Michel 2

 

 

 

Ein treuer Hund

 

Lang ist er unterwegs. Die Beine schmerzen. Doch ein Bild geht dem Hund nie aus dem Kopf. Das Bild seines Herrchen, das er so plötzlich verlassen musste. Fremde Menschen holten ihn ab. Das letzte was er sah, war sein Herrchen mit Tränen in den Augen. Warum musste er gehen? Was geschieht mit ihm? Er wollte nicht fort , doch jemand zog unwiderruflich an der Leine. Komm Kleiner, hörte er, du musst keine Angst haben! Oh doch, er hatte Angst, sie nahmen ihn doch fort. Fort von seinem Herrchen , fort von seinem Zuhause. Er wurde in ein Auto gehoben. Zittern am ganzen Körper. Doch aufmerksam aus dem Fenster schauend. Nach sehr langer Zeit mit diesen Menschen hielt das Auto. Er durfte aus dem Auto. Schnüffelnd, suchend -  wo war sein Herrchen? Nichts! Der Mensch für den er durchs Feuer gehen würde, er war nicht mehr da. Die Menschen am anderen Ende der Leine zogen ihn in ein Haus. Jedweder Widerstand war zwecklos. Von Halsband und Leine befreit, wandte er sich um, die Tür, der Weg zur Flucht, sie schlug zu. Gefangen. Ein Körbchen stand da, geruchlos, fremd. Er legte sich nicht hinein. Er legte sich an die Tür. Vielleicht hilft ein Weinen? Er fraß nicht, Hunger verspürte er nicht. Nur die Sehnsucht quälte ihn und das Bild seines Herrchen fest in seinem Kopf eingebrannt.
 
So kam der Tag, an dem die Tür nicht richtig schloss, die Gelegenheit zur Flucht. Durch die Tür und die Strasse entlang. Niemand hatte es bemerkt . Nur fort von hier, nur fort!
All' das ging ihm durch den Kopf, seit Tagen war er unterwegs und die Beine schmerzten vom Laufen, doch sein Herrchen rief, das trieb ihn an. Ein Auto fuhr an ihm vorbei und bremste. Er blieb stehen. Waren es die Menschen, die ihn suchten und wieder zurück bringen wollten? Es stieg jemand aus und eine ihm vertraute Stimme sprach zu ihm. Eine Stimme, die er oft bei seinem Herrchen gehört hatte. Timmy, was machst du denn hier ? Du armer Kerl! Ich dachte du hast ein neues Zuhause? Na dann komm erst mal mit. Und Timmy freute sich dass der Mensch ihn mit seinem richtigen Namen ansprach und nicht mit dem Namen, auf den er hören sollte. Voller Vertrauen legte Timmy sich in das Auto und der Mensch fuhr los. Du armer Kerl, was mach ich bloß mit dir? Wie kannst du verstehen, dass dein Herrchen nicht mehr da ist. Etwas stimmte nicht, das spürte Timmy. Tage vergingen und irgendwie spürte der Hund, dass er sein Herrchen niemals wiedersehen würde. Nach ein paar Monaten starb der kleine Timmy an gebrochenem Herzen.
Und ob es auch verboten war, schlich der Mensch mit dem toten Timmy des nachts auf den Friedhof und begrub ihn neben seinem Herrchen, den er so liebte.
Nun waren sie wieder vereint, wie im Leben so auch im Tode.
Und er beauftragte den Steinmetz, in den Grabstein einen zusätzlichen Vers einzubringen:
 

               Dass mir der Hund das Liebste sei, sagst du
               o, Mensch, sei Sünde?
               Der Hund blieb mir im Sturme treu!
               Der Mensch nicht mal im Winde!

 

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Hier könnt Ihr die spannende Geschichte vom

Geheimnisvollen Wald

weiter verfolgen, und zwar vom Kapitel 18 an:

 

Kapitel 18

    

 

 

     Immer wieder versuchte Dolgin, den Ruf des Adlers nachzuahmen, doch es  war mehr ein Krächzen.

Erschöpft setzte Dolgin sich auf den Rest eines alten Baumes,  diese Kletterei war nichts mehr für einen alten Mann -  dachte er, und es dauerte auch nicht lange, da schlief er ein.

     Durch eine zarte Berührung in seinem Gesicht erwachte Dolgin , etwas helles flog vor seinem Gesicht und er hörte eine feine, sehr leise Stimme.

Sprach es zu ihm?

„Wer bist du? Was machst du hier? Bist du traurig? Hast du dich verlaufen“?

Dolgin hob langsam seine Hand und das glänzende, tanzende Etwas setzte sich auf seine Handfläche.

Zu seiner Verwunderung sah Dolgin nun eine kleine Fee in seiner Hand.

Vorsichtig setzte er sie auf den Boden  und sah, wie sie größer wurde und nach einer Weile sah er in die Augen einer wunderschönen Frau.

Und dann erkannte Dolgin sie wieder,  es war die Fee, die zu dem schlafenden Johann ging und ihm einen Zauber schenkte.

"Ich kenne dich ,ich hab’ dich gesehen, als du bei dem jungen Mann gestanden hast!"

"Wie geht es ihm?" fragte die Fee.

Und Dolgin begann zu erzählen, von den Dingen die er wusste, und mit dem Angriff eines Drachen auf Johann endete sein Bericht.

Er sei nun auf dem Weg zu den Elben um Hilfe zu erbitten, im Kampf gegen den dunklen Magier,und er suchte und rief verzweifelt seinen alten Freund,  den Adler Hagar.

Das fröhliche Gesicht der Fee verwandelte sich in ein bedrücktes Antlitz.

"Ich werde dir helfen Dolgin , ich werde Hagar suchen, mein Volk ist hier in der Nähe und auch sie werden uns helfen."

Sie stand auf und war plötzlich verschwunden.

Dolgin der eigentlich nicht schreckhaft war, zuckte zusammen, damit hatte er nicht gerechnet. Aber eins war ihm bewusst,  er war wieder allein auf dem Berg.

Es wurde langsam dunkel und von der Fee war nichts zu sehen, hatte sie es überhaupt ernst gemeint mit der Hilfe, Dolgin erinnerte sich an Erzählungen anderer Waldbewohner, dass die Feen es nicht so genau nahmen mit ihren Versprechungen.

"Nun“, dachte Dolgin, „werde ich mal den nächsten Morgen abwarten, und wenn dann nichts geschieht,  werde ich mich auf den Weg machen, die Elben zu finden,

ein Volk, das sehr versteckt lebt und sehr stolz ist."

Hoffentlich habe ich bei ihnen Erfolg, mit diesen Gedanken schlief Dolgin ein.

     Ziemlich unsanft wurde er geweckt. Dolgin blinzelte genau in die Sonne, dann wieder spürte er einen Schlag an seiner Schulter, nicht sehr stark, aber sehr deutlich, und so

stand er auf.

Wen Dolgin da vor sich sah, war sein Freund Hagar, und auf ihm saß die kleine Fee und lachte.

"Du dachtest, ich würde dir nicht helfen, ich würde einfach wieder verschwinden, weil du anderen glaubst, was erzählt wird. Nun, hier bin ich wieder und hab’ sogar deinen Adler gefunden"!

"Woher wusstest du meine Gedanken?"

"Ich hab’ sie gelesen,  du bist ein Geschöpf des Waldes und ein Freund der Einhörner, darum werde ich dir helfen, wann immer du meine Hilfe benötigst.

So, nun genug geredet, lasst uns aufbrechen zu den Elben es ist noch ein weiter Weg, auch wenn Hagar uns mitnimmt“.

Dolgin stand auf und ging zu seinem alten Freund.

"Hallo, mein alter Freund so schnell sehen wir uns wieder!

Darf ich dich erneut um deine Hilfe bitten? Dann bring’ uns schnell zu den Elben". Der riesige Vogel ging zu dem alten Baumstamm und von dort aus kletterte Dolgin auf den Rücken des Adlers.

Kaum hatte sich Dolgin sicheren Halt verschafft, ging es auch schon los in schwindelnde Höhen.

Ohne es zu bemerken, stießen immer mehr Adler zu ihnen. Erst als einer dieser riesen Vögel direkt über ihn flog, wurde Dolgin aufmerksam und schaute sich um.

An die Fünfhundert mussten es wohl schon sein, es war ein beeindruckendes Bild, eine Armee fliegender Krieger.

Je mehr Zeit verging, umso mehr Adler trafen auf sie und dort, wo sie flogen, verdunkelte sich der Boden, kein Sonnenstrahl vermochte mehr zwischen den Flügeln der Adler auf die Erde durchdringen, so groß war ihre Zahl geworden.

Der vielfache Flügelschlag erinnerte an einen Sturm, der sich näherte.

Jeder Feind, der das hörte und sah, mußte erschauern .

Und dann sah Dolgin etwas, was auch ihn erschauern ließ, ein Unwetter zog auf - genau vor ihnen.

"Mein alter Freund, was machen wir nun? Wir müssen umdrehen!" sagte Dolgin laut vor sich hin.

"Nein, mein Freund , wir werden weiterfliegen, es ist schon sehr spät und die Zeit drängt  -  das Land in dem wir Leben ist in großer Gefahr!"

Dolgin erschrak.

Er konnte verstehen, was Hagar sagte.

"Ja, da staunst du,  ich bat die Fee um diese Gabe, einmal mit Dir reden zu können."

"Aber wenn wir weiterfliegen, werden vielleicht einige Adler ums Leben kommen!"

" Das wissen sie , aber sie würden es mir niemals verzeihen, wenn ich ihnen die Landung befehle. Das Volk der Adler ist ein sehr stolzes Volk, und sie werden für ihre Heimat auch in den Tod gehen!

Schau dich um, wie entschlossen ihre Gesichter sind, immer mehr werden uns folgen,

für unser aller Freiheit!"

Dolgin, der sich schon sehr an Hagar klammern musste, damit  ihn der Sturm nicht hinunter blies, schaute sich um so gut  er konnte -  und wirklich, keiner der Adler wich.

Es erfüllte Dolgin mit Stolz, einen Freund wie Hagar zu haben .

Es war noch weit!

Und der Sturm bließ ihnen mit aller Gewalt entgegen, doch die Adler flogen weiter wie auf einem unsichtbaren Weg.

 

 

 

 

 

 

                                                     

 

 

 


                                                   

 

 

                                              Kapitel 19 

                                                       

 

 

 

     Fagul nahm das alte Buch zur Hand, vorsichtig öffnete er es und suchte nach der Seite,  die er zuletzt gelesen hatte.

 ....Endlich sind wir an Land , keine schwankenden Schiffsbretter mehr unter unseren Füßen.

Als erstes werden wir Wachen aufstellen.

Da wir nicht wissen, ob es ein friedliches Land ist, ist dies’ dringend notwendig.

Die Frauen sind dabei, einfache Hütten zu bauen, die uns für die ersten Nächte Unterschlupf gewähren--------------------

 

Fagul wendete mit größter Vorsicht das Blatt, nie hätte er gedacht, daß das Buch schon so dem Verfall nahe war.

      Der Tag graut langsam, über der See steigt die Sonne auf. Als erstes werde ich heute einen Spähtrupp losschicken,  das Land und die nähere Umgebung zu erkunden.

Dann kamen einige Zeilen, die Fagul trotz größter Mühe nicht mehr lesen konnte, es war alles zu verwittert,  mit Sorgfalt blätterte er um.

      Es wird langam dunkel und immer noch kein Zeichen vom Spähtrupp. Wie weit sind sie wohl gegangen?

Hoffentlich ist ihnen nichts passiert!

 

Fagul hielt inne  -  lohnt es sich wirklich, das uralte Tagebuch durchzulesen ? Vielleicht gibt es in dem Buch überhaupt keinen Anhaltspunkt über die weitere

Vorgehensweise der Vorfahren.

Fagul legte das Buch abermals zur Seite,  es war müßig, darin zu lesen und es wird die Probleme nicht lösen.

Ein bisschen Ruhe wird mir gut tun, dachte sich Fagul,  legte sich auf seine Lagerstatt  -  und schlief ein.

 

Stunden später wurde er durch irgend etwas geweckt.

Das ganze Lager war in Aufruhr.

"Was ist geschehen?"fragte Fagul.

"Mein Herr Fagul, g’rad wollt’  ich zu euch, der Fremde ist bei Bewusstsein!"

Fagul schaute den Boten ungläubig an, hat er es also geschafft,  waren seine Gedanken.

Und er machte sich auf den Weg zu dem Lager.

Nach kurzer Zeit gelangte er zu dem Fremden, bei dem Magirta seit Tagen wachte und ihn pflegte. Langsam ging er auf das Lager des Fremden zu  und sah, wie der Fremde seinen Kopf in seine Richtung wandte.

"Was ist geschehen? ---------Wo bin ich?----------"

Das Reden fiel dem Fremden sichtlich schwer.

Nun erst bemerkte Fagul, dass er Dolgin nicht nach dem Namen des Fremden gefragt hatte,----oder hatte er doch gefragt?

Fagul konnte sich nicht erinnern.

"Wer seid ihr?" fragte der Fremde.

"Seid beruhigt,  ihr seid hier in Sicherheit, ihr müsst euch erholen" (Hoffentlich sind wir hier alle in Sicherheit) dachte Fagul, denn ganz sicher war er sich nicht.

Er erinnerte sich wieder an das Buch, das er eben gelesen hatte, darin stand, dass  seine Vorfahren Krieger aussandten,  um das Land zu erkunden.

Warum bin ich nicht auch darauf gekommen, dachte Fagul.

Fagul wandte sich wieder an den Fremden.

"Darf ich euch fragen wie euer Name ist?"

Doch er bekam keine Antwort, der Fremde war wieder eingeschlafen .

Fagul wandte sich zu Magirta.

"Sorgt für ihn, damit er schnell wieder zu Kräften kommt!" 

 

Er verließ den Unterstand und sagte den Leuten, die immer noch ausharrten um Neuigkeiten zu erfahren,  dass  der Fremde es wohl überstanden hat und sich auf dem Weg der Besserung befindet.

Sie sollten doch nun zu ihren Behausungen zurückgehen, und sich um ihre Belange  kümmern.

Nun war noch die Überlegung,  wen er schicken solle, das Land zu erkunden?

 

Doch wie er auch überlegte, ihm fielen nur immer vier Namen ein.

Den Zwergenhauptmann-Targin,

die Schützen- Basul

                       Rempa  

                und  Tersal.

 

Fagul schickte seinen Diener,  sie zu holen und er hoffte,  dass sie sich auch diesmal bereit erklärten,

den Auftrag zu übernehmen.

 

Warten wir den nächsten Morgen ab, bis sich alle erholt haben, dachte Fagul.

Es musste doch einen Weg geben, diese Ebene zu verlassen.

Wenn der dunkle Magier seine Drachen aussandte  sie zu suchen, wird es nicht lange dauern,  bis sie auch über das Grasland flogen und dann waren sie entdeckt .  

 

   Der nächste Tag brach an, Basul und Targin erschienen bei Fagul.

Rempa und Tersal waren nicht dabei  -   sie wollten in Zeiten der Not lieber bei ihren Familien bleiben.

Fagul ließ sich überzeugen, dass es besser war,  wenn  nur wenige das Land erkunden.

"Es freut mich,  dass ihr euch erneut  nach all den Strapazen, die ihr erleiden musstet,  dazu bereit erklärt, unserem Volk  zu helfen. Wir werden eine Woche auf euch warten, und wenn ihr bis dahin nicht zurückgekehrt seid, werden wir aufbrechen, um die dunklen Wälder am Rand der Ebene zu erreichen.

Ich denke, dort sind wir sicherer als hier im Grasland, wo wir doch jeder Zeit von den Drachen des dunklen Magier entdeckt werden könnten. Nun wünsche ich euch viel Glück und mögen die Götter mit euch ein.

Targin und Basul verbeugten sich kurz vor Fagul ,wandten sich um und gingen  -   vielleicht einem neuen Abenteuer entgegen ?!

  Fagul indes ließ das Lager  -  so gut wie es ging, tarnen, er wäre lieber heute als morgen aufgebrochen -  doch hätten Targin und Basul sie je wieder -gefunden?

Er wusste es nicht, sieben Tage hatte er ihnen Zeit zur Rückkehr gegeben .

Dann werden sie aufbrechen,  um in die sichere Umgebung des Waldes zu gelangen.

Was werden die beiden finden? So viele Dinge gingen Fagul durch den Kopf.

 

 

 

 

 

                                                    Kapitel  20

 

 

 

 

 

Die Jahre sind ins Land gegangen, es hat sich viel geändert im Dorf von Johann. Eva hat jeden Tag gehofft und gebangt ,  dass Johann einmal doch noch heimkehrt, oder dass jemand ihr eine schlechte Nachricht überbringt. Doch in all' den Jahren tat sich nichts.


Das Dorf wuchs und wuchs, und bereits siebzig Jahre sind ins Land gezogen, die meisten alten Leute, die damals noch mit auf der Suche nach Johann gewesen sind, waren bereits bei ihren Ahnen. Aus dem Dorf ist mit der Zeit eine Kleinstadt geworden. Es gab befestigte Strassen, auf diesen fuhren merkwürdige Dinge -  ganz ohne Pferde.

 

Eva hat mit den Jahren das Warten auf ihren Johann aufgegeben, alles Hoffen war vergebens. Sie lernte einen anderen netten Mann kennen, und oft ertappte sie sich dabei, dass auch bei ihr die Erinnerungen an Johann verblassten. Immer, wenn sie ihren Schrank aufräumte  und ihr die alten Briefe von Johann in die Finger gerieten, kamen die Erinnerungen zurück, wie sie beide glücklich waren. In den Dorfkrug gingen,  wenn dort zum Tanz aufgespielt wurde und sie sich das Versprechen gaben, sich niemals zu trennen.  Und dann kam der Tag, an dem Johann verschwand---einfach so, ohne vorher etwas zu sagen ! Etwas zornig wurde sie auch heute noch, wenn sie daran dachte, ihr, gerade ihr nichts zu sagen,  dass er fortgehen wolle -  ohne sie, und das machte sie heute noch so wütend.
Dann aber auch überwiegten die glücklichen Momente, oft saß sie dann in ihrem alten Schaukelstuhl und blickte aus dem Fenster mit verträumten Blick dem Flug der Wolken zu. Doch im Geiste war sie weit, weit in ihrer Vergangenheit und manchmal rollten ihr Tränen über die Wangen.
“Ach ja .....wo sind all' die Jahre hin ? Was ist aus ihrem beschaulichen Dorf geworden! Die Leute kennen sich nicht mehr und rennen hektisch aneinander
vorbei.”  Sie ertappte sich in letzter Zeit oft dabei, dass sie laut mit sich selbst redete.
Das  kam in letzter Zeit öfter vor. Das ist wohl, weil ich allein bin, ich werde wohl senil ! Das ist eben bei alten Leuten so, dachte Eva,  erhob sich und ging in die Küche, um einen Tee zu kochen. Zum Glück war es wieder Sommer geworden, denn für die ewige Holzschlepperei im Winter hatte sie dann doch nicht mehr so die Kraft . Die Kinder sagten zwar immer, sie soll sich doch Zentralheizung legen lassen, aber von dem neumodischen Kram wollte Eva nichts wissen, das hat es früher auch nicht gegeben. Ein anständiges Feuer im Ofen ist da schon besser.
Ihr Blick fiel auf die alte Uhr an der Wand, auch sie verrichtete noch ihren Dienst.
Es war das Erbe ihrer Mutter, das einzige wertvolle, was ihre Mutter besaß .
Eva sagte leise vor sich hin “Tick Tack Tick Tack und lächelte.
Ihre Enkel kamen heute zu Besuch und wenn sie ihre Oma so hörten, dass sie sich mit der Uhr unterhielt, dann ging es gleich wieder los:
Oma geht es dir gut? .......sabbel , sabbel, sabbel.
Aber es ist immer eine Abwechselung, wenn die jungen Leute sie besuchen kommen. Sie wollen in zwei Stunden hier sein, dachte Eva, da kann ich mich ja noch ein bisschen ausruhen. Also ging sie zu ihrem Sofa und legte sich darauf. Es ist schon merkwürdig, dass ich heute so oft an den Johann denken muss, ging es ihr noch durch den Kopf bevor sie einschlief.
Doch es war kein Schlaf wie sonst.
Ihr Herrgott rief sie zu sich, und sie folgte ihm, nach einem langen und erfüllten Leben verließ sie diese Welt.
Und genau in dieser Minute blieb auch ihre Uhr an der Wand stehen, man hörte noch ein leises Tick Tack Tick......dann herrschte Stille in Eva’s Haus.

 

 

 

 

 

                                                        Kapitel  21     

 

 

 

Es  wurde  hell im Gebirge,  die beiden Zwerge  waren aber schon vor Sonnenaufgang auf den Beinen.  Weil sie keine Zeit verlieren wollten, haben sie ihre Morgenmahlzeit noch im Dunkeln zu sich genommen. Und gerade, als die Sonne über die Berge stieg, waren die beiden dabei, ihre Ausrüstung anzulegen. Alles wurde sorgsam am Körper befestigt. Tury und Narim  waren sich immer noch nicht einig, in welcher Richtung sie den Abstieg beginnen sollten. “Also ich glaube, wir sollten es in Richtung Westen versuchen von dem Berg zu kommen. es bleibt uns wohl keine andere Wahl.”
Narim sah ihn an, nickte und brummte etwas vor sich hin. Tury der seinen Kampfgenossen schon lange kannte und mit ihm  so manches Gefecht überstanden hatte, hörte nicht auf das Gebrumme, sondern ging in Richtung  Abstieg. Vorsichtig schaute Tury über die Kante in die Tiefe. Etwas Sorge machte ihm die Höhe schon, er war ein Zwerg, das heißt, daß jemand, der im Berg lebt,  nicht darauf herumklettert. Nun, es war nicht zu ändern, irgend wann mussten sie ja von dem Berg herunter, warum nicht jetzt. Kaum waren sie unterwegs, da stießen sie auch schon auf das erste Hindernis. Ein riesiges Nest, es gehörte wohl einem Adler - nur merkwürdig, es war keiner dieser Vögel zu sehen. Normalerweise hätte der Vogel sie schon angegriffen. Narim schaute hektisch in alle Richtungen, doch kein Adler war auch nur in der Nähe von den Beiden. Sie beeilten sich, an dem Horst vorbeizukommen. Auf eine Auseinandersetzung mit einem Adler wollten sie es nicht ankommen lassen. Als sie auf einen Felsvorsprung gelangten, sagte Narim, dass  sie sich wohl doch besser anleinen sollten, damit könnten sie sich besser sichern, falls einer von beiden strauchelte. Es dauerte Stunden und sie hatten noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Und dunkel wurde es auch schon wieder, also nochmal eine Nacht auf dem Berg verbringen. Das Glück war ihnen wohl gesonnt, denn unter ihnen tauchte ein Höhleneingang auf. “Du musst dich in die Höhle reinschwingen, sagte Narim, nachdem er im Höhleneingang stand. Kurz darauf stand Tury neben ihm. Die beiden gingen ein Stück in die Höhle hinein, als sie bemerkten, dass der Boden nach unten abfiel. Vielleicht brauchen wir ja nicht mehr zu klettern, dachte sich Tury. Ein merkwürdiger Geruch stieg ihnen in die Nase. Es roch moderig oder faulig, als ob etwas verweste, und es wurde immer heftiger, je weiter sie in die Höhle eindrangen. Dazu kam noch ein Scharren und ein leises kaum zu hörendes Zischen. Mit größter Vorsicht bewegten sich die beiden weiter und zogen ihre Schwerter. Der Gestank war inzwischen so heftig, daß ihnen der Atem stockte. Dann kam der Angriff: Eine riesige Spinne hing an der Felsendecke und spie Narim ihre Fäden entgegen, um ihn einzuweben. Das Zeug klebte,
und so sehr Narim sich bemühte, es war ihm nicht möglich sich zu befreien und Gegenwehr war auch nicht mehr möglich. Wenn es Tury nicht gelang,  die Spinne zu töten, war Narim verloren. Immer wieder schlug Tury zu und versuchte die Beine der Spinne zu treffen, um sich dann schnell wieder in eine Felsspalte zurückzuziehen, in der ihn die Spinne nicht erreichte.
Narim zappelte und schrie und die Spinne, die versuchte Tury zu erreichen, ließ von ihm ab, um nach ihrer Beute zu schauen. Diesen Augenblick nutzte Tury aus, um unter die Spinne zu kommen und ihr mit aller Kraft sein Schwert in den Körper zu rammen. Bis zum Griff rammte Tury der Spinne das Schwert hinein und drehte es ein paar mal hin und her. Ein schriller Todesschrei folgte, dann stürzte die Spinne in sich zusammen. Tury gelang es in letzter Sekunde, unter dem Tier hervorzuspringen. Ein letztes Zucken  -  und der Feind war besiegt.

