Michel

 

    Dies' ist eine Seite für einen Dichter und Geschichtenerzähler, nämlich für

 

                 Michel aus Celle

 

            

 

 

 

 


--------------

 

  Wenn du gehst...

 
Wenn du gehst,  bleibt eine große Leere
Alles was war, ist dann  Vergangenheit.
Alles was kommt ist ungewiss.
Alles was bleibt,  ist die Erinnerung.
Alles was in mir ist, ist Trauer.
Denn du bist gegangen.
 

                               Wenn ich gehe....
 

Wenn ich gehe, dann denke einen Augenblick an mich.
Denke an die Zeit zurück mit einem Lächeln.
Besuch mich ab und an.
Leg mir eine weiße Lilie, die ich so gern gehabt
auf meine letzte Ruhestatt.
Dann geh und dreh dich nimmer um.
Und sag leise ein letztes Wort .......Tschüss!

 

 

 

 

 

 

 

 

Der arme Poet

 

Du bist die Sonne in meinem Leben,

für dich würd' ich alles geben.

Du bist mein Stern in finst'rer Nacht,

für dich hätt' jedes Opfer ich gebracht.

Doch leider habe ich nur Gedichte für dich geschrieben -

mehr ist mir nicht geblieben !

 

 

 

 

 
                                                  Schneeflöckchen
 
                        Ein Schneeflöckchen, weiß und zart,  fällt vom Himmel
                                                         hernieder,
                        grad' auf eines Vogel's Gefieder.
                                                          Der bringt es fort
                                                          von diesem Ort,
                         
                         bis ein Lüftchen hebt es in die Höh'.
                         Es tanzt lustig auf und nieder durch die Welt
                         und man sieht wie es ihm gefällt,
 
                         landet schließlich auf eines Menschen Haut -
 
                                             und....taut!!
 
 
                                                                 
 
                                                              Ein Tagtraum

 


Ein schöner Tag  -  eine grüne Wiese  -   ich denk’ an dich und sehe den
Adler,  wie er hoch in der Luft seine Kreise zieht.
Meine Gedanken wandern zu Dir , wo magst du sein?
Mit Dir möchte ich den Tag verbringen und noch vieles mehr.
Du bist das Glück, das ich all’ die Jahre so vermisste.
Wo bist du ? Vielleicht an dem Ort,  an dem wir früher so glücklich  waren ? Ich möchte ihn  finden , doch fern ist der Ort unserer Liebe.


Dort lagen wir Arm in Arm und schauten dem Sonnenuntergang zu
und zählten am Abend die Sterne, die uns vom Himmel aus zuwinkten.
Ewige Liebe schworen wir , Liebe und Geborgenheit gaben wir uns .
Und doch kam der Tag des Abschieds. Es war für mich wie der letzte Tag auf Erden. Du bist gegangen  -   eine Leere ist geblieben.


Ich hänge den Gedanken nach und sehe dich auf einem weißen Pferd,
auf dem du sitzt  und auf mich zukommst.
Schon spüre ich das Vibrieren der  Hufe des Pferdes im Boden.
Voller Freude und Erwartung sehe ich dich auf  mich zureiten.
Endlich bist du da, die Nüstern des Pferdes berühren mein Gesicht.
Ein Gefühl vollkommenen Glückes durchflutet mich .
Ich möchte aufspringen, dich vom Pferd heben und in meine Arme nehmen!
Ich öffne die Augen und sehe zwei Augen, schwarz wie Ebenholz!
Und diese Augen gehören ….  einer KUH!!!!

 

 

 

                                                                

 
 
 
Hoffnung
 
Hoffnung ist, dir zu begegnen
Hoffnung ist, mit dir zu reden
Hoffnung ist, dich zu lieben
Hoffnung ist, mit dir zu leben
Hoffnung ist, einander zu verstehen
Hoffnung ist, niemals auseinander zu gehen
Hoffnung ist, dich nie zu verlieren
 
Und hast du keine Hoffnung mehr
bist du ein armer Wicht !
Denn ohne Hoffnung lohnt das Leben nicht !
Sie ist der Antrieb für des Lebens Müh',
für ein wenig Hoffnung ist es nie zu spät -
da sie es ist, die als letzte geht !
 
 
 
 
 

                                                         Der Baum
 
 
                                               Es war einmal ein Baum,
                                              
                                               er überstand Zeit und Raum.
 
                                               Einst war er Mittelpunkt
 
                                               in einem Wald.
 
                                               Groß, stark, mächtig,
 
                                               ein Teil von vielen. 
 
 
 
 
                                               Nun steht er einsam auf dem Felde,
 
                                               sie alle sind gegangen.
 
                                               Einzig er steht gefangen,
 
                                               schutzlos auf dem Felde
 
                                                und trotzt der Natur
 
                                                Jahr     für      Jahr.
 
 
 
                                                Gibt den Menschen Hoffnung
 
                                                es ihm gleich zu tun.
 
                                                Es war einmal ein Baum, groß, stark
 
                                                und voller Zuversicht,
 
                                                auch wenn ein Ast ihm bricht
 
 
                                                                                         
 
 
 
 
 
 
 
Hier könnt Ihr eine ganz rührende Geschichte von Michel lesen, die Euch
garantiert gefallen wird
 
 
 
       Zwei ungleiche Freunde

 

 

  In meinen Erinnerungen an meine Kindheit,  werde ich eines nie vergessen.

Wenn es Winter war und der Wind kalt um das Haus wehte, das Feuer im Ofen prasselte,

dann haben wir bei der Großmutter meines Freundes auf ihrem großen,  alten Sofa gesessen.

Dort gab es noch die großen Kissen aus Samt,  in die wir uns kuschelten,  wenn die Großmutter uns ihre Geschichten erzählte.

Wir waren dann ganz still und hörten gespannt zu........................!

 

 

    Es war eine große Aufregung in einem kleinen Zoo im Lande Nirgendwo.

Alle liefen sie durcheinander,  schnell etwas besorgen,  dort etwas zu holen  -  es war  im Tigerhaus.

Sie alle bemühten sich um die Tigerdame Lulu, denn es war der Tag gekommen, an dem  sie

kleinen Tigerbaby's das Leben schenken sollte.

Plötzlich öffnete sich die Tür zu dem Raum,  in dem Lulu lag,  es war der Tierarzt, und der schickte alle bis auf den Tierpfleger hinaus.

Nun waren die Zwei mit Lulu allein,  die Tür schloss sich.

 Die Zeit verging überhaupt nicht.

Doch dann..... öffnete sich die Tür und sie wurden gerufen .

Es waren drei süße kleine Tiger,  eine  große Freude im ganzen Zoo !

 Eines Tages  kam der Augenblick,  an dem die Drei das erste Mal nach draußen durften.

Mit großen Augen betrachteten sie eine neue Welt.

Eine große Wiese, Bäume und Steine zum Klettern.

Es war ganz toll und so interessant  -   und doch......................etwas stimmte nicht !

Einer der Drei saß immer abseits und schaute den beiden anderen beim Spielen zu.

Wenn er versuchte, mitzuspielen,  fauchten sie ihn an, verscheuchten ihn und liefen davon.

"Mit dir spielen wir nicht,  schau wie du aussiehst,  du bist nicht wie wir ! Hau ab !!"

Traurig wandte sich der kleine Tiger ab.

 

Ab diesem Tag schaute er nur von Weitem zu,  mit Tränen in den Augen.

Er hätte doch so gern mitgespielt, warum wollten sie ihn nicht haben?

 

So vergingen die Tage, und immer,  wenn seine Brüder auf der Wiese herumtollten,

lag er abseits und schaute ihnen traurig zu.

Bis auf einmal????????.........

 

Einmal spürte er,  dass  jemand auf seinen Rücken tippte. Er rührte sich nicht,  lag ganz still.

"Was kann das sein?" fragte er sich in Gedanken.

Es tippte schon wieder auf seinen Rücken !

Ganz vorsichtig drehte er seinen Kopf nach hinten,  und was er da sah,  hatte er noch nie gesehen. Seine Augen wurden vor Verwunderung kugelrund.

"Wer… wer bist du denn? " fragte der kleine Tiger verwundert,

und schaute das Etwas neugierig von oben bis unten an.

"Und was hast du da unten am Ende deiner Beine? Das kenn’ ich überhaupt nicht, damit kannst du laufen?"

"Natürlich,  das sind Flossen,  damit kann man  gehen und man kann damit schwimmen.

Das weißt du nicht? Du bist doch kein Dummkopf .....oder?" sagte das Etwas und schaute ihn mit einem Lächeln an.

"Warum spielst du nicht mit deinen Geschwistern,  kannst du mir das sagen?"

"Och,  die wollen mich nicht dabei haben. Sie sagen,  ich bin nicht von ihrer Art  und laufen vor mir davon ! Niemand will mit mir spielen!" und schon sah man wieder einige Tränen,  die aus seinen Augen rollten

"Du musst nicht traurig sein ,schau dich an,  du bist doch ein toller Junge ! Und nur, weil

du keine Streifen hast und ein weißes Fell ?  Die sind doch doof ,  ich finde dich sehr nett.

Wie heißt du eigentlich?"

Der kleine weiße Tiger schaute das

Etwas an und sagte dann:" Mein Name ist Chan !"

Er stand auf und reckte seinen Kopf voller Stolz zum Himmel.

"Uhiii,  was bist du groß ,ich muß mich doch nicht vor dir fürchten?" 

"Dir gehen die Fragen wohl nie aus ? Nun beantworte mir,  was bist du, und warum ist da dein Fell so zerzaust?"

"Mein Name ist Lucille und meine Mama hat gesagt,  ich wäre ein Schwan und das ist kein

Fell, sondern das sind Federn, kennst du das nicht?"

Chan schüttelte seinen Kopf, dann sprach Lucille weiter.

"Weißt du Chan,  mir geht es wie dir, niemand will mit mir spielen und da hab ich mir gedacht,  ich schau’ mich ein bißchen in der Welt um,  bis ich an das Ding kam und es ging  nicht weiter. Aber ich hab’ eine Öffnung gefunden und bin da durchgeklettert,  und nun bin ich hier."

"Zaun nennt man das,  hab’ ich gehört,  einer der Menschen hat es gesagt!"

"Weißt du was ", sagte Lucille"wir gehen zu mir und ich zeige dir, wo ich wohne"!

„Wie soll das gehen,  die Menschen haben Angst vor uns und es ist alles eingezäunt.

Es gibt keinen Weg nach draußen!"

„Du bist doch ein Dummkopf,  schau,  das Gebüsch dort hinten .....und dahinter ist ein Loch,

groß genug,  um hindurchzuschlüpfen.  Nun komm mit!" Sie drehte sich um und watschelte davon. Chan fing an zu lachen ,es sah zu komisch aus,  wie sie dahin ging.

Doch dann stand er auf, schaute noch einmal in alle Richtungen,  ob ihn jemand beobachtete  und folgte Lucille.

Am Gebüsch angelangt,  schaute er sich noch einmal um und verschwand durch das Loch im Zaun.

Was war das für eine unbekannte Welt,  Chan folgte staunend Lucille, bis die beiden an einen großen See kamen.

 

"Das ist mein zu Hause ! Komm wir gehen ein bisschen schwimmen,  das ist toll und macht viel Spass !"

Und schon war sie mit einem Satz im Wasser.

"Komm " sagte sie ,"komm herein,  es ist ganz warm!"

Chan näherte sich vorsichtig dem See,  hob eine Tatze, steckte sie ins Wasser und zog sie schnell wieder heraus.

Verschreckt antwortete er Lucille „ach nein,  das Wasser ist mir heute zu nass,  ich versuch’ es ein andermal !"

Es wurde ein schöner Tag und die beiden hatten viel Spass, doch dann neigte sich der Tag langsam dem Ende zu.

Es kam der Augenblick des Abschieds.

"Du kommst doch wieder? Es ist schön so einen starken Freund zu haben!"

Chan drehte sich um,  ging langsam auf Lucille zu,  leckte ihr dann vorsichtig

über ihren Schnabel und sagte:" Bis morgen Abend",  und verschwand im Unterholz.

 

 Am folgendem Tag war Lucille schon früh auf den Beinen, sie konnte es kaum erwarten,

dass  der Abend anbrach .Vorsichtig schaute sie sich zu ihrer Familie um...........

aber alle schliefen noch.

Dann schlich sie runter zu See , sie wollte sich doch schön machen für ihren neuen Freund.

Sie sprang ins Wasser und ging wieder an Land,  zupfte an ihrem Gefieder, schaute auf die Wasseroberfläche,  die ihr als Spiegel diente .

Und immer wieder sah sie dasselbe Bild wie zuvor---zerzauste Federn. 

 

Chan indes war auch schon früh wach. Nicht weil er das wollte, nein der Mensch,  der für sie sorgte,  hatte ihn einfach an die Luft gesetzt.

Aber er freute sich auf den heutigen Abend  -  wenn es ihm gelänge,  zu entwischen !

