen und "Vergehen" der örtlichen Prominenz (und auch
Nicht-Prominenz) in pikante Verse packt.
Wie ein Derwisch
schwingen die in schwarze Dominos gehüllten Unbekannten den
Schellenbaum durch die Straßen der Altstadt, deren Gaststätten an
diesem Abend bis auf den letzten Platz besetzt sind. Denn nach dem
Einmarsch in die Altstadt tragen die "Schwarzen Gesellen" ihre
Versliste in den Lokalen vor, in denen natürlich schon mancher
Bürger mit klammem Herzen auf den Auftritt der Schnitzelbank wartet,
sich in der Hoffnung wiegend, daß er dieses Mal mit einem blauen
Auge davonkommt, sprich kein Vers über ihn gesungen wird. Denn wen
es erwischt, der darf damit rechnen, daß die Schnitzelbank kein
Blatt vor den Mund nimmt. Ob es der Oberbürgermeister oder der
Gerichtspräsident, der Pfarrer oder der Wirt von nebenan ist - alle
werden aufs Korn genommen. Selbst die unbescholdenen Bürger werden
nicht vergessen. Gesungen werden die spitzzüngigen Verse nach der
Melodie "Auf der schwäbischen Eisenbahn", der Refrain wird vom
Publikum mitgesungen. Wer mitlacht, hat gewonnen. Wer kritisch die
Stirn runzelt, gilt als Miesepeter, denn an Selbstbewußtsein mangelt
es den schwarzen Gesellen beileibe nicht. Aufschluß darüber gibt ein
Schlußvers aus dem Jahr 2003:
Theologen
heutzutage stellen selbst den Papst in Frage. Künftig bleibt
noch unfehlbar lediglich die Schwarze Schar.
Gegen Mitternacht
verschwinden die Gesellen wieder in das geheimnisvolle Dunkel, aus
dem sie gekommen sind. Denn neben dem Aussehen ist es gerade das
Silentium, die absolute Geheimhaltung der Mitglieder, welche die
Schnitzelbank zum Höhepunkt der Fastnacht in der Pferdestadt gemacht
hat.
Am anderen Morgen ist fast
alles vergessen, aber nur fast, denn für ein paarTage bleiben die
Verse noch Stadtgespräch. Die gedruckte Versliste, die man noch in
einigen Geschäften kaufen kann, gleicht einem Narrenspiegel,
vorgehalten von anonymer
Hand. |