 

 Tury schaute sich nach Narim um und nach kurzer Suche fand er ihn. „Na,  wie sieht es aus, willst du hier bleiben - oder ? “   Er grinste, als er Narim aus dem klebrigen Coccon befreite. Es war furchtbar, alles was Narim anfasste blieb an ihm kleben, doch der wollte nur eines, weg von hier! Es war ein grausames Bild, was sich den beiden Zwergen bot, überall lagen Kadaver herum, Knochen über Knochen von allen möglichen Tieren. Aber irgendwie musste die Spinne sie ja bis hierher geschafft haben, also folgten sie dem Weg, der immer noch bergab führte. Als sie meinten weit genug von diesem Horrorsplatz entfernt zu sein, schlugen sie ihr Lager auf. Sie mussten unbedingt etwas schlafen.
   Stunden später wachten sie wieder auf, aber es war kein erholsamer Schlaf gewesen, unruhig und ständig sind sie wach geworden. Wortlos packten sie ihr Lager zusammen und gingen weiter den Weg bergab. Stunde um Stunde nur Stein  -  und dann plötzlich sahen sie ein kleines Licht am Ende des Weges, und die beiden begannen schneller zu gehen. Es war wirklich Tageslicht  -  ein Ausgang aus dieser Höhle ! Dann, nach so langer Zeit standen sie wieder unter freiem Himmel und es regnete  -   ein Unwetter tobte.
Als Narim zufällig nach oben sah, stockte ihm der Atem und er stieß Tury an und zeigte nach oben. Dort flogen unzählige,  riesige Adler  -  als wenn sie einem geheimen Ruf folgten. Dass dort oben Dolgin und Hagar waren, konnten sie von ihrem Platz aus  nicht erkennen,  zu hoch flogen sie. Ihnen folgen konnten sie auch nicht, denn in diese Richtung führte kein Weg. Narim entschied sich, den rechten Weg zu gehen, der wahrscheinlich durch die Schlucht führte, die er in der Ferne sehen konnte. Fast an der Schlucht angekommen, blieben die beiden stehen. Es lag etwas in der Luft  -  eine Gefahr, die sie nicht kannten. Ein Pfeil schoss wie aus dem nichts vor ihnen in den Boden, und plötzlich standen überall Zwerge . Eine Wand voller zorniger Zwerge, die sich langsam teilte, und durch die Reihen ging ein Zwerg in glänzender Rüstung und einem langen, roten Bart. Es war Xatur, ihr König, der auf sie zukam. Tury und Narim gingen auf die Knie und verneigten sich vor ihrem König.

 

 

 

 

 

 

 

                                           Kapitel  22

 

 

 

Zwei Tage, zwei quälend lange Tage waren vergangen und von den Beiden, die er losgeschickt hatte, war noch immer nichts zu sehen  Dem Fremden ging es schon viel besser, er hatte sich gut erholt. Immer, wenn Fagul sich in der Nähe seiner Lagerstatt aufhielt, besuchte er ihn.  Fagul hatte schon einiges über ihn erfahren, dass er Bauer war und aus einem Land jenseits des großen Waldes kam, von dem auch Dolgin ihm erzählt hatte. Doch es gefiel Fagul überhaupt nicht,  dass Johann aufstehen wollte.  Bei seinem ersten Versuch, wieder auf seinen Beinen zu stehen, sind sie ihm einfach zusammen gebrochen, und wäre da nicht gerade Fagul gewesen, der ihn aufgefangen hätte,  wäre es bestimmt böse ausgegangen.
Um weitere Versuche zu verhindern, hatte sich Fagul gedacht, er könnte ihm die alten Bücher seiner Vergangenheit zu lesen geben. Johann der seine Neugier auf alles Unbekannte und Geheimnisvolle schon wieder bekommen hatte, nahm dieses Angebot von Fagul dankend an. Vorsichtig öffnete Johann eines der alten Bücher, den Titel konnte er kaum noch lesen. Das Buch befand sich in Auflösung, Johann hielt es ins Helle, drehte es einige Male, bis er den richtigen Lichteinfall hatte, und er konnte den Titel lesen........
“Die Bakaar? Hört sich  interessant an “ und Johann versank in der Geschichte.........

 

 

                                                    

 

 

 


                                   Die Bakaar

 

 

Weit ist das Land, erfüllt mit tiefen schwarzen Wäldern, sanften Hügeln, die in schneebedeckten Bergen enden, deren Gipfel wie Diamanten funkeln.
Das ist das Land der Bakaar. Ein Volk,  das schon seit zehntausend Jahren die Welt von Gombar  bewohnte. In hunderten von Jahren entstand die Stadt Kimbali, eine Stadt aus weißem Marmor mit kupfernen Dächern . Und wenn die Sonne auf die Dächer strahlte, meinte man,  sie seien aus Gold . Es war ein angenehmes Leben, das die Bakaar  führten, niemand musste Hunger und Not erleiden,  jedem wurde geholfen. Fremde, die in die Stadt kamen, wurden freundlich aufgenommen, bis weit ins Land waren die Bakaar für ihre Gastfreundschaft bekannt . Der König der Bakaar hieß Fangal de Maheijr, ein weiser und nachdenklicher Herrscher, der aber ein Laster hatte, und das waren seine Hengste, für die er einen besonderen Stall hatte bauen lassen. Dafür wurde nur das edelste und wertvollste Holz verwendet .
In diesem Stall standen an die fünfzig Hengste, alle schwarz wie Ebenholz und alle waren nur von den besten Pferden des Landes. Einmal im Jahr rief der König zur Jagd auf, der am Abend ein rauschendes Fest folgte, die ganze Stadt feierte und war lustig und spät am Abend gab es  ein Feuerwerk, wie es nur die Bakaar verstanden .

 

Und doch, da gab es einen,  der voller Zorn das Leben der Bakaar beobachtete. Einst war er der Zauberer der Stadt  und teilte das angenehme Leben der anderen. Bis zu dem Tag, als der Sohn des Königs verwundet  in die Stadt gebracht wurde und er es verschuldet hatte, dass er starb  -   das wurde ihm vorgeworfen. So kam er vor Gericht und wurde dann geteert und gefedert mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt.

Seit jenem Tag gab es nur noch Rache für ihn. Seit damals nannte man ihn nur noch den dunklen Magier, denn er versammelte die Geschöpfe der Hölle um sich, furchterregende Gestalten. Immer wieder schickte er durch sie Seuchen in die Stadt, sie lauerten Kaufleuten auf,  die in die Stadt wollten und raubten sie aus, erschlugen sie und brachten die Körper weiter zur Stadt.
Er verbreitete Angst und Schrecken im Land. Der dunkle Magier hatte einen Bund mit der Unterwelt geschlossen und die Unsterblichkeit erlangt , solange es den Drachen Ghor gab.
Sollte der Drache eines fernen Tages getötet werden, so musste auch er sterben . So war der Vertrag, den er einging  -  für seine unbändige Rache.
Es vergingen Jahrhunderte, längst war der edle König Fangal de Maheijr gestorben und vergessen,  auch das Leben in Wohlstand war Vergangenheit, es herrschte immer mehr Not und Hunger im Land der Bakaar. Und es wurde der große Rat zusammen gerufen, um  zu entscheiden,  was zu geschehen hatte.
Aus der einst strahlend weißen Stadt ist eine große unansehnliche Behausung für viele Hundert Menschen geworden und die Armut breitete sich immer mehr unter der Bevölkerung aus. Es musste etwas geschehen.
Lange tagte der Rat. Stunde um Stunde verging und dann war man sich einig:
Die Handwerker der Stadt wurden beauftragt,  Schiffe zu bauen,  um dieses Land zu verlassen, bevor es zu spät war und das ganze Volk in Lethargie verfiel  und alles verloren war. Es war die einzige Rettung für die Bakaar.
Monate vergingen, ein Schiff nach dem anderen wurde zu Wasser gelassen, hunderte  -   ja tausende mussten es sein. Drei Jahre waren ins Land gegangen, und endlich wurde die letzte Planke in das letzte Schiff verlegt.
Die Arbeit war getan. Nun konnten die Bakaar das Land,  in dem sie so viel Leid erfahren mussten,  endlich verlassen.....................

 

 

 

 

 

 

 

 


Johann schloss das Buch, das Lesen hatte ihn doch noch angestrengt ! Fagul hatte es bestimmt gut gemeint,  ihm die Bücher zu überlassen. Aber noch war er zu geschwächt,  um durch das Lager zu gehen und sich die Menschen anzuschauen, die seinetwegen auf der Flucht waren. All das ging Johann durch den Kopf . Er legte sich wieder hin, und schlief sofort ein.

 

 Kapitel   23

 

 


Targin und Basul waren nun schon zwölf Stunden unterwegs  -   zwölf Stunden durch dieses merkwürdig hohe Gras. Es gab für beide keinerlei Anhaltspunkte,  an denen sie bestimmen konnten,  wo sie sich befanden. Also blieb ihnen nichts anderes übrig,  als so weiter zu gehen .” Herr Targin schaut,  was ist das?” Es sah aus, als wenn etwas das Gras niedergetreten  hatte, man konnte schon von einer kleinen Lichtung reden.  Nun konnten sie endlich etwas durchatmen, Basul machte einen Schritt vorwärts und strauchelte, er trat in irgend eine Vertiefung, die man bei dem niedergetretenen Gras auf den ersten Blick überhaupt nicht erkennen konnte. Vorsichtig räumten sie die Stelle frei . Es kam ein Abdruck eines Fußes zu Vorschein.
“ Welches Tier hinterlässt solche großen  und tiefen Spuren  -  das muss ja gewaltige Ausmaße an Größe haben!” Die beiden beschlossen, den ganzen Abdruck freizulegen,  und was sie dann sahen, war der Fußabdruck eines .........Menschen?  Derjenige,  der solche Spuren hinterlässt,  musste ja eine  immense Körpergröße besitzen.  Das sagte schon die Tiefe des Fußabdruckes aus,  ungefähr dreißig Zentimeter war dieser tief. Basul schaute Targin an,  aber auch der machte einen ziemlich ratlosen Eindruck. Auf alle Fälle wussten sie jetzt,  dass sie nicht allein waren  -   vielleicht wurden sie auch schon beobachtet.  Zur Vorsicht zogen  beide  ihre Schwerter.” Herr Basul,  wir sollten weitergehen,  dieser Ort ist nicht geheuer! Schauen wir,  wohin diese Spur führt!” Doch dieses Vorhaben war nicht so einfach, denn es handelte sich um eine Spur, die schon ein paar Tage,  wenn nicht Wochen alt war und plötzlich war Schluss. Sie hatten die Spur verloren -sie löste sich förmlich in Luft auf,  wobei auch Regen und Wind das ihre dazu taten. Ohne dass  sie es  bemerkten,  stieg das Land sanft an  und das Gras wurde auch flacher. Es dauerte eine Weile und die beiden hatten freie Sicht über das Land. Und der Wald war zum Greifen nah. Wie kamen sie so schnell in seine Nähe ? Als sie noch im Lager der Bakaar waren, schien der Wald fast unerreichbar und nun standen sie fast am Waldrand. Was sie noch sahen,  war ein Weg,  er war zwar schon sehr zugewuchert,  aber erkennen konnte man ihn noch. “ Wollen wir sehen,  wo er hinführt? Oder ist es besser in der Ebene zu bleiben?” Basul schaute Targin fragend  an.  So hatte er Targin noch nicht erlebt  -  zum ersten Mal zeigte er eine Unsicherheit.  Lag es daran,  dass er seine  Zwergen- Soldaten nicht bei sich hatte,  oder dass man sich auf einen Menschen nicht verlassen konnte. “Ich glaube,  Herr Targin, wir sollten dem Weg folgen,  oder wißt ihr noch den Weg zurück ins Lager? Nein,  es ist schon besser zu sehen, was sich dort befindet. Nicht ohne G
rund befindet sich dort ein Weg.” -  “ Wenn ihr euch so sicher seid, dann lasst uns gehen . Aber ich glaube wir werden es bereuen”, und  so machten sie sich auf,  die Ebene zu verlassen. Die Bäume des Waldes waren groß und dunkel,  auch der Weg, der so unscheinbar begann, wurde immer breiter. Es war schon merkwürdig,  je weiter sie gingen,  um so kleiner kamen sie sich vor. Basul beobachtete misstrauisch den Wald,  als ob er eine Bedrohung aus diesem erwartete,  bis er plötzlich von Targin aufmerksam gemacht wurde, der  nach vorn zeigte.  Zwischen den Bäumen tauchte ein Gebäude auf. Es war zwar noch weit entfernt ,  musste aber sehr groß sein,  weil sie aus dieser Entfernung schon einige Details erkennen konnten.
“ Wir sollten den Weg verlassen, es ist nicht nötig,  dass  wir vorzeitig entdeckt werden”
“Ihr habt recht,  Herr Targin,  es ist wohl auch besser,  wenn wir uns trennen! Ihr geht rechts und ich links neben dem Weg durch das Unterholz,  bis wir an dem Gebäude sind”.  Sie kamen noch langsamer voran,  das Unterholz war dichter als sie gedacht hatten, mühsam bahnten sie sich durch den Wald.
Dann war es geschafft,  sie waren da. Mit großen Augen schauten sie sich die mächtigen Mauern an.” Bei den Göttern,  wer braucht so mächtige Mauern,  um sich zu schützen” flüsterte Basul. Und da war noch ein Problem,  wie sollten sie in das Gebäude kommen ? Die Zugbrücke war hochgezogen und das ganze Anwesen war mit einem tiefen Graben umgeben,  in dem das Feuer der Erde loderte. Eine ungeheure Hitze stieg nach oben. “ Herr Basul,  hier ist kein Weiterkommen,  ich schlage vor,  dass wir zurück in den Wald gehen und das Gebäude von dort aus beobachten, vielleicht werden wir auf diese Weise erfahren,  wer der Hausherr von diesem Anwesen ist.” Auch Basul sah hier so kein Weiterkommen und sie schlichen so unauffällig wie möglich zurück in den Wald. Ewigkeiten vergingen,  ohne dass etwas passierte, und dann....... ein lautes Knarren .

 Sie sahen wie die Zugbrücke sich langsam bewegte. Es öffnete sich das Tor und der Eingang ins Gebäude. Mit einem lauten Knall schlug die Brücke auf den Boden auf, dann wurde das Fallgitter nach oben gezogen.
Basul und Targin schlichen näher an den Waldrand,  um alles besser beobachten zu können. Ein merkwürdiges Vibrieren durchzog den Boden. „Ein Erdbeben“,  flüsterte Basul. Jemand ging durch das Tor, und bei jedem Schritt erzitterte der Boden, und dann sahen sie den Verursacher: ” Bei den Göttern, ein Riese! Der misst bestimmt zwanzig Meter, und wenn er uns entdeckt,  dann sind wird verloren” flüsterte Basul kaum hörbar. Der Riese stampfte über die Brücke, die bei jedem Schritt knarrte, als ob sie zusammen brechen wollte. Diese mächtige Kreatur ging direkt auf den Wald zu , schaute sich einen Moment um , ergriff dann einen Baum, den der Riese mit einem Ruck aus dem Boden riss. Dann fuhr er mit der Hand über den Stamm und entfernte alle Äste mit einem Handstreich . Das Ergebnis war ein mächtiger Wanderstab. Nun wandte er sich um,  ging auf dem Weg zurück  und verschwand im Dickicht des Waldes.
“Puh,  was war das ? So etwas hab’ selbst ich  noch nicht gesehen ! Wir werden noch einen Augenblick warten und dann sehen wir uns seine Behausung von Innen an!” Ich halte das für keine gute Idee,  was ist wenn er doch noch einmal zurück kommt und uns in seinem Haus erwischt? Wir  sollten zurück auf die Ebene gehen. Herr Targin, wir bringen uns völlig sinnlos in Gefahr!” Doch Targin war nicht dazu bereit, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen, schaute noch einmal in die Richtung, in welcher der Riese verschwunden war und lief dann wie von Sinnen zur Zugbrücke und verschwand in dem Gebäude. Basul konnte nicht glauben, was er da sah. Targin war doch ein erfahrener Soldat, was veranlasste ihn, so unvorsichtig zu handeln? Basul schaute sich noch einmal die Mauern und Zinnen an, ob sich dort oben nicht noch einer dieser Geschöpfe befand, dann erst schlich er mit größter Vorsicht hinter Targin her. Zudem hatte er ein mehr als ungutes Gefühl  -  sie hatten nichts in dem Gebäude zu suchen. Herr Fagul hatte sie beauftragt,  die nähere Umgebung zu erkunden und sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben. Doch als Basul durch das Tor ins Innere des Gebäudes ging sah er, wie sich Targin abmühte,  die riesigen Treppenstufen zu erklimmen. Es war ein hoffnungsloses Unterfangen,  sie waren einfach zu hoch.
“Habt ihr einen Wurfhaken dabei oder ein langes Seil? Ich muss unbedingt da rauf , ich muss sehen,  was sich dort befindet!” Herr Targin, seid ihr von Sinnen, was ist in Euch gefahren? Wir sollten so schnell wie möglich von hier fort, dieser Ort ist verflucht!!”

Doch all sein Zureden half nicht,  immer wieder versuchte Targin die Treppe zu bezwingen und immer wieder rutschte er nach unten ab. Basul musste sich etwas einfallen lassen um Targin von hier fort zu bekommen. Also ging er zu ihm und drehte ihn um. Basul erschrak, das war nicht mehr das Gesicht von Hauptmann Targin, er schaute in eine Grimasse, die aus der Hölle stammen musste,  und zu allem Übel griff ihn Targin auch noch an, stieß Basul zur Seite und lief  durch die Tür nach draußen und war fort. Basul der sofort wieder auf den Beinen war, lief ihm noch hinterher, doch Targin war verschwunden. Hatte der Magier seine Hände im Spiel? Griff er nach dem Verstand seiner Gegner? Und was sollte Basul, der nun auf sich gestellt war machen?

 Er wusste es nicht, aber erst einmal sagte er sich, von hier verschwinden und das ganz schnell. Basul schaute sich sorgsam um. Er suchte den Waldrand mit seinen Augen ab. Nichts, alles ruhig, aber eines fiel ihm jetzt doch auf  -  er hörte keinen Vogelgesang, darauf hatte er überhaupt nicht geachtet,  als sie hier her kamen. Nur ein leichtes Rauschen der Bäume,  das  durch eine Windböe verursacht wurde. Basul hastete über die Zugbrücke  zurück in den Wald. Nur schnell in die sichere Deckung der Bäume. Doch etwas sagte ihm,  er solle ein Stück in den Wald gehen. Er glaubte, dass  jemand seinen Namen rief,  immer wieder hörte er das Rufen, bis er schließlich nachgab und in den Wald ging. Nach kurzer Zeit kam Basul zu einer Lichtung und da stand eine alte Frau mit einem schwarzen Umhang, deren Ende bis auf den Boden reichte. “Wer seid ihr?” fragte Basul.
“ Ich bin Elke vom See, die Herrin über das Grasland. Und was sucht ihr hier im Land des Riesen Schongar? Ihr seid hier in großer Gefahr, er ist ein böses Wesen. Und er steht in Diensten des dunklen Magier. Einst war Schongar ein guter und hilfsbereiter Riese und gewährte jedem Wanderer Unterkunft und Verpflegung,  bis eines Tages der Magier zu ihm kam. Seit dem Tag hatte er sich verändert. Er wurde ein grausamer Riese,  der jeden unterwerfen und seinen Willen aufzwingen will. Nur bei mir hat er eine Lehre bezogen, die er nie vergessen wird. Warum seid ihr hier? Nach kurzem Zögern, ob er ihr vertrauen konnte,  erzählte er von dem, was er wusste und von seinem Begleiter der sich plötzlich so verändert hatte. “ Dann hat auch er dem Willen des Magier nachgegeben, vergesst ihn,  denn er wird Euch nicht verschonen,  wenn er euch wiedersieht. Nun höre, ich werde euch helfen. Geht zurück zu eurem Volk und führt sie in Richtung der aufgehenden Sonne zu dem großen Wasser. Dort liegen Schiffe, die euch übersetzen werden. Doch eines bedenkt,  die Fährleute müsst ihr bezahlen. Sie verlangen das Wertvollste, was ihr besitzt. Solltet ihr es ihnen verweigern,  werdet ihr auf immer auf den Schiffen bleiben.” “Wie soll ich zu meinem Volk zurück finden, da ich mir nicht im Klaren bin, wo ich mich gerade befinde und in welcher Richtung ich gehen muss ?” - “ Geht zurück auf den Weg, der in die Grasebene führt, und ihr werdet den richtigen Weg finden.  Nur eines noch -  bis zum Sonnenaufgang müsst ihr bei eurem Volk sein , sonst ist alles verloren. Solltet ihr meine Hilfe suchen, so ruft meinen Namen und ich werde euch im Geiste erscheinen.” Mit diesen Worten verschwand sie  und Basul war wieder allein auf der Lichtung. Plötzlich bekam Basul einen kräftigen Schlag auf den Rücken, der ihn zu Boden warf, doch sofort war Basul wieder auf den Beinen, drehte sich um und sah in das Gesicht von Targin, oder wer auch immer das war,  erkennen konnte er ihn nur an seinen Wams den er trug. Er sah furchterregend aus, seine Augen waren glutrot,  das ganze Gesicht war mit Warzen überzogen, und wo einst seine Hände waren,  hatte er nun Krallen, die aber durchaus noch in der Lage waren,  ein Schwert zu halten. “Kommt zu uns und ihr werdet leben  -  oder ihr seid des Todes!”

Basul erschauerte, als er diese von Bosheit gezeichnete Stimme hörte. Doch für Basul gab es nur eine Antwort und die hieß NEIN.  Ansatzlos ging Targin oder der Dämon, der von ihm Besitz genommen hatte, zum Angriff über. Doch leicht wollte Basul es ihm auch nicht machen. Mit großer Gewalt trafen die Schwerter aufeinander. Immer wieder versuchte einer den anderen zu treffen,  um dem Kampf ein Ende zu bereiten. Bis plötzlich der Dämon strauchelte und zu Boden ging. Das war der Moment auf den Basul gewartet hatte . Er holte zu einem mächtigen Schlag aus und spaltete dem Dämon den Kopf. Als dieser dann auf dem Boden lag, sah er in Targins Gesicht, wie er sich wieder zurück verwandelte. Der Dämon konnte diesen Körper nicht mehr verwenden. Durch den Kampf war Basul von der Lichtung in den Wald geraten, und musste einige Minuten den Weg suchen, der zur Grasebene führt. Als Basul dann an Rand der Grasebene stand, wusste er plötzlich, in welche Richtung er gehen musste. Doch Basul musste sich beeilen, durch den Kampf hatte er  viel Zeit verloren.

 

 

 

 

 

 

Kapitel  24

 

 

 

Xatur  stand vor den beiden, sah auf sie hinab und  bat sie dann, sich zu erheben. Mit verwundertem Gesicht sah er sie dann an. “Ihr seid Soldaten des Hauptmann Targin, ich sehe es an eurer Kleidung, darf ich fragen, woher ihr kommt? Euer Hauptmann ist meines Wissens nicht hier in der Nähe. Was habt ihr zu berichten?”
Xatur glaubte, sie hätten sich ohne Wissen von Targin und der Truppe entfernt und ließ sie festnehmen. Sie sollten solange in Ketten gelegt werden, bis Hauptmann Targin dazu gehört werden konnte.” Herr, mein König,  hört uns an ! Wir wurden geschickt,  Euch zu suchen. Durch diesen Berg sind wir gegangen, vor einem Erdbeben sind wir geflohen, als alles um uns zusammen brach. Immer noch der Gedanke, euch zu finden, hat uns angetrieben, Hauptmann Targin und Fagul, der Stadtobere der Menschen, schickten uns, Euch um Hilfe zu bitten“. Xatur gab den Wachen ein Zeichen und sie ließen die beiden los.

 

 Dann fingen Tury und Narim an zu erzählen, dass sie ihn um Hilfe bitten sollten, und dass die Menschen auf der Flucht seien  -  verfolgt vom dunklen Magier, und dass sie sich jenseits der Berge befanden,  in einem riesigen Tal, das nur mit Gras bewachsen war und dass sie einen Fremden bei sich hatten,  den sie für den einen in ihrer Prophezeiung  hielten. Tury endete damit,  dass der Herr Fagul dem Volk der Zwerge Frieden und Freundschaft anbot.

 Xatur, der mit Interesse dem Bericht der beiden gelauscht hatte,  wandte sich um und ging wortlos davon. Nach ein paar Schritten drehte er sich um: ” Wenn auch nur ein Wort eures Berichtes unwahr ist !  Ihr verliert euren Kopf, so wahr mein Name Xatur von Talmaar ist.” Dann entfernte sich der König, und eine Wand von Kriegern schloss sich hinter ihm. Tury und Narim standen da und wussten nicht, was auf sie zukam , wurden sie  noch in Ketten gelegt ? Die Wachen standen immer noch bei ihnen,  aber ihr Interesse galt etwas anderem. Man kümmerte sich nicht mehr um sie. Langsam setzte sich die Armee der Zwerge wieder in Bewegung  und die beiden schauten zu, wie die Krieger an ihnen vorbei zogen. Bis auf einmal ein sehr großer Zwerg sie anschrie, sie sollten sich einreihen, sie wären nicht zum Spaß hier und stieß sie recht unsanft in den Tross der dahin marschierenden Krieger.

 “ Wenn ich das gewusst hätte, hätten wir auch dort hinten auf Xatur warten können. Nun gehen wir den ganzen Weg wieder zurück!”

 “Sei still,  ich glaube wir haben  schon genug Ärger - man glaubt uns nicht.”   “ Ach, und warum sind wir dann nicht in Ketten, wie es Xatur angeordnet hatte?”  “ Narim, wo sollen wir hier fliehen? Der Weg ist doch dort hinten zu Ende! Erinnere Dich!”

 Allmählich kamen sie wieder an die Stelle, an der sie von dem Berg kamen, und sie die vielen Adler haben fliegen sehen. Es wurde ein Halt befohlen, Wachen wurden aufgestellt. Warum gerade hier,  dort macht der Weg eine Biegung. Warum ein Lager aufschlagen, wenn der Weg nicht einsehbar ist? Es kam Ruhe in das Lager und es kümmerte sich immer noch niemand um die beiden, sie konnten sich frei bewegen.

„Tury  los, schauen wir,  was sich hinter der Biegung des Weges

befindet . “  Narim wollte es unbedingt wissen, und nach einem kurzen Fußmarsch war Narims Neugier befriedigt . Hier stieg eine mächtige Felswand empor . Der Weg war eindeutig zu Ende. Aber warum sind sie dann bis hier gegangen ? Ist hier etwas,  was sie nicht gesehen hatten? Sie schauten sich an , aber keiner von den beiden hatte eine Antwort darauf. Inzwischen brach die Dämmerung herein und es wurde schnell Nacht in den Bergen. Was wird wohl der nächste Tag bringen ? Werden sie nun durch das Gebirge laufen und sich vielleicht noch verirren und einer nach dem anderen umkommen. Denn so wie es aussah, wusste doch niemand, wie es weiter gehen sollte.Diese und andere Dinge gingen Tury und Narim durch den Kopf. Aber sie waren wohl die einzigen,  die darüber nachdachten. Als sie sich im Lager umsahen, war alles am Schlafen und Schnarchen.

 Eine unruhige Nacht brach für die beiden an, in der Ferne hörten sie allerlei Geräusche. Blitze waren am Himmel zu sehen und es war das Grollen des Donners zu hören. Aber manchmal hatten sie den Eindruck, auch so etwas wie Fauchen oder Todesschreie wahrzunehmen. Oder spielten ihre Sinne ihnen einen Streich? Narim wollte Tury noch etwas sagen und drehte seinen Kopf zur Seite, doch Tury schlief ganz fest. Es war schon weit nach Mitternacht als Narim endlich einschlief. Es war ein unruhiger Schlaf, Narim drehte sich von einer Seite auf die andere. Dann hatte er eine Vision. Er sah, wie die Zwerge einem mächtigen Feind gegenüber standen . Grimmige, schaurige Gestallten,  Geburten der Hölle, die  keine Gnade kannten.  Sie hatten lange Schwerter in der Hand  mit denen sie auf ihre Schilde trommelten und ein immer gleicher Schlachtruf entwich ihren Kehlen. Drachen kreisten über ihren Köpfen und auf ihnen saßen die Höllengestalten des dunklen Magier. Sie kamen immer näher und in den Reihen der Zwerge kam Unruhe auf. Einige wollten fliehen,  wurden aber von anderen aufgehalten .Da waren die Menschen, sie waren auf ihrer Seite schon im Kampf mit dem Feind. Auch Elben,  die auf einer Anhöhe standen,  sah er, und diese schossen Pfeile gegen den Feind. Es war ein völliges Durcheinander und der Himmel verdunkelte sich.....”. Wach auf, du Schlafmütze, es ist schon hell”!  Narim war schweißgebadet und musste sich besinnen,  wo er überhaupt war. Er fasste Tury am Arm und erzählte ihm von seiner Vision.  “ Beruhige dich Narim, es war nur ein Traum, und nichts muss so passieren wie du es gesehen hast.

 Schau, was sie dort machen! Es sieht so aus, als suchten sie etwas” Wirklich, es sah so aus, als suchten sie etwas -  sie tasteten jeden Millimeter der Wand ab  -  und plötzlich hörten sie ein leises Geräusch, so, als ob ein Mechanismus in Gang gesetzt wurde. Alle gingen einige Schritte weg von der Felswand,  die sich langsam öffnete und einen Eingang freigab.  Eisiger Wind blies ihnen entgegen -  Fackeln  wurden angefertigt, und dann betraten die Zwerge vorsichtig das Innere des Berges.
Stille, nur Stille – nichts  war zu hören,  nur das Klirren und Klappern der Rüstungen. Xatur, der beinahe flüsterte, gab seinen Leuten die Anweisung, alles abzulegen,  was nicht unbedingt gebraucht wurde und Geräusche verursacht. Sie begaben sich immer tiefer in die Höhle - mächtige Säulen ragten bis an die Höhlendecke und es sah aus,  als sei hier seit Jahrhunderten kein Lebewesen mehr gewesen. Bei jedem Schritt wirbelten sie  Staub auf,  der sich in Jahrhunderten hier abgelegt hatte. Im Schein der Fackeln  funkelten die Wände wie Diamanten, doch es war nur die Feuchtigkeit an den Wänden die das Licht brach. Weiter und weiter drangen sie vor durch schmale Gänge ,dann wieder durch große Hallen.

Dann mit einem Mal hob Xatur die Hand und alles blieb stehen, sie  machten sich so klein,  wie es ihnen möglich war. Da war doch eine Bewegung?  Ein Schatten, Xatur war sich völlig sicher, etwas befand sich dort,  das nicht entdeckt werden wollte.

 

 

 

 

 

Kapitel  25

 

 

 

Der dunkle Magier war ungehalten, seine Schergen konnten nicht einen der Menschen, die er so hasste,  finden. Immer wieder betrat einer seiner Hauptmänner den Raum und immer wieder dieselbe Antwort.” Ich wünsche,  dass ihr die Menschen findet, sucht in jedem Haus, in jeder Ecke  -  irgendwo müssen sie sein !” Er tobte  -  er wollte seine Rache.....jetzt!

 “Mein Imperator!” -  Es hatte noch einer der Hauptmänner den Raum betreten. Der Magier wirbelte herum:” Was?” -  “Wir haben einen Gang entdeckt. Er führt aus der Stadt, nur gibt es ein Problem, der Gang ist verschüttet und wir können ihn nicht freilegen.  Sowie wir beginnen, den Gang freizulegen,  rutscht neues Gestein nach. Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen !” Der dunkle Magier schaute ihn Sekunden lang  an. „Dann sucht außerhalb der Stadt, ihr Maden, sucht den Ausgang  -  irgendwo muss er sein!” Er trat an sein Gegenüber heran: “ Und eines rate ich euch, findet die Menschen, meine Geduld ist nicht von Dauer!” Ohne ein weiteres Wort ging er aus dem Raum . Von draußen hörte man ein mächtiges Rauschen. Es war der Drache Ghor, der seinen Herrn zurück in sein Schloss brachte.

 

 

Johanns Zustand verbesserte sich von Stunde zu Stunde.  Der Saft aus den blauen Blüten schien Wirkung zu zeigen.  Er musste unbedingt ins Freie, musste mit den Menschen sprechen, die seinetwegen soviel Leid ertragen mussten. Bei den Versuch aufzustehen, strauchelte er und fiel auf seine Lagerstatt zurück. Genau in dem Augenblick betrat Fagul seine Unterkunft und versuchte seinen Fall etwas abzufangen. Doch Johann wollte raus, mit den Menschen sprechen,  er wollte wissen, was passiert ist.

 Fagul beruhigte ihn  und begann zu erzählen, dass es nicht seine Schuld war,  dass die Bakaar auf der Flucht waren . Dass es einen Magier gab,  der seit Jahrhunderten nach dem Leben der Menschen trachtete. Dass Johann in die Ereignisse verstrickt wurde,  war wohl eher ein Zufall, auch dass Fischer ihn aus dem See gerettet hatten und zu der Stadt der Menschen brachten .

Gespannt und wortlos lauschte Johann der Erzählung von Fagul. Auch,  dass die Bakaar nach einer alten Überlieferung glaubten,  dass Johann der ist, der den dunklen Magier im Kampf tötet. Undeutlich erinnerte sich Johann daran,  dass er in einem Buch die Geschichte der Bakaar gelesen hatte,  jedenfalls den Anfang  des Buches. Aber er? Ein Erlöser? “ Herr Fagul,  ich soll den Magier töten? Ich muss euch sagen,  ich bin ein Bauer und weiß,  wie man mit einem Pflug umgeht, aber nicht mit Schild und Schwert! Wie soll das gehen?” Fagul schaute ihn an, klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.  “Man wird sehen,  junger Johann, man wird sehen! Die Zeit wird es bringen. Seid ihr erholt genug und fühlt euch kräftig genug, um euer Lager zu verlassen? Dann lasst uns gehen, es wird das Volk erfreuen, Euch gesunden zu sehen.  Sich auf Fagul stützend, verließ Johann seine Unterkunft. Mit unsicheren Schritten ging Johann durch das Lager. Eigentlich wollte er ja nur einmal in den Wald schauen  -   dass sich das nun alles so entwickelt,  hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht. Johann schritt durch das Lager und sah,  wie die Frauen an Lagerfeuern  Mahlzeiten zubereiteten, aus dem Wenigen, was sie hatten. Doch als sie aufschauten und Johann sahen,  begrüßten sie ihn freundlich mit einem Lächeln. Andere waren mit der Herstellung und Reparatur der Kleidung  beschäftigt. Dann sah Johann eine Unmenge von Kriegern, die sich um ihre Bewaffnung kümmerten. Doch alle waren sie freundlich zu ihnen .

Doch plötzlich kam Unruhe auf,  von irgendwo her kam etwas auf das Lager zu  -  und das Unbekannte bemühte sich nicht einmal, leise zu sein. Die Krieger standen zum Kampf bereit mit Schild und  Lanze , entschlossen, das Leben der Bakaar zu verteidigen . Jeder war zum Zerspringen angespannt und wartete darauf, was dort aus dem Dschungel des Grases hervor brach. Dann sahen sie es! Es war ein Mann  -  ein einzelner Mann, seine Kleidung war zerrissen und das Gesicht von Wunden gezeichnet. Aus etlichen Wunden am Körper drang Blut. Dieser Mann war am Ende seiner Kräfte,  er rief einen Namen “ Fagul, ich muss zu Fagul“ !  Dann brach er zusammen. Fagul und einige der Krieger liefen zu dem Verletzten, der auf dem Boden lag, und als sie bei ihm waren, erkannte Fagul, wer das war. “Basul,  bei den Göttern, was ist passiert und wo ist Targin?” “ Tot,  er ist Tot und wir müssen uns beeilen!  Wir... müssen zu dem großen Wasser,  dort warten Fährleute, die uns übersetzen, doch wir müssen sie bezahlen mit dem Wertvollsten, was wir besitzen. In Richtung der aufgehenden Sonne, so schnell wir können - sofort aufbrechen.  Elke vom See ..sie...hat...es “  Fagul nahm ihn in seine Arme .” Basul, was hat sie gesagt ? Basul...Basul!” Doch Basul antwortete nicht mehr, er war Tot. Vorsichtig legte Fagul ihn wieder auf den Boden,  niemand wird je erfahren, was geschehen war .Eine Bahre wurde geholt um den Leichnam darauf zu legen und fortzutragen. Stille herrschte und zwei Mann bahnten sich einen Weg durch die Menge. Sie forderten, die Bahre zu tragen und still übernahmen sie den Toten, um ihm ihre letzte Ehre zu erweisen. Es waren Tresal und Rempa, still gingen sie mit der Bahre durch die Reihen der Bakaar, die sich vor dem Toten verneigten, als er vorbeigetragen wurde.” Gebt dem Volk bekannt, dass wir sofort aufbrechen müssen! Ich werde folgen, eilt Euch, es ist wenig Zeit!” Fagul hatte keinen Zweifel an Basuls letzten Worten. Was musste er erlebt haben ! Ein schnelles Begräbnis -  für mehr war keine Zeit .Vielleicht war der dunkle Magier schon auf dem Weg hierher. Nichts verriet das Grab des Basul,  alle Spuren wurden beseitigt. Dann brachen sie auf, um den See zu erreichen. Da Basul es nicht mehr geschafft hatte  ihnen mitzuteilen, wie weit es zu dem See oder Meer war, mussten sie sich eilen. Vielleicht waren sie dort jenseits des Sees in Sicherheit.    Vielleicht !  ---     Aber es war noch ein langer Weg.

 


Basul stand an Rand der Grasebene und plötzlich wusste er, in welcher Richtung er gehen musste. Es war keine Zeit zu verlieren . Zuerst war das Gras flach, wurde dann aber schnell so hoch, dass er nicht mehr in die Ferne schauen konnte . Genau so hab’ ich mir das vorgestellt, dachte er bei sich . Gehofft hatte Basul aber, das ihm die Frau vom See ein bisschen helfen würde, zum Beispiel, dass das Gras flacher blieb, die Hoffnung aber blieb vergebens. Ab und zu kamen Geräusche aus dem Dickicht aus Gras an sein Ohr und jedes Mal zuckte er zusammen, zog sein Schwert .Doch nichts geschah. In diesen Augenblicken kam ihm die Erinnerung an Targin in den Sinn, wenn er nun doch nicht tot war ? Vielleicht verfolgte Targin ihn ? Basul bescheunigte seine Schritte,  er hastete durch das Dickicht, so schnell wie möglich musste er zurück zu den Bakaar. Dann -  mit einem mal blieb Basul wie angenagelt stehen.    ---     Fußspuren!   Hatte er doch recht, war er nicht allein ? Wurde er verfolgt oder beobachtet? Langsam, ohne eine schnelle Bewegung zu machen, zog er Schwert und Messer, beugte sich zu der Fußspur,  um sie genauer zu untersuchen. Merkwürdig, dachte er, dieser Abdruck ist ungefähr so groß wie meiner. Und um die Größe zu bestimmen, trat er in den Abdruck. Der Mann, dem dieser Abdruck gehörte, war kaum größer als er und ging in dieselbe Richtung, die er eingeschlagen hatte. Ganz behutsam und doch mit der Zeitnot im Nacken, ging er weiter. Nach einer Weile sah er einen zweiten Fußabdruck -  sind sie nun zu Zweit? Basul schaute sich in geduckter Haltung nach allen Seiten um....nichts! Auch den zweiten Abdruck schaute er sich genauer an. Doch was war das? Sein Blick fiel auf seinen Fußabdruck,  an der Fußspitze war ein kleiner Zacken zu sehen,  der sich beim Laufen im Boden abzeichnete und dieselben  Merkmale hatte, wie die anderen Abdrücke. Basul war im Kreis gelaufen, er hatte sich selbst verfolgt,  wie sollte er nun noch rechtzeitig zu seinem Volk finden?

 Da ... Da war  es wieder,  dieses Rascheln in der Nähe, aber sehen konnte Basul nichts, nur Grashalme, die dick wie Baumstämme waren. Basul hockte sich auf den Boden. In  Gedanken rief er die Frau vom See, um sie zu fragen, wo es weiter geht. Denn eines war klar, er hatte sich jetzt schon hoffnungslos verlaufen.” Was begehrt ihr?” -  “Gute Frau vom See,  ich weiß nicht weiter,  weist mir bitte den Weg zu meinem Volk! Ich find' ihn nimmer!”  - “Schau nach oben ,dort seht Ihr eine kleine weiße Wolke, folgt ihr und Ihr gelangt zu Eurem Volk! Eilt euch, die Zeit vergeht!!” Basul schaute nach oben und da war sie und zog langsam von ihm fort. Basul war im Zweifel, sollte er der Wolke wirklich folgen, sie flog in eine ganz andere Richtung, als in der,  wo er die Bakaar vermutete .Aber was blieb ihm übrig, also ging er hinter der Wolke her. Es fiel ihm aber auch auf, dass sie immer kleiner wurde, wenn das so weiter geht, dann ist sie bald verschwunden. Aber das muss wohl so sein, sie sollte ihm auch nur die Richtung weisen. Wieder dieses Knacken. Wieder schaute Basul sich nach allen Richtungen um. Da brach es hervor,  ein schwarzes Ungetüm, hoch wie ein Haus mit mächtigen Greifzangen . Es stürmte durch das Dickicht, als wäre es nicht vorhanden -  genau auf Basul zu. Der konnte sich gerade noch hinter einem Grashalm in Sicherheit bringen und so dem ersten Angriff ausweichen .Doch ein mächtiger Hieb der Zangen zerschnitt alles wie Papier. Basul lief von einem Versteck zum nächsten, immer auf neue Deckung bedacht. Und einen Augenblick konnte er sehen, was sich am Hinterteil dieses Monsters befand. Dort war ein langer Schwanz, der sich wie eine Peitsche hin und her bewegte - besetzt mit langen Stacheln. Immer wieder wechselte Basul die Deckung,  darauf bedacht, nicht in die Nähe dieses Monsters zu kommen. Wenn sich die Möglichkeit ergab und er in der richtigen Position war, versuchte Basul einen Gegenangriff, doch der Feind war schnell und Basul wurde langsam müde. Genau in diesem Augenblick, als Basul erneut seine Deckung wechseln wollte, passte er einen Moment nicht auf. Blitzschnell bewegte sich der mit Stacheln bewaffnete Schwanz auf ihn zu und schlitzte ihm Brust und Schulter auf . Ein stechender Schmerz durchflutete seinen Körper, dann bekam Basul noch einen Hieb und eine der Zangen fügte ihm große Wunden im Gesicht und Rücken zu.

 Das ist das Ende,  schoss es Basul durch den Kopf, als er zu Boden ging. Den Tod erwartend,  lag Basul mit dem Gesicht nach unten auf der Erde. Doch nichts geschah,  nur ein Rauschen wie Flügelschlag war zu hören. Basul drehte sich, so schnell es seine Verletzungen zuließen um, und konnte gerade noch sehen, wie ein riesiger Vogel mit diesem Monster fortflog. Er blutete, seine Kleider waren zerrissen und er musste weiter ! Mit großer Anstrengung stand er auf und musste sich sofort festhalten,  alles drehte sich um ihn.” Das schaffe ich nicht mehr, ich muss los, sie warten auf mich!” Basul fing an, wirres Zeug zu reden, er versuchte sich zu beeilen, strauchelte und fiel zu Boden. Blut und Schweiß vermischten sich mit der Erde, die Basul im Gesicht hatte. Der Blutverlust war schon so hoch, dass er nicht mehr bei Sinnen war und er sah Dinge , wundervolle Dinge. Plötzlich meinte Basul, die Stimmen der Engel zu hören,  das musste er sehen, ganz nah waren sie, er hörte sie Lachen und Singen,  dort war Fröhlichkeit, da wollte er hin. Doch dass es das Lager der Bakaar war, nahm er in seinen Fieberwahn nicht mehr wahr. Erst als er im Lager zu Boden fiel, kam Basul noch einmal kurz zur Besinnung. Er erkannte Fagul, dem musste er berichten,  doch zu einem klaren Satz war Basul nicht mehr in der Lage . Da!  Da war ein Licht  -   ein angenehmes Gefühl durchströmte Basul. Dann starb er in den Armen Faguls.

 

Kapitel  26

 

 

 

Das Unwetter wurde immer stärker, es war nun selbst für die Adler kaum noch ein Vorwärtskommen. Hinzu kam nun auch noch Hagel, rechts und links von Hagar wurden immer mehr Adler von dem Hagel getroffen, der so groß wie die  Geschosse der Menschen war. Immer mehr seiner Begleiter stürzten verletzt oder tödlich getroffen zu Boden.  “ Ihr habt recht,  ich werde meinem Volk die Landung befehlen, sonst werden noch mehr sinnlos umkommen.”  „Seht Ihr einen Platz,  wo wir landen können?”  “ Ja, dort unten gibt es eine Höhle,  die groß genug für uns alle ist , dort werden wir das Unwetter abwarten.”

 Dolgin schaute nach oben,  der Himmel war so dunkel,  als wäre es Nacht  -  doch es war erst früher Nachmittag. Es war eine Pause,  die nicht eingeplant war und wie lange sie in der Höhle verweilen mussten, konnte ihm auch niemand sagen. Hagar, der ihn ansah, ahnte wohl Dolgins Gedanken. ” Mein alter Freund, wir kennen uns nun schon so lange und immer noch habt ihr keine innere Ruhe gefunden. Wir müssen uns in Geduld üben , irgendwann können wir weiter. Schlafen und ausruhen solltet ihr ! Es werden noch schlimme Dinge geschehen und ein müder Krieger ist ein schlechter Krieger.” Dolgin sah seinen Kampfgenossen an  und ein flüchtiges Lächeln war auf seinem Gesicht zu sehen . “ Nein, nein mein Freund,  ein müder Krieger ist ein toter Krieger”. Mi diesen Worten drehte Dolgin Hagar den Rücken zu, und es dauerte nicht lange, dann hörten sie ein tiefes Schnarchen, das an den Felswänden widerhallte. “ Ach herrje, so war das auch nicht gemeint, bei dem Lärm kann ja niemand ein Auge zumachen”. Hagar stand auf und entfernte sich ein ganzes Stück von Dolgin bis er meinte, dass er weit genug von ihm fort war,  um ein ungestörtes Nickerchen zu halten. Dann dauerte es nicht lange und es kehrte Ruhe in der Höhle ein, sie schliefen alle, um neue Kraft zu sammeln.
Es wurde Nacht und es wurde wieder Morgen, ein schöner Morgen. Nichts war mehr vom Unwetter zu sehen, der Himmel war blau,  die Vögel zwitscherten, ein leichtes Lüftchen wehte und ein ohrenbetäubender Pfeifton durchdrang die Höhle, und das genau neben Dolgin, der wie von einem Bogen geschossen hochschnellte, und genau in die Augen Hagars schaute.” Musste das sein? Hagar!”.  Der aber hielt den Kopf schief und erwiderte “ Musste das sein? Dolgin! Mit eurem Schnarchen hättet ihr Wehrmauern einreißen können”,  dann drehte sich Hagar um, und wenn er ein Lied hätte Pfeifen können,  hätte er es getan  -  vor Freude, seinen Freund aus alten Tagen einmal richtig erschreckt zu haben.

 Nach einiger Zeit kamen zwei Adler zur Höhle herein  und Hagar sprach mit ihnen. Sie waren von einem Erkundungsflug zurückgekehrt,und  als Dolgin zu ihnen ging, berichtete Hagar,  was die beiden gesehen hatten. “ Sie haben Drachen gesehen, an die zwanzig müssen es gewesen sein, sie kamen aus dem Land hinter den Bergen,  genau aus der Richtung, wo wir die Elfen vermuten. Hoffentlich ist es nicht zu spät.” 

 Es kam Leben in die Höhle, einer nach dem andern erwachte, ordnete sein Gefieder und hörte,   was Hagar von den Kundschaftern erfahren hatte. Als Hagar mit seiner Rede schloss, drängte er zum schnellen Aufbruch. Adler um Adler erhob sich in die Höhe, als letzte flogen Hagar und Dolgin los. Das Gebirge, über das sie flogen,

erstreckte sich bis zum Horizont. Es sah aus wie ein Meer aus Felsen. Hagar mit seinen scharfen Augen sah etwas auf dem Boden blinken, und machte Dolgin darauf aufmerksam. Dann begann Hagar mit dem Sinkflug bis sie tief genug waren, dass  auch Dolgin etwas erkennen konnte.

 Es waren Elfen, das Volk,  um das sich so viele Mühten rankten, das Volk,  das sich von anderen Lebensformen fernhielt und von dem ein jeder nur wenig wusste. “ Ich hab es geahnt, sie sind es,  diese Elfen  -  ein hochnäsiges und arrogantes Volk!”   “Kennt ihr sie ? “   “Nein, und eigentlich möchte ich sie auch nicht kennen lernen, aber wir brauchen sie und ihre Kampfkünste!”   “Sie haben es sehr eilig, irgend etwas muss passiert sein?” sagte Dolgin . Dann fragte er Hagar,  ob es nicht besser sei,  zu landen und ihnen Hilfe anbieten. Doch Hagar war anderer Meinung,  sie sollten so schnell wie möglich die Elfen erreichen, wenn sie sich nun noch mit dem Trupp aufhielten,  würden sie kostbare Zeit verlieren, Hagar drehte ab und gewann wieder an Höhe. Die Adler hatten schon einen großen Vorsprung, Hagar musste sich beeilen,  um wieder zu ihnen aufzuschließen. Als es endlich geschafft war, sahen sie eine Rauchwolke, die zu Himmel stieg, es musste ein sehr großes Feuer sein. Je näher sie kamen, um so mehr Rauchsäulen sahen sie aufsteigen. Der Himmel war von einem flackernden Rot erfüllt, doch das war nicht die untergehende Sonne. Dort wo der Rauch zu sehen war, geschah etwas furchtbares. Näher und näher kamen sie, und sie sahen Gebäude, die in Flammen standen -  überall waren Trümmer und tote Elfen. Nun wusste Dolgin mit Bestimmtheit,  dass  die Drachen von hier kamen. Doch war der König noch am Leben? Auch die riesigen Adler konnten hier nicht landen, sie drehten ab und gingen etwas abseits zu Boden. Nur Dolgin und Hagar flogen direkt in die Stadt hinein und sofort waren sie von Elfen umgeben und diese zeigten ihnen, dass  sie nicht willkommen waren. “ Mein Name ist Dohlam schagkira poulgimtin -  der Hüter der Einhörner im Wald von Oboon und ersuche eine Audienz mit eurem König! Doch ich sehe, ihr habt im Moment ein anderes Problem, bei dem ich euch behilflich sein kann,  es zu beheben”.   “ Ihr? Schaut euch an,  ihr seid klein,  unbedeutend und wir kennen euch nicht. Warum sollten wir einem Fremden vertrauen? Dieses Problem,  wie ihr es nennt,  bekommen wir auch ohne euch  in den Griff !”   “Oh ja,  ich sehe es,  dort brechen gerade weitere Gebäude zusammen. Ich und mein Freund sind aber in der Lage euch aus dieser Situation zu befreien!” Als Antwort bekam Dolgin Schweigen und abschätzende Blicke.” Gut dann zeig,t ob eure Worte auch das halten,  was ihr versprecht.”
“Dann lasst alle Gefäße herbeischaffen, in denen Wasser einzufüllen ist, aber sie müssen groß sein !” Der Angesprochene wandte sich zu seinen Leuten und sagte ihnen etwas in der Sprache der Elfen, und sogleich stoben alle auseinander um das herbeizuschaffen, was Dolgin verlangte.” Habt ihr ein Gewässer in eurer Nähe?”
“Ja,  dort hinter dem Berg befindet sich ein Gewässer, aber um es zu erreichen braucht ihr einen Tag.”   “Nein ,nicht einmal zehn Minuten!” antwortete Dolgin , und schaute in ein verwundertes Gesicht des Elfen. Dolgin gab Hagar ein Zeichen, dass  er die Adler zu Hilfe holen sollte und dieser erhob sich und verschwand .  “Und nun?”   “ Wartet es ab, ihr werdet es hören und sehen!”  Tatsächlich,  wenige Augenblicke später erfüllte ein Rauschen die Luft,  mächtig und gewaltig wie Donner,  der in den Bergen wiederhallt. Die Elfen schauten gebannt in den Himmel, und dann sahen sie die Adler wie eine riesige dunkle Wolke bewegten sie sich auf die brennende Stadt der Elfen zu. Die Gefäße, die in aller Eile geholt worden waren  wurden von den Adlern ergriffen, um mit ihnen über die Berge zu dem Gewässer zu fliegen und mit der Wasser zum Löschen zurück zu kehren.
Dolgin ersuchte erneut um eine Audienz mit dem König der Elfen. Sein Gegenüber bat ihn. ihm zu folgen. Sie gingen in ein Gebäude, das von dem Feuer noch verschont geblieben war,  eine große Halle durchquerten sie, auf die eine weitere folgte und  an deren Ende ein Thron stand.  Derjenige, der vor ihm ging,  setzte sich auf ihn. “ Ich bin Garem dur Melasi,  König der Elfen. Was ist euer Begehr?”
Dolgin schaute zu ihm hoch , als hätte  ich mir das gedacht, ging es ihm durch den Kopf. Doch als Erstes machte Dolgin eine Verbeugung des Respekts vor dem  König der Elfen. “ Mein Weg zu euch hat einen dringlichen Grund, der dunkle Magier ! Ihr und euer Volk habt heute erfahren,  dass auch euer Leben bedroht ist,   der dunkle Magier  giert nach Macht . Er versucht,  die Völker zu unterjochen und allen ist es nicht möglich,  Widerstand zu leisten. Doch wenn alle sich zu einer Allianz zusammen finden,  wird eine Kraft erwachen,  die auch er fürchten wird. Ich sah, wie seine Horden zu der Stadt Bakaar zogen . Ob sie noch Bestand hat,  kann ich nicht sagen.  Aber ich sage euch, dass wir endlich alle gegen ihn zu Felde ziehen müssen , oder es wird großes Unheil über unsere Völker kommen”
Dolgin kniete  während er sprach vor dem König. “ Erhebt euch , wir denke, ihr handelt aus edlen Motiven,  doch muss erst der Rat zusammen kommen. Wir müssen ihn befragen und seine Zustimmung einholen!”