Nun,  erst einmal spielte er mit allem,  was er fand und fauchte,  zur Freude der Besucher des Zoo's

Dann dämmerte es langsam, der letzte Gast verließ den Zoo.

Kurz darauf wollte Hans,  so hieß der Pfleger,  seine Schützlinge ins Tigerhaus holen.

Nur einer war dazu nicht zu bewegen-------Chan.

Er lag auf dem Rücken,  alle vier Pfoten in die Höh’  gestreckt und tat so,  als wenn er schlafen würde, und immer wieder hörte er Hans rufen:

"Chan,  komm rein ! Nun los,  hörst du,  zack zack !!!!!"

Aber Chan blieb stur.

„Na gut,  dachte sich Hans,  dann bleib draußen, es ist Sommer und der Zaun ist hoch genug,

was soll da passieren?“ Drehte sich um und verschwand im Tigerhaus.

   Auf diesen Augenblick hatte Chan nur gewartet, ganz vorsichtig linste er mit einem Auge in die Richtung, wo Hans eben gestanden hatte.

Er war weg!

Wie ein Blitz sprang Chan hoch und lief,  so schnell er nur konnte zu dem Gebüsch,  hinter dem sich das Loch im Zaun befand, schlüpfte hindurch und war weg.

 

Lucille wurde immer aufgeregter, die Zeit verging nicht und vielleicht kam er ja auch nicht mehr? In ihren Gedanken wurde es immer düsterer.

Am Seeufer angekommen,  drehte sie sich um, und...........da stand er !

Lucilles Herz sprang in die Höhe, und so schnell es ihre Beine erlaubten,  lief sie zu ihm.

Chan legte sich auf den Boden,  als Lucille bei ihm ankam.

Sie konnte kaum noch atmen vor Freude.

"Oh Chan,  wie ich mich freue, aber komm,  wir gehen an das andere Ufer.

Nicht,  dass uns meine Mama sieht , denn sie sind alle noch wach"

Und die beiden schlichen davon.

Lucille gelang es endlich,  ihren Chan ins Wasser zu kriegen, wo sie beide sich dann  mit Wasser bespritzten und so ausgelassen tobten,  dass sie danach völlig fertig am Ufer einschliefen.

Plötzlich wurde Chan wach :"Ach herrje,  ich muß zurück, wenn sie bemerken,  dass ich nicht da bin,  ist der Teufel los. Es wird schon hell!". Er stand auf, leckte Lucille zärtlich über den Schnabel

und flüsterte ihr ins Ohr:" Ich mag dich sehr, sehr gern ", und verschwand.

 

 Es vergingen Monate und jeden Abend verschwand Chan aus dem Zoo.

Nur wunderte er sich,  dass das Loch im Zaun immer kleiner wurde, dachte dann aber bei sich,  

da muß ich mich eben strecken, dann wird es schon gehen,

und schaffte es auch immer wieder !

 

Eines Abends, Hans versuchte  Chan wieder vergebens ins Tigerhaus zu holen, dachte er sich ,

"ich wird’ heute einmal aufpassen, warum Chan nicht mit den anderen ins Tigerhaus will?"

Also ging Hans ins Haus und auf der anderen Seite wieder hinaus, stellte sich an die Hausecke und beobachtete Chan.

Inzwischen war es dunkel geworden und Chan lag immer noch auf der Wiese und schien zu schlafen.

Hans wollte schon gehen , da bemerkte er auf der anderen Seite eine Bewegung.

Es war Chan,  der in geduckter Haltung zum Zaun schlich.

"Ah,  hatte ich doch Recht mit meiner Ahnung, dann will ich mal sehen,  wo es meinen Chan hintreibt ?"

Hans wartete einen Augenblick,  dann folgte er Chan durch das Loch im Zaun,

immer darauf bedacht,  dass  Chan ihn nicht bemerkt,  aber doch so dicht,  dass er ihn nicht verliert.

Hans kam an dem See an und dann sah er,  was keiner glauben würde.

Da lag ein ausgewachsener Tiger und ein Schwan,  der sich eng an ihn schmiegte, lag daneben. Und beide schauten vom Strand aus über das Wasser.

Es war ein herzzerreißendes  Bild:  


Sein Chan und ein Schwan, der so schwarz war wie die Nacht, waren Freunde !!!

 

Einen Augenblick schaute Hans den Beiden noch zu, dann zog er sich vorsichtig und sehr leise zurück.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht dachte Hans bei sich,

"so ein Glück darf niemand stören, mein Chan und ein

 Schwan - das glaubt mir niemand!"

 
                          
 
 
 
----------
 

             Ein Sommernachtstraum?
 
 
 
          Eine schöne Sommernacht  -  ich geh' durch einsame Strassen.
Über mir der Sternenhimmel  -  Ruhe und Frieden herrschen für eine Weile auf der Welt,
und doch,  dort sitzt ein Menschenkind und weint leise, Tränen rollen über seine Wangen.
"Warum so traurig?" frage ich, doch sie rückt ein Stück von mir fort.
 
  Komm' mit mir, schließe deine Augen, nimm meine Hand und geh' mit mir in ein Land
voller Freude, Frieden und Magie!
Freue dich an dem Regenbogen! Wir gehen
über eine grüne Wiese, auf der die Schmetterlinge tanzen und das Gras  sich sanft im Winde wiegt.
Ein Adler zieht hoch in den Wolken seine Kreise.
Die schneebedeckten Berge in der Ferne  -  wie Diamanten funkeln sie.
Ein Hirsch stolz sein Geweih zeigt, und -  bist du ein guter Mensch, zeigt sich Dir auch die größte Magie aus alter Zeit:
Das Einhorn, stolz und umgeben von geheimisvollem Licht, in seiner Gegenwart verneigt sich die Natur, alles schweigt, es breiten sich Glück und Liebe über der Welt aus!
Komm' mit mir ,schließ' deine Augen , nimm meine Hand und geh' in ein Land voller Frieden
und vergiss deinen Kummer .
Das Leben ist zu kurz um traurig zu sein.
 
 
 
 

 
                                           Gedanken an meinen besten Freund
 
                                                                 (Nicki)
 
                                        Ich sah dich bei deiner Geburt das erste Mal,
                                        es wurd' mir klar  -  du bist es, mir bleibt keine Wahl!
                                        Ein kleines Wesen voller Neugier und Tatendrang.
 
                                        Hast alles in den Mund genommen, hast getobt, gespielt,
                                        und alles zerrissen!
                                        Oft war ich der Verzweifelung nah, doch wenn ich dann
                                        in deine Augen sah  -  so groß und braun,  ein treuer Blick
                                        man glaubt es kaum.
                                        Dann war alles vergeben und vergessen, man soll es nicht
                                        mit Bösem messen!
 
                                        Die Zeit verging , und er wurd' groß,
                                        wo blieb die Zeit , wer sagt's mir bloß?
 
                                        Wir erlebten tolle Jahre, zogen durch Wald und Flur,
                                        es gab soviel zu entdecken auf dieser Welt.
                                        Du warst ein Geschenk des Himmel's.
 
                                                                                
                                        Dann kam die Zeit voll Kummer und Leid.
                                        Du wurdest krank, es war soweit
                                        deine Uhr des Lebens, sie gab auf,
                                        es war vergebens.
 
                               
                                         In meinen Armen bist du gestorben,
                                         einzigartig, lieb und treu  -  das warst Du !
                                                  Mein Hund . 
 
                                         Ein wahrer Freund in Kummer und Leid
                                         von bedingungsloser Treue.
                                         Mein Freund Nicki,  ich werd' dich nie vergessen,
                                         auch nicht nach dem vierten Jahr!
 
                                        
                                         Schlaf gut,  mein Freund, wir werden uns wiedersehen,
                                         auch wenn du  mußtest von mir gehen!
 
                               
                                         (Ich vermisse Dich so sehr)
 
                                                                                  Michel 
 
 
 
 
 

                                        Sternenkind
 
 
                                       Sternenkind, oh Sternenkind,
                                       du bist wie der Wind und doch verspielt
                                        wie ein Kind.
                                        Bist mal hier und auch mal da.
 
 
                                         Dein Lachen ist wie Glockenklang,
                                         fast so wie Engelsgesang.
                                         Dein Leuchten erfreut des Menschen Herz,
                                         es ist voller Leid und Schmerz,
                                         Kummer und Not.
 
 
                                         Noch bist du hier und bald bist du fort,
                                          an einem anderen Ort.
 
 
                                         Sternenkind, oh Sternenkind,
                                         du bist wie der Wind
                                         und doch unser aller Kind.
 
 
 
 

                                         Morgenröte  
                   
                   Das fahle Licht des Mondes fällt auf die wehenden
                      Schleier des Nebels, der auf den Wiesen liegt.
                       Am Waldesrand huschen dunkle Schatten, nicht
                       zu sehen, eher zu ahnen,
                       und vielleicht doch nicht real?
 
 
                       Sind es Gnome Elfen oder Feen?
                       Sie sind da, und doch nicht zu sehen!
 
 
                       Auf düsteren Wegen geh' ich
                       durch unheimliche Lande, mit Furcht,
                       und dann doch mit dem Mut des Tapferen
                       eile ich durch kleine Dörfer, immer in der Hoffnung
                       den einen Weg zu finden, der mich zu dir führt.
 
 
                        Auch die tiefsten Täler und Schluchten
                        können mich nicht das Fürchten lernen, hab' ich
                        in der Ferne die lieblichen Rufe deiner Liebe gehört.
 
 
                        Du fehlst mir mehr als die Sonne, die auf meinem
                        Kopfkissen widerstrahlt, und die Wärme
                        neuen Lebens verkündet,
                        mehr als Töne die rings um mich erschallen
                        von denen ich nur Fetzen in der Nacht erhasche.
 
 
                        Ich hab' alles verloren, nur nicht die Liebe zu Dir,
                        ich schenk' Dir meine Seele!
                        Und würd' dich überall suchen,
                        nur um deinen Ruf zu hören.
 
 
                        Du fehlst mir sehr!!
                        Du bist die Liebe meines Lebens und über
                        den Tod hinaus!
 
 
                        Du bist das Licht in meinem Leben.
 
 
                                                                
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

                                                               Nacht
                                  
                                              Nun sitz' ich hier in finst'rer Nacht,
                                              ich habe nur an Dich gedacht,
                                              ob du wohl gut behütet in deinem Bettchen liegst?
                                             
 
                                              Ob wohl des Mondes blasse Scheibe
                                              es nicht gelingt, dein Zimmer zu erhellen,
                                              und man hört in der Ferne eines Hundes Bellen
                                              ist das Land erfüllt von dunklen Gesellen.
 
                                             
                                              Schaurige Gestallten schleichen durch die Gassen
                                              auf der Suche, einen Ahnungslosen zu erhaschen.
                                              Menschenleer sind nun die Strassen,
                                              die Furcht steckt allen in den Gliedern
                                              vor den Unholden dieser Nacht,
                                              die der Mond hat mitgebracht!
 
 
                                               Doch du,  mein Kindlein,  bist wohl behütet,
                                               ein Engel wacht an deinem Bett,
                                               dass Dir kein Leid geschehe in dieser Nacht,
                                               da er über dein kleines Leben wacht! 
 
                                  
 
                                   
                                
 
 
 

                                                      Herbstgedanken
 
 
                                     Nebel schleicht über Felder, Wiesen und Auen,
                                     der Sommer macht seine letzten Atemzüge
                                     und der Herbst gewinnt die Oberhand.
                                     Die Bäume wechseln des Blattes Farbe,
                                     in ein Land voll goldener Träume.
                                 
 
                                     Manch einsamer Wanderer schreitet schnell,
                                     den Weg zu seinem Heim zu finden.
                                     Denn er meint , er hat ihn gesehen -
                                     den wilden Reiter mit schwingendem Säbel
                                     wie er sich zeigt dort aus dem Nebel
                            
                                                   
                                       Auch die Tage werden kürzer, der Mond
                                       mit fahlem Schein steigt nun früher empor
                                       und taucht den Wald in ein Land der Illusionen
                                       der Hexen, Teufel und Dämonen.
                                       Gar fürchterlich' Wesen entsteigt des Nebels Tor,
                                       nicht immer aber es kommt vor.
 
 
                                       Dann eines Tages, es ist so weit,
                                       Väterchen Frost zieht übers Land und breitet
                                       sein eisig Mantel aus.
                                       Igel, Eichhorn, Maus und Co schlafen in ihren Höhlen
                                       schon, dort ist es warm und die Kälte hat ihnen nichts
                                       angetan.
 
 
                                       Dann.--.-- eines Morgens schau!
                                       Ein Flöckchen, weiss, es fällt vom Himmel
                                       hernieder,  dann noch eins,
                                       dann sehr viele,
                                       Sie decken das Land mit einem weißen Mantel zu.
                                       Es sieht so aus,  als geht die Erd' zur Ruh' !
                
