Industriekultur
Das Thema dieser Seite ist die Industriekultur- Fotografie und Geschichte in der westeuropäischen Montanindustrie.
Bergbau
Zeche Rheinpreussen:
Schacht IV
1900 Teufbeginn Schacht IV
1902 Karbon bei 132m erreicht
1904 erste Kohlenförderung
1904/05 Errichtung der Tagesanlagen
1962 Förderung wird eingestellt. Nutzung als auziehender Wetterschacht
1964 Baufeld wird stillgelegt
1979 Lüfteranlage (untertage) wird in Betrieb genommen
1990 Entgültige Stillegung
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Die seit September 2000 für die Öffentlichkeit zugängliche Schachtanlage Rheinpreussen IV wurde im Zuge der Westwanderung des Bergbaus zwischen 1900-03 auf Moerser Stadtgebiet abgeteuft. Die Schächte I und II, deren Abteufarbeiten durch den Einbruch von Schwemmsand mit einigen Schwierigkeiten einhergingen, waren Ende des 19. Jahrhunderts in Duisburg-Homberg auf Franz Haniels Initiative hin errichtet worden. Die Förderaufnahme ging jedoch erst nach seinem Tod 1875 vonstatten und dauerte bis 1890 an. Zeche Rheinpreussen insgesamt sollte eigentlich als "reine" Zeche fungieren, also keine Verbindung zur Hüttenindustrie aufweisen und sich vorallem auf den Verkauf und den Versand von Kohle konzentrieren. Aus diesem grund wurde auch trotz Protesten des Duisburger Hafenmeisters 1906 ein zecheneigener Hafen in unmittelbarer Rheinnähe angelegt, der seinerzeit zu den modernsten Häfen des Reviers zählte. Auf Schacht IV wurde mit Beginn der Förderung auch die Tagesanlagen und Nebengewinnungsanlagen errichtet. Der straßenförmig angelegte Gebäudekomplex galt lange als vorbildliche Einrichtung, denn durch die sogenannte Mannschaftsbrücke konnten die oft naßgeschwitzten Kumpel direkt von der Hängebank zur Kaue gehen ohne offenes Gelände überqueren zu müssen. Die fast 10jährige Restaurierung von Schacht IV in Moers-Hochstraß wurde mit sehr viel Liebe zum Detail vorgenommen ohne jedoch zu "steril" zu wirken. Obwohl die Schacht IV heute zwischen einem Baumarkt und einem Heimtierbedarf zunächst etwas deplaziert erscheint, verflüchtigt sich dieser Eindruck doch recht schnell beim Betreten der Zechenstrasse zwischen den Tagesanlagen und dem Doppelstrebenfördergerüst. Auf dem Areal von Schacht V und IX in Moers-Utford befand sich der 1958 errichtete Betonförderturm, der mittlerweile im Abriß begriffen ist, sowie ein Schacht IV ähnliches Fördergrüst und einige Sozialgebäude. Ein besonderes, wenn auch zugleich trauriges "Highlight" der Geschichte der Zeche Rheinpreussen ist mit den Bewohnern der ehemaligen Zechensiedlung Rheinpreussen in Duisburg-Homberg verbunden. Nachdem in den 60er Jahren das große Zechensterben revierweit begann, fielen viele der zu den Bergwerken gehörenden Siedlungen in die Hände von Immobilienspekulanten, die diese entweder zügig dem Erdboden gleichmachten oder sie durch Luxussanierungen für die damaligen Bewohner zu schier unbezahlbaren Wohnraum machten. Doch die Spekulanten bzw. deren Gläubigern hatten die Rechnung ohne die Bewohner der Siedlung gemacht: 1975 gründeten diese eine Bürgerinitiative, die Demos gegen den Abriss der Siedlung organisierten, Mahnwachen hielten, Abrißbagger blockierten und sogar am Kulminationspunkt der Auseinandersetzungen um die Siedlung im Februar 1979 einen 18tägigen Hungerstreik von Betroffenen vor dem Duisburger Rathaus abhielt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn seitdem die Bewohner eine Genossenschaft gegründet haben, um den Wohnraum bezahlbar zu halten und die Reste der Siedlung zu schützen, verwalten sie die 411 Wohnungen in Eigenregie und haben somit auch zur Erhaltung stadt - und regionstypischen Wohnungsbau beigetragen- Hut ab! Heute stehen die urigen Häuser wie z.B. im "Johannenhof" im krassen Gegensatz zu den direkt angrenzenden bedrückend wirkenden Hochhäusern der "Kun"-Siedlung (Kun war einer der Bauspekulanten, der zum Abriß der Häuser beigetragen hatte)und man kann sich nur freuen, dass nicht auch diese Reste der Siedlung solch seelenlosen Bauten weichen mußten. |
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Neue Aufnahmen:




Alte Aufnahmen:












Unter- und Übertage Aufnahmen:

Wagenaufschub 450mS

Bohrmaschineneinsatz

Grubenausbau

Grubenausbau "Türstock"

Herstellung der Pumpenkammer 450mS

Kokerei und Nebengewinnungsanlagen

Schüttelrutsche an der Abbaufront

Turbopumpe

Vor Ort

Verladung im Hafen

Maschinenhalle H.D.-Kraftwerk

Gurtförderer zur Aufbereitung (Rohkohle)

Stahlgliederband

Streckenabzweigung

Erster Benzolwaggon verläßt das Werk

Förderung mit Stahlgliederband

Auffahren einer Flözstrecke

Tagesanlagen

Ein Querschlag wird aufgefahren

Schüttelrutscheneinsatz in einem Streb

Anfahrt "Schichtbeginn"
Hüttenwerk
Hüttenwerk Duisburg-Meiderich (Landschaftspark Duisburg-Nord):
Das Hüttenwerk in Meiderich ist heute das Kernstück des rund 200ha großen Landschaftsparks Duisburg Nord. Das von August Thyssen am 17.03.1902 als "Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb" gegründete Werk nahm 1903 mit drei Hochöfen die Produktion auf. Bis zum Jahr 1908 wurden alle fünf Hochöfen in Betrieb genommen. Erst die im ausgehenden 19. Jahrhundert verfügbare Technologie zur Gewinnung von Koks aus Steinkohle, machte die kolossartigen Hochofen-Werke wie sie heute besichtigt werden können, und teilweise noch immer in Betrieb sind, überhaupt möglich. Zuvor standen ausschließlich holzbefeuerte Anlagen mit weitaus geringerer Produktion zur Verfügung. Im Jahr 1926 ging die Meidericher Hütte mit in den Vereinigten Stahlwerken auf. Später wurden die Anlagen pachtweise von der August Thyssen Hütte AG übernommen. Der entsprechende Betriebsüberlassungsvertrag galt seit dem 1. Oktober 1965. Der damalige Thyssen-Vorstand verstand es mit dieser Maßnahme, die auch andere Werke erfasste, den Konzern neu zu ordnen und die einzelnen Betriebsteile besser aufeinander abzustimmen. Bis zur Stilllegung wurde in Meiderich hauptsächlich Roheisen produziert, das u. a. auch an die angegliederte Gießerei geliefert wurde. Am 4. April 1985 war nach einiger Zeit des Hoffens und des Bangens der Tag der letzten Schicht gekommen.