 Das Gespräch wurde abrupt unterbrochen , die große Tür des Thronsaales öffnete sich und ein Mann kam herein um zu berichten, dass die Adler  die Brände gelöscht hätten und nur noch vereinzelt kleine Feuer bestanden. Danach ging er rückwärts aus dem Saal und endete mit einer tiefen Verbeugung.  Es ist immer das gleiche Spiel, da muss erst ein Rat gehalten werden,  um zu entscheiden, dass der Krieg unausweichlich war.  Diese Gedanken gingen Dolgin durch den Kopf.

 

 Wir danken euch für eure Worte ,nun muss der Rat entscheiden, was zu tun ist, und es müssen die Volker dieses Landes gehört werden. Abordnungen der einzelnen Völker müssen eingeladen werden, von den zehn Zwergen Völkern, den Trollen, den Grabastiken, ein Kriegervolk, den Durguschen, und es wird dauern,  bis sie alle hier sein werden, denn weit ist der Weg zu ihnen. Es sei denn eure Adler würden uns noch einmal ihre Hilfe gewähren?” Dolgin konnte sich des Eindruckes nicht verwehren,  dass er nun den Thronsaal verlassen sollte, also bewegte er sich Richtung Tür. “

 Man wird einen Boten schicken, wenn eine Entscheidung getroffen ist!” Dann stand der Elfenkönig auf und verschwand hinter seinem Thron. “ Das kann dauern  -   bei den Göttern,  so ein arrogantes Volk ! Jetzt sitz’ ich hier schön fest,  aber die Elfen sind unersetzlich und das weiß die Bande wohl auch.”

 

                                                Kapitel  27

 

 

 

Xatur war sich sicher, er hatte dort etwas gesehen,  es huschte so schnell an ihnen vorbei,  dass sie es kaum wahrnahmen . Niemand bewegte sich, alle lauschten in die Dunkelheit der Höhle. Ganz vorsichtig machte er ein Zeichen zu den ihm nahestehenden Zwergen,  ihm zu folgen, dann setzte sich der kleine Trupp in Bewegung. Schritt für Schritt näherten sie sich der Biegung der Weges. Immer wieder blieb Xatur stehen und lauschte ins Dunkel hinein. Nur ein leises Rascheln war zu hören und dann etwas,  das sich wie atmen anhörte.

 Xatur zog seine Streitaxt aus dem Gürtel, die wohl gefährlichste Waffe, die sie meisterhaft zu handhaben wussten. Näher und näher kamen sie den Geräuschen, immer darauf bedacht,  nur kein Geräusch  zu verursachen. Sie waren nervös,  ihre Nerven zum Zerbersten gespannt, und es lag an Ihrem König,  dass  er den Befehl zu Angriff gab. In den Sekunden,  in denen sie vor der Kurve des Weges ausharrten, dachte Xatur an die alten überlieferten Geschichten. Da gab es eine Kreatur, die  in den Höhlen leben sollte  -   bösartig,  feuerspeiend, und es war da seit Menschengedenken. Auch der Vater von Xatur sprach,  wenn er von dieser Kreatur erzählte,  immer sehr leise.  Ob es die Angst vor dem Unbekannten oder aus Respekt war,  konnte Xatur ihm nie entlocken.

 

Xatur wurde angestoßen:  “Herr seht, dort -  ein Schatten!” Es war schon merkwürdig in diesen Höhlen,  trotz der Dunkelheit war da doch eine nicht zu deutende Lichtquelle, es sah aus,  als wenn der Fels Licht abstrahlte. Nicht viel, gerade genug,  um sehen zu können. War es wirklich die Höllenkreatur aus den alten Erzählungen? Warum wurden sie nicht angegriffen? Langsam stiegen Zweifel in Xatur auf, vielleicht war es doch eine Sinnestäuschung,  der er erlegen war, oder ein Schatten seiner eigenen Leute,  der sich an die Felswand warf. Xatur hob die Hand, mit der er langsam auf Null herunter  zählte,  in dem er Finger um Finger einknickte.  Dann stürmten sie um die Ecke, mit Axt Schwert und Speer zum Kampf bereit.

 Nichts -  da war nichts, Xatur hatte sich geirrt, oder? Es war ihm völlig unverständlich,  dass er sich so getäuscht hatte, das war ihm noch nie passiert. Alles was sie sahen,  war ein finsteres Nichts !  Das musste wohl eine größere Höhle sein, die alles noch so kleine Licht schluckte.

 

Xatur wandte sich um und wollte zu seinen Leuten zurück gehen, da hörte er ein Stöhnen und ein Rufen.  Hatte er sich doch nicht geirrt,  dort in der Dunkelheit war jemand. Schnell befahl Xatur seinen Leuten, Fackeln zu holen, um Licht zu schaffen. Nach kurzer Suche fanden sie einen Zwerg, völlig erschöpft und abgemagert, und dann doch mit Tränen in den Augen,  als er sah,  wer da vor ihm stand. Die Zwerge versorgten den erschöpften Mann so gut sie konnten. Xatur ordnete an, das Lager aufzuschlagen,  um dem fremden Zwerg eine Zeit der Erholung zu gönnen. Nach einer angemessener Zeit ging Xatur zu dem Fremden

:” Mein Name ist Xatur ich bin der König der Tolmaar. Seid ihr in der Lage zu berichten, wo ihr herkommt?” Nur mit Mühe und Hilfe von Xatur richtete sich er Fremde auf. “Vor zwei Jahren wurden wir von den Schergen des Magier entführt,  Männer, Frauen und Kinder wurden wie Vieh zusammen getrieben,  in große Käfige gesperrt und von den Drachen des Magier in sein dunkles Land gebracht. Alles hab ich verloren. In die Höhlen haben sie uns getrieben, nichts zu essen, nichts zu trinken, von  den feuchten Wänden der Höhle haben die Gefangenen ihren Durst gestillt. Und um den Hunger zu bekämpfen, mussten wir Ratten, Spinnen und anderes Getier fangen,  und da uns kein Feuer erlaubt wurde, blieb uns nichts anderes übrig -  wir haben alles roh essen müssen. Viele sind gestorben,  Seuchen und ständige Quälereien der Wärter waren die Ursache,  es ist die Hölle gewesen! In einem Augenblick der Unaufmerksamkeit der Wachen konnte ich flüchten, ich weiß nicht,  wie weit und wie lange ich gelaufen bin, nur fort...nur fort!” Mit diesen Worten brach der Zwerg wieder zusammen.” Sagt mir euren Namen!”   “Mein Name ist Reigart vom Volk der ......” Reigart sackte in sich zusammen, die Anstrengung war zu groß für den ausgehungerten Mann, er fiel in einen tiefen Schlaf. Xatur beschloss,  so lange das Lager hier zu halten,  bis es dem Zwerg soweit wieder gut ging und er seinen Weg fortsetzten konnte.

 Aber um nicht unvorbereitet zu sein, wollte Xatur eine Vorhut los- schicken um sicher zu sein,  dass niemand dem Flüchtigen folgte. Es meldeten sich zwei Freiwillige, Tury und Narim. Nur zögernd willigte Xatur ein, er war immer noch der Meinung,  dass sie sich unerlaubt von Targin entfernt hatten, aber vielleicht wollten sie dadurch ihre Treue und Verbundenheit zu ihrem Volk bezeugen. Sie zogen los, bewaffnet nur mit dem Nötigsten,  jeder ein Schwert und eine Streitaxt. Irgendwie war es hier anders,  als durch die Höhlengänge,  durch die sie sonst gegangen waren  -   etwas Bedrohliches meinten die Beiden zu fühlen,  je weiter sie gingen . Dann hörten sie etwas, schnell suchten sie Deckung  -   und liefen einem Trupp des Feindes genau in die Arme. Zu einer Gegenwehr kam es nicht,  es waren zu viele.  Tury und Narim ergaben sich der Übermacht. Die Waffen wurden unter den Kreaturen verteilt und den beiden wurden Fesseln angelegt, dann wurden sie unsanft voran- getrieben. Es wurde immer lauter,  sie hörten wie jemand geschlagen wurde, das Pfeifen von Peitschen verriet es. Die beiden sahen eine große Höhle und unendlich viele abgemagerte Zwerge,  die zum Abbau des Gesteins gezwungen wurden. Arbeitete jemand zu langsam, spürte derjenige sofort de Peitsche. So weit war Xatur nicht von dem Feind entfernt, sie konnten also hoffen,  dass  bald Hilfe kam,  um das Grauen zu beenden.

 Jeder von ihnen wurde in einen Käfig gesteckt.” Ihr Maden, woher kommt ihr? ............Ihr wollt nicht antworten? Ihr werdet antworten,  glaubt es mir, ihr werdet!” Mit diesen Worten wurden sie in ihrem Gefängnis zurück gelassen. “ Tury  schau,  die Gitter sind aus Holz, such nach einem brüchigem Holzteil,  vielleicht können wir so flüchten !”
Aber so genau sie auch schauten und probierten, es war alles massiv, ein Entkommen war nicht möglich.” Es wird nicht von Dauer sein,  Xatur wird bald hier sein und dem Spuk ein Ende machen. Tury setz dich und warte auf Hilfe, mehr können wir nicht tun.”   ” Was quatscht ihr da? Wollt ihr uns was erzählen? Ihr Pack, elendes Gesindel,  euch wird das Grinsen noch vergehen,  wenn unser Herr hier ist,  geht es euch an den Kragen!” Mit diesen Worten stürmte ein Ork auf die Gefangenen los, holte mit seiner Keule aus und drosch dermaßen auf den Käfig ein,  dass Narim glaubte er zerbricht. Als der Ork seine Wut ausgelassen hatte, entfernte er sich von ihnen. Tury sprang auf und untersuchte das hölzerne Gefängnis,  vielleicht sind durch die Schläge einige der Holzteile brüchig geworden? Doch er fand nichts, noch nicht einmal Spuren des Wutausbruches des Ork.
“ Ich hab es gewusst , sie haben sich aus dem Staub gemacht, auf diese Gelegenheit haben die Beiden nur gewartet” ! Xatur war enttäuscht,  er hatte gehofft,  dass er sich auf die beiden verlassen konnte und doch hatte er sich geirrt. Er wusste nicht, wie stark der Gegner war und noch weitere Leute zu schicken,  die Höhlen zu erkunden,  wollte er nicht.  Es war sowieso schon zuviel Zeit vergangen. Xatur erkundigte sich nach dem Befinden des Zwerges ,dem es soweit wieder gut ging  -   nur mit zurück wollte er nicht. Sosehr Xatur ihn auch bat,  der Zwerg war durch nichts umzustimmen. “ Nun gut,  ich werde euch drei meiner Krieger dalassen,  die für euch sorgen.”

Dann ließ Xatur zum Aufbruch befehlen. Alles,  was auch nur das kleinste Geräusch verursachte,  wurde zurückgelassen.  Schwerter wurden mit Stoff umwinkelt, das ein metallisches Klappern verhinderte. Dann zogen sie weiter in die Dunkelheit,  vorsichtig und  immer wieder wurde gestoppt und in die Dunkelheit gelauscht. Nur Stille,  nur dann und wann hörten sie das Poltern herunterfallender Felsstücke. Weiter und immer Tiefer ging es in die Höhlen und immer mehr Abzweigungen vom Hauptweg wurden entdeckt -  welcher war der Richtige? Xatur beschloss auf dem Weg weiter zu gehen,  auf dem sie sich befanden, es war so ein Gefühl und das hatte ihn noch nie getäuscht. Und auch dieses Mal hatte er sich nicht getäuscht,  nach einem Fußmarsch von einer Stunde hörten sie Geräusche und sofort wurde,  so gut es ging,  Deckung gesucht, und es wurden Späher ausgeschickt die Lage zu erkunden. Die Zeit ihrer Rückkehr wurde immer länger. 

 Xatur begann sich langsam Sorgen zu machen, doch da kamen sie zurück,  direkt auf Xatur zu,  gefolgt von den Hauptmännern der Armee.  „Herr,  wir waren so nah wie möglich und wir haben Orks gesehen und Zwerge, viele Zwerge,  es müssen Hunderte sein,  die dort zur Arbeit gezwungen werden.” “ Wie ist ihre Bewaffnung ? Und wie viele Orks sind es ? Könnt Ihr einen Plan zeichnen, und habt ihr die Umgebung erkennen können?” “Es sind an die Hundert Orks wiederliche Wesen, aber nur leicht bewaffnet, gerade soviel, dass es braucht,  um die Zwerge zu bewachen und zu töten,  also kurze Schwerter und Messer, keine Äxte oder Morgensterne,  und sie fühlen sich
absolut sicher  -   keine Wachen,  nirgends. Als der Plan fertig gezeichnet war, saßen die Hauptleute davor und entwarfen einen Angriffsplan, es war keine Zeit zu verlieren . 

 

 

 

 

 

 

 Kapitel 28

 

 

 

 


Basul’s Körper wurde aufgebart und drei Leute der Bakaar gaben ihm das letzte Geleit in das Land seiner Ahnen. Es herrschte Stille, jeder dachte für sich an einen guten Freund und Kampfgefährten. Fagul sagte noch ein paar tröstende Worte und entschuldigte sich bei dem toten Freund, weil es nur drei waren, die Abschied von ihm nahmen. Tersal griff nach einer Fackel und entfachte das Feuer des Scheiterhaufens, mit deren Hilfe Basul zu den Seinen gelangte. Es dauerte Stunden,  doch keiner von den Freunden wollte der erste sein, der zu Aufbruch drängte. Erst als die Flammen erloschen und ein aufkommender Wind die Asche in alle Richtungen wehte, machten sie sich auf, um zu ihrem Volk zu gelangen . Fagul selbst hatte sein Volk gebeten zu gehen, sich zu eilen, die großen Wasser zu erreichen. Er würde zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Schweigend machten sie sich auf den Weg und hinterließen eine große, breite Spur. Als Fagul es sah, beschleunigte er seine Schritte, er musste unbedingt sein Volk erreichen, um sie sicher zu den Wassern zu leiten .
Längst waren die Bakaar von den Wesen der Grasebene entdeckt worden. Lautlos und unsichtbar begleiteten sie die Flüchtenden. Niemand wusste, ob sie die richtige Richtung eingeschlagen hatten. Das Gras war hoch und fast undurchdringlich. Fagul, Tersal und Rempa beeilten sich, die Bakaar einzuholen. Da sie aber nur zu Dritt unterwegs waren,  hörten sie das Rascheln im Dickicht des Grases. Diese Wesen gaben sich nicht einmal Mühe, leise zu sein. Nach zirka einer Stunde erreichten sie die Bakaar und Fagul ordnete den Zug der Flüchtenden, schickte Krieger zu beiden Seiten, um die Flanken zu sichern und sagte den Leuten, dass sie näher zusammenrücken sollten. So neu formiert setzten sie ihren Weg fort. Doch das Rascheln von beiden Seiten war deutlich zu hören und auch die Krieger der Bakaar hatten ihre Schwerter gezogen. Grün  -  man sah nur grün, es war wie ein Dschungel und das ging allen im Volk auf das Gemüt, es war nichts zu sehen,   nur die riesigen Grashalme und die unheimlichen Geräusche von beiden Seiten . Eine Vorhut wagte Fagul nicht zu schicken, er wusste, dass sie in den sicheren Tod gingen. Mit einem Mal wurde das Gras flacher und sie sahen in der Ferne Berge -  ob sie dort hin gehen mussten? Er hatte keine Antwort darauf. Und noch etwas sah Fagul -  plötzlich war das Grasland vor ihnen verschwunden, wie abgeschnitten. Er gab den Befehl stehen zu bleiben und ging mit einigen Kriegen  zu der vermeintlichen Grenze des Graslandes. Nach kurzer Zeit gelangten sie dorthin und standen vor einem Abgrund. Vorsichtig beugte Fagul sich nach vorn, um die Tiefe bestimmen zu können. Es war sehr tief, so an die 1000 Meter schätzte Fagul und noch etwas sah er in der Ferne. Dort glitzerte etwas - sollte es das Gewässer sein, von dem Basul kurz vor seinem Tod redete? Wie sollten sie dort hin gelangen? Und nun wurde es Fagul auch klar warum sie immer nur das Rascheln gehört hatten und niemand sie angriff. Diese Wesen hatten nur auf den Moment gewartet, an dem die Menschen zu diesem Ort gelangten. Sie saßen in der Falle. In aller Eile kehrte er zurück zu seinem Volk. Er rief seine Hauptmänner zu sich, erklärte ihnen die Lage der Dinge und ordnete an, so weit wie möglich an den Abhang zu gehen. Es musste irgendwo eine Möglichkeit geben, die Tiefe zu überwinden. Es gab nur eine Möglichkeit, sie mussten in Richtung Wald, um dort einen Weg zu finden. Auch der Fremde, der sich Johann nannte, erholte sich überraschend schnell von seinen Verletzungen und da sein Volk jeden Kämpfer brauchte, ließ Fagul ihm ein  Schwert geben. Johann schaute auf das Schwert.
“Was soll ich damit? Ich weiß nicht einmal, wie ich es benutzen soll, ich sagte doch,  ich bin Bauer und kein Kämpfer!” Ihr werdet es lernen, Herr Johann, ihr werdet es lernen!” Fagul sah ihn mit ernsten Blicken an und dachte, ob es der wäre, von dem die Legenden erzählten. Zweifel kamen in ihm auf, doch er hütete sich, seine Gedanken laut zu äußern. Die Bakaar setzten alle Hoffnung auf ihn, ihnen diese auch noch zu nehmen, konnte Fagul nicht. Johann schaute sich das Schwert interessiert an und machte erste Versuche, mit ihm umzugehen. Es war schwer und die Klinge war breit und dort, wo die Klinge in dem Griff verschwand war sie so breit, dass zwei neben einander gelegte Hände es nicht vermochten, die Breite der Klinge zu bedecken. Auch das Gewicht war beeindruckend als Johann es sich umschnallte hatte er das Gefühl, es würde ihn nach links herunter ziehen. Johann verspürte plötzlich einen Schlag auf seiner Schulter, und als er sich darauf hin umwandte, sah er sich einem Riesen gegenüber. Dieser Krieger war über zwei Meter groß und sah ihn grinsend an.
“Na, wer hat Euch denn so ausstaffiert? Wir werden Euch einmal ein Schwert in Eurer Größe besorgen. Mein Name ist Handei und ich soll euch in der Kunst des Kampfes unterrichten!” Wandte sich um und gab Johann  einen Wink, ihm zu folgen. Und Johann hatte Mühe, den mächtigen Schritten von Handei zu folgen. Es waren gut noch fünfzig Meter Abstand zu dem Abgrund und ein jeder passte auf, ihm nicht zu nahe zu kommen. Alle wollten nur den vermeintlich sicheren Wald erreichen, um einen Weg zu der unteren Ebene zu finden. Nur raus aus dieser Graslandschaft. Fagul hatte berichtet, dass er dort unten Wege hatte erkennen können. Das würde auch heißen, dass es dort kein unnatürlich hohes Gras mehr gibt. Dieser Gedanke beflügelte die Bakaar, so dass sie schneller aus dieser unheimlichen Gegend entkamen.

 

 

 

 

                                                          Kapitel  29

 

 

 

Dolgin, der nun wieder vor dem Palast des Königs der Elfen stand, entschloss sich, ein wenig die Stadt kennen zu lernen. Die Elfen waren ein hochgewachsenes Volk und jeder, den er traf,  hatte seine Waffen bei sich. Es war ihm zuerst nicht aufgefallen,  erst als er mit einem Elfen zusammen stieß und Dolgin an seinem Schwert hängen blieb, sah er, dass andere auch mit Waffen in der eigenen Stadt herum liefen. Dolgin wollte sich entschuldigen, doch dieser arrogante Kerl ging einfach weiter, als ob er nicht vorhanden war.

 Irgendetwas ging hier vor! Dolgin spürte eine unheimliche Präsents. Also beschloss er, etwas aufmerksamer durch die Strassen der Stadt zu gehen. Und dann kam er zu der Strasse, die durch Wachen in Rüstung gesperrt war, selbst das Visier der Helme war geschlossen, so dass Dolgin den Wachen nicht ins Gesicht sehen konnte. Sie ließen ihn nicht durch, als er sich ihnen näherte, und als er zwischen ihnen hindurch- gehen wollte, hielten sie ihn fest und stießen ihn zurück. Verwundert sah er zwischen den Wachen die Straße entlang,  doch etwas verdächtiges konnte er nicht sehen. Also dachte er, nehme ich eine andere Straße, ich werde schon eine Möglichkeit finden, in diese Straße zu kommen. Doch als Dolgin an einer Schänke vorbei kam,  zog es ihn in diese hinein. Durst er hatte einfach nur Durst. Vier Stufen ging es hinunter, der Raum war düster und der Tabakrauch stieg ihm in die Nase. Verwundert sah er, dass  hier viele verschiedene Völker zusammensaßen und auch sie hatten alle ihre Waffen dabei. Dolgin aber hatte aus Erzählungen gehört das die Elfen in ihrer Stadt keine Waffen duldeten. Als die Tür ins Schloss fiel, gab es einen lauten Knall und wie auf Kommando verstummten die Gespräche und alle schauten ihn an. Es war Dolgin unangenehm, durch  soviel fremde Leute zu gehen, er war ein Wesen des Waldes und die Einsamkeit war ihm angenehmer, doch was blieb ihm, er hatte Durst und hier gab es zu trinken. An der Theke bestellte Dolgin sich einen großen Krug Met . Es war ein angenehmes Gefühl als er spürte, wie das Met in seine Kehle lief. Langsam fingen die Leute wieder an, sich zu unterhalten, er wurde uninteressant.

 Bis mit einem mal ein Mann an seine Seite trat. “ Hallo, Fremder, was treibt euch in diese Stadt?  Habt ihr denn nicht gehört, was hier vorgeht?” Dolgin schaute ihn an: “Ich hatte eine Audienz bei dem Elfenkönig, es war eine dringende Sache, die ich zu besprechen hatte.” “ Elfenkönig? Wie seid ihr in den Kerker gelangt?” “ Wie Kerker? Garem dur Melasi hält sich doch nicht im Kerker auf, ich war in seinem Palast und habe mit ihm gesprochen. Doch erzählt mir,  was ihr wisst!” Dolgin gab dem Wirt ein Zeichen, dass er noch einen Krug Met bringen solle. Dolgin schob diesen zu dem Fremden und bat ihn zu erzählen. Der Fremde sah sich um und Dolgin sah einen Anflug von Angst in seinen Augen.” Hier nicht, flüsterte er, es ist hier nicht sicher, überall sind Spione. Es ist ein Fluch über die Elfen gekommen. Komm zu dem Gebetshaus der Fanderus, dort sind wir sicher, sie haben Furcht es zu betreten.” Abermals schaute der Fremde sich angstvoll um und verschwand. Was für ein merkwürdiger Mann, dachte sich Dolgin, wenn er doch gesagt hätte, wo sich dieses Gebetshaus befindet. Sollte er einen der Anwesenden nach dem Weg fragen oder sich auf sein Glück verlassen und das Haus suchen. Aber was sind die Fanderus? Als er die Schänke verließ, begann es dunkel zu werden und Dolgin hatte noch keine Unterkunft.

 An der frischen Luft begann der reichliche Genuss des Met seine Wirkung zu tun, ein leichter Schwindel meldete sich bei jedem Schritt. Dolgin hatte einen leichten Schwips. Er entschloss sich, zu seinem Freund Hagar zu gehen, er wird ihm bestimmt ein Plätzchen abgeben. Dazu musste er aber die Stadt verlassen, denn  Hagar wollte nicht unter diesen Wesen bleiben er brauchte einen Ort, der im Freiheit bot und eine sofortige Fluchtmöglichkeit. Nach einiger Suche fand er endlich den Schlafplatz von Hagar und sank dank seines Met Genusses sofort in einen tiefen Schlaf.
Der nächste Tag graute, aber Dolgin schlief immer noch sehr fest. Als Hagar ihn sah, wunderte er sich, warum Dolgin zu ihm kam und nicht in der Stadt eine Unterkunft gesucht hatte. Die Sonne stieg höher und bald kitzelte sie Dolgins Gesicht. Mit zerknautschtem Gesicht öffnete Dolgin seine Augen.” Puh, ich glaube, ich werde alt, nicht einmal einen kleinen Becher Met vertrag ich!” Hagar schaute ihn mit fragenden Blicken an. “Na ja, es können auch zwei ...oder drei Becher gewesen sein!” Dann erzählte er seinem Freund von den Vorkommnissen des vergangenen Abends und von dem Fremden, der ihm etwas in einem Gebetshaus erzählen wollte, da er sich in der Schänke beobachtet fühlte. “ Nur, wo sich das Gebetshaus befindet, das hat er nicht gesagt”. Hagar hörte aufmerksam zu und überlegte einen Augenblick.” Wir könnten die Stadt von oben durchsuchen, vielleicht sehen wir das Gebetshaus “. “ Nein, ich glaube, das wäre zu auffällig, wir müssen es auf eine andere Möglichkeit finden . Aber nun weiß ich, warum die Soldaten die Strasse abgesperrt haben und niemanden durchlassen. Aber ich werde einen Weg finden. Wenn sich der König wirklich im Kerker befindet, müssen wir etwas unternehmen, wir brauchen ihn und die Elfen. Ich werde heute Nacht einen Weg an den Wachen vorbei suchen und vielleicht komme ich auch ungesehen in  das Gefängnis!” Aber bis  dahin war noch Zeit und Dolgin ging zurück in die Stadt um sich mit dem einen oder anderen der Elfen zu unterhalten und so ganz nebenbei einige Informationen über die Stadt zu erfahren. Wie groß sie ist, wie viel  Einwohner die Stadt hat und einige Dinge, die scheinbar ohne Belang sind, doch für Dolgin äußerst wertvoll waren. Sein Blick ging ab und zu gen Himmel aber von anfangender Dämmerung war nichts zu bemerken. So stand Dolgin auf einem weitläufigen Platz,  es war wohl so etwas wie ein Marktplatz ,jedenfalls waren eine Menge Elfen anwesend, scheinbar war es der Ort an dem man am schnellsten Neuigkeiten erfährt. Und dann sah er den Elf, der mit ihm in der Schänke am Tresen saß. Dieser ging zielstrebig auf ein Haus zu und bei jedem Schritt schaute er sich, wie es aussah ängstlich um, ob in jemand verfolgte. Dann öffnete sich plötzlich eine Tür und er verschwand im Haus. Ist ja interessant, dachte sich Dolgin vielleicht erfährt man da Neuigkeiten. Außerdem möchte ich wissen, wer oder was die Fanderus sind. Am Haus angekommen klopfte Dolgin an der Tür aber nichts tat sich, die Tür blieb ihm verschlossen. Doch Dolgins Neugier was geweckt und so einfach ließ er sich nicht abwimmeln. Es gibt bestimmt irgendwo ein Fenster das nicht verschlossen ist oder auf der Rückseite dieses Hauses noch eine Tür, dachte Dolgin und als er sich ein Stück vom Eingang entfernt hatte und sich zufällig umschaute sah er wie noch eine Person in dem Haus verschwand. Ein Durchgang kaum zu erkennen und sehr eng aber für Dolgin gerade groß genug, er wartete einen Augenblick, um dann im richtigen Augenblick in dem Spalt zwischen den Häusern zu verschwinden. Es ist eng und schmutzig und der Spalt war doch länger als gedacht. Doch dann stand Dolgin an der Rückseite des Hauses, jetzt musste er nur noch einen Weg ins Innere finden, doch lange brauchte er nicht suchen, da stand ein Fenster einladend weit auf. Dolgin ging darauf zu doch, bevor er durch das Fenster kletterte schaute er sich noch einmal um, ob ihn nicht jemand sieht. Dann war er im Inneren des Hauses und vorsichtig bewegte Dolgin sich durch die Räume. Da kam jemand, er hörte Schritte und er drückte sich so gut es ging an die Wand. Eine dunkel gekleidete Gestallt ging an ihm vorbei. Einen Augenblick später hörte er eine Tür knarren und eine Begrüßung, da musste noch jemand ins Haus gelangt sein.” Lasst uns in den Gebetsraum gehen, wir sind nun vollzählig". Dolgin folgte den Beiden und sah, wie sich eine Wand bewegte, hinter dem die Elfen verschwanden. Dann kam ein mächtiger Schlag auf Dolgins Kopf, er sackte zusammen -  doch bevor er das Bewusstsein verlor, hörte er noch, nehmt ihn mit zu den Fanderus ........

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 30

 

 

                      Befreiung und Flucht der Zwerge

 

 


Die Orks ließen ihre Wut an den Zwergen aus, bei jedem kleinsten Zwischenfall griffen sie zur Peitsche und schlugen zu - und manchmal starb ein Zwerg qualvoll unter dem Zorn der Orks. Aber keiner der Zwerge wagte es, etwas zu unternehmen  -   zu hoffnungslos war ihre Lage. Sie waren zwar zu Hunderten in den Höhlen, doch gegen die Orks waren sie körperlich und ohne Waffen unterlegen. Nur der geringste Versuch wurde blutig beendet. Einige waren schon seit Jahren Gefangene des dunklen Herrschers und mussten für ihn dieses unsägliche Metall aus dem Fels hauen -  im Bewusstsein, niemals wieder die Sonne zu sehen.

 Alle sieben Tage wurden die Orks gegen frische Wachen ausgetauscht, und jedes Mal begann das Foltern von neuem. Die Zwerge mussten sich dem Zorn der Orks ergeben,  bekamen Schläge, Tritte und wenn es einem Ork danach war, weil ihm ein Zwerg nicht gefiel, brachte er ihn um.
Hoffnungslos.... hoffnungslos -  nur der Tod bedeutete die Freiheit und viele sehnten sich ihn herbei. Doch plötzlich ging ein kaum merkbares Raunen von Zwerg zu Zwerg,  einige hatten zwischen den Felsen Bewegungen wahrgenommen. Immer wieder schauten sie in Richtung der Felswände, nur für Sekunden, aber das reichte um zu sehen, dass es Wesen waren,  die nicht entdeckt werden wollten. War das vielleicht ihre Befreiung? Das einzige, was die gefangenen Zwerge tun konnten, war die Aufmerksamkeit der Orks auf sich zu lenken. Und die einzige “Waffe” die sie hatten, waren Spitzhacke und Schaufel . Einige Zwerge fingen einen Streit an und sorgten so um Aufmerksamkeit. Und sofort kamen einige Orks und schlugen mit ihren Peitschen zu -  hart und erbarmungslos schnitten sich die Peitschen in das Fleisch der Zwerge. Überall fingen plötzlich die Zwerge an zu rebellieren, eine ganz neue Erfahrung für die Orks, mit der sie nur schlecht zurecht kamen. Ihre Herrschaft beruhte auf
Gewalt und Furcht, und plötzlich sackte ein Ork zusammen, eine Spitzhacke steckte in seinem Rücken.

 Das Zeichen zum Angriff? Zwerge und Orks sahen den Toten auf dem Boden liegen. Dann brach der Sturm über die Orks herein. Plötzlich waren überall bewaffnete Zwerge. Schwerter blitzten auf, Äxte flogen durch die Luft. Und eine tödliche Wolke aus Pfeilen, die von den Bögen der Zwerge abgeschossen wurden,  fanden immer ihr Ziel.  Die Orks waren völlig überrascht, es war wie eine Flut,  die sie verschlang. Xatur stürmte an der Spitze seiner Krieger auf die Orks, das scharfe Sausen der Schwerter und das Auftreffen auf die Körper des Feindes, Todesschreie - und plötzlich war alles vorbei und nicht einmal die Hälfte der Krieger von Xatur waren an dem Angriff beteiligt. Es war merkwürdig, dass sich die Orks so schnell niedermachen ließen.

 Eine gespenstische Stille herrschte über dem Ort, die Reihen der Angreifer teilte sich und ein Zwerg mit langen, roten Bart ging auf die Gefangenen zu .... Xatur -König und Herrscher des Volkes der Tolmaar ,schallte es durch die Höhle. Diese verbeugten sich vor dem König als Dank für ihre Befreiung. ” Nein! Erhebt euch, zu viel Leid musstet ihr ertragen, lasst uns aufbrechen, es wird nicht lange dauern und die Orks werden aufmerksam. Es wird ein langer und gefährlicher  Marsch.”  "Da seht, dort in der Nische Käfige! Und seht,  wer dort in ihnen kauert  - sind das nicht Tury und Narim?” “Befreit sie!” sagte Xatur und dachte an die befreiten Zwerge der Sklavenhändler, waren diese auch körperlich am Ende? Erkennen und begutachten würde Xatur aber dieses nur später und bei Tageslicht. Bis dahin war es aber noch ein steiniger und langer Weg und es werden sicher etliche das Tageslicht nicht mehr erleben.

 

Dann verschwand der lange Tross aus Zwergen in der Dunkelheit. Vor ihnen lag der Weg des Leidens, der in den alten Büchern der Zwerge beschrieben wurde und in dem davor gewarnt wurde, diesen zu benutzen. Daran erinnerte sich Xatur. In seiner Jugend saß er mit seinen Freunden zusammen und hörte den Erzählungen seines Vaters zu, der von den alten glorreichen Zeiten der Zwerge erzählte. Als sie den Berg nach Gold und ähnlichen Metall durchsuchten. Und sich das große Reich der Zwerge bildete. Über zehntausend Jahre, dann kamen die Menschen und ihre Gier nach Macht und Land. Und Krieg immer wieder Krieg, hundert Jahre dauerte es, bis sich Menschen und Zwerge arrangierten und einander respektierten, was aber eine gewisse Portion Misstrauen nicht unterbinden konnte. Wann immer sich Mensch und Zwerg begegneten, hatten sie ihre Hände nahe der Schwerter. Und manchmal flammte er wieder auf  -   der alte unverblümte Hass gegen das Fremde. Ein Soldat riss Xatur aus seinen Gedanken:” Herr, der Gang ist verschüttet,  es gibt kein Weiterkommen.” Xatur folgte dem Soldat, um sich von der Lage selbst zu überzeugen. Tatsächlich hier war der Weg zu Ende,  aber sie hatten keine Wahl.  Also gab Xatur den Befehl, einen Durchgang zu schaffen, er musste groß genug sein, so daß die Zwerge zügig durch die Öffnung kamen. Die Zwerge machten sich sofort an die Arbeit. Doch nach einer Weile rutschte Gestein von oben nach. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte sahen sie,  dass die ganze Arbeit vergebens war,  alles war wieder zu. Nach dem dritten Versuch und dem dritten Einsturz veranlasste Xatur, die Arbeit einzustellen. Es war zum Verzweifeln, hier war kein Weiterkommen.

 Es blieb Xatur keine andere Wahl, als mit seinen Leuten umzukehren und den Weg zu nehmen, den sie gekommen waren. Es war ihm bewusst, dass die Orks , wenn sie die Toten fanden, zuerst in dem Gang nach den Flüchtenden  suchen würden. Xatur betete zu den Göttern,  dass die Flucht noch nicht entdeckt worden war.

 Er entschloss sich, einige seiner Kämpfer als Späher  voraus zu schicken, was eigentlich seinen  Vorsätzen widersprach. Aber eine andere Wahl blieb ihm nicht. Sie kehrten um. Allen war bewusst, was auf sie zu kommen könnte. Sie bewegten sich so leise wie sie konnten, und wenn doch jemand gegen einen Stein stieß und somit ein Geräusch verursachte,  blieben alle wie auf ein geheimes Kommando stehen und lauschten in die Dunkelheit. Stille  -   es war nur Stille,  was sie hörten war nur in der Ferne das Geräusch der Wassertropfen, die von der Decke auf den steinigen Boden tropften. Dann gelangten sie wieder an den Schauplatz des Kampfes. Alles war still, es schien, als hätten die Orks die Befreiung der Zwerge noch nicht bemerkt. Xatur wollte es zwar vermeiden, den Weg zu nehmen, auf dem sie hierher gelangt waren, aber das war der einfachste Weg, aus den Höhlen zu kommen  -  auch wenn die Orks diesen Weg zuerst bei der Verfolgung einschlagen würden. Für Xatur war es nur wichtig von diesem Ort fort zu kommen . Er trieb die Zwerge unerbittlich an. Dann hörte man tief aus dem Inneren der Höhle die kehligen Rufe der Orks. Sie haben es entdeckt, schoss es Xatur durch den Kopf. Ein Kampf mit diesen widerlichen Geschöpfen der Nacht schien unausweichlich.  Wenn sie es nur rechtzeitig schafften die Höhlen zu verlassen, könnten  ein oder zwei Einheiten die Orks am Höhleneingang aufhalten und so den anderen die Flucht ermöglichen. Xatur ging als letzter und  er schaute immer häufiger zurück, auch trieb er die Seinen an, sie sollten sich beeilen. Schneller...... Schneller!!!


Es war ihm, als kämen sie sehr schnell näher, die Stimmen, die sie verfolgten, wurden immer lauter. Plötzlich kamen ihm mindestens fünfzig bewaffnete Zwerge entgegen:  “ Eilt euch Herr, wir werden die Orks aufhalten.  Wir haben die Stelle, an dem sich der Weg verengt, gleich vor uns und dort werden wir auf sie warten. Geht Herr und seien die Götter mit euch!”

 Xatur wollte nicht, dass sie sich opfern und doch wusste er,  dass es keinen anderen Ausweg gab, als sie hier aufzuhalten bis zum letzten Mann. Der lange Zug der Zwerge verschwand in der Dunkelheit.

 

Langsam aber stetig wurde das Geschrei der Orks lauter und fünfzig einsame Krieger standen einer unbekannten Zahl an Feinden gegenüber. Aber diese fünfzig Zwerge wollten den Orks das Fürchten lehren, sie waren zu allem entschlossen. In der Ferne hörte Xatur das klirren der Schwerter und Schreie der Sterbenden glaubte er zu hören. Doch helfen konnte er nicht mehr, sie mussten aus den Höhlen, dann hätten sie eine Chance, den Orks in den Bergen zu entkommen.
Aufregung fuhr durch die Flüchtenden, etwas spürten sie ! Dann nahm auch Xatur es wahr -  ein Luftzug,  kaum spürbar, der Ausgang war nicht mehr weit. War das die Rettung? 

 

Kapitel  31

 


Der Weg war lang und schien nicht zu enden. Aber irgendwo dort hinten musste es einen Weg nach unten geben. Fagul und die Bakaar  mussten aus diesem Grasland und den “Monstern” entkommen. Immer wieder hörten sie Geräusche, die aus dem Dickicht des Grases kamen. Einige der Bogenschützen schossen auf gut Glück Pfeile in Richtung der Geräusche, dann war es wieder für einige Zeit still. Nur der mächtige Handei brüllte in den Dschungel des Grases, dass sie sich endlich zeigen sollen, dann würde er ihnen zeigen was Furcht ist. Aber nichts geschah.

 Dann mit einem Mal tat sich eine Öffnung vor Fagul auf. Fagul gab ein Zeichen das sie alle stehen bleiben sollen. Er allein ging dann in diese dunkle Öffnung, die sich als Eingang einer Höhle heraus stellte. Wieder eine Höhle -  hörte das niemals auf ? Der Weg in der Höhle fiel leicht nach unten ab und nach hundert Schritten  gelangte Fagul an eine Felsentreppe, die steil nach unten führte. Fagul kehrte zu seinen Leuten zurück, um sie zu der Treppe zu führen. Lautlos und vorsichtig begannen sie den Abstieg in die Tiefe. Als Johann zu dem ersten Treppenabsatz gelangte, überkam ihn die Erinnerung, als er allein eine Treppe hinab stieg und die Wände auf ihn zukamen. Nur widerwillig stieg er sie hinab und immer die Felswände im Auge. Einer der Krieger schoss einen Brandpfeil in die Tiefe, der lautlos in der Dunkelheit verschwand. “Wer war das? Zischte Fagul “, wir sollten so unauffällig wie möglich sein, wer weiß, welche Kreaturen sich hier aufhalten? Schneller...Schneller und nicht anhalten!”
Er meinte nach dem Schuss mit dem Brandpfeil etwas gehört zu haben, etwas, was erwachte, etwas großes, erfüllt von Hass, etwas Böses das vor Jahrtausenden in diese Höhlen verbannt wurde. Es war zwar nur eine wage Ahnung die in Fagul aufstieg, die ihn aber antrieb, sein Volk zur Eile zu mahnen. Es waren zuviel Frauen und Kinder, die sich mit auf der Flucht befanden,  er konnte sich nicht auf einen Kampf einlassen. Sie mussten die großen Wasser erreichen. Tief unten war ein zartes Licht zu sehen, das  -   je weiter sie nach unten gingen größer wurde.

 

 Es war der Ausgang und was sie sehen konnten, waren wundervolle Bäume, Sträucher und der Gesang der Vögel,  es war wie eine Befreiung,  als sie aus der Höhle kamen. Und sie konnten in die Ferne schauen  -  kein Gras, das sie daran hinderte. Fagul schaute sich noch einmal um, ob sie verfolgt wurden, doch alles blieb ruhig. Es war, als würde es hier keine Gefahr geben, doch Fagul blieb auf der Hut, er hatte gelernt nichts und niemandem zu trauen. Er hatte sich verändert. Auch sein Blick fiel noch einmal auf die Felswand, an deren Ende das Grasland begann. Dunkel, bedrohlich und furchteinflößend stand sie da, und Fagul war froh, dass er sich von ihr entfernen konnte.

 Sie hatten viel Zeit gebraucht, um bis hier her zu gelangen und er sah die Erschöpfung der Bakaar. Fagul entschloss sich, eine Rast einzulegen und den Leuten ein wenig Ruhe zu geben.“ Das ist eine gute Gelegenheit,  nun können wir deine Ausbildung beginnen!” sagte Handei und wandte sich zu Johann und grinste ihn an. An alles hatte Johann gedacht,  aber dass er lernen musste, mit einem Schwert umzugehen? Nein das hätte er nie gedacht. Johann griff zu seinem Schwert.” Nein, das könnt ihr gleich wieder einstecken, ihr werdet erst einmal eure Muskeln trainieren,  ihr steht da wie ein alter Mann, bei dem man die Knochen sehen kann. Handei erklärte Johann die einzelnen Übungen. Das Martyrium des Johann begann. “Ich werde aus euch einen mächtigen Krieger machen, euch quälen und ihr werdet mich dafür hassen und ihr werdet solange Leiden,  bis ihr bereit seid für das Schwert”. Johann ahnte, was nun mit ihm geschehen sollte und dass er sich nicht dagegen wehren konnte, machte ihm Angst. Handei, der ihm gegenüber stand,  schaute ihm in die Augen und als ob er darin lesen konnte kam die Frage. “ Angst???” Dann begann er schallend zu lachen. In Johann wechselte die Angst in Wut, was bildet sich der Kerl ein, bin ich ein Kind,  ein Sklave ? Dann stieß Handei Johann an “ beweg dich!” In diesen Augenblick wurde es Johann klar,  dass es kein Spiel mehr war und wenn er nicht untergehen wollte, musste er sich fügen. Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu und viele der Bakaar schliefen schon. Fagul ging durch die Reihen der Schlafenden. “ Wir sind soweit gekommen, auf einen Tag kommt es nun auch nicht mehr an, morgen werden wir weitergehen “. Fagul redete mit sich allein. Am Rand des Lagers setzte er sich auf einen Stein und schaute in den inzwischen aufgegangenen Sternenhimmel, an dem von Zeit zu Zeit eine Sternschnuppe vorbei huschte. Fagul verspürte eine bleierne Müdigkeit in sich aufsteigen. Dieser Platz ist so gut wie jeder andere, lehnte sich zurück und schlief ein. Spät in der Nacht erwachte Fagul, einige Meter vor ihm begann die Luft zu flimmern und es erschien eine Frau mit weißem Gewand und schwarzen Haar.

 Fagul wischte sich über die Augen.” Sei ohne Furcht, ich bin Elke vom See, ihr seid nun in Sicherheit denn das ist das Land Poknan in dem ewiger Friede herrscht. Wenn der Tag graut, begebt euch zu dem großen Wasser . Doch eins sei euch noch gesagt, gebt den Fährleuten das, was sie verlangen  und ihr werdet alle sicher an das andere Ufer gelangen. Dort werden alle eure Leute eine Unterkunft finden. Doch eilt euch, die Fährleute warten nicht immer, auch ihre Geduld ist begrenzt und sie kehren nicht zurück, haben sie einmal abgelegt.

 Eilt euch und euer Volk, es ist die einzige Wahl die euch bleibt. Nach diesen Worten verschwand die Frau im Dunkel der Nacht. Die Sonne über der Ebene ging auf und ihre Strahlen gaben den Menschen neue Kraft. Auch Fagul erwachte und fühlte sich, als wenn er die ganze Nacht nicht geschlafen hatte und er dachte an die Begegnung mit der Frau und an das was sie ihm gesagt hatte. Fagul hatte Mühe die Bakaar davon zu überzeugen, dass sie nicht hier bleiben konnten, das sie weiter mussten zu den großen Wassern. Nur widerwillig setzte sich der Zug der Flüchtlinge in Gang und Handei sah zu Johann “ Freut euch nicht zu früh irgendwo und irgendwann kommen wir an und in der Zeit kann ich mir mehr Übungen für euch ausdenken!” Johann sah ihn mit starren Blick an, wandte sich um und ging. Und Handei ? Er grinste, er ist auf dem richtigen Weg,  der platzt vor Wut,  mit ihm werden wir noch viel Spaß haben,  dachte er sich  -   griff zu seiner Habe und folgte Johann und den Bakaar.

 Seit Stunden waren die Bakaar unterwegs, als plötzlich jemand rief:” Da schaut, dort ist eine Möwe, da noch eine!” Fagul schaute in die Höhe und tatsächlich dort waren Möwen sie waren also nicht mehr weit von dem großen Wasser entfernt. Und als sie über die nächste Anhöhe gingen, sahen sie das Gewässer. Wasser so weit das Auge reicht, es war kein Land am Horizont zu sehen. Und am Ufer sahen sie Hunderte von Schiffen, die Fährleute -  sie waren also noch da. Eine Stunde später waren sie bei den Fährmännern, die ihnen aber das Betreten ihrer Schiffe verweigerten. Es waren unheimliche Gestallten, mit langen dunklen Umhängen waren sie bekleidet, über ihren Köpfen hatten sie Kapuzen, die
einen Blick in ihre Gesichter unmöglich machten. Dann löste sich eine Gestallt aus der Reihe der Kapuzenmänner und schritt auf die Bakaar zu.
“Was ist euer Begehr?” Fagul hörte eine tiefe furchteinflössende Stimme dann meldete Fagul sich zu Wort.” Wir begehren eine Überfahrt mit euren Schiffen zu den fernen Ufern, und erbitten den Zutritt auf eure Schiffe!”

 “ Wenn euch der Wegezoll bekannt ist und ihr bereit seid, ihn zu zahlen, so werden wir euch an den Ort segeln, an dem ihr erwartet werdet. Nun hört was wir als Bezahlung verlangen. Was ist euer wertvollster Besitz? Das soll unsere Bezahlung sein!” Fagul dachte einen Augenblick nach und es fiel ihm nichts wertvolles ein, das sie dabei hätten “ Wir haben nicht das wertvoll genug wäre, um es euch zu geben!”

 Von weitem schallte ein Ruf zu Fagul.” Doch es gibt etwas! Ich bin das wertvollste, das die Bakaar besitzen. Ich bin die Erinnerung an eine glanzvolle Zeit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ich werde bei euch bleiben!”
Die Bakaar teilten sich und die Menschen verneigten sich und knieten nieder. Es war Basul, eingehüllt in einer silbernen glitzernden Wolke. Fagul schaute ihm ungläubig entgegen, war es wirklich wahr?
“ Seid unbesorgt, mein Herr Fagul, dies war immer meine Bestimmung ,sie werden euch ohne Hinderung an euer Ziel bringen. Dann bewegte sich Basul auf die Fährleute zu und löste sich bei ihnen in eine silberne Wolke auf, die sich über die Fährleute senkte. Und sie gewährten ihnen Zugang.

 

 

 

 


                                       Kapitel  32

 


In der Tat,  dort vorn war ein kleiner Lichtschein,  Xatur war sich sicher, dort ist der Ausgang. Schneller, schneller -  er spornte die Zwerge an, sich zu beeilen. Die Geräusche des Kampfes der Zurückgebliebenen wurde immer leiser, dann waren sie verschwunden. Xatur hoffte,  dass  sie die Orks lang genug aufhalten konnten,  bis alle sich in relative Sicherheit bringen konnten. Der Eingang der Höhle wurde immer größer, so das die Zwerge anfingen zu laufen, um  der Dunkelheit der Höhle zu entkommen.
Dann war es geschafft . Die ersten Zwerge befanden sich im Freien, doch wohin nun? Xatur schaute sich um  -  nur Felsen wohin er auch schaute . Nur einen Weg gab es, der,  auf dem sie gekommen waren, aber dort würden die Orks zuerst suchen. Die Schlucht,  durch die sie hierherr kamen,  war zu weit entfernt,  als dass sie es schaffen konnten, diese noch vor dem Eintreffen der Orks  zu passieren. Es musste einen anderen Weg geben?!  Da meldeten sich Turi und Narim” Herr,  es gibt da einen Weg, zwar anstrengend und gefährlich,  aber es ist wohl der einzige Weg.”   “ Wo soll der sein? Seht doch,  alles ist eine einzige Felswand,  dort kommt niemand hinauf!”   “ Doch Herr, wir kennen den Aufstieg,  wenn wir uns sofort aufmachen, sind wir fort,  bevor die Orks hier ankommen!”

 Xatur überlegte einen Augenblick, ihm war bewusst,  dass  es dann noch mehr Opfer unter den Zwergen geben wird und von den befreiten Zwergen ganz zu schweigen. Doch er willigte ein und sie alle folgten Turi und Narim zu dem versteckten Weg,  der zum Gipfel führte.  Es begann ein schwieriger und gefährlicher Weg zum Gipfel des Berges und der Berg wird viele Oper fordern. Der Gedanke daran gefiel Xatur überhaupt nicht  -  doch welche Wahl blieb ihnen? Keine. Nach einer Stunde waren alle im Fels, und  weit unten erschienen die ersten Orks am Höhleneingang. Wie von Xatur vorausgesagt,  liefen die Orks in Richtung der Schlucht,  da sie dort die Flüchtenden vermuteten. Jeder der Zwerge drückte sie so gut wie er konnte an die Felswand und sie verschmolzen mit ihr. Kein Orkauge vermochte sie dort oben zu sehen. Mit kehligen Rufen liefen die Orks in Richtung Schlucht und von oben sah Xatur eine schwarz braune Masse von schmutzigen Orks,  deren Geruch bis hier oben reichte . Eine widerliche Ausgeburt der Hölle, dachte Xatur und löste sich von der Felswand,  um weiter zu klettern. Wohl etwas zu früh,

denn einer der letzten Orks in der Truppe schaute  nach oben und erkannte eine Bewegung. Ein greller Schrei stoppte den Rest der Orks und sie schauten nach oben.

 Die Zwerge waren entdeckt,  durch Xaturs voreilige Bewegung ist die Höllenbrut auf sie aufmerksam geworden und sie suchten die Wand nach einer Möglichkeit ab, den Zwergen zu folgen. Einige der Orks schossen Pfeile nach oben, die ihr Ziel aber nicht mehr erreichen konnten und auf halbem Weg wieder zur Erde zurück flogen, und einigen Orks den Tod brachten, indem sie sich in die Köpfe der Orks bohrten. Die Zwerge kletterten um ihr Leben  -  doch auf seltsame  Weise schienen die Orks immer näher zu kommen. Einzelne kleine Steine fielen von oben herab, größere folgten ihnen “ Steinschlag !! Bringt euch in Sicherheit! Schnell!”,  rief jemand aus den Reihen der Zwerge. Doch für einige kam die Warnung zu spät -  am Körper getroffen wurden sie mit in die Tiefe gerissen. Nur einige gellende Schreie waren zu hören, andere starben schon im Fall nach unten. Auch die Orks wurden von dem Steinschlag überrascht. Auch sie verloren eine große Anzahl der Ihren. Doch in ihren Augen war Blutgier, die sie trotz Steinschlag weiterklettern ließ. Ork um Ork wurde von Felsmassen getroffen und ihre Anzahl verminderte sich von Minute zu Minute, aber irgend etwas trieb sie unbarmherzig an. Als der Steinschlag vorbei war, zählten die Orks nur noch etwa dreißig Mann , doch ihre Mordlust war ungebrochen. Xatur der alles aus seinem Versteck beobachtet hatte,  sah nun einen sehr geschwächten Feind,  immer noch gefährlich,  doch nicht mehr unbesiegbar, und Xatur wünschte sich eine Ebene im Fels, um diesem Spuk endlich ein Ende zu bereiten.

 Doch sie mussten weiter. Hier war kein Platz für ein Gefecht. Wenn sie den Gipfel erreichten dann.......... wieder Steinschlag und Xatur wurde getroffen,  der Stein riss ihn mit in die Tiefe. Plötzlich griff jemand nach ihm und bremste seinen Fall in die Tiefe. Es war Handei der nach ihm griff und ihm somit das Leben rettete. Doch an der Schulter von Xatur klaffte eine große Wunde,  die sofort behandelt werden musste. Xatur konnte nicht weiter,  “ klettert weiter und lasst mich zurück, rettet euch.” Doch niemand schien auf ihn zu hören, sofort kümmerte man sich um  die Wunde ihres Königs. Andere nahmen Pfeil und Bogen und versuchten die Orks aufzuhalten und es schien ihnen zu gelingen, mehr und mehr Orks stürzten in die Tiefe.

 Plötzlich herrschte Ruhe -   waren sie tot? Man sah auch keinerlei Bewegung mehr,  alles war ruhig. Einige Bogenschützen blieben zurück, während sich die Zwerge und ihr verletzter König auf den Weg zum Gipfel machten. Es ging Xatur sehr schlecht, und die Sorge um ihn ließ die Zwerge sehr vorsichtig weiterklettern. 

 

 

 

 

Sie waren bemüht jede Erschütterung zu vermeiden und doch gelang dies nicht immer. Doch von Xatur war kein Laut des Schmerzes zu hören. Höher und höher führte der Weg und jedes Augenpaar der Zwerge schaute mit einem flüchtigen Blick in die Tiefe,  ob die Orks sie nicht doch noch verfolgten. Doch nichts war zu sehen alles war still  -  bis auf den Wind, das ewige Rauschen der Berge.
Doch plötzlich!  “Seht  -  dort unten der Boden bewegt sich!”

 

 

 


Orks, Tausende von Orks, es sah aus, als bewege sich der Boden und sie waren auf dem Weg zu der Schlucht. Eine nicht endende Flut von Orks drängte aus der Höhle. Einem geheimen Befehl folgend strömten sie durch die Schlucht und auf den Weg in das Land der Bakaar. Die Menschen waren zwar fort, aber achtzehn Völker der Zwerge lebten noch weit verstreut dort. Und die Orks waren nun auf dem Weg zu ihnen, angetrieben von Blutgier. Für die Zwerge auf dem Berg gab es keine Möglichkeit ,die ihren zu warnen  -  die Jäger waren zu Gejagten geworden. Der dunkle Magier wollte eine Entscheidung -  seine Geduld schien ein Ende zu haben.

 

 

 Kapitel   33

 


Langsam kam Dolgin wieder zur Besinnung. Sein Kopf schmerzte höllisch, doch er blieb regungslos liegen und hörte, dass sich jemand unterhielt. Von Überfall und Befreiung und Kampf war die Rede.
“ Wo ist der Fremde, der hier eingedrungen ist?”  hörte Dolgin jemand fragen, dann kamen  Schritte  auf ihn zu. “ Ich kenne diesen Mann, gestern Nacht sprach ich in der Schänke mit ihm. Er wollte die Elfen um Hilfe gegen den dunklen Magier bitten. Doch dass sich die Schergen des Magiers sich längst hier aufhielten, schien er nicht bemerkt zu haben.

 

Doch nun ist die Zeit des Aufstandes gekommen. Lieber in Ehren sterben, als weiter unter der Knute dieses Teufels zu leben. Gebt mir Bescheid, wenn er zur Besinnung kommt,  ich würde ihn zu gern fragen, was er sich vorgestellt hat, wie er uns helfen wollte!”

 “ Ich halte ihn für einen Spion oder seid ihr alle wirklich so einfältig zu glauben, dass dieser Teufel nicht bemerkt hat, das etwas in der Stadt vorgeht? Und du, Sumar willst noch mit dem da Reden? Machen wir dem ein Ende und schicken ihn zu seinen Ahnen, wenn er welche hat!”

 

Dolgin wurde klar, in welcher Situation er sich befand, sollte er sich bemerkbar machen oder weiter den Bewusstlosen spielen…? Es gibt vielleicht eine Möglichkeit, sich von hier fort zu schleichen. Seine Fesseln waren schlecht gebunden und lockerten sich schon leicht, nun mussten nur die beiden, die als Wachen zurück blieben, verschwinden. Der Rest der Männer ging aus dem Raum. Dolgin hörte nur noch einige Wortfetzen. “ Ihr müsst vorsichtig sein .........passt auf, mit wem ihr redet... Und wir müssen wissen wie... Dann können wir unseren Kö....... Dolgin gab sich die größte Mühe, doch er hörte nur unterbrochene Sätze ohne einen Zusammenhang. Wurden hier vielleicht nur große Worte geführt ? Dolgin hatte das Gefühl, dass sie nicht wussten  was zu tun ist, um den König zu befreien. Diese Leute benahmen sich wie Kinder. Oder wie Leute, denen eine Führungsperson fehlte.

 Dolgin fühlte sich zusehends  mehr in Gefahr. Dann waren seine Hände frei. Mit zugekniffenen Augen blinzelte er in den Raum. Die Zwei,  die zu seiner Bewachung zurück gelassen wurden, saßen mit den Rücken zu ihm. Die hatten kein Interesse zu schauen, wie es ihm geht, das war ihnen wohl vollkommen egal. Dolgin hob vorsichtig seinen Kopf und schaute sich um, ob es in seiner Nähe einen Fluchtweg gab, aber er lag an einer Wand und der einzige Ausgang war dort, wo die beiden Kerle saßen. Jetzt wünschte er sich einige seiner Zauberkräfte zurück, aber die wurden ihm nur in seinem Wald gewährt. Oder sollte er es doch einmal mit der Unsichtbarkeit versuchen? Dolgin konzentrierte sich und vorsichtig blinzelte er zu seinen Beinen..... Nichts, es veränderte sich nichts. Dolgin dachte über einen Zauberspruch nach, den ihm ein Magier vor sehr sehr langer Zeit verraten hatte und den er nur einmal benutzen konnte, wenn er sich in Gefahr befand, danach war dieser wirkungslos. Dolgin versuchte sich an die alte Zeit zu erinnern es war ein schwieriges Unterfangen, denn die Zeit drängte und er wusste nicht, wie lange sie ihm noch Zeit ließen. Diesen Leuten konnte er nicht mehr vertrauen.

 

Plötzlich erinnerte Dolgin sich, leise sprach er den Zauber -  aber es geschah nichts. Hatte er sich geirrt? Hatte er etwas falsch gemacht? Doch dann geschah etwas, das auch Dolgin nicht erwartet hatte, er löste sich in einer Nebelwolke auf, schwebte zur Decke des Raumes über den Wachen hinweg und durch den Spalt der geschlossenen Tür.  Hinter dieser Tür senkte sich der Nebel zur Erde und er wurde wieder Dolgin, er schaute an sich herunter  und konnte es immer noch nicht glauben,  was da mit ihm geschehen war. Doch dann wandte er sich schnell dem Ausgang zu. Zumindest meinte er, dass es der Ausgang ist. Aber etwas versperrte ihm den weiteren Weg, diese Tür besaß einen Mechanismus, sie war nicht zu öffnen. Den Zauber konnte er nicht mehr anwenden, das war nur einmal möglich. Dolgin schaute sich in dem Raum um, dieser glich dem, aus dem er eben entkommen war  -   ein fensterloser, düsterer Raum. In einer Ecke war es sehr dunkel, dorthin ging Dolgin und verschwand in der Dunkelheit. Da sprang die Tür auf und die Wachen von Dolgin stürmten nach draußen. “Wenn das die Fanderus erfahren, werden sie uns umbringen!” “ Sei still und öffne die Tür, irgend wohin muss der ja sein!” Dolgin in seiner dunklen Ecke sah, wie einer der Wachen einen Stein heraus zog, ihn einmal drehte und wieder einfügte -  nun öffnete sich die Tür. “ Die Fanderus? Also gibt es doch noch andere, die die Fäden ziehen. Aber diese will ich nicht kennen lernen ich werde mich aus dem Staub machen !” dachte Dolgin bei sich.

 

Er wartete noch einen Augenblick, dann ging er zu dieser Wand und betätigte den Stein, um die Tür zu öffnen, und wirklich -  es gelang, sie gab ihm den Weg frei und Dolgin sah zu, dass er hier verschwand. Immer dich an den Hauswänden entlang und immer auf er Hut. Plötzlich sah er einen Schatten von oben und ehe er sich versah, wurde er von etwas in die Höhe gehoben. Sein alter Freund Hagar hatte ihn in seinen Fängen und sie waren im Nu in luftiger Höhe. Der Flug über die Stadt der Elfen, über einen Wald und in sicherer Entfernung setzte Hagar zur Landung an. Auf dem Boden angekommen holte Dolgin tief Luft, er war dem Wahnsinn entkommen, er hatte einen guten Freund, auf den er sich verlassen konnte.
“Mein Freund, Schlimmes geht bei den Elfen vor sich, ich habe viel aus der Luft gesehen,  der Tod geht um bei den Elfen, von ihnen haben wir keine Hilfe zu erwarten!”

 “ Aber die Adler, sie holen die Könige der Völker die hier leben, wir haben sie in den Tod geschickt.” “ Seid unbesorgt , es sind noch genügend der meinen hier, ich hab’ sie geschickt, um die anderen zu warnen! Wir werden einen anderen Platz finden, um mit ihnen zu reden. Solange sie mit den Adlern unterwegs sind, wird ihnen kein Leid geschehen. Die Adler schützen sie mit ihrem Leben.”

 “Hagar, wo sollen wir hin -  es ist fast Nacht, wo sollen wir übernachten, ohne das wir in Gefahr geraten und entdeckt werden.” Hagar schaute Dolgin an  und schaute dann in eine Richtung, in dem ein mächtiger Baum stand.” Dort oben sind wir sicher mein Freund, sagte Hagar und wenn man genau hinsah meinte man, ein leichtes Grinsen in Hagars Gesicht zu sehen. “ Neeiinnn, das ist nicht euer Ernst, das ist viel zu hoch,  wenn wir stürzen. So mächtige Bäume habe ich selbst in meinem Wald nicht.” “ Gut ,sagte Hagar, dann bleibt hier und lasst euch braten, wenn sie euch erwischen “, er breitete seine Flügel aus und wollte gerade abheben.
“Halt -   wartet, ich habe es mir überlegt, ich werde euch begleiten, aber nur um aufzupassen, dass euch nichts passiert!” “ Dann kommt, ich werde sehr gut schlafen mit einer Wache wie ihr” !

 “ Hab ich da ein Lachen gehört?” fragte Dolgin.”  “Aber nein, da täuscht ihr euch, so etwas würde ich  niemals wagen” sagte Hagar und flog in den Baumwipfel.

 

 

 

 

  Kapitel  34

 


Langsam löste sich ein Schiff nach dem anderen vom Ufer. Sie alle steuerten ein Ziel an, das geheimnisvoll und verborgen an einem Ort hinter dem Horizont lag. Die Seeleute machten stumm ihre Arbeit, nicht ein Wort war von ihnen zu hören.

 Fagul, der an Bord eines der ersten Schiffe gegangen war, schaute zum Horizont -  der noch immer das gleiche Bild bot wie vor Stunden  -Wasser, nicht als Wasser. Langsam neigte sich die Dunkelheit über dem See. Es war fast windstill, der See war glatt wie ein Spiegel, so dass die vielen Schiffe langsam zum Stillstand kamen. Fagul schaute sorgenvoll zu dem Segel, das ebenfalls langsam in sich zusammen fiel.

” Seid unbesorgt, wir werden nicht stehen bleiben  -  eine geheime Kraft zieht uns in eine Strömung und diese bringt uns zu dem Ort, an dem ihr erwartet werdet”. Fagul wandte seinen Blick von dem Segel in die Richtung aus der er annahm, das jemand mit ihm spräche, doch er sah nur einen dieser geheimnisvollen Seeleute, wie dieser sich von ihm entfernte. Es herrschte absolute Dunkelheit auf dem See, keines der Schiffe hatte ein Licht, das ihre Position anzeigte. Und doch stieß keines dieser Schiffe mit einem anderen zusammen. Fagul bemerkte, dass die Schiffe langsam wieder Fahrt aufnahmen, mit jeder Minute näherten sie sich dem Ufer. Stunden vergingen und es hätte eigentlich der Morgen grauen müssen, doch es blieb dunkel.

 Fagul hörte Schritte, es näherte sich ihm jemand.  - ” Mein Herr Fagul, seid ihr es, der dort steht? Man sieht die Hand vor Augen nicht, es wird immer schlimmer!” Es war Tersal , der auf Fagul zu ging. “ Ich habe einen dieser Seeleute gefragt, warum es nicht hell wird, und glaubt ihr, er hätte mir geantwortet?  Nein, er wandte sich um und ging.”   “Es ist mir auch schon aufgefallen, dass sie alle wohl stumm sind, und doch hat einer von ihnen mir vor geraumer Zeit etwas gesagt. Oder habe ich es mir nur eingebildet? Es ist schon unheimlich an Bord dieser Schiffe. Ich habe eine Bitte an Euch, Herr Tersal, geht zu unseren Männer und sagt ihnen, sie sollen wachsam sein. Mir gefällt es nicht, wie diese Leute sich benehmen”.  “ Wie ihr wünscht, mein Herr.” Tersal wandte sich um und verschwand wieder in der Dunkelheit. Nur das leise Schlagen der Wellen an die Bordwand konnte Fagul hören, es herrschte Stille. Unheimliche Stille!! -

 Fagul glaubte etwas gehört zu haben aus der Tiefe des Sees .Etwas war auf dem Weg an die Wasseroberfläche. Vorsichtig bewegte sich Fagul von der Reling zur Mitte des Schiffes. Ein scharrendes Geräusch wurde laut, das Geräusch eines Schwertes, das aus der Scheide gezogen wurde. Da stand Fagul mit gezogenem Schwert und harrte auf das, was dort aus dem Wasser auftauchten würde. Sekunden wurden zu Minuten, der Körper Faguls war angespannt und zum Kampf bereit. Da hörte er erneut Geräusche, diesmal kamen diese aber aus dem Inneren des Schiffes. Es waren die Krieger der Bakaar. Auch sie hatten diese Geräusche aus der Tiefe gehört. Einer der Krieger entfachte einen Brandpfeil und schoss diesen hoch in die Luft, es war ein Warnzeichen für die anderen Schiffe und gleichzeitig erhellte er für einen Augenblick die Oberfläche des Sees. Auch von den anderen Schiffen wurden Brandpfeile in die Luft geschossen, sowohl als Antwort wie auch als einzige Möglichkeit, die Wasseroberfläche zu erhellen. Doch so sehr die Bakaar sich auch bemühten  - sie sahen nur eine glatte Oberfläche. Nichts deutete darauf hin, dass aus der Tiefe eine Gefahr drohte. Doch die Bakaar blieben wachsam, sie wussten, dort draußen war etwas, das sie belauerte. Immer wieder wurden Brandpfeile in die Luft geschossen. Ruhe, absolute Ruhe herrschte, auch die Geräusche aus der Tiefe waren nicht mehr zu hören.

 Plötzlich  - das Wasser schien zu kochen.  Fagul sah Im Schein der Brandpfeile wie das Schiff unweit von ihm einfach auseinander gerissen wurde. Die Leute darauf hatten keine Chance sie waren in Sekunden zu ihren Ahnen geschickt worden. Es begann ein Kampf gegen ein unheimliches Wesen, dem es keine Mühe machte, ein ganzes Schiff auseinander zu reißen. So schnell, wie der Angriff kam, so schnell war auch alles wieder vorbei. Fagul ließ Fackeln entfachen, um wenigstens ein wenig die Umgebung des Schiffes auszuleuchten. Das Wasser hatte sich wieder beruhigt und einige tote Körper schwammen an dem Schiff, auf dem sich Fagul befand, vorbei. Fagul schaute ihnen nach, doch plötzlich riss er einem der Krieger die Fackel aus der Hand, er glaubte im fahlen Licht eine der Leichen an seiner Kleidung erkannt zu haben. Und richtig, es war Rempa  -  nun war auch er tot. Tiefe Trauer überfiel Fagul, sie flohen nicht nur vor dem dunklen Magier, auch der Tod schien Hunger auf das Volk der Bakaar zu haben. Auf einem anderen Schiff befanden sich Johann und Handel. Sie beobachteten das Geschehen aus der Ferne, bis Handei seinem Schützling auf die Schulter tippte.” Komm mit, wir müssen unsere Waffen holen. Nun kannst du mir zeigen, was du gelernt hast.” Johann folgte Handei unter Deck dort hin, wo sie ihre Waffen deponiert hatten. Handei gab ihm Schwert, Messer, Pfeil und Bogen, dazu noch einen Speer. So bewaffnet begaben sie sich wieder an Deck und warteten auf den Angriff des unbekannten Gegners. Überall auf den Schiffen war es gespenstisch ruhig, das Wasser  hatte wieder eine glatte Oberfläche, nichts deutete auf einen neuen Angriff hin und doch erahnten die Bakaar die Gefahr, die aus der Tiefe des Sees auf sie lauerte. Die geheimnisvollen vermummten Seeleute waren verschwunden.

 Fagul schickte nach ihnen. Nach einiger Zeit kehrte einer der Krieger zurück. “Mein Herr, ich habe alles durchsucht, aber von den Seeleuten ist niemand mehr auf diesem Schiff, wir sind auf uns gestellt.” Was soll nun werden, von der Seefahrt haben wir kein Verständnis. Sollte der Arm des dunklen Magier schon bis hier her reichen? Wenn Wind aufkäme, würden wir entkommen können, vielleicht. Aber in dieser Strömung? Viel zu langsam. Wo sind diese Wesen nur hin. Es kann nicht sein, dass sie das Schiff verlassen konnten, ohne das es jemand gehört hätte. Fagul schickte nach dem besten Bogenschützen mit dem stärksten Bogen, dieser sollte einen Pfeil mit einer Botschaft zu dem am nächsten gelegenen Schiff schießen. Er wollte wissen, ob sich auch dort keine der Seemänner mehr finden ließen und sie sollten die Botschaft an die anderen Schiffe weiterleiten. Wenn auch dort keine Besatzung mehr war, solle eine Fackel geschwenkt werden.

 Der Pfeil wurde abgeschossen und wenig später sahen sie die brennende Fackel dann noch eine und noch eine überall wurden Fackeln geschwungen. Sie waren allein, auf einer Fahrt ins Ungewisse.

 

 

 

                                                         Kapitel  35

 


                                        

 


Es lebten noch zwölf Völker der Zwerge im Land der Bakaar. Diese hatten zwar von der Flucht der Menschen gehört, aber das Land war weit und die Menschen lebten fern von ihnen. Die Zwerge kümmerten sich nicht um die Menschen, zu sehr war das Misstrauen zu jenen, die fern ab in der weißen Stadt lebten. Die Kinder der Zwerge spielten ausgelassen auf der weiten, grünen Ebene. Einige der Zwergen- Frauen betreuten sie und passten auf, dass sie sich nicht zu weit vom Dorf entfernten. Die Männer der Zwerge machten sich derweil auf den Weg in den Berg, den sie seit Jahrhunderten aushöhlten auf der Suche nach Bodenschätzen.  Es war eine sorglose Zeit für die Kinder. Sie spielten ausgelassen, sangen und liefen um die Wette. Bis........ ! Bis eine der Frauen  von einer der Anhöhen gelaufen kam und aufgeregt rief sie immer nur ein Wort---------
Orks ! Orks!   -   Erschöpft gelangte sie zu den Ihren und berichtete, was sie gesehen hatte. “ Sie kommen über die Hügel  - Tausende von Orks und sie kommen schnell näher! Schnell, Schnell, wir müssen zu unseren Männern und sie warnen! Holt die Kinder,  lauft mit ihnen zu den Fluchthöhlen -  noch können sie uns nicht sehen!”

 Dann lief sie weiter so schnell sie konnte zu dem Dorf, in dem sie lebte um auch diejenigen zu warnen, die sich noch dort befanden. In der Ferne hörte man schon ein Stampfen von tausenden von Füßen. Tungars -  riesige Wesen, die nur für den Krieg geschaffen wurden, begleiteten die Orks. Es waren grauenhafte Geschöpfe, die alles nieder- trampelten, was ihnen in den Weg kam.

 Im Dorf machte sich der Rest der Zwerge auf den Weg in die Fluchthöhlen. Es war eine uneinnehmbare Festung, deren Eingang mächtige Mauern schützten. Niemals seit Zwergengedenken war diese letzte Zuflucht gefallen. An den Mauern waren die vielen Angreifer, die die Zwerge unterjochen wollten, gescheitert. Als der letzte Zwerg in die Feste gelangte, schlossen sich die mächtigen Tore. Oben auf der Mauer, die eine Breite von sechs Metern aufwies, sammelten sich immer mehr bewaffnete Kämpfer. Aufgeregt und doch mit einer zum Zerreißen gespannten Stille warteten sie auf den Ansturm der Geschöpfe der Finsternis.

 Eine wabernde dunkle Wand kroch über die letzte Anhöhe und gelangte auf die Ebene, auf der noch vor kurzer Zeit die Kinder spielten. Nun lag alles verlassen vor ihnen.  Nach einiger Zeit kamen die Orks zu dem Dorf, doch alles was sie fanden, waren leere Hütten und nicht ein Zwerg war zu sehen. Wie eine riesige Welle durchfluteten die Orks das Dorf und brannten alles nieder. Langsam setzte die Dunkelheit ein. Die Zwerge sahen einen rotglühenden Himmel, dort wo ihr Dorf stand und alle wussten, was dort geschieht. Indes wurden hinter den Mauern alle Vorbereitungen für einen Kampf getan. Es wurden große Behälter an die Mauer geschafft dorthin wo seltsame Rillen durch die Mauer in die Tiefe führten. In diesen Behältern schwappte eine ölig fette Flüssigkeit, diese wurde auf eine bewegliche Platte gehoben, die in Richtung der Wehrmauer gekippt werden konnte.
Dann kamen sie  -   die Armee des dunklen Magier, erhellt von tausenden von Fackeln, die sie mit sich trugen. Doch plötzlich hielten sie inne und standen still da,  nichts war mehr zu hören. Über ihnen erschien wie aus dem Nichts das Abbild des Magier und es sah aus, als suchte er etwas, schaute zu den Orks und das Trugbild verschwand wieder.

 

 Wie auf ein geheimes Kommando erschallten aus Tausenden von Kehlen furchtbare kehlige Schreie. Dann stürmten die Orks gegen die Mauer, lange Leitern wurden an die Mauer gelegt, mit deren Hilfe die Orks versuchten, hinauf zu gelangen. Doch sie wurden immer wieder abgewehrt. Kurz bevor sie die Zinnen erreichten, stießen die Zwerge mit Hilfe langer Stangen die Leitern nach hinten, sodass sie mit den Orks in die Tiefe fielen. Dann wurden die großen Behälter, in denen sich die Flüssigkeit befand, in Brand gesetzt und in Richtung Mauer gekippt, sie floss in die Rinnen nach unten und ergoss sich über die Orks, die sofort Feuer fingen und ein grausames Ende fanden. Die Orks fanden keinen Weg, um auf diese Mauer zu kommen, nun wurden die Tungars geholt.

 

Sie hatten große Platten aus Horn an ihrem Schädel, zudem schafften die Orks große Rammen heran. Mit den Tungars und den Rammen versuchten sie nun, eine Bresche in die Mauer zu schlagen. Unter dem Pfeilhagel der Zwerge näherten sie sich der Wehrmauer. Mit ungeheurer Wucht rammten die Tungars ihre Schädel gegen die Mauer, darauf hin ging eine Erschütterung wie bei einem leichten Beben durch die Mauer. Aber sie hielt, es waren nicht einmal Risse auftreten. Doch der Angriff verstärkte sich immer mehr und die Zwerge entschieden sich, jemanden auf den Gipfel des Berges zu schicken, um das “Am-Ra” zu entzünden. Es war ein Leuchtfeuer, das die anderen Zwergen Völker um Hilfe in der Not bat. Und das “ Am Ra” wurde gesehen -  Feuer um Feuer wurde entzündet, um alle Zwergen Völker zu benachrichtigen und Hilfe zu erbitten. Immer und immer wieder rammten die Tungars ihre gepanzerten Schädel gegen die Mauer und es zeigten sich erste Risse im Gestein. Felsbrocken ließen die Zwerge nach unten fallen und manchmal trafen sie auch einen Tungar -  richteten bei ihnen aber wenig Schaden an  -   zu stark war die Panzerung.

 

 Bei den Orks sah das anders aus, sie fielen zu hunderten den Felsbrocken zum Opfer, doch immer wurden die Lücken sofort wieder geschlossen ,so groß war ihre Anzahl. Die Orks stürmten die ganze Nacht auf die Mauer ein . Bei den Zwergen wurden die Verluste, die ihnen die Orks zufügten,  langsam bemerkbar. Es wurden immer öfter Zwerge von anderen Stellen abgezogen, um die Reihen zu füllen.  Und noch ein Feind tauchte unerwartet auf  - !!  Müdigkeit,  bleierne Müdigkeit...... Die Zwerge hatten keine Reserve an Kämpfern, alle standen auf den Mauern im Kampf gegen die Orks. Die Nacht verging, über die Berge kroch langsam die Sonne und sie zeigte das ganze Ausmaß der nächtlichen Schlacht.

 Die Orks in ihrem Blutrausch aber kannten keine Pause, auch Erschöpfung war ihnen fremd, und immer wieder rammten sie gegen die Wehrmauer und dann wurde es wieder Nacht. Berge von toten Orks lagen auf dem Schlachtfeld und diese benutzten die anderen Orks, um eine Art Rampe zu bauen, das sollte es ihnen erleichtern, die Mauer zu bezwingen. Mit der Zeit wurde die Situation der Zwerge bedenklich, ihre Reihen lichteten sich immer schneller. Verzweifelung breitete sich aus, niemand glaubte, dass es noch Hilfe gab und wenn -  sie kam dann sicher zu spät. Der Widerstand wurde immer schwächer, das spürten auch die Orks und verstärkten noch einmal ihren Angriff. Mit aller Macht gingen sie die Mauer an, eine Entscheidung ließ nicht mehr lange auf sich warten.

 Auf einmal stockte der Angriff,  ein Ton, so laut und furchteinflößend, ließ alle erstarren . Die Orks schauten sich um, Panik brach unter ihnen aus, damit hatten sie nicht gerechnet !  -   Zwerge, tausende von Zwergen tauchten hinter den Orks auf,  und nicht nur zu Land, auch der Himmel verdunkelte sich. Große Vögel, den Adlern gleich, griffen die Orks aus der Luft an. Voller Panik ergriffen die Orks die Flucht vor einem neuen, unbekannten Feind. Noch einmal entbrannte eine gnadenlose Schlacht, in der die Orks aber nicht viel Gegenwehr leisteten, der Überraschungsangriff war gelungen, noch einmal hatten die Zwerge den Feind bezwungen.

 Nun war es an der Zeit, die Toten zu begraben und sie machten sich auf, das Land zu verlassen. Denn die Orks würden wiederkommen in noch größerer Anzahl und grausamer als je zuvor. Nur einen Vorteil hatten die Zwerge noch, sie gingen durch den Berg, dort waren die alten Gänge, die von ihren Ahnen angelegt worden waren um vor einen unbesiegbaren Feind  flüchten zu können.

 

Kapitel  36

 


Als Dolgin erwachte war es schon heller Tag, ein warmer Wind kitzelte sein Gesicht und ein Gefühl von Wohlbehagen durchströmte seinen Körper. Selten hatte er so gut und tief geschlafen. Noch einmal recken und dann aufsehen und Hagar wecken, er ist genauso ein Langschläfer wie ich , dachte Dolgin. Doch als er die Augen öffnete, war er allein in dem Wipfel des Baumes. Hagar war fort. Dolgin schaute vorsichtig nach unten in die Tiefe und zuckte im selben Augenblick zurück. Dass es so hoch ist, hatte Dolgin am gestrigen Abend nicht gesehen. Nun stellte sich die Frage, wie hier von dem Baum runter kommen. Da sein Freund Hagar sich ohne ihn fortgemacht hatte, würde es wohl ein schweres Unterfangen werden und einige Zeit dauern, bis Mutter Erde ihn wieder hatte. Was hatte ihn auch geritten, sich von Hagar mit auf den Baum tragen zu lassen. Vorsichtig tastete Dolgin mit den Füßen nach dem ersten Ast. Der große rote Hut behinderte ihn beim Klettern, doch da er nicht wusste, wo er diesen sicher deponieren konnte, ließ er ihn auf dem Kopf. Wider erwarten gelangte Dolgin schnell nach unten bis.... Dolgin rutschte vom Ast, auf den er seinen Fuß setzen wollte, dieser schnellte nach oben und riss ihm den Hut vom Kopf.  Er konnte es nicht verhindern und schaute ihm nach, wie der Hut im weitem Bogen nach unten fiel. Immer näher kam Dolgin dem Erdboden, und als er schließlich wieder auf festem Boden, stand schaute er sich als erstes nach seinem Hut um.
“ Suchst ihr diese doch recht merkwürdige Kopfbedeckung?” Dolgin schaute sich um und sah seinen Freund Hagar. “ Wo kommst ihr denn so plötzlich her? Und gebt mir meinen Hut zurück, euch würde er doch nie passen!” Dolgin ging auf Hagar zu und nahm ihm seinen Hut ab. Nun war er wieder komplett. “ Wo wart ihr  ? Könnt ihr mir das beantworten ,lässt mich da oben ganz allein, was hätte nicht alles passieren können?”
“Ich weiß nicht was ihr habt, es geht euch doch gut, und wie ich sehe, ist doch noch alles an euch dran! Nun Spass beiseite, die Adler mit den Vertretern der Völker sind zurück. Sie sind auf einer Ebene in der Nähe der Berge dort hinten. Nun warten alle auf euch.”

 “ Dann wollen wir sie nicht warten lassen”, antwortete Dolgin. Als er wieder auf Hagar saß, erhob dieser sich wieder in die Lüfte. Näher und näher kamen die Berge.
Die Ebene tauchte in der Ferne auf:” Dort ist sie, Dolgin, alles wartet  darauf, was du zu sagen hast. Tatsächlich, dort waren Zelte aufgeschlagen, viele Zelte -  damit hatte Dolgin nicht gerechnet - dass es so viele waren, die seinem Ruf folgten. Hagar setzte zur Landung an. Auf dem Boden angekommen, ging Dolgin durch die Reihen der Ankömmlinge, die ihn mit fragenden Augen beobachteten. Dolgin überlegte sich, wie er am besten mit seiner Rede anfangen könnte. Es wird bestimmt nicht leicht sein, die Leute zu überzeugen. Schon der Anblick könnte manchen erschaudern lassen. Grimmige, wilde Krieger waren es, die -  obwohl sie furchterregend aussahen, doch Sorge um das Wohlergehen ihrer Völker hatten. Hoch über ihnen flogen die Adler weite Kreise, auf Hagars Adler konnte Dolgin sich verlassen, ihren Augen entging nicht die kleinste Bewegung .
“ Hagar, es sind viel mehr, als ich erwartet habe! Wie viele mögen es wohl sein?” “Diese Frage kann ich euch auch nicht beantworten, aber wenn ich mich so umschaue, müssen es weit über sechs Dutzend Völker sein, die eurem Ruf gefolgt sind. Was wollt ihr ihnen sagen? Sie warten alle voller Ungeduld.” Dolgin hatte mit einer handvoll Völker gerechnet, aber das übertraf all’ seine Erwartungen. Wenn sie alle sich ihm anschliessen, müssten es Tausende von Kriegern sein. Nun es gab kein zurück, er musste zu ihnen sprechen. Dolgin sah in der Nähe eine kleine Anhöhe. Das war der richtige Platz, um alles zu überblicken. Dort musste er hin, gefolgt von Hagar, der ihm nicht von der Seite wich.


Auf der Anhöhe angelangt, hob er beide Arme nach oben und nach einer Weile war es still, niemand sprach ein Wort, alle wollten hören, was Dolgin zu sagen hatte.
“ Mein Namen ist Dohlam Schagkira Poulgimtin und ich bin auf der Suche nach Kämpfern für die große Schlacht gegen den Dunklen Magier................” Dolgin fuhr fort und erzählte vom Einfall und Angriff der Orks  auf das Land der Bakaar, und dass er nun den Widerstand gegen diesen Tyrannen aufstellen wollte, und dass die Bakaar auf Hilfe angewiesen waren.( Dolgin wusste zu dieser Zeit nichts von der Flucht und dem Leid, dass die Bakaar ertragen mussten) Auch dass er bei den Elfen war, verschwieg er nicht. Darauf riefen einige, dass ihre Völker nicht Seite an Seite mit diesen hochnäsigen und überheblichen Elfen in den Kampf ziehen würden. Da diese nur verachtend auf die anderen Völker schauen würden.
Dolgin aber sprach weiter und erklärte, dass er aus der Stadt der Elfen flüchten musste, da sie sich selbst bekämpften und dass er den Verdacht hatte, dass der dunkle Magier seine Macht bis dorthin gebracht hatte.
“ Die Elfen werden nicht mit uns kommen!” Darauf hin beruhigten sich die Abgesannten wieder und Dolgin sprach weiter. Es vergingen Stunden und am Ende seiner Rede hörte Dolgin, dass man sich nun zur Beratung zurück ziehen würde. Sie würden ihn rufen wenn es ein Ergebnis gab. So verließ Dolgin die Anhöhe in der Hoffnung, dass sie ihm folgen würden. 

 

 

 

                                                           Kapitel  37

 

 

 

Johann stand an der Seite von Handei und hielt den Speer vor Anspannung so fest, dass seine Handknochen weiß hervor traten. Doch nichts war zu sehen . Es herrschte eine gespenstische Stille. Immer noch wurden Brandpfeile abgeschossen, um die Wasseroberfläche zu erhellen, doch nichts war zu sehen. Doch mit einem Mal wurden vier, fünf, sechs Brandpfeile direkt auf sie abgeschossen. Johann und Handei konnten im letzten Moment  den Pfeilen ausweichen und verfolgten ihren Flug  -  und sie sahen das Ungeheuer, das lautlos hinter den Schiffen der Bakaar auftauchte. Sie schauten in zwei rotglühende, wilde Augen. Im Licht der Brandpfeile zeichnete sich auch der Körper des Untieres ab, es war kein Fisch und kein Landtier, es hatte einen Kopf, der einer Echse glich, mit scharfen Zacken, die sich vom Kopf über den Nacken und den ganzen Rücken erstreckte. An seinen Beinen befanden sich große scharfe Klauen. Das Ungeheuer kam bedrohlich näher und plötzlich hob Johann den Speer, den er noch vor wenigen Augenblicken verkrampft umklammerte, zielte einige Sekunden und schleuderte den Speer mit gewaltiger Kraft dem Ungeheuer entgegen und dieser drang dem Monster genau in das rechte Auge. Ein Schrei, der an Lautstärke alles übertraf, was die Bakaar kannten, stießt das Monster aus , dann kippte es nach hinten über und versank in der Tiefe der Sees. Handei stand neben Johann, schaute ihn an und konnte nicht glauben, was er da sah. Er -  der noch nie eine solche Waffe in der Hand gehabt hatte, rettete vielen Bakaar das Leben durch seinen Einsatz. Auch Johann, der auf seine Hand schaute, konnte nicht glauben was eben geschehen war. Ungläubig schaute er Handei an:” Habe ich das getan?”
“ Ja Herr, das habt ihr getan” antwortete Handei und kniete mit Achtung vor Johann. Dieser schaute sich ein wenig unsicher um und sah, dass alle, die sich auf dem Schiff befanden, sich vor ihm verbeugten. Handei schaute zu Johann :” Ihr seid es Herr! Ihr seit der Auserwählte, von dem unsere Bücher berichten. Ihr seid der mächtige Krieger, der gegen den Drachen zu Felde zieht!” -  “ Ich? Nein ihr täuscht euch alle, es war doch nur ein glücklicher Zufall, das ich traf. Ich bin der Waffenkunst doch nicht kundig!” Alle schauten zu ihm und er war es überhaupt nicht gewohnt, so im Mittelpunkt zu stehen. Johann hatte das Gefühl von aufsteigender Hitze, die in seinen Kopf zog. Ich werde bestimmt puderrot, ist das peinlich, dachte Johann. Plötzlich rief jemand:” Schaut -  dort die Sonne geht auf und in der Ferne ist Land!” Jeder versuchte zu erkennen, was sich dort in der Ferne befand -  war es Land oder wieder eine der vielen Illusionen, die sie bis hierher begleiteten. Und wirklich am Horizont tauchte ein schmaler dunkler Streifen auf. War es das Land von der Seherin?  Plötzlich waren auch die Seeleute wieder da, keiner von ihnen antwortete auf die Fragen der Menschen, wo sie waren in der Stunde der Gefahr. Sie gingen an den Menschen vorbei ohne sie zu beachten. Und alle wünschten sich den Augenblick herbei, dass sie die Schiffe verlassen konnten. Nach Stunden war es dann so weit. Die Schiffe liefen in eine Art Hafen und die Bakaar konnten endlich wieder festen Boden betreten. Kaum war der letzte Mensch von Bord, legten die Schiffe ab und verschwanden nach einiger Zeit am Horizont. Da standen sie nun allein in einem fremden Land  Wohin mussten sie nun gehen, welche Richtung sollten sie einschlagen? Aus dem Unterholz hörten sie Geräusche und es schien als käme da etwas auf sie zu. Schwerter und Pfeil und Bogen wurden bereit gehalten um der Gefahr zu begegnen. Ein riesiger Löwe, auf dessen Rücken sich Flügel befanden, trat aus dem Unterholz und ging auf die Menschen zu. Er schaute mit seinen großen dunklen Augen die Reihen der Menschen ab und fing zur Verwunderung der Bakaar an zu Reden :” Folgt mir, wenn ihr die seid, die meine Herrin erwartet. Ich zeige euch eure neue Heimat, eine Stadt, die der euren gleicht, wurde für euch erschaffen. Wer von euch hört auf den Namen Johann? Ihn erwartet meine Herrin. Nun folgt mir”. Mit diesen Worten wandte der Löwe sich um und die Bakaar folgten ihm mit einigem Abstand und mit einer  gesunden Portion Misstrauen. Der Weg, den der Löwe nahm führte genau in den Wald. es war dunkel und nur an einigen Stellen gelang es der Sonne, ihre Strahlen durch die dicht aneinander stehenden Bäume zu schicken. Plötzlich ..ein Geräusch,  einige der Bakaar griffen zum Schwert, doch was sie dann sahen -   das hatten sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ein Hirsch - kräftig, stark mit einem mächtigen Geweih auf dem Kopf. Er hatte die Menschen aus dem Dickicht des Waldes beobachtet. Doch ein Geräusch, das für ihn ungewöhnlich war, ließ ihn die Flucht ergreifen. Auch der Löwe sah, dass die Menschen zu ihren Waffen griffen. Es folgte ein tiefes gefährliches Fauchen des Löwen. “ Lasst die Waffen stecken, nehmt sie in diesem Land  nie wieder in die Hand, um etwas ohne Grund zu töten. Meine Herrin duldet in ihrem Land keinen Mord. Haltet euch daran und ihr werdet hier in Frieden leben können.” Er schaute mit seinen Augen die Reihen der Menschen an, wandte sich erneut dem Weg zu und ging weiter, sie zu ihrer neuen Heimat zu führen. Nach einiger Zeit endete der Wald an einer Wiese.

 Als Johann sie sah kamen die Erinnerungen an seine Kindheit. Johann blieb ich Gedanken versunken stehen und sah sich im Geist, wie er als Kind über die Wiese bei seinem Dorf lief. Er versuchte Schmetterlinge zu fangen, schaute den Flug der Libellen zu, die sich am kleinen Bach tummelten Dann stieß ihn jemand in die Seite und Johann kehrte in die Wirklichkeit zurück. “Hallo - junger Herr! Schlaft ihr mit offenen Augen? Oder sind eure Beine nicht mehr in eurer Gewalt?” Grinste Johann an, und ging seiner Wege. Johann schaute ihm nach, als ob er einen Geist gesehen hätte. Sein Gang ähnelte dem von Dolgin. Aber das war doch nicht möglich, der war doch wer weiß wie viel Tagereisen von hier entfernt. Johann sah sich um und niemand war hinter ihm. Während er hier stand und an die Vergangenheit dachte, sind alle an ihm vorbei gegangen. Nun dann , dachte er , gehen wir weiter! Und folgte den Bakaar. Weit war der Weg und es schien kein Ende zu nehmen. Immer wenn man meinte, dass es der letzte Hügel war über den man ging, öffnete sich eine weitere Ebene, die noch prachtvoller war als die zuvor. Noch den einen Hügel, dann mache ich Rast, einmal muss Schluss sein mit der Lauferei dachte Johann. Er merkte, dass seine Kraft langsam nachließ. Johann sah, dass die Menschen stehen geblieben waren, als ob dort oben eine unsichtbare Mauer ihnen das Weitergehen verweigerte. Je näher er den Bakaar kam, um so mehr bemerkte er, dass alle nur in eine Richtung schauten, als wären sie in Hypnose.

 

Johann folgte ihren Blicken, und in diesem Moment verschlug es auch ihm das Atmen. Vor ihnen lag sie -  eine Stadt, schneeweiß mit gold leuchtenden Dächern auf den Häusern. Umgeben von hohen Wehrmauern, deren Zinnen in einem kräftigem rot gehalten waren. Der Löwe wandte sich nun zu den Menschen:” Das ist eure neue Heimat geht in die Stadt und sucht euch ein Haus nach eurem Geschmack. Nun möge er zu mir kommen, den man Johann, den Auserwählten, nennt!” Die Reihen der Menschen teilte sich und Johann schritt durch das Spalier, das die Menschen bildeten. Etwas verloren stand er nun vor dem Löwen.” Seid ihr bereit, mit mir zu meiner Herrin  Elke vom See zugehen ? Sie möchte euch sehen und sprechen. Schaut, dort oben ist das Schloss der Seherin, lasst uns aufbrechen. Johann schaute in die ihm gezeigte Richtung. Dort war ein gewaltiger Gebirgszug:” Dort müssen wir hinauf?” Ungläubig wandte er sich zu dem Löwen, doch der war verschwunden. An seiner Statt stand dort, wo er eben war, ein großer Albatross :” Setzt auf, wir haben nicht ewig Zeit, man lässt die Seherin nicht warten. Johann kletterte auf den Vogel und ehe er sich versah, erhob dieser sich in die Lüfte.

 Was würde ihn dort oben erwarten und was wollte sie ausgerechnet von ihm? Nun quälten ihn doch Zweifel, so einfach mit diesem Wesen zu gehen und die Menschen verlassen zu haben.

 

 

 

 

 

 

  Kapitel  38

 


Sie stiegen immer höher. Tury und Narim übernahmen die Führung. Der Zustand von König Xatur war sehr bedenklich, von Zeit zu Zeit erlangte er das Bewusstsein, schreckt kurz auf und sank dann erneut in Bewusstlosigkeit. Die Zwerge hatten ihn auf der Trage festgebunden, so das er nur die Möglichkeit, hatte seinen Kopf zu bewegen.

 Es vergingen Stunden , dann zeigte Tury auf die Stelle, an der sie aus der Höhle geklettert waren, doch Narim schüttelte den Kopf:” Nein Tury, das können wir nicht, dort unten ist der Gang verschüttet, hast du es vergessen? Wir müssen einen Weg über den Berg finden.” -  “ Aber es wird zu lange dauern, der König wird sterben, wenn wir weiter klettern -lass es uns versuchen. Wir machen hier Rast und ich gehe wieder in die Höhle und suche einen Weg, der sicherer ist als der über den Berg. Ich denke, wenn mich zehn Krieger begleiten, ist die Möglichkeit einen Weg zu finden, besser als wenn ich allein gehe.” nach einigen Überlegungen willigte Narim ein. Tury suchte sich zehn Freiwillige und sie stiegen durch die Öffnung zurück in die Höhle. Er war sich sicher, einen Weg zu finden, der sie auf die Grasebene bringt. Narim gab unterdessen Anweisungen, das Lager aufzuschlagen und einen sicheren, geschützten Ort für den König zu suchen. Einfach war es nicht, denn der Raum für ein Lager war doch schon sehr begrenzt und das Lager zog sich daher weit auseinander. Das war für einen Überfall ihrer Feinde ideal, Narim und die Zwerge waren somit so gut wie wehrlos. Aber Narim war ein erfahrener Kämpfer und stellte überall da Wachen auf, wo er es als gefährlich erachtete.
Langsam senkte sich die Nacht über die Zwerge. Tury der mit seinen Getreuen indes die Höhle untersuchte, um einen Gang zu finden, der sie schneller aus der Gefahr brachte, war sehr aufmerksam und wies die Zwerge an, so leise wie möglich zu sein. Niemand sollte auf die Anwesenheit der Zwerge aufmerksam gemacht werden. Die Fackeln die sie mitgebracht hatten, wurden angezündet und unter den flackernden Lichtern sahen sie den großen “Dom” in dem sie sich aufhielten. Es gab viele Nischen  und etliche Spalten im Fels, die auch ein Eingang eines Ganges sein könnten. Nun gab es nur eine Möglichkeit,  sie mussten an einer Seite anfangen und sich nach und nach an der Wand vorarbeiten  und hoffen, dass sie einen Gang finden würden, der nicht nach ein paar Metern  endete. Bei jedem Geräusch, das sie hörten erstarrten sie in ihrer Bewegung. Doch es waren die Wassertropfen die von der Decke auf den Felsboden fielen und manchmal einen Ton erzeugten, der einem Schritt oder der Anwesenheit eine Wesens glich, das sich ihnen näherte. Narim drehte sich von einer Seite auf die andere, er konnte keine Ruhe finden, lauschte immer wieder in die Ferne. Waren sie wirklich in relativer Sicherheit ? Passten die Wachen auf oder übermannte sie der Schlaf? Immer wieder stand Narim auf und überprüfte die Wachen . Doch sie waren wachsam  -   nicht ein Geräusch entging ihrem Gehör. Narim sah in den Sternenhimmel, der in seiner ganzen Pracht funkelte und er erinnerte sich an seine Kindheit, seinen Vater mit dem er auf die Jagd ging , der ihm das Innere der Berge zeigte und ihm Frieden für sein Leben wünschte.

 Als Narims Vater starb endete auch die Jugend von Narim. An all’ das dachte Narim in dieser Nacht und die eine oder andere Träne trat aus seinen Augenwinkeln, ungesehen von seinen Begleitern. Es war eine Nacht der Träume und Erinnerung.


So leise, wie es ihnen möglich war, bewegten sie sich durch die Höhle. Tury sah einen der Zwerge, der sich über irgend etwas beugte und dann hörte er ein polterndes Geräusch, das nicht enden wollte, etwas fiel in eine bodenlose Tiefe und schlug immer wieder an die Felswände. Tury  lief so schnell er konnte zu dem Zwerg und sah, was geschehen war. Der Zwerg hatte einen Brunnen oder etwas ähnliches gefunden und hatte einen Stein hinein geworfen um die Tiefe zu prüfen. “Was hast du getan !
Habe ich euch nicht gesagt, ihr sollt leise sein! Ihr Narren, mit eurer Neugier werdet ihr uns ins Unglück stürzen” ! Dann versetzte er dem Zwerg einen Schlag, so dass der sofort zu Boden ging. Dann herrschte Stille jeder der Zwerge lauschte in die Dunkelheit. Doch sie hörten nichts -  alles schien ruhig zu sein...oder?  Da war ein Geräusch, etwas schien durch das Loch im Boden nach oben zu kommen, sie hörten ein tiefes Fauchen. Tury schaute in das Loch und sah in der
Tiefe eine Bewegung, jemand oder etwas schien sehr schnell nach oben zu kommen, denn der kleine Lichtpunkt in der Tiefe wurde schnell größer und heller. “ Da kommt etwas, das ist das Ergebnis eurer Neugier, die wir nun alle mit dem Leben bezahlen müssen?! “ Die Gruppe der Zwerge machte sich auf einen Kampf bereit. Dann sahen sie es, ein Dämon aus alter Zeit trat hervor, umgeben von Feuer und langen Fangarmen - ein Kampf über Leben oder Tod begann.
Hoch oben auf dem Berg bemerkte niemand die Gefahr, die sich in der Tiefe befand, alles war ruhig, man hörte sogar einige der Zwerge schnarchen. Narim ging zu seinem König und schaute nach seinem Befinden. Doch es hatte sich nicht geändert. Schweiß stand auf seiner Stirn, den Narim  vorsichtig mit einem feuchten Tuch entfernte. Eine zeitlang  verweilte Narim noch bei ihm, bevor ihn wieder die Furcht vor einem Überfall der Orks zu den Wachen trieb.

 Tief unter ihm kämpfte Tury um sein Leben. Keine Sekunde hätte Narim gezögert, in der Stunde der Not an seiner Seite zu kämpfen. Furcht breitete sich unter den Zwergen aus. Tury hatte Mühe, sie zu beruhigen und sagte ihnen, sie sollten sich zur Felswand begeben, so hatten sie sich nur in eine Richtung zu verteidigen. Als der Dämon ihnen gegenüber stand richtete dieser sich zu seiner vollen Größe auf. Es war ein mächtiges Wesen und Tury ahnte, dass sie keine Chance gegen dieses Wesen hatten. Der Angriff kam schnell  -  eine Art Peitsche sauste ihnen entgegen und verfing sich in dem Zwerg, der neben Tury stand, dieser wurde aus den Reihen der Zwerge gerissen und verschwand in den Flammen, die den Dämon umgaben.

 Als ob das ein Zeichen war, gingen die Zwerge zum Angriff gegen dieses Wesen der Hölle über. Mit gezogenen Schwertern liefen sie auf ihn zu, wurden aber dann von der Hitze der Flammen, die aus diesem Monster zu kommen schienen, gestoppt. Sie hörten wieder dieses Sausen und es waren weitere vier Zwerge verschwunden. Es bestand keine Möglichkeit dieses Monster zu besiegen. Tury gab den Befehl zum Rückzug, jeder sollte sein Heil in der Flucht suchen. Nur wohin sollten sie fliehen, sie waren umgeben von Felswänden, der einzige Weg war hoch oben an der Felsendecke, doch  dazu müssten sie an der Wand nach oben klettern und es wäre ihr sicherer Tod. Die einzige Möglichkeit war, sich in den Felsnischen und Vorsprüngen zu verstecken und hoffen, dass sie nicht entdeckt werden. Sie liefen in alle Richtungen auseinander und der erste Zwerg, der ein Versteck fand wurde in letzter Sekunde doch von dem Dämon mit der Feuerpeitsche zurückgezogen. Dann geschah unerwartetes, alle hatten in dem Augenblick, da der Zwerg sein Leben beendete, ihre Verstecke erreicht und sie sahen .... : Der Dämon folgte ihnen nicht, er stand da ,.. völlig regungslos stand er da, er konnte sie nicht wahrnehmen. Nur Bewegungen waren für ihn sichtbar. Immer wieder drehte sich der Dämon um sich selbst und lauerte auf irgend eine Bewegung.

 Tury -  dem es auffiel, dass er sie nicht wahr nahm, hob einen Stein auf und schleuderte ihn in Richtung der Öffnung, aus der der Dämon gekrochen kam. Mit ein bisschen Glück fiel der Stein in die Öffnung und mit lautem Getöse in die Tiefe. Das Glück war auf der Seite von Tury - zwar traf er nicht ganz das Loch, kurz davor fiel der Stein zu Boden,  der Dämon bemerkte die Bewegung und lief mit schnellen Schritten zu dem Stein, der immer langsamer auf das Loch zu rollte und doch mit einer letzten Drehung in die Tiefe fiel...gefolgt von einem wütenden Dämon . Nach kurzer Zeit des Wartens herrschte Stille. Die Zwerge verließen vorsichtig ihre Verstecke. Nichts war zu hören, der Dämon war verschwunden. Aber einen Weg durch den Berg, der sicherer wäre, als darüber hinweg zu klettern, den gab es wohl nicht, hier gab es nur den Tod zu finden. Tury fiel es nicht leicht, aber er gab den Befehl nach oben zum Ausgang zu klettern. Hier starben schon zu viele umsonst!

 

 

  

Kapitel  39

 


 

 

 

Der Albertross trug Johann immer höher, als er in die Tiefe sah, konnte Johann niemanden von den Menschen mehr erkennen. Endlich wurde der Flug des Vogels langsamer und setzte schließlich zur Landung an. Nun glaubte Johann, dass es ein Palast war, in dem die Herrin vom See sich aufhielt, doch was er sah, war eine kleine, armselige Hütte, die an einigen Stellen schon ziemlich einer Ruine ähnelte. “ Wie ? Hier wohnt die Seherin ? Seid ihr sicher, dass wir hier richtig sind?” Daraufhin wandte sich Johann zu dem Vogel um und sah ihn ungläubig an.  

 „Glaubt nicht das, was euch eure Augen zeigen. Dort die Tür -  seht ihr sie? Geht durch sie hindurch, ihr werdet erwartet.“  Johann sah den Albertross fragend an, doch dieser breitete seine mächtigen Flügel aus, stieß sich von der Felskante ab und flog davon. Johann wandte sich erneut der Hütte zu und begann sich der Tür zu nähern. Vorsichtig und zögernd drückte Johann die Türklinke nieder. Mit einem knarrenden Geräusch öffnete sie sich, Johann trat ein und traute einen Augen nicht, was er sah. Plötzlich stand er in einer großen Halle, mächtige Säulen aus purem Marmor stützten die Gewölbedecke, an den Wänden waren große Bilder vergangener Schlachten aufgehängt. Große Fenster, die das Licht der Sonne hinein ließen und auf diese waren farbige Glasmosaiken eingelassen. Es war eine prachtvolle Empfangshalle, dazu geeignet, gekrönte Häupter zu empfangen. Johann kam sich klein und unbedeutend vor bei soviel Prunk.  “ Seid ihr es, den die Bakaar den Auserwählten nennen?”
Johann wirbelte erschocken herum, wie aus dem Nichts stand sie plötzlich da -  eine Frau im weißen Gewandt mit Haar, schwarz wie Ebenholz.
Johann verbeugte sich, doch die Herrin vom See bedeutete ihm, er solle stehen bleiben.  “ Sagt, wie ist euer Name?”  “ Man nennt mich Johann, nur warum mich alle den Auserwählten nennen, das weiß ich nicht. Ich kam in dieses Land, weil mich die Neugier hierher trieb. Ich weiß nicht, was man von mir erwartet. Ich bin doch nur ein Bauer, wie mein Vater Bauer war. Und meine Nachkommen Bauern sein werden.!”  “Nein, ihr seid es, von dem die alten Legenden erzählen. Es wird ein Recke aus einem fernen Land kommen und die Menschen von dem Bösen befreien.”
“ Dann sagt mir, wie ich das anstellen soll? Ich habe weder Waffen, noch weiß ich genug über die Kampfkunst, um zu bestehen. Nein, ihr müsst euch irren. Ich bin ganz gewiss nicht der, über den die Bücher erzählen!”
Die Herrin von See sah ihn schweigend an, schließlich begann sie, Johann die Geschichte der Bakaar zu erzählen. Es war eine lange und leidvolle Geschichte, die in Wohlstand und Glanz ihren Anfang nahm und in Leid und Elend endete. Johann hörte ihr, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen, zu.  „Verstehst du nun, warum dieses Volk so sehr auf die Erfüllung der Prophezeiung hofft?” Ihr seid es, der zu ihnen kam, als der dunkle Magier erneut seine Hand nach den Bakaar ausstreckte. Als er ihnen die Drachen schickte, die der Anfang erneuten Leids für sie bedeutete.”  “ Aber es waren doch nur Zufälle, die mich zu den Bakaar führten. Ich weiß nur noch, dass ich vor einem Drachen die Flucht ergriff und dieser mich am Rücken verletzte, so dass ich in einem See versank. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem Bett, die Wunde verbunden. Doch erinnern kann ich mich nicht, was dann geschah.” antwortete Johann.
“ Die Angriffe der Drachen häuften sich, bis schließlich die Stadt aufgegeben werden musste. Aber wie lange ich mich noch gegen den dunklen Magier wehren kann? Das vermag ich nicht zu sagen. Nur eins ist gewiss, Krieg steht vor unserer Tür, der Tyrann greift nach uns und er wird täglich stärker. Geht dort durch diese Tür, da werdet ihr einen Weg finden, folgt ihm, bis er an einem Höhleneingang endet, begebt euch in die Höhle, dort werdet ihr Schild, Schwert und Rüstung finden. Diese besitzen eine ganz besondere Magie! Eilt euch junger Johann, Eilt euch, schaut -  dort der Himmel verdunkelt sich. Die Zeit, sie fließt schnell wie ein Fluss ! Geht !” Johann sah zu den Fenstern und wirklich, es zog Dunkelheit herauf, doch als er sich wieder der Herrin vom See zuwenden wollte, war diese verschwunden .

 Was hatte sie gesagt, die Tür da ? Es war aber nicht die Tür die er eben benutzt hatte. Viele Dinge gingen Johann durch den Kopf, es war alles so rätselhaft. Johann öffnete die ihm zugewiesene Tür und was er da sah, war genau so wunderlich wie das, was er eben erfahren hatte. Johann sah auf eine Wiese, wieso -   war er doch eben noch auf einem Gipfel der Berge gewesen und wie gelangte er nun hierher? Es war eher eine Lichtung, auf der er sich befand, aber auch ein Weg war da. War es der, von dem die Frau dort oben gesprochen hatte? Johann schaute sich noch einmal um, und er sah eine alte, halb verfallene Hütte, die der auf dem Gipfel ähnelte . Und da Johann noch immer seine Neugier besaß, ging er zurück zu der Hütte. Zu gern hätte er gewusst, wo er war, wenn er auf der anderen Seite der Hütte wieder hinaus ging. Doch als Johann die Tür öffnen wollte ...war sie verschlossen, nicht einmal die Türklinke ließ sich bewegen. Auf ihr befand sich der Rost von vielen Jahren. Johann beschloss, nun doch dem Weg zu folgen, wo er endete, wusste er ja  -   nur wie weit er laufen musste, das hatte sie ihm nicht gesagt. Die Wiese war schnell durchquert, nun führte der Weg durch einen Wald mit dunklen hohen Bäumen. Sie erinnerten ihn an den Wald, durch den er ging, als er dieses Land betrat. Vielleicht hatte er ja Glück und er fand die Stelle wieder, dann würde er keine Minute zögern, um von hier fort zu kommen. So in Gedanken vertieft stand Johann plötzlich vor einem Höhleneingang.
Eisiger Wind blies ihm entgegen und ein unheimliches Jammern drang an sein Ohr. Es hörte sich an, als wenn ein alter Mann irgendwo im Dunkel der Höhle Qualen erleidet. Johann ging Schritt für Schritt ins Dunkel der Höhle. Die Kälte der Höhle kroch an dem Körper von Johann hoch. Er glaubte, je tiefer er in die Höhle ging, desto  kälter wurde es. Dann wieder dieses unheimliche Jammern, es müsste eigentlich lauter werden, denn Johann war schon recht weit in die Höhle eingedrungen. Es war wohl doch nur der Wind, der durch irgend welche Lücken und Risse im Fels diese Töne formte. Vorsichtig und immer darauf bedacht, wenig Lärm zu machen, tastete sich Johann weiter. Und er gewöhnte sich immer mehr an diese Dunkelheit, manchmal meinte er, etwas gesehen zu haben -  etwas, das nicht weit vor ihm durch die Gänge huschte. Ob ich hier jemals wieder nach Draußen finde? Das und vieles andere schoss durch sein Gehirn. Manchmal glaubte er Farben zu sehen, Spiralen, die sich drehten, tanzende Fackeln in der Ferne. Seine Sinne spielten ihm etwas vor, es war dunkel, wo sollte also so etwas her kommen. Dann sah er einen kurzen Augenblick ein Funkeln, das er aber schon nicht mehr beachtete, da… -    war es wieder, es blitzte auf und es war Johann, als wäre es schon ein bisschen näher als  das erste Mal , als es aufblitzte. Dann sah Johann, was dort von Zeit zu Zeit  aufblitzte  -  es waren Waffen, die das Licht einfingen, das von hoch oben durch  einen Felsspalt eindrang. Johann sah ein Schwert, ein Schild, einen Speer, ein Geer, einen Morgenstern und....eine Rüstung.
Johann nahm Schwert , Schild und Rüstung, so wie die Seherin ihm gesagt hatte. Nur die Rüstung -  Johann hatte eine andere Vorstellung von einer Rüstung. Das, was er da in den Händen hielt, sah nach allem anderen aus, als nach einer Rüstung, die eher einem ledernen Lappen glich, als einer Rüstung. Doch als Johann die Rüstung anzog, passte sie ihm, als wenn diese extra für in angefertigt worden wäre.

  Ein Geräusch, das er hinter sich hörte, ließ ihn erstarren. Johann umschloss den Schwertgriff mit fester Hand, dann wandte er sich um. Etwas großes, dunkles, mit rot glühenden Augen aus den tiefsten Abgründen der Hölle, stand plötzlich hinter Johann. In seiner Pranke hielt das Ungeheuer eine Art Morgenstern, den er langsam ins Schwingen brachte. Da stand Johann nun vor einem Gegner, der viermal so groß als er selbst war. Jedes Stampfen seiner Füße bewirkte ein kleines Beben auf dem felsigen Untergrund. Das war  so heftig, dass Johann leicht ins Schwanken kam. Das Ungeheuer ging auf Johann zu und dieser hob Schwert und Schild zur Verteidigung. Wie gut nur, dass ich die Rüstung anprobiert habe, dachte Johann noch , da kam der Angriff des Monsters. Der Aufprall seines Morgensterns auf die Rüstung war so stark, dass Johann viele Meter durch die Luft geschleudert wurde und hart gegen die Felswand schlug. Mit schmerzverzerrten Gesicht fiel er zu Boden. Doch was war das ? Der Schmerz des Schlages und der Aufprall gegen die Felswand blieben ohne Folgen. Johann spürte nichts, keinen Schmerz. Auch die Rüstung, die hätte Schaden nehmen müssen, blieb unversehrt. Kein Riss oder Schlagspuren des Morgensterns waren zu erkennen. Johann stand auf und ging nun zum Angriff über. Mit wütendem Gebrüll das Schwert schwingend lief er dem Ungeheuer entgegen. Dann holte Johann zu einem mächtigen Schlag aus. Seine ganze Kraft legte er in diesen einen Schlag. Als sein Schwert das Monster traf war es so, als träfe er auf Luft, denn das Ungeheuer löste sich in Rauch auf und verschwand. Verwundert  stand Johann da und versuchte zu verstehen was da vor ihm geschieht.

 “ Hast du nun alle Zweifel abgelegt und ist dir die Kraft der Rüstung , des Schildes und des Schwertes bewusst? Dann geh’ stelle eine Armee zusammen und befreie das Land von dem Tyrannen.” Johann schaute sich nach allen Seiten um, doch es war niemand hier. Woher kam die Stimme der Seherin? Hier geschehen wunderliche Dinge, dachte Johann und begab sich auf den Weg ins Freie. 

 

 

Fortsetzung folgt.....

 

 

Kapitel  40

 

 

 

Dolgin lief nervös durch das Lager, die Zeit verging zäh wie Leim. Warum mussten sie so lange Abstimmen ? Die Lage war doch klar und die Bedrohung stieg stetig. Die Zeichen wurden immer deutlicher. Selbst die Elfen waren von ihm infiltriert. Dolgin war nach seiner Meinung nach nur um Haaresbreite einer Katastrophe entkommen. Er hatte immer geglaubt, die Elfen waren gegen jeglichen Zauber, der sie bedroht, gefeit. Nichts konnte sie von ihrem vorgegebenen Weg abbringen.

 

 Das Gegenteil musste Dolgin schmerzlich erfahren. Dann wurde er aus seinen Gedanken gerissen.” Herr Zwerg, der Rat bittet euch zu kommen” Endlich, dachte Dolgin,  begab sich schnell zum Zelt des Rates und trat ein. Ob sie es ihm anmerkten, dass er nervös war? Es herrschte  Dämmerlicht in dem Zelt, nur langsam gewöhnten sich seine Augen an die Lichtverhältnisse. Er sah in ernste Gesichter. Jemand stand auf und bat Dolgin, Platz zu nehmen und zeigte auf einen leeren Platz. Es herrschte eine eisige Stille. Als Dolgin seinen Platz eingenommen hatte, erhob einer der Ratsmitglieder das Wort.
“ Mein Herr Dohlam Schagkram Poulgimtin, nach langer Beratung haben wir einen Beschluss gefasst. Doch vorher möchten wir, die Ratsmitglieder, euch unseren Respekt zollen, dass ihr trotz widrigen Umständen und unbekannten Gefahren nicht von eurem Weg abgewichen seid. Das eure Befürchtungen nicht unbegründet sind, ist uns schon seit einiger Zeit zur schmerzlichen Realität geworden. Auch hier außerhalb der Elfenstadt sind die Schergen des Magiers gesehen worden. Und dann ist uns von einer Legende berichtet worden. Eines Tages soll ein Recke aus einem fernen Land sich dem Magier stellen und das Land für immer von dem Tyrannen befreien.” Dolgin wagte nicht, den Redner zu unterbrechen, denn was dieser erzählte, war ihm doch aus Erzählungen des Fagul bekannt. Dann hörte er den Satz, auf den er so lange gewartet hatte.” So sind wir zu dem Entschluss gelangt, wenn auch nicht gleich einstimmig, dass wir uns und die Krieger der Völker unter euer Kommando stellen. Wir sind bereit uns dem Feind zu stellen!”
“ Wie lange wird es dauern, bis eure Kämpfer hier sein werden?”
“ Oh, ich hoffe nicht so lange, denn es sind schon Boten ausgeschickt, sie zu holen. Mit Hilfe der Adler werden sie schnell ihr Ziel erreichen. In der Zeit des Wartens sollten wir uns überlegen, wie wir vorgehen und ab und an ein Pfeifchen rauchen.”

 Dolgin dachte, er hört nicht recht, Unheil zieht über das Land und er will öfters ein Pfeifchen rauchen? Doch Dolgin hütete sich zu sagen, was er dachte, damit würde er die Allianz gewiss gefährden. Man konnte nur Warten, es wird eine Zeit dauern, bis die Streitmacht hier sein kann. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät und die Bakaar sind noch am Leben. Und noch ein Gedanke schoss Dolgin durch den Kopf. Er sollte das Kommando übernehmen? Ein merkwürdiges Gefühl war es. Er war doch nur ein Waldgeist und Hüter der Einhörner. Ein Stein wurde ins Rollen gebracht, was einige zu Ruhm und Ehre bringen sollte. Und doch, so hatte es sich Dolgin nicht gedacht, er war doch kein Feldherr.

 

Langsam wurde es dunkel und das Lager kam zur Ruhe. Nach und nach erloschen die Feuer. Verzweiflung machte sich breit. Mit einmal hört Dolgin hinter sich ein Geräusch. Langsam , ganz langsam bewegt er seine Hand in Richtung seiner Waffen.” Beruhigt euch, alter Freund, ich bin es doch nur Hagar. Was macht ihr so abseits des Lagers?” “ Ich muss über so vieles nachdenken, ist es wirklich richtig, dass ich all’ die Leute wahrscheinlich in den Tod schicke? Mache ich das Richtige?  Es hat sich alles so anders entwickelt, alles ist so schwierig. Sie verlangen Entscheidungen von mir, obwohl ich auf ihre Erfahrung gehofft habe.” “ Mein alter Freund, ihr macht euch zu viel Gedanken, was kommen könnte. Wartet die Zeit ab, wenn die Zeit gekommen ist, wird euch der eine zur Seite stehen, auf den alle hoffen. Ihr seid der eine, der all’ die Bewohner dieses Landes wachgerüttelt hat.

 

Wie sieht es aus, habt ihr Lust mit einem alten Adler wie mir einige Runden zu fliegen?” “ Es ist stockdunkel, ihr werdet uns noch irgendwo gegen fliegen!”  Hagar hielt den Kopf schief.” Ihr Lebewesen ohne Flügel immer voller Zweifel. Steigt auf. Wie ihr wisst sind meine Augen tausendmal besser als die euren.” Dolgin ging auf Hagar zu, brummte sich noch etwas in seinen langen Bart und stieg auf. “ Was sagtet ihr, ich habe es nicht richtig verstanden?” Als Antwort erhielt er nur ein Brummen. Hagar liebte diese kleinen Sticheleien, seitdem die Fee ihm die Gnade erwiesen hatte, sich mit den Menschen unterhalten zu können, genoss er es. Hoch in die Lüfte ging es und für Dolgin war es nur dunkel, wohin er auch schaute. Nur kurze Augenblicke, wenn die Wolken den Mond freigaben, konnte Dolgin wage etwas erkennen. Gerade als Dolgin etwas sagen wollte, zischte Hagar ihn an. ”Seid still, dort unten erkenne ich viele Bewegungen. Ich werde versuchen, weiter nach unten zu kommen und wir werden sehen, was dort vorgeht. Nur ihr müsst leise sein!” Hagar sank in weiten Kreisen immer tiefer. “ Dort ist ein großer Baum, auf ihm werde ich landen .” Ich höre nichts , du hast sie verloren. Oder war es nur Wild?”


“ Wir sind vor ihnen, sie werden gleich unter uns sein. Nun seid still und keine Bewegung, nichts, das uns verraten könnte. Und hoffen, dass die Wolken noch ein bisschen den Mond verdunkeln.”  Es dauerte einige Zeit, doch dann hörten sie ein langsam ansteigendes Geräusch. Es waren Orks . Trolle und noch einige Ausgeburten der Hölle, einige von ihnen ritten auf Reittieren, die aussahen wie Ungeheuer. Die Köpfe waren wie bei Reptilien, an beiden Seiten der Schnauze ragten lange Eckzähne aus dem Maul, an den Enden der Beine waren statt Hufen Tatzen mit langen Krallen. Es waren Wesen, die auch Dolgin und Hagar nicht kannten. Doch den Weg, den sie nahmen, den kannten sie. Der führte sie genau auf das Lager zu, in dem der Rat der Völker sich befand und sie sich nun in großer Gefahr befanden.” Hagar, wir müssen sie warnen!” flüsterte Dolgin. “ Es sind zu viele, wir werden sie nicht retten können, auch wenn sie gewarnt werden, wird es ihr Tod sein!” Doch Dolgin drängte ihn, zurück zum Lager zu fliegen, vielleicht hatte man die Möglichkeit zu fliehen. Als Hagar abhob verursachten sie zwangsläufig Geräusche, die sofort mit einem Hagel von Pfeilen beantwortet wurden. Hagar zuckte für einen Moment zusammen. “ Was ist mein Freund?”
“ Etwas hat mich an der rechten Seite getroffen! Aber seid beruhigt, es ist nicht mehr als ein Nadelstich!” Voller Sorge um das Wohl seines Freundes versuchte Dolgin heraus zu finden wo und was den Adler getroffen hatte. Er kannte seinen Freund und wusste, dass Hagar  seine Verletzung herunter spielte. Und Hagar fing an, mehr zu Segeln, er schonte die rechte Seite. Auch bemerkte Dolgin, dass der Flügelschlag der rechten Seite nicht mehr so kraftvoll war. Endlich kam das Lager näher und Dolgin merkte, dass Hagar das Fliegen doch einige Mühe machte” Ich werde jetzt nach unten gehen, haltet euch  fest !” Es klang wie eine Warnung an Dolgin, und wirklich, so elegant, wie Dolgin es von Hagar kannte, war die Landung nicht mehr . Und er merkte, dass der Adler Schmerzen hatte. “ Wartet hier und versteckt euch mein Freund, doch bevor ich gehe, last mich eure Verwundung suchen!” Dolgin suchte im Schein einer Fackel den Körper seines Freundes ab und fand dann unter dem Flügel drei Pfeile und einen in seiner Brust. “Ich hab sie gefunden, mein Freund, doch ich werde sie euch nicht entfernen. Ich befürchte, dass sie sehr stark anfangen zu bluten. Ich werde mich beeilen und komme sofort mit Hilfe und Verbandszeug zurück”! Bevor Hagar antworten konnte, war Dolgin in der Dunkelheit in Richtung Lager verschwunden.
Vorsichtig verkroch sich Hagar unter einer großen Tanne deren Äste weit ausladend bis zum Erdboden reichten und selbst einen so großen Adler Schutz und Sicherheit bieten konnte. Dolgin lief so schnell er konnte, um das Lager zu erreichen und den Rat und die Krieger, die sich dort befanden zu warnen.  Doch zur Flucht war es schon zu spät. Man konnte schon den Feind hören, wie er sich näherte. Alle griffen zu ihren Waffen und verteilten sich großflächig im Gelände. Alles schien wie ausgestorben. Nichts rührte sich, nicht einmal der Wind war zu spüren, und dann kamen sie. Eine grauschwarze Masse durchflutete das Lager und war doch verwundert, dass sich niemand dort befand. Da standen sie nun im Lager und  unter den Angreifern kehrte eine gewisse Ruhe ein.
Sie wussten nicht so recht, was sie nun machen sollten. Sie durchsuchten die Zelte, doch sie alle waren leer. Hilflos schauten sie sich um, einige der Angreifer gerieten in Streit und erschlugen sich gegenseitig, das wiederum weitete sich aus. Überall begannen die Orks auf sich einzuschlagen. Genau das war der Augenblick auf den die Zwerge und andere Krieger der verschiedenen Völker gewartet hatten. Der Moment der Angriffs war gekommen. Von allen Seiten stürmten sie gegen die verstörten Orks und doch war der Gegner nicht zu unterschätzen. Ein fürchterliches Gemetzel begann. Hände ,Arme und Köpfe wurden im Kampf abgeschlagen, Schwerter die  sich durch Körper bohrten. Als alles ein Ende fand war das Lager von Leichen bedeckt, viele Orks waren erschlagen und auch die Menschen und Zwerge hatten starke Verluste. Dolgin suchte die Ratsmitglieder, doch er fand niemanden mehr, nur ihre erschlagenen Körper fand er.

Plötzlich fiel ihm Hagar ein. Hoffentlich ist er noch da. Einige der Zelte waren noch heil. Dolgin suchte darin Gegenstände, mit denen er dem Adler helfen konnte. Was er fand, waren Tücher einige Nähnadeln und Garn. Das nahm er mit und rannte zu dem Ort, an dem er Hagar verlassen hatte. Er war fort. Der Platz war leer. Wo war er hin? Dolgin machte sich große Sorgen . Er hätte den Adler nicht allein lassen sollen. Gerade als er sich umdrehen wollte, um die Gegend abzusuchen, bemerkte er eine Bewegung unter einer der großen Tannen. Vorsichtig näherte er sich. Es konnte auch ein versprengter Ork sein, der ihm auflauerte. Doch dann hörte er die Stimme von Hagar. Mit schnellen Schritten ging er zu ihm. Und Dolgin sah, dass  Eile geboten war.

 

Fortsetzung in

LoennebergaMichel3