                  
 
                       
 
 
 Der Schneemann
 
                              Es ist kalt geworden, der Winter hat die Welt fest im Griff.
                              Der kleine Jan liegt in seinem Bettchen
                              und träumt vom Schnee,
                              und von der Weihnachtszeit, bald ist es so weit.
                              Und er hat sich vorgenommen,
                              er wird ihn sehen,  den alten Mann mit dem roten Mantel und
                              weißem Bart.
                             
 
 
                              Wie der Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten
                              auf die Welt kommt, um die Kinder zu beschenken.
                              Und nicht nur die Lieben ,
                              nein,  auch die Bösen zu bedenken.
 
 
                           
                              Und dann passiert's, in der Nacht fällt ein  Flöckchen
                              zart und weiß auf die Welt hernieder.
                              Es werden mehr und mehr, und nicht mehr lang
                              ist alles weiß.
                              Der Schnee,  er fällt ganz leise
                              und verzaubert die Welt auf wundersame Weise.
 
 
 
                               Dann graut der Tag , der Morgen bricht an,
                               alles funkelt und strahlt im frühen Morgenlicht.
                               Ein Sonnenstrahl kitzelt Jan im Gesicht,--er wacht auf
                               und schaut blinzelnd zum Fenster hin.
 
 
 
                               Ein Eiszapfen !! Dort am Fenster????
                               Nun gbt es kein Halten mehr, die Hose an,
                               den Pulli drüber, die Schuhe an, dann die Türe auf.
                               Die Mutter ruft,  vergiß die Mütze nicht!
                               Vergebens alle Müh', er hört es nicht!
 
 
 
                                Jetzt werden Kugeln flink gerollt, geknetet und geformt,
                                bis zuletzt ein dicker Schneemann im Garten thront.
                                Nun schnell den alten Kochtopf her, eine Wurzel kommt
                                als Nase d'ran, zwei Kohlen sind die Augen -
                                er ist so schön, man kann's kaum glauben.
 
 
 
                                Den ganzen Tag ist er bei seinem neuen Freund
                                bis die Mutter ruft, mein lieber Jan, es ist so weit.
                                Komm nun rein und geh zur Ruh'
                                ich decke dich mit deinem Bettchen zu.
                                Ein letzter Blick, dann schläft er ein,
                                denkt noch.-. morgen früh, das wird fein!
 
 
 
                                 Doch dann, ein Zauber in der Winternacht,
                                 der Schneemann, er ist erwacht.
                                 Stampft zu seinem Fenster hin,
                                 klopft an Jan's Scheibe und ruft: "Komm mit,
                                 ich zeige dir  Weihnachtmann's Heim."
 
 
 
                                 Er nimmt ihn fest bei seiner Hand, und dann geht's los,
                                 sie fliegen übers Land, weiter immer weiter scheint
                                 es zu gehen.
                                 Der Schneemann sagt: "Sei geduldig, du wirst ihn sehen,
                                 er wartet schon auf uns."
                                 der Flug geht über Berge, Flüsse und auch Seen -
                                 schneller,  immer schneller,
                                 dorthin,  wo er wohnt ,zum Nordpol hin.
 
 
 
                                  Ein Spaziergang durch die Luft,
                                  und unter uns die Welt wird klein.
                                  Ich halt mich an Dir fest,
                                  ach,  lass mich nicht allein
 
 
 
                                   Weil ich nun fliegen kann, saust unter mir die Welt dahin
                                  ich schau mir alles an  -  wie glücklich ich hier bin.
                                  Wir fliegen kreuz und quer, über Eis und Felsgestein.
                                  Und Berge.Land und Meer,  wie Spielzeug sind sie klein
 
 
 
                                  Kinder mit Phantasie sehen uns staunend an,
                                  und es scheint, als sehen sie den Weihnachtsmann.
                                  Wir spielen mit dem Wind und gleiten wie ein Zeppelin
                                  durch Flockenstaub geschwind, so fliegen wir dahin.
 
 
 
                                   Auf einmal wird das Meer fast wie ein Vulkan,
                                   und vor Freude zieht ein Walfisch seine Bahn.
                                   Spaziergang durch die Luft, nun bin ich müde und patschnass,
                                   doch Reisen durch die Luft macht einen Riesenspass.
 
 
 
                                   Dann ist es fast geschafft -  ein kleines Stück -
                                   dann sind sie da, hier wird gewerkelt und gebaut,
                                   Engel wohin man schaut.
                                   Sie sind das ganze Jahr beschäftigt, um de Wünsche
                                   der Erdenkinder zu erfüllen.
                                   Und plötzlich ist's soweit,  eine Tür geht auf, da ist er, der
                                   Weihnachtsmann, und winkt den Jan zu sich heran.
                                   Ein alter Mann mit langem Bart, weiss wie Schnee.
 
 
 
                                    Und doch, die Zeit des Abschieds kam, er muß zurück
                                    ins Bettchen, noch bevor der Tag anbricht.
                                    Zurück geht der Flug in rasender Eil',
                                    der Morgen graut, der Jan wird wach, war es Wahrheit oder Traum?
                                    Er weiß es nicht, und schnell zum Fenster hin, und....
                                    Ohje, ohje,  der Schneemann -  er ist weg,
                                    was übrig blieb, ist nur ein Häuflein Schnee.
                                    Es ist wieder warm geworden, und der Traum ist
                                                        AUS
 
 
 
 
 
                                               Der Sandmann
                                             
                                                     Leise ....ganz ....leise
                                                     kommt er auf seine Weise
                                                     zu jedem Menschen,
                                                     ob Mann, ob Frau. ob Kind,
                                                     man weiß, dass er zu jedem find'!
                              
                                                      Er kommt durchs off'ne Fenster
                                                      oder  den Kamin,
                                                      nie wird man ihn jemals seh'n,
                                                      man kann ihn nur erahnen, doch dann
                                                      ist es schon um dich gescheh'n.
 
                                                      Wenn bleiern dich die Müdigkeit ereilt,
                                                      macht er sein gülden Säcklein auf,
                                                      und silberner Zauberstaub sinkt auf dich
                                                      hernieder,
                                                      bringt dir Träume voll Magie.
 
                                                      Nun schlaf,  mein Menschlein,  schlaf
                                                      in Ruh und mache deine Augen zu,
                                                      und träum' vom Zauberwald und guten
                                                      Feen!
                                                      Bis zum neuen Tag, du wirst es sehen.
 
                                                   
 
 
 
 
 

 
                                                             Das Einhorn
 
 
                                              Kann man es sehen oder hören?
                                             Sein Antlitz, es wird auch dich betören!
                                             Bist du reinen Gewissens -  ein guter Mensch?
                                             Dann wird es sich dir zeigen
                                             und  dir erlauben, etwas in seiner Nähe zu bleiben.
                                             Doch wage niemals,  das Einhorn  berühren.
 
                                             Es ist voll Zauber und Magie,
                                             bringt den Menschen Glück und Zuversicht,
                                             doch er - der Mensch  -  er merkt es nicht!. 
 
                                                                                             
                                                                           
 
 
 
 
 
     Folgende, spannende Geschichte, in der es auch um die Einhörner geht, schreibt Michel in Fortsetzungen:
 
                  

Vorwort 


  Die Welt  befindet sich in einem stetigen Wandel.
Nichts ist so wie es scheint.
Manches ist anders als es war.
 Die Zeit, sie überdauert und heilt zumeist alles.................!
Und doch an manchen Stellen, an einsamen Orten, tief im Wald oder vielleicht auch anderswo öffnet sich die Zeit nur für einen kurzen Moment.
Ein Tor zu einer anderen Welt in die Zukunft oder Vergangenheit?
Niemand vermag es voraus zu sagen.

 

 Zwerge, Einhörner, Drachen, Zauberer und Abenteuer erwarten den, der des Mutes ist, dort hindurch zu schreiten, um zu sehen, zu hören und zu staunen.
In einem Land voller Zauber für die, die ihre Fantasie der Kindheit nicht verloren haben und Johann auf seinem langen Weg begleiten.

 

 --------

Ich sitze hier, den Federkiel in der Hand und suche nach dem Anfang einer großen Geschichte In Gedanken versunken schaue ich dem Schattenspiel der Kerze zu, deren Licht das Zimmer ein wenig erhellt.
Wie soll ich anfangen?
Wo soll ich anfangen?
Der Schatten einer Hand kriecht an der Wand auf mich zu. Ich spüre den Atem des Bösen an meinem Nacken. Mit einer Drehung springe ich auf und sehe  .... ein leeres Zimmer und das bizarre Licht der Kerze, das in jedem Winkel des Zimmers erscheint. Und die Frage keimt in mir auf, ist “er” wirklich besiegt und somit keine Bedrohung mehr für diese Welt? Zweifel und Verzweiflung bahnen sich ihren Weg in mein Innerstes.

 Im Geiste kehre ich weit zurück in die Vergangenheit. Dort stehe ich ihm gegenüber, ihm und seinen Begleitern aus der tiefsten Finsternis der Hölle. Es spielt sich alles noch einmal ab, wie so oft in einsamen Stunden, und ich sehe, wie seine Höllenbrut von vielen Wunden meines Schwertes zusammenbricht und stirbt. Ich sehe, wie aus “ihm” Flammen der Hölle schlagen. In einem letzten Aufbegehren stürmt “er” auf mich zu. Dann hole ich aus, zu einem letzten mächtigen Schlag. Und ein Kopf mit weit aufgerissenen Augen rollt über den steinigen Boden und bleibt dann liegen. Das in tiefem Rot glühende Schwert erlischt zu einem schwarzen Stahl.

 Erschreckt erwache ich aus meinen Gedanken und mein Blick wendet sich zu der Wand, an der das Schwert seinen Platz gefunden hat. Seit den Tagen hatte es niemand mehr berührt ,und doch geht eine immerwährende Magie von ihm aus. Ich gehe zu der Wand und streiche mit der Hand über die Klinge und mir ist so, als verspüre ich eine leichte Vibration aus dem Schwert.
Mit einem Mal weiß ich, wie ich beginnen muss. Meine Geschichte und die, von denen mir berichtet wurde.
Alles begann lange vor mir. lange vor meinen Eltern und deren Eltern. Auf einer Wiese, an deren Ende ein Wald zu wachsen begann.
Mit einem magischen Tor, das nur auf den Einen wartete!!!!!!!!!!!!!
Und das war ich............................................

 
 

                                          Der geheimnisvolle Wald   

 

 

 

 

 Das hohe Gras der Wiese neigt sich sanft und gibt dem Willen des Windes nach, der mit

 sanftem Druck über die Ebene streicht.

Die Luft ist erfüllt  vom süßen Duft der Blumen. Bienen und Hummeln fliegen von

Blumenkelch zu Blumenkelch, zahlloses Mückenvolk schwirrt im totalem Wirrwarr

durcheinander; Kinderlachen in der Ferne, ein Bach mit leisem Plätschern.

Die Fische stemmen sich ihm entgegen, als wollten sie die Zeit besiegen.

Schmetterlinge fliegen tanzend über das Gras und wenn man ihnen zuschaut,

könnte man meinen,  sie erzählen sich etwas. Bei jedem Flügelschlag hört man sie leise

lachen.

 

 Am anderen Ende der Wiese beginnt ein dunkler Wald, von dem etwas geheimnisvolles

ausgeht.

Die Alten aus dem Dorf erzählen von Generation zu Generation,  dass  dort schaurige

Dinge geschehen sollen und bei ihren Erzählungen fliegt jedem Zuhörer ein Schauer über die Haut.

Alle Leute aus dem Dorf meiden diesen Wald und es heißt, nur ein Mann mit reinem Herzen

darf den Wald betreten,  ohne dass ihm ein Leid geschehen  wird..

So verging ein Jahr auf das andere, und es kam der Tag,  an dem ein kleiner Junge das Licht  der Welt erblickte,  mit blondem Haar und stahlblauen Augen.

Es vergingen die Jahre, und ein Junge namens Johann spielte auf der Wiese wie all die

anderen Kinder vor  ihm.  Auch er hörte die Geschichten von den alten Leuten aus

dem Dorf und wurde immer neugieriger,  was sich wohl in dem Wald befand.

Er nahm sich vor, wenn er  erst groß ist,  das Geheimnis zu enträtseln.

 

 Und es vergingen abermals viele Jahre, aus dem kleinen Johann ist ein großer stattlicher Mann geworden.

Wie jeden Morgen betrachtete er  - bis er auf das Feld mußte -  den Sonnenaufgang.

In Gedanken versunken schaute Johann hinüber zum Wald.  Jetzt oder nie dachte er bei sich,  ich will es jetzt wissen, was sich dort hinten im Wald befindet !

 

Schnell wurden einige Sachen zusammen gerafft und dann begab Johann sich auf den Weg, das Unheimliche zu erforschen.

Als Johann über die Wiese ging,  die wie jeden Sommer in aller Pracht blühte und sich allerlei Getier auf ihr tummelte, kamen die Erinnerungen an seine Kindheit zurück, als er Käfer sammelte und Schmetterlinge zu fangen vrsuchte.  Es war eine  schöne Kindheit.

 

Doch dann schreckte er aus seinen Erinnerungen - ohne es zu bemerken,  war er an den Rand des Waldes gelangt und er sah zum  ersten Mal,  wie hoch doch die Bäume dort waren und es vor lauter Dornenbüschen  keinen Weg gab,  zu ihnen zu gelangen.

Es waren sehr große Dornen,  so lang wie sein Unterarm und scharf wie ein Rasiermesser.

Er versuchte  immer wieder, das Geäst der Dornen auseinander zu drücken, doch

so sehr er sich bemühte,  um so fester hielten die Dornenbüsche zusammen.

Da besann Johann sich auf die Worte seines alten Lehrers:  "Versuche nie mit Gewalt

dein Ziel zu erreichen, denn mit Freundlichkeit und Besonnenheit öffnet sich jede Tür“ !

 

Johann stand also vor der Barriere aus Dornen und Zweigen  und  versuchte  nun  eher  zaghaft, die Zweige auseinander zu biegen,  ohne irgend etwas zu zerbrechen.

Plötzlich -  wie von Geisterhand -  teilte sich das Gebüsch und gab einen Weg frei.  Zögerlich

und sehr vorsichtig setzte Johann einen Schritt vor den anderen,  und als er sich nach einiger Zeit umsah,  weil er schauen wollte,  wie weit er denn schon gegangen war,  sah er, dass sich der

Weg, der sich vor ihm auftat,  hinter ihm sofort wieder schloß.

Aus anfänglicher Furcht wurde ein Drang, das Unerklärliche zu erforschen, und so ging

er immer weiter.  Es fiel ihm auf, daß es  merklich dunkler wurde, obwohl es  erst kurz

nach Mittag sein konnte.

Johann schaute nach oben und sah,  daß das Blätterdach der Bäume so dicht war, dass es kaum Licht durchließ.  Es war schon ein unheimlicher Moment,  trotzdem  ging Johann Stund’ um Stund’ und bald wurde es wirklich dunkel,  als er plötzlich in der Ferne ein Licht leuchten sah.

Dort mußte er hin, um der bedrückenden Dunkelheit zu entkommen !! Doch je näher er dem Licht kam,  um so mehr verblasste es.

Auf  einer großen freien Fläche,  mit Gras bewachsen und umringt von großen Bäumen,  deren

weit ausladende Äste fast bis zum Boden reichten,  suchte Johann Schutz und beobachtete von seinem Versteck aus  das Treiben  leuchtender Punkte in der Luft.

Plötzlich wurde er auf ein Geräusch,  das aus dem Wald kam,  aufmerksam, aber so sehr er sich bemühte,  er konnte nichts erkennen.

 

                                                   

 

Ein kleines Zerren an seinem Hosenbein ließ ihn nach unten schauen.  Dort stand ein kleiner Mann auf einem Pilz und flüsterte ihm – kaum hörbar - etwas zu.

"Du Einfallspinsel,  was machst du hier? Wie bist du hierher gekommen?

Du mußt jetzt sehr ruhig sein und dich nicht bewegen,  damit sie dich nicht bemerken, weil sie

sonst für immer gehen  und dann kommt großes Unheil über die Welt ."

" Wer sind sie? Und wer...."  -   „ psst sie kommen,  versteck’ dich und sei endlich ruhig!"

 

Johann tat,   was dieses kleine Wesen ihm  sagte  und legte sich flach auf den Boden.  Er meinte,

sein Herz schug vor Aufregung noch lauter,  aber so sehr er sich auch bemühte,  erkennen konnte er immer noch nichts.

Nur eins sah er,  in die tanzenden Lichter kam Ruhe hinein,  und als er wieder in Richtung

der Geräusche blickte sah er, was dort aus dem Wald trat: Etwas großes, ungefähr so wie ein Pferd.

Dieses Wesen trat ins Freie und sah sich prüfend um und  nach einer Weile betraten noch zwei dieser Wesen die Lichtung,   und die Lichter hoch am Himmel setzten sich in Bewegung – direkt auf diese

 Wesen zu.

Über ihnen bildeten sie eine Kuppel aus Licht, und nun sah Johann, was dort auf der Lichtung stand: Es waren Pferde,  oder?

Jetzt begann etwas am Kopf dieser Pferde in einem zarten Blau zu leuchten und breitete sich über  den ganzen Körper aus, und das Leuchten in der Luft wurde noch stärker.

Alle Tiere der Nacht schwiegen aus Ehrfurcht vor den Wesen, die dort auf der Lichtung standen, und Johann sah nun ganz deutlich,  was dort an den Köpfen der Pferde leuchtete:

Es war ein Horn!

Ein Horn?.........Es sind Einhörner?

Das kann es doch nicht geben,  Einhörner sind Fabelwesen aus Märchen, dachte Johann.

Doch das was er sah,  war kein Traum,  sie waren wirklich da .

Die Luft war erfüllt von Magie, und Johann war so in ihren Anblick versunken,  dass er selbst fast das Atmen vergaß.

Doch plötzlich.........................!

 

 

                                                  

                                                

 

 

Die Köpfe der Einhörner zuckten  hoch, die Tiere bäumten sich auf und waren plötzlich verschwunden, und auch die Lichter in der Luft stoben in aller Eile auseinander. Selbst der kleine Mann auf dem Pilz verschwand.

Als Johann zu ihm hinunter sah,  löste er sich einfach in Luft auf. Doch bevor er ganz verschwand rief er Johann zu:"Versteck dich, du Dummkopf,  versteck dich!!"

Johann kroch schnell zum Stamm des Baumes zurück und versuchte sich mit Erde und

Moos zu bedecken, weil er dachte, man könne ihn doch noch entdecken.

Warum sind alle geflohen , dachte Johann und warum sollte er sich so schnell verstecken und vor was?

Dann hörte er warum,  es folgte ein Schrei, der einem durch Mark und Bein ging.  Das Geräusch kam von einem großen,  mächtigen Flügelschlag ganz dicht über den Baumwipfeln, wo ein Untier einige Kreise zog.

Bei dem fahlen Mondlicht waren nur flüchtige Schatten zu erkennen, dann war es plötzlich wieder still, er war fort.

Was war das eigentlich für ein kleiner Mann ? Mit dem großen roten Hut  sah er ja sehr lustig  aus !

 

Ob er ihm noch einmal begegnen würde? Mit diesen Gedanken schlief Johann ein.

Nur einen flüchtigen Gedanken hatte er noch, was würde wohl der nächste Tag bringen ?

 

 

 

 

 

 

 

                                                                 Kapitel   2

 

 

 Es war eine unruhige Nacht,  denn die Ereignisse der vergangenen Nacht ließen Johann nicht los.

Endlich dämmerte der Morgen, die Sonne stieg langsam über die Baumwipfel am Rande der Lichtung und erreichte dann den Baum,  unter dem Johann lag und immer noch schlief.

Er war endlich fest eingeschlafen, und dass die Vögel mit ihrem Gesang anfingen  und Schmetterlinge über die Wiese flogen, und die Sonne  sein Gesicht kitzelte,  blieb von Johann unbemerkt.

 

Und noch etwas bemerkte er nicht,  zu tief war sein Schlaf.  Unweit von ihm ließ sich ein

Lichtpunkt nieder, und als das Licht verblasste,  stand dort eine Frau in einem hellen Gewand und schwarzem Haar. Sie ging langsam auf den Schlafenden zu und schaute ihn prüfend an,

immer sehr darauf bedacht,  dass er nicht aus seinem Schlaf erwacht und sie erblickt.

                                                 

 

Nach einer Weile hob sie eine Hand über den Schlafenden und etwas Unerklärliches

schwebte über Johann und senkte sich dann auf ihn und verschwand.

Der unbekannten Frau flog ein Lächeln übers  Gesicht,  dann wandte sie sich ab und ging über die Wiese und löste sich in Nichts auf,  es war so,  als wenn sie nie da gewesen wäre.

 

Langsam erwachte Johann  und musste sich erst einmal besinnen,  wo er überhaupt war.

Als er sich gegen den Baumstamm lehnen wollte bemerkte er,  dass dort schon jemand saß.

Johann musste sich erst einmal seine Augen reiben,  denn der Schlaf  war immer noch gegenwärtig und er brauchte eine ganze Zeit,  um vollkommen wach zu sein.

Und der dort an dem Baum lehnte,  den kannte Johann von der vergangenen Nacht -  es war

der kleine Mann.

Der saß da,  gemütlich sein Pfeifchen rauchend und lachte,  weil Johann zurückschreckte.

"Na,  du Dummkopf,  lebst du noch?"

 

"Wieso?" fragte Johann.

"Weil ich mir dachte,  dass Ghor dich mitgenommen hat, denn der kommt von Zeit zu Zeit hierher, um Zwerge zu fangen für seinen Herrn.

Die müssen dann Frondienste für ihn leisten!"

"Und wer ist Ghor? "

"Das ist ein Drache, du Dummkopf, man merkt, dass du nicht von hier kommst!" Der keine Mann stand auf,  löschte seine Pfeife und rannte erregt auf und ab,  murmelte einige unverständliche

 Worte,  blieb stehen,  schaute dann Johann wieder an  und verzog sein Gesicht zu einer ärgerlichen Grimasse und ging dann erneut hin und her.

 

"Ich verstehe dieses Dornenvolk nicht ! Sie haben uns versprochen, jedem den Zutritt in unser Land zu verwehren, und was macht dieses unnütze Volk von  Pflanzen ? Läßt jeden dahergelaufenen Dummkopf hinein  -  es ist zum Haare ausreißen!"

Irgendwie sah es ja lustig aus, wie der Kleine da auf und ab lief und schnaubend seiner Wut freien Lauf ließ.

"Nun beruhig’ dich doch erstmal,"sagte Johann, " wie heißt du eigentlich  und von woher kommt denn dieser Drache ?"

Der kleine Mann schaute ihn an,  holte ein paar Mal tief Luft und es schien ihn zu beruhigen, aber plötzlich war er weg.

"Hey, hier bin ich, du Dummkopf,  dreh dich um!"

Johann drehte sich um und sah zu seiner Überraschung,  das er plötzlich hinter ihm war und wieder auf dem Pilz saß,  auf dem er letzte Nacht auch gesessen hatte.

 

Der kleine Mann mit dem großen roten Hut winkte Johann zu sich heran und sagte,  er solle sich setzten.  Johann suchte sich  eine Sitzgelegenheit und setzte sich dem Kleinen gegenüber.

 

"So, nun hör gut zu, Dummkopf !"

"Mein Name ist Dohlamschagkiralpoulgimtin, aber dir erlaube ich,  mich Dolgin zu nennen.  Ich bin ein Waldgeist,  ich lebe schon eintausendfünfhundert Jahre hier  und bin der Hüter der Einhörner,  auf dass ihnen kein Leid geschehe,  denn sie sind magische Tiere und durch sie ist die Einheit der Welt gesichert. Sollten sie jemals verschwinden,  wird Dunkelheit und großes Unheil über die Welt herein -brechen,  denn  sie sind  da seit Anfang der Zeit!"

 

Dann erzählte er Johann von der weißen Frau,  die heute Morgen bei ihm stand und ihm einen Zauber gegeben hat,  und dass der Drache Ghor einem Magier gehört,  der in den Bergen auf einem düsteren Schloß haust,  und der die Zwerge zwingt,  für ihn im Berg zu arbeiten !  Dort schürfen sie Gold, Silber und ein anders edles Metall namens Zidihl,  und dass  dieser Magier ständig neue Zwerge braucht,  die auch als Futter für den Drachen dienen.

 

Dass  die Zwerge eigentlich ein Volk der Berge seien, doch dann vor hunderten von Jahren aus diesen flüchteten,  um Not und Tod zu entgehen.

Lange haben die Zwerge auch in der Ebene gelebt, bis Ghor der Drache sie wieder aufgespürt hatte. Doch nun haben sich die Zwerge zum Kampf entschieden und wollen nicht mehr davonlaufen.

 

Dolgin erzählte ihm noch von dem Dornenvolk,  das als Dank für ihr Bleiben das Land vor den Menschen schützen wollte, da diese nur Not und Haß mit sich bringen und eine Bedrohung für die Einhörner seien, und von einer Legende, die da sagt:  Dass ein Mensch mit reinem Herzen  einmal in ihr Land kommen würde.

.

"Und so wie es aussieht,  bist wohl du der Mensch mit reinem Herzen,  und da die weiße Frau das auch glaubt,  werde ich dich im Auge behalten!"

So unterhielten sie sich Stunde um Stunde und Johann erfuhr von so vielen Dingen,  von denen er noch nie gehört hatte -  es klang alles wie ein Märchen….. !

Aber es war wahr, denn  er war ja da.

Johann wollte auch noch wissen,  wo die Zwerge zu finden waren, aber darauf gab ihm Dolgin nur flüchtig Antwort und Johann meinte, eine Furcht in Dolgins Stimme zu hören.

 

Die Sonne stand schon hoch, als der Waldgeist zu Johann sagte,  er solle sich nun auf den Weg machen,  um wieder zu  der Welt der Menschen zu gelangen, damit ihn nicht noch einmal die Dunkelheit überrasche und er sich vielleicht noch verlaufe, denn hier könne er nicht bleiben.

 

Johann war ein bisschen traurig.  Er hatte gehofft das Dolgin es duldete,  dass er die Einhörner noch einmal sehen dürfe.

Einige Worte sagte Dolgin noch zu ihm:

"Gehe niemals vom Weg ab und meide die Zwerge,  denn das sind raue Gesellen,  und zerstöre nichts auf deinem Weg!"

Dann drehte Dolgin sich um und ging von ihm fort,  und je weiter er sich entfernte,  um so durchsichtiger wurde er,  bis er verschwunden war.

 

"Der ist ja lustig! ", sagte Johann zu sich selbst, "  ich soll mich nicht verlaufen, wo ich doch jetzt schon nicht mehr weiß,  wo ich bin !

Aber eines weiß ich ,  ich werde die Zwerge suchen. Und wenn das genau solche Winzlinge  sind wie Dolgin,  vor was soll ich mich dann in acht nehmen?"

Mit diesen Worten verließ Johann die Lichtung  und tauchte in das Dunkel des Waldes ein.

 

 

 

   Kapitel     3

 Die Bäume schienen hier noch größer zu sein,  und die Sonne hatte kaum

 eine Chance durchzudringen. 

 

Johann dachte bei sich,  wie lange es wohl dauert,  bis er einen dieser Zwerge zu sehen bekäme,

 und ob sie genau so klein waren wie Dolgin? All’ solche Gedanken gingen ihm durch den Kopf . An das Dämmerlicht hatte Johann  sich allmählich gewöhnt und er achtete - ohne dass  es ihm bewusst war,  immer noch auf jeden Lichtstrahl,  der irgendwo durch das Geäst drängte.

Es musste jetzt später Nachmittag sein, und einen Unterschlupf zu finden  wurde jetzt immer dringlicher,  denn unter freiem  Himmel wollte er dann doch die Nacht nicht verbringen,  ein Baum, wie der auf der Lichtung oder eine Höhle,  das wäre das Richtige.

 

Doch das war leichter gesagt als getan,  Johann befand sich immer noch in dem Wald mit den riesigen Bäumen,  die so an  die dreißig Meter hoch sein sein mußten.  Was machte er eigentlich hier - ich und meine verdammte Neugier !  Er  machte sich immer mehr Vorwürfe, daß er überhaupt

 in den Wald gegangen war und in Gedanken sprach er weiter zu sich: „ Ich hätte auf die Alten hören sollen,  die haben mich oft genug gewarnt, nicht hierher zugehen, aber ich wollte ja nicht hören !  Nun hab’ ich den Schlamassel,  ich möchte nur wissen,  wie das alles enden soll. Die Zwerge suchen ist gut, sie finden eine andere Sache."

 

Und da Johann so in Selbstvorwürfen zerfloss, bemerkte er  überhaupt nicht,  dass der Weg langsam anstieg, und sich der Wald plötzlich lichtete.  Johann wachte aus seinen Gedanken auf,  blieb wie vom Donner gerührt stehen,  als ob er an eine  Wand gelaufen war.

"Was ist das, ein Gebirge? Aber in der ganzen Gegend gibt es kein Gebirge,  das hätte er doch schon früher sehen müssen" !

Johann wischte sich über die Augen,  aber das Gebirge war da ! Nun musste er sich erstmal setzen und holte tief Luft.

Ihm war überhaupt nicht bewusst,  wie weit er schon gelaufen war, und hier wollte er doch überhaupt nicht hin.

Und wenn mich der Magier sieht, ist es vielleicht um mich geschehen !  Johann erinnerte sich an die Worte von Dolgin,  der  ihn gewarnt  und  nach Hause geschickt hatte. Wäre er bloß seinem

Rat gefolgt !

 

Die Sonne näherte sich unaufhörlich dem Horizont,  es begann schon leicht zu dämmern und er hatte immer noch keinen Unterschlupf gefunden. Sich selbst zur Ruhe zwingend, suchte Johann nach einer Bleibe für die Nacht  und hätte beinahe  einen schwarzen Punkt,  der sich in einem leicht

ansteigendem Hügel befand, übersehen.

Was war das?

Johann setzte sich in Bewegung und ging in Richtung des Hügels, vielleicht war dort ein Unterschlupf für ihn!

Und tatsächlich,  da war eine Art Höhle !  Zwar war sie nicht sehr tief,  aber immerhin  ging es  weit genug  hinein,  um bei Regen nicht nass zu werden.

Nachdem Johann vorsichtig von außen in die Höhle schaute,  ob nicht schon ein Bewohner anwesend war,  kroch er hinein.

 

Johann war ungefähr fünf Meter in die Höhle eingedrungen,  als er unter sich ein Knacken verspürte, und  schon   krachte er mit einem Ruck durch den Boden und fiel in einen tiefen Abgrund.  Er hatte noch einen Gedanken:  "Das war es , hier ist alles zu Ende!"  Der Boden raste auf ihn zu , immer schneller und schneller und plötzlich,  wie von Geisterhand wurde sein Fall abgebremst  und er sank ganz sanft auf den Boden.

Verwundert stand Johann auf,  er konnte es nicht glauben, es war ihm nichts passiert,  wo er doch eigentlich zerschmettert auf dem Felsen hätte liegen müssen. Vorsichtig tastete er sich ab, aber alles war heil.

 

Sehr merkwürdige Dinge gehen hier vor,  ging es ihm durch den Kopf.

Als Johann sich etwas beruhigt hatte merkte er,  dass  es ihm doch sehr  in  die Glieder gefahren war, und er bemerkte auch seine Müdigkeit,  die nun in ihn fuhr.

Er brauchte unbedingt ein bißchen Schlaf,  wie sehnte Johann sich nach einer einigermaßen weichen Schlafstelle.   Da sah er in einer Nische im Fels ein dickes Fell liegen,  er  setzte sich darauf und sank bald  in einen wohlverdienten Schlaf.

Und Johann träumte von all’ den Dingen,  die er gesehen hatte.

 

Doch dann erschien die Frau mit den weißen Gewändern in Johanns  Traum,  und sie sprach zu ihm in einer Sprache,  die er noch nie gehört hatte, und doch konnte er sie verstehen.

 

Sie sagte ihm,  er solle einen Fluss im Berg suchen und dem Verlauf folgen, dieser führte zu einem See,  dort müßte er mit einem Boot übersetzen  und er würde  etwas sehen,  was er  in seinem Leben nicht mehr vergessen würde.

Langsam verschwand die schöne Frau aus seinem Traum,  begleitet von  wundervollen,  geheimnisvollen Klängen.

Als Johann erwachte , es war der dritte Tag in der Fremde,  fühlte er sich merkwürdigerweise nicht so zerschlagen,  wie am Tag zuvor.

Das erste,  was Johann verspürte,  war ein mächtiges Hungergefühl,  aber dass er so lange hier blieb, hatte er ja nicht gedacht,  denn er hatte nur wenig eingepackt und das, was noch übrig war, konnte  seinen Hunger nicht stillen.

Also blieb ihm nichts anderes übrig, als den Ort zu suchen,  den die Frau ihm in seinem Schlaf genannt hatte.

Johann lauschte in die Tiefe der Höhle hinein,  aber einen Fluss konnte er nicht hören, so sehr er sich auch bemühte.

"Nun,  dann gehe ich einmal etwas tiefer in die Höhle,  vielleicht ist dort ein Fluss oder ich fange an zu spinnen  -   jetzt spreche ich schon mit mir selbst, ich sollte doch lieber den Mund halten, wer weiß, was sich noch alles in der Höhle befindet !“

 

Er drehte sich noch einmal um, denn es konnte ja immerhin sein,  dass  ihm jemand nachstieg,  wobei sein Blick auf die Schlafstelle der letzten Nacht fiel, dabei sah er, daß das Fell verschwunden  war und es wurde ihm langsam klar,  dass  irgend jemand eine schützende Hand über ihn hielt .

Vorsichtig ging er weiter, um bloß nicht zu viel Geräusche zu machen und auf der Hut zu  sein, schaute in jede Ecke  und es wurde immer dunkler in der Höhle.

 

Doch plötzlich hörte Johann ein Geräusch, sehr leise,  aber es klang,  als rausche dort ein  Fluß.  Johann ging um die nächste Ecke und stand plötzlich vor einem Abgrund. Er konnte  gerade

noch verhindern,  hinabzustürzen.

 

"Was jetzt?" fragte er sich in Gedanken,  "wie soll ich da rüberkommen?“

Doch als er genau hinhörte  bemerkte er,  daß das Geräusch des Flusses   tief unten aus der Schlucht kam,  aber wie sollte er da runterkommen ?

 

Es blieb ihm keine Wahl,  wenn er weiter wollte,  musste  er  einen Weg finden, also ging er langsam am Rand des Abgrunds entlang und schaute sich jeden Meter genau an, doch entdecken konnte er nichts.

Oder doch -  war da nicht eben so etwas wie eine Treppe ?  Immer,  wenn Johann an diese eine Stelle schaute und er langsam weiter ging,  bewegten sich die Steine in entgegengesetzter Richtung, geradeso,  als wären es gut getarnte Stufen.

Johann ging in die Hocke und tastete mit den Händen den Rand des Abgrunds ab, und tatsächlich  waren Stufen da, kaum zu sehen und nicht gerade groß, aber immerhin groß genug, daß seine Füße darauf Halt fanden. Ganz vorsichtig Schritt für Schritt, und immer mit den Händen an der Felswand  sich festhaltend, stieg Johann zum Grunde der Schlucht.

 

Es war sehr rutschig und ein paar Mal drohte Johann abzurutschen,  konnte sich dann aber in letzter Minute festhalten. Es dauerte eine Ewigkeit und Johann hatte das Gefühl, daß die Schlucht immer enger wurde. Ganz oben war sie so breit,  dass  er nicht in der Lage war,  auf die andere Seite zu springen, und nun konnte er fast die andere Seite berühren, es war fast so,  als ob sich die Wände bewegten.

 

Johann stieg weiter hinab  und sah im Dämmerlicht dicht unter sich eine Art  Plattform und als er auf ihr stand,  konnte er endlich etwas ausruhen.

Die Wände - so schien es ihm -  waren wieder ein Stück näher gekommen und sein Blick fiel auf einen Gegenstand,  der vor ihm auf dem Boden lag.

Als Johann sich bückte um ihn aufzuheben,  schreckte er zurück, denn dort lag der Knochen eines Menschen, der Länge nach war es der Knochen eines Beines.

Mit einiger Überwindung hob Johann ihn auf . Nun hatte er einen Gegenstand,  um den Abstand zur Wand auf der anderen Seite zu messen, er streckte den Arm aus und sah, daß das Ende des Knochens noch gut einen halben Meter von der anderen Wand entfernt war.

 

Hatte er sich das alles nur eingebildet? Nun  setzte er  sich erst einmal hin und überlegte,  wie es weitergehen sollte, kam aber  immer zum selben Schluss: Er mußte runter, und da er sich etwas unwohl auf der Plattform fühlte,  stand er auf, um weiter nach unten zu klettern. Vorher prüfte Johann aber noch einmal den Abstand zur Wand gegenüber, eigentlich nur aus Neugier  und  erschrak !  Der Knochen berührte die andere Wand und die Wände kamen doch aufeinander zu, er hatte  sich also nicht geirrt.

Johann ging zum Rand der Plattform und ertastete sich die erste Stufe, dann stieg er so schnell wie es nur möglich war nach unten,  immer die Wand  gegenüber im Auge. Es kam ihm so vor, als bewegten

sich die Wände  immer schneller auf einander zu, und langsam stieg Panik in ihm auf.  Johann ging immer schneller die Treppe nach unten und sah im fahlen Licht auf einmal das Wasser,  es mussten ungefähr noch vier bis fünf Meter nach unten sein.

 

"Das kann ich schaffen,  ich spring’ ins Wasser " sagte er in Gedanken zu sich,  ließ die Wand los und sprang. Gerade noch rechtzeitig,  die Wände waren schon bedrohlich nah.

 

Kurz danach schlug er etwas unsanft auf dem Wasser auf und  bemerkte  die starke Strömung,  die ihn sofort mitriss.

Das Wasser versuchte  immer wieder, ihn nach unten zu ziehen,  doch er hatte noch genug Kraft,  um  immer wieder an die Wasseroberfläche zu gelangen.

Wieder zog es Johann unter Wasser,  drehte ihn hin und her,  schob und schleuderte ihn durch die Fluten. so daß seine Kräfte langsam schwanden,  alles sauste an ihm vorbei,  immer schneller und schneller, und dann......................auf einmal war alles vorrüber,  der Fluss trug ihn ruhig und friedlich dahin und mündete in einem See. Mit letzter Kraft zog Johann sich ans Ufer,  um dort in eine tiefe Ohnmacht zu sinken.

Sehr lange lag er da, und als Leben in seinen Körper zurück kehrte spürte Johann, dass ihm alles weh tat. Er stand auf - ganz vorsichtig - jede Bewegung schmerzte, aber es nützte nichts, er mußte weiter.

Johann sah sich um  und entschied,  über die mit Gras bedeckten Hügel zu gehen.  Es schmerzte bei jedem Schritt, der Schmerz schoß wie ein Blitz durch seinen Körper und  vollkommen erschöpft erreichte er den oberen Teil des Hügels.

Johann beugte sich nach vorn,  um sich auf seinen Knien abzustützen und er hatte das Gefühl,  als werde in seinem Rücken ein Feuerwerk abgebrannt ! So stand Johann einige Zeit,  als er dann nach vorn schaute um zu sehen, wohin sein Weg nun führte, stockte ihm der Atem………..

 

 

 

 

 

 

 

        Kapitel     4

 

 

 

 

  Johann hatte geglaubt,  er wäre auf dem Gipfel der Anhöhe angekommen,  aber er stand am Rande einer Felswand,  die steil nach unten abfällt und in einem Tal endet.

 

Und was Johann noch sah, war viel aufregender:  Da stand ein großes Heer, bewaffnet bis an die Zähne, mit Pfeil und Bogen,  Speer und Lanze in glänzenden Rüstungen und großen Schwertern.

Die vielen Krieger schauten alle nach oben zu dem gegenüber liegenden Berg, und als Johann  ihren Blicken folgte, sah er den Grund für den Aufmarsch der Armee:

 

Dort oben waren drei riesige Drachen, die ihre Köpfe anhoben und ihre Schreie ließen die Berge erschüttern.

Johann ließ sich mit einem Ruck auf die Erde fallen, um sich so gut wie möglich zu verstecken.

Doch diese ruckartige Bewegung erregte die Aufmerksamkeit eines der Drachen, der stieß sich von seinem Felsen ab und flog auf Johann zu.

Er kam immer näher,  er war riesig,  große mächtige Flügel,  die bei jedem Flügelschlag ein fürchterliches Rauschen erzeugten.

Johann überlegte fieberhaft,  wie er dem Ungeheuer entkommen konnte, der Drache kam immer näher, sein Geschrei ging durch Mark und Bein.

Johann konnte nun schon die mächtigen Zähne erkennen,  die riesigen Krallen  die sich öffneten, um ihn zu greifen, und er kam immer näher !

Johann meinte,  er könne schon des Drachen heißen Atem spüren.

Und er kam näher!

                                               

 

Es waren nur noch Sekunden,  die über das Leben von Johann entschieden,

in letzter Sekunde drehte er sich zwei, drei Mal nach rechts,  dann noch ein paar Mal  und sah aus den Augenwinkeln,  wie der Drache zupackte.

Dort,  wo er gelegen hatte,  klaffte nun ein großes Loch, und alles was der Drache gefangen hatte, waren  Gras und Erde.

Johann sprang auf,  drehte sich um und lief so schnell er nur konnte den Abhang hinunter in Richtung See.

 

"Nur nicht umdrehen, nur nicht umdrehen, "ging es ihm durch den Kopf und er lief so schnell,  dass seine Füße kaum noch den Boden berührten.

Noch ein paar Meter und er war da, noch ein paar Meter, und ein Rauschen erklang hinter ihm, noch ein paar .........!

 

Dann schoß Johann wie ein Blitz ins Wasser und auf seinem Rücken spürte er die Berührung einer Kralle des Drachen  -  und noch etwas spürte Johann,  etwas warmes floss seinen Rücken hinunter,

um ihn drehte sich alles und seine Gedanken gingen nur ums Überleben, nur nicht untergehen,

nur nicht ohnmächtig werden !  Mit diesen Gedanken verlor Johann das Bewußtsein und sein Körper sank in die dunkle Tiefe des See’s.

Johann sank tiefer und tiefer, alles um ihn herum versank in eine tiefschwarze  Nacht.

 

 

Im Tal war ein Kampf entbrannt,  grausam und mit vielen Opfern, die Drachen spieen bei jedem Angriff den Kriegern große mächtige Feuer entgegen und rissen viele Kämpfer in den Tod,

zudem kam der dritte Drache,  der Johann verfolgte hatte,  von der anderen Seite  und griff von hinten an.

Der Himmel verdunkelte sich von den Pfeilen, die zu tausenden auf die Drachen abgeschossen wurden, viele Kämpfer wurden ergriffen,  hoch durch die Luft geschleudert und hauchten ihr Leben aus,  als sie auf die Felsen aufschlugen. Die Schlacht dauerte Stunden und die Zahl der Krieger   hatte sich so verringert,  dass  kein Sieg mehr möglich war, es blieb nur noch die Flucht, um

das eigene Leben zu retten.  Doch die Drachen verfolgten die Kämpfer und jene, die kein Versteck fanden,  erlitten einen fürchterlichen Tod.

Es schien,  als würde niemand gegen diese Ungeheuer siegen können, das Tal war übersät mit den leblosen Körpern der Krieger,  die ihr Leben ließen für die Freiheit ihres Volkes.

 

 

 Johann erwachte ..........in einem Bett?

"Wie komm’ ich hier her? Wo bin ich? „

Sein Blick war getrübt,  er sah alles verschwommen,  wie durch einen dichten Nebel sah er seine Umwelt, und er fühlte sich nicht gut.

"Du Dummkopf, habe ich dir nicht gesagt,  du sollst nach Hause gehen ? Aber nein, der junge Mann muß ja seinen Kopf durchsetzen, auf einen alten Mann muß man ja nicht hören!"

Johann wollte sich aufsetzen: "Bleib liegen, erhole dich erstmal, du Dummkopf und werd’ wieder gesund"

Es war Dolgin und er war in seinem Element, er schimpfte wie ein Rohrspatz, aber eigentlich nicht aus Wut,  sondern aus Sorge um ihn.

Und gerade als Dolgin wieder weiter machen wollte, sagte eine andere Stimme: "Laß’ es gut sein, komm, gehen wir hinaus, er braucht nun Ruhe!"

Johann sank zurück ins Bett,  er war zu erschöpft, um sich noch länger wach zu halten und langsam sank er in einen traumlosen,  tiefen Schlaf.

 

"Dolgin sei beruhigt,  er ist bei uns in guten Händen, ihm wird hier nichts passieren, das verspreche ich dir „!

Dolgin sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an: " Na gut , was geht es mich auch an, ich hab’ mich nicht danach gedrängelt, auf ihn aufzupassen"!

Er drehte sich um und ging einfach seiner Wege, ohne sich zu verabschieden.

Fagul sah ihm nach, ein leichtes Lächeln flog über sein Gesicht,  dann drehte auch er sich um und  ging in den Raum in dem Johann schlief, leise schloss er die Tür hinter sich.

 

 

 

Kapitel     5

 

 

 

Fagul ging leise an das Bett in dem Johann lag, schaute ihn lange an,  er hätte soviele  Fragen an den Fremden, dann drehte er sich  der Frau zu, die hinter ihm im Raum stand:  „Bleib’ bei ihm und wache ob seinen Zustand und  wenn es ihm schlechter geht,  sage mir Bescheid!"

Dann drehte sich Fagul um und verließ den Raum .

Fagul war der Obere dieser Stadt, ungefähr vergleichbar mit dem Dorfschulz aus dem Dorf,  aus dem Johann stammt, seine Kleidung war die eines wohlhabenden Herrn.

 

Tag auf Tag verging,  Johann plagte das Fieber,  hin und her geworfen von Wahnvorstellungen  und es trat einfach keine Besserung ein, die Wunde auf seinem  Rücken sah schlimm aus, sie platzte immer wieder auf,  weil er nicht still lag  und entzündete sich.

Fagul,  der jeden Tag zu seinem Gast kam, sah es mit Besorgnis und auch Agula,  die Frau,  die sich um Johann kümmerte,  wußte keinen Rat mehr.

"Es ist so schlimm,  einen so jungen Herrn  mit dem Tode ringen zu sehen " sagte sie den Tränen nahe. So konnte es nicht weitergehen, es mußte etwas geschehen !

 

 

Fagul ging aus dem Zimmer und rief den Ältestenrat zusammen, damit entschieden werden konnte, was nun geschehen sollte!

Es gab eine endlose Debatte,  warum man sich um ihn bemühen solle , man müsse auch das Für und Wider abwägen,  was für eine Gefahr für die Bewohner der Stadt entstanden sei,  wenn seine Anwesenheit bekannt werde. Stunde um Stunde verging.

 

Da sprang ein Ratsmitglied auf: " Schluß jetzt mit der Rederei, es gibt ein Mittel,  dass dem Fremden helfen könnte!"

"Ja,  aber das ist gefährlich und wer will es für einen Fremden auf sich nehmen?" rief ein anderer dazwischen.

" Es ist gefährlich,  aber man sollte es versuchen,  drei unserer Tapferen sollte man losschicken zu den alten Höhlen der Zwerge,  das Kraut zu holen".

Und nach wieder langen Debatten stimmten alle zu. Es wurden drei Recken ausgewählt, einer, der

 mit Pfeil und Bogen umgehen konnte wie kein anderer, einer,  der sich in Pflanzenkunde auskannte

und einer,  der ein Meister der Tarnung war.

Alle drei waren sofort bereit,  für das Abenteur in die Berge zu gehen,  in das Reich des dunklen Magier,  in die Höhlen, welche die Zwerge vor Jahrhunderten verlassen hatten.

Und so machten sie sich auf den Weg!

Basul, der Schütze

Rempa, der Pflanzenkenner

Tersal, der Meister der Tarnung

Es war ein schöner Tag,  als sie aufbrachen in das dunkle Reich,  die Sonne stand hoch und ließ den Schnee der entfernten  Berge wie Diamanten funkeln.

 

Fagul stand auf dem höchsten Turm der Stadt und schaute ihnen nach,  bis sie in den angrenzenden Wäldern verschwanden.

 Noch war der Weg eben und sie kannten hier noch alles, doch es dauerte nicht lange , und die Bedrohung,  die von der Ferne ausging,  wurde nach jedem Schritt spührbarer.

 

Und als die Drei die Grenze des ihnen bekannten Landes überschritten hatten, nahm Basul den Bogen von seiner Schulter und einen Pfeil aus dem Köcher, auch die beiden anderen Kameraden beobachteten nun mehr die Umgebung und lauschten des öfteren in den Wald hinein, es war schon  unheimlich. Plötzlich waren alle Geräusche der Tiere verklungen und es schien, daß sich außer ihnen kein anders Lebewesen mehr hier aufhielt. Es war eine gespenstische Stille und die Drei mußten sehr behutsam ihren Weg gehen, denn  jeder Ast,  auf den sie versehentlich traten,  hallte wie ein Knall

durch den Wald und verriet ihre Anwesenheit.

 

Der erste Berg kam in Sicht, sie waren am Fuss der Berge angelangt. Tersal holte einen alten Plan aus seinem Rucksack, breitete ihn aus und nach kurzer Suche zeigte er mit dem Finger auf eine Stelle, die  „ Mütze der Zwerge“ :  „ Da müssen wir hin,  dort sind die alten Höhlen, laßt uns gehen!"

Es war mehr ein Flüstern als klare deutliche Worte,  niemand wollte hier laut reden, die Furcht vor Entdeckung war zu groß. Tersal zeigte in Richtung der aufgehenden Sonne und ging als erster los, gefolgt von den zwei Freunden.

Der Weg stieg immer steiler an, schon bald mussten sie sich  mit einem Seil sichern, damit einer dem anderen helfen konnte,  wenn er in Not geriet. Plötzlich standen sie vor einem großen  Geröllfeld,

das sie überqueren mußten, aber es war noch zu hell und aus Furcht vor Entdeckung warteten sie die Abenddämmerung ab.

 

Als es dann dunkel genug war, begaben sie sich im Schutz der Felsen zum Rand des Geröllfeldes, es war gerade noch so hell,  dass sie sehen konnten,  wohin sie traten.

Einzeln, und so tief geduckt wie sie nur konnten,  überquerten sie das Feld schnell und doch vorsichtig,  damit  kein Geräusch entstand,  das sie hätte verraten können.

Geschafft  -  alle waren auf der anderen Seite, und wenn es weiterhin so glatt ging,  dann wären sie morgen Abend wieder daheim, dachte Rempa bei sich und erstarrte im nächsten Augenblick !

 

Da waren Stimmen zu hören in einer Sprache,  die ihnen fremd war, und diese Stimmen kamen näher.

Schnell suchten sich die Freunde ein Versteck zwischen den Felsen und hofften,  durch die Fremden nicht entdeckt zu werden.

Tersal zog seinen Dolch  und hatte sich so an den Fels geschmiegt,  dass er kaum noch zu sehen war.

 

 

 

 

 

Und da kamen sie um die Ecke des Weges,  die Reittiere waren furchterregend, mit Köpfen wie Krokodile,  groß wie Giraffen und ihre Pfoten die eines Elefanten. Auf ihnen saßen die Diener des dunklen Magier’s, langsam ritten sie an den drei Freunden vorbei und waren vertieft in ihrer Unterhaltung. Es war ein Glück, daß ihre Aufmerksamkeit abgelenkt war und sie die drei

 Freunde nicht bemerkten.

 

Sie kamen erst wieder aus ihren Verstecken als sie sicher waren,  dass diese Wesen wirklich verschwunden waren. Die Dunkelheit war inzwischen über dem Land und Basul, Rempa und Tersal suchten sich einen sicheren Unterschlupf,  um sich ein wenig auszuruhen und den nächsten Tag abzuwarten.

Tersal versuchte,  den Plan noch einmal zu studieren, aber in dieser Dunkelheit war es unmöglich und sie beschlossen,  sich so dicht wie möglch nebeneinander zu legen, damit niemand von ihnen in der kalten Nacht auskühlte,  denn wie es aussah,  wurde es eine sehr kalte Nacht !

 

Die Sterne am Himmel funkelten in ihrer ganzen Pracht.

 

 

 Es wurde eine sehr kalte Nacht  und es schneite sogar.

Als die drei Freunde in den ersten Morgenstunden erwachten,  lag bereits eine Schneedecke auf dem Land , nicht viel,  aber genug,  um Spuren zu hinterlassen. Auf dem Weg konnten sie nicht weitergehen.

 

Tersal holte den alten Plan hervor,  las und studierte die alte Karte  und faltete sie nach Minuten

 wieder sorgsam zusammen.

"Es gibt noch einen anderen Weg, hoffentlich existiert er noch !

"Da müssen wir hinauf !"

Es war ein schmaler Steig, kaum zu erkennen, aber wenn man aufpasste,  durchaus begehbar.

 

Einer hinter dem anderen und immer darauf bedacht, nur auf Steinen zu gehen,  die dort keine Spuren hinterließen.

Es war unwegsam und man sah,  dass  dieser Weg wohl schon lange in Vergessenheit geraten war.

Aber hier oben blies ein eisiger Wind  und plötzlich endete der Weg an einem Abhang  - was nun?

"Da hast du uns ja schön in den Schlamassel gebracht,  nun können wir den ganzen Weg wieder zurück gehen.

Wir hätten auf dem Weg bleiben sollen, und wenn wir aufgepasst hätten, dann hätten wir uns immer rechtzeitig verstecken können!" sagte Rempa.  Völlig aufgeregt wechselte er seinen Stand von

 einem auf den anderen Fuß.

"Weißt du, Rempa,  wir sind bis hierher  gekommen  und es gibt bestimmt einen Weg,  der hier weiter führt, wir müssen nur genau hinschauen.“

 

Und Basul schaute die Felswand ab, denn er hatte den schärfsten Blick, und nach einer Weile hob er die Hand:"  Da - schaut,  da unter dem Felsvorsprung  -  ist da nicht ein schmaler Weg ? Ihr müßt

 genau hinschauen,  es müßte gehen ." 

Und richtig,  da war so etwas wie ein Weg, aber sehr, sehr schmal und es blies ein scharfer Wind.

Aber was nutzte das alles,  die drei mußten dort auf die andere Seite,  wenn sie weiter  kommen wollten, also drückten sie sich an die Felswand und tasteten sich Schritt für Schritt vorwärts.

Gerade als die Freunde unter dem Felsvorsprung waren,  hörten sie einen ohrenbetäubenden Lärm.

 

Von oben kamen dicke Felsbrocken,  die immer wieder an die Felswände schlugen und  den Lärm verursachten, und einige krachten auch direkt auf den Felsvorsprung, unter dem die Drei standen.

Der Steinschlag -  so hatten sie das Gefühl,  nahm kein Ende.

Als es endlich vorbei war, beeilten sie sich,  auf die andere Seite zu kommen, um nicht noch einmal in diese Situation zu kommen.

Endlich auf der anderen Seite führte der Weg weiter durch eine kleine Schlucht, in der sie erst einmal eine Rast einlegen.

"Puh, das war knapp,  wenn wie davon getroffen worden wären. Ich mag daran gar nicht denken!" sagte Rempa.

Tersal hatte inzwischen den Plan wieder hervor geholt, er mußte einen sicheren und schnellen Weg zu den Höhlen finden, die Zeit drängte.

Er schaute sich um , sah auf den Plan, suchte erneut mit den Augen die Felsen ab: " Das ist es, wir sind da!  Es gibt da nur ein Problem, die Höhlen sind auf der anderen Seite des Berges, und wenn

 wir den umgehen,  sind wir noch drei Tage unterwegs, also müssen wir dort hoch!"

Die anderen Zwei waren nicht gerade begeistert. „Schon wieder Kletterei“, schimpfte Basul,  war dann aber der Erste, der den Anstieg über den Berg begann.

Zu ihrer  Verwunderung war die Überquerung des Berges doch nicht so schwer wie gedacht,  und nach ungefähr vier Stunden standen die Drei auf der Passhöhe,   mußten nun aber wieder nach unten.

 

 

"Eine elende Plackerei !" schimpfte Basul erneut.

Die Seite,  auf der sie wieder nach unten mußten,  war mit Geröll übersät,  war steil, und die Drei mußten aufpassen,  dass sie sich nicht verletzten.

Sie waren fast unten,  als sie bemerkten,  dass der Höhleneingang bewacht wurde. Das Glück schien aber erneut auf ihrer Seite zu sein, der ganze Weg nach unten war eine Geröllhalde,  doch hier unten waren wieder einige Felsen,  hinter denen sie sich verstecken konnten.

 

"Basul!", flüsterte Tersal, „ du mußt den Wächter beseitigen, du hast aber nur einen Schuß!" Basul nickte , nahm einen Pfeil aus seinem Köcher und legte auf den Wächter an.

Gerade als Basul seinen Schuß abgeben wollte, hielt ihn Tersal am Arm fest,  " da ist noch einer, wir müssen ein bißchen warten, ihr bleibt hier und ich werde versuchen,  näher an sie heran zu kommen. Wenn es nur die Zwei sind,  gebe ich dir ein Zeichen,  dann schießt du deinen Pfeil ab, und ich kümmere mich um den anderen". Tersal wandte sich ab und war im Nu verschwunden, und so sehr Basul sich auch bemühte,  er konnte Tersal nach kurzer Zeit nicht mehr sehen. Tersal verschmolz einfach mit der Felswand. Rempa saß derweil ein wenig zusammengekauert  hinter dem anderen Felsbrocken und hantierte nervös mit seinem Dolch herum.

Basul sah ihm an, dass er Mühe hatte, seine Furcht zu unterdrücken  und machte ihm immer wieder Zeichen,  ruhig zu bleiben.

Die Minuten vergingen und immer noch kein Zeichen von Tersal.

Vorsichtig schaute Basul hinter dem Felsen vor,  sah jetzt  auch den zweiten Wächter und er sah auch das verabredete Zeichen von Tersal,  legte an und ließ nach kurzem Zielen seinen Pfeil vom Bogen schnellen.

Der Wärter hörte nur noch ein kurzes Zischen, dann bohrte sich der Pfeil in seinen Hals, fast zur glechen Zeit bohrte sich der Dolch von Tersal in die Brust des zweiten Wächters.

 

 

Rempa und Basul kamen aus ihren Verstecken und liefen schnell zum Höhleneingang. Die beiden leblosen Wächter begruben sie unter Steinhaufen, dann begaben sie sich in die Höhle und

ein eiskalter Wind empfing sie.

"Ihr müßt auf eine blaue Pflanze achten, sie wächst nur in dieser Höhle und nur bei absoluter Dunkelheit. Kommt sie mit Licht in Berührung ist ihre heilende Wirkung dahin ! Also, seid vorsichtig !“

 

Rempa gab Basul und Tersal je einen Behälter aus Ton,  der lichtundurchlässig geschlossen werden konnte. Dann setzten sie ihren Weg in die Höhle vorsichtig fort.

 

 

 

 

 

                                                   Kapitel   6

 

 Fagul schaute jetzt schon den fünften Tag vom höchsten Turm der Stadt aus, von

dem er auch die 3 Recken verabschiedet hatte, in die Ferne und hoffte immer, er

könnte sie endlich sehen. 

Doch jedesmal kehrte Fagul ohne Freunde zurück, Margita,  die Johann betreute, schaute ihn wie jeden Tag,  wenn Fagul an ihr vorbei ging an und jedesmal schüttelte er nur leicht den Kopf.

Margita schaute ihm nach,  drehte sich dann zur Tür und ging mit einem Seufzer in das Zimmer,  in dem Johann noch immer ohne Bewusstsein lag.

 

"Mein Junge“, sagte Margita leise zu ihm  -   immer in der Hoffnung,  wenn  sie mit ihm spricht, dass er sie hörte  -  „ mein Junge,  was soll nur aus dir werden,  wenn nicht bald Hilfe kommt?" Sie sah ihn an  und seufzte erneut,  dann setzte sie sich an ein Spinnrad und spann  Garn.  Doch jedesmal, wenn Johann sich nur etwas bewegte,  sprang sie auf und eilte zu ihm in der Hoffnung, ihm in die Augen sehen zu können,  aber  jedesmal war es nur ein kurzer Augenblick und er versank wieder in tiefe Bewußtlosigkeit.

 

Und jedesmal ging Margita zu ihrem Spinnrad zurück, die Hoffnungslosigkeit wurde immer größer,je mehr Tage ins Land zogen,  solche Gedanken gingen ihr durch den Kopf.

Auch Fagul fragte sich,  ob es vielleicht besser gewesen wäre,  nach den Zwergen zu schicken,

denn sie hatten Erfahrung mit Verletzungen,  die ein Drache verursacht hatte.

Fagul sagte zu sich,  "Ich werde noch zwei Tage warten, wenn sie bis dahin nicht zurückgekehrt sind, werden sie wohl nicht mehr am Leben sein, vielleicht können die Zwerge dann noch helfen.“

In Gedanken versunken ging Fagul auf der Stadtmauer entlang und hörte nicht,  dass  der Tod sich in der Luft näherte, erst das Alarmhorn riss ihn aus seinen Überlegungen, und jetzt erst sah Fagul,  was da auf ihn zukam.

 

Gerade noch rechtzeitig konnte er sich hinter den Zinnen in Sicherheit bringen, der Drache flog nur zwei Meter über ihm, drehte dann ab und verschwand in den Wolken.

Fagul stand auf und schaute ihm nach, "merkwürdig,  so nah hatten sie sich noch nie der

Stadt genähert", es gingen merkwürdige Dinge vor.

 Es eilten schnell einige Einwohner zu ihrem Oberen,  um helfend zur Seite zu stehen, " nein, nein, macht euch keine Sorgen,  mir ist nichts geschehen; habt Dank ihr guten Leute !“

 

Auch Fagul setzte seinen Weg fort,  nicht aber ohne vorher noch einmal in den Himmel zu schauen,war das nun nur ein dummer Zufall oder wurde der Drache geschickt, um ihn

zu beseitigen oder was naheliegend  war,  ihn zu entführen, aber warum ? Er und sein Volk haben immer den Frieden gehalten und sich nicht um die Belange des dunklen Magier’s gekümmert,

was im Nachhinein vielleicht ein Fehler war ?! Sollten die alten Chroniken doch recht behalten,

sollte sich erfüllen,  was die Vorväter niedergeschrieben hatten?  Fagul versuchte sich daran zu erinnern, was er vor langer Zeit in den Büchern gelesen hatte.

 

 

Es war die Zeit seiner Jugend,  das Studium der alten Schriften, und langsam besann Fagul sich, und in seinem Geiste erschienen die alten Texte:

Die Stadt wird wachsen und erblühen, das Volk wird keine Betrübnis erleiden, alle werden  in Liebe und Frieden ihr Leben gestalten bis an ihr Lebtag Ende.

Und doch,  nach der Zeit der Glückseligkeit und des Friedens wird auch eine Zeit der Furcht und des Elends aufziehen, das Volk der Bakkaar wird Leid, Elend und Verfolgung ertragen, eine dunkle

 Macht wird nach ihnen greifen, sie zu unterjochen und in die Sklaverei führen, das Volk wird seine Habe zurücklassen und alles,  was sie erschaffen haben dem Verfall und der Zerstörung preisgeben, um nur noch ihr nacktes Leben zu retten.

 Mögen die Götter die Bakkaar schützen!

Fagul meinte sich daran zu erinnern, doch ganz sicher war er sich nun doch nicht mehr  und er beschloss,  in die Bibliothek zu gehen,  um in den alten Schriften zu lesen.

 

Die dunklen Vorahnungen wurden immer deutlicher .

 

 

 

 

                                                            Kapitel   7

 

 

 

 Der Höhleneingang war nicht so groß,  wie die Drei gedacht hatten, sie mussten sich sehr klein machen, um hinein zu kommen.

Doch bevor sie ihren Weg fortsetzten,  schaute sich Basul noch einmal um und suchte mit den Augen die Felsen ab, aber etwas verdächtiges konnte er nicht erkennen. Dass die Höhlen schon lange nicht mehr benutzt wurden,  sahen sie an den Felsbrocken,  die von der Decke gefallen waren, die wären sonst längst fortgeschafft worden. Es war manchmal so eng, so dass  sie  kaum weiterkamen,  und es wurde nicht besser,  immer mehr Felsbrocken versperrten ihnen den Weg.  Sie krochen, quetschten, schoben sich durch und an den Felsen vorbei und es nahm kein Ende,  wenn sie meinten,  es wäre geschafft,  kamen neue Hindernisse auf sie zu.

Es dauerte Stunden  -   und plötzlich standen sie am Anfang einer großen Halle,  einem Felsendom, sie war riesig und von geheimnisvollen Tönen erfüllt.  Es waren Wassertropfen,  die auf den Boden tropften und dabei viele verschiedene Töne erzeugten,  die an den Felswänden widerhallten.

Sie gingen sehr vorsichtig in den Dom und jeder Schritt,  den die Drei taten,  war wie ein Donnerschlag.

"Riecht ihr das?  Es riecht nach Rauch!  Passt auf,  ich glaub wir sind nicht allein !"  flüsterte Tersal.

"Verflucht was war das?"  brüllte Rempa,  er war über etwas gestolpert. Rempa drehte sich um und suchte den Boden nach dem Gegenstand ab,  über den er gestolpert war und fand es:

 

 

Eine Streitaxt und ein Speer. "Da“ ,  sagte Basul, „da ist die Ursache, warum  es so nach Rauch riecht,  ein herunter gebranntes Lagerfeuer.“

" Es sieht aus,  als  ob  hier jemand eilig aufgebrochen ist, noch nicht einmal das Feuer ist richtig gelöscht !  Hab’  ich doch Recht gehabt,  hier ist noch wer,"  sagte Tersal und zog sein Messer.

 

Basul hatte schon vorher einen Pfeil in seinen Bogen gelegt und schaute aufmerksam in jede Richtung,  aber es war alles still,  so sehr sie sich auch bemühten,  es war nichts zu hören.

Und Rempa? Rempa war  kein Kämpfer, eigentlich war er ja Gärtner und mitgegangen ist er doch auch nur,  weil ihn die anderen beiden überredet haben.

So wie er dastand,  hätte er sich eher selbst mit der Streitaxt verletzt,  als dass  er sich damit hätte wehren können.

Basul sah ihn an,  verstaute dann seinen Bogen,  ging zu ihm und nahm ihm die Axt ab. Man sah Rempa an,  dass  er darüber nicht so unglücklich war.

"Geht ihr voran,  ich werde als Letzter folgen, wir müssen weiter!" sagte Tersal.

 

Rempa fand dann noch etwas  -  Fackeln !  " Nimm du sie mit,  verletzen kannst du dich ja damit nicht!",   Basul konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

So gingen die Drei weiter. Tersal,  der als letzter ging,  ließ sich immer mehr zurückfallen und schon waren die Freunde außer Sicht.  Was er nun noch brauchen würde, war ein Spalt in der Felswand,

in der er auch nach kurzer Zeit verschwand.

 

Nun wollen wir mal sehen,  wer uns hinterher schleicht, dachte Tersal bei sich.

Minuten vergingen, die zwei Freunde waren schon weit vorraus und langsam wurde er unruhig, hatte er sich geirrt?

Tersal beschloss,  noch fünf Minuten hier auszuharren  und dann den Kameraden zu  folgen. Nichts geschah, und Tersal wollte sein Versteck schon verlassen, da sah er auf der anderen Seite der

Halle eine Bewegung,  schnell und in geduckter Haltung huschte der Schatten an ihm vorbei.

Also doch,  na  mein Freund,  dann wollen wir doch einmal sehen,  wohin dein Weg dich führt,  dachte Tersal bei sich  und schlich,  immer die Deckung behaltend hinter ihm her.

 

 

Als der Unbekannte hinter einer Biegung verschwand,  beeilte Tersal sich,  um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen, auch zu dieser Biegung zu kommen.  Vorsichtig schaute Tersal um die Ecke und.....erstarrte,  an seiner Kehle befand sich plötzlich die Spitze eines Schwertes!

 

"Für wie dumm mußt du dich halten,  dass ich dich nicht bemerken würde, ich sah dich schon in deinem Versteck lauern, was suchst du und die zwei anderen in diesen Höhlen ?“

 Tersal sah einen Zwerg in leichter Rüstung,  er hatte einen langen roten Bart  und  ebensolche Haare,  die an den Seiten zu Zöpfen geflochten waren. Auf dem Kopf hatte er einen Helm,  der eher aussah wie ein Eimer, und es war eine bedrohliche Situation.

Ich weiß nicht,  wen du meinst?  Welche anderen Zwei meinst du?  Ich bin allein !“

sagte Tersal,  um seine Freunde zu schützen.

Da hob der Fremde eine Hand in die Höhe,  und überall zwischen den Felsen und Nischen kamen Zwerge hervor,  es mussten wohl so an die sechzig sein.

Dann hörte er noch eine Stimme,  die ihm vertraut war:  "Ihr verdammten Halunken,  wenn ich meine Hände frei hätte,  würde ich Hackfleisch aus euch machen, verdammt!"!!  Es war Basul und dahinter ging Rempa,  und beiden  waren die Hände auf dem Rücken gefesselt!

"Diese da meine ich,  du siehst,  es ist zwecklos und doch habt  ihr Glück,  noch am Leben zu sein, denn dort am Höhleneingang warten die Horden des dunklen Magier" !

 

"Und wer seid ihr?“,  fragte Tersal den Zwerg, „ ihr seid doch Zwerge, was macht ihr hier ? Ihr lebt doch nicht etwa hier, ich denke eure Heimat ist in der Ebene?"

Plötzlich bekam Tersal einen Schlag in den Rücken.   "Knie nieder,  wenn du mit dem König sprichst!"

Tersal ging unfreiwillig zu Boden und sah sein Gegenüber fragend an.

Im gleichen Augenblick wurden auch seine Hände auf den Rücken gebunden, dann wurde er zu seinen Freunden gebracht.

"Sie kamen wie von Zauberhand,  plötzlich waren sie da,  überall,  wir hatten keine Möglichkeit zur Gegenwehr." sagte Basul.

Von weitem beobachteten sie die Zwerge, einige versammelten sich und es sah so aus,  als würden sie sich beraten,  was nun geschehen sollte.

 

Nach einer Weile kamen einige zu ihnen,  ergriffen  sie  und gingen mit ihnen zu der Beratung hinüber.

Auch jetzt wurden sie wieder auf die Knie gezwungen.

Der Zwerg mit dem langen roten Bart  setzte sich ihnen gegenüber und sah sie mit seinen fast schwarzen Augen an,  dann begann er zu reden.

"Ich bin Xatur,  Herrscher und König über das Volk der Tolmaar,  dies ist unser angestammtes Land, aus dem wir vor fast tausend Jahren vertrieben wurden.

Dies ist unsere Heimat und es sind unsere Höhlen, und niemand darf sie ohne unsere Erlaubnis betreten.

Wir sind hier,  um unsere Brüder aus der Sklaverei des dunklen Magier zu befreien und den Magier und seine Drachenbrut für immer zu vertreiben.

Ihr hab Glück,  noch am Leben zu sein,  denn  am Höhleneingang lauern die Horden des Magier,  dort könnt ihr nicht mehr entkommen!"

Dann kam Xatur ganz dicht an das Gesicht von Tersal und fragte ihn mit tiefer Stimme:" Zum letzten Mal !  WAS WOLLT IHR HIER ?!!"

 

Tersal holte tief Luft,  dann begann er von Johann zu erzählen,  von seiner Verletzung und dem Auftrag der Drei -  den blauen Blumen -   es wurde eine lange Unterhaltung.

Am Ende gab Xatur einem seiner Leute ein Zeichen und es wurden ihnen die Fesseln abgenommen.

Man gab ihnen zu Essen und zu Trinken.

Ausruhen sollten sie sich, aber Basul drängte zum Aufbruch.

" Ich werde euch fünf meiner Krieger mitgeben, sie führen euch zu dem Ort der blauen Pflanzen, doch nehmt nur die Blüten,  nur sie haben die heilende Wirkung, und  lasst die Pflanzen im Boden,  es sind die letzten ihrer Art.

Nun geht,  der Weg ist lang und beschwerlich,  auch voller Gefahren."

Auf einen erneuten Wink näherten sich die fünf Krieger,  es waren raue Gesellen.

 

Dann brachen sie auf  mit der Hoffnung,  dass  die Zwerge den Weg kannten,  und das Herumirren ein Ende hat.

Tersal schaute sich noch einmal um  und blieb verwundert stehen  -   es war niemand mehr zu sehen.

Die Zwerge waren verschwunden,  als hätte sie der Boden verschluckt!

"Was ist los,  was gibt’s  zu glotzen,  hier geht es lang!" hörte er die raue Stimme von einem der Zwerge.

 

 



 

 Irgendwie hat Tersal ein schlechtes Gefühl er,  fühlt sich den Zwergen ausgeliefert. Er kann es nicht

 beschreiben, aber irgend etwas stimmt nicht. Da er ja stehen geblieben war, um noch einmal

 zurück zu schauen,  ist der Trupp schon ein Stück entfernt von ihm.

Es sah aus,  als bemühten sich die Zwerge,  Basul und Rempa immer zwischen sich zu halten.

Sie sehen aus wie Gefangene,  wenn man von den Waffen absieht,  die sie bei sich tragen.

Tersal hat Mühe ihnen zu folgen, es sah aus,  als wollen die Zwerge vor jemandem die Flucht ergreifen.

Plötzlich bleiben sie stehen schauen sich um und gehen dann in einer anderen Richtung weiter. Den drei Freunden blieb überhaupt keine Wahl,  sie mußten den Zwergen folgen, sie waren durch so viele Gänge und Tunnel gelaufen, dass sie die Orientierung vollends verloren hatten.

 

Der Weg beginnt plötzlich leicht nach unten abzufallen.

Die Zwerge bleiben erneut stehen.

"Hier müssen wir herunter, hey,  du da,  komm her“, sagte der Zwerg, der Tersal vorher sagte, er solle

 nicht zurück schauen.

Ein anderer Zwerg kam, befestigte eine Strickleiter am Boden und wirft sie dann über den Rand des Abgrund`s.

Tersal indes war bemüht,  Basul und Rempa Zeichen zu geben,  dass sie aufpassen sollen. Er mußte

aber aufpassen,  dass keiner der Zwerge etwas bemerkt.

Basul legt seine Hände auf den Rücken und macht ebenfalls merkwürdige Gesten mit den Händen, er hat wohl verstanden was Tersal ihm mitteilen will.

 

"Los jetzt,  ihr geht zuerst  und wir folgen euch und sichern eure Rücken!"

"Warum so übereilt da hinunter klettern, es ist doch besser wir ruhen uns erst einmal aus,

der Weg ist doch wohl schwierig und es kommt vielleicht einer von uns zu Tode .

Nein! wir müssen erst ausruhen"

Der Zwerg schaut Basul an und alles was er dazu zu sagen hat,  ist ein tiefes Brummen.

Dann dreht er sich um, und geht zu seinesgleichen.

Tersal,  der seine Hand um den Griff seines Dolches gelegt hat,  war aufs Äußerste gespannt.

Jeden Moment könnten die Zwerge über sie herfallen, dann aber war er bereit.

Langsam ging er zu seinen Freunden, doch in den Augenwinkeln hatte er immer die Zwerge im

Blick.

Auch Basul nimmt seinen Bogen in die Hand und betrachtet in prüfend auf seinen Zustand,

schiebt aber im selben Augenblick den Speer,  den sie gefunden haben,  in Richtung Rempa.

"Nimm ihn, ich glaube wir werden bald Ärger mit den Zwergen bekommen. Du musst dich wehren können „, flüstert Basul Rempa zu.

Dann legt er seinen Bogen zur Seite und schloss die Augen zum Schlaf.

Tersal der inzwischen zu seinen Freunden gelangt war, legte sich neben sie.

"Lasst sie ruhig in dem Glauben,  dass wir schlafen,  doch seid auf der Hut!"

Einige Stunden vergehen.

 

Plötzlich tritt einer der Zwerge Basul unsanft in den Rücken.

"Los aufstehen, Ihr habt euch lange genug ausgeruht, wir müssen los!"

Dann noch einen Tritt in den Rücken.

Basul benahm sich so,  als würde er aus einem tiefen Schlaf erwachen und reckte sich erst

einmal ausgiebig.

Auch Tersal und Rempa machten den Zwergen Theater vor.

Nach geraumer Zeit stehen sie wieder am Rand des Abgrundes und wieder fordert der Zwerg,

der scheinbar der Anführer ist,  die drei Freunde auf,  zuerst hinunter zu steigen.

"Sag mir, warum sollