Michel 3

 

Hier folgt die Fortsetzung vom

Geheimnisvollen Wald

 

 

Kapitel  41

 

 

 

Eisiger Wind blies ihnen entgegen. Das Wetter schlug um, am Himmel zogen dunkle Wolken über die Berge. Aus anfänglichem Regen wurden Hagelschauer. Faustgroße Eisbälle trafen auf die Zwerge. Jeder versuchte eine Deckung zu finden. Dicht schmiegten sie sich an den Fels, Überhänge im Gestein, wo man auch hinschaute, überall drückten sie sich gegen die Felsen. So plötzlich das Unwetter aufzog, so schnell war es vorbei. Nur der felsige Boden war noch voller Hagelschlag. Xatur, dessen Zustand sich immer noch nicht gebessert hatte, redete im Fieber. Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn. Narim drängte zum Aufbruch. Sie mussten so schnell wie möglich von diesem Berg . Stunde um Stunde verging, immer von Pausen unterbrochen mit der Sorge um ihren König. Bei Anbruch der dritten Nacht war es geschafft, sie standen am Rand der Grasebene, unweit von dem Platz, an dem die Bakaar ihr Lager aufschlugen, als sie hier ankamen. Nun gab es Zeit, sich um den König zu kümmern. Es war seit dem Abstieg vom Berg das erste Mal, dass Narim und Tury zusammen standen Und sie sahen, wie viele Zwerge es waren, die sie über den Berg geführt hatten. Auch Xatur’s Zustand löste Ratlosigkeit aus, was sollten sie machen? Einige Zwerge kümmerten sich zwar um ihren König, aber richtige Hilfe konnten sie auch nicht leisten.
Sie hörten ein Rascheln, hier und da ein leises Zischen. Von allen Seiten waren diese Geräusche zu hören. Doch die Zwerge waren kampferfahren, raue Gesellen mit langen Bärten , vom Leben zerfurchte Gesichter. Mit grimmigen Blicken griffen sie mit fester Hand ihre Waffen. “ Wenn ihr meint wir weichen zurück, dann kommt nur!” rief einer der Zwerge. Aus vielen Kehlen war ein zorniges Brummen zu hören. Die Zwerge fingen an, das mannshohe Gras mit ihren Schwertern zu mähen, doch so einfach wie sie es sich dachten, war das nicht, da manche Grashalme die Stärke von jungen Bäumen hatten.

 Angespannt lauschten die Zwerge ins Dickicht, dann brachen zwei dieser Monster aus dem “Unterholz” und griffen die Zwerge an, doch sie waren vorbereitet. Eines der beiden Unwesen richtete sich auf. Der Zwerg, der ihm am nächsten war, schwang seine Streitaxt . Sie traf das Monster genau in der Mitte der Brust und mit einen grellen Schrei brach es zusammen. Aus seiner Wunde trat eine blau gelbe Flüssigkeit und als diese auf den Erdboden gelangte, verdorrte sofort das Gras und ein beißender Geruch stieg auf. Er raubte den Zwergen den Atem, so dass sie sich erst einmal zurück ziehen mussten. Es wurde ein Kreis gebildet. Grimmige, furchtlose Krieger, zu allem bereit. Innerhalb des Kreises waren die Alten, Frauen und Kinder. Auch ihr König. Um ihn hatte sich ein zweiter Kreis gebildet. Die größten und stärksten Kämpfer wachten über das Leben von Xatur. Ein zweiter Angriff folgte und auch ihn wehrten sie erfolgreich ab. Zurück blieben zwei von Schwertern zerfetzte Körper. Dann plötzlich ein Erzittern des Erdbodens. Es kam etwas auf sie zu, etwas großes. Ein dumpfer Ton war zu hören, in gleichmäßigen Intervallen wankte der Boden und wurde stärker, je näher dieses unbekannte Etwas kam. Ein großer Schatten fiel auf die Zwerge und sie sahen, wer dort kam  -  ein mächtiger Riese, hoch wie ein Berg. Sie würden bis zum letzten Zwerg kämpfen. Doch der Riese hatte etwas anderes im Sinn, er ging an den Zwergen vorbei. Er sah in ihnen keine Bedrohung. Mit schnellen Schritten ging der Riese auf die Berge zu und nach einer Weile war er verschwunden. Das Einzige, was er hinterließ, war eine breite Schneise nieder getretenes Gras. Ein Weg einladend ihm zu folgen. Ein Möglichkeit für die Zwerge, aus diesem Grasdschungel heraus zu kommen. Doch in welche Richtung sollten sie gehen? Die Zwerge entschieden sich, den Weg zu nehmen, aus dem  der Riese kam. Dem Riesen zu folgen schien ihnen nicht ratsam. Vorsichtig nach allen Seiten sichernd machten sie sich auf den Weg.
Fern ab im schneebedeckten Gebirge hoch auf einem Gipfel stand die Burg des Magier, und der war ungehalten über die Niederlage, die er erleiden musste. Seine Gedanken richteten sich an die flüchtenden Orks.
Jeder der Orks meinte ihn zu sehen, ihren Herrn und Meister. Doch es war nur eine Illusion. Mit dunkel drohender Stimme sprach er zu  ihnen.
“ Wohin wollt ihr? Kehrt um, vernichtet jedes Leben! Niemand darf entkommen. Sucht sie alle!” Die knienden Orks erhoben sich und kehrten zu dem Lager zurück und überfielen die Menschen erneut. Doch dieses Mal hatten die Menschen sich nicht vorbereiten können. Es wehrte nur kurz und alle waren auf dem Weg zu ihren Ahnen. Wieder erschien ihnen der dunkle Magier:” Begebt euch zu der Stadt der Elfen vernichtet sie und brennt alles nieder. Keiner dieser arroganten Wesen darf überleben.”
Mit wildem Gebrüll und angetrieben von Blutgier machten sie sich auf den Weg zu der Elfenstadt. Der Weg führte sie über die Lichtung, wo sich auch Dolgin und der verletzte Adler befanden. Dolgin war froh, dass Hagar und er unter der mächtigen Tanne ein Versteck gefunden hatten. Die Orks sprachen von Plündern und Brandschatzen , vom Leid, dass sie den Elfen zufügen wollten. Hatte Dolgin sich geirrt? Waren die Schergen der Tyrannen doch noch nicht in der Stadt der Elfen? Dolgin konnte ihnen nicht helfen. Sein alter Freund, es ging ihm nicht so gut, wie er gesagt hatte. Dolgin schaute vorsichtig durch die tief hängenden Äste. Die Orks waren verschwunden. Nun konnte er sich ohne Gefahr um seinen Freund kümmern. Als Dolgin vorsichtig den verletzten Flügel anhob sah Dolgin das der Adler blutete. Die Pfeile waren, als Hagar unter den Baum kroch, zerbrochen und hatten die Wunden noch vergrößert. Dolgin wandte sein ganzes Wissen auf, um dem Freund zu helfen.” Mein Freund, ich werde euch etwas weh tun. Ich bitte euch, verlasst einen alten Waldgeist nicht! Es gibt noch viel zu erledigen, bevor wir vor unseren Gott treten”. Dolgin sah, dass Hagar Schmerzen hatte und behutsam machte er sich daran, die zerbrochenen Pfeile zu entfernen. Zuvor hatte er einen Faden durch ein Nadelöhr gezogen, denn die Wunde musste nach dem

Säubern schnell verschlossen werden. In Dolgin kroch die Angst um Hagar hoch. Doch er brauchte einen kühlen Kopf und verwarf diese Gedanken. Er hatte schon viele Abenteuer mit seinem Freund erlebt. Und diese drei Pfeile sollten die Freundschaft der beiden beenden? NIEMALS!!!!!!!
Dann war es geschafft. Die Pfeile waren entfernt, die Wunden vernäht und Hagar war eingeschlafen. Dolgin sah ihn an und erinnerte sich an die Zeit, als er Hagar das erste Mal sah. Viele Erinnerungen an ihre Freundschaft kamen Dolgin in den Sinn.

Dann schlief auch er ein.       

 

     

Kapitel  42

 

                              In einem fremden Land

 

Still war es im Wald, manchmal war der Ruf eines Vogels zu hören und ein leichtes Rauschen der Bäume, durch dessen Wipfel der Wind fegte.
Ein unberührtes Land.
Es war eine Zeit des Wandels. Zu dieser Zeit kam ein Mann mit langem Bart und einem großen, roten Hut in diesen Wald. Voller Neugier und Wissensdurst durchstreifte er die Wälder. Irgendwann auf seinen Streifzügen durch diese unendlichen Wälder blieb er plötzlich stehen und lauschte. Hatte er eben nicht etwas gehört? Es klang wie das Wiehern eines Pferdes, das sich in Not befand. Er griff zu seinem Bogen und nahm einen Pfeil aus seinem Köcher und verbarg sich hinter einem dieser mächtigen Bäume.

 Die Geräusche kamen immer näher, etwas war auf der Flucht. Stimmen, da waren auch Stimmen. Mit unbändiger Kraft drang etwas durch das Unterholz. Vorsichtig schaute der bärtige Mann hinter dem Baum in Richtung der Geräusche und sah weiße Pferde, die ein Horn am Kopf trugen. Nie hatte er solche Wesen gesehen. Was war das? Und dann sah er die Verfolger. Auf merkwürdigen Tieren, die einen Kopf hatten, der dem eines Reptils glich, hetzten sie hinter diesem Wesen mit dem Horn hinterher. In langen Umhängen, den Kopf verdeckte eine große Kapuze, so dass er ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Aber sie sahen ihn, einer von ihnen zog ein Schwert und ritt auf ihn zu. Dem Mann mit dem großen, roten Hut blieb nichts anders übrig, er legte an und schoss einen Pfeil auf den Angreifer. Dann sah er, wie der Pfeil in die Stirn des Reiter drang. Lautlos fiel der Jäger vom Pferd. Als sich der Alte auf den Toten zu bewegte stand dieser plötzlich wieder auf und zog sich den Pfeil aus der Stirn. Doch mit einer ungeahnten Schnelligkeit griff der Alte an und enthauptete den Fremden mit einem Hieb. Diesmal war es endgültig, er war tot. Wieder hörte er ein voller Furcht wieherndes Pferd. Er wandte sich  um und lief so schnell, wie er konnte in die Richtung aus dem die Geräusche kamen. Völlig außer Atem stand es da, eine Felswand versperrte ihm die weitere Flucht. Der zweite unheimliche Mann ging langsam auf das Pferd zu. Als der Alte sich ihm näherte, hörte er eine dunkle, voller Bosheit und Hass erfüllte Stimme. “ Du widerwärtiges Wesen, ich werde dir dein Horn nehmen. Ich werde mich ergötzen an deinen Qualen, wenn ich es dir nehme. Das Pferd konnte nicht entfliehen, mit dampfenden Nüstern erwartete es den Tod. Der Alte erreichte zur rechten Zeit den Ort des Geschehens. Mit aller Kraft holte er zu einem mächtigen Schlag aus und spaltete dem Unheimlichen den Kopf bis zu seinen Schultern. Nun standen sich der Alte und das Pferd mit diesem seltsamen Horn gegenüber. Immer noch an ganzen Leib zitternd bewegte sich das Tier auf den Alten zu. Als es den Alten berührte, durchfuhr es diesen wie ein Blitz. Ein Glücksgefühl durchströmte ihn und er hörte eine Stimme. “ Wie ist euer Name?” “Ich..Ich habe ihn vergessen” antwortete der Alte. “ Dann werde ich euch einen geben, von heute an bis in alle Ewigkeit sollt ihr auf den Namen Dohlam Schagkira Poulgimtin hören.” “ Was bedeutet er?” fragte der Alte. “ Es bedeutet , Retter der Einhörner, tragt ihn mit Würde. Es war Dolgin als würde über ihn ein großer Zauber ausgebreitet. “Wie ist euer Name?” fragte Dolgin das Einhorn. Ich werde Guadulup genannt. Ich werde immer da sein, wenn ihr mich braucht!” Dann stieg das Einhorn in die Höhe. Dolgin erschrak dermaßen, so daß er einige Schritte zurück ging,  dabei strauchelte und zu Boden fiel. Als er sich aufrichtete und in Richtung des Einhorns schaute, war dieses verschwunden. Auch diese unheimlichen Männer, die er erschlagen hatte waren verschwunden. “ Wenn ich nur wüsste, wo ich hier bin? Man müsste über die Bäume schauen können.” Plötzlich merkte Dolgin, dass er wuchs größer und größer wurde er, bis er schließlich über die Wipfel der Bäume schauen konnte. Wälder, soweit er schauen konnte sah er Wald. Dann mit einem mal hörte er wieder diese Stimme.” Solange ihr euch in diesem Wald befindet, besitzt ihr magische Kräfte, nichts  soll euch verwehrt sein. Auch das Geschenk der Unsterblichkeit soll euch zuteil werden. Euer Leben soll so lange währen,  bis ihr  um euren Tod bittet.” Dann war es wieder still, nur der Gesang der Vögel und das Rauschen der Bäume war zu hören.
Dann werde ich mich einmal in meiner neuen Heimat umschauen, dachte sich Dolgin und machte sich auf, mit wachen Augen die Umgebung kennen zu lernen. Es gab große Pilze, auf die sich ein Mann hätte legen können. Riesige Bäume und allerlei fremdartiges Getier. Nirgendwo sah er solche Lebewesen. Und ein mächtiges Rauschen drang an sein Ohr. Dolgin folgte dem Geräusch. Langsam lichtete sich der Wald und schließlich stand er vor einem Wasserfal,l der so groß war, dass er dachte, dieser kam direkt aus den Wolken. Es gab wohl kaum ein größeres Naturschauspiel. Dolgin blickte an der Felswand entlang und sah einen Horst. Hoch oben, aber von so gewaltigem Ausmaß, dass er Dolgin wie ein Magnet anzog. Meter um Meter kletterte er den Fels hoch, immer näher kam das Nest. Ob es wohl Leben in ihm gab ? dachte Dolgin. Dann war es geschafft.  Dolgin stand auf dem Rand des Horst und sah zwei große Vogeleier darin liegen. “Das Nest sieht aus, als wäre es von einem Adler, aber einen solch großen Adlerhorst habe ich noch nie gesehen und die Eier waren auch viel zu groß” sagte Dolgin leise zu sich. Dann schoss es ihm durch den Kopf, ein Nest mit Eiern darin, wo mag der Adler sein, dem es gehört? Dolgins Kopf zuckte in jede Richtung, denn auf einen Konflikt mit einem Adler wollte er es nicht ankommen lassen. Er hatte Glück, nirgends war etwas zu sehen. Als er sich gerade wieder an den Abstieg machen wollte, bemerkte er über sich einen mächtigen Schatten. Ein riesiger Adler war über ihm und schoss mit weit geöffneten Fängen auf ihn zu.
Dolgin schreckte aus einem unruhigen Schlaf hoch. Jemand näherte sich seinem Versteck. Als Dolgin zu seinen Waffe greifen wollte, schaute er in die Spitze eines Schwertes.” Wer ihr auch seid, dort unter dem Baum, nennt euren Namen und kommt heraus!” Diese Stimme kannte Dolgin.
“ Bei allen Göttern, Johann woher kommt ihr so plötzlich!” Dolgin kam unter dem Baum hervor. “Ich dachte, ihr seid bei den Bakaar, was ist geschehen und wie seid ihr gekleidet? Mit Schwert, Schild und Rüstung? Was ist geschehen? Jeder der beiden erzählte von den Dingen die er erlebt hatte. Johann schaute unter den Baum “ Habt ihr diesen Vogel erlegt? “ “ Es ist keine Jagdbeute es ist ein alter Freund aus vergangenen Tagen und er  ist verletzt. Ich habe die Befürchtung das ich ihn verliere. Schlecht geht es ihm. Aber solange, bis es ihm wieder gut geht oder er......,
na ihr wisst schon, werde ich nicht von ihm weichen. Er ist wie ein Bruder und ihr habt Glück, dass er nicht gehört hat, was ihr gesagt habt.”
“ Nur weil ich verletzt bin, müsst ihr nicht glauben, dass ich auch taub bin. Euer alter Freund verspürt ein bisschen Durst. Wäre es vor lauter Wiedersehensfreude wohl möglich, mir etwas Wasser zu reichen?” “Seht ihr, Herr Johann, so geht es immer, man macht sich Sorgen und denkt an das Unvermeidliche und wird dann nur herumgescheucht.” “Durst” -  “ Ja, ja, ich bringe euch Wasser! Es ist immer das gleiche mit ihm!” Dolgin bat Johann, auf seinen Freund aufzupassen,  während er Wasser holte. Johann nickte und Dolgin entfernte sich von dem Versteck. Jetzt wo ihn niemand sehen konnte, kamen Dolgin Tränen der Freude, dass Hagar wieder bei Bewusstsein war.

 

Fortsetzung folgt

 

Kapitel  43

 


Lange ging Johann, bis er den Ausgang der Höhle erreichte .” Das ich so weit in die Höhle eingedrungen bin?” fragte er sich. Dann sah er den ersten Sonnenstrahl, der neugierig in den Höhleneingang hineinschaute. Endlich wieder unter freiem Himmel, dachte Johann und sog die Luft tief in seine Lungen. Doch wo war er? Dies war nicht die Stelle, an der er die Höhle betreten hatte. Wie konnte das sein? Er hatte doch kehrt gemacht und denselben Weg zurückgenommen, auch war es nur ein Weg, der keine Abzweigung hatte, und nun stand er an einem Ort, den er nicht kannte. Wie weit er von den Bakaar entfernt war, konnte er nicht sagen. Vor ihm lag ein weitläufiges Tal, das nur von einigen hohen Tafelbergen unterbrochen wurde. Kein Weg und kein Baum waren zu sehen, nur kahles, verbranntes Land. In der Ferne nahm Johann eine dünne Staubwolke wahr. Was für ein totes Land, nicht einmal der Wind wagt sich an diesen Ort, ich werde zurück in die Höhle gehen, ich habe bestimmt einen falschen Weg genommen und es nicht bemerkt, dachte Johann. Doch als er sich umdrehte, stand er vor einer massiven Felswand. Mit beiden Händen trommelte er gegen den Fels in der Hoffnung, es gäbe ein Tor, das sich wieder öffnete. Aber es geschah nichts. “ Was hat das Schicksal mit mir vor, hier in diesem öden Land. Wo sind die Wälder? Wo soll ich hin? “  Völlig ratlos rutschte Johann an dem Fels zu Boden, der Verzweiflung nahe sah er in die öde Weite.


Nach Minuten der Verzweifelung hörte Johann eine Stimme. Voller Freude auf eine menschliche Seele sprang er auf, schaute um sich und....... Es war niemand da. Diese Stimme, die Johann hörte, kam aus seinem Inneren. “ Hört, ein Drache hat das magische Wesen gefangen, befreit es und das Land wird wieder erblühen. Geht, eilt euch, bevor es zu spät ist!” “ Wohin soll ich gehen, in welche Richtung” Doch die Stimme schwieg. Wieder sah Johann in der Ferne diese Staubwolke. War es dort ? Musste er zu diesem Ort? Da Johann dies als einzigen Anhaltspunkt sah, machte er sich auf den Weg. “Eilt euch, junger Herr eilt euch, die Zeit verrinnt so schnell wie Wasser in der Sonne“. Zu Fuß ? dachte Johann, wie soll ich das so schnell schaffen. Die Sonne brannte vom Himmel und Johanns Kräfte begannen zu schwinden. In jedem Schatten, den ein Fels oder Berg warf, hielt er einen Augenblick inne. Die Kühle des Schattens tat gut. Dann ein Geräusch, Johann zog sein Schwert und schmiegte sich an die Felswand. Wer war noch in dieser Einöde? Er sah einen Teil eines Schattens. Dann ein Schnauben. Johann war auf alles vorbereitet. Er hob sein Schwert, um zu einem Schlag auszuholen. Voller Spannung erwartete er das Unbekannte. Dann erschien es.
Mit gleichmäßigen Schritten kam ein Pferd hinter dem Fels hervor. Johann traute seinen Augen nicht. Langsam und mit Vorsicht näherte er sich dem Pferd , damit es nur nicht erschrak und floh. Dann endlich griff Johann in seine Mähne, es war geschafft. Zwar fehlte ein Sattel, aber es musste auch so gehen. In diesem Land, in dem seltsame Dinge vor sich gingen, wo Drachen und Zauberer Angst und Schrecken verbreiten, gab es Pferde? Johann wunderte sich über nichts mehr, er war froh, ein Reittier und Begleiter gefunden zu haben. Auch hatte er den Eindruck dass das Pferd genau so fühlte, nicht mehr allein zu sein. Johann schwang sich auf seinen Rücken und ritt los, als ob er nie etwas anderes getan hätte. Genau auf einen dieser Tafelberge zu und sah eine Gestalt an einem Feuer sitzen. Johann stieg ab und näherte sich vorsichtig dem Fremden. War es Freund oder Feind? Gleich wusste er es. Doch der Fremde kam ihm zuvor. Der sprang auf und wirbelte im gleichen Augenblick herum.
Vor Johann stand ein Mann, nein ein Riese, er maß weit über zwei Meter und schaute zu Johann hinunter.” Ah, ihr bringt mir mein Pferd zurück, habt dank dafür. Habt ihr Hunger oder Durst? Setzt euch!” “ Was treibt euch in diese Einöde? Aber seid beruhigt, es ist schon angenehmer einen Reisenden dabei zu haben. Eine Stimme sprach im Schlaf zu mir. Ich sollte in dieses Land gehen, um ein Einhorn zu retten. Ein Einhorn, ich habe nie von Einhörner gehört, was sind das für Tiere? Ich würde aber nicht allein sein . Ein großer Krieger würde zusammen mit mir in den Kampf ziehen. Nun bis heute sah ich keine lebende Seele, als dann auch noch mein Pferd verschwand, war ich doch im Zweifel ob  das alles nicht ein Trugbild in meinem Schlaf gewesen ist!” Johann sah in prüfend an, konnte er diesem Fremden vertrauen? “

 Oh, es gibt sie. Ich selbst sah sie. Wunderschöne Wesen mit magischen Kräften. Ein Drache soll eines gefangen haben. Sagt, habt ihr schon ein- mal etwas von dem dunklen Magier gehört?” Der Fremde sah ihn fragend an und verneinte seine Frage. “ Ich lebe weit ab von diesem Land, dort gibt es keine Zauberer und Drachen und andere merkwürdige Lebewesen. So etwas gehört in Märchenbücher!” “ Warum seid ihr dann aber hier” fragte Johann. “ Ich.....ich weiß es nicht, irgend etwas in meinem Inneren zwang mich zum Aufbruch. Diese Stimme, sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Jeden Abend, jeden Morgen habe ich sie gehört. “ Ihr müsst gehen, geht und folgt dem Lauf der Sonne und ihr werdet ein Land sehen, das durch einen Drachen  all seine Schönheit verlor. Eilt euch - geht und seid ohne Furcht. Dann bin ich gegangen. Und die Stimme verschwand aus meinem Kopf. Drei , vier Tage bin ich dem Lauf der Sonne gefolgt, als mir bewusst wurde, dass ich nichts besaß, mit dem ich einen Drachen bekämpfen konnte. Nicht einmal ein Messer habe ich bei mir gehabt. Doch die Neugier trieb mich voran bis ich auf ein altes Gemäuer traf, halb verfallen, niemand lebte mehr dort. Doch alles was sich darin befand war mit einer merkwürdigen Ordnung gut erhalten. Ich sah mich in dem Gebäude um, jeden Raum durchsuchte ich. Dann betrat ich einen Raum voller Bücher. In diesem befand sich ein Plan des Gebäudes . Es lag einfach da ,so als ob ich ihn finden sollte. Und ein Raum war auf ihm besonders hervorgehoben. In einer Schrift, die ich nicht kannte, ein Wort stand unter dem Raum auf dem Plan. Nur dieses eine Wort konnte ich lesen. Es hieß Waffenkammer. Jemand hat mich bewusst dort hingeführt. Also folgte ich dem Plan, der mich durch dunkle Gänge führte, dann durch Hallen, in denen wohl prächtige Feste gefeiert wurden. Ein Glanz vergangener Herrlichkeit brach über mich herein.  Als würde ich festgehalten, stand ich in der Halle und sah im Geiste all’ die Leute, die hier tanzten. Die Pracht, die längst verfallen und vergessen war. Plötzlich war alles vorbei, vor mir war nur ein großer Raum an dessen anderen Ende sich viele Türen befanden. Eine von ihnen öffnete sich und ich ging auf sie zu und gelangte in einen nächsten Gang, der unmerklich nach unten führte. Ich weiß nicht. wie viel Zeit verging als ich an eine Tür gelangte. Auch an ihr sah man, wie die Zeit nagte. Die Eisenbeschläge an ihnen fraß der Rost der Zeit, dann wollte ich die Tür öffnen. Sie war verschlossen. Aber irgend wie musste es doch einen Zugang geben. Als ich mich dann ein paar Schritte zurück bewegte, stolperte ich über etwas. Auf dem Boden hatte sich ein Stein gelockert und lag leicht schief. Als ich mich bückte um ihn wieder in seine richtige Position zu bringen merkte ich das etwas unter ihm sein musste denn er wackelte. Ich hob den Stein an und sah einen Schlüssel. Bei dem Licht, das dort herrschte, blitzte er mit einem Mal auf und ich sah, dass er wie neu war, als ob er nie benutzt worden war. Er passte und ich schloss die Tür auf. Was ich dann sah, verschlug mir den Atem. Ein riesiger Raum, hoch wie der Turm einer Kirche und wo man auch hinschaute Waffen Speere, Schwerter, Lanzen, Dolche, Pfeil und Bogen. Ein Heer hätte man damit ausrüsten können. Doch ganz hinten am anderen Ende der Halle, dort leuchtete etwas, das mich auf unerklärliche Weise anzog. Näher und näher kam es, als ich mich darauf zu bewegte. Ein großes Schwert in einem gläsernen Kasten lag es da und auf dem Rand des dieses Kastens befand sich ein goldenes Schild mit dieser fremden Schrift. Und auch diesmal vermochte ich diese zu Lesen.
ICH BIN DAS SCHWERT “ TALOON”  meines Herren Dongart Van Isenbrurt. Drachentöter. Ich stand davor und wusste nicht, sollte ich es aus dem Kasten aus Glas nehmen ? Da öffnete sich der Deckel von selbst, und das Schwert begann zu schweben, immer höher und auf mich zu, bis ich zugriff. Es hätte mich fast zu Boden gerissen, so schwer war es. Und auf der Klinge war noch etwas eingraviert worden, doch diese Worte bleiben mir verborgen.”

Johann hatte der Erzählung des Fremden gebannt zugehört. Das Schicksal nahm manchmal seltsame Wege .     

 

 

Kapitel  44

 

 

 

Sie nahmen den Weg in Richtung des Waldes, begleitet von den Monstern der Grasebene. Aber außer bedrohlichen Geräuschen waren sie nicht zu sehen. So schnell es ihnen möglich war, versuchten sie diese Ebene zu verlassen. Nach Stunden war es geschafft. Sie betraten einen Wald mit riesigen Bäumen, größer als sie je welche gesehen hatten. Der Weg führte sie weiter in das Innere des Waldes hinein. Alles schien hier größer und mächtiger zu sein als anderswo. Sie bewegten sich schnell und doch mit großer Vorsicht durch dieses unbekannte Land. Bis zu dem Augenblick, als einer der Zwerge leise rief, dass der Weg zu einem Gemäuer führte, gab es keinerlei Vorkommnisse mehr.

 

Die Ungeheuer von der Grasebene vermochten diese wohl nicht zu verlassen. Dann sahen sie es, eine große Mauer tauchte vor ihnen auf. Dahinter sahen sie die Dächer von mächtigen Gebäuden, eine Burg. Es war die Burg des Riesen, umgeben von einem gewaltigen Burggraben. Tury wählte zwanzig Kämpfer aus, um mit ihnen in die Burg einzudringen und die Lage erkunden. Schnell, in geduckter Haltung überquerten sie die heruntergelassene Zugbrücke.
Narim übernahm die äußere Sicherung  der Burg und ordnete an, dass jeder sich ein Versteck im Unterholz suchen sollte. Sie waren auf das Äußerste angespannt, sich für das Leben des anderen zu opfern. Eine gespenstische Ruhe breitete sich aus. Nicht einmal der Gesang der Vögel war zu hören. Es war, als ob sie die Gefahr ahnten, die sich anbahnte und sie verstummen ließ.  Geisterhafte Stille, immer mit der Furcht, der Riese könnte zurückkehren. Tury und seine Krieger durchquerten ein riesiger Portal, es war wohl der Eingang in das Innere der Burg. Die große zweiflügelige Tür stand offen. Sollten sie das Gebäude betreten? Vorsichtig, die Schwerter gezogen und auf alles vorbereitet gingen sie hinein. Eine mächtige Halle lag vor ihnen, an deren Ende sich eine Treppe befand, die sich etwa in der Mitte teilte, um weiter nach rechts oder links auf der oberen Galerie zu enden. Da standen die Zwanzig wie in einer fremden Welt. In der Halle, wo sie sich befanden, sahen sie mehrere Türen, die jedoch alle geschlossen waren. Um diese zu öffnen, müssten die Zwerge sich etwas einfallen lassen. Die Klinke der Türen war, auch wenn zwei Krieger übereinander standen, nicht zu erreichen. Auch die Treppe, die in die obere Etage führte, stellte ein unüberwindbares Hindernis dar. Die einzelnen Treppenstufen waren einfach zu hoch. Doch Tury sah eine Möglichkeit, um dort nach oben zu gelangen. Die Treppe hatte rechts und links einen Sims, auf dem sich das Treppengeländer befand. Dieser Sims aber hatte eine glatte, nach oben führende Ebene, und wenn sie auf diesen Sims kamen, konnten sie sich nach oben vorarbeiten. Allein -  um dort hinauf zu klettern  mussten sie eine Höhe von ungefähr acht Metern überwinden. Aber wie macht man das an einer glatten Wand, die nirgends einen Halt zum Klettern gab? Tury stand davor, schaute sich den Sims an und dann wanderte sein Blick langsam an der “Wand” nach oben zu dem Geländer ” Das ist es“, rief er plötzlich, „einen Bogenschützen zu mir und sucht ein Seil oder etwas ähnliches!” Der Krieger mit Pfeil und Bogen war schnell gefunden  -  nur ein Seil? Wo in aller Welt bekamen sie ein Seil her? Bis einer der Zwerge auf den Boden schaute . “ Hier ist ein Seil, wir alle stehen darauf! Der Teppich ist gewebt aus Fäden, die hier aber die Stärke eines Seiles hatten. An einer Seite wo es nicht sofort auffiel machten sie sich an die Arbeit und lösten aus dem Teppich einen “Faden”
“Wir brauchen nun noch ein dünnes Seil, das wir an den Pfeil binden können. Diesen Pfeil schießen wir über den Sims und durch das Geländer auf die andere Seite . Daran befestigen wir das dicke Seil und ziehen es durch das Geländer auf die andere Seite und binden es irgendwo fest. Nun können wir an dem Seil auf den Sims klettern und mit ein bisschen Geschick auf die obere Etage gelangen. Es wurde so getan, wie Tury es vorschlug. Sorgsam zielte der Bogenschütze, um ja nicht eine der Streben des Geländers zu treffen. Und es gelang ,der Pfeil landete auf der anderen Seite und rutschte auf dem Boden weiter. Dann wurde das Seil befestigt, und sie zogen es mit vereinten Kräften über den Sims durch das Geländer auf die andere Seite und befestigten es auf der anderen Seite wieder mit dem Seil. Nun hatten sie einen Weg geschaffen, der sie vielleicht nach oben führte. Was würde sie dort erwarten? Als alle auf dem Sims waren, griff Tury zu seinem Schwert und durchtrennte das Seil. Niemand sollte von ihrer Anwesenheit erfahren. Es war steil und die Zwerge hatten Mühe voran zu kommen. Immer wieder rutschten sie zurück. Bis jemand rief:  ” Geht auf die Knie, dann ist es leichter und wir haben mehr Halt.”  "Still, seid ruhig-- dort oben, es hört sich an, als rede dort jemand. Eilt euch, wir müssen dort hinauf!!”

 

Sie waren nicht ALLEIN!!!!

 

 

  Kapitel  45  

 


Fagul und die Bakaar betraten neugierig und voller Hoffnung die Stadt. Fagul schaute noch eine Weile dem Vogel nach, auf dem Johann saß, und der ihn zu der Seherin brachte. Dann folgte er seinem Volk. Als Fagul durch das Stadttor ging, schaute er sich erstaunt um. Irrte er sich? Spielten ihm seine Sinne einen Streich? Es war die Stadt, aus der sie fliehen mussten. Alles glich aufs Haar der Stadt, die sie verlassen hatten. Fagul ging, wie er es gewohnt war, zu dem Palast, von dem aus er regierte. Tatsächlich, es war das gleiche Gebäude. Fagul betrat das Haus und selbst die Möbel und die Bibliothek waren identisch. Auf dem Tisch, der an der hellsten Stelle in dem Raum stand, lag ein aufgeschlagenes Buch. Voller Neugier ging er darauf zu und sah das Buch, das er vor den Orks in Sicherheit gebracht hatte. Die ganze Stadt war eine identische Kopie der Stadt, die sie verlassen hatten.

 

 Das war Zauberei, ein unbehagliches Gefühl kroch in Fagul hoch. Er ging durch die Straßen der Stadt und schaute sich jedes Haus an, jede Mauer, selbst dort, wo der Putz abgeplatzt war in der alten Stadt. Es war hier ebenso. Fagul kehrte in den Palast zurück und suchte die Waffenkammer auf . Er bemerkte keinen Unterschied, alles war da, so wie er es gewohnt war. Doch als er nach einem Schwert griff, konnte er es nicht greifen, Faguls Hand fuhr durch die Waffe, als wäre sie nicht da! Aber er konnte es doch sehen! Noch einmal versuchte er, das Schwert anzufassen ..... und griff wieder ins Leere. In Fagul’s Innerem begannen die Alarmglocken zu läuten. Dies alles war eine wohl durchdachte Falle. Alles was hier ist, ist Lug und Trug. Fagul dachte an Johann, was ist ihm geschehen ?  Zwei Tage sind vergangen und er ist nicht zurück gekehrt. Das ist das Werk des dunklen Magier, alles in der Stadt war  real, es konnte angefasst werden und man konnte alles greifen, käme es aber zu einem Kampf,  würden die Waffen des Palastes gebraucht, waren diese nur eine Illussion. Damit war das Schicksal der Bakaar besiegelt. Nur einer Vorahnung des Fagul oder der Fügung der Götter war es zu verdanken, dass sie ihre eigenen Waffen behielten. Auch wenn ihnen gesagt wurde, dass sie diese hier nicht benützen dürften. Fagul rief zu erhöhter Vorsicht auf. Alle Wachen wurden verstärkt. Und er ordnete an, dass die Bakaar sofort die Stadt zu verlassen hätten. Alle sollten sich vor der Stadt auf einer großen Lichtung versammeln. Dann erklärte Fagul den Bakaar die Situation und die Gefahr, die von dieser Stadt ausging. Plötzlich unterbrach Fagul abrupt seine Rede und schaute zu der Stadt, die sich langsam in Nichts auflöste. Nach kurzer Zeit war sie verschwunden. Jeder der Bakaar sah in das verzweifelte Gesicht seines Gegenüber. Die vermeintliche Sicherheit verwandelte sich in größte Gefahr. Fagul riet zum Aufbruch. “ Lasst uns diesen Ort verlassen. Dort in den Bergen werden wir Zuflucht suchen, dort gibt es Höhlen, die uns Schutz geben werden!”

 Wieder machte sich ein geschlagenes Volk auf, der Vernichtung zu entgehen. Die Berge kamen näher, einen Tag später waren sie erreicht. Fagul schickte eine Patrouillie, um das Gebiet zu erkunden. Einige Stunden später kehrten sie zurück, um von der Entdeckung einer großen Höhle zu berichten. Ob diese Höhle bewohnt war vermochten sie nicht zu sagen. Die Bakaar machten sich auf den Weg dorthin. Vor dem Höhleneingang suchte sich Fagul zwanzig Krieger,  um  die Höhle zu betreten und ihre Sicherheit zu prüfen, sie konnte ja auch von einem unbekannten Wesen bewohnt sein. Nach zwei Stunden waren sie wieder da. Es war niemand zu finden, die Höhle war leer.
So zogen die Bakaar ein. Fagul’s Gedanken gingen wieder zu Johann, wo mochte er sein? Er beschloss, mit den zwanzig Kriegern zum Gipfel des Berges zu gehen und die Seherin zu fragen, wohin Johann gegangen war. Ein beschwerlicher Weg lag vor ihnen. Steil wurde der Weg, dann senkrechte Felswände. Meter für Meter kämpften sie sich voran. Die kleinsten Felsspalten nutzten sie, um weiter zu kommen. Dann ein Steinschlag, eng schmiegten sie sich an die Felswand, und doch war es für zwei der Krieger der Tod. Getroffen von herabfallenden Steinen stürzten sie in die Tiefe. Weiter kletterten sie, bis endlich der Gipfel erreicht war. Vor ihnen lag eine weite Fläche, baumlos, spärlich von Grasbewuchs. In der Ferne sahen sie einen Gegenstand, der einer Hütte ähnelte. Dorthin ging ihr Weg.

 

 

Kapitel  46

 


 

 

 

Johann sah Dolgin nach, als er schimpfend  zwischen den Bäumen verschwand und wandte sich dem Adler zu. Fragend schaute er den Vogel an. Hatte er richtig gehört oder spielten seine Sinne ihm einen Streich? Konnte dieser Vogel sprechen?   “ Schaut nicht so!  Sagt mir endlich wer ihr seid. Habt ihr noch nie einen Vogel gesehen?. “   Ehh.. doch? Aber keinen, der zu mir spricht, wie kommt ihr zu dieser Fähigkeit?”

 Hagar fing an, seine Geschichte zu erzählen, doch immer unterbrochen von leichten Schwächeanfällen. Das  Sprechen fiel ihm nicht leicht, aber er wollte Johann seine Geschichte erzählen. Und als er endete, schwiegen Beide. Johann sah ihn an,  Respekt und Achtung hatte er vor diesem Vogel.   “ Nun sagt mir, was Euch an diesen Ort führt und wo kommt ihr her?” Immer wieder hielt Hagar inne, das Sprechen fiel ihm von Mal zu Mal schwerer. Johann unterbrach ihn, als Hagar gerade weiter reden wollte. Er erzählte ihm, wo er Zuhause war, wie er in dieses Land kam und dass er wohl der “Auserwählte” sei, auf den alle in diesem Land seit hunderten von Jahren gewartet hatten.

 

 “ Was hab ihr da für ein prachtvolles Schwert am Gürtel? Es ist mir sofort aufgefallen!”  Johann sah auf das Schwert und begann weiter zu erzählen, dass er bei der Seherin gewesen war. Dass er in einer Höhle ein Schwert, eine Rüstung und ein Schild fand und damit fast unverletzlich geworden war bis zu dem Augenblick, als er einen Fremden traf, der in einem öden Land an einem Lagerfeuer saß.

 

 

„Hat das Plappermaul seinen Schnabel nicht halten können!” Dolgin kehrte unbemerkt von den beiden zurück . Er hatte ein Gefäß dabei, das mit Wasser gefüllt war . “Ah, ihr seid schon zurück?” Bevor Dolgin antwortete, gab er seinem Freund das Wasser, was er verlangte.” Ich bin schon eine Zeit wieder da, und habe Euch zugehört. Doch erzählt weiter, und wo ist der Fremde, den ihr dort getroffen habt?”
Und Johann begann weiter zu erzählen..............:


Nach einer Weile des Schweigens bereitete jeder von uns sein Lager und wir legten uns zur Ruh’..............
Kalt war es in dieser Nacht, der Wind trieb kalte Luft vor sich her und das Feuer verlosch nach einiger Zeit.

 “ Wacht auf, es beginnt hell zu werden und wir müssen uns auf den Weg machen!”   Der Fremde streckte sich, man sah, dass er es nicht gewohnt war, auf der Erde zu schlafen. Das erinnerte Johann an seine ersten Tage in diesem Land. Es ging ihm genauso. “Nur Geduld, mein junger Freund, erst wollen wir essen, und gestärkt wird es sich besser kämpfen.” Johann schaute ihm zu, wie er in aller Ruhe das Feuer wieder anfachte, um darauf irgend eine Flüssigkeit
zum Kochen zu bringen, dann griff er zu einem Sack und holte einige Scheiben, von denen er Johann welche anbot,  heraus. “Nehmt, es wird euch schmecken”. Zaghaft, eher vorsichtig biss Johann hinein und es schmeckte.   Er fragte den Fremden, ob er ihm noch eine Scheibe reichen würde, welche dieser ihm mit einem Lächeln gab.  “ Ich sehe, es mundet Euch, wenn ihr noch mehr wollt? Dann greift unbesorgt zu!”  

„ Ich habe Euch noch nicht nach Eurem Namen gefragt, wie werdet ihr genannt?”  “Meint ihr, wir sind lang genug zusammen, dass ihr meinen Namen wissen wollt?”
Doch Johann drängte darauf und der Fremde  nannte ihm dann doch seinen Namen.

 

 “ Ich heiße Abatai el Schabatie dur Kalabru. Seid ihr nun zufrieden? “ Man sah ihm an, dass es ihm nicht gefallen hat, dass jemand sich für seinen Namen interessierte. Woher er aber genau kam und wie das Land hieß, das war aus Abatai nicht heraus zu bekommen. Die beiden Männer räumten ihre Sachen zusammen, denn es wurde Zeit aufzubrechen. Das Land, das vor ihnen lag, war grau und verbrannt,  bei jedem Schritt stieg hinter ihnen eine kleine Staubwolke auf. Es waren Stunden vergangen, schweigend liefen sie nebeneinander her. Abatai hob die Hand und zeigte hin zum Horizont. ” Dort, seht ihr das? Das ist kein Staub, der dort aufwirbelt. Es sieht wie Rauch aus. Vielleicht sind dort andere, die mit uns gehen? Eilen wir uns, um sie nicht zu verpassen!”

 Doch Johann hatte Zweifel. Auch ein Drache war in der Lage Rauch zu erzeugen. Er mahnte Abatai zur Vorsicht. Vorsichtig und mit Bedacht setzten sie ihren Weg fort. Bis sie so nah waren, dass sie ein Fauchen hören konnten. Voller Hass und Boshaftigkeit. “So hört sich ein Drache an! Merkt es euch genau!” flüsterte er Abatai zu. Ein beißender Geruch stieg ihnen in Nase und Augen. ” Schwefel, die ganze Höhle ist voller Schwefel. Habt ihr das Wasser dabei? Wir nehmen ein Teil unserer Kleidung, nässen sie und halten sie vor den Mund. Dann haben wir wenigstens eine Möglichkeit, zu Atem zu kommen. Dann betraten sie die Höhle, dunkel war sie, die Wände schwarz voller Russ und immer wieder das laute, ohrenbetäubende Fauchen des Drachen. Schritt für Schritt tasteten sie sich voran. Die Geräusche, die der Drache verursachte, leitete ihnen den Weg. Dann sahen sie ihn,  er war von einer furchteinflößenden Größe. Ein mächtiger Kopf, aus dem Maul schauten große Zähne hervor und er war nervös. Auf und ab ging er und immer wieder schaute er in eine Richtung, die  die beiden Kämpfer aber nicht einsehen konnten. “ Ich glaube, dort hält er das Einhorn gefangen”, flüsterte Johann. Plötzlich wirbelte der Drache herum. Rot glühende Augen sahen ihnen entgegen mit senkrecht stehenden Pupillen. Und der Drache ging auf sie zu. Die Augen des Drachen verengten sich zu Schlitzen. Hatte er Johann reden hören? Sie versuchten sich, so gut wie es ging zu verstecken, denn einen direkten Angriff würden sie nicht überleben. Näher und näher kam der Drache. Johann flüsterte noch schnell zwei Worte: “ Nicht bewegen!” Er meinte sich zu erinnern, dass einmal jemand zu ihm gesagt hatte, dass ein Drache nur Bewegungen wahrnehmen konnte,  blieb man bewegungslos, war man unsichtbar für einen Drachen. Ob es wahr war, stellte sich nun heraus. Der Drache war so nahe, dass die Beiden Mühe hatten, still stehen zu bleiben, jedes Mal, wenn der Drache ausatmete, kam ihnen ein Schwall übelster Luft entgegen. Johann und Abatai mussten sich beherrschen, dass sie sich nicht übergaben. Und dann machte Abatai eine flüchtige Bewegung mit der Hand. Der Drache wirbelte herum . Doch Abatai tauchte geistesgegenwärtig nach unten ab und der Drache sah ihn nicht. Doch nun wusste er, dass sich noch andere Lebewesen in der Höhle befanden. Nun galt es sehr vorsichtig vorzugehen. Ganz langsam bewegten sich die Zwei wieder Richtung Ausgang, um sich zu beraten, wie sie vorgehen sollten.  Aber immer den Drachen im Auge zu behalten und jedes Mal, wenn dieser in ihre Richtung sah, erstarrten sie in der Bewegung. Dann erreichten sie den Höhlenausgang. Sie hatten Zeit, sie mussten sich einigen, wie sie den Drachen bekämpfen konnten. Letztendlich   einigten sie sich darauf, dass der Drache von zwei Seiten  bekämpft werden sollte.

Sie kehrten in die Dunkelheit der Höhle  zurück, und tauchten erneut dort unter. Doch diesmal war es anders, als beim ersten Mal. Von weitem hörten sie das Fauchen des Drachen. Je näher sie sich diesem näherten, um so genauer sahen sie es. Aufgeregt lief er von einer Seite auf die andere, an einer bestimmten Stelle jedoch  schaute er zu einem Punkt, der nur für Augenblicke einzusehen war. In dem Augenblick wenn der Drache kurze Feuerstöße in die Tiefe der Höhle schickte, sahen sie es:  Das Einhorn . Voller Frucht, dicht gedrängt an die Felswände, seine Angst war deutlich zu spüren. Die beiden Kämpfer trennten sich, um rechts und links an den Felswänden,  jede Nische auszunutzend ,sich dem Drachen zu nähern. Als ob der Drache die Bedrohung  ahnte, wandte er sich plötzlich dem Ausgang zu. Johann und Abatai hatten gerade die Felswände erreicht, da schickte der Drachen einen gewaltigen Feuerstoß durch die Höhle, der diese für Sekunden erhellte. Sie sahen ihn mit zusammengekniffenen Augen in die Höhle lauschen. Der Schwanz wischte unruhig auf dem Felsboden hin und her. Dann folgte der zweite Feuerstoß. Johann der  sein Versteck wechseln wollte schnellte zurück an die Wand, in die kleine Nische, in der er stand. Knapp zwei Meter vor ihm zischte der Feuerstoß vorbei. Eine unerträgliche Hitze schlug ihm ins Gesicht, er hatte es nicht geschafft, das Gesicht zur Felswand zu wenden wie beim ersten Mal. Es war ein Gefühl, als würde ihm jemand die Haut vom Gesicht ziehen. Immer wieder zuckte der Kopf des Drachen von einer Seite zur anderen. Johann hatte das Gefühl, als hätte er ihre Nähe gespürt. Der Drache kam in bedrohliche Nähe.  Johann griff zu seinem Schwert und sah das auch Abatai sein Schwert ziehen wollte. Der Drache bewegte sich immer mehr auf Johann zu. Der Drachenschwanz zuckte nervös über den felsigen Boden. Je näher er Johann, um so öfter schlug er mit dem Horn besetzten Schwanz gegen den Fels, an dem sich dann kleine, sowie auch große Steine lösten und mit einem Knall auf dem Boden zerplatzen. Abatai zog das Schwert des Drachentöters. Die Klinge von Taloon  leuchtete in einem feurigen Rot. Der Drache wirbelte herum und sah, wie Abatai aus seinem Versteck kam, um zum Angriff überzugehen.  Das war die Gelegenheit für Johann, der nun auch sein Schwert zog und es zu einem mächtigen Schlag erhob. Er wollte das Bein des Drachen treffen und ihn vielleicht so schon zu Fall zu bringen. Doch als Johann zuschlug und auch das Bein des Drachen traf zersprang das Schwert wie Glas und der Drache wandte sich nun ihm zu und wirbelte herum. Dabei flog der Drachenschwanz wie ein Blitz auf Abatai zu und dieser flog wie von einem Katapult abgeschossen durch die Luft. Johann stand wie versteinert da und schaute auf sein Schwert, von dem er nur noch den Griff in der Hand hielt. Der Drache kam langsam mit gebeugtem Kopf auf ihn zu. Wieder schlug Johann dieser heiße Atem ins Gesicht. Das nahm Johann aber im Augenblick nicht wahr, was sollte er jetzt zu seiner Verteidigung unternehmen, nur die Rüstung und das Schild waren ihm geblieben. Da hörte er, dass Abatai ihn rief. Er lehnte an der Wand und hatte eine große Wunde in der Brust. Mit letzter Kraft warf er Johann das Schwert “Taloon” zu. Mit dem Mut der Verzweifelung hechtete Johann dem fliegenden Schwert entgegen und.............................fing es auf. Auch sah er, dass Abatai an der Felswand zusammenbrach. Der Drache erstarrte, als er das Schwert in Johann’s  Hand sah. Johann hatte das Gefühl, als würde der Drache das Schwert kennen. Er spürte Furcht, der Drache ging vorsichtig rückwärts , den Blick immer auf die rotglühende Klinge gerichtet. Wirbelte plötzlich herum und floh. Johann sah auf die Klinge und das Leuchten verblasste. Er lief zu dem Freund , er atmete noch. “Geht....Geht zu dem Wesen und befreit es !” Johann sah ihn an, wollte ihm noch etwas antworten, doch Abatai sackte in sich zusammen. Das Leben entwich aus seinem Körper, und Johann hörte ein Schnauben das dort aus der Dunkelheit kam. Er musste das arme “Tier” befreien und lief den Geräuschen entgegen. Er sah ein blaues Licht, dann noch eins und noch eins. Es waren  drei Einhörner, nicht eins. Behutsam versuchte Johann sie zu befreien, doch die Ketten, mit denen sie zusammen gebunden waren, wollten sich nicht lösen. Johann dachte, dass er vielleicht mit dem Schwert Erfolg haben könnte. So zog er es und sah, dass es abermals im leuchtenden Rot glühte. Johann dachte sofort wieder an den Drachen und wirbelte herum. In seiner Drehung berührte die Klinge die Kette, mit der die Einhörner gefesselt waren, und die Kette zersprang. Die Einhörner waren frei. Johann lief zu seinem Freund zurück, gefolgt von den Einhörnern.   Er beugte sich über Abatai und nahm seinen Körper in den Arm. Es war kein Leben mehr in ihm. Tapfer ist er in den Tod gegangen, Johann hätte gern noch mehr über ihn erfahren. Nun aber war es zu spät.
Etwas berührte seinen Rücken, Johann sah über seine Schulter, ein Einhorn, wahrscheinlich das männliche “Tier”, drückte ihn sanft zur Seite.
Dann berührte sein Horn den toten Körper des Abatai, ein blaues intensives Leuchten ging von diesem Horn aus. Es vergingen Minuten, die das Einhorn regungslos bei Abatai stand und ihn mit dem Horn berührte. Und dann sah Johann das kurze Zucken einer Hand von Abatai, und er sah, dass der Brustkorb anfing sich zu heben. Das Leben kehrte zu Abatai zurück. Und Johann sah die Magie der Einhörner.

 

 

“ Was ist dann geschehen? Und wo habt ihr euren Freund ? Aber ich will euch nicht unterbrechen! Erzählt was ist dann geschehen? “
Johann sah Dolgin an und auch Hagar, man sah es ihnen an, dass sie die Geschichte weiterhören wollten.....

 

 

 

 

 

 


Nach einer Weile wandten die Einhörner sich dem Ausgang zu und gingen. Und ich sah wie sich die Wunden in Abatai’s Körper schlossen.......

 

 

 Kapitel  47

 

 

 

Es war eine unwirkliche Gegend und nur zaghaft setzten die Kämpfer einen Fuß vor den anderen. Fagul mahnte die Krieger zur Vorsicht.  „Schaut euch um, lasst nichts außer Sicht und sei es noch so unbedeutend. Hier ist ein verfluchtes Land.”  Näher und näher kamen sie der alten Hütte. Mit verkrampften Händen umklammerten sie die Schwerter. Fagul war als erster an der alten Tür, die ihnen den Eintritt verweigerte. Er griff an die alte Klinke, doch die Tür blieb verschlossen. Auf die andere Seite gehen, um zu schauen, ob es dort noch eine Tür gab, konnten sie nicht, diese Hütte war direkt an die Felswand gebaut. Zu sehr waren sie damit beschäftigt, die Tür zu öffnen,  dass sie es nicht bemerkten, wie der Himmel sich verdunkelte. Tief schwarze Wolken zogen auf, eine leichter Wind blies ihnen in den Rücken, dem sie aber keine Bedeutung zumaßen. Das hielt sie  auch nicht davon ab zu versuchen, diese Tür zu öffnen. Der leichte Wind verwandelte sich mit einemmal zu einen Orkan. Er war so stark, dass er Fagul und seine Krieger wie Puppen an die Holzwand drückten, sie hatten das Gefühl als wären sie an die Wand genagelt. Mit großer Anstrengung versuchten sie sich umzudrehen.

 Der Tag wandelte sich zur Nacht und ein Gesicht, das Fagul gut kannte, formte sich in den Wolken. “ Nun habe ich euch dort, wo ich euch haben wollte! Ihr Narren seid mir gefolgt wie Lämmer. Was glaubt ihr, wer der stumme Seemann gewesen ist, wer hat den dummen Jungen hier herauf begleitet? Seht euch vor, ich werde überall sein, und ihr werdet nie Wissen, ob nicht ich es bin, der vor euch steht! In die Hütte wollt ihr? Dann geht und sucht euren Tod!” Dann lösten sich die Wolken und mit ihnen auch das Gesicht auf. Was sie aber noch hörten, war ein von Hass erfülltes Lachen. Dann schien plötzlich wieder die Sonne. Ein leises Knarren ließ sie aufschrecken. Die Tür der alten Hütte öffnete sich langsam. Ein fauliger Geruch stieg in ihre Nasen. Aller Vorsicht zuwider gingen sie in diese Hütte. Es war dunkel im Inneren, nur das wenige Tageslicht, das mit ihnen in diese Hütte drang, spendete ein wenig Licht.

 

Es sah aus, als wäre diese Hütte seit Jahrhunderten nicht mehr bewohnt. Spinnengewebe und große Ratten huschten über den Boden. Der Staub lag Zentimeter hoch auf dem Tisch. Alles war verrottet. Und einen schemenhaften Umriss einer Tür sahen sie auf der anderen Seite. Wo wird es dort wohl weitergehen, die Hütte steht an der Felswand, warum ist dort eine Tür ? Fagul forderte seine Leute auf, ihm zu folgen, dann ging er auf diese Tür zu. Die Krieger Fagul’s standen in einem Halbkreis vor der Tür, die Fagul öffnen wollte. Schwerter wurden gezogen, Speere mit fester Hand umschlossen und viele Pfeile in die Bögen gelegt. Fagul schaute in den Kreis der Krieger, nickte leicht, was die Krieger erwiderten, dann drückte Fagul langsam die Türklinke nach unten.

 Unendlich lange dauerte es bis die Tür offen war und dann sahen sie es! Es befand sich kein Fels hinter der Tür, sondern ein weites Land, in dem der Wind kleine Sandwirbel vor sich her trieb. Die Sonne brannte heiß vom Himmel. Einer nach dem anderen trat ins Freie. Als Fagul sich zu seinen Leuten wandte und zu Rückkehr aufrufen wollte, sah er die Hütte, die auch von dieser Seite an den Fels gebaut war. Und die Hütte begann in sich zusammen zu fallen. Jeder Versuch, doch noch durch die Hütte zu kommen, war vergebens.
Als sich der Staub verzogen hatte und de Hütte in Trümmern lag, regte sich etwas unter den zerborstenen Holzbalken. Balken stoben auseinander und ein riesiger Wurm wühlte sich durch die Trümmer . Zuerst sahen sie nur den Kopf und der war schon beeindruckend. Doch je mehr dieser Lindwurm sich durch die Balken ins Freie arbeitete um so größer wurde er. Fagul und seine Krieger standen regungslos da und schauten, wie sich der Wurm aufrichtete. Höher und höher richtete sich der Wurm auf  eine Größe von einem Baum. Wie auf ein geheimes Kommando hin, flohen sie vor dem Ungeheuer. Doch ein Kampf war unausweichlich. Der Wurm verfolgte sie und war nach kurzer Zeit vor ihnen und versperrte ihnen den Weg. Die Bakaar zogen ihre Schwerter. So leicht wollten sie es dem Monster nicht machen. Hoch aufgerichtet stand sie abermals vor ihnen, große gelbe Augen mit senkrecht stehenden Pupillen verfolgten jede Bewegung der Bakaar. Immer darauf wartend, einen günstigen Moment zu Angriff zu haben. Fagul sah den Wurm  nun in seiner ganzen Größe.” Das ist kein Wurm, es ist eine Riesenschlange, schaut die Giftzähne, die sie hat. Nehmt euch davor in Acht!” Und plötzlich schlug die Schlange zu , so plötzlich wie ein Blitz vom Himmel fährt. Ein Krieger der Bakaar hatte einen Moment lang seinen Blick abgewendet, das war sein Ende, mit einem gellenden Schrei verschwand er im Schlund der Riesenschlange. Fagul gab Anweisung, das Ungeheuer langsam einzukreisen, so das die Schlange keinen direkten Angriffspunkt mehr hatte. Vorsichtig , ohne den Feind aus den Augen zu lassen, bildeten sie einen großen Kreis um den Feind. Nun bestand eine Möglichkeit für die Bakaar zum Angriff. Aber ein leichtes Unterfangen war es nun  noch nicht, denn die Schlange bewegte sich immer noch sehr schnell! Und doch hatte ein Kämpfer der Bakaar plötzlich die Gelegenheit einen Hieb mit dem Schwert auszuführen. Der Schlag trennte der Schlange die Schwanzspitze ab , und eine gelbe stinkende Flüssigkeit spritzte aus der Wunde. Mit einem gellenden Schrei verschwand die Schlange im sandigen Boden. Zurück blieb diese gelbe Flüssigkeit, die anscheinend das Blut des Monsters war. Fagul mahnte zum Aufbruch. Sie mussten einen Weg finden, der sie zu ihrem Volk zurück brachte. Aber was sie hier sahen, war nur verbrannte Erde und einen kleinen unscheinbaren Weg, der aber in diese kahle, baumlose Weite führte. Es blieb ihnen keine Wahl, sie mussten den Weg nehmen, es war die einzige Möglichkeit nicht in die Irre zu gehen. Dunkle Wolken zogen auf, schwarze mächtige Wolkentürme bäumten sich auf. Dann begann ein leichter Wind zu wehen. Es wurde dunkel obwohl der Morgen noch jung war. Unheimliche Gebilde formten die Wolken. Fagul und seine Mannen beobachteten die Wolken mit Sorge. Dann verschwand die Sonne hinter der Wolkenfront und es wurde kälter, aber es war irgendwie anders. Ihnen blies eine beißende Kälte in die Gesichter. Es wurde so kalt, dass der Boden gefror, dann kam der Schnee . Er peitschte über die Ebene und traf mit aller Gewalt auf die Krieger der Bakaar. Es war kaum ein Fortkommen , mit aller Kraft stemmten sie sich gegen das Unwetter. Fagul trieb sie zum Weitergehen an, doch das Heulen des Sturmes ließ seinen Rufe ungehört verhallen. Eis bildete sich auf den Körpern der Menschen. Ein weiterer Krieger starb, erfroren in der Bewegung. Ein Schwert schlug gegen einen Fels und zersprang wie Glas. Die Kälte machte Stahl mürbe . Es dauerte nur wenige Minuten und die Kräfte der Menschen war erschöpft. Dieses Wetter hatte keinen normalen Ursprung, Fagul ahnte, wer da seine Finger im Spiel hatte. Ob sie sich noch auf dem Weg befanden? Sie konnten nicht einmal den Boden sehen. Der Schneesturm wandelte sich zum Hagelschauer, groß wie die Faust eines Mannes waren die Hagelkörner. Den einzigen Schutz, den die Bakaar davor hatten, waren ihre Schilde, diese waren zwar von Waffenmeistern hergestellt worden, aber auf Dauer standen sie dem Hagel nicht stand.

 Plötzlich war alles vorbei, die Wolken lösten sich auf und die Sonne war wieder zu sehen. Nur sie schien nicht mehr so stark, wie vor dem Sturm , hatte auch einen merkwürdigen milchigen Schein. Fagul ahnte, dass es nicht zu Ende war, und er sollte recht behalten. Etwas kam ihnen entgegen, was sie nicht kannten, und mit dem Unbekannten kam auch eine Hitzewelle auf sie zu. Der vereiste Boden verwandelte sich in eine Schlammlandschaft, bei jedem Schritt sanken sie bis über die Knöchel tief ein, und ein saugendes Geräusch entstand beim Gehen. Nun kam ein anderer Sturm auf sie zu. Es war eine Wand aus Sand.... viel Sand. Fagul befahl seinen Leuten, dass sie sich auf den Boden legen sollten, eng aneinander und mit den Schilden ihre Köpfe schützen. Stunden vergingen, das Pfeifen, dass Wind und Sand verursachten, machte sie fast taub, es war unerträglich. Dann war auch der Sturm vorbei, und die Bakaar waren unter Unmengen von Sand begraben, den einzigen Hohlraum, den sie hatten, war unter den Schilden, mit denen sie ihre Köpfe schützten. Mit gegenseitiger Hilfe befreiten sie sich aus ihrer misslichen Lage. Stunden vergingen, Stunden, in denen sie sich durch knietiefen Sand kämpften. Längst war ihnen klar, dass das keine Naturereignisse waren.
Der dunkle Magier wollte sie aufhalten, vernichten und sein unsäglicher Hass steigerte sich als er sah, dass sie immer noch am Leben waren. Er schicke nach den Schattenreitern, Wesen aus der Hölle, erbarmungslos, ohne Gnade. Sie sollten sich in das öde Land begeben und dem Leben des Fagul ein Ende bereiten. Schnell und lautlos machten  sich die Schatten auf den Weg. Sieben an der Zahl, verschmelzen mit der Dunkelheit, meiden das Licht der Sonne, ergeben und treue Diener ihres Herren.
Berge tauchten in der Ferne auf. “ Lasst uns dort hin gehen, und wenn uns das Glück nicht verlässt, werden wir eine Höhle finden, die uns Unterschlupf gewährt und wir Erholung finden können.” Mit der Hoffnung auf einen Weg, der sie zu ihrem Volk führt, gingen sie in Richtung der Berge.
Lang war der Weg, der zu den Bergen führt, und das Licht des Tages neigte sich dem Ende zu. Stetig zunehmende Dunkelheit legte sich über das Land, das die Bakaar zwang, sich einen Lagerplatz für die Nacht zu suchen. Das aber war nicht leicht, kein Baum, keine Felsen, keine Senke im Boden, wo man vermeintlichen Schutz hätte finden können. Sie waren gezwungen, sich Löcher in den Boden zu graben, um dort Schutz vor Entdeckung zu finden. Kalt wurde es, ein Feuer zu entfachen wagten sie nicht. Die Erschöpfung konnte man ihnen ansehen, und außer zwei Wachen, die sich gegenseitig wach hielten, dauerte es nicht lange und sie fielen in einen tiefen traumlosen Schlaf.

 

 

 Kapitel  48

 

 

 

...........Ich sah, dass es Abatai zunehmend besser ging und ich spürte, dass etwas mich in die Tiefe der Höhle lockte. Ich fragte Abatai, ob ich ihn einen Augenblick allein lassen könnte und begab mich in die Tiefe der Höhle, dort wo der Drache die Einhörner gefangen hielt. Doch ich sah erst nur undurchdringliche Dunkelheit, aber eine Stimme in mir sagte,  dass ich weitergehen solle.  Also tastete ich mich voran, die Arme nach vorn gestreckt, so hoffte ich, Hindernisse zu ertasten. Doch die meisten Hindernisse lagen auf dem Boden, Steine, Felsbrocken, damit war der Boden übersäht. Doch dann sah ich ein kleines Licht, unscheinbar, es ähnelte  einem Holzscheit, der nur noch wenig brannte. Darauf hielt ich zu. Dann sah ich, was dort das fahle Licht erzeugte. Es war ein Horn, in sich gedreht, so wie es die Einhörner trugen. Ich bückte mich, um es aufzuheben. Doch kaum in meiner Hand, erstrahlte das Horn und aus der Dunkelheit wurde eine von Helligkeit durchflutete Höhle. Nun sah ich, wo ich mich befand und als ich mich noch umschaute, bemerkte ich eine Bewegung in meiner Hand. Das Horn welches strahlte wie Sonnenlicht, verwandelte sich in einen Dolch. Doch Griff und Klinge blieben aus Horn, aber das Leuchten war verschwunden,  in der Höhle blieb es hell wie Tageslicht. So konnte ich ungehindert zu Abatai zurückkehren. Doch als ich an der Stelle war, an der Abatai lag, war er verschwunden. Ich hörte ein Geräusch, das vom Höhleneingang zu kommen schien. So schnell ich konnte, versuchte ich zum Eingang der Höhle zu kommen. Vielleicht war der Drache zurück- gekehrt. Mein neuer Kampfgefährte war bestimmt in Not und ich hatte  Taloon, das Schwert des Drachentöters. Dann sah ich ihn dicht an die Wand geschmiegt und da zeigte er nach oben. Steinschlag, dicke mächtige Felsbrocken lösten sich von der Höhlendecke. Die Höhle schien in sich zusammen zu fallen. Ich rief Abatai zu, dass er laufen solle, raus aus der Höhle. Gerade noch zur rechten Zeit konnten wir der Katastrophe entkommen. Vor uns lag wieder diese öde Ebene, soweit das Auge reichte, nur Sand. Abatai stieß mich in die Seite und deutete nach unten zu den Spuren der Einhörner. Dort war ein leichtes grün zu sehen, in jedem Abdruck das gleiche Ereignis. Die Magie der Einhörner machte es möglich. Überall drangen Sträucher und Gras durch den trockenen Boden. Dann ging alles schnell, Bäume schossen in die Höhe Gras in Hülle und Fülle bedeckte das Land . Wälder entstanden wieder, wo einst der Wind die Staubwirbel vor sich her trieb. Selbst das Wasser kehrte zurück, kleine und große Bäche flossen wieder durch die Ebene. Das Leben kehrte in dieses tote Land zurück. Ich schaute zu einem Gipfel eines kleinen Berges und sah sie . Dort standen die Einhörner und es war mir, als wollten sie sich ein letztes mal bei uns bedanken, und der Dolch aus Horn begann ein letztes mal zu Leuchten, als die Einhörner aufstiegen und verschwanden. Der Wind wehte durch die Wipfel der Bäume, so dass ein Rauschen entstand. Vögel sangen und flogen im Sonnenlicht. “Das ist Zauberei” sagte Abatai. Ich sah ihn an und sagte ihm, dass er noch viel mehr sehen wird, wenn er Augen hat es zu erkennen.
Johann sah in die Augen seiner Zuhörer, die gebannt lauschten. Das leise unterdrückte Stöhnen von Hagar ließ sie in die Wirklichkeit zurück kehren. Hagar hatte Schmerzen und eine der Wunden hatte sich entzündet.
Johann griff zu dem Dolch aus Horn und ging zu Hagar, strich mit dem Dolch über seine Wunden und sie begannen zu heilen. Nach kurzer Zeit waren alle Verletzungen verheilt. Ungläubig schauten sie zu Johann und seinem Dolch. Die Magie war also noch immer in dem Dolch.
“Erzählt weiter, Herr Johann , wie ist es euch dann ergangen und wo ist Abatai, wie ich sehe seid ihr allein” “Habt Geduld Herr Dolgin, er wird herkommen, nur wird es noch einige Zeit dauern“............
Das Land war zu einem lichtdurchfluteten Urwald geworden, nichts erinnerte mehr an ein trockenes Land. Wir gingen den ganzen Tag und gegen Ende des Tages zeichneten sich über den Wipfeln der Bäume entfernte Bergmassive ab. An einem Weiher machten wir Rast und schlugen ein Lager für die Nacht auf. Wir verzichteten auf ein Feuer, um so unauffällig wie möglich durch dieses Land zu kommen. In der Nacht schreckte mich ein Geräusch aus dem Schlaf. Irgend jemand schlich um unser Lager. Auch Abatai wurde wach und ich sah schemenhaft, dass er zu seiner Waffe griff. Es kam ein Mann aus dem Unterholz in zerlumpten, zerrissenen Kleidern. Spuren eines schweren Kampfes zeichneten sein Gesicht. Die Wolken gaben in diesem Moment den Mond frei, und im blassen Schein des Mondes sah ich, wer da vor uns stand. Es war Fagul, am Ende seiner Kräfte. Abatai der ihm am nächsten stand trat schnell einige Schritte vor und fing ihn auf. Behutsam legte er ihn auf sein Lager.
Er war von den vielen Wunden an seinem Körper sehr geschwächt. Und er schlief ein. Ich weiß nicht, ob er mich  erkannte, aber ich glaube er hatte das Gefühl, endlich in Sicherheit zu sein. Und es waren wieder Geräusche zu hören, nicht sehr laut, wir mussten schon genau hinhören. Plötzlich war alles still. Wir nahmen an, dass da noch ein Kämpfer von Fagul um Hilfe suchte. Abatai ließ nun alle Vorsicht außer acht und fertigte schnell eine Fackel und sagte zu mir, dass er nachschauen wolle, wer da noch um unser Lager schleicht. Nach kurzer Zeit kehrte er zurück. Niemand war bei ihm und doch sagte er, dass er dunkle Geschöpfe sah, die vor dem Licht der Fackel flüchteten. Also beschlossen wir nun doch ein Feuer zu entfachen. Hoch und hell brannte das Feuer und Herr Fagul drehte sich zu der Wärme der Flammen. Ich griff zu meinem Dolch und wollte ihm helfen, doch Abatai hielt mich am Arm. Er meinte, ich solle ihn Schlafen lassen, damit er sich etwas erholen kann, und wie es dann weiter geht, könnten wir am nächsten Morgen entscheiden. Von Schlaf konnte nun keine Rede mehr sein. Eine neue, unbekannte Bedrohung, die uns gegenüber stand.........

 

 

 


“Sagt Herr Johann, lebt Herr Fagul? Und wo befindet er sich ?”
“ Es geht ihm gut und er ist mit Abatai und einer Armee auf dem Weg hier her!”
“ Eine Armee? Erzählt, wie seid ihr zu einer Streitmacht  gekommen?”
“ Herr Dolgin ich bin sehr müde, ich muss neue Kräfte sammeln und ein bisschen schlafen. Morgen oder in den nächsten Tagen wird er hier ankommen. Leider zu spät, wir hätten eine Schlacht gewinnen können.”
Johann legte sich auf den Boden und schlief sofort ein. Dolgin wollte gerade zu einer neuen Frage ansetzen, doch Hagar fiel ihm ins Wort.” Seid still, er braucht Ruhe. Wenn er es ist, wovon die alten Legenden berichten,  muss er wohl ein großer Krieger sein.” “ Woher wisst ihr von den alten Geschichten?” Hagar sah ihn an,  “ Ihr habt mir doch immer von diesen Geschichten erzählt, ich glaube ihr werdet alt Gevatter Dolgin!”

 

 

  Kapitel  49

 


Es wurden Boten zu den Dörfern der Zwerge geschickt um jene zu holen, die zurück bleiben mussten. Frauen, Kinder und alte Leute. Eilig wurde die nötigste Habe zusammen gerafft. Dann machten sie sich auf den Weg zur Feste. Dort wurde alles vorbereitet, um den Höhleneingang zu verschließen, wenn sich alle im Inneren der Höhle befanden. Tage vergingen, der Tross der Flüchtenden kam nur langsam voran. Die Zwerge schickten Späher aus, die Flüchtenden zu suchen. Doch die Tage vergingen, nichts war von  ihnen zu sehen. Am sechsten Tag nach der Schlacht kamen die Flüchtlinge unter der Führung der Späher zu der Feste. Eiligst wurden sie in die Höhle geleitet, nun begannen die Zwerge nach Tagen des Wartens die Höhle zu verschließen. Zurück blieb nur eine große einsame Mauer, nichts deutete darauf hin, dass sich hinter ihr einmal der Eingang einer Höhle befand. Still, und so schnell es ihnen möglich war, durchquerten Tausende von Zwergen die Höhlen. Manchmal schrie ein Kind und einige erfahrene Krieger hielten inne, lauschten in die Dunkelheit. Die Furcht, etwas aus dem Schlaf zu wecken und seine Aufmerksamkeit zu erregen, war ihr ständiger Begleiter.

 An der Spitze der Flüchtlinge gingen alte, erfahrene Zwerge, sie kannten die Höhlen aus ihrer Jugend, als das Land noch friedlich war und sie als Kinder in den Höhlen spielten. Danach blieben die Höhlen verweist. Die Zwerge bauten in anderen Minen ihre wertvollen Mineralien ab. Immer wieder blieben die Alten stehen, schauten zu den Felswänden und suchten nach versteckten Hinweisen aus ihrer Kindheit. Der älteste Zwerg erinnerte sich an einen Weg, der zu einer Ebene führte. An dem Ort voller Wunder gab es schneeweiße Wesen, die ein Horn auf dem Kopf trugen, und es gab dunkle Wälder, sonnige Lichtungen, auf dem sich das Gras in einem satten Grün im Wind bewegte.

Jetzt stand er da, in Gedanken verunken und versuchte sich zu erinnern. Niemand wagte es, ihn zu stören, dann kam wieder Bewegung in ihn und die Völker folgten ihm. Immer tiefer ging es in den Berg, sie sahen die Spuren aus alter Zeit, als ihre Vorfahren und deren Vorfahren in diesen Gängen arbeiteten. Sie durchquerten riesige Hallen, deren Decke von mächtigen Säulen aus Stein gestützt wurden. Bizarre Schattenspiele entstanden durch das Licht der vielen Hundert Fackeln die den Zwergen das Licht zum Weitergehen spendeten. Erneut führte der Weg in die Tiefe, bis er an einem Punkt endete, an dem sich der Weg teilte - in neun enge Gänge.

 Doch die erfahrenen Zwerge, die ihr Leben zum größten Teil in den Höhlen verbrachten, achteten auf die kleinsten, unscheinbaren Zeichen. Und sie fanden ein Wort, das aus uralter Zeit stammte, es vermochte aber niemand mehr die tote Sprache zu deuten. Den Weg, an dem dieses Zeichen entdeckt wurde,  schlugen sie ein. Eine leichte Biegung nach rechts, dann wieder nach links und plötzlich war der Weg zu Ende.

 

 Vor ihnen tat sich eine Schlucht auf, deren Grund nicht zu deuten war. Auf der anderen Seite führte der Weg weiter, nur es war keine Brücke oder ähnliches vorhanden. Sie mussten aber weiter, einen Weg zurück gab es nicht. Die Ältesten wurden gefragt ob es denn wirklich der richtige Weg sei, was diese mit einem eindeutigen “Ja” beantworteten. In ihren Erinnerungen gab es hier eine Brücke. Doch so viele Jahre sind vergangen, der Berg unterliegt einer dauernden Bewegung, alles befindet sich in stetiger Veränderung. Doch mit dieser Situation hatte niemand gerechnet. Eine Möglichkeit aber musste es geben die andere Seite zu erreichen. 

 


Weit von ihnen kämpfte ein anderer Zwergen- Stamm um das Überleben ihres Königs und  des Volkes.
Sie waren am oberen Ende der Treppe angelangt und die Stimmen wurden lauter, nur verstehen konnten die Zwerge nichts, sie hörten eine Sprache, die ihnen völlig fremd war. Vorsichtig näherten sie sich der Tür aus der die vermeintlichen Stimmen zu hören waren, dann schauten sie durch den unteren Türspalt. Es befanden sich noch drei weitere Riesen in der Burg und wie es sich anhörte stritten sie. Hier konnten sie nicht bleiben, sie mussten zurück in den Wald und eine andere Möglichkeit finden, ihrem König Ruhe zu verschaffen. In der Halle schlug jemand heftig die Tür zu, eine Stimme rief etwas in einer Sprache, die sie nicht verstanden. Der Riese, den sie draußen fortgehen sahen kehrte zurück. Sie sahen sich nach einem Versteck um. Doch hier oben war es wie in der Eingangshalle, ein großer leerer Raum. Nur ein Loch gähnte in der Wand. Wie auf ein geheimes Kommando liefen sie alle dort hin. schauten flüchtig hinein und verschwanden im inneren der Wand.

 

 

 

 


“Wo bleiben sie nur? Es kann doch nicht so lange dauern zu schauen, ob wir bleiben können!” Doch als er weiter reden wollte,  spürten sie im  Boden  eine Erschütterung. Und sie sahen die Ursache. Der Riese kam zurück. Schnell, mit weit ausholenden Schritten ging er an ihnen vorbei. Das alte Holz der Zugbrücke knarrte unter der Last des Riesen. Bei jedem Schritt des Riesen lösten sich unzählige kleine Holzteile an der Unterseite der Brücke und stürzten in die Tiefe. Dann hörten sie, dass er voller Zorn , so nahmen sie an, die Tür ins Schloss warf. Alles war still, sie hofften ,dass die Krieger nun den Augenblick nutzten, aus ihren Verstecken zu kommen, um zu flüchten.... Doch es geschah nichts, die Zugbrücke blieb leer. 

 

 

 Kapitel  50

 

 

 

Johann spürte kurz bevor er einschlief wieder diese seltsamen Schwingungen, die von den Schwert kamen. Dann schlief er ein und es kam wieder diese Vision. Er träumte seit Tagen immer  dasselbe. Er sah die Wesen, die dieses Schwert schmiedeten. Ein Feuer, das unnatürlich blau leuchtete, wie große Hämmer geschwungen wurden. Und am Ende sah er die ganze Pracht des Schwertes. Dann erschien ein großer unbekannter Mann ,es musste Dongart van Isenbrurt sein, ihm wurde das Schwert übergeben und die Wesen erhielten ihren Lohn in Gold.

 

 Sein Schlaf wurde abrupt unterbrochen . Durch die starken Vibrationen erwachte Johann, sah zu dem Schwert und bemerkte, wie es leicht zu leuchten anfing. Johann wusste, dass es ein Zeichen dafür war, dass sich ein Drache näherte. Sollte er die anderen wecken? Es war tiefste Nacht und sie schliefen fest . Johann bedeckte Taloon das es nicht in der Dunkelheit leuchtete. Dann hörte er in der Ferne ein Rauschen, erst leise, dann wurde jeder Flügelschlag, der das Rauschen verursachte,  lauter und lauter. Johann schaute besorgt zu seinen schlafenden Kameraden und hoffte, dass sie nicht erwachten und durch hastige Bewegungen die Aufmerksamkeit des Drachen erregten.

 Und Johann spürte noch etwas  -  die Wunde, die ihm der Drache vor Monaten zufügte, begann zu brennen. Ein starker Schmerz durchzog seinen Rücken. War es “der Drache “, der ihn damals verletzte? Johann’s Hand hatte den Griff des Schwertes fest umklammert. Doch der Drache flog über ihn hinweg . Nach wenigen Augenblicken war nichts mehr von ihm zu hören. Johann legte sich wieder hin, doch den Rest der Nacht fand er keinen Schlaf mehr, obwohl der Schmerz genau so schnell verschwand, wie er kam, und die Schwingungen, die von dem Schwert ausgingen waren verklungen. Die Nacht war wieder ruhig und friedlich. Johann stand leise auf und ging ein wenig umher, blieb aber immer in der Nähe des Lagers. Stunden vergingen, Johann liebte diese Minuten, wenn die Sonne aufging, er hatte dann immer das Gefühl, dass die morgendliche Kälte das Land von der Nacht reinigte. Ein neuer jungfräulicher Tag begann und niemand wusste, wie er vielleicht endete.
Wirklich niemand?
Langsam  erwachten auch Dolgin und Hagar. Beide reckten sich und dann stand Hagar auf. Nichts war von den Verletzungen mehr zu sehen, die ihm zugefügt wurden. Und Johann sah nun die wahre Größe dieses Adlers. “ Die Adler müssten eigentlich auf dem Rückweg sein. Was meint ihr, wann die Krieger der Völker hier sein werden?” fragte Dolgin “ Mein alter Freund, wenn ich das nur wüsste, hat es überhaupt noch einen Sinn? Wie werden sie reagieren, wenn sie erfahren, dass ihre Anführer und Könige nicht mehr am Leben sind. Es wird wohl eine große Verantwortung auf unseren jungen Freund zukommen.” Johann sah ihn fragend an “ Meint ihr damit etwa mich? Ich glaube eher, ihr seid der richtige Mann für diese große Aufgabe. Ihr habt die größere Erfahrung und ihr stammt aus diesem Land. Auf euch werden sie hören. Wenn sie wirklich kommen. Wenn ihr meine Meinung hören wollt? Ich denke es wird niemand kommen, alle werden flüchten, jeder wird sich und sein eigenes Leben in Sicherheit bringen.” Johann sah Dolgin an und erwartete von ihm einen Antwort. “ Oh, wie vertrauensvoll. Doch ich bin doch eher ein friedliebender Mensch und kein Kämpfer.” “ Aber ihr wart es doch, der die Völker dieses Landes zu Widerstand gerufen habt” „ Das ist so nicht ganz richtig, ich wollte eigentlich nur Hilfe für die bedrohten Bakaar herbei holen, dass sich das alles so entwickelt,  war nie meine Absicht.” Johann holte gerade Atem, um Dolgin darauf zu antworten. “ Still, hört ihr, es nähert sich jemand aus der Luft!” Hagar unterbrach die beiden. Doch keiner, weder Johann noch Dolgin vermochten etwas zu hören. So sehr sie sich  auch anstrengten, einzig das leise Rauschen der Bäume war zu hören. “ Hmm Hagar, wir hören nichts, hab ihr euch vielleicht getäuscht?” fragte Dolgin ihn.

 Doch ohne eine Wort erhob sich der riesige Adler in die Luft. Johann sah Dolgin fragend an. “Seid beruhigt, er ist eben ein Dickkopf. Wenn er meint, er habe etwas gehört, dann ist es so . Nun wo er fort ist und wir zum Warten verdammt sind, könnt ihr eigentlich mit eurer Geschichte fortfahren.”

 “ Meint ihr nicht, dass der Adler auch wissen sollte, was sich weiter zugetragen hat? Ich denke wir warten auf seine Rückkehr!”  “Nein Herr Johann, er ist zu seinem Volk, ach, das wisst ihr ja nicht. Hagar ist der König der Adler  und diese sind auf dem Weg hier her. So viele sind es, dass sie die Sonne verdunkeln und der Tag zur Nacht wird. Nun erzählt schon Herr Johann, lasst einen alten Mann nicht so lange warten!”

 

Johann sah ihn an und wusste nicht so recht, ob es die richtige Zeit war Geschichten zu erzählen. “Meint ihr nicht, wir sollten die vielen Toten begraben, die auf der Lichtung liegen? Und das Lager  nach Waffen, die wir gebrauchen können, durchsuchen?” Wenn ihr die Aufmerksamkeit  der Orks auf euch lenken wollt, dann tut das, was euer Glaube euch befiehlt, aber rechnet nicht mit mir. Nein, mein junger Freund, lassen wir die Toten liegen. Es rettet vielleicht unser Leben . Nun erzählt, wie geht es weiter und wie geht es Herrn Fagul?”  “ Ich merke, ihr gebt keine Ruhe. Dann hört zu:

 
Abatai kehrte aus der Dunkelheit der Nacht zurück und berichtete von geheimnisvollen Wesen, die das Lager umschleichen und das Licht der Fackel mieden.”.....................................
Es ist nichts zu sehen Herr Johann, nur merkwürdige Dinge sind zu hören, einmal sah ich aber dann doch einen flüchtigen Schatten im Schein der Fackel, der sich doch sofort in die Dunkelheit flüchtete. Schlaft Herr Johann, ruht euch aus, ich werde Wache halten bis der Morgen graut. Langsam wurde es hell und Johann sah als erstes, dass Abatai auf seiner Wache eingeschlafen war. Vorsichtig und leise sprach er Abatai an. Johann wollte es nicht riskieren, dass er erschrak und mit dem Schwert um sich schlug. Doch so einfach war das nicht, Abatai hatte einen gesegneten tiefen Schlaf . Johann blieb nichts anderes übrig, als die harte Variante anzuwenden. Er nahm einen dicken Ast und schlug Abatai damit auf den Rücken, rannte aber dann so schnell er konnte von ihm fort. Es passierte genau das, was Johann befürchtete , Abatai schreckte auf und schlug wie ein Wilder um sich. Dann sahen sie Fagul, dem es immer noch nicht besser ging.

 Johann zog seinen magischen Dolch aus Horn und strich damit über Fagul’s Wunden. Doch der erwartete Erfolg blieb aus, die Wunden schlossen sich nicht. Ein nochmaliger Versuch blieb auch ohne Erfolg. “ Es muss etwas mit den Ereignissen  der Nacht zu tun haben. Waren es die Kreaturen des dunklen Magier, die diese Wunden verursacht hatten? Wenn ich noch etwas von diesen blauen Blüten hätte, die mir halfen!” Das ging Johann durch den Kopf. Sie schauten sich ratlos an. “Wir werden wohl noch einige Zeit hier bleiben müssen “ sagte Abatai. Etwas raschelte im Unterholz .Johann und Abatai erstarrten in ihrer Bewegung. Jemand war hinter ihnen. Die Wesen der Nacht waren es nicht, das wussten sie, denn diese mieden das Licht. Langsam und so unauffällig wie möglich griffen sie zu ihren Waffen.

 

Kapitel  51

 


                        
                                                     Das rettende Versteck

 

 

 

Als der letzte Zwerg von Tury’s Kriegern in der Mauer verschwand sahen sie, wie der Kopf des Riesen am oberen Rand der Treppe auftauchte. Nach Luft ringend und mit lauten Rufen nach seinesgleichen stampfte er an den Zwergen vorbei. “ Puh!, das ist ja noch einmal gut gegangen, es hätte.....” Er erstarrte im Satz. Hinter ihnen hörten sie ein Knurren. Mit aller Vorsicht drehten sie sich um und starrten in zwei große böse Augen. Eine Ratte die sich mit leisem Knurren hinter ihnen aufrichtete. “In diesem Land ist wohl alles sehr groß! Das ist keine Ratte das ist ein Monster. Bei den Göttern, ist die riesig!” Sagte Tury und zog sein Schwert. Auch die anderen taten es ihm gleich. Langsam, mit Bedacht traten sie Schritt für Schritt zurück, um die Wand im Rücken zu haben. Sie wollten nicht, dass eine zweite Ratte ihnen in den Rücken fiel. Es wurde ein “ leiser” Kampf, jeder der Zwerge bemühte sich, so leise zu sein wie möglich, um nur nicht durch Lärm die Riesen zu alarmieren . So weit, wie es ihnen möglich war, standen sie von ihren Kameraden zur rechten und linken Seite weg, um dem Untier so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Es wurde ein kurzer Kampf, die Ratte war schnell überwältigt. Tury hatte nun das Problem, ungesehen aus dem Schloss zu kommen. Der Weg von ihrem Versteck bis zur Treppe erschien ihm jetzt doppelt so weit. Noch konnte Tury seine Kameraden zurück halten. Doch sie drängten ihn, aus dem Schloss zu kommen. Ihm war es wohl bewusst, dass sie keine Chance gegen die oder noch mehr  Riesen hatten. Tury hatte große Mühe seine, Leute zu beruhigen. Als sie den Lärm hörten, den die Riesen verursachten, waren sie doch froh, das Versteck nicht verlassen zu haben. Es hörte sich an, als würden Gegenstände durch das Gebäude geworfen . Mit einem Mal war Stille eingetreten, es war nichts mehr zu hören. Diesen Moment nahmen die Zwerge zur Flucht. So schnell sie konnten liefen sie zu Treppe kletterten auf den Treppensims und rutschten nach unten. Zum Glück ist die Tür nicht ins Schloss gefallen als der Riese sie zuschlug, als er  zurückkehrte. Groß und hell leuchtete der Eingang ihnen entgegen und doch so weit entfernt. Doch ihnen blieb keine Wahl, sie mussten aus dem Gemäuer und den rettenden Wald erreichen. Von oben hörten sie Schritte und Stimmen. Die Riesen , sie wollten wohl auch hinaus. Jetzt war Eile geboten. Mit dem Verzicht aller Vorsicht liefen sie, so schnell sie konnten in Richtung Eingangstür. Immer näher kamen die Schritte hinter ihnen. Im letzten Moment erreichten sie die Tür und gelangten auf den Schlosshof. Sie mussten nur noch die Zugbrücke erreichen. “ Weiter. Weiter, ausruhen könnt ihr, wenn ihr tot seid!”. Tury trieb seine Leute erbarmungslos an. Niemand sollte hier zu Schaden kommen. Da war die Brücke! Doch ungesehen auf die andere Seite  zu gelangen war unmöglich. Tury schaute zurück und sah schon den Schatten eines der Riesen. “Los, ihr rechts und links hinter das Brückengeländer !”, befahl Tury. Als der erste der Riesen an der Brücke stand, waren die Zwerge verschwunden. Der Riese blieb stehen und es sah aus, als hätte er etwas bemerkt. Er sog die Luft mit der Nase ein und sprach in der Sprache, die  die Zwerge nicht verstehen konnten:” Riecht ihr das auch? Es riecht nach Zwergen!” Drei weitere Riesen kamen hinter ihm her und blieben stehen. “Ich rieche nichts! Geh weiter oder willst du unseren Herrn verärgern, wenn wir zu spät kommen?” “Was, dieser Winzling? Ich könnte ihn zerquetschen !” Die vier Riesen gingen über die Zugbrücke und stritten wieder. Einige Zeit später verschluckte sie der Wald. Sie waren fort.

 Tury und seine Krieger konnten nun ohne Gefahr die Brücke überqueren. Nur, so recht war ihnen nicht zumute, wenn nun einer der Riesen zurückkehrte! Also beeilten sie sich, über diese Brücke zu kommen. Auf der anderen Seite wurden sie schon ungeduldig erwartet. Aber dort angekommen, standen sie nun vor einem Waldrand und nichts war zu sehen. Waren sie fortgegangen? Wo waren sie? Dann eine zaghafte Bewegung, Zweige wurden auseinander gebogen, ein Zwerg nach dem anderen trat aus dem Wald. Man sah, dass sie sich hier unwohl fühlten. Tury berichtete ihnen, was sie in diesem Schloss gesehen und erlebt hatten, kam dann zum Schluss, dass hier kein Bleiben möglich war. Sie mussten weiter ziehen. Xatur’s Zustand hatte sich nicht verbessert aber auch nicht verschlechtert . Sie beschlossen, zu der Grasebene zurückzukehren. Dort war ein Pfad, der erst , wie es aussah, vor kurzem niedergetreten wurde. Viele Leute mussten hier gegangen sein. Vereinzelt waren Fußabdrücke zu erkennen und die zeigten den Zwergen, in welche Richtung sie gehen mussten. Denn die, die vor ihnen hier gingen, hatten bestimmt ein Ziel und dieses Ziel führte möglicherweise aus diesem Dschungel aus Gras heraus. Geräusche drangen an ihre Ohren. Es waren diese unheimlichen Wesen, die sich zwischen den baumdicken Grashalmen aufhielten und sie beobachteten. Tury beschloss, fünfzig Krieger für den Schutz ihres Königs einzuteilen. Ihn mit ihrem Leben zu beschützen, ihm nicht von der Seite zu weichen. Zwei weitere Gruppen gingen hundert Meter vor dem Hauptfeld der Zwerge  und ein Trupp bildete die Nachhut. Mehr konnte Tury im Moment nicht tun. Narim, wo war er ? Seit der Rückkehr aus dem Schloss der Riesen hatte er Narim nicht mehr gesehen. Er blieb stehen und schaute, ob er  bei den Zwergen, die an ihm vorbeizogen, war, doch er suchte vergebens, Tury konnte Narim nicht entdecken. Wo war er?

 

                                   
                                                       Kapitel  52

 


                                                    Die Schattenreiter

 

 

 

Das Böse ritt durch die Nacht. Vor langer Zeit waren sie große Feldherren ihrer Könige. Sieben an der Zahl. Ein jeder begierig, in der Schlacht  siegreich zu sein, verkauften sie ihre Seelen an den einen, dessen Namen nicht genannt werden durfte. Doch als sich ihr Leben eines Tages dem Ende neigte, starben sie nicht. Sie wurden zu Schatten, nicht zu den Lebenden noch zu den Toten gehörend. Sie wurden zu Wesen, die das Licht des Tages mieden, nur in der Nacht vermochten sie ihrer Bestimmung zu folgen. Dem Bösen zu dienen. Ein Schatten ihrer selbst und gesichtslos folgten sie ihrem Auftrag, den zu finden, der sich Fagul nannte. Viele der Menschen hielten die Schattenreiter für Gruselgeschichten, die den Kindern in den Winterabenden erzählt wurde. Doch die alten Männer wussten von Begegnungen der Schattenreiter -  von der Kälte, die sie umgab. Sie erzählten im Flüsterton von ihrer Existenz. Nun war die Zeit gekommen, da die Reiter erneut durch das Land streiften, auf der Suche nach ihrem Opfer. Zielsicher und auf geradem Weg näherten sie sich Fagul und seinen Kriegern. Niemand bemerkte sie, nur ein kurzes Gefrieren der Pflanzen oder das Erschauern eines Wanderers der des Nachts unterwegs war, zeugte von ihrer Gegenwart. Die Macht des Magier wies ihnen den Weg.
Fagul  konnte keinen Schlaf finden, zu sehr beschäftigte es ihn, wo sie waren und ob er zu seinem Volk zurückfinden würde. Mit der Dunkelheit kam auch eine erfrischende Kühle über das Land. Auf dem Rücken liegend betrachtete er den Sternenhimmel und es fiel ihm ein, dass er früher nie die Zeit gehabt hatte, die Sterne anzuschauen. Und langsam übermannte ihn der Schlaf. Doch im Laufe der Nacht weckte ihn eine unerklärliche Kälte. Behutsam wollte Fagul den Krieger wecken der neben ihm lag. Doch als er ihn berührte, rollte sein Kopf von der Schulter . Der Körper fühlte sich an, als sei er gefroren . Fagul spürte einen Schatten, der an ihm vorbei huschte. Kurze Zeit später schrie ein weiterer Krieger auf und verstummte . Fagul hörte das typische Zischen eines Schwertes, das auf ein unbewegliches Ziel sauste. Nach seinem Schwert tastend stand Fagul auf . Doch erkennen konnte er nichts. Kaum stand er auf seinen Füßen, durchdrang ein fürchterlicher Schmerz seinen Körper und Fagul merkte, wie etwas Warmes seinen Rücken herunter lief. Obwohl sein Rücken einen tiefen Schnitt aufwies, wirbelte Fagul herum, doch das was er sah, war die Dunkelheit der Nacht und er spürte wieder diese unnatürliche Kälte in jeder Faser seines Körpers. Hektisch schaute er in alle Richtungen.  Er sah  einige seiner Krieger, wenn im fahlen Mondlicht ihre Schwerter blitzten, die dann aber wie von einer geheimnisvollen Macht zusammenbrachen. Ein Kämpfer nach dem anderen wurde Opfer dieser unsichtbaren Angreifer. Und immer wieder trafen auch Fagul  die Schwerter der Angreifer . Es gelang ihm, zu einer Felswand zu kommen. Woher dieser Fels mit einem Mal kam, erstaunte ihn. Am Abend, als sie beschlossen hier die Nacht zu verbringen waren sie mitten in der Öde. Felsen oder gar Berge waren nicht in ihrer Nähe, um so erstaunter war Fagul, dass er plötzlich einen Widerstand im Rücken spürte und gleich darauf den brennenden Schmerz von der Wunde auf dem Rücken. Doch die unheimlichen Wesen waren ihm gefolgt und ein erneuter Schwerthieb traf ihm an dem Arm, mit dem Fagul sein Schwert führte. Fagul versuchte, mit der linken Hand sein Schwert zu heben. Er spürte, dass ihm eine Kälte entgegen kam, die ihn erstarren ließ. Irgend etwas näherte sich ihm. Kalter Atem schlug ihm entgegen und er meinte, in ein Augenpaar zu schauen. In Augen, die eine grausame Gleichgültigkeit ausstrahlten. Doch im selben Moment verschwanden sie wieder. Die ersten Strahlen der Sonne stiegen über den fernen Horizont und plötzlich war der Spuk vorbei. Fagul sah die leblosen Körper seiner Kämpfer. Grausam abgeschlachtet wurden sie. Nicht den Hauch einer Chance hatten sie. Fagul saß mit dem Rücken an einem großen Baum gelehnt, von dem er in der Dunkelheit annahm, es sei eine Felswand. Die Wunden verbunden so gut es ging, erhob Fagul sich. Den Schrecken der Nacht in seinen Augen schleppte er sich weiter  mit der Hoffnung, dem Unheimlichen der Nacht zu entkommen. Doch die Verletzungen die er des Nachts erlitten hatte, machten ihn langsam, sie zwangen ihn zu immer längeren Pausen. So verging der Tag, ohne dass Fagul sehr viel Distanz zwischen sich und dem Ort des Schreckens zurück gelegt hatte. Die Schatten wurden länger und es würde nicht mehr lange dauern bis die Nacht erneut über das Land kam und mit ihr das Unbekannte, das ihm nach dem Leben trachtete. Hektisch schaute Fagul sich nach einem Versteck für die Nacht um. In einiger Entfernung sah er einige große Felsen, sie lagen  inmitten der Öde .Dorthin bewegte sich Fagul. Er vermutete, dass unter den Felsen genug Platz war, um dort die Nacht zu verbringen  und er Schutz haben würde. Doch die Felsen lagen bündig mit dem Boden da. Es war kein Unterkommen. Mit bloßen Händen grub Fagul wie ein Besessener immer mit Blick zur Sonne, die sich dem Horizont merklich näherte. Länger wurden die Schatten. Fagul hatte in seinem ganzen Leben nicht so hart arbeiten müssen, um sein Leben zu schützen.

 

 Plötzlich hörte er die Geräusche von Pferdehufen. Sie kamen. Fagul hatte es fast geschafft und dann war er so weit unter den Felsen, dass sie ihn vielleicht nicht erreichen konnten. Still ohne eine Bewegung lag Fagul in seinem Versteck, selbst das Atmen wagte er nicht und bemühte sich, es so flach wie möglich zu halten. Seine Hoffnung war, dass sie ihn nicht fanden. Doch er irrte sich. Einige standen vor seinem Versteck. Doch sie konnten ihn wohl nicht erreichen ,nicht einmal auf die Knie konnten sie sich lassen, um unter die Felsen zu schauen. Auch ihr Dasein hatte Grenzen. “ Kommt heraus, wir wissen das ihr hier seid, es gibt kein Entkommen “ Eine Stimme, die selbst Fagul noch schrecken konnte, dunkel und voller Boshaftigkeit, und doch von einer lockenden Macht. Fagul spürte, dass etwas ihn unter dem Fels hervorziehen wollte.

 

 Etwas drang in seinen Kopf, um ihn aus dem Versteck zu locken. Ein Zwang heraus zu kommen, wollte Macht über seinen Körper und Geist bekommen. Fagul kämpfte dagegen an, immer fordernder wurde der Gedanke, sein Versteck zu verlassen. Sie lockten ihn mit allem, was ihnen zur Verfügung stand, doch Fagul hielt stand. Mit einem Mal waren sie verschwunden . Was ging da draußen vor? Fagul wagte nicht hinaus zu schauen.

 Dann erreichte ihn das erste zankhafte Licht einer Fackel und jemand rief . Ein Mensch, dort draußen ist ein Mensch ! So schnell es ihm mit seinen Verletzungen möglich war versuchte er, aus seinem Versteck zu kriechen und wurde dann von zwei kräftigen Händen gepackt, die ihn nach draußen zogen. Mit Mühe richtete sich Fagul auf, doch geschwächt von seinen Wunden, brach er gleich wieder zusammen . Doch er wurde von jemandem aufgefangen und verlor das Bewusstsein. Einige Zeit später kam er wieder zu sich und fand sich auf dem Boden liegend wieder, niemand war da gewesen der ihn hätte auffangen können. Er war dem Wahnsinn nahe? Fagul fantasierte. Der Blutverlust ließ ihn Dinge sehen, die nicht existent waren. Ich muss weiter, dachte er und ging einen Schritt vor den anderen setzend weiter. Dunkelheit umgab ihn, doch niemand griff ihn an oder bedrohte ihn. Panisch wirbelte sein Kopf umher. Fagul taumelte mehr, als dass er zu laufen vermochte. Immer wieder strauchelte er und jedes Mal fiel es ihm schwerer, wieder aufzustehen. Der Gedanke einfach liegen zu bleiben wuchs in seinem Kopf, und das Verlangen, dem Gedanken nachzugeben, wurde von Mal zu Mal größer. Wieder und wieder fiel er bis ......... Stimmen -  zwar leise, aber es waren Stimmen, die er hörte. Menschen? Oder wieder ein Trugbild, das ihm sein Zustand vorgaukelte? Fagul blieb liegen und lauschte angestrengt in die Dunkelheit.

 

 Dann geschah ein Wunder, überall erwachte die Öde zu neuem Leben. Gras wuchs, Bäume und Gesträuch entstanden in Windeseile. Für Fagul waren aber nur die entfernten  Stimmen wichtig. Es bedeutete Hilfe, Hilfe die er dringend brauchte. Mit letzter Kraft stemmte er sich noch hoch, um mit wankenden Schritten zu den Stimmen zu gehen, nach einiger Zeit blieb er stehen. Er lauschte in die Dunkelheit...... Doch, da waren sie, lauter und deutlicher. Er sah ein Feuer und Fagul fiel immer öfter, doch die Hoffnung trieb ihn. Dann betrat er die kleine Lichtung, er sah zwei Männer undeutlich und wie durch einen Schleier. Er sah, wie einer der beiden auf ihn zulief. Fagul war am Ende seiner Kräfte und brach zusammen . Nur diesmal wurde er wirklich aufgefangen. Abatai gelangte rechtzeitig zu ihm und Fagul fiel kraftlos in seine Arme.

 

 

 Kapitel 53

 


                                                          Kampfgefährten?

 


Johann und Abatai sprangen und wirbelten wie auf ein geheimnisvolles Kommando herum, und sahen sich mit einem Mal einer großen Zahl von grimmigen Kriegern gegenüber, bis an die Zähne bewaffnet und zu allem bereit. Den beiden wurde sofort klar, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befanden. Johann und Abatai senkten ihre Waffen, um Schlimmeres zu vermeiden. Sie blicken in zusammengekniffene Augen, bedrückende Stille herrschte. Dann löste sich einer der Unbekannten und schritt langsam auf Johann zu. Des Fremden Blick fiel auf das Schwert, das Johann in seiner Hand umklammerte, der Stahl glänzte in der Sonne. Vom äußeren Ansehen unterschied sich das Schwert des Drachentöters nicht von anderen Schwertern, und doch wurde der Fremde  wohl von ihm magisch angezogen. Der Fremde stand nun direkt vor Johann, hielt den Kopf etwas schief, da er wohl nun bemerkte,  dass auf der Klinge etwas geschrieben war. Der Fremde hob seine Hand, um Johann das Schwert zu nehmen, und im selben Augenblick wurde der Krieger von der Kraft des Schwertes fortgeschleudert. Die Farbe der Klinge veränderte sich erneut in ein tiefes Rot, und erneut, wie Johann es schon einmal gespürt hatte, merkte Johann, wie es in seiner Hand vibrierte. Der Fremde, der von dem Schwert durch die Luft geschleudert wurde, kam nun mit lautem Gebrüll auf Johann zu. Diesmal wollte er den Kampf wegen seiner verlorenen “Ehre”. Mit dem erhobenen Schwert näherte er sich Johann, der ihn kampfbereit erwartete, als plötzlich eine tiefe laute Stimme zu hören war. Der Angreifer blieb wie versteinert in seiner Bewegung stehen, und die Reihen hinter ihm teilten sich.

 

 Ein Mann in Kleidern  eines Kommandeurs schritt durch den Pulk der Krieger. Erneut sagte er dem Angreifer etwas in einer Sprache, die Johann noch nie gehört hatte. Er schaute zu Abatai, der nur leicht den Kopf schüttelte als Zeichen, dass auch er nichts verstand. Als Johann wieder nach vorn schaute, war der Krieger, der ihn angegriffen hatte fort.
Der Fremde, der auf Johann zukam, musste wohl der Anführer des Trupps sein. Wenig später stand dieser vor Johann und sah in wortlos an. Johann wich seinem Blick nicht aus, so dass sie sich Minuten lang in die Augen sahen, als wollten sie testen, wer seinen Blick zuerst abwandte. Aber Johann blieb standhaft. Dann fing  der Fremde an zu sprechen, und obwohl seine Aussprache sich nicht geändert hatte, so konnte Johann doch jedes Wort verstehen.
“ Wer seid ihr? Gehört ihr zu den Halunken des dunklen Magier? Dann ist hier euer Weg und euer Dasein beendet! Doch noch ein Wort gewähre ich euch, sagt mir, wo euer Herr ist und ihr werdet einen gnadenvollen Tod erleiden. Wenn nicht?” Sein Blick fiel auf einen seiner Begleiter, ein Monster in Menschengestallt. Wenn sein Gegenüber zu den Menschen gehörte. Der Fremde sah an Johann hinunter und sein Blick blieb an dem Schwert von Johann hängen. Er fasste Johann an seinem Arm und hob so das Schwert ein bisschen an, damit er es besser sehen konnte. Dann entdeckte er die Schrift auf der Klinge. Der Griff um Johann’s Arm wurde stärker, so dass er langsam anfing zu schmerzen. Johann hatte das Gefühl, der Fremde kannte diese Klinge, dann sah er Johann wieder ins Gesicht, löste seinen Griff, mit dem er Johann’s Arm festhielt und trat einige Schritte zurück. Wieder hörte Johann ihn in der Sprache sprechen, die er nicht verstehen konnte, und Johann sah, dass sich die ganze Truppe vor ihm verbeugte. So etwas war ihm noch nie passiert und er war peinlich berührt. Was ging in den Köpfen der Leute vor, dass sie sich vor ihm verbeugten. Und wieder sprach der Anführer des Trupps zu ihm.” Herr verzeiht mir mein Verhalten, ich wusste nicht, wen ich vor mir hatte. Ihr tragt das Schwert  Taloon, das Schwert des Drachentöters, unseres Herrn, das vor vielen Jahren verloren gegangen ist.” Johann wollte darauf erwidern, dass eigentlich nicht er der Finder des Schwertes sei , als er einen leichten Stoß von Abatai spürte, der dann auch leicht den Kopf schüttelte. Johann verstand und schwieg zu diesem Thema. Der Fremde fragte Johann,  was sein Begehr in diesem Land sei, und das war der Anfang einer langen Unterhaltung. Der Fremde bot  ihm darauf Hilfe an, seine und die seiner Leute.” Nun, es ehrt euch sehr, dass ihr mir eure Hilfe anbietet, antwortete Johann, doch ob eure kleine Schar mehr bewirken kann als zwei Kämpfer?”

 

 Der Fremde sah Johann an und ein Lächeln flog über sein Gesicht.” Seht ihr diese Anhöhe dort? Hinter diesem Hügel befindet sich eine große Ebene. Folgt mir nach und ich werde euch zeigen, was ihr nicht zu Glauben vermögt. Der Fremde stand auf und forderte Johann  auf, ihm zu folgen. So machten sie sich auf, den Hügel zu erklimmen. Abatai folgte ihnen in einigem Abstand und sah, wie Johann plötzlich stehen blieb, als wäre er gegen eine unsichtbare Mauer gelaufen. Dann hörte Abatai den Fremden etwas rufen. Kurze Zeit später hörte Abatai die Antwort aus vielen hundert Kehlen. So laut wie ein Donnerschlag. Abatai lief ein Schauer über seine Haut, dann lief er den Hügel hinauf, er musste sehen, was sich dahinter verbarg. Oben angekommen verschlug es ihm den Atem. Auf der Ebene stand ein Heer, das bis an den Horizont zu reichen schien. Abermals hob der Fremde seinen Arm und wieder erschall der Ruf aus vielen tausend Kehlen. Es war Abatai, als erzitterte der Boden. Dann fing der Fremde erneut an zu sprechen.
“Wir sind das Heer  Dongart van Isenbrurt, gerufen von dem verlorenen Schwert. Seinem Träger zu dienen in der Gefahr und den zu finden dessen Namen man nicht sprechen soll. Erweckt aus tausendjährigem Schlaf, euch zu folgen.” Mit diesen Worten kniete er vor Johann nieder und das mächtige Heer tat es ihm gleich.

 “Ich lese eure Gedanken, ihr sorgt euch um euren Freund. Doch eure Gedanken sind zugleich bei anderen die eurer Hilfe bedürfen. Geht, lasst euch von dem Schwert leiten, es wird euch den Weg weisen. Euer Begleiter und ich werden uns um den Verwundeten kümmern. Bald werden wir alle euch folgen, denn der stetige Ruf des Schwertes wird uns leiten.” Johann wollte noch etwas sagen, von den finsteren Gestalten der Nacht. Doch auch diesmal kam ihm der Fremde zuvor. “ Die Schattenreiter sind fort, sie können uns nichts anhaben, eure Kameraden sind in Sicherheit” “ Sagt mir noch euren Namen.” sprach Johann.
Ich bin Kamal sih Drake Hamaluk Fürst von Isenbrurt,  Diener des Königs Dongart van Isenbrurt . Nun geht, eure Gefährten erwarten eure Hilfe und seid ohne Furcht, die Magie des Schwertes schützt euch.

 

 

 

 

Kapitel 54
 

                                                    Das weiße Land
 
 
 
Tury stand da und ließ den Tross der flüchtenden Zwerge an sich vorüber ziehen.
 “ Herr, nennt man euch Tury?” Ein Zwerg blieb vor ihm stehen und sah ihn fragend an. Tury nickte kurz. ” Ich soll euch von dem Herrn Narim bestellen, dass er allein weitergegangen ist. Und dass  er der Meinung ist, dass er allein nicht so auffallen würde, als wenn viele unterwegs wären. Was ich eigentlich nicht verstehe. Wie meint er das? Hier ist soviel Leben unterwegs, dass es doch schon lange bekannt ist, wenn uns jemand auflauern würde.”  “ Ich danke euch für eure Nachricht, Herr...? Wie heißt ihr?” Mein Name ist Murgart, Sohn des Kartrat,”
 dann verbeugte dieser sich vor Tury und ging weiter.
 Warum geht Narim allein weiter ohne den Schutz von Kriegern, ging Tury durch den Kopf, was bezweckt er damit?.  Dann folgte er wie all’ die anderen den Trampelpfad, der in das Unbekannte führte.
 
Narim glitt wie ein Schatten durch das Grasland, schnell und lautlos, vergass aber nicht, von Zeit zu Zeit ein Zeichen zu setzen, das den anderen den Weg weisen sollte. Stunden vergingen, bis sich das Grasland lichtete und Narim mit einem Mal vor einem Abgrund stand und sein Blick weit in die Ferne gelangen konnte. Nun musste er nur noch einen Weg dort hinunter finden. doch welche Richtung sollte er einschlagen? Narim entschied sich für links. Irgend etwas in ihm sagte, er sollte nach links gehen. Der Weg, der eigentlich keiner war, nahm Narim’s ganze Kraft in Anspruch, denn er musste sich mühsam  mit dem Schwert einen Weg bahnen. Mit jedem Schlag wurde das Gras dichter und die Grashalme größer und fester. Oder war das nur die Müdigkeit, die Narim langsam und mit jedem neuen Schlag in den Griff bekam.
 
 Eine Felswand, Narim stand vor einer Felswand. Wie kam hier ein Gebirge her ? Als der Dschungel aus Gras sich dort hinten lichtete, war kein Gebirge zu sehen. Doch er hatte einen Schlafplatz für die Nacht gefunden, also kamen ihm die Felsen nicht ungelegen. Irgendwo wird schon eine Nische sein, dachte sich durchschlüpfen konnte. Nur die langen Dornen machten ihm Schwierigkeiten, eNarim und ging an dem Felsen entlang, und tatsächlich fand er eine von ihm gesuchte Nische. Sie wurde von einem großem Gebüsch versperrt,
was für Narim aber kein Hindernis darstellte. Wieder kam ihm seine scharfe Schwertklinge zur Hilfe, ein paar Hiebe und es war soviel Platz, dass Narim r schloss seine Augen, um sie so vor Verletzungen zu schützen. Als er sie dann aber wieder öffnete..... - wo war das Gebirge , wo war die Nische in deren Schutz er sich ausruhen wollte?
 Vor ihm lag ein Land, in dem es keine Farbe gab - alles war weiß, Bäume ,Wiesen, einfach alles, wo war er jetzt ? Narim wandte sich um , wollte zurück gehen, doch wohin  - der Felsen war verschwunden und Narim stand  inmitten eines weißen Landes. Vielleicht handelte es sich um Schnee, Narim bückte sich, um es zu prüfen. Doch für Schnee war es zu warm, dachte er sich , und Schnee war es auch nicht. Er richtete sich wieder auf und sah direkt vor sich zwei Beine, die ihn  verharren ließen. Sein Blick wanderte weiter nach oben. Vor ihm stand ein Pferd, das genau so weiß war, wie die Umgebung, in der sie sich befanden. Auf dem Pferd saß ein Reiter, der sich auch kaum von seiner Umgebung abhob. Sein Gesicht, sein Körper und die Kleidung, die der Reiter trug -alles war weiß.
 War das, was vor ihm stand lebendig oder stand da, ohne dass  Narim es bemerkt hatte eine Statue. “Was sucht ihr in diesem verfluchten Land ?” Narim zuckte zusammen - hatte die Statue zu ihm gesprochen? Schweigend sah er sich um, aber außer diesem doch mit der Zeit grellem Weiss war nichts zu sehen. Er hörte die Frage erneut, “ was sucht ihr in diesem verfluchten Land?” Wieder sagte Narim kein Wort  und schaute dem Reiter in Gesicht, ob es sich bewegte. Tatsächlich -Pferd und Reiter waren lebendig ! Narim nahm eine kurze Bewegung der Augen des Reiters war .
“Ich weiß es nicht, ich war auf dem Weg, etwas zu finden“. Narim hütete sich, von den Zwergen zu erzählen, noch nahm der Fremde an, er sei allein, „einen Unterschlupf für die Nacht, eine Nische im Fels .”  “ Was für Felsen? Es gab hier nie ein Gebirge, nicht seit tausend mal tausend  Gutzal. Was redet ihr für wirres Zeug:” Narim dachte nach, was sollte er diesem doch recht merkwürdigen Wesen sagen, und was heißt Gutzal meint er vielleicht Jahre?
“ Sagt mir, stolzer Reiter auf eurem edlen Ross, was ist das für ein Land in dem jegliche Farbe fehlt. Wo ist das Grün der Bäume und der Wiesen? Der blaue Himmel und das Grün der Seen, die vielen Farben der Waldfrüchte und das Gelb der Sonne? Und warum steht ihr so allein und einsam hier?”  “ Oh, mein junger unbekannter Freund, allein bin ich nicht, schaut genau hin und ihr werdet sehen!” Narim schaute in eine weiße Leere... Doch da bewegte sich etwas und dort auch. “ Wir sind viele auf der Suche, unsere Farbe wieder zu erlangen. Vor vielen Hundert Gutzal kam ein Fremder in dieses Land und bot eine Hilfe gegen einen Drachen an, der hier sein Unwesen trieb. Das Land verdorrte unter seinem Terror, die Äcker wurden nicht mehr bestellt. Viele der Bewohner verschwanden spurlos.  Unsere Ahnen nahmen seine Hilfe gegen den Kampf und das Unheil, das der Drache über das Land brachte, gerne an. Sie versprachen ihm, wenn er Erfolg haben würde, große Reichtümer und viel Ehre. Doch als er seinen Lohn einforderte,  jagten sie ihn mit Schimpf und Schande fort. So kam es, dass dieser Fremde mit seiner Magie uns die Farben aus dem Land nahm. Nun nach vielen Generationen haben wir uns entschlossen, die Farbe und die Fröhlichkeit zurückzuholen. Wie aber können wir unser Land verlassen ohne zu wissen, wo sich das Tor  befindet, das uns aus diesem weißen Wahnsinn führt. Nun aber, da ihr hier erschienen seid, könnt ihr uns den Weg weisen?”
Narim sah ihn an und er wusste nicht, ob dieses Wesen es ehrlich meinte oder nur einen Weg suchte, um andere Völker zu unterjochen. Zweifel und der Wille zu helfen führten in seinem Inneren einen Kampf -wem sollte er nachgeben?  “ Schaut, mein junger Freund“, sprach der weiße Reiter erneut, „schaut, auch bei euch beginnt der Fluch seine Wirkung, die Farbe eurer Kleidung beginnt schon zu verblassen. Zögert nicht zu lange, denn wenn der letzte Farbtupfer von euch genommen wurde, werdet ihr auch die Erinnerung an das Tor, aus dem ihr gekommen seid, vergessen haben.”
 
 Narim schaute an sich herunter, und tatsächlich seine Schuhe und ein Teil seines Beinkleides waren schon genau so weiß, wie die Umgebung, in der er sich befand. “ Gut, ihr habt mich überzeugt . Folgt mir, ich werde euch führen..” Narim, der sich daraufhin umwandte wusste zwar, dass er, seitdem er hier war, nur geradeaus gegangen war, aber nun hatte er Zweifel, ob er es auch wirklich tat.
 Und er marschierte los. Hinter sich hörte er die Geräusche von Pferden, doch als er zurückblickte, sah er nur eine weiße Leere. Narim traf auf ein Hindernis, es fühlte sich an, als wären es Sträucher. Er hatte das Tor wiedergefunden und ging hindurch. Auf der anderen Seite schaute Narim an sich herunter und er sah einen ihm gewohnten Anblick, das Weiß an  ihm war verschwunden. Nun sah er gespannt auf das verborgene Tor. Ob diese fremden Reiter weiß blieben oder es ihnen erging wie ihm, dass  sie das weiße Aussehen verloren.
 Dann eine Bewegung, Narim sah einen Pferdekopf durch das Tor kommen, schwarz wie die Nacht und sehr groß, darauf der Reiter, auch er erlangte sein normales Aussehen wieder . Er trug eine in Rot gehaltene Rüstung und hatte einen langen blauen Bart. Narim wischte sich über seine Augen, War das eine Sinnestäuschung? Als er dann erneut zu dem Reiter sah, hatte es sich nicht verändert  - der Bart blieb blau. Immer mehr Reiter, schwer bewaffnet kamen durch das Tor. Hunderte, nein tausende, vermutete Narim , ritten schweigend an ihm vorbei. Es dauerte Stunden, bis der Strom der Reiter endete. Es kam mit einem Mal Unruhe in die Heerschar, irgend etwas näherte sich. Waffen wurden vorbereitet, Schwerter gezogen. Narim aber wusste, wer sich dort näherte. Es war Tury mit den Zwergen. Sie waren der Spur gefolgt, die er für sie gelegt hatte. Nun war Eile geboten um Schlimmeres zu verhindern. Narim suchte den einen, mit dem er sprach. Dieser war bestimmt ihr Anführer. Er musste es sein, Narim war sich sicher. Doch wo sollte er suchen zu viele waren es. Narim hetzte durch die Reihen, es musste gelingen ihn zu finden. Immer wieder versperrten ihm Reiter den Weg. Zu allem entschlossene Reiter mit grimmigen Gesichtern sahen ihn an und machten ihm nur zögerlich Platz.
” Wo ist euer Anführer, ich muss ihn sprechen! Sagt mir, wo ist er ?” Narim bekam keine Antwort. Wollten sie ihm nicht antworten oder verstanden sie ihn nicht. Er hastete weiter durch die Reihen der Reiter und schaute sich während er lief zu allen Seiten um. Es war zum Verzweifeln, nirgends war dieser mit seinem blauen Bart zu entdecken. Sein Lauf wurde plötzlich und ziemlich heftig gebremst. Mit voller Wucht knallte Narim auf einen “Gegenstand” prallte zurück und fiel auf den Boden. “Na? Mein unbekannter Freund, wo soll es denn so schnell hingehen? Wollt ihr die Flucht ergreifen nach eurem Verrat? Oder gehört ihr nicht zu denen, die dort im Unterholz auf uns lauern? Halltet ihn fest, dass er nicht entkommt!” Narim glaubte nicht, was er da hörte, er ein Verräter? Mit heftiger Gegenwehr versuchte Narim, sich aus dem Griff der Krieger, die ihn festhielten zu befreien. Er beteuerte dem fremden Heerführer, dass die , die sich dort verbargen keine Feinde wären, sondern Freunde. Und dass sie sich aus Vorsicht verbargen. Narim bat den Fremden, mit ihm zu den Zwergen zu gehen, sich zu überzeugen, dass  es sich nicht um Feinde handele, sondern um Freunde, die wohl den gleichen Feind hatten wie er und die Krieger. Nach einen Augenblick des Nachdenkens willigte der Fremde ein, rief einige Worte, die Narim nicht verstand und gab ihm ein Zeichen, dass er voran gehen sollte. Er folgte ihm mit hundert Kämpfern. Narim betete zu seinen Göttern, dass jetzt alle die Nerven behalten würden. Sonst wäre es sein sicherer Tod. Schweißperlen bildeten sich auf Narim’ Gesicht, wurde es wärmer oder war es seine innerliche Anspannung ? Sie näherten sich dem vermeintlichen Standort des “Gegners”, als ein Zischen hörbar wurde. Einige Meter vor ihnen rammte sich ein Pfeil in den Erdboden, kurz darauf eine Axt und ein Speer. “ Das ist weit genug!” Narim hörte die Stimme Tury’s, sie war so rauh, dass wohl niemand in der Lage war, sie so zu imitieren. “Wer seid ihr” ?
“ Herr Tury, ich bin es, Narim und ich habe Freunde mitgebracht. Sie haben den gleichen Feind, der auch unserer ist. Sie werden mit uns in den Kampf ziehen!”
 
 Der fremde Heerführer sah auf Narim herunter. ” Seid ihr euch da so sicher? Vielleicht werden wir die euren auch zermalmen.” Narim sah zu ihm hoch, ” Herr, es sind Zwerge, so wie ich ein Zwerg bin, das heißt aber nicht, dass sie nicht die Kriegskunst erlernt haben. Und glaubt mir, sie werden bis zum letzten Widerstand kämpfen!”
 
 
 
 
 

Kapitel  55

 


                                                               Hagar

  

 

 

Der mächtige  Flügelschlag des Adlers brachte ihn schnell hoch in den Himmel. Er war der König der Adler und sein Volk befand sich in Gefahr, er spürte es. Sein scharfes Gehör nahm unnatürliche Laute wahr. In der Ferne sahen seine scharfen Augen, dass Adler sich in einem Kampf befanden. Der Himmel verdunkelte sich von Zeit zu Zeit. Die Pfeile des Feindes verdunkelten die Sonne. Hagar sah, dass viele seines Volkes vom Himmel stürzten. Andere ergriffen die Flucht vor der Übermacht. Hagar beschleunigte seinen Flug, wie ein Pfeil schoss er durch die Luft . Dann sah er, mit wem seine Adler im Kampf standen:  Orks, so viele, dass der Boden, auf dem sie standen, nicht mehr zu sehen war. Immer wieder  stürzten sich die Adler  mutig dem Feind entgegen, und wenn sie wieder aufstiegen, blieben einige für immer am Boden. Die Orks wähnten sich eines Sieges sicher, doch Hagar sah, was den Orks noch verborgen blieb  -  fern am Horizont näherte sich ein Heer. Wie Silber funkelten Rüstungen in der Sonne und sie kamen schnell näher. Hagar sah, dass es keine Orks waren,  aber auch Menschen oder Elben konnten es nicht sein. Niemand war in der Lage, sich so schnell fortzubewegen. Der Adler sah einen nicht endenden Strom von Kämpfern, die sich auf die Orks zu bewegten. Als diese das heran- nahende Heer bemerkten, breitete sich Panik unter den Orks aus. Keiner von ihnen hatte mit diesem neuen Feind gerechnet, sie versuchten zu fliehen und wurden einfach überrannt. Es kam zu keinem Kampf, es waren zu viele für die Orks.

 Und Hagar erkannte ein vertrautes Gesicht. Mit an der Spitze befand sich Fagul, den Hagar kannte als “König” der Bakaar. Allmählich kam Ruhe in die Reihen der Fremden, deren Herkunft selbst Hagar verborgen blieb. Der Erdboden war voll von erschlagenen Orks. Es war ein Tag des Blutes, das kleine Bäche bildete und sich einen Weg über den Boden suchte, bis es irgendwo im Erdboden versickerte. Die Adler sahen ihren König und versammelten sich um ihn. Nach einiger Zeit erhoben sie sich in die Luft in Richtung Schlachtfeld. Sie wollten ihre toten Gefährten nach Hause bringen, um sie auf dem geheimen Friedhof der

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adler tief im Gebirge in einem abgelegenen Tal, das nur sie kannten, zur letzten Ruhe zu legen.
Fagul hielt sich immer noch in der Nähe von Abatai auf, in seiner Gegenwart fühlte er sich sicher. Die Fremden hatten ihm und Abatai  zwar ein Pferd gegeben, aber seine Verletzungen die er von den Schattenreitern erlitten hatte, waren immer noch zu spüren und schwächten ihn auf Dauer doch noch sehr. Er war froh, dass er in Abatai einen Freund gefunden hatte, dem er vertrauen konnte und er war erstaunt, wie weit der Ruf des Schwertes, das Johann bei sich trug, reichte und dieses Heer seinem Ruf unbeirrbar zu folgen vermag. Die Krieger dieses geheimnisvollen Heeres gingen über das Schlachtfeld, um zu sehen, ob es Beute für sie gab. Einige der Orks waren noch am Leben, waren aber so schwer verletzt, dass sie nicht mehr in der Lage waren, sich aufzurichten. Diesen Kreaturen wurde der Gnadenstoß gegeben  -  eine Gnade, die sie ihren Gegnern nicht gewährten. Die toten Orks hatten nichts bei sich, was noch zu gebrauchen wäre. Die Gegenstände  dieser Ausgeburten der Hölle waren allesamt in einem furchtbaren Zustand. Immer mehr der Krieger verließen den Ort der Schlacht, um sich zu sammeln und weiter zu ziehen, dem Ruf des Schwertes folgend. 

 Hagar hatte nun die Aufgabe, mit seinem Volk in das Land ihrer Väter zu fliegen, um die toten Riesenadler nach Hause zu bringen. Seine Gedanken waren aber auch bei seinen Freunden, die er nun  für unbestimmte Zeit verlassen musste. Aber er hatte nun Pflichten zu erfüllen, die einem König zukamen. Mehr und mehr der Adler erhoben sich mit ihrer traurigen Last in die Luft
Bis es dann auch an der Zeit war, dass sich Hagar vom Erdboden abstieß, um seinen Adlern zu folgen. Ein letztes Mal kreiste Hagar über dem fremden Heer, zu schauen, ob er die Freunde noch sehen konnte. Dann aber verließ auch er den Ort des Schreckens und verschwand langsam hinter dem Horizont.

                                                        

Kapitel 56

 


                                                                     Allein

 


Zögernd und voller Zweifel, ob es richtig ist, seine Freunde zu verlassen und dem Fremden zu glauben, was er sagt, machte Johann sich auf den Weg,  den Freund Dolgin zu finden. Dunkle finstere Befürchtungen gingen durch Johann’s  Kopf . Wie mag es ihm ergangen sein . Dann dachte er an die Bakaar, was ist wohl mit ihnen geschehen, sind sie dort in dem Land der Seherin in Sicherheit? Und sollte er wirklich dem Schwert vertrauen und den Weg nehmen, den er eingeschlagen hatte. Es war ein langer Weg, den Johann zu gehen hatte. Durch dichte Wälder, die nur ab und an durch sonnendurchflutete Lichtungen unterbrochen wurden. Auch traf er auf weite Ebenen, die mit sattem Grün bewachsen waren. Er erinnerte sich an die Wiese daheim, die dieser in unheimlicher Weise glich. Doch lange aufhalten konnte und wollte er sich nicht. Eine innere Unruhe zwang ihn, weiter zu gehen, direkt auf eine Bergkette zu. Je näher er den Bergen, kam um so mehr änderte sich das Wetter. Dunkle Wolken zogen auf, die Sonne verdunkelnd. Dann begann es leicht zu regnen, auch ein leichter Wind zog an seinen Kleidern. Regen und Wind entwickelten sich nach kurzer Zeit zu einem Unwetter, das ein Mensch nicht ungeschützt erleben sollte. Doch Johann stand an einem Punkt seines Weges, an dem es keinen Unterschlupf gab. Und dann, als das Unwetter sich auszutoben begann, bemerkte er eine Vibration an seiner Seite. Das Schwert! Die Klinge färbte sich in ein tiefes Rot. Ein Drache näherte sich Johann, und seine Narben, die ihm ein Drache zugefügt hatte, begannen zu schmerzen.

 Johann zog das Schwert und nahm sich vor, diesem Spuk ein für allemal ein Ende zu bereiten. Er führte das Schwert hoch über seinen Kopf und erwartete den Drachen. Er hörte, wie er sich näherte. Trotz des Sturmes waren die Flügelschläge des Drachen deutlich von Johann zu hören. Dann ein Schatten der sich von der Seite näherte. Johann der sich in letzter Sekunde duckte und so den Klauen des Drachen entging, führte noch im Fall einen Schlag aus und er hatte das Gefühl, dass die Schwertspitze etwas getroffen hatte. Einige Augenblicke später fiel nicht weit von ihm etwas zu Boden. Doch Johann blieb keine Zeit danach zu schauen. Der Drache kehrte zurück, mit weit vorgestreckten Klauen flog er auf Johann zu. Der hatte das Schwert nun an seiner Körperseite, um einen Schlag von unter nach oben zu führen. Wartend auf den Drachen fiel ein kurzer Blick auf das Schwert. Er sah, dass sich das Rot noch verstärkt hatte. Die Klinge glühte so, als ob sie Feuer gefangen hätte. Der Schatten, der durch den Regen auf Johann zukam, wurde größer und bedrohlicher. In einem für Johann  geeigneten Moment schlug er wieder zu. Nach dem Schlag hörte er einen Schrei,  hatte er ihn erneut getroffen? Wenn dem so sei, hatte er es diesmal nicht in den Händen gespürt, dann muss die Klinge durch den Körper des Drachen gefahren sein wie durch Wasser. Erneut kam der Drache auf Johann zu, doch diesmal seltsam tiefer, als die Angriffe zuvor. Der Drache flog nur knapp zwei Meter über dem Erdboden auf Johann zu. Johann blieb nur noch, sich zu einer Seite zu retten. Als er dann hinter dem Drachen herschaute sah er, wie dieser auf dem Erdboden aufschlug. Und Johann wurde plötzlich bewusst, dass die Narben nicht mehr schmerzten. Vorsichtig näherte Johann sich dem Drachen, der regungslos am Boden lag. In sicherer Entfernung ging er um das Ungeheuer herum, er sah die Wunde die den Drachen nieder gestreckt hatte. Sie reichte vom Hals bis zu seinem Unterleib, aus dem übel riechende Eingeweide quollen. Er hatte seinen ersten Drachen getötet und es war der, der ihm die Wunden zugefügt hatte, damals  in dem See, in dem er Rettung suchte. Doch zum Ausruhen war keine Zeit er musste weiter. Als er sich wieder auf den Weg machen wollte, erregte etwas seine Aufmerksamkeit, am Körper des toten Drachen lag etwas Rundes. Johann dachte, dass die Zeit zum Nachsehen noch sein musste und ging zu dem Ding , zu schauen was es ist. Er musste nur vorsichtig sein, dass er es nicht beim Herausziehen zerstörte. Was Johann dann sah verwunderte ihn sehr, es war ein Ei. Dieser Drache hatte in der Stunde seines Todes ein Ei gelegt. Johann legte das Ei auf den Erdboden und griff zu seinem Schwert. Ein gezielter Schlag und das Ei war zerstört. Er hob sein Schwert doch irgend etwas sagte ihm das er das Ei verschonen sollte. Er nahm es auf, wickelte es sorgsam mit seiner Jacke ein und machte sich auf den Weg. Das Unwetter verstärkte sich weiter und Johann musste sich gegen Wind , Regen und Naturgewalten stemmen. Er brauchte einen Unterstand um zu warten, bis  sich das Wetter besserte, nur war die Sicht stark eingeschränkt, um zu erkennen was vor ihm lag. Auch das Ei des Drachen wog schwer. Doch da , in einem  kurzen Moment konnte er etwas erkennen. Nicht weit vor sich sah Johann eine Bewegung, dort lag etwas auf dem Erdboden. Johann hatte Mühe, bei dem Unwetter die Richtung zu halten. Doch dann gelangte er an den Punkt, an dem er meinte etwas gesehen zu haben. Eine Decke, unter der sich etwas bewegte. Johann zog sein Schwert und hob mit der freien Hand die Decke etwas an. Ein Mann mit weißem Haar lag darunter. Eins konnte Johann gleich erkennen, es war kein Mensch. Die Ohren des Fremden liefen nach oben spitz zusammen und auch seine Kleidung war eine besondere, jedenfalls nicht die eines Wanderers oder Waldläufers. “Kommt her, hier unter der Decke ist genug Platz für zwei und es wird auch leichter, denn der Sturm zerrt an der Decke, so dass mir langsam die Kräfte schwinden.” Diese Einladung ließ sich Johann kein zweites mal sagen und kroch zu dem Fremden unter die Decke, die den einzigsten, wenn auch schwachen Schutz vor dem Unwetter leistete. Stunden, sie schienen ewig zu dauern, vergingen, das Unwetter wütete mit aller Kraft. Genau wie diese beiden unter der Decke auch mit aller Kraft dagegen ankämpften, dass der Sturm ihnen das Stück Stoff entriss. Während Johann sich bemühte, seinen Teil dieser Decke fest zu halten, machte er sich doch Gedanken, warum der Regen nicht durchdrang. Auch der Wind vermochte nicht durch den Stoff zu gelangen. Außer der Kraft die sie aufbringen mussten, um diese Decke zu halten, war es unter ihr trocken. Dann endlich -  das Unwetter ließ nach, bis auf einige heftige Windböen war es nur noch gewöhnlicher Regen, der nach und nach abflaute. Als auch dieser sein Ende fand, schlugen sie die Decke zurück und Johann sah das erste Mal, wo er sich befand. Da er meinte sich zu erinnern, dass er auf eine Bergkette zuging, war er nun doch erstaunt, dass keine Berge mehr zu sehen waren. Sein Blick wandte sich dem Fremden zu, der dabei war, die Decke zu verstauen.” Was schaut ihr? Hab ihr noch nie einen Elb gesehen? Dann schaut genau hin, vielleicht werdet ihr in eurem Leben keinen mehr zu Gesicht bekommen!” Johann fühlte sich ertappt, er versuchte etwas zu erwidern. In diesem Augenblick wandte sich der Elb um, schaute ihm in seine Augen. “ Ihr seit der, von dem alle sprechen und der, von dem die Prophezeiung der Bakaar berichtet. Es ist mir eine Ehre, euch zu begegnen, wäre es euch recht, wenn wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen?” Johann sah ihn an, ein hoch gewachsener Mann mit eng am Kopf gekämmten weißem Haar, er trug ein Schwert mit schmaler Klinge und Pfeil und Bogen, das Beides trug er in einem Köcher auf dem Rücken. Erneut sprach er Johann an. “ Sagt mir, was ihr da mit euch nehmt? Ich erkenne eine seltsame Aura, die das Bündel umgibt.” Johann schaute ihn an und legte das Bündel vorsichtig zu Boden. Langsam öffnete er es und neugierig kam der Elb näher. Doch als er sah, was Johann mit sich trug zuckte er unmerklich zurück”.

 Ihr wollt dieses Ei doch nicht mit euch nehmen. Wisst ihr nicht, was ihr da habt? Ihr führt den Tod mit  euch!” “ Mein Herr Elb, es ist doch noch ein Ei und wer weiß, ob sich wirklich etwas daraus entwickelt. Bevor ihr weiter redet sagt mir, wie ich euch ansprechen darf?” Darauf hin trat der Elb einen Schritt zurück. Er verbeugte sich vor Johann und nannte seinen Namen.” Ich heiße Karrhahn ig Erganin und bin ein Mitglied des Volkes der Elben. Es reicht aber, wenn ihr mich mit Karrhahn ansprecht.” Der Elb bat Johann, noch einmal Platz zu nehmen und er mahnte ihn, welche Gefahr er da in seiner Obhut hatte.

 Karrhahn ihr seid zu sehr besorgt. Dieses Ei ist gelegt worden zum Zeitpunkt des Todes eines Drachen, den ich tötete. Warum sollte es mein Tod sein, ich glaube nicht, dass es so sein wird”.

 ”Glaubt mir, seit Jahrhunderten ist kein Drache mehr ein Bündnis mit Menschen oder anderen Wesen eingegangen. Es ist in ihm. Die Natur des Drachen ist unbezähmbar. Zerstört das Ei. Johann aber weigerte und wickelte das Ei wieder ein und verstaute das Bündel.” Nun gut es ist euer Wille:” sagte der Elb.  “Kennt ihr euch hier aus Herr Karrhahn. Ich suche einen Weg zurück zu den Bakaar.”

“ Ich hörte davon, dass die Bakaar sich auf der Flucht befinden. Leider kann ich euch nicht sagen, wo sie sich aufhalten. Aber wenn ihr mich zu meinen Volk begleitet, werdet ihr vielleicht mehr erfahren. Aber denkt an das Ei, verbergt es so gut ihr könnt oder besser ist es, dass ihr es nicht mit in die Stadt nehmt. Nun kommt laßt uns gehen.” Gemeinsam und schweigend gingen sie einen unsichtbaren Weg entlang. Nach einer Weile fragte Johann “ Herr Karrhahn sagt mir, als ich diese Ebene betrat, sah ich in der Ferne einen Gebirgszug. Nun aber ist er verschwunden und alles hat sich auf wunderliche Weise verändert. Könnt ihr mir das erklären?” Junger Herr, es ist eine Zeit des Wandels. Vor langer Zeit bevölkerte das Volk der Elben dieses Land. Es war von Frieden und Freiheit erfüllt. Dann aber kam ein Fremder aus einem Land, das fern hinter dem Horizont liegt. Ein grausamer Mann und in seinem Gefolge befand sich ein Drache größer und grausamer, als ich je einen sah. Seit diesem Tag veränderte sich das Land, Furcht und Angst beseelte die Bewohner und nach und nach leerte sich das Land. Einzig die Elben leisteten Widerstand, sie wollten das Land so erhalten, wie sie es seit tausend Jahren kannten. Doch die Magie der Elben reichte nicht aus, der Fremde war stark und im Bündnis mit der Unterwelt. Und so ging auch das Volk der Elben fort aus diesem Land. Es ist ein Land der Illusionen, nichts ist so wie es scheint. Alles ändert sich von Stund zu Stund. Aber nun wollen wir schweigen, damit wir keine Aufmerksamkeit erregen. Eilt euch Herr Johann, eilt euch, noch vor Anbruch der Nacht müssen wir den Fluss Aborait erreichen. Dort ist die Macht des Unheimlichen zu Ende:”

Johann wollte noch etwas fragen, doch der Elb sah ihn an und in seinem Blick konnte Johann die Vergangenheit sehen. Blutig , grausam, so dass er diesem Blick nicht lange standhalten konnte. Was hat dieser Elb alles erlebt. Johann war etwas zurück gefallen. Der Elb aber ging weiter, er wartete nicht auf Johann. Selbst der Elb versucht aus diesem Land zu entkommen. Stellt sich die Frage, wie er hierher kam, wenn doch auch sein Volk vor sehr langer Zeit fort ging? Johann versuchte, sich keine Gedanken mehr zu machen und dem Elb zu folgen.

 

 

Kapitel 57

 

                                           Die Armee des dunklen Magier

 

 

 

Der dunkle Magier rief voller Zorn nach dem Drachen Ghor. Wenige Augenblicke danach erfüllte ein mächtiges Rauschen die Luft und ein großer Schatten verdunkelte den Himmel. Ghor, der seinem Herrn bedienungslose Treue schwor, folgte dem Ruf seines Herrn. Der Magier stand auf dem großen Innenhof seiner Burg, als der Drache  wie ein Pfeil auf ihn zuschoss. Einen Meter vor seinem Herrn kam er zum Stehen.

 

 Nun erwartete er von dem Magier einen neuen Auftrag. “ Es ist nicht so, wie ich es erwartet habe. Zu viele rüsten zum Kampf. Steigt auf um zu schauen und zu berichten. Da ist etwas, das ich nicht zu erkennen vermag, etwas von großer Macht. Etwas, das vor Jahrhunderten verloren ging und sich vor mir zu verbergen weiß. Steigt auf und findet diese Macht und zerstört sie!” Mit einer schnellen Bewegung wandte sich der Drache um, und mit einem mächtigen Flügelschlag hob er sich vom Boden ab und wie ein Geist verschwand er am Horizont. Immer mehr Wesen der Unterwelt trafen ein. Trolle, Gauls , Orks und viele andere, dessen Anblick das Blut gefrieren lies. Große Feuer wurden entfacht, Feuer, in dem das Eisen für die Waffen geschmiedet wurde. Immer mehr Bäume und ganze Wälder tief unten in den Tälern fielen den Rache- und Machtgelüsten des Magier zum Opfer. Was zurück blieb war verwüstetes Land und die Feuer des Feindes wurden immer größer. Ein Lager wie es diese Welt noch nie gesehen hatte, so weit das Auge sehen konnte lagerten sie, um nur auf das eine Zeichen zu warten, das sie zum Aufbruch zwang. Doch auch unter ihnen gab es Kampf. Die Schergen des Magier mordeten sich gegenseitig. Bei geringsten Unstimmigkeiten schlugen sie aufeinander ein. Mit Ungeduld wartete der Magier auf die Rückkehr des Drachen. Mit seiner Magie vermochte er nicht zu weit in das Land der verhassten Menschen zu sehen.

 Die Tage vergingen und der Drache ließ noch immer nichts von sich hören. Der dunkle Herrscher beschloss, nun selber in die Dörfer der Menschen zu gehen, um zu sehen, zu hören und Neid und Zwietracht zu sähen. Alle seine Höflinge und Berater mussten nun seine Gemächer verlassen. Nachdem er allein war, sprach er einige magische Formeln der schwarzen Magie und langsam verwandelte sich sein Körper in eine andere Form. Nun verlies er sein Schloss. Es war eine dunkle, mondlose Nacht. Mit der Kraft der schwarzen Magie rief er sein Reittier, das im selben Moment wie aus dem Nichts erschien. Ein wahrlich hässliches Geschöpf der Unterwelt. Als der dunkle Magier aufsaß verschwanden beide lautlos in der Dunkelheit.
In der Ferne sah er ein schwaches Leuchten das wohl von einer Ansiedlung der Menschen sein musste. Schnell näherte er sich den Lichtern und sah ein Dorf, das mit einer Mauer umgeben war. Der Magier ließ sein Reittier zurück und lief den Rest der Weges zu Fuß. Da das Dorf aber mit einer großen Mauer umgeben war, gab es ein Tor, an dem der dunkle Herrscher nun stand. An dem Tor war ein großer eiserner Ring angebracht, mit dem an das Tor klopfen konnte, um Einlass zu bekommen. Mit drei kräftigen Schlägen klopfte der Magier an das Tor. Es dauerte einige Zeit, dann meldete sich eine Stimme an der anderen Seite” Wer begehrt Einlass?” “ Ein Reisender, der die Nacht nicht in der Wildnis verbringen mag, bittet um Einlass!” antwortete der dunkle Magier in der Gestallt eines Wanderers. “ Die Dunkelheit ist angebrochen und ich vermag nicht, euch das Tor zu öffnen, da es mir verboten ist, Fremde nach Anbruch der Nacht einzulassen. Da es trocken ist und kein Regen fallen wird, dürft ihr die Nacht vor dem Tor verbringen. Morgen, wenn die Sonne aufgeht, wird euch Einlass gewährt.” Dann waren nur noch Schritte zu hören, die sich langsam von dem Tor entfernten. Doch ein Tor war für den dunklen Herrscher kein Hindernis. Er schritt einfach durch das aus Eichenholz gebaute Tor hindurch. Nun lagen die menschenleeren Strassen des Dorfes vor ihm. Alles war Stille -  nur aus einem Gebäude drangen Laute. Die Schänke war noch gut besucht. Dort hin bewegte sich der dunkle Magier.

 

 

 

 

Kapitel  58

 


                                                               Misstrauen

 

 

 

Der  Fremde,  von dem Narim annahm, er wäre der  Anführer dieser großen Heerschaar, ergriff sein Schwert und richtete die Spitze der Klinge auf den Hals von Narim. ” Es wäre nur eine kurze Bewegung und der Anfang wäre getan. Warum verbergen sich eure Kameraden vor uns? Sind sie gar von Heimtücke getragen? Zeigt euch, oder dieser hier wird das erste Opfer sein, das ihr zu beklagen habt!” Narim lief der Schweiß über das Gesicht. So nah hatte er dem Tod noch nie gegen- über gestanden. Minuten vergingen, dann sah Narim eine Bewegung. Sie kamen. Langsam und mit Bedacht verließen sie ihre Deckung. Der Fremde, Blaubart, wie Narim ihn nannte, nahm die Klinge des Schwertes von seinem Hals.” Geht zu den Euren, damit ihr beim Sterben nicht allein seid!” Mehr und mehr der Zwerge verließen ihre Deckung. Ihre Hände umklammerten Streitäxte, Morgensterne, Speere, Schwerter und vieles andere Kriegswerkzeug. Zu allem bereit warteten sie auf einen Angriff der Fremden. “ Narim kommt zu uns!” sagte Tury . Doch Narim schüttelte den Kopf, er blieb bei den Fremden. Er hoffte so, Feindseligkeiten  zu verhindern. Und noch etwas geschah, die Reihen der Zwerge teilten sich und ein Zwerg auf einer Trage wurde sichtbar  -  es war Xatur. Noch etwas schwach, aber er wollte zu den Fremden, um mit ihnen zu Reden. Zwei Zwerge halfen Xatur, sich aufzurichten. Seine Augen schauten auf die Reihen der Fremden. ” Ich bin Xatur, König meines Volkes. Wir sind auf dem Weg in unsere Heimat und die Umstände, in die wir hinein geraten sind, zwingen uns in eine lange Wanderung.“  Mit Besorgnis sahen die Zwerge, dass es ihrem König große Kraft kostete, zu sprechen. Jeden Versuch ihn zu überreden, die Verhandlungen abzugeben wies er zurück. Nach einer längeren Pause sprach er weiter.”

 

Wir wissen nicht mehr, an welchem Ort wir uns befinden. Alles ist so seltsam und alles verändert sich. Es gehen wundersame Dinge vor. Seid ihr der Feldherr dieser Streitmacht? Dann möchte ich mit euch allein sprechen, solang es meine Kräfte zulassen. Seid ihr damit Einverstanden?”  “ Blaubart nickte leicht und gab seinen Leuten Befehl, sich zurück zu ziehen. Des gleichen tat Xatur. Dann stieg “Blaubart” von seinem Pferd und ging langsam auf Xatur zu.  “Blaubart” hob einen größeren Fels auf,  legte ihn neben die Trage von Xatur und setzte sich auf den Stein. Man sah, wie sie sich unterhielten, aber zu weit waren alle entfernt, um ihre Worte zu verstehen. Die Sonne neigte sich zum Horizont und die Dunkelheit kroch langsam über das Land, als Xatur und “Blaubart” ihre Besprechung beendeten. Xatur sank zurück auf seine Trage, er war am Ende seiner Kräfte, doch einen Kampf zwischen beiden Völkern konnte er verhindern. Nun hoffte er, dass “Blaubart” sich auch an die Abmachungen hielt. Die Nacht verdrängte das letzte Tageslicht und allmählich kehrte Ruhe ein, in das jetzt doch beträchtlich größer gewordene Lager. Die Nacht war friedlich, außer den Wachen, die ihre Runden um das Lager machten, war alles still. Wenn da nicht diese unheimliche verborgene Bedrohung war, die in jedem Lebewesen stärker zu werden begann. Dann, nach Stunden der Ruhe graute der Morgen. Nach und nach erwachten die Zwerge und die Fremden. Obwohl sie die Nacht einträchtig zusammen verbrachten, herrschte doch ein unverhohlenes Misstrauen zwischen ihnen, keiner der beiden Völker wusste, wie er sich dem anderen gegenüber  verhalten sollte. Also ging man auf Distanz. Ein jeder war damit beschäftigt, sein doch armseliges Hab und Gut geordnet zu verstauen und darauf zu achten, dass nichts zurück blieb, das auf ihre Anwesenheit deutete. Selbst die Reste der Lagerfeuer wurden sorgsam vergraben, und als sie diesen Ort der Rast dann endlich verließen, deutete nichts mehr darauf hin, dass sich hier ein Lebewesen längere Zeit aufgehalten hatte.

 Einträchtig und doch mit Abstand machten sie sich gemeinsam auf den Weg. Auf einen Weg, den sie nicht kannten. Obwohl die Zwerge am Tag zuvor den Weg genommen hatten, den sie nun zurück gingen, sah alles wieder völlig anders aus. Alles hatte sich verändert. Der Abgrund, der sich am Tag zuvor auftat, war nicht mehr da. Statt dessen lag eine weite Ebene vor ihnen. In der Ferne sahen sie etwas glitzern. Plötzlich stand Narim neben Tury.

 “ Was hab ihr euch nur dabei gedacht, Herr Narim, einfach allein zu gehen. Ihr hättet umkommen können.” Narim sah ihn an und ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht.” Ihr habt ja Recht es war eine Dummheit. Aber hätte ich es nicht getan, so hätten wir nicht diese Streitmacht für uns gewinnen können!” Tury sah ihn fragend an, ” ob das so klug war und es zu unserem Wohl dient ? Wir werden sehen , die Zeit wird es erweisen”. Mit diesen Worten ließ Tury seinen Gefährten stehen und folgte dem Tross der Flüchtenden. “ Na dann wollen wir mal sehen, wohin uns der Weg nun führt. Ob es wirklich so ist, wie es aussieht dort hinten. Ist da ein See oder wieder nur ein Trugbild ?” Mit diesen Worten, die er zu sich selbst sprach, setzte auch er seinen Weg fort.  Die Stunden vergingen und immer noch war dieses Glitzern in der Ferne zu erkennen. Der spärliche Bestand an Schatten spendenden Bäumen beschleunigte die Schritte der Kämpfer. Die überall herrschende Trockenheit ließ bei jedem Schritt Staubwolken aufsteigen. Bei der Masse von Lebewesen, die anwesend waren, war die Staubfahne dem- entsprechend groß und konnte schon aus großer Entfernung gesehen werden. Langsam veränderte sich die Landschaft wieder. Wo eben noch eine trockene Dürre war, entstand mit zunehmender Geschwindigkeit ein dichter Wald. Hohe Bäume wuchsen in die Höhe. Aus dem Wald wurde ein undurchdringlicher Dschungel. Nur mit größter Mühe kamen sie voran. Narim hatte das Gefühl, dass sie beobachtet wurden. Irgend etwas folgte ihnen. Dann aber auch nahm er Geräusche war, die von den Seiten kamen. Mit einem mal war Tury neben ihm, „ hört ihr es auch?” “ Ja, schon seit sich das Land wieder verändert hat. Kurz danach drang etwas Bedrohliches an mein Ohr. Ich kann es zwar nicht beschreiben, aber es löste ein Gefühl der Wehrlosigkeit in mir aus.”

 

Narim zog die Schultern hoch. Es sah aus, als ob Narim frieren würde, was aber bei dieser drückenden Hitze völlig unmöglich war. “ Herr Tury, ich würde vorschlagen, dass wir unsere Waffen in die Hand nehmen. Wenn ihr so gut sein würdet, das weiterzugeben? Aber bitte bedenkt, dass ein jeder sich so unauffällig  benehmen soll, wie es irgend geht”. Tury nickte leicht, zog sein Schwert und gab dem nächsten, der an seiner Seite war, die Nachricht weiter. Nach und nach hatten immer mehr Kämpfer ihre Waffen in der Hand. Bereit für den Kampf waren sie immer. Früher, als sie noch in  Land ihrer Väter waren, bestand ihr Leben aus der Arbeit im Bergwerk. Schon von Jugend an lernten sie die Arbeit im Berg. Die Zwerge waren hervorragende Handwerker und Bergmänner.

 Dann kam ein Fremder in ihr Land , ihm zur Seite war ein Drache, nach einiger Zeit begann eine schleichende Veränderung und der Fremde gewann immer mehr an Macht. Furcht vor diesem Unbekannten, der sich Imperator nannte, überzog das Land der Zwerge. Und eines Nachts nach langer Vorbereitung, verließen   sie das Land ihrer Väter. Wie Verbrecher schlichen sie sich fort. Seit diesem Tag lernte die Jugend  den Kampf mit dem Schwert und dem Bogen.  Auch stetige Flucht begleitete das Leben der Zwerge bis zu dem Tag, als sie ein Tal fanden, weit genug entfernt von ihrer Heimat. Hundert Jahre Frieden waren ihnen beschert. Dann entdeckte sie der Drache des Imperators, dem ein unnatürlich langes Leben beschert wurde. Die Zeit des Friedens war vorbei.

 

 

Kapitel  59

 

                       
                     Die Armee des dunklen Magier

 

                                              II

 

Lärm drang aus der Schänke .Viele Bewohner der Stadt beendeten den Tag bei einem fröhlichen Beisammensein. Doch als sich die Eingangstür der Schänke öffnete und ein eisiger Wind in das Innere  drang schauten, viele der Gäste zum Eingang. Ein Fremder in einem langen schwarzen Umhang mit Kapuze und einem Wanderstock in der Hand stand kurz in dem Eingang und ging dann an den Tresen der Schänke. Längst waren die Unterhaltungen verstummt. Einige der Gäste verließen die Schänke fluchtartig. Das fröhliche Beisammensein änderte sich in bedrohliche Stille. Misstrauisch wurde der Fremde beobachtet. Stumm stand er am Tresen, nur seine Augen bewegten sich. “Warum sind die Leute plötzlich so still, Herr Wirt? Bin etwa ich der Grund dafür, dass eure Gäste angstvoll schweigen? Ich bin doch nur ein armer Wanderer, der ein Nachtlager sucht und ein wenig Unterhaltung.” Die Hände des Wirtes zitterten, als er ihm einen Krug Met reichte. Der Fremde, der seinen Blick die ganze Zeit gesenkt hielt, hob nun langsam seinen Kopf und schaute dem Wirt in die Augen.

 Der Wirt konnte dem Blick des Fremden nicht ausweichen, etwas zwang ihn, in die Augen des Fremden zu schauen. Dann sah er etwas, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er sah die Zukunft der freien Völker, wie sie unter der Macht des Bösen leiden mussten, er sah Tot und Sklaverei, wie die Welt in Flammen stand und Dunkelheit die Welt beherrschte. Erstarrt stand der Wirt vor dem Fremden, nicht in der Lage sich zu bewegen. Der dunkle Magier wandte seinen Blick zu den anderen, die sich noch in dem Schankraum befanden. Diese schauten in dieselben Augen, die auch dem Wirt die Furcht lehrten. Rot glühende Augen, in denen Flammen zu lodern schienen. Die wenigen, die sich noch in der Schänke befanden, sahen das gleiche wie der Wirt zuvor. Sie alle hörten die Stimme des dunklen Magier:” Sag mir, was in diesem Land vor sich geht? Was wisst ihr über die Legende der Bakaar und dessen Hoffnung auf Freiheit” . Die Schankgäste, die noch verblieben waren, sahen sich ratlos an. Bakaar? Wer sollte das sein ? Niemand hier wusste von diesem Volk. Dann meldete sich einer der Gäste in gebeugter Haltung zu Wort:” Herr, wir wissen nichts von einem Volk, das Bakaar heißt. Auch von einer Legende wissen wir nichts. Was sollte uns dieses Volk interessieren. Wir sind einfache Leute, die genug unter  dem dort oben zu leiden haben!” “Seid ruhig, ihr redet euch um Kopf und Kragen !” flüsterte ihm sein Tischnachbar zu. Der Fremde schaute ihn an und sein Blick wurde stechender. Dann wandte sich der Fremde dem Ausgang zu. An der Tür angekommen sprach er noch einmal.

 

” Genießt den Abend, es wird der letzte sein, den ihr erleben werdet “ und ging hinaus. Die Tür fiel krachend in sein Schloss. Die Gäste sprangen auf, nur ein Gedanke beherrschte sie ..Flucht .. Nur raus aus der Schänke und aus dieser Stadt. Doch an der Tür angekommen stellten sie fest, dass sie verschlossen war, auch die Fenster waren verschwunden, wo sie sich befanden, war nur noch die steinerne Wand zu sehen. Was hatte dieser Fremde vor? Von draußen drang Lärm hinein, Schreie waren zu hören. Etwas fiel gegen die Eingangstür und einige Zeit später floss eine rote Flüssigkeit unter der Tür durch. Blut... Das Blut eines Erschlagenen. “ Bei allen Göttern, was geht dort draußen vor?” flüsterte einer der Gäste. Sie wagten nicht laut zu reden, aus Angst vor Entdeckung. In die äußerste Ecke gingen sie, dort wo es am dunkelsten war versuchten sie einer Entdeckung zu entgehen. Plötzlich ging die Tür auf. Irgend jemand hat sie mit großer Kraft aus ihren Angeln gerissen. Krachend fiel sie zu Boden. Und Wesen stürmten in den Raum, die die “Gäste der Schänke” noch nie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen hatten. Sofort wurden sie in ihrem vermeintlichen Versteck entdeckt. Und diese stürmten sofort auf sie zu. Mit hoch erhobenen Waffen, um sie zu erschlagen. Ein Wort in einer Sprache, die sie noch nie gehört hatten, stoppte die Angreifer. Auf sie zu kam der Fremde, der sie in diesem Raum einschloss. “ Geht, sucht die Bakaar und berichtet ihnen, was sie erwartet. Ich werde alle Völker dieser Welt auslöschen, bis mein Rachedurst gelöscht ist, und ich bin noch sehr durstig!!  Geht!!” dann wandte er sich um und ging. Durch die eingeschlagene Tür sahen sie, dass viele Häuser der Stadt in Flammen standen. Zaghaft verließen sie die Schänke und sahen das Grauen, das sich vor ihnen auftat. Die Straßen waren übersät von Toten und an vielen nagte auch schon das Feuer, das auf sie übergesprungen war. Die Häuser der Stadt fielen einfach in sich zusammen und auch viele der Strassen waren durch große Trümmer blockiert. Sich immer sichernd umschauend liefen sie in Richtung Stadttor. Von den Mördern war nichts mehr zu sehen. Endlich waren sie aus der Stadt, und nun fingen sie an zu laufen immer schneller liefen sie  nur fort von diesem Ort. “ Haltet ein, rief jemand, schaut!” Er zeigte zurück zu der Stadt. Eine riesige schwarze Rauchsäule stieg zum Himmel  empor. Eine Weile schauten sie sich das an, dann liefen sie weiter den Hügel hinauf, der sich vor der Stadt befand. Oben angekommen sahen sie das Heer der Angreifer.” Nach solch kurzer Zeit waren sie schon so weit entfernt? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen ?” Sie sahen eine schwarze Masse die sich schnell entfernte. Einen einzelnen Krieger konnten sie nicht mehr erkennen, zu weit war die Entfernung. Da sie ihrer Heimat beraubt waren entschieden sie, sich zu trennen. Einige folgten dem Feind und hofften an ihnen vorbei zu kommen, wenn sie Rast machten, um vielleicht andere zu warnen. Die anderen wollten versuchen die Bakaar, wer immer sie auch waren , zu erreichen und ihnen zu berichten. Es war nicht einfach dem Feind zu folgen sie schienen einen unsichtbarem Ziel zu folgen. Ihre Verfolger fielen immer weiter zurück. Nach einiger Zeit konnten sie nur noch der Spur, die der Feind hinterließ, folgen. Noch waren sie in einer Gegend die sie kannten, doch was war, wenn sie in ein Land kamen, das ihnen fremd war? Sie beschlossen ihr Vorhaben, dem Feind zu verfolgen, zu beenden. Sie hatten keine Waffen und der Mut den sie zeigten war ein Ergebnis des Alkohols, der nun langsam aus ihren Körpern wich. Sie kehrten um, um den Überlebenden und Verletzten zu helfen, wenn es welche gab. Als sie in Sichtweite der Stadt waren, sahen sie noch andere, die auch zurück kehrten. Es waren die , die versuchten die Bakaar zu finden. Nur sie wussten nicht wo und wen sie suchen sollten, da sie diesen Namen, den dieses Volk trug  noch nie gehört hatten. Nun waren sie wieder da an dem Ort, an dem solch Elend geschehen war. In diesem Augenblick, als sie zu der brennenden Stadt schauten, vereinigten sich weitere Armeen des schwarzen Magier. Zu den Orks gesellten sich eine Vielzahl von Guhls, die die Streitmacht verdreifachte. Der Boden erzitterte von den Schritten der finsteren Armee, die in der Ferne an grollenden Donner erinnerte.

 

 

 

 

Kapitel  60

 


                                        Am Fluss Aborait

 


Der Elb ging schnell und zielstrebig in eine bestimmte Richtung ohne zu wissen, dass dort der Fluss ist. Je mehr es dämmerte, je schneller ging er. Johann hatte Mühe ihm zu folgen obwohl er gut zu Fuß war. Plötzlich blieb der Elb stehen. “Eilt euch! Hört ihr den Fluss? Wir müssen uns beeilen, wenn wir vor der Dunkelheit auf der anderen Seite sein wollen”. Ohne auf eine Antwort zu warten, begann er zu laufen. Johann schaute sich um und sah, dass  die Landschaft wieder begann, sich zu verändern. Alles begann langsam, sich zu verändern, ab und an verschwanden Bäume. An Stelle ihrer wuchsen Felsen aus dem Boden. Nun wurde klar, warum der Elb sich so beeilte. Wusste er, dass sich ein Felsmassiv bilden würde, und dass sie dann keine Möglichkeit mehr hatten an den Fluss zu gelangen? Immer deutlicher zeigten sich die Veränderungen.” Lauft es ist nicht mehr viel Zeit übrig!!” hörte er den Elb rufen. Tatsächlich  schritten die Veränderungen zügiger voran, auch auf der anderen Seite zeigten sich Felsen. Es blieb nur noch ein schmaler Spalt und darauf  zu lief der Elb. Johann sah wie sich der Durchgang immer mehr verengte. Im letzten Moment gelangte Johann auf die andere Seite. Als er sich umwandte war die Lücke geschlossen eine massive Felswand stand vor ihm, unüberwindbar. Der Elb indes stand am Ufer des Flusses Aborait und winkte ihm zu. “ Geht genau in meinen Schritten, die Furt ist sehr schmal und der Grund des Flusses sehr tief. Tretet ihr daneben, wird es für euch keine Rettung mehr geben. Es wird euch auf den Grund ziehen.” Die Strömung war heftig doch Johann sah, dass der Elb den Fluss sicher und schnell überquerte. Er war schon am andern Ufer, als Johann sich anschickte einen ersten Schritt zu wagen. Er merkte wie das Wasser an seinem Fuß zerrte. Doch Johann musste auf die andere Seite, irgendwie, der Elb winkte Johann, sollte es heißen, dass er sich beeilen solle? Die Furt fühlte sich an, als wenn es über einen steinigen Grat gehen würde. Vorsichtig, bei jedem Schritt tasteten die Füße nach sicherem Halt, und immer auf sein Gleichgewicht bedacht, kam er der anderen Seite immer näher. Johann sah, wie der Elb seine Hand ausstreckte, sollte das ein Zeichen sein, dass er den Rest in einem Sprung beenden sollte? Johann ging etwas in die Knie und stieß sich mit aller Kraft vom Boden ab in Richtung des Ufers und der Hand des Elb. Der Sprung reichte gerade, um des Elben Hand zu erwischen, der ihn dann an das Ufer zog.” Das ist noch einmal gut gegangen. Doch ihr wart zu zögerlich, ihr hättet mir gleich folgen sollen, das hätte uns Zeit erspart.”

“ Sagtet ihr nicht, auf dieser Seite des Flusses hätte der Magier keine Macht mehr? Warum dann diese Eile?” “ Ich traue diesem Fluss nicht. Irgendwann wird auch er sich verändern und jeden, der sie in seinem Wasser befindet, mit sich nehmen. Vor zehntausend Jahren war an dieser Stelle, wo sich nun der Fluss befindet, eine Schlucht, so tief, dass der Boden von hier oben nicht mehr sichtbar war. Dann über Nacht kam das Wasser, füllte die Schlucht und der Fluss war in ihm gefangen. Worüber wir gelaufen sind, ist der Gipfel eines Felsens der sich in mitten dieser Schlucht befand. Außerhalb dieser Schlucht unterliegt der Fluss ebenso wie die Landschaft dieser merkwürdigen Veränderung. Nur hier in dem Gebiet der Schlucht hat dieser Zauber keine Wirkung.” “ Soll das heißen, der Fluss beginnt am Anfang der Schlucht und hört an seinem Ende wieder auf?” Johann schaute den Elb ungläubig an, wie konnte so etwas sein? Das Wasser musste doch irgendwo bleiben. “ Ja, so ist es mein Freund, am Ende dieser Schlucht löst sich der Fluss in nichts auf, als wäre er nie da gewesen.” Wo endet die Schlucht?” “ Wenn ihr zu seinem Ende wollt, müsst ihr viele hundert Tage zu beiden Seiten gehen, so gewaltig ist diese Schlucht.” Plötzlich tastete Johann an die Seite seines Körpers, an dem er das Bündel mit dem Drachen Ei  gebunden hatte. Es war fort. Johann hatte es bei der Überquerung des Flusses Aborait verloren. Auch der Elb bemerkte den Verlust.” Seid beruhigt, es ist besser so. Dieses Ei hätte nur Unglück gebracht. Die Drachen werden es finden, wo immer es wieder auftaucht und es wird vielleicht irgendwann etwas ausschlüpfen, was vielen den Tod bringen wird. Was ihr hättet verhindern können.” Johann sah ihn wortlos an, drehte sich um und fragte” Wo geht es nun weiter? Ihr kennt euch doch wohl aus hier?” Der wütende Unterton, den Johann hatte, war nicht zu überhören und doch erschrak er ein wenig, als der Elb an ihm vorbei ging. Kann der Kerl nicht mal einen Zweig beim Laufen zerbrechen? Damit man ihn wenigstens hört? dachte Johann. Dann folgte er ihm. Etwas wollte Johann aber noch wissen. “ Sagt, Herr Elb, was bedeutet das Wort Aborait?” Der Elb antwortete ihm, ohne dass er stehen blieb “Es bedeutet, Fluss ohne Quelle und Mündung, aber nun seid still, das Land hat Augen und Ohren. Wir müssen ein Versteck finden. Diese Ebene, die dort vor uns liegt, werden wir im Schutz der Dunkelheit überqueren.” Es dauerte nicht lange, bis der Elb eine Stelle gefunden hatte, die verdeckt genug lag, um die Nacht abzuwarten. Doch zu seiner Sicherheit legte er Pfeil und Bogen bereit. Johann schaute seinem Tun schweigend zu, bis sich beider Blicke trafen.
“ Was gibt es ? Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, sollte doch einer kommen und uns entdecken.” “ Ich dachte hier hat die dunkle Magie keine Macht mehr? Aber so ganz sicher seid ihr euch wohl doch nicht.”

 

 “ Oh, es ist nicht die dunkle Magie, es sind eher die Bewohner dieses Landes. Ein kriegerisches Volk und misstrauisch bei  jedem Fremden, sie töten erst und fragen dann. Das ist das Land Faduk und bei allen Göttern, ich möchte es schnell hinter mich lassen.” Langsam senkte sich die Dunkelheit über das Land. Es war schon merkwürdig, dachte Johann, kein Tier der Nacht war zu hören alles lag da in einer gespenstischen Stille. Nur der Sternenhimmel entfaltete seine ganze Pracht, überall glänzte und funkelte es. Mit einemmal kam wieder Regung in den Elb, er packte seine Sachen und drang zum Aufbruch. “ Schnell eilt euch, der Weg ist lang und die Nacht kurz. Umwickelt alles was ihr bei euch habt und glänzt, mit Stoff oder Tüchern. Nichts darf auf uns aufmerksam machen. Dann verschwanden sie in der Dunkelheit.

 

 

Kapitel  61 

 


                                                                  Die Siedlung

 


Die Tage vergingen, doch Fagul und seine Männer kehrten nicht zurück. Das Warten wurde sinnlos und die Bakaar entschieden sich, sich auf den Weg zu machen, eine neue Heimat zu finden. Es führte sie durch Wälder, große mit Gras bewachsene Ebenen, doch immer war es nicht der richtige Platz, um einen Neuanfang zu wagen. Ein Tag verging wie der nächste, Eintönigkeit und Frust begann an den Menschen zu nagen, die manchmal auch in Streitigkeiten endeten. Und dann.... wie hingezaubert, lag es vor ihnen.

 Ein Tal, umgeben von sanften Hügeln, der ideale Platz, um eine neue Stadt zu errichten. In der Mitte dieses Tales gab es eine große Lichtung, die geschaffen war für eine erste Siedlung, und Baumaterial war in Mengen zur Verfügung -  Holz. Die Männer machten sich sofort an die Arbeit, die ersten Bäume zu fällen. Es waren wahre Baumeister am Werk, die zukünftigen Bewohner konnten sehen, wie die neue Siedlung entstand und größer wurde. Tag auf Tag verging, ein Haus nach dem anderen wurde bezogen. Die Häuser waren im Gegensatz zu ihrer alten Stadt zwar klein und beengt, doch die Frauen mit ihren Kindern waren froh, endlich wieder ein festes Dach über ihren Köpfen zu haben. Als letztes wurde eine mächtige Palisade um die Siedlung gezogen. Die größten und dicksten Stämme wurden dafür verbaut und eine zweite auf der Innenseite der ersten. Dass sie sehr wichtig waren, ahnten die Bakaar noch nicht, für sie war es nur zum Schutz vor wilden Tieren . Niemand dachte an den Krieg, der sich in der Ferne anbahnte und der doch so nah war. Sie hatten den Wald rund um die Siedlung gerodet, so dass sie freien Blick zu allen Seiten hatten. Ein Feind, wenn es ihn dann gäbe, hätte somit keine Möglichkeit, sich ungesehen zu nähern.

 Nun, wo die Frage der Unterkunft geregelt war, begannen die Männer der Bakaar auf die Jagd zu gehen. Fleisch musste beschafft werden, Nahrung für die Bevölkerung und für den Winter. Leder für Kleidung und Knochen für einige Arten von Waffen. So begab sich ein Tross von Kriegern auf die Jagd, und begann auch gleichzeitig die Erforschung der näheren Umgebung . Denn das Land auf dem sie waren, war ihnen gänzlich fremd. Die Jäger durchquerten  dunkle Wälder,  als das Land leicht anstieg. Voller Neugier folgten sie der Steigung, in Erwartung auf ein Land voller Frieden und Freiheit. Noch war ihre Sicht durch den dichten Baumbewuchs behindert. Es wurde immer steiler, doch die Jäger gingen weiter. Endlich wurde der Wald lichter, sie sahen das Ende des Waldes.

 Als sie dort angelangt waren sahen sie ......Orks -  eine Armee von Orks. So schnell sie konnten, suchten sie Deckung. So sicher, wie das Land schien,  war es also doch nicht, und diese Erkenntnis durchfuhr jeden der Jäger mit Furcht. Aus ihren Verstecken beobachteten sie die Orks. Was machten sie hier? Es war ein menschenleeres Land, so nahmen sie an. Auf irgend etwas warteten die Orks. Das Lager war in Aufruhr und es war sehr groß. Aus ihren Verstecken konnten sie nur einen Teil des Lagers sehen und es begann dunkel zu werden, die Nacht brach an. Sie warteten, bis es ganz dunkel war dann zogen sie sich leise zurück, denn in Gegenwart der Orks wollten sie  an diesem Ort nicht die Nacht verbringen. Als sie der Meinung waren, weit genug von dieser Höllenbrut entfernt zu sein, schlugen sie ihr Lager auf und die erste Wache wurde eingeteilt. Am nächsten Morgen wollten sie zurückkehren um zu sehen, ob die Orks immer noch da waren. Die Jäger verbrachten eine unruhige Nacht, einen richtig erholsamen Schlaf hatte niemand von ihnen.


Endlich brach der neue Tag an, die ersten Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg durch das Blätterdach. Die Jäger machten sich abermals auf den Weg zum Rand des Waldes, sie wollten schauen, ob die Orks noch anwesend waren. Als sie den Wald verlassen wollten liefen sie den Orks gradewegs in die Arme. Es begann ein ohrenbetäubender Lärm, als die Orks die Menschen sahen. Schwere Streitäxte wurden zum Schlag angehoben, mächtige Schwerter wurden gezogen, um ein paar Menschen zu töten, die eigentlich nur auf der Jagd waren. Die Bakaar wandten sich um und liefen so schnell sie konnten in den Wald zurück, der ihnen ein wenig Sicherheit bieten konnte. Durch den dichten Baumbestand lichteten sich die Reihen der Orks. Auch ihr Ansturm gegen die Menschen stockte etwas. Das nutzten die Menschen, um sich in kleine Gruppen aufzuteilen und aus dem Hinterhalt zu kämpfen. Der Lärm der Orks verstummte, da sie keinen Feind mehr sahen. Sie lauschten in den Wald hinein. Stille breitete sich aus. Doch die Jagd auf Menschenfleisch trieb die Orks weiter in den Wald. Hier und da verlor ein Ork unbemerkt von den anderen sein höllisches Leben. Doch die Gegenwehr der Menschen war so gering, dass die Verluste der Orks  keinen Sieg voraus sagten, Die Menschen wurden immer weiter in den Wald getrieben. Und diese versuchten ihre Richtung so zu ändern, dass sie die Orks nicht zu der Siedlung der Bakaar führten. Die Blutgier der Orks machte sie unvorsichtig zum Vorteil der Menschen, Diese führten ihre Angriffe aus der Deckung kommend aus und fügten den Orks Verluste zu, die wenn auch gering, doch einige Verwirrung zu geben schienen. Das dachten die Jäger . Doch das, was die Orks verwirrte, kam in ihrem Rücken auf sie zu. Etwas kam mit brachialer Gewalt durch den Wald. Das Unbekannte knickte die starken Baumstämme wie Feuerhölzer. Dann sahen auch die Jäger was dort kam--- Trolle, furchtbar groß, wild aussehend und so wie es aussah, durch nichts aufzuhalten. Nun war alles aus, dachten die Jäger und schlossen mit ihrem Leben ab. Doch was war das ? Die Trolle liefen an ihnen vorbei. Sie waren auf der Flucht ? Gab es doch noch einen mächtigeren Gegner, den sogar die Trolle fürchteten? Nachdem sie verschwunden waren, hinterließen sie eine breite Schneise im Wald, der auch die Orks folgten. Wie von Sinnen liefen sie an den Menschen vorbei. Keiner beachtete sie mehr. Der Waldboden begann plötzlich zu Vibrieren, stärker und stärker wurde es. Einer der Jäger rief “ Ein Erdbeben, haltet euch fest !” Doch ein Erdbeben war es nicht. Reiter. Hunderte von Reitern erschienen und jagten den Trollen und Orks hinterher. Die Jäger sahen, dass die Fremden lange Bärte trugen, rote,  blaue und gelbe sahen sie. Die Rüstungen die sie trugen, funkelten in der Sonne, als wären sie mit Silber beschlagen. Ein nicht endendes Heer jagte an ihnen vorbei. Bis einige Reiter ihre Pferde bei ihnen zügelten und hielten. Tury sah auf die Menschen herunter.”

Sagt, woher kommt ihr? Wusstet ihr nicht, dass sich hier ein Heer dieser Höllenbrut sammelt? Eurer Kleidung nach seid ihr Menschen! Gibt es hier noch mehr eurer Art?” “ Ja Herr, wir sind auf der Jagd und vom Volk der Bakaar. Als wir gestern auf die Orks trafen, haben wir uns in dem Wald versteckt und gewartet, in der Hoffnung, dass sie heute nicht mehr da waren. Doch es war ein Irrtum und so sind wir ihnen genau in die Arme gelaufen. Den Göttern sei Dank, dass ihr uns zur Hilfe geeilt seid.”

 

 Tury hörte den beiden schweigend zu, als sie von ihrer Flucht berichteten bis zu ihrer Ankunft in dem Land der Verheißung auf Frieden. “ Nun ihr habt einen langen Weg hinter euch. Aber das Land der Verheißung ist dies wahrlich nicht. Hier gibt es mehr Orks, als Mücken in der Luft. Hier seid im Land des dunklen Magier, wusstet ihr es nicht? Führt uns zu eurer Siedlung, ich möchte sie sehen um zu beurteilen, ob sie als Feste taugt.” Herr, aber eure Leute stehen noch im Kampf mit den Orks, wollt ihr nicht abwarten bis eure Kämpfer zurück kehren?”

 “ Nein, sie sind kampferfahren und werden uns folgen. Nun geht voran, denn ich bin begierig zu sehen, was euer Volk errichtet hat.” Als dann Tury die Lichtung betrat, runzelte er seine Stirn. Das, was er da sah, war bei weitem nicht das, was er erwartet hatte. Es war zwar eine Siedlung, aber diese hatte bei einem Angriff des Feindes keinen Bestand. Es musste etwas geschehen. Die Befestigungen der Siedlung waren mehr als mangelhaft. Tury schaute sich um, es  musste ein anderer Ort gefunden werden, hier waren sie bei einem Angriff verloren. Tury sah in der Ferne eine Felsenformation, mit ein paar Kriegern machte er sich auf, die Felsen zu erkunden. Aus der Ferne drang der Kampflärm schwach an seine Ohren, und einen Augenblick dachte er daran, zurück zu kehren, um in den Kampf einzugreifen. Doch dann sah er diese “armselige Siedlung”, die ohne seine Hilfe dem Untergang geweiht war. Er musste sich beeilen um schauen, ob es bei dem Felsmassiv eine Möglichkeit gab, eine Feste  zu errichten.

 

 

 


                                                          Kapitel 62

 

                          
                                                 Zwei Schatten der Nacht

 


Schnell und lautlos eilten der Elb und Johann durch das Land Faruk. Von Zeit zu Zeit blieb der Elb stehen und lauschte in die Dunkelheit. Doch was er hörte, war Stille. “WEITER” hörte Johann den Elb flüstern .” Der Weg ist noch weit”. Und doch war das Aufgehen der Sonne nicht mehr fern. Erste helle Streifen zeichneten sich an Horizont ab, die von Minute zu Minute begannen zu verschwimmen und statt ihrer stieg die Sonne langsam über den Horizont.” Wir müssen ein Versteck finden und den Tag abwarten” sagte der Elb. Doch sie befanden sich auf einer Ebene, weit in der Ferne sahen sie die Erhebungen der Berge. Ein einziger Baum stand in einiger Entfernung in der Ebene. Er vermittelte den Eindruck, als hätte der Wald, den es hier bestimmt einmal gab, ihn vergessen,  als er verschwand. Dorthin strebte der Elb. Je näher sie dem Baum kamen, desto größer wurde er. Dann endlich war er erreicht, ein mächtiger Stamm stand vor ihnen mit einer gewaltigen Krone mit einem dichten Blättergewirr. “ Dort hinauf, Mensch , wenn euch euer Leben lieb ist. Johann hatte den Eindruck, dass der Elb genau wusste, an welchem Ort er den Tag verbringen musste, um nicht entdeckt zu werden. Oben in der Baumkrone angelangt, sah Johann dicke verzweigte Äste, auf denen man genug Platz hatte, auch eine längere Zeit zu verbringen. Es dauerte nicht lange und der Elb schien eingeschlafen zu sein. Johann meinte es an seiner ruhigen Atmung zu erkennen. In Gedanken versunken schaute er den Elb an und erschrak mit einem Mal. “ Was gibt es zu schauen Herr Johann, ist etwas interessantes an mir zu sehen? Versucht lieber etwas zu schlafen, denn den Rest des Weges müssen wir in der kommenden Nacht hinter uns bringen. Johann antwortete ihm nicht und er glaubte, dass der Elb diese auch nicht erwartet hatte. Aber woher wusste er, dass ich ihn angeschaut habe, dachte Johann. Wenig später übermannte auch ihn die Müdigkeit. Ein anfänglich ruhiger, traumloser Schlaf, geschützt von dem dichten Blätterdach des Baumes. Reiter näherten sich, in der Ferne waren dunkle, sich bewegende Schatten, die eine Staubwolke hinter sich aufwirbelten. Schnell näherten sie sich, unbemerkt von den Schlafenden. Eine Gruppe von sechzig Reitern trieben ihre Pferde in einiger Entfernung an dem Versteck der beiden ungleichen Kämpfer vorbei, einem unbekannten Ziel entgegen. So schnell sie kamen , so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Nur der aufgewirbelte Staub erinnerte noch einen kurzen Augenblick an die Anwesenheit der Reiter. Als dieser sich wieder gelegt hatte, kehrte die Ruhe um das Versteck zurück.
“ Herr Johann, wir müssen weiter, die Sonne ist am Untergehen, werdet wach”. Johann der anfänglich keinen Schlaf gefunden hatte, hörte die Stimme des Elben wie aus weiter Ferne. Er hatte Mühe in die Realität zurück zu kehren. Johann träumte von seinen Eltern, dem Hof und vor allem von Eva, der Liebe seines Lebens. Wie mag es ihr wohl gehen ? Und seine Eltern -  hatten sie die Landwirtschaft noch , oder wurden sie davon gejagt und waren ohne Heim und Geld? Dies alles ließ ihn selbst in Schlaf nicht ruhen. Auch wenn er es nie sagte, aber er war oft in Gedanken in seiner Heimat und wünschte, er wäre nie in diesen Wald gegangen, dann wäre ihm auch vieles erspart geblieben. Doch er hatte es ja gewollt und nun gab es kein Zurück.” Herr Johann, wacht auf, die Nacht bricht herein und der Weg ist voller Gefahren! Wacht auf!!!!!!!” Der scharfe Ton des Elb ließ Johann hochschrecken.” Was? Wo?” Johann hatten so tief geschlafen, dass er im ersten Moment nicht wusste, wo er war. Dann aber war er hell wach, raffte seine wenigen Sachen zusammen und beide begannen den Abstieg von dem Baum. “ Seht dort, Herr Johann, wir hatten in der Nacht Besuch!” Der Elb hatte die Spuren entdeckt.  Sie waren zwar schwach zu sehen, doch den scharfen Augen des Elb entgingen sie nicht. “ Sie sind in genau der Richtung geritten, in die wir auch gehen müssen. Haltet also die Augen auf und seid noch wachsamer. Der Elb richtete sich auf und ging los, gefolgt von Johann. Es war eine sternenklare Nacht und es war Vollmond, und das gefiel dem Elb überhaupt nicht. Es gab keinen Wald oder anderes, was Schatten warf, in dem sie gehen konnten. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als so schnell wie es ihnen möglich war, über diese freie Ebene zu kommen. Stunden vergingen, Stunden in denen sich nichts ereignete. “ Der Augenblick unserer Trennung ist bald gekommen”, sagte der Elb ohne sich nach Johann umzudrehen.

 Plötzlich blieb der Elb stehen als wäre er gegen eine Mauer gelaufen. “Ihr seid ruhig, sagt kein Wort und überlasst mir das Reden” Johann sah ihn ungläubig an, was war passiert? Dann sah Johann, was der Elb meinte. Reiter, schemenhaft lösten sie sich aus dem Dämmerlicht des Mondes und kamen im scharfen Galopp auf die Beiden zu.” Bleibt hier und macht keine Bewegung, sonst sind wir tot.” Johann blieb stehen und sah, wie der Elb auf die Reiter zuging und von den Reitern umringt wurde. Ab und zu hörte er Gesprächsfetzen in einer Sprache, die er nicht verstand. Nach einiger Zeit kehrte der Elb zurück und Johann sah, dass die Reiter wieder in der Dunkelheit verschwanden. “Was habt ihr den Reitern gesagt, dass sie ohne Forderungen wieder Fortreiten?” “ Es ist alles in Ordnung, es handelte sich um ein Missverständnis “ Der Elb setzte ohne noch ein Wort zu verlieren seinen Weg fort. Es war schon seltsam, einerseits wollte er den Reitern nicht begegnen, andererseits schickte er sie fort. Johann wusste nicht, was er davon halten sollte. Dann folgte er dem Elb.....

 

Kapitel  63

 


                                                   Der Ruf des Schwertes

 


Die Armee des Königs van Isenbrurt drängte zum Aufbruch. Der Ruf des Schwertes zwang sie ihm zu folgen. Abatai und Fagul, die diesen Ruf und die Qual, die diese Krieger litten, nicht erfuhren, waren völlig überrascht. Ein Bote kam zu ihnen. ”Mein Herr, Kamal sih Drake Hamaluk Fürst von Isenbrurt  schickt mich, wir müssen nun aufbrechen, das Schwert, sein Ruf, es zwingt uns, ihm zu folgen! Seid ihr in der Lage, mit uns zu kommen?” Fagul und Abatai schauten sich an und Fagul nickte leicht. Es schien ihm soweit gut zu gehen. Seine Wunden heilten unerwartet schnell.” Sagt eurem Herrn, das wir bereit sind!” Der Bote verneigte sich und verschwand in der Menge der Krieger.” Fühlt ihr euch wirklich so gut, um ihnen zu folgen?” fragte Abatai noch einmal. “ Hört gut zu Herr Abatai, Freund des Johann, sollte ich auf dem Weg, der uns vielleicht zurück zu meinem Volk führen wird, zu Schaden kommen,
so lasst mich zurück, ich werde euch nur aufhalten.”” Was redet ihr? Niemals werde ich euch zurück lassen! Redet keinen Unsinn, ihr werdet noch gebraucht ,und nun kein Wort! Kommt wir müssen los!” Der Aufbruch der Armee erfolgte in den nächsten Stunden und nichts wurde zurück gelassen,  das den Aufenthalt verraten würde. Abatai ritt auf einen kleinen Berg, er wollte sehen, was in der Ferne lag. Oben angekommen schaute er nach unten und sah das Heer der Königs van Isenbrurt. Es war riesig, so sehr er sich bemühte, weder den Anfang noch das Ende der Armee konnte er sehen, es mussten Tausende sein.” Was wird wenn sie ihr Ziel erreicht haben? Werden sie unterscheiden zwischen Freund und Feind? Was wird, wenn das Schwert an den Feind verloren geht? Ist es vielleicht schon in der Hand des dunklen Magier? Dann führt es das Heer direkt zum Feind.!” Dunkle Gedanken bemächtigten sich ihn. Dann fiel ihm Fagul ein, er hatte ihn am Fuß des Berges zurück gelassen. So schnell es ihm möglich war, stieg er zu ihm hinab und sie reihten sich in den Zug der Krieger ein. Sie gelangten an das Land des ständigen Wechsels. Die Spitze der Armee befand sich schon im Gebirge, während die Mitte und das Ende sich noch in der Wüste und in einer mit Gras bewachsenen Ebene befand. Doch der Ruf des Schwertes führte sie unbeirrbar durch dieses Land. Dann kam der Moment, wo das Heer ins stocken kam. Irgend etwas passierte an der Spitze des Heeres. Ein Raunen ging durch die Reihen der Krieger. Ein mächtiger Feind stand vor ihnen und ließ sie nicht durch. Abatai versuchte, so schnell er konnte nach vorn zu gelangen. Doch es war hoffnungslos, bis er da war setzte die Dunkelheit ein und jetzt war es ungefähr Mittag. Abatai schaute sich um, er suchte eine Erhebung in der Landschaft, die es ihm vielleicht ermöglichte zu sehen, was sich dort vorn ereignete. Mit einer Hand griff Abatai unter sein Wams und zog ein merkwürdig geformtes Kristall hervor. Er schaute sich noch einmal nach allen Seiten um, ob er auch nicht beobachtet wurde, dann setzte er den Kristall vor eines seiner Augen. Mit diesem Instrument konnte Abatai Dinge sehen, die weit entfernt waren. Er hatte es aus seiner Heimat mitgebracht und bedacht, dass es unentdeckt blieb. Da man so glaubte, er diese Kristalle hier nicht kannte. Entdeckte es jemand und eignete es sich an, könnte der jenige es für seine Zwecke nutzen, wie immer diese auch sein mögen. Darum hielt es Abatai immer gut versteckt. Es dauerte einen Augenblick bis sich sein Auge an den Kristall gewöhnte, dann aber sah er, was dort weit vorn vor  sich ging. Orks -   so viele, dass sie mit dem Horizont verschwammen und mitten unter ihnen Trolle und Riesen. Noch waren keine Kämpfe ausgebrochen, beide Armeen standen sich abschätzend gegenüber. Aber es bedurfte nur einer kleinen unbedachten Bewegung, um die Hölle ausbrechen zu lassen. Glaubte der Feind wirklich an den Sieg? Wussten sie nicht, welcher Übermacht sie gegenüber standen? Abatai wandte sich um und schaute in die entgegengesetzte Richtung. Dort, in weiter Ferne, waren die Krieger des Schwertes noch in Bewegung. Das konnte Abatai doch nur erkennen, weil er durch den Kristall sah, mit bloßem Auge war das Ende des Heeres nicht zu sehen. Immer mehr Krieger drangen nach vorn. Als Abatai nach unten schaute sah er, wie Fagul mit der Masse mitgerissen wurde, wenn er sich jetzt nicht beeilte, von diesem Hügel zu kommen bestand  doch die Gefahr, dass er Fagul nicht wiederfand. Doch Abatai hatte Glück, Fagul war nicht weit vor ihm und es war für Abatai nicht schwer, ihn zu erreichen. “ Herr Fagul, wie geht es euch ? Seid ihr in der Lage, den Marsch noch mitzuhalten”? “ Mir geht es auffallend besser. Es durchströmt mich eine Macht, die ich nicht zu deuten vermag, aber es geht mir gut. Was geht hier vor ? Woher rührt die Unruhe der Krieger?” Abatai erzählte ihm, was er gesehen hatte und was den Kämpfern bevor stand. “Orks, Trolle und Riesen versperren uns den Weg.” Was Abatai nicht wusste, es trafen noch unzählige Ghuls zu den Orks und so verstärkte sich die Zahl der Feinde um ein vielfaches.

 

Fagul bat Abatai, noch einmal mit ihm auf die Anhöhe zu gehen, er wollte sich selber von alle dem überzeugen. Abatai war damit nicht einverstanden, aber widersprechen vermochte er nicht, war doch Fagul ein hoher Herr, der einem König glich. Auf der Anhöhe angekommen sah Fagul nur eine sich bewegende schwarze Masse. “ Wie konntet ihr erkennen, was dort vorn vor sich geht, ich bin nicht in der Lage, so weit zu sehen!” “Ich habe einen Kristall, wenn ihr durch ihn schaut, seht ihr das, was in der Ferne passiert  -  so nahe, dass ihr meint, es greifen zu können.” Zögerlich holte Abatai das Kristall unter seinem Wams hervor, um es Fagul zu reichen.” Ihr musst einen Augenblick warten, das Auge muss sich erst an das Kristall gewöhnen, dann werdet ihr sehen !” Und Fagul sah und konnte es nicht richtig glauben, alles war so nah, dass er danach greifen wollte. Abatai konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.” Was lacht ihr, sieht ein Unwissender so lustig aus, wenn er sich einen Kristall vor das Gesicht hält? Woher habt ihr den Zauber?”  “ Ich habe ihn aus dem Land, aus dem ich komme gestohlen, weil ich dachte, er sei wertvoll. Das er aber eine solche Gabe besaß, war mir da nicht bewusst. Herr, ich möchte nicht weiter darüber reden, später einmal, wenn genug Zeit zu reden ist, werde ich euch alles erzählen.” Fagul sah ihn noch einen kurzen Moment schweigend an, dann wandte er sich wieder diesem Wunderkristall zu. Abatai schaute ihn an und ahnte wohl, was in Fagul vorging. Er suchte einen anderen Weg, um den Feind zu umgehen, um dann von zwei Seiten anzugreifen. “ Kommt Herr Abatai, ich muss jemanden überzeugen und ihr müsst mir helfen. Am Fuß der Anhöhe angekommen strömten immer noch die Krieger des Isenbrurt an ihnen vorbei. Fagul schaute sich suchend um. Irgendwo in dem Gewirr von Lebewesen musste es doch noch jemanden geben, der eine Befehlsgewalt hatte. Dann sah er einen, dessen Kleidung sich von den anderen abhob, dahin lief er .

 

Kapitel  64

 


                                                               Isenbrurt

 

 

 

Ein Land mit weiten grünen Hügeln. Dunkle Wälder, durch die  verschlungene Wege führten  -  nur unterbrochen von kleinen Siedlungen der Menschen, die meinten, hier und dort eine neue Heimat gefunden zu haben. In der Ferne funkelten die weißen Kuppen der Berge wie Diamanten. Ein unbeschwertes Leben dem, der es seine Heimat nennen durfte. Es war ein Land voller Geheimnisse und Legenden. Hoch oben auf dem Berg befand sich die Burg ihres Königs. Des guten Königs Dongart. Er war ein fürsorglicher Mann, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seines Volkes hatte, der ihnen alle Hilfe angedeihen lies,  sofern er es vermochte. Über Isenbrurt lag tiefster Friede. Die Bauern bestellten das Land, die Schmiede stellten Hufeisen her. Jeder Handwerker ging seiner Arbeit nach. Jeder der Bürger Isenbrurts aber wusste, hoch oben in der Burg gab es einen großen Saal ,der aber nicht für Feierlichkeiten erbaut wurde. In diesem Saal befanden sich Waffen, unendlich viele Waffen. Tausende von Bürgern konnten damit ausgerüstet werden. Doch niemand konnte sich wirklich erinnern, dass sie jemals benutzt wurden. Es kam der Tag, an dem unbemerkt von den Menschen eine Veränderung vor sich ging. Hoch oben zwischen den Wolken, dort, wo selbst der Adler nicht  fliegen konnte, erschien ein Wesen mit mächtigen Flügeln. Suchend zog dieses Wesen seine Kreise und verschwand dann wieder in den Wolken. Unbemerkt von den Menschen. Die Tage vergingen. Die Sonne ging auf und wieder unter. Jeder Tag war wie der andere und ein jeder Mensch ging seiner Beschäftigung nach. Keiner bemerkte, dass Menschen plötzlich verschwanden. Leute, die außerhalb der Siedlungen lebten, nicht mehr gesehen wurden. Es war die Zeit, als die Einwohner von Isenbrurt ihren Tribut an den König entrichten mussten. Wie jedes Jahr ritten die Soldaten des Königs aus, um die Steuer einzuholen. Die Häuser, die sie aufsuchten, fern ab der Siedlungen waren leer. In ihrem Inneren aber stand alles so, als ob ihre Bewohner gleich wieder kamen. Die Hauptleute der Soldaten schickten Boten zurück, um ihrem Herrscher zu Berichten. König Dongart hörte diesen Boten, die aus verschiedenen Gebieten des Landes eintrafen, aufmerksam zu. All’ diese Boten berichteten das gleiche, selbst ganze Siedlungen  waren menschenleer. Es herrschte eine gespenstische Ruhe, nachdem die Soldaten ihre Berichte beendet hatten.

” Ich danke euch für die, wenn auch schlimmen Nachrichten. Begebt euch nun, nachdem ihr euch erholt habt, zurück zu eurer Einheit und überbringt euren Hauptmännern den Befehl, zurück zu kommen und sich bei ihrem König zu melden!” Dann erhob sich der König und ging durch die sich vor ihm verbeugenden Soldaten aus dem Audienzsaal. Der König ließ seine Berater rufen. Entscheidungen mussten getroffen werden. Es folgten endlose Debatten, Einwendungen zur Mobilmachung. Es müsste einen anderen Weg geben, als den Kampf, hieß es. Doch welchen es gab, vermochte niemand zu sagen. Es blieb keine andere Lösung, als die Bevölkerung mit Waffen auszustatten. Und so geschah es. Die Menschen von Isenbrurt fanden sich bei der königlichen  Waffenkammer ein, um die Waffen zu bekommen, mit denen sie meinten, sie zu führen. Von dieser Stund’ an und der Ansprache ihres Königs trug ein jeder seine Waffe bei sich. Doch niemand ahnte, woher einen Bedrohung kommen konnte. Aus dieser Unwissenheit heraus beobachteten sie nur das Land, schickten Späher an die Grenzen des Reiches, aber nichts war zu berichten. Niemand schaute hoch zu den Wolken. Dort oben waren vereinzelt seltsame Schatten zu sehen, die von Zeit zu Zeit ihr Versteck aus Wolken verließen, um das Land zu beobachten. Manchmal flogen sie auch so tief, dass sie Schatten auf das Land warfen. Doch wenn diese bemerkt wurden, waren die unbekannten Wesen schon wieder verschwunden. König Dongart stand in der Halle der Waffen. So hatte er sie nie gesehen. Solange er denken konnte lagerten hier Waffen, nun war nur noch ein Schwert da. In einer Vitrine auf einem extra angefertigten Gestell lag es. Auf der Klinge waren Worte eingraviert, Worte die nur der König zu lesen mag. Die Klinge dieses Schwertes begann mit einem mal schwach zu leuchten. Es zog seinen Besitzer magisch an. Schritt für Schritt näherte sich Dongart der Waffe. Er war der Schwertführer. Als er den gläsernen Deckel öffnete und den Griff mit seiner Hand umschloss strömte Magie in seinen Körper. Er erinnerte sich an das Volk ohne Namen.
Sie kannten die Kunst, besondere Schwerter zu schmieden. Eines davon erhielt der König von Isenbrurt und es hieß “TALOON”.
Die Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Eines Nachts wurde ein Bauer in der Nacht aus seinem Schlaf gerissen. Irgend etwas riss ihn aus der Ruhe. Ein ungewöhnliches Geräusch, sein Blick wandte sich zum Fenster und wurde plötzlich hellwach. Feuer, er sah das Flackern eines Feuers. Der Bauer sprang aus seinem Bett und sah, dass seine Scheune in Flammen stand. Er rief seiner Frau zu, dass sie aufstehen solle und schaute dann erneut aus dem Fenster und schreckte zurück. Ein Feuerball raste auf ihn zu. Es war das Letzte, das der Bauer sah, als der Feuerball verlosch, war der Bauer fort, verbrannt in der Flamme. Dann stand alles in Flammen. Überall griffen Ungeheuer die Menschen an. Diese doch wehrten sich mit allen Kräften gegen den Feind. Doch nichts vermochte sie aufzuhalten. Von der Burg Isenbrurt näherten sich Ritter in ihren Rüstungen. Ein mächtiges Heer stellte sich zum Kampf. Doch auch sie versagten, zu unbeweglich waren sie in ihren Rüstungen. Erst als Dongart Van Isenbrurt die Burg verließ und die Ungeheuer das in tiefem Rot glühende Schwert sahen, brachen sie den Angriff ab. Mit Entsetzen schaute Dongart auf das Schlachtfeld, es waren fast alle tot . Ein Geräusch näherte sich ihm von hinten. Dongart wirbelte herum und sah, dass eines der Ungeheuer sich ihm näherte. Mit dem Mut eines in die Enge Getriebenen stellte er sich dem Kampf. Riesige Fänge mit langen Krallen näherten sich sehr schnell. Dongart blieb gerade noch so viel Zeit, das Schwert zu heben für den ersten Schlag. Die Klinge glühte im tiefen Rot, Vibrationen, die vom Schwert ausgingen durchfuhren seinen Körper. Als das Ungeheuer sah, welche Waffe der König in Händen hielt, versuchte er seinen Angriff abzubrechen. Doch um dem Hieb auszuweichen, war er zu schnell und zu nahe an dem Feind. Dongart schlug zu und spürte einen leichten Widerstand, als das Schwert sein Ziel traf, danach einen schrillen Schrei des Wesens, das getroffen wurde. Ein kurzer Blick zurück, dann stürmte Dongart mit erhobenem Schwert zu seinen Rittern. Während des Kampfes merkte Dongart, dass das Schwert ein Eigenleben entwickelte, denn ein guter Schwertkämpfer war Dongart nicht. Seine Eltern hatte eher auf Etikette und Anstand, sowie die Vorbereitung eines Regenten Wert gelegt und ein König griff nicht zum Schwert, er schaute den Kämpfen aus sicherer Entfernung zu. Aber seine Eltern waren lange tot und es war auch nicht das erste Mal, dass er an der Seite seiner Leute im Kampf stand. Die Ungeheuer stürmten zu Hunderten auf die Menschen zu, der Kampf wurde erbarmungsloser und als die Dunkelheit anbrach, zeichnete sich eine Niederlage der Menschen ab. Nur wenige waren noch am Leben und diese waren umringt von den unheimlichen Wesen, und auf ein geheimes Kommando stürmten sie auf den Rest der Menschen ein. Nach wenigen Minuten war nur noch einer am Leben König Dongart Van Isenbrurt. Doch auch er war tödlich getroffen nur die Magie des Schwertes hielt ihn am Leben. Er war  von im Blutrausch hechelnden Wesen umgeben. “Auch wenn ich sterbe... so wird einer kommen, der ... euch vernichten wird! Dann glitt ihm das Schwert aus der Hand und Dongart sackte auf seine Knie, sein Kopf lag auf seiner Brust  -  er war tot. Es kam Leben in die umherstehenden Ungeheuer und nach wenigen Augenblicke waren sie verschwunden. Die Klinge des Schwertes verblasste und seine Klinge sah aus, wie all’ die anderen, die bei den Toten lagen. Als Dunkelheit über dem Land lag, huschten Gestallten über das Schlachtfeld. Waffen sammelten sie ein und brachten sie zurück in die Waffenkammer der Burg. Jemand hob das Schwert des Dongart auf und trug es vorsichtig zurück, um es wieder in die gläserne Truhe zu legen. Leise sprach er dann Worte in einer unbekannten Sprache.” Hier wirst du sein, bis der kommt, der dich befreit ,dich und ein Heer, das dir untertan sein wird”! Wie von Geisterhand schloss sich die Vitrine und der Unbekannte verschwand, er löste sich einfach auf.

 

 Die Jahre vergingen, erst hundert dann tausend. Die einst mächtige Burg wurde von Pflanzen überwuchert, Bäume brachen mit der Zeit die Mauern ein. Die Burg verwandelte sich zu einer Ruine, nur die eine Halle, sie sah noch so aus als wäre sie gerade verlassen worden. Einzig ganz hinten in einem Winkel der Halle stand eine “Kiste”, über und über mit dem Staub der Jahrhunderte bedeckt.

 

Kapitel 65

 


                                                            Der Elb

 


Ohne Worte setzte der Elb seinen Weg fort. Gefolgt von Johann der so viele Fragen an den Elb hatte. Doch der, so schien es Johann, beschleunigte seine Schritte, vielleicht um den Fragen von Johann zu entgehen. Es vergingen Stunden des Schweigens. Plötzlich hielt der Elb inne, blieb stehen und wandte sie Johann zu. “ Hier endet unser gemeinsamer Weg, sucht die Euren und glaubt mir, es ist besser, wenn ihr mich nicht weiter begleitet. Das, was ich tun muss, ist nicht das Eure.” Damit wandte sich der Elb ab und ging seiner Wege. Johann glaubte nicht, was er sah ! Ließ ihn der Elb einfach stehen..


Johann schaute sich um, doch was er sah, waren nur Felsen und ein paar Bäume, die hier ihr Dasein fristeten. “Nein, dachte Johann, hier wirst du mich nicht zurück lassen.” Der Elb hatte sich schon ein ganzes Stück von ihm entfernt, doch nicht so weit, das Johann ihn aus den Augen verlor. Vorsichtig, und dem Gang des Elben angepasst, folgte er dem ihm und immer darauf bedacht, nicht von ihm entdeckt zu werden. Der Weg führte über eine Ebene, die kaum mit Pflanzen bewachsen war . Irgendwie hatte Johann das Gefühl, hier schon einmal gewesen zu sein. Oder täuschten ihn nur seine Sinne? Weiter folgte er dem Elb, der hielt genau auf einen Wald zu, in dem er auch verschwand. Johann folgte ihm. Große mächtige Bäume säumten seinen Weg und immer öfter hatte er das Gefühl, als würde er beobachtet. Manchmal wandte er sich blitzartig zu der Seite um, an der er jemanden vermutete. Sehen konnte er aber niemanden, entweder bildete er sich es ein oder diese Wesen des Waldes waren so schnell, dass er sie nicht sehen konnte.

 

 Was Johann ahnte aber nicht sah, waren Gnome und Waldgeister, etwa so wie Dolgin, nur diese waren hunderte von Jahren älter. Und niemals war ein Fremder in ihren Wald eingedrungen. Sie hatten von ihren Ältesten zwar Geschichten von Wesen, die anders aussahen, größer und  furchtbarer, erzählen hören, doch man hielt es immer für harmlose Geschichten und die Alten wurden dafür etwas belächelt. Doch nun sahen sie wirklich einen dieser fremdartigen Geschöpfe. Sie beschlossen, diesen einen erst mal zu beobachten. Die Elben waren ihnen vertraut, sie lebten miteinander, doch vermieden sie auch zu ihnen den direkten Kontakt. Johann hatte Mühe dem Elb zu folgen, dieser hatte seine Schritte noch einmal beschleunigt. Der Abstand zwischen ihm und dem Elb wuchs von Minute zu Minute und dann war er verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Da stand Johann nun, was sollte er jetzt machen? Er beschloss, dem Weg weiter zu folgen mit dem Gefühl, noch weitere Begleiter zu haben. Nach einiger Zeit lichtete sich der Wald. Johann gelangte an den Waldrand und blickte auf eine Wiese, an deren anderem Ende sich eine Stadt befand. So etwas hatte Johann noch nie gesehen. Es war wunderbar endlich traf er auf .... Elben, fiel es ihm siedend heiß ein. Wie würden sie reagieren, wenn plötzlich ein Mensch an ihr Tor klopfen würde. Noch aber stand er da und aus der Ferne schaute Johann sich die Stadt an, jedenfalls das, was er erkennen konnte. Hohe Mauern sah er keine, hatten sie es nicht nötig, sich  zu schützen? Alles sah aus wie in einem Märchen, Johann fiel das alte Märchenbuch ein, aus dem seine Großmutter ihm und den Kindern aus dem Dorf einmal in der Woche etwas vorlas................ 

 

Der Elb achtete jetzt sehr genau darauf, dass er nicht entdeckt wurde, denn sein Weg führte ihn genau zu der Stadt der Elben. Noch außerhalb der Sichtweite der Turmwachen errichtete er sein Lager . Hier wollte er die Nacht abwarten. Im Schutz der Dunkelheit wollte er dann in das Innere der Stadt gelangen. Ein Geräusch  -  jemand schlich an ihm vorbei, nur besonders leise zu sein bemühte der Unbekannte sich nicht. Also beschloss der Elb, dem Fremden zu folgen. Als er aber die Fußspuren sah wusste er, wer da durch die Gegend schlich. Es war sein Wegbegleiter. Was machte er hier ? Hatte er ihm nicht den Weg, den er nehmen sollte gezeigt? Wenn der weiter so durch die Gegend trampelt ,dachte der Elb, wird er mich noch verraten. Er musste etwas unternehmen. Wie ein Schatten bewegte sich der Elb durch das Unterholz, doch verhindern konnte er es nicht, der Mensch verließ den Wald und stand nun auf der gerodeten Ebene vor der Stadt.

 

Mit einem gewagten Sprung rang er Johann nieder.” Sagte ich euch nicht, dass ihr den Weg nehmen solltet, den ich euch wies? Was macht ihr also hier? Bleibt auf dem Boden und bewegt euch zurück in den Wald.” Der Ton des Elben war zornig und bestimmend und Johann zog es vor, ihm  Folge zu leisten. Als beide im schützenden Wald angekommen waren, richtete Johann sich auf. Der Elb schaute ihn einen Augenblick an, dann zeigte er mit der Hand in eine Richtung.” Dorthin werdet ihr gehen, sofort und keine Fragen mehr. Seid froh, dass sie uns nicht entdeckt haben. Nun geht und seid auf der Hut.” Der Elf drehte sich um und verschwand in der Tiefe des Waldes. Widerstrebend befolgte Johann die Anweisung des Elben. Wer war er, das er sich verstecken musste? Was hatte er vor. Solche und andere Fragen gingen Johann durch den Kopf und hörte plötzlich Äste knacken und viele Stimmen die sich wohl unterhielten. Der Boden erbebte unter ihren Schritten. Johann schlug sich in das hohe Farnkraut das am Rande des Weges wuchs. Etwas kam ihm entgegen. Er wagte nicht, sich zu bewegen und auch den Kopf hob er nicht, um zu schauen. Ein beißender Gestank drang an seine Nase. Orks, Trolle, Kobolde und Ogar trampelten an ihm vorbei. Sie waren so viel an der Zahl, dass sie es nicht für nötig befanden, sich leise voran zu bewegen. Der Geruch wurde unerträglich und Johann kämpfte immer mehr gegen das Würgegefühl an. Wenn er sich jetzt übergab, wäre sein Leben wohl zu Ende.

 

 Johann war nun schon viele Tage unterwegs und immer bemüht die Richtung so gut wie möglich einzuhalten. Dann stieß er an einen Ort, an dem ein furchtbares Gemetzel stattgefunden haben musste, überall lagen Leichen. Johann zog sein Schwert, doch der Stahl färbte sich nicht in ein Rot, auch kein Vibrieren des Schwertes war zu bemerken. Langsam und vorsichtig bewegte sich Johann durch die Reihen der Gefallenen in der Hoffnung, einen Überlebenden zu finden. Doch der Gegner hatte gut Arbeit geleistet. Niemand war mehr am Leben. Er sah frische Spuren etwas abseits  die vom Schlachtfeld fort führten, denen folgte er. Vorsichtig Schritt für Schritt folgte er den Spuren. Er ging in einen Wald und es wurde schwieriger, der Spur zu folgen, der Boden war fest und die Fußabdrücke kaum noch zu erkennen, immer wieder musste er zurückgehen bis zu dem Punkt, an dem noch etwas zu erkennen war. Als er erneut versuchte der Spur zu folgen, hörte er eine Stimme, nicht sehr deutlich, aber sie wies ihm den Weg. Johann gelangte an eine Lichtung, diese war von mächtigen Tannen umgeben, deren Äste fast den Boden berührten. Es erinnerte ihn an den Ort, an dem er Dolgin das erste mal traf. Wo er wohl war? Dann hörte Johann leise Stimmen, diese kamen von dem mächtigsten Baum, der sich hier befand. Leise schlich er sich an diesen heran. Nun konnte er deutlich eine Stimme hören und diese kam ihm sehr bekannt vor-- es war Dolgins Stimme. Mit einer schnellen Bewegung teilte er die Zweige und sah in erschrockene Gesichter, in denen sich aber in der selben Sekunde Freude ausbreitete. Es wurde eine herzliche Begrüßung. Dann prasselten viele Fragen über Johann herein.

 

Kapitel  66

 

                           
                              Ein Ort der Entscheidung ?

 

 

 


Die Felsen kamen näher. Tury sah sich aufmerksam um doch einen Ort für eine Feste fand er nicht. Weiter und weiter ging er, zur

Rechten und Linken ragten Felsen in die Höhe. Die Felsen verengten sich langsam zu einer Schlucht, an der schmalsten Stelle konnten gerade drei Männer neben- einander  hindurch gelangen. Interessiert schaute Tury sich um. “Hier wäre ein Ort, der es wert wäre, eine Feste zu bauen. Eine mächtige Mauer von Fels zu Fels” dachte sich Tury, doch eines störte ihn  -  in der Schlucht war es dunkel . Die Enge der Felsen ließen kaum das Licht bis auf den Boden zu. Sie durchquerten weiter die Schlucht und dann verbreiterte diese sich   wieder und plötzlich sahen sie sich einer großen Ebene gegenüber. Tury drehte sich im Kreis und blieb wie erstarrt stehen. “ Schaut dort, das ist es, hier werden wir eine Feste bauen -  so mächtig, wie sie kein Wesen dieses Landes je sah!” Die Felswand, vor der er stand, ragte steil nach oben und in der Mitte des Felsens befand sich eine große Plattform, die vielleicht genug Platz bot, um den Bakaar Schutz zu gewähren. Tury suchte einen Weg dort hinauf. Doch die Wände waren glatt und steil. So konnte er dort nicht hinauf. Es wurde ihm klar, dass es eine Weile dauern würde, bis hier etwas entstehen wird, und doch musste es auch in aller Eile geschehen. Der Zwerg wollte bleiben, er schickte zwei Boten zurück, um von dieser “ guten” Nachricht zu berichten und die Bakaar zum Aufbruch zu bewegen, viele Hände wurden gebraucht, etwas zu errichten. Tury schaute den Boten nach, bis sie in der Schlucht verschwanden. Dann wandte er sich wieder dem Fels zu. Er wollte dort oben hinauf. Es muss doch einen Weg geben, dachte er sich. Langsam und Aufmerksam ging Tury an der Felswand entlang. Nach einiger Zeit bemerkte er einen kleinen unauffälligen Spalt, kaum zu sehen. Nur durch einen Zufall wurde er darauf aufmerksam, ein großer Stein lag auf dem Boden, den Tury übersah, als er einen Zugang auf die Plattform suchte. Tury strauchelte und versuchte sich an der Felswand fest zu halten, doch er griff ins Leere. Und dieser Spalt war es, dem er seine ganze Aufmerksamkeit widmete. Der Spalt war gut versteckt und nur zu sehen, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel auf die Felswand fiel. Tury zwängte sich in den Spalt doch je weiter er hinein gelangte desto breiter wurde das Innere. Und vor ihm, gut im Schlagschatten der Felsen versteckt war das, was er suchte, eine Treppe, geschlagen in massiven Fels. Neugierig und doch äußerst vorsichtig ging er Stufe für Stufe nach oben, ab und zu drang die Sonne durch  kleine Felsspalten und Tury sah Felszeichnungen die von vielen Ereignissen der Vergangenheit zeugten. Tury schaute nach vorn und sah das Ende der Treppe. Dann stand er am Rand der Plattform. Eine solche Größe hatte er nicht erwartet. Die Ausmaße waren gewaltig und noch etwas sah er, dort war ein Zugang, ein Tor ins Innere. Tury zog sein Schwert er wollte gewappnet sein auf die Dinge, die da kamen. Es herrschte absolute Dunkelheit im Inneren des Felsens. Tury sah erst einmal davon ab, weiter in das Innere vorzudringen und kehrte auf die Plattform zurück. Als Tury hinunter blickte sah er, dass die Bakaar  aus der Schlucht kamen. Dieses hier war der sicherste Ort, den er für die Menschen finden konnte und vielleicht auch ein Ort der  Entscheidung und die Freiheit für alle Völker, die im Land Gombar ihr Zuhause sahen. Immer mehr durchquerten die Schlucht. Einer der Krieger, die Tury  begleiteten trat an ihn heran und gab ihm eine Fackel, jetzt konnte er zu dem Eingang zurück kehren um zu schauen wie es im Inneren aussah.

Als er im Inneren war, sah er nur eine mächtige Halle, in der sich das Licht der Fackel verlor. Tury ging weiter in das Innere. Nach ungefähr fünfzig Schritten tauchte vor ihm eine Art Gebäude auf. Nur konnte er es mehr erahnen als sehen. Von Neugier getrieben setzte er einen Schritt vor den anderen. Gefolgt von seinen Kriegern, die jeder auch eine Fackel bei sich trugen, und so erhöhte sich das Licht und aus der Dunkelheit tauchten Gebäude auf . Wer hat hier in den Höhlen gelebt? Welches Volk hat das Tageslicht gegen ein Leben in Dunkelheit eingetauscht?. Viele Fragen, die wohl in den Ereignissen der Vergangenheit verloren gegangen sind. Eines war aber sicher, die Menschen waren hier in Sicherheit und die Treppe hier herauf konnte gut verteidigt werden, falls sie entdeckt wurde.
Tury ging weiter auf die Häuser zu und sah, dass sie aus dem Fels gehauen wurden. Auch Strassen und Seitenwege waren vorhanden. Welches Volk hatte hier wohl gelebt und wo sind sie geblieben? Tury ‘s Gedanken schweiften immer wieder ab. Irgendwo musste doch ein Hinweis sein, was hier passiert ist. “ Herr, die Bakaar sind da und stehen unten”. Tury wandte sich um und mit schnellen Schritten bewegte er sich nach draußen bis an den Rand der Plattform und schaute nach unten.” Kommt herauf! rief er, meine Krieger werden euch den Weg weisen!” Dann ging er wieder in die Höhlen, um die Bakaar dort zu erwarten. Langsam füllte sich die große Höhle, die inzwischen mit hunderten von Fackeln erhellt wurde. Tury und einige der Bakaar versuchten der Bevölkerung ihre Unterkünfte zu zuweisen. Ein schwieriges Unterfangen, wie Tury feststellen musste. Nach einiger Zeit gab Tury auf, er war ein Zwerg, der immer noch seine Schwierigkeiten mit den Menschen hatte, auch wenn er es zu verbergen versuchte. Er vertraute den Menschen nicht und außerdem waren andere Dinge wichtiger. Es musste eine Verteidigung aufgebaut werden. Fallgruben mussten gegraben werden, in denen angespitzte Pfähle aufgebaut wurden. Auch Wehrmauern mussten noch gebaut werden. Jeder, der nicht mit einer Aufgabe beauftragt war, musste sich an den Arbeiten beteiligen. Viele hundert Männer machten sich an die Arbeit, und wenn auch alles so aussah, als wäre es ein totales Chaos, sah man schon nach kurzer Zeit Anfänge einer Mauer oder Fallgruben. Wieder andere kletterten auf die Felsen um dort Steinlawinen zu errichten die bei einem Angriff auf die Feinde nieder gingen. Oben, am Rand der Schlucht schichteten Krieger Reisigbündel,  die dann brennend in die Schlucht geworfen würden, wenn viele Feinde sich unten in der Schlucht befanden. Tury schickte Kundschafter aus, sie sollten den Feind suchen und heraus finden in welcher Richtung sie sich bewegten und wie groß das feindliche Heer ist.

 

 Einige Wochen des Wartens zerrten an den Nerven Und Tury sowie viele seiner Hauptleute hatten Mühe, die Krieger und die Bakaar zu beruhigen. Die Stimmung war zum Zerreißen gespannt. Auch begannen die Menschen  durchzudrehen, sie waren das künstliche Licht und ein Leben ohne Sonne nicht gewöhnt und wollten nach draußen. Das ging aber nur bedingt und dann nur mit Wenigen, um so wenig Lärm wie möglich zu produzieren. Alles dauerte seine Zeit, was aber  für viele zu lang war. In ihnen wuchsen Wahnvorstellungen und sie sahen Dinge die nicht existierten.

 

 

 

 

Kapitel  67

 


                                                   Der Ruf des Schwertes  II

 


Abatai schaute Fagul nach und er ahnte wohl schon, dass es Fagul’s Kräfte überstieg, die Anstrengung war zu groß für ihn. Dann geschah das, was Abatai befürchtete:  Fagul brach inmitten der Kämpfer zusammen und gerade der, zu dem er gehen wollte, fing ihn auf,  zog ihn auf sein Pferd und brachte ihn an den Rand des immer breiter werdenden Weges.

” Ihr habt Glück, dass ich euren Begleiter noch rechtzeitig auf mein Pferd ziehen konnte, er wäre sonst von den Pferden nieder getrampelt worden. Niemand  wäre in der Lage gewesen, ihm auszuweichen. Passt ein wenig besser auf euren Begleiter auf!” Abatai wollte noch etwas Erwidern, doch da war der fremde Reiter schon wieder in der Masse der Krieger verschwunden. Faguls Wunden waren wieder aufgebrochen. Abatai sah seine blutverschmierte Kleidung. Dass mir das nicht schon früher aufgefallen ist, dachte Abatai.  Er hat es gut verbergen können, doch war es absehbar, dass er es nicht lange durchhalten konnte. Die nicht endende Flut der Kämpfer zog an den beiden vorbei und es kam nicht zu dem von Fagul befürchteten Kampf mit den Orks. Diese wurden einfach überrannt. Es war schon unheimlich, dieses Heer konnte wohl niemand aufhalten, solange sie dem Schwert ihres Herren folgten. Abatai kümmerte sich so gut er konnte um Fagul. Eine Trage musste her. Abatai wusste, wenn Fagul weiter auf seinem Pferd saß, würde ihn sein Volk nicht wiedersehen. Nach kurzem Nachdenken begann Abatai etwas zu bauen, auf das er den Herrn Fagul legen konnte und  an seinem Pferd befestigen konnte. So konnten sie einigermaßen dem Heer folgen. Trotz der Kämpfe mit den Orks weiter vorn, kam war immer noch zu Bewegungen bei den vorbeiziehenden Kämpfern.
Abatai versuchte mit dem Heer mitzuhalten, doch mehr und mehr entfernte er sich vom Heer Isenbrurt. Schon waren alle Kämpfer an ihnen vorbei und zu beiden Seiten sah er tote Orks liegen und abgeschlagene Gliedmaße. Abatai konnte mit dem Tempo der Kämpfer nicht mehr mithalten. Auch das Pferd musste geschont werden, damit es nicht zusammenbrach. Dann kam der Augenblick, da sie allein waren. Das Heer Isenbrurt zog erbarmungslos weiter.
Sie folgten dem Ruf des Schwertes .
“ Wo sind die Krieger, ich höre sie nicht mehr?” Fagul kam wieder zur Besinnung. Abatai antwortete ihm, dass alles in Ordnung sei, das Heer wäre nur sehr ruhig, denn der Kampf mit den Orks war sehr anstrengend und die Krieger erschöpft.  Fagul solle sich nicht sorgen.

 Abatai schaute zu ihm und sah, dass er wieder ohne Besinnung war. Immer öfter erwischte er sich, dass er zu beiden Seiten des Weges schaute und er verspürte eine Art der Furcht, die er nicht kannte. Er, Abatai, hatte Furcht wie jeder andere auch, denn das rettete ihm in so mancher Situation das Leben. Dadurch wurde er vorsichtiger in seinen Unternehmungen. Aber dieses Mal war es etwas anderes. Abatai war verantwortlich für einen hohen Herrn der Bakaar. Es war für ihn persönlich wichtig, dass der Herr Fagul am Leben blieb und er ihn in die Obhut seines Volkes übergeben konnte, und nicht zuletzt war es für seine Zukunft wichtig, denn er wollte unbedingt in diesem Land bleiben. Mit diesen Gedanken und die Sicherung zu allen Seiten ging er so schnell es dann ging hinter der Armee von Isenbrurt her, von der allerdings nur ein breiter Streifen niedergetretener Boden noch zusehen war. Es wurde Abatai bewusst, dass er nun allein war und  nicht hoffen brauchte, dass vielleicht doch einige der Krieger zurück kehrten, um ihnen Schutz zu leisten. Nichts war mehr zu hören, nur ein zaghaft beginnender Wind, der ein leises Pfeifen erzeugte. Abatai schaute nach oben und sah, dass sich der Himmel verdunkelte. Ein Unwetter zog herauf. Auch das noch, dachte er, nun wäre ein Unterschlupf gut, um das Wetter abzuwarten. Sollte er weitergehen oder vom Weg abweichen, um einen Ort zu finden, um dem Unwetter zu entgehen. Abatai entschied sich, in den Wald zu gehen, vielleicht hatte er einmal mehr das Glück, einen sicheren Platz zu finden. Weiter und weiter ging er in den Wald, auch der Himmel verdunkelte sich weiter, doch eine sichere Stelle war nirgends zusehen. Jetzt erst fiel es Abatai auf, dass dieser Wald aus großen mächtigen Bäumen bestand, die er in dieser Form noch nirgends gesehen hatte. Es begann leicht zu regnen, der dann stetig stärker wurde, nur etwas abgeschwächt durch den Bestand der Bäume. Doch das war nicht von langer Dauer, schon knackten die ersten Äste der Bäume. Armdicke Äste fielen zu Boden, die Situation wurde immer gefährlicher, Bäume gerieten bedenklich ins wanken. Doch das, was Abatai befürchtete, nämlich dass der Sturm die Bäume zu Fall bringen würde, geschah nicht. Abatai glaubte nicht, was geschah, die Bäume bewegten sich auf ihn zu, bildeten einen Kreis um ihn und Fagul und neigten ihre Baumkronen über die beiden als schützendes Dach. Auch viele Büsche aus der Nähe näherten sich den beiden, um schützende Wände zu bilden. Etwas magisches war in dem Wald.  

 

 

Kapitel 68

 

 

 

                                                 Der Bund des Widerstandes

 

 

 

Johann endete mit dem Bericht seiner Erlebnisse und blickte in ein staunendes Augenpaar. Schweigend sah er Johann an. Dann wurden sie durch Geräusche aufgeschreckt. Erst war es nur ein entferntes Geräusch, das aber schnell näher kam. Je lauter die Geräusche wurden, um so unwohler wurde es Johann und Dolgin. Was machten sie, wenn es Orks waren? Dann betrat der erste Fremde die Lichtung. Die beiden Freunde beobachteten erst einmal aus ihrem Versteck, wer noch alles auf der Lichtung erschien. Mit Erleichterung sahen sie, dass es sich nicht um Orks handelte. Es waren große, mit Rüstungen bekleidete Krieger. Die kleine Lichtung füllte sich. Johann und Dogin entschieden sich, ihr Versteck zu verlassen. Als man sie entdeckte, wurden sie sofort mit gezogenen Schwertern empfangen. Nur mit Mühe gelang es Dolgin sie zu überzeugen, dass sie keine Feinde seien und sie den gleichen Feind hatten. Und weitere Bewohner des Landes kamen. Laut wurde es und Dolgin schaute neugierig in die Richtung, aus der der Lärm kam.” Was für Wesen kommen da?” fragte Dolgin. Johann, der noch mit den fremden Kriegern sprach, wandte sich nach der Frage von Dolgin um und glaubte nicht, was er da sah. Zentauren, Johann hatte in seiner Kindheit in der Schule Bilder von diesen Lebewesen gesehen. Er erinnerte sich, dass es Wesen von Legenden und Sagen waren und nie ihre Existenz bewiesen werden konnte. Sie waren groß, halb Mensch, halb Pferd, bekleidet mit einem Harnisch aus blinkendem Metall, an ihrer Seite befanden sich mächtige Schwerter und lange Haare, die bis auf ihre Pferderücken reichten. Langsam und nach allen Seiten sichernd lösten sich zwei dieser Zentauren aus dem Pulk der anderen und schritten auf Dolgin und Johann zu. Drei Meter vor ihnen blieben sie stehen und machten mit ihren Oberkörpern einen leichte Verbeugung. Nun, als sie so nah vor Dolgin und Johann standen, stellten sich die wahren Größen der Zentauren dar. Die beiden Freunde mussten nach oben schauen, um den Fremden in das Gesicht schauen zu können. “Wir, die Zentauren grüßen Euch. Lang waren wir unterwegs, um eurem Ruf zu folgen.
Uns wurde berichtet, dass es den Einen gibt, der den Mut besitzt, gegen das Böse zu kämpfen”. Der Zentaur wurde abruppt in seiner Rede unterbrochen.” Was wollt ihr Klepper schon ausrichten gegen das Böse?” Ein Minotaurus stand plötzlich vor ihnen. Dieser maß ganz gewiss vier Meter in der Höhe, an seinem Kopf trug er zwei mächtige Hörner. Und mit  seinen Händen schwang er einen riesigen Kriegshammer hin und her.

 Es herrschte mit einem Mal eine bedrückende Stille. Es war offensichtlich, dass die Zentauren und die Minotauren nicht wirklich Freunde waren. Johann trat zwischen die beiden und versuchte, die Lage zu entspannen. Sie waren doch hierher gekommen, um einen Bund gegen einen mächtigen Feind zu gründen. Feindseligkeiten untereinander sollten doch erst einmal vergessen sein. Es dauerte noch einige Minuten, bis sich die beiden Parteien wortlos in jeweils der entgegen gesetzten Richtung entfernten. Dunkle Gedanken gingen Johann durch den Kopf. Konnte man sich auf diese beiden, die wohl die Anführer waren, wirklich verlassen? Die Zukunft wird es zeigen. Es war schon spät und langsam brach die Nacht über das Land herein, doch die Ankunft anderer Krieger brach nicht ab. Sie waren nun schon so viele ,dass man, so weit wie ein Mann sehen konnte, das Land nur noch aus Zelten und Lagerfeuer bestand und der Zustrom der Krieger brach immer noch nicht ab. Es waren so viele Namen, die Johann hörte, doch die meisten konnte er nicht aussprechen. Johann gab ihnen daher andere Namen, da waren welche mit spitzen Ohren, sie nannte er nun Spitzohren, die mit ihren gelb roten Bärten waren die Buntbärte. “ Herr Johann, hütet euch, diese Leute so zu nennen, es würde wohl

Euer Schade sein. Denn sie denken doch, dass ihr ihre Namen kennt und sie auch so ansprecht.” sagte Dolgin. Johann schaute Dolgin etwas ratlos an. “ Naja, ist schon gut, sagte Dolgin, wenn ihr aufpasst , vermeidet es, sie  mit euren erfundenen Namen  anzusprechen. Fragt einfach, wie sie genannt werden wollen.” Dolgin wandte sich um und ging. Johann wollte noch etwas erwidern, aber verwarf es sofort, er wusste, das Dolgin ihm nicht geantwortet hätte.” So ein sturer Kerl” sagte Johann leise.” Der Abendhimmel war hell erleuchtet von den vielen Feuern die da brannten.  Unbehagen befiel Johann, wenn der Feind jetzt angriff, waren sie wie auf einen Präsentierteller. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich und erstarrte in seiner Bewegung. “ Habt keine Furcht, ich stehe schon eine Weile hier und ich denke, Eure Gedanken zu kennen. Es sieht alles friedlich aus, Feuer brennen, hier und da ist Lachen zu hören, doch lasst Euch nicht täuschen. Überall um das Lager herum sind Wachen postiert.”
Johann wandte sich um und sah, dass sich ein Körper aus dem Dunkel löste. Es war einer dieser geheimnisvollen Pferdewesen.“ Wir haben uns schon einmal unterhalten bei unserer Ankunft. Nun ist es wohl an der Zeit, dass ich mich vorstelle. Ich werde Lim-a-sul genannt. Einige meines Volkes meinen, dass ich ihr König bin, nun ich denke, dass ich nicht die Würde eines Königs habe. Ich denke, ich bin ein Krieger, der wie alle aus meinem Volk, unter der Macht des Dunklen Magier gelitten hat. Weit reicht seine Macht und seine Schergen sind überall. Nun werde ich zu den Meinen gehen.” Lim-a-sul wandte sich um, ging ein paar Schritte, dann hielt er noch einmal inne. “ Bevor ich es vergesse, schaut, dass wir gut bewacht sind.” Lim-a-sul griff zu einer Seite seines Körpers und hatte mit einem Mal  ein Horn in der Hand. Nach einem tiefen Atemzug blies er hinein. Johann hörte einen Ton, der selbst die Äste der Tannen  erschütterte. Kurz danach sah Johann erste Lichter kurz aufblitzen, dann wurden es mehr und mehr, hunderte mussten es sein. Als sich Johann wieder zu Lim-a-sul wenden wollte, war der in der Dunkelheit verschwunden. Nach und nach verloschen die Lichter der Wachen und die Dunkelheit nahm wieder Besitz von der Umgebung. Johann lauschte in die Nacht, was er hörte, waren die Sprachen der vielfachen Völker. Nun war er für sich und allein. Er setzte sich ganz unbewusst auf einen umgestürzten Baum und dachte an all’ die Ereignisse, die er in diesem Land schon erlebt hatte. Niemals hätte er gedacht,  was er mit seinem Betreten des Waldes in Gang gesetzt hatte. Es waren immer noch große Zweifel in seinem Inneren. Wenn es zur großen Schlacht kommen würde, würde er der Bürde stand halten? Oder würde er versagen?  Immer öfters ertappte er sich mit dem Gedanken, einfach zu entfliehen und in seine Welt zurück zu kehren. Auf dem Hof seiner Eltern  ein “normales” Leben führen. Ohne all’ die fantastischen  Wesen um sich. Doch würde man ihm glauben, wenn er davon berichten würde? Keiner würde ihm glauben, man würde ihn für einen geistig umnachtet halten. “ Na, na, Herr Johann, was habt ihr denn für dunkle Gedanken.” Johann schreckte aus seinen Überlegungen hoch. Es war nichts zu sehen, hatte er sich das auch nur eingebildet, dass jemand zu ihm sprach? Dann jedoch nahm er vor sich ein leichtes Flimmern der Luft wahr und es erschien Dolgin wie aus dem Nichts.” Habt ihr Eure Zauberkraft zurück bekommen” fragte er den Waldgeist. “Wie ihr seht, geht es auch hier. Herr Johann, ihr solltet nicht so in euren Gedanken versinken. Alles wird sich so ereignen, wie es dem einzelnen  vorbestimmt ist. Ihr Menschen, wie sagt ihr, Schicksal? Ist es nicht alles schon geschrieben im großen Buch des Lebens? Kommt, gehen wir zu den Kriegern. Seht ,wie sie die erste Nacht ihrer Ankunft verbringen. Ihr werdet staunen, es wird gelacht, getrunken und alle sind guter Dinge. Denn niemand weiß, ob es einen nächsten Tag geben wird. Ab morgen hat sie dann wieder der Ernst des Lebens eingeholt. Es ist schon merkwürdig, in manchen Dingen sind sich alle Lebensformen auf dieser Welt gleich. Ob in dieser oder der Euren. Bevor man zu seinen Ahnen gerufen wird, ist jeder noch einmal eine Nacht lang fröhlich.” Johann schaute Dolgin nachdenklich an. “Gut, mein alter Freund, dann lasst uns gehen und ein wenig fröhlich sein.” “So gefallt ihr mir schon besser. Morgen seid ihr allen eine Rede schuldig, denn sie alle wollen ihren Oberbefehlshaber sehen und hören. Johann blieb wie vom Donner getroffen stehen. ”ICH??”  “ Es war Spaß, lasst Euch nicht von einem alten Waldgeist hinters Licht führen” ,erwiderte Dolgin. Wenn ihr wüsstet, was euch noch für Ehr’ erwiesen wird. Da hätte ich mich doch fast verraten, dachte Dolgin. Dann setzten die beiden ihren Weg zum Heerlager fort.

 

Kapitel 69

 

     
                            Die Festung in der Felswand

 


                                          

 

 

“ Der Feind kommt! Der Feind kommt!” Ein kleiner Junge lief schreiend in die Höhle. Tury,der sich gerade Gedanken machte, was dort hinten in der Dunkelheit der Höhle noch verborgen sei, erstarrte, wandte sich wortlos um und lief aus der Höhle zum Rand der Plattform. Als er dann aber hinunter schaute, fiel alle Anspannung schlagartig von ihm ab. Es war Narim, der mit den Kriegern aus dem weißen Land gegen die Orks gekämpft hatte. Tury war froh, dass Narim wieder da war. So laut er konnte rief er nach unten und wies Narim den Weg nach oben. Narim schaute in die ihm angezeigte Richtung und sah einen Krieger, der ihm zuwinkte. Dort angekommen führte er ihn zu der Treppe, die auf das Plateau führte. Doch immer öfter blieb Narim stehen, um sich die Wandzeichnungen anzuschauen “ Welch wundersame Bilder, wer waren diese , die solche Felsenzeichnungen hinterließen?” dachte Narim. Er ging langsam die Treppe hinauf und bewunderte immer noch diese Zeichnungen, die mit zunehmendem Tageslicht immer mehr dem Verfall preisgegeben waren. Dann endlich erreichte er das obere Plateau und er sah Tury, der schon ungeduldig auf seine Ankunft wartete. “ Es ist schön, Euch wieder zu sehen!”  “ Das sehe ich genauso, mein Herr Tury, doch die Dinge ändern sich immer rascher. Die Präsenz der Dunklen Herrschers ist immer mehr zu spüren. Wir haben die Orks zwar wieder bezwungen und in die Flucht geschlagen, aber diesmal war es doch auch ganz anders. Es war, als wäre “Er” mitten unter ihnen. Die Kraft ihrer Angriffe war so gewaltig, so hatte ich es noch nie empfunden. Wir liefen wie auf eine Mauer auf. Keinen Schritt wichen sie zurück. Wir...” Tury unterbrach Narim in seinem Bericht des Kampfes.

 “Herr Narim, verzeiht, aber ich benötige eure Hilfe, folgt mir bitte in die Höhle.” Narim schaute ihn verwundert an. Sonst war Tury immer begehrlich auf solche Geschichten. Nun, es muss etwas sein, das keinen Aufschub duldete. Narim folgte ihm in die Höhle und blieb mit großen Augen und offenem Mund stehen    -     so etwas hatte er nicht vermutet.” Was ist das! Eine Stadt in einer Höhle? Es ist unglaublich” Narim schaute Tury fragend an.” Wer hat das alles erschaffen ?”  “Ich weiß es nicht, antwortete Tury, aber ich bin froh, dass Ihr nun an meiner Seite seid. Seht, es gibt sogar Strassen und Seitenwege. Nur diese eine, sie ist breiter als die anderen und führt in einer geraden Linie in die Dunkelheit. Ich habe niemanden gefunden, der mit mir in die Dunkelheit gehen will. Aber wenn wir eine Bleibe haben wollen, müssen wir wissen, was dort hinten vor sich geht und wo dieser Weg hinführt. Ich möchte keine böse Überraschung erleben.” Narim schaute Tury an, wandte sich dann um und sah sich suchend in der Höhle um. Er sah einen Krieger mit einem Bogen und winkte ihm, er solle zu ihm kommen. “ Habt ihr einen starken Bogen, den ihr da bei euch führt?”, fragte Narim den Krieger und forderte die Waffe. Narim sah, dass er diesen Bogen noch weiter spannen konnte, um so eine größere Reichweite zu erlangen. Narim nahm nun einen Pfeil und setzte ihn in Brand. Diesen Pfeil schoss er nun in die Dunkelheit, um zu sehen, wie weit der Gang führte. Doch der Pfeil verschwand im Dunkel der Höhle. “ Hm, dann werden wir uns ein paar Fackeln nehmen und welche in Reserve und werden sehen, was dort hinten ist! Was ist Herr Tury, habt ihr Lust mich zu begleiten?” Dabei sah Narim ihn mit einem breiten Grinsen an. Tury kannte das und er würde Narim deswegen gern mal den Hals umdrehen. Er konnte die Hochnäsigkeit von Narim nicht ausstehen und doch war er ein Freund, auf den ein jeder sich bedingungslos verlassen konnte, der mit ihm unterwegs war. “ Was ist los, ist Euer Wissensdrang erloschen? Nehmt die Fackeln und dann geht es los!” Tury erschrak, war er wieder in Gedanken versunken und hatte es selbst nicht bemerkt? Es musste wohl an dieser Höhle liegen. Anders konnte Tury sich das nicht erklären. Sie zündeten beide je eine Fackel an und gingen in die Dunkelheit, die sie nach kurzer Zeit verschluckte. Tury sah noch einmal zurück, merkwürdig, dachte er, so weit sind wir doch noch nicht gegangen, ich müsste doch noch die Lichter der Menschen sehen können, doch es herrscht um uns nur absolute Finsternis. Dann sah er wieder nach vorn, doch wo war Narim? Er rief nach ihm, und erhielt gleich darauf Antwort. Tury tastete sich wie ein Blinder durch die Dunkelheit. Abermals rief er nach Narim und erhielt auch sofort wieder Antwort. Er kannte die Stimme seines Freundes, aber warum sah er ihn nicht? Soweit konnte er nicht von ihm sein. Plötzlich krachte er gegen Narim. Er hatte ihn nicht gesehen. “ Es ist nicht normal” sagte Narim. “ Ihr habt recht, etwas stimmt hier ganz und gar nicht”! “Es ist nicht normal, wiederholte Narim, dass ich immer auf Euch aufpassen muss, damit ihr Euch nicht verirrt” Tury sah wieder das Grinsen in Narims Gesicht. “Spaß beiseite, ich denke wir sollten uns an ein Seil oder ähnliches binden, damit wir uns in der Dunkelheit nicht verlieren. Irgend etwas verbirgt sich in dieser Dunkelheit und ich habe keine Lust einen guten Freund zu verlieren!” Jedes Zeitgefühl verloren gingen sie weiter. Schritt für Schritt. Einer hielt seine Fackel nach oben der Andere hielt sie nach unten, damit sie keine Spalte oder Abgründe übersahen. Langsam, sehr langsam kamen sie voran.” Da, Herr Narim seht!” flüsterte Tury. Und wirklich, ein Licht  -  klein und kaum zu sehen. Doch trotz der Entdeckung und Hoffnung wieder ins Licht zu gelangen,  war das Gebot, vorsichtig zu sein immer noch da. Näher kamen sie - und es war ihnen, als wären sie zu einem Ort gelangt, den sie kannten. Es war die große Höhle und davor das Plateau. Nur.... wo waren die Menschen und die Krieger aus dem weißen Land.  Sie sahen Wesen, die ihnen völlig unbekannt waren. Die beiden gingen weiter in die große Höhle und sie sahen die Häuser, dieselben, die von den Menschen bezogen wurden. Noch eines war merkwürdig, sie standen nun frei in der Höhle und um sie herum herrschte reges Treiben, aber sie wurden nicht bemerkt, als ob sie überhaupt nicht da waren. Was geschah hier? Sie waren an dem selben Ort wie vor ihrem Aufbruch in die Dunkelheit und doch war alles ganz anders. Waren sie in der Zeit gereist, als sie sich durch die Dunkelheit tasteten? Tury versuchte, einen der Bewohner zu erschrecken, doch der reagierte nicht auf Turys schnelle Attacken. Es war so als würden sie nicht existieren.
Unbehagen befiehl sie, Unbehagen vor dem, was noch auf sie zukam.
  “ Ich verstehe es nicht, Herr Tury, wie kommen wir hier her. Wir sind von diesem Ort in das Dunkel gegangen und dann immer gerade aus. Wie kann das sein?” “ Das kann ich euch nicht beantworten, vielleicht sind wir im Kreis gelaufen bei der Dunkelheit und wir haben es nicht bemerkt.” Aber wo kommen dann die Leute her, sie habe ich noch nie gesehen ,und wo sind die Krieger und die Bakaar?” Kommt Herr Narim schauen wir uns um.” Also gingen sie los. Es war alles noch genau so da wie sie es verlassen hatten, nur schien alles neuer und aufgeräumter zu sein.” Ich glaube, dass wir durch ein Zeittor gegangen sind, anders kann ich es mir nicht erklären.” sagte Narim. Tury schaute ihn etwas ungläubig an.” Na, wir beide haben in der letzten Zeit schon viel erlebt, aber ich glaube, Eure Fantasie geht jetzt doch ein bisschen mit euch durch.”

 

Plötzlich stand ein Mann direkt vor ihnen, schaute sie von oben bis unten an und sagte oder fragte etwas. Tury stieß Narim etwas an, so dass er zur Seite schaute und sah, dass sich Tury an sein Ohr griff. Narin schaute ihn fragend an, doch dann begriff er. Er sollte dem Fremden deuten, dass sie taub waren und ihn deshalb nicht verstehen konnten. Der Fremde wiederholte seine Worte noch einmal. Doch als Antwort erhielt  er nur Zeichen, die ihm deuten sollte, dass sie taub sind. Darauf hin ging der Fremde weiter, schaute sich aber beim Weitergehen noch zwei, dreimal nach den beiden Freunden um. “Ich glaube Herr Narim, wir sollten uns von hier entfernen. Denn schaut, wir sind ganz anders gekleidet und fallen auf. Diesmal ist es noch mal gut gegangen. Wir sollten unser Glück nicht herausfordern.” Sie versuchten, in eine der Seitenstraßen der Höhlenstadt zu kommen, in der Hoffnung, dass es da ruhiger ist und auch die Bewohner nicht so zahlreich sind, wie auf dem Hauptplatz. “ Sagt mal, als wir durch die Höhle gingen, sah uns niemand und keiner reagierte auf unsere Bewegungen. Nur dieser eine, der uns ansprach, schien uns bemerkt zu haben. War er vielleicht ein Wanderer durch die Zeit, so wie wir?” Narim sah ihn ratlos an. Eine vernünftige Erklärung konnte er aber auch nicht geben. Zwischen den Häusern war es ruhiger ab und zu begegneten sie einen Bewohner den sie freundlich zunickten.

 Plötzlich aber kam Unruhe auf, überall aus den Häusern stürmten Bewaffnete hinaus und liefen auf den Hauptplatz der Stadt. Tury und Narim folgten den Bewohnern. Es hatte ihre Neugier geweckt. Je näher sie dem Platz kamen und damit auch dem Eingang zu der Höhle desto lauter wurde der Lärm. Noch um eine Hausecke und sie sahen den Grund des Lärms. Fremde Truppen, schwer bewaffnet drangen sie in die Stadt in der Höhle ein und töteten wahllos die Bevölkerung. Verzweifelt verteidigten sich die Einwohner, doch die Übermacht war zu groß. Tury und Narim beschlossen im Verborgenen zu bleiben und zu beobachten. Dann sahen sie den, der für alles verantwortlich war. Der dunkle Magier, schwarz gekleidet auf einem Drachen reitend, landete er auf dem Plateau. Er schritt in die Höhle, gefolgt von dem Drachen, dessen Augen im tiefen Rot leuchteten . In dem Augenblick als der, dessen Name nicht genannt werden darf , die Höhle betrat, fiel der letzte Bewohner der Stadt durch einen Schwertstreich, der ihm die Brust spaltete.

 Plötzlich verschwamm alles vor den Augen der Freunde und sie befanden sich im nächsten Augenblick wieder in der Höhle, in der auch die Krieger aus dem weißen Land und die Bakaar sich befanden. Nun wussten sie, wer die Bewohner waren und was aus ihnen wurde. Tury rief alle Anführer der Krieger und die Verantwortlichen der Bakaar zusammen und berichtete von dem, was sie gesehen hatten. Als sie endeten sahen sie in ratlose und verwunderte Augen. Tury hatte das Gefühl, als würde man ihm die Geschehnisse nicht glauben. 

 

Kapitel  70

 


                                                         Magie  II

 


Der Sturm wütete, Bäume knickten wie morsches Holz. Mehr und mehr Büsche und Bäume kamen zu Abatai und Fagul. Abatai konnte es nicht glauben, was er da sah, wie konnte es sein, dass Bäume, die eigentlich fest verwurzelt in der Erde standen und nicht in der Lage ihren Standort zu wechseln,  zu ihnen kamen, um ihnen Schutz zu bieten. Abatai sah, dass sich die Wunden von Fagul entzündet hatten. Er machte sich große Sorgen um seinen Kampfgefährten. Schweiß stand auf Faguls Stirn, in der kurzen Zeit hatte er Fieber bekommen und Schüttelfrost. Wenn er jetzt nicht Hilfe bekam .... Abatai horchte in den Wald. Der Sturm, der sich unaufhaltsam näherte, hatte seine Richtung geändert. Es wurde  still im Wald, nichts war mehr zu  hören. Etwas ging hier vor sich. Plötzlich teilten sich die Sträucher und ein Wesen in einer hellen blauen Aura stand ihm gegenüber. Von diesem Wesen ging etwas Beruhigendes aus. Ein Gefühl von Geborgenheit und Glück durchflutete Abatais Körper und Geist und er hörte, dass jemand zu ihm sprach. Er wandte sich nach allen Seiten, doch außer dem Wesen konnte Abatai niemanden entdecken. “Seid ohne Furcht, Euch droht  nun keine Gefahr mehr.” Langsam ging dieses Wesen auf Abatai zu und ihm gleichen Moment wich Abatai zurück. Nun stand das Wesen vor dem vom Fieber geschüttelten Fagul und es geschah etwas, dass Abatai sein ganzes Leben nicht vergessen würde. Das Wesen schaute auf Fagul hinunter und senkte mit einem Mal seinen Kopf. Kurz darauf entwickelte sich an der Spitze seines Horn, das sich auf dem Kopf des Wesens befand, eine helle blaue Wolke, die sich dann auf Fagul senkte, und es sah aus, als ob sie in ihm verschwand. Das Wesen wandte sich um und ging erneut auf Abatai zu. Doch dieses Mal blieb er stehen und beide sahen sich in die Augen.” Wenn der Tag anbricht, wird euer Freund mit euch gehen. Eilt euch, denn es naht der Tag der Entscheidung . Eure Freunde in der Ferne warten auf Euer kommen.” Dann stieg das Wesen auf und Abatai hörte ein Wiehern  -   so laut, dass es sogar die mächtigen Bäume erschütterte.   ” War dieses Wesen also doch ein Pferd?” dachte Abatai. Es blieb ruhig in dieser Nacht, das Unwetter hatte sich gelegt und erst jetzt bemerkte Abatai, dass es nicht kalt war, obwohl das Unwetter auch den Regen mit sich brachte, waren sie trocken geblieben und die Luft war von Wärme erfüllt. Die Bäume und Büsche mit ihrem Blattwerk standen immer noch beharrlich um Fagul und ihm herum. Es war wie ein schützender Wall, den niemand zu durchdringen vermag. Die Nacht verlief friedlich und nach Stunden der Dunkelheit blitzten die ersten Sonnenstrahlen durch die Wipfel der Bäume. Und Abatai erwachte nach einem tiefen Schlaf. War alles nur ein Traum? Wo waren die Bäume, die sich schützend über sie gebeugt hatten, wo die Büsche, die sie mit einer sicheren Wand umgaben? Alle waren fort an ihrem angestammten Platz. Hatte er das alles nur geträumt ? Dann fiel ihm die Begegnung mit diesem seltsamen Tier ein und sofort schaute er nach Fagul. Doch der schlief noch tief. Abatai schaute nach den entzündeten Wunden. Doch wo waren sie.....er konnte keine Verletzung mehr entdecken. War es ein Wunder der Natur oder doch diese magischen Wesen. Abatai erinnerte sich an die alten Geschichten, die er in seiner Kindheit hörte. Sie erzählten von einer Oase tief in der Wüste, die seit Menschengedenken niemand mehr betreten hatte. Denn immer wieder verschwanden Beduinen und andere Bewohner der Wüste in ihr und kehrten niemals zurück, wie auch er, als er lieber die Flucht ergriff, als im Kerker des Sultans zu enden. Abatai versank für einen kurzen Augenblick in seiner Vergangenheit. Er war bestimmt kein Kind von Traurigkeit und hinter jedem Rock her, dem er begegnete. Doch dann machte er einen folgenschweren Fehler.
“Herr Abatai, wo sind wir?” Abatai kehrte aus seinen Gedanken zurück voller Freude zu sehen, dass es dem Herr Fagul besser ging. “Wo sind die Krieger? Warum sind wir zurück geblieben?”
“ Sie sind weiter gezogen. Der Ruf des Schwertes war zu mächtig. Aber wenn ihr Euch erholt habt, werden wir ihnen folgen. Eure Wunden hatten sich erneut entzündet und Ihr fielt  in eine tiefe Ohnmacht, Schüttelfrost und Fieber hatten Euch befallen, dazu zog ein Unwetter auf und zwang mich  Schutz zu suchen, den aber fand ich nur in diesem Wald. Er ist voller Magie, Abatai sprach voller Erfurcht und leise weiter, als hätte er Angst, dass es von einem gehört wurde, der es nicht erfahren durfte. Als das Unwetter tobte und immer näher zu kommen schien, kamen plötzlich die Bäume auf uns zu, umringten uns und sorgten so für unseren Schutz, auch die anderen Pflanzen der Umgebung taten ihres dazu. Bis auf einmal das Unwetter zu verebben schien oder seine Richtung änderte. Ein seltsames Tier trat zu uns, dem sogar die Bäume, die uns schützten, Durchlass gewährten. Dann geschah etwas, das ich nie in meinem Leben sah, ein Horn hatte es auf seinem  Kopf und mit diesem berührte er Eure Wunden. Doch als dieses wunderliche Tier es tat, glühte sein Horn in einem unbeschreiblichen blauen Licht und Eure Wunden begannen zu heilen.” Fagul hört aufmerksam zu, zu gern hätte er das Einhorn mit eigenen Augen gesehen. Ihm waren viele fantastische Geschichten über diese Tiere zu Ohren gekommen und immer war auch eine bisschen Fantasie dabei -  so glaubte er. Doch selbst einmal von einem solch edlen Tier geheilt zu werden, hatte er nie für möglich gehalten. War er denn wirklich so wichtig, dass ihm diese Magie zu teil wurde? “Herr Fagul ich denke, dass wir heute noch an diesem Ort bleiben. Schlaft noch ein wenig und kommt wieder zu Kräften. Morgen vielleicht werden wir den Kriegern des Schwertes folgen.”

 Fagul nickte leicht und kurz danach fiel er in einen erholsamen Schlaf. Abatai blieb noch eine Weile an seinem Lager, dann aber wollte er die Umgebung erkunden, sehen wo sie sich befanden, wohin sie gehen mussten morgen in der Frühe. Vorsichtig und so leise er konnte erhob er sich und lief in Richtung des Waldrandes. Alles schien so zu sein wie am Tag zuvor, kein Baum des Waldes war dem Unwetter zum Opfer gefallen. Doch dann, als er den Wald verlassen hatte, sah Abatai einen Ort der Verwüstung, nichts war so, wie es einst gewesen war, alles hatte der Sturm zerstört. Vor ihm lag eine Ebene, die weder Baum noch Strauch besaß. Selbst das Gras, das dicht am Boden wuchs war von dem Sturm herausgerissen. Abatai suchte, ob er noch Spuren finden konnte von dem Heer, doch alles war verschwunden.

 

Kapitel 71

 


                                                     Ein ereignisvoller Morgen

 

 

 

Es kehrte Ruhe ein im Lager der vielen Nationen. Nun war die Zeit des Schlafes gekommen. Nach kurzer Zeit vernahm man überall das ruhige Atmen der Männer. Stunden vergingen und ein leichtes zaghaftes Leuchten kroch über den Horizont. In diesem Land wurde es schnell hell. Hier und da regten sich die ersten Männer, ihren Gesichtern sah man es nicht an, dass sie bis spät in die Nacht dem Met fronten. Frisch und erholt setzten sie sich zu ersten Frühstück. Für einige war es vielleicht der letzte Morgen in ihrem Leben, doch an solche Gedanken verschwendeten die Männer nicht ihre gute Laune. Manch Augenpaar schaute bisweilen zu dem Zelt, in dem ihr Heerführer ruhen sollte. Niemand wusste, wer er war, geschweige denn, ihn zuvor zu Gesicht bekommen zu haben. Dann regte sich etwas. Der Zelteingang teilte sich, jemand rief etwas in die Menge der Krieger. Doch es waren so viele, dass nicht jeder in der Lage war, es zu verstehen. Ein Raunen ging durch die Reihen. Als sie den Umriss eines Mannes sahen, der aus dem Zelt zu kommen schien, gingen sie wie auf ein geheimes Kommando auf die Knie, um ihrem Heerführer die Ehre zu erweisen. Dolgin trat aus dem Zelt, und als er die vielen tausend Krieger sah, die sich vor ihm verbeugten, machte er hektische Bewegungen. Er deutete ihnen an, dass sie sich erheben sollten, er war es nicht, den sie erwarteten. Dolgin holte tief Luft, um laut und deutlich zu sprechen, so das möglichst viele hörten, was er zu sagen hatte. In seinem Inneren hasste Dolgin einen solchen Lärm. Er sprach lieber in einem gedämpften Ton, doch der momentane Augenblick ließ ihm keinerlei Wahl. Dolgin reckte beide Arme in die Höhe, um den Kriegern zu deuten, dass sie zur Ruhe kommen sollten und hörten, was er zu sagen hatte.
“ Ich danke euch für eure freundliche Begrüßung, doch so höret, ich bin nicht der, den ihr erwartet. Euer Heerführer ist Johann der Tapfere, Johann der Drachentöter und Freund der Bakaar.” Johann, der sich in diesem Moment noch schlaftrunken in seine Sachen zwängte, erstarrte ihn diesem Augenblick. Er glaubte nicht, was er da hörte. War Dolgin denn ganz und gar verrückt geworden? Welcher Teufel hatte ihn geritten, so etwas zu sagen. Johann stand in seinem Zelt und wusste nicht so recht, was er nun machen sollte. Dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen und trat aus dem Zelt. Als einer der ersten verbeugte sich Dolgin vor ihm.” Nicht doch, alter Freund, was macht ihr da?” sagte Johann. “Ich erweise meinem Heerführer die Ehre.” sagte Dolgin. “Aber warum verbeugt ihr euch dann vor mir?” Immer noch in der Verbeugung flüsterte er Johann zu”: Ihr seid der Heerführer, schaut euch um”.  Johann wandte seinen Blick von Dolgin ab und sah, dass die gesamten Krieger der anwesenden Völker sich auf ihren Knien befanden.” ICH?” sagte Johann kleinlaut. “Ja, ihr und sie erwarten von euch ein paar Worte. Johann war bei dem Gedanken, vor so vielen zu sprechen, gar nicht gut.” Was erwarten sie von mir zu hören?” “Deutet ihnen erst einmal sich zu erheben” Das tat Johann dann auch sogleich. Ein kurzes Rauschen von den sich erhebenden Kriegern erfüllte die Luft und sofort kehrte Ruhe in den Reihen ein. Ein jeder schaute erwartungsvoll auf Johann und was er zu sagen hatte.
“ Ich freue mich, dass ihr dem Ruf der Freiheit gefolgt seid. Es ist die Zeit gekommen, den Tyrannen zu vertreiben, auf das wieder Frieden in unseren Städten und Dörfern einkehren kann. Schon zu lang haben wir seinen Zorn und Unbill ertragen müssen. Wenn auch der Feind immer mächtiger wird, werden wir ihm nicht weichen und wenn es unser letztes Aufbegehren ist. Ich sehe, dass immer noch Völker zu uns stoßen und heiße sie willkommen. Nicht jeder wird den Sieg über den dunklen Magier erleben, viele werden zu ihren Göttern aufsteigen........ “ Die Worte sprudelten nur so aus Johann heraus. Selbst Dolgin zog er mit seinen Worten in den Bann. Bei jeder kleinen Pause seiner Rede jubelten ihm die schon unzählig gewordenen Krieger zu. Es waren schon dermaßen viele, dass sie bis an den Horizont reichten. Und es waren wirklich die seltsamsten Völker dieses Landes vertreten. Große und kleine Menschen. Wesen mit vier Armen und drei Augen. Welche hatten zwei Gesichter, eins vorn und das andere auf der Rückseite ihres Kopfes. Wieder andere hatte Panzerschuppen an ihrem Körper und lange scharfe Krallen als Finger. Ein Volk fiel besonders auf, es konnte sich unsichtbar machen und so noch viele andere mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Als Johann mit seiner Rede schloss bekam er Beifall und Jubelrufe. Er hatte es geschafft, alle auf die bevorstehende Schlacht eingestimmt zu haben. Dolgin war stolz auf seinen Schützling. Johann dachte an Abatai und wo er sich wohl jetzt befand? Eigentlich hätte er schon mit dem Heer hier sein müssen, da hörte er ein Horn, das einer der Wachen blies. In der Ferne sah er eine große Staubwolke, die sich schnell näherte. Es war das Heer des Dongart, ein Heer der lebenden Toten. Anders konnte er es Dolgin nicht erklären. Ob auch der Herr Abatai dabei war, konnte er auf dieser Entfernung nicht erkennen. Aber das Heer, das da kam, war eine unschätzbare Verstärkung. Denn das, was Johann den Kriegern verschwiegen hatte war,  dass drei Orks oder Kobolde auf einen der seinen kam. Johann hoffte auf noch mehr Krieger und die Adler. Ob diese aber kamen, konnte keiner sagen. Niemand hatte etwas von ihnen gehört.

 

 

Die Ebene, die vor dem Ankommen der Krieger unendlich schien, füllte sich jetzt noch mit dem Herr des Dongart, die wieder in der Nähe ihres geheimnisvollen Schwertes waren. Johann wandte sich an Dolgin “ Herr Dolgin, was meint ihr, sollen wir noch eine Weile hier verweilen oder meint ihr, wir sollten morgen aufbrechen?” Dolgin schaute ihn verwundert an. “ Das fragt ihr mich? Ihr seid der Heerführer und ihr müsst entscheiden. Ich kann und will euch die Entscheidungen nicht abnehmen. Ihr seid der, auf den sie alle seit Jahrhunderten gewartet haben. Enttäuscht sie nicht.” Johann sah ihn fragend an, dann wandte er sich wortlos um und verschwand in der Menge der Krieger. Dolgin fühlte sich etwas unwohl, was seinen Schützling anging. Wo wollte er hin? Um zu wissen, wohin er dieses mächtige Heer bringen muss, sollte er Kundschafter aussenden. Und das in alle Richtungen. Es herrschte eine Ruhe im Lager, die beängstigend war. Niemand schien der Gefahr, in die sie begaben bewusst zu sein. Der Tag verging und langsam kroch die Nacht über den Horizont. Es trafen im Laufe des Tages noch viele Krieger von Völkern ein, von denen Dolgin nicht einmal wusste, dass es sie gab. Johann hatte er seit seiner Rede am Morgen des Tages nicht mehr gesehen, auch in seinem Zelt, das er sporadisch am Tag immer wieder aufsuchte, war er nie anzutreffen. Dolgin fing an, sich Sorgen um Johann zu machen. Dann machte Dolgin sich erneut auf, durch das Lager zu gehen und zu schauen, ob er Johann nun finden würde.


Oben auf dem höchsten Hügel, der die Ebene umgab, saß Johann und schaute in Gedanken versunken auf das mächtige Heerlager hinunter. Zu seiner Rechten und Linken befanden sich in Rufweite Wachposten. Dies war für ihn ein beruhigendes Gefühl, nicht ganz allein zu sein. ER musste eine Entscheidung treffen, was am nächsten Tag zu tun wäre. Dann plötzlich zuckte Johann zusammen! Ein Schrei gellte durch die Dämmerung  -  laut und furchterregend. Doch Johann wusste sofort, das war der Schrei eines Drachen. Johann zog sein Schwert und sah, dass die Klinge sich in ein tiefes Rot färbte. Diesen Schrei hatte er schon einmal gehört, damals als er in dieses Land kam, als er Dolgin das erste Mal traf. Nun wusste der dunkle Magier, wo sich die Streitmacht befand.

 

So schnell es ihm möglich war, suchte er Deckung. Johann wollte es vermeiden, dass der Drache ihn sah. Obwohl er ahnte, dass der  Drache die Gegenwart des Schwertes spürte. Dass er Recht mit seiner Ahnung hatte, sah Johann als er bemerkte, das Ghor  über dem Lager kreiste. Immer tiefer flog er über dem Lager und sorgte für Aufruhr unter den Kriegern. Im letzten Tageslicht sah Johann hektische Bewegungen im Heerlager. Sie versuchten auf den Drachen zu schießen. Doch ihre Pfeile erreichten nicht einmal seine Nähe, im Gegenteil,als diese zur Erde zurück kehrten, trafen sie viele Krieger, die im dichten Gedränge standen und den Drachen beobachteten. Einige sanken tödlich getroffen zu Boden, andere wurden verletzt . Noch einmal gellte der Schrei des Drachen durch die Dämmerung, dann verschwand er am Horizont. Johann, der immer noch das Schwert in der Hand hielt, sah, dass das Rot verblasste. Eine Entscheidung, was am nächsten Morgen zu tun war, ließ sich nun nicht mehr aufschieben. Es musste etwas geschehen, und zwar sofort. Johann lief den Hügel herunter. Die ersten Krieger denen er begegnete, befahl er die Hauptmänner zu ihm zu schicken. Doch diese sahen ihn an und nickten freundlich. Daran hatte Johann nicht gedacht. Es waren so viele verschiedene Völker zusammen gekommen und ein jedes hatte seine eigene Sprache. Nur wenige beherrschten die Sprache anderer. Dolgin musste her! Nur wo war er, ihn zu suchen war ein hoffnungsloses Unterfangen. Und er hatte noch ein Problem, wo war sein Zelt? Bei Tageslicht wäre das wohl nicht so schwer, aber es war fast Dunkel und eines sah wie alle andern aus. Johann blieb stehen, atmete einmal tief durch und dachte nach. “ In welcher Richtung willst du nun gehen? Überleg genau, vielleicht gibt es irgendwo einen Anhaltspunkt?” sagte er zu sich selbst. “ Hat mein Feldherr sich vielleicht verlaufen?”, hörte Johann eine Stimme hinter sich. Er wirbelte herum und sah..... Dolgin. “ Herr Dolgin, nichts erfreut mich heute mehr, als euch jetzt zu sehen. Wir müssen aufbrechen… Jetzt! Ihr habt ihn doch auch gesehen ! Den Drachen! Er wird den dunklen Magier sagen, wo wir zu finden sind.” Herr Johann, so schnell wie ihr es möchtet, wird es nicht gehen, schaut, es sind so viele Krieger in dieser Ebene. Sie können nicht so plötzlich von hier verschwinden und sie werden es auch nicht wollen. Der Drache wird ihm berichten, wie viel Krieger sich hier befinden, und so schnell wird der Feind auch nicht hier sein, seid unbesorgt, diese Nacht wird nichts  passieren!”   “ Herr Dolgin, ich habe meine Zweifel, dass ich der Richtige bin. Ich denke, ihr alle habt euch geirrt. Nicht ich bin der Auserwählte, von dem eure Legende erzählt. So lange höre ich euch davon erzählen, aber ich kenne nicht einen Satz aus der Legende. Ihr sagtet doch sie wäre niedergeschrieben. Könnt ihr sie mir bringen, dann werdet ihr sehen, dass ihr euch alle geirrt habt!” Dolgin strich sich Gedanken verloren über seine langen Bart.  “ Sicherlich habe ich euch gesagt, dass es geschrieben steht. Doch alles was auf Erden geschieht, steht geschrieben im großen Buch der Götter. Die Menschen aber haben es von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Ich werde euch darüber berichten, wenn ihr es wollt, dann werdet ihr begreifen, dass ihr es seid und niemand anders. Wollt ihr das?”
Johann nickte und Dolgin bat ihn sich zu setzen. Dann begann er, zu erzählen.......... .

 

 

 

Kapitel 72

 


                                                             Nach dem Unwetter

 

 

 

Das war kein Sturm, den die Natur hervorbringt, die Zerstörung war viel zu groß. Jemand möchte verhindern, dass wir die Unseren finden, aus welchem Grund auch immer. Abatai musste sich entscheiden, welchen Weg er einschlagen sollte. Er entschied sich für den Weg über offenes Gelände, das war zwar ein riskanter Weg, aber  etwas sagte ihm, dass Fagul und er diesen Weg nehmen sollten. Abatai kehrte zu Fagul zurück, um ihn zu wecken. Vorsichtig rüttelte er an ihm.” Herr Fagul, wacht auf, wir müssen uns auf den Weg machen. Euer Volk ruft nach Euch.” In Fagul’s Körper kehrte langsam das Leben zurück. Er hatte sehr tief und fest geschlafen. Verwundert schaute er Abatai an. Es brauchte eine Weile, bis auch die Erinnerung zurück kehrte. Herr Abatai, was ist geschehen?”  “ Den Göttern sei Dank, Ihr wisst noch, wer ich bin. Steht auf und nehmt Euer Frühstück zu euch. Ich habe es für Euch zubereitet. Ihr müsst etwas essen, damit ihr Eure Stärke wieder erlangt”. Langsam und mit bedacht erhob sich Fagul. Abatai sah mit Schrecken, dass es dem liegenden Fagul besser ging als dem sitzenden. Die Zeit des Frühstücks zog sich endlos dahin. Er hatte den Eindruck, dass Fagul sich bei jedem Bissen überwinden musste zu Kauen und die Speisen zu schlucken. “ So wird das nichts, dachte Abatai, so kommen wir keinen Schritt  weiter. Was soll nun geschehen? “ Abatai sah, dass es ein Luftschloss war, das er gebaut hatte und dieses zerplatzte, wenn auch sehr leise. Abatai war sich bewusst, dass er und der Herr Fagul wohl für eine lange Zeit an diesem Ort fest saßen. Nun saß er da und wusste sich keinen Rat mehr. Mit einem fast versteinerten Blick starrte Abatai in die baumlose leere Ebene und übersah beinahe einen dunklen Punkt dicht über dem Horizont. Er kniff seine Augen zusammen um diesen merkwürdigen Punkt in der Ferne nicht zu verlieren. Zu seinem Erstaunen kam dieser Punkt genau auf ihn zu und wurde zunehmend größer. Dank seiner Sehkraft meinte er einen Vogel zu erkennen. “ Den haben uns die Götter geschickt, damit wir nicht hungern müssen, sagte er leise und zog sein Schwert sowie den Dolch an seinem Gürtel. Schnell kam der Vogel näher und in der Größe nahm der Vogel beträchtlich zu. Kurz bevor dieser zur Landung ansetzte, verdunkelte er mit seinen Flügeln die Sonne. Nun sah Abatai, wen oder was er da vor sich hatte. Es war ein riesiger Adler, hoch wie ein Baum mit Krallen, die so kräftig waren, dass drei Mann, die sich übereinander stellten nicht in der Lage waren, auf die Klauen des Adlers zu klettern. Abatai wich zurück, zurück in das Stück Wald, das dank der Einhörner noch intakt war. “ Wenn ihr Abatai seid, dann tretet heraus aus dem Unterholz. Habt keine Furcht, ich wurde geschickt, Euch zu suchen und zu einem zu bringen, dessen Name Johann ist. Ist euer Begleiter ein Herr namens Fagul?” Abatai traute seinen Ohren nicht, hatte der Adler eben gesprochen? Langsam und mit Bedacht verlies er das Waldstück. Abatai war sprachlos, einen so großen Vogel hatte er noch nie gesehen. “Wer, wer seid Ihr?” Stotterte er sich zusammen. “ Und wieso kann ich Eure Sprache verstehen?” “Ihr werdet alles später erfahren, nun  aber müssen wir uns auf den Weg machen. Eure Anwesenheit ist von Nöten.!” Gerade als der Adler die Zwei mit seinem Fang auf den Rücken heben wollte, zuckte er zurück.” Es nähern sich Reiter, versteckt euch wieder in dem Gezweig und bleibt dort.” Der Adler stieß sich ab und wie ein Pfeil flog er in die Wolken, die sich am Himmel bildeten. Was sollte das jetzt, erst sollten wir mit und  dann macht er sich davon, dachte Abatai. Doch dann hörte er leise Geräusche von sich schnell nähernden Pferden. Längst waren Abatai und Fagul in ihrem Versteck. Kälter wurde es und der Himmel verdunkelte sich. Sieben schwarz gekleidete Reiter erschienen und ihre Kaputzen waren tief in ihre Gesichter gezogen. Es sah aus, als ob sie keine Gesichter besaßen. Wild stoben ihre Pferde durch einander. Sie suchten etwas, hoben ihre gesichtslosen Köpfe in die Höhe als ob sie die Gegend erriechen wollten. Sie redeten leise und in einer ihnen unbekannten Sprache. Mit einem Mal waren sie verschwunden, der Spuk hatte ein Ende. Es wurde wärmer und der dunkle Himmel löste sich auf. Dann kehrte der Adler zurück. “ Schön, das Ihr uns in der Gefahr zur Seite  standet !” “ Ihr werdet es verstehen, wenn wir bei dem Herrn Johann sind, werde ich euch berichten, wer diese Wesen sind.” Missmutig über diese Aussage half er Fagul, auf den Adler zu klettern. Es war nicht einfach, da Fagul’s körperliche Verfassung noch immer zu wünschen übrig ließ. Dann folgte ihm Abatai. Der Adler gab ihnen zu verstehen das sie sich gut festhalten sollten. Dann stieß er sich kraftvoll ab und sie verschwanden zwischen den Wolken.

 

 

Kapitel 73

 

 


                                                  Ein alter Freund kehrt zurück

 

 

 

Gebannt hörte Johann das, was ihm Dolgin erzählte. Stunden vergingen unbemerkt, voller Spannung hörte er Dolgin’s Erzählung. Johann bemerkte nicht, dass der Morgen bereits graute, und dass die ersten Krieger sich von ihren Schlafstätten erhoben. Dolgin erzählte noch immer aus den uralten Chroniken. Plötzlich hielt er inne, mitten im Satz verstummte er. “ Hört ! Es nähert sich jemand dem Lager.” Johann lauschte angestrengt, aber an sein Ohr drangen nur die Geräusche, die im Heerlager entstanden. “ Nein, Herr Dolgin, ich höre nichts, Ihr habt euch bestimmt geirrt.”   “ Was redet ihr! Ich höre sehr gut. Da!! Es nähert sich!” Johann lauschte erneut, doch hören konnte er auch diesmal nichts. Er sah Dolgin an und schüttelte leicht den Kopf. “ Wenn sich auch jemand dem Lager nähern würde, an den Wachen kommt er nicht vorbei.”
“ Das ist wohl wahr, Herr Johann, antwortete ihm Dolgin, wenn dieser jemand auf der Erde gehen würde. Aber dieser Unbekannte nähert sich aus der Luft!”  Wollt ihr mir sagen, ihr könnt es hören, wenn sich Gefahr aus der Luft näherte?” “JA “ antwortete Dolgin knapp. Johann glaubte ihm kein Wort. Der Alte wollte sich über ihn lustig machen. Warum alarmierte er nicht das Lager? Waren dann nicht alle in Gefahr? Ungläubig sah er Dolgin an und sah, dass ein Lächeln über sein Gesicht flog. “ Ich kenne ihn, der da kommt, es ist ein guter alter Freund . Gleich werdet ihr ihn sehen. Immer lauter wurden die Geräusche am Himmel. Im Lager verstummten die Menschen und schauten in den Himmel.

 

Dann erblicken sie etwas, das selbst Dolgin nicht erwartet hätte. Es war Hagar, der König der Adler. Aber seine Größe war atemberaubend. Als der Adler auf dem Boden aufsetzte, erzitterte die Erde. Dolgin ging voller Freude auf seinen Freund zu, um ihn zu begrüßen. “ Mein alter Freund, welche Freude bereitest du einem alten Mann. Es ist schön, dass du unversehrt bist und zu uns gefunden hast. Wie ist es dir ergangen? Wo ist dein Volk?”  “Ich komme allein zu euch, mein Volk ist noch in den Bergen, fern von hier. Es wird erst kommen, wenn ich sie rufe. Auf dem Weg zu euch sah ich große Heere von Orks und anderen dämonischen Wesen. Groß an der Zahl sind sie und mächtig wie nie zuvor.” Wann werden sie hier sein ? Was meint ihr?” “ Nicht auf dem Weg zu euch sind sie. Die Orks sind auf dem Weg nach Tugamar, der uralten Höhlenstadt und sie bewegen sich schnell. Dort in den Schluchten von Tugamar sind Zwerge und andere Lebewesen. Sie rüsten sich zum Kampf. Aber bei der Zahl von Feinden werden sie unterliegen. Ihr müsst sofort aufbrechen und ihnen zur Hilfe eilen. Eilt euch, um schlimmeres zu verhindern. Ich muss den Herrn Fagul sprechen, sagt ihm, er möchte hier her kommen.” “Herr Fagul und Abatai, sein Begleiter sind verschollen,antwortete Dolgin, wenn es euch nichts ausmacht würdet ihr nach ihnen suchen und sie sicher zu uns bringen?” Ohne weitere Worte zu verlieren, erhob sich Hagar in die Luft flog noch einmal über Dolgin und rief:  EILT EUCH ,VERLIERT NICHT AN ZEIT , DIE STUNDE DES KAMPFES IST NAH!!! Dann verschwand Hagar in den Wolken. “ Meint ihr, er wird die beiden finden? Dolgin nickte:” Wenn einer sie findet, dann er, er ist ein wahrer Freund. Doch lasst uns keine Zeit verlieren, wir müssen aufbrechen. Herr Johann ihr hab ein Horn an eurem Gürtel, blast hinein mit allem, was eure Lungen hergeben, sodass sie es alle hören.”
“Herr Dolgin, wo liegt Tugamar?”
“Fragt nicht, blast, blast so laut wie noch nie in eurem Leben!”
Johann atmete so tief wie er konnte ein, und bließ so stark wie er konnte in sein Horn. Es erklang ein Ton, der das Land erschütterte. Wie auf ein geheimes Kommando verstummten die Heerscharen. Diesmal übernahm Dolgin das Reden.
“ Höret, Höret ihr Krieger und Tapferen der anwesenden Völker. Die Stunde des Aufbruchs ist gekommen, klaubt euer Hab und Gut zusammen und folgt euren Heerführer.” Für einen kurzen Moment  Totenstille, dann aber herrschte ein heilloses Durcheinander. Doch bis die Heerscharen bereit zum Aufbruch waren, vergingen noch einige Stunden. Endlich kam Bewegung in die Truppen. Johann und Dolgin ließen Könige, Fürsten und  Hauptmänner zu sich kommen. Sie alle mussten einen Eid der Treue auf Johann ablegen oder gehen. Doch niemand verweigerte ihm das Gefolge. Ein jeder kniete vor Johann und sprach den Eid der Treue. Danach wurden wichtige Dinge besprochen die die Reihenfolge des Heerzuges und den Weg zu der alten Höhlenstadt festlegten. Sie alle wussten, dass es ein doch recht langer Weg war, der vor ihnen lag. Um so schnell wie möglich nach Tugamar zu kommen, hatte Johann sich entschlossen, über zwei Bergpässe zu gehen. Beschwerlicher war dieser Weg zwar, aber den Gebirgszug zu umgehen, dauerte zu lange, zumal sie nicht wussten, wie nah der Feind an die Stadt heran gerückt war und wie stark die Verteidigung der Menschen war. Wenn man Hagars Bericht glauben schenken wollte, waren die Freunde stark unterlegen. Für Dolgin bestand überhaupt kein Zweifel, dass dies nicht so war. In ihm wuchs eine stetige Unruhe, die er nur mit Mühe verbergen konnte. ”Mein Feldherr, es sind sehr viele Krieger mit Reittieren bei uns. Wäre es nicht besser, diese vorzuschicken,  da sie doch schneller als wir am Ziel sein könnten, um die Krieger dort zu verstärken?” Nach einigen Überlegungen stimmte Johann zu und rief Dolgin, der sich auf den Weg zu den Reitern begeben wollte, zurück. “ Ihr, Herr Dolgin werdet die Krieger begleiten, sie brauchen einen der sie führt und der erfahren genug ist, auch mal einer Gefahr aus dem Weg zu gehen.” Dolgin schaute ihn wortlos an und wollte Johann etwas entgegnen, doch der sagte, dass es seine Entscheidung war und er dieser zu befolgen hätte. “ Ich hoffe euch rechtzeitig in Tugamar zu sehen, Herr Johann. Ich denke an meine Einhörner zu lange bin ich schon fort. In meinem Innern höre ich ihre Rufe. Ihre Verzweifelung wächst von Stund zu Stund vor Sehnsucht nach ihrem Beschützer. Sie sind doch wie Kinder.” Aber alles half nichts, es war der Wille des Johann und dem musste sich von Stund an auch Dolgin unterwerfen. Diese Reittiere mochte Dolgin nicht, schon bei der Ankunft der berittenen Krieger hatte er ein ungutes Gefühl bei dem Anblick dieser Wesen, und nun saß er selbst auf einem dieser Tiere. Und es ging schnell voran, schnell veränderte sich die Landschaft, eben noch waren sie im Wald, nun auf der Ebene direkt auf die Bergkette in der Ferne zu. Eine unbekannte Magie mussten diese Wesen besitzen, dachte Dolgin, keines der ihm bekannten Reittiere besaß solch eine Schnelligkeit. Zweifel überkamen ihn, hat er das richtige getan ? Oder hatte der dunkle Magier auch hier seine Hand im Spiel ? Sind es vielleicht doch Schergen des dunklen Herrschers.?  

 

 

Kapitel 74

 


     
                                                             Tugamar

 


Tury und Narim schauten nach dem Bau der Verteidigungsanlagen, prüften ihre Wirksamkeit und gaben hier und da noch Anweisungen für kleine Verbesserungen. Immer weiter entfernten sich die beiden von der Höhlenstadt. Als sie sich schließlich umwandten, schauten sie über eine große Fläche, an deren Ende sich der Felsen mit der in der Höhle liegenden Stadt befand. Tury schaute zum Himmel.” Hört Ihr, Herr Narim ,es ändert sich das Wetter, aus  der Ferne nähert sich ein Unwetter. Hört Ihr das Grollen des Donners?” Dumpf und bedrohlich hörte es sich an.” Ich glaube, Ihr irrt, ein solches Geräusch habe ich schon einmal gehört. In meiner Kindheit, als sich Heerscharen fremder Krieger unserem Dorf näherten. Damals war es genau so,  und die Leute aus dem Dorf waren ahnungslos wie Kinder und warteten auf ihren Tod. Herr Tury, es wäre nicht das verkehrteste, wenn wir Späher ausschicken würden, die der Ursachen nachforschen.” Somit ritten dann ein dutzend Reiter,  um der Ursache klar zu werden. “Wir werden die Verteidigung vorbereiten. Ich glaube es wird besser sein, wenn ein jeder auf seinen Posten geht und mit seinem Gott spricht, weil er vielleicht bald an sein Tor klopfen wird.”

 

 “ Herr Tury, ich bewundere immer mehr Eure blumige Aussprache, die schön formuliert und dann doch das eigentliche Thema umgeht, und zwar, das viele der Männer den Tod finden werden.” Tury zog eine Augenbraue hoch. “ So merkt man das? Vielleicht ist es auch nur der Versuch, den Kämpfern Mut zuzusprechen!”  “ Hm, eine merkwürdige Art des Mutmachen’s übt Ihr aus, aber wenn Ihr meint, dass es hilft. So nun aber genug des Redens, wir haben noch viel Arbeit vor uns. Und wenn es dann doch der Feind ist, dann ist jeder Moment kostbar!” Stunden vergingen und nichts war von den Spähern zu sehen. Tury überfiel mehr denn je eine seiner bösen Vorahnungen, dass sie vielleicht nicht mehr zurück kehrten. Doch da  erklang ein Horn und ein Wachposten rief.

 “ Sie kommen. Doch sie reiten, als wäre der Teufel hinter ihnen!” Tatsächlich sie ritten schnell und sie wurden verfolgt. Orks, die auf Ausgeburten der Hölle saßen, versuchten sie zu fangen.

” Bogenschützen...ich brauche Bogenschützen, so viele wie möglich: Schnell, schnell, schießt auf die Orks, dass keiner entkommt.!” Und wirklich, wie aus dem nichts waren Krieger mit Pfeil und Bogen zu Stelle.  Kurz darauf verdunkelte sich kurz der Himmel, denn die Luft war erfüllt von hunderten von Pfeilen, die auf die Orks zuschossen und alle niederstreckten. Völlig erschöpft rutschten die Reiter von ihren Pferden. Herr, wir sahen Orks, so viele, dass wir dachten der Erdboden bewegte sich. Auch andere Brut  -  aus der Hölle gekrochen, waren bei ihnen. Ich denke, sie werden noch einen Tag benötigen, dann werden sie hier sein.!” Tury schaute ihn mit ernster Miene an. Der nächste Tag begann und endete genau so friedlich. Nichts rührte sich. Doch als die Stunde um Mitternacht anbrach hörten sie, dass sich der Feind näherte. Etwas später war der Nachthimmel erfüllt vom Schein der vielen Feuer. Der Horizont waberte in einem rotgelben Licht.
Die Stunde der Entscheidung war nahe. In der alten Höhlenstadt indes war jeder Mann und Frau bemüht, noch soviel Waffen und Pfeile herzustellen, wie es möglich war. Es war die zweiundzwanzigste Stunde als Herr Tury den Befehl zur Ruhe gab. Von Stund an solle ein jeder Mensch, ob Frau oder Mann, zu Bett gehen. Am nächsten Morgen mussten alle ausgeruht an ihrem Platz sein um den Feind zu erwarten. Es war eine stille Nacht, seltsam still . Nur ab und zu drang der Lärm des Feindes zu ihnen herüber. Kurze Fetzen, die der Wind trug, dann wieder Stille. Eine sternenklare Nacht  -  wie so oft in diesem Land. Am oberen Rand der Felswand konnte, wenn man genau schaute und wusste wo man suchen sollte,  die Umrisse eines Mannes sehen. Tury der nicht zur Ruhe finden konnte machte sich, nachdem er noch einmal seine Runde gemacht hatte, auf den höchsten Punkt der Felswand. Durch einen Zufall entdeckte er am Tag zuvor eine versteckte Treppe, die nach oben führte. Vorsichtig und mit Bedacht machte er sich daran die Treppe zu erklimmen. Als er dort oben ankam, sah er über eine riesige Ebene . Jedenfalls meinte er das beim ersten Hinschauen. Doch bei genauer Untersuchung des Geländes sah er, dass es zu allen Seiten steil hinunter ging. Es war also von hier keine böse Überraschung zu erwarten. In der folgenden Nacht saß er nun dort oben und schaute in Richtung des feindlichen Lagers. In Gedanken versunken, was wohl der nächste Tag bringen würde und ob er am Abend den Mond wiedersehen würde. “Nicht erschrecken Herr Tury, ich bin es. Könnt ihr auch nicht zur Ruhe finden?” Es war Narim ,Tury erkannte ihn an seiner Stimme. Sie hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn. Wortlos setzte Narim sich neben Tury. “Woher wisst Ihr von dem Gang hierher?” fragte Tury ohne zur Seite zuschauen. “ Ich sah, wie Ihr in dem Felsen verschwandet und nach kurzem Suchen hatte ich ihn auch entdeckt, und hier bin ich.”

 “ Es ist schön, einen Freund wie Euch an meiner Seite zu wissen.!” sagte Tury und nach einer Weile fügte er  hinzu: ” Hoffen wir, dass unsere Freundschaft noch lange anhält!”  “Ihr habt Recht, hoffen wir es!” antwortete Narim knapp. Dann sahen sie schweigend in die Nacht.

 

 

Kapitel  75

 

 

 

 

 
 
 
                                    Kampf in den Wolken 
 

Merkwürdigerweise flog Hagar immer in den Wolken, nur ab und zu wurde die Sicht frei und sie konnten weit in das Land schauen.
War da nicht eine Bewegung über ihnen, schoss es Abatai durch den Kopf? Gesehen hatte er nichts, nur in den Augenwinkeln bemerkte er etwas, wenn es auch nur einen Lidschlag lang gewesen ist. “ Hagar, ich glaube uns folgt jemand!” rief er. “ Ich weiß, ich dachte er wäre weiter geflogen. Hab' ich mich wohl geirrt. Es ist Ghor, der  alte Drache des Magiers, gefährlich und verschlagen ist er. Angreifen wird er uns bei der erst besten Gelegenheit. Haltet euch gut fest, wir werden es ihm so schwer wie möglich machen.” Mit diesen Worten ließ sich Hagar wie ein Stein fallen. Rasend schnell kam der  Erdboden näher und in letzter Sekunde, so schien es, fing der Adler den Fall ab, um dann wie ein Pfeil zwischen Felsen und Schluchten dahin zu schießen. Plötzlich dann aber wieder steil nach oben zu fliegen. Ghor aber hatte wohl alle seine Flugmanöver geahnt, denn er war noch immer hinter oder über ihnen. Doch Hagar gab es nicht auf, dem Drachen es so schwer wie möglich zu machen. Im Tiefflug schoss der Adler über die Baumkronen, hinter ihnen hörten sie den Schrei des Drachen. Hagar hielt nun direkt auf eine Felswand zu. Schnell kam der Fels näher.” Wollt ihr uns umbringen ? rief Abatai. Doch der Adler antwortete nicht . Sie hörten, dass der Drache immer näher kam. Im letzten Moment änderte Hagar die Richtung. Diese Aktion aber kam für den Drachen zu spät, er krachte mit voller Wucht gegen die Felswand und stürzte dann in die Tiefe. “ Den sind wir los!” rief Abatai. “ Ja, für's erste wohl, aber er wird wiederkommen, denn sterben kann er nicht. Nun können wir den Weg zu den Euren fortsetzen. Man erwartet euch dort schon.”
Ghor  fiel nach dem schweren Aufprall tief nach unten . Doch dort  war eine Stelle, an dem selbst der Erdboden zurückgewichen war, tiefer und tiefer fiel er, der Fall schien kein Ende zu nehmen. Lange schon war das Tageslicht verschwunden. Ghor versuchte, sich an irgend etwas fest zu halten, doch sein Fall wurde immer schneller. Er breitete seine Schwingen aus, um so vielleicht den Sturz abbremsen zu können. Doch immer, wenn er sie vom Körper löste, schlugen sie gegen die Felsen und er verspürte so etwas, das er vorher nicht wahrgenommen hatte - Schmerz. Ein ihm völlig unbekanntes Gefühl. Dann kam der Aufschlag. Nach kurzer Zeit der Benommenheit schaute er sich um, doch diese Dunkelheit vermochte auch er nicht zu durchdringen. Doch was seine Augen nicht wahrnehmen konnten, vermochten seine Ohren zu hören. Geräusche aus allen Richtungen. Ghor wusste plötzlich, in wessen Reich er eingedrungen war, es waren die Dämonen der Tiefe, diese waren genauso alt wie er, verschlagen, grausam und erbarmungslos anderen gegenüber. Ghor saß in der Falle. Doch sehen konnte er immer noch sehr wenig, obwohl seine Augen eigentlich durch jede Dunkelheit dringen konnten. Etwas war in der Dunkelheit und das schlang sich immer enger um ihn. Nach kurzer Zeit vermochte er sich nicht mehr zu bewegen. Doch Aufgeben wollte er nicht. Mit aller Kraft versuchte er durch seine Gedanken Kontakt mit seinem Herren zu bekommen. Ghor hörte bei jedem Versuch ein leises bedrohliches Lachen.” Eure Versuche werden ohne Erfolg sein. Auf ewig werdet ihr unser Gast sein und irgendwann werdet ihr zu unserer Nahrung werden! Nein, nicht was ihr
denkt, euer Körper wird unversehrt bleiben, aber euer Geist, er wird es sein, den wir begierig aufsaugen werden!” Eine schmerzvolle Stille umgab Ghor. Angestrengt versuchte er, etwas zu hören. Doch alles war vergebens. Ghors Bewegungen verlangsamten sich, bis er sich in einem Stadium befand, das es ihm ermöglichte, zu überleben. Und  ein Teil von ihm war hellwach, sein Gehör war wach. Über sein Gehör nahm er jegliche Veränderung in seiner Umgebung wahr. Und Ghor wartete auf seine Möglichkeit zur Flucht und Rache. Niemand behandelte ihn so ,denn er war Ghor der Unsterbliche.
 
Kapitel 76
 
 
 
                                                            Schnee in den Bergen
 

Es ging stetig bergauf,  doch diese fremdartigen Reittiere schienen keine Müdigkeit zu verspüren. Dann erreichten sie die Baumgrenze, die Pflanzen wurden spärlicher bis auch die letzten verschwanden. Dolgin sah nun nur noch nackten Fels und es überkam ihn ein seltsames Gefühl. Eine Art Unbehagen, war er doch ein Leben in den Wäldern gewohnt. Oh, wie groß war seine Sehnsucht nach den Wäldern, die er so liebte und seinen Einhörnern.
“ Herr geht es euch nicht gut? Wollt ihr nicht doch Aufsteigen, ihr lauft nun schon den ganzen Weg neben uns, das ist nicht recht.” Dolgin schaute nach oben und sah ein Wesen, dem er in seinen schlimmsten Träumen nicht begegnen wollte, und eben dieser bat ihm einen Platz auf seinem Reittier an. Viele Gedanken überfluteten in einigen Momenten sein Gehirn, dann nahm er an und der Fremde zwang sein Tier auf die Knie, so dass Dolgin aufsitzen konnte. Schneeflocken fielen vom Himmel, nicht viel, eher vereinzelt. Das ist der Anfang vom Ende dachte er. Die Luft wurde dünner und Dolgin hatte Schwierigkeiten, seine Gedanken zu ordnen. Viele düstere Geschichten jagten durch seinen Kopf.
Allmählich gewöhnte sich Dolgin an die sauerstoffarme Luft und er sah auch, dass der Gipfel nicht mehr weit entfernt war. Endlich, dachte er, danach wird es wohl wieder bergab gehen. Doch am Gipfel angekommen, sah er nur Berge, die bis zum Horizont reichten. Ein hoffnungsloses Unterfangen, den Bedrohten noch rechtzeitig zu Hilfe zu kommen. Doch zu langen Überlegungen blieb ihm keine Zeit, er musste sich mit aller Kraft festhalten, denn es ging in einem höllischen Tempo weiter. Und noch eins war da, worüber er nachdachte. Wo war diese Felsenstadt? Er hatte keine Ahnung. Waren es vielleicht nur Geschichten, die alte Männer den Kindern erzählten? Der Schneefall hatte sich so verstärkt, dass die Begleiter des Dolgin so langsam Schwierigkeiten hatten, die Orientierung zu behalten. Die Sichtweite nahm so ab, dass sie sich nur noch vorwärts tasten konnten.
” Herr, wir müssen das Wetter abwarten. Hoffen wir, dass es morgen besser ist. Lasst uns einen Unterschlupf suchen.” Dolgin stimmte zu und doch mussten sie sich noch eine geraume Zeit weiter durch den Schneesturm kämpfen. Einer seiner Begleiter zeigte auf eine Felswand die der Schneesturm für einen kurze Zeit freigab. “Dort Herr, seht , es könnte uns wenigstens ein bisschen Schutz geben!” Doch dort hin zu gelangen, erwies sich als schwierig, niemand kannte die Gegebenheiten des Geländes, sie konnten genau so gut in ihr Verderben laufen. Doch eine andere Wahl ,als diese Wand hatten sie im Augenblick nicht. Da der Sturm auch noch an Stärke zunahm, war Eile geboten. Endlich angekommen schmiegten sich Reittiere und die Kämpfer eng aneinander. Dolgin sah, dass diese Reittiere sich außen befanden und die Kämpfer im Inneren, so dass sie vor dem Unwetter auf diese Weise gut geschützt waren. “Habt ihr keine Angst, dass Euch die Tiere erfrieren?“ fragte Dolgin. Der Angesprochene schaute ihn eine Weile an, dann flüsterte er Dolgin ins Ohr. “ Herr, diese Tiere sind nicht von dieser Welt. Sie spüren weder Hitze noch Kälte” Dolgin sah ihn an und gerade, als er etwas sagen wollte, sprach der “Flüsterer” weiter.” Sie entstammen aus der Welt der Dämonen. Eines Tages entsagten sie ihnen ihren Dienst und flohen in die Oberwelt, wie sie unsere  Welt nennen. Doch die Dämonen lassen solch einen Verrat nicht ungestraft. Sie sind auf der Suche nach ihrem Eigentum. Doch es ist für sie nur eine Stunde im Jahr möglich, unsere Welt zu betreten. Nun seid still, ich habe Euch schon zuviel erzählt!” Er wandte sich ab von Dolgin. Der Sturm wütete die ganze Nacht und der Wind erzeugte unheimliche Geräusche, die selbst Dolgin  zuweilen erschauern ließ. Als dann endlich der Morgen graute, ließ das Unwetter etwas nach und die nähere Ungebung wurde sichtbar, und nicht nur diese, auch Feuerschein aus einem der unzähligen Täler war zu sehen. Wären sie nicht gezwungen gewesen, Schutz vor dem Schneesturm zu suchen, wäre es wohl unbemerkt geblieben. Dolgin schickte Kundschafter, um zu sehen, um was es sich dort handelte. Nach Stunden des Wartens kehrte der Trupp zurück. Sie berichteten, was sie sahen.” Herr, wir waren so nah wie möglich, und wir sahen Orks, so viel, dass ein Zählen der Feinde unmöglich war. Es herrschte dort eine merkwürdige Unruhe im Lager, als ob sie jemanden erwarteten, doch nach Aufbruch sah es nicht aus.” “Hmmm, sie werden auf ihren Meister warten. Der dunkle Magier wird es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein, wenn es um die Vernichtung der Menschen geht. Mich wundert es nur, dass er noch nicht anwesend ist? Nun gut, klettern wir soweit und so unsichtbar ins Tal ,wie es geht und warten die Ereignisse ab. Ich hoffe nur, dass sie es nicht allzu eilig haben, dass unsere Streitmacht noch rechtzeitig eintrifft.” Dolgin schaute erneut zum Himmel. “ Stopp!” rief er. “ Schaut, das Unwetter kehrt zurück. Wir werden wohl noch etwas warten müssen!” Tatsächlich, die Wolken, die über den Gipfel der Berge aufzogen, waren schwarz wie die Nacht. Ein eisiger Sturm zog auf. Noch stärker, noch brutaler. Die Kämpfer hatten Mühe, sich hinter der Felswand zu halten. Sie hatte das Gefühl, dass der Sturm durch den Fels kam und die Temperatur fiel ins bodenlose . Wer jetzt vom Sturm erfasst und aus dem Schutz der Felswand gerissen wurde, erfror in der nächsten Sekunde. Stunde um Stunde wütete der Sturm, erst gegen Morgen des nächsten Tages ließ das Unwetter nach. Die Sonne schob sich über die Gipfel. Es schien ein schöner Tag zu werden. Nun war es an ihnen, sich so nah und so unbemerkt wie möglich dem Feind zu nähern.
 
Dolgins Gedanken waren bei Johann und der Streitmacht. Ich hoffe bei den Göttern, dass es nicht allzu lange dauert, bis sie hier sind. Kommen sie zu spät , sind wir alle tot. Solch und andere Gedanken gingen Dolgin durch den Kopf. Dolgin beschloss, noch einen Tag in den Felsen zu verbringen, er wollte die Dunkelheit abwarten und dann den Abstieg wagen. Es verringerte die Gefahr der Entdeckung immens. Nun hatte Dolgin nur noch eine Befürchtung. Die Krieger, sind sie mit seiner Entscheidung einverstanden oder widersetzten sie sich?. Doch seine Befürchtungen waren, wie es sich zeigte völlig unbegründet. Alle waren seiner Meinung. Er sah, wie sie sich auf ihr schnell errichtetes Lager zum Schlafen legten. Sie wollten für die Nacht ausgeruht sein. Für sie war es eine große Ehre, mit den Menschen in den Kampf zu ziehen.
Hatte er sich in ihnen geirrt?
 

Kapitel  77

 


                                                         Ein neuer Tag beginnt

 


Nie waren die Wachen so aufmerksam wie an diesem Morgen. In der Ferne hörten sie die dumpfen Töne des Feindes.” Schläft diese Höllenbrut eigentlich niemals?”, sagte einer leise. Doch seine Frage blieb unbeantwortet, denn niemand war da um sie zu beantworten. Einsam stand er auf  der Spitze einer kleinen Erhebung die aber grade noch hoch genug war, um das umliegende Land sehen zu können. Plötzlich nahm er eine Bewegung hoch oben in der Luft wahr  .Etwas hielt geradewegs auf die Stadt zu. Der Wächter kniff die Augen zusammen um besser sehen zu können. An einem anderen Ort sah auch ein Augenpaar den heran nahenden Vogel. Doch diese Augen waren schärfer, als die des Wächters, und derjenige erkannte den Vogel sofort. Dolgin erkannte seinen alten Freund wieder und wünschte sich selbst auf seinen Rücken. Hagar hielt direkt auf die Stadt zu. Es gelang ihm eine Landung auf dem Felsvorsprung vor den Toren von Tugamar.
Kaum waren sie gelandet, glitt Fagul kraftlos von dem Rücken des Adlers. Er war am Ende seiner Kräfte. Sofort waren Frauen, da die sich um Fagul kümmerten und ihn in die Höhlenstadt trugen . Abatai schaute sorgenvoll hinter Fagul her. In der vergangen Zeit waren sie nun doch Gefährten geworden.  Oder ? Abatai empfand ihn nicht mehr als einen Kameraden, für ihn war Fagul zu einem Freund geworden. Tury und Narim näherten sich ihm

.” Wer seid ihr? Und woher wisst ihr, wo wir zu finden sind?” fragten sie  Abatai, nachdem sie ihn begrüßten. Abatai begann seine Geschichte erneut zu erzählen dass er Hagar durch seinen Freund Fagul kennen gelernt hatte und fragte im Gegenzug, ob sie etwas von Johann gehört hätten. Das jedoch konnten die beiden nicht beantworten. Plötzlich rief ein Horn zu den Waffen. Der Feind hatte sich zu einem Angriff formiert und zog nun gegen Tugamar. Doch es war nur ein kleiner Trupp. Sie führten wohl eine Art Scheinangriff aus. Narim gab den Befehl, nur nicht die Fallen zu aktivieren, sie waren gut getarnt und gesichert. Nur Bogenschützen und einige Steinschleudern, die in der Lage waren, den Feind zu treffen. Der Kampf war nur von kurzer Dauer, dann waren die Angreifer bei ihren Göttern, falls sie welche hatten. Auf einer Anhöhe auf der anderen Seite sahen sie einige Kreaturen der Hölle stehen, die alles genau beobachteten, und doch haben sie nicht das gesehen, was sie zu sehen versuchten. Nach einiger Zeit verschwanden sie von der Anhöhe und es wurde wieder  still vor den Toren von Tugamar. Der Tag verging ohne weitere Vorkommnisse. Die Nacht brach an und dann der nächste Tag. Eines sahen sie sofort, die gefallenen Krieger des Feindes waren verschwunden. Hatten sie ihre Toten des Nachts geholt oder haben sie sich einfach aufgelöst?. Was niemand wusste, hoch oben am Berg waren Freunde. Diese überlegten wie sie am Feind vorbei kamen, ohne entdeckt zu werden. Vielleicht, so dachte Dolgin, vielleicht sollten einige der Krieger einen Steig suchen, der uns unbemerkt nach unten bringt und dann vorbei an dem Feind. Diesen Gedanken beriet er mit einem der Hauptleute der ihm zur Seite stand, und dieser schickte daraufhin einige der Krieger los, die Umgebung zu erkunden soweit dies auch möglich war.
Die Tage vergingen, aus Tagen wurden Wochen und schließlich Monate und so langsam zog der Winter ein. Dolgin und seine Krieger waren schon lange bei den Belagerten angekommen, einen Steig hatten sie entdeckt. der sie unterirdisch an dem Feind vorbei führte. Aber warum griffen sie nicht an, auf was warteten sie? Nun kam der Winter über das Land und mit ihm klirrende Kälte. Da sie nun einen geheimen Gang gefunden hatten, machten sich von Zeit zu Zeit Jäger auf den Weg, um Wild zu erlegen.
An einem anderen Ort weit entfernt von dem Geschehen wütete der dunkle Magier. Dieser schickte immer wieder Scharen von Orks aus, den Drachen Ghor zu suchen, doch jedesmal kehrten sie mit leeren Händen zurück. Ghor blieb verschwunden. Doch ohne ihn wollte der dunkle Herrscher nicht in die Schlacht ziehen. So viele Jahre hatte er darauf hin gearbeitet, Hass und Neid unter den Völkern zu verbreiten. Kriege hatte er angezettelt, um die Kräfte der Völker zu reduzieren und nun, dachte er, alles vergebens? Doch das wollte er nicht so hin nehmen. Seinem Zorn fielen erst viele Gegenstände in seinem Schloss zum Opfer, doch bald reichte es ihm nicht mehr. nur etwas zu zerstören, und so schickte er seine Garde aus, Menschen oder Zwerge zu fangen, die er dann hinrichten ließ. Nur des nachts versuchte er mit Hilfe der dunklen Magie Ghor zu finden. Doch erschöpft und dem Zusammenbruch nahe gab er immer öfter auf. Doch eines nachts, als der Vollmond durch die fensterlosen Öffnungen seines Schlosses den Raum in ein gespenstisches Licht hüllte, fühlte er eine Kraft, die er so noch nie gespürt hatte. Er begann erneut mit aller Kraft seines Geistes nach Ghor zu suchen und diesmal schien er Erfolg zu haben . Undeutlich und wie durch einen Nebel sah er etwas. Und er rief mit der Kraft seines Geistes den Namen des Drachen immer und immer wieder.
Undeutliche Worte drangen an das Ohr von Ghor langsam kam Leben in den Körper des Drachen, und dann erkannte er die Stimme, die ihn so eindringlich rief. Sein Herr, der Gebieter der dunklen Mächte rief ihn .

 
 
Fortsetzung folgt