Was waren die Gründe? Die gesamte deutsche Stahlbranche litt seit den späten 60er Jahren und immer deutlicher ab den frühen 70ern unter den Turbulenzen in der Währungspolitik, der Lohnkostenerhöhung und den steigenden Rohstoffpreisen. Die D-Mark wurde aufgewertet, der Dollar stürzte ab. Erhebliche Veränderungen der Weltmarktpreise für Kokskohle und Eisenerz, sowie die seit 1969 durch den leergefegten Arbeitsmarkt drastisch gestiegenen Lohnkosten brachten die deutsche Stahlindustrie ins Wanken. Ein Übriges taten seit Jahren die trotz Hüttenvertrag entstehenden Sonderbelastungen durch politisch erzwungene Abnahme deutscher Steinkohle. Ihr Preis lag trotz aller politischen Ausgleichsversuche für die Hütten über dem Weltmarktpreis. Da die Krise anhielt, ergriff die EG Maßnahmen, die vor allem die deutsche Stahlindustrie hart trafen. Thyssen gab dadurch nach dem Spitzenjahr 1974 stetig Produktionsvolumen ab. Nicht verschweigen darf man hierbei allerdings, dass die europäischen Stahlkonzerne selbst die Steigerung des weltweiten Stahlbedarfes maßlos überschätzt hatten und somit Anfang der 80er Jahre auf Überkapazitäten saßen. Während andere europäische Staaten sich entgegen bestehender EG-Verträge einen Subventionswettlauf lieferten, hielt sich die Bundesrepublik zurück. Die staatlichen Hilfen zur Überwindung der Stahlkrise beschränkten sich auf insgesamt sieben Milliarden DM, was nur ein Bruchteil dessen war, was Italien, Frankreich und Groß Britannien ihrer Stahlindustrie zukommen ließen. Die deutsche Stahlindustrie stand somit sowohl auf dem Weltmarkt, als auch innerhalb Europas mit dem Rücken zur Wand. 1983 fand eine Umorganisation des Thyssen-Konzerns statt in deren Verlauf der gesamte Stahlbereich in die Thyssen Stahl AG ausgegliedert wurde. Zum Umstrukturierungsprozess gehörte auch das sog. "Konzept 900", dass die Monatsproduktion an Rohstahl auf 900 Tsd. Tonnen absenken sollte um die Produktions-Kapazitäten dem schrumpfenden Markt für deutschen Thyssen-Stahl anzupassen. Thyssen trennte sich von den Standorten die sich wenig positiv oder gar negativ auf das Ergebnis auswirkten zu erst. So kam es, dass auch das Meidericher Hüttenwerk trotz weltweit anerkannt moderner Technik das Aus ereilte. 57 Millionen Tonnen Roheisen waren in den 82 Jahren bis zu jenem Tag, als die Arbeiter das Werk im April '85 das letzte Mal verließen, in Meiderich produziert und größtenteils mit den Torpedopfannenwagen über die Köln-Mindener Eisenbahnstrecke zu den Gießereien gebracht worden.

Nach der Aufgabe der Produktion wurde es erst einmal still in Meiderich. Viele ehemalige Mitarbeiter wurden in Ruhestand oder Vorruhestand geschickt, andere wurden in den umliegenden Werken eingesetzt. Das nach wie vor weithin sichtbare Hüttenwerk saß wie ein Stachel in dieser Wunde. Es sollte bis zum Jahr 1989 dauern, bis sich jene Bürger durchsetzten, die das Areal als Teil und Zeuge der Hochindustriealisierung und Kultur des Ruhrgebietes erhalten wollten. Im Jahr 1991 wurde das Werk als Teil der "Internationalen Bau Ausstellung Emscherpark" der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und stellt eines der größten und wichtigsten Industriedenkmale im ganzen Ruhrgebiet dar.

Spätestens seit der aufsehenerregenden Lichtinszenierung durch den britischen Künstler Jonathan Park, hat sich der Landschaftspark Duisburg Nord als fester Bestandteil der meisten Ruhrgebiets-Touren etabliert. An Wochenenden und vor Feiertagen erstrahlt die gesamte Anlage im Glanz stimmungsvoller Lichtspiele. Rund um die Anlage erobert sich die Natur nach und nach das ihr einst genommene Terrain zurück. Man schätzt, dass sich ca. 300 Pflanzen und allein 60 Vogelarten neu angesiedelt haben. Einige Pflanzen sollen gar einst erst mit den Erzlieferungen aus fernen Landen den Weg nach Duisburg gefunden haben. Aber auch die früher ausgesperrten Menschen beginnen die Anlagen für neue Zwecke zu nutzen. So finden Kinder hier einen der sicher ungewöhnlichsten Spielplätze Deutschlands. Mitglieder des Deutschen Alpenvereins haben im Bereich des Möllerbunkers einen Kletterpark eingerichtet und der entsprechend präparierte Gasometer wird regelmäßig von Tauchern erkundet. In der ehemaligen Kraftzentrale und der Gebläsehalle finden heute häufiger Veranstaltungen statt. Auch die Gastronomie hat sich niedergelassen und bietet dem Industriekultur-Touristen eine Möglichkeit zur Rast.
Hintergrund zum Landschaftspark Duisburg-Nord:
Das frühere Werk wurde 1901 von der damaligen „Rheinische Stahlwerke zu Meiderich", später eine Tochter der Thyssen-Gruppe, gegründet. Die insgesamt fünf Hochöfen produzierten in ihren 84 Jahren 37 Millionen Tonnen Spezialroheisen – in der Regel als Vorprodukt für die Weiterverarbeitung in den Thyssen’schen Stahlwerken.
Die Hochöfen 3 und 4 wurden bereits 1968 bzw. 1970 abgerissen. Die Hochöfen 1 und 2 wurden 1982 stillgelegt, so dass nur noch der erst 1973 erbaute Hochofen 5 in Betrieb blieb. 1985 wurde dieser nach gerade mal zwölf Jahren Betriebszeit aufgrund von Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt ebenfalls stillgelegt. Thyssen verlagerte die Stahlproduktion in die umliegenden, wesentlich größeren und moderner ausgerüsteten Hauptproduktionsflächen am Rhein (Werksteile Bruckhausen und Schwelgern, heute Teil von Thyssen Krupp Steel).
In der Folgezeit wurde das alte Gelände zwischen Hamborn und Meiderich mit allen Gebäuden und den verbliebenen drei Hochöfen Projekt der Internationalen Bauausstellung „Emscher Park“ und für einen internationalen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den die Landschaftsarchitekten Peter Latz + Partner gewannen. Seit 1988 unterstützt auch der Verein die Pläne einer Umsetzung. Von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände nach den Plänen der Architekten umgestaltet und so umnutzbar gemacht, dass der Park in Fachkreisen heute zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende zählt. 1994 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er bildet nun einen Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur und ist in die Europäische Route der Industriekultur integriert.
Impressionen
An dieser Stelle werden Einblicke in die Welt des Verfalls ehemaliger Arbeitsstätten präsentiert.
Es geht um Einblicke die besonders erscheinen, die die Vergänglichkeit massivster und zuvor oft über hundert Jahre der Zeit scheinbar trotzenden Anlagen sichtbar machen. Die transportierten Stimmungen regen häufig zum Nachdenken an.
Übrig geblieben sind zahlreiche Bergbausiedlungen die heute Wohnraum für jedermann bieten wie hier die Bergbausiedlung in Moers-Meerbeck:
Die Rheinpreußensiedlung ist nicht nur ein Zeugnis der Bergbaugeschichte am linken Niederrhein und des Arbeiterwohnungsbaus zu Beginn des Jahrhunderts, sie steht auch für das Genossenschaftsmodell und erinnert an den jahrelangen Kampf der Bewohner für den Erhalt der Siedlung. Der Abriss von 1200 Wohnungen erfolgte nach dem Verkauf der Siedlung durch die Rheinpreußen- Nachfolgerin DEA. Um die verbleibenden Häuser gab es einen erbitternden Kampf, der 1982 zu einem erfolgreichen Hungerstreik der Bewohner führte. Heute steht die Siedlung unter Denkmalschutz. Seit 1985 ist sie im Besitz der Wohnungsbau Stadt Moers.
Hier ein kleiner Film aus der damaligen Zeit indem die Stadt Moers im Fokus steht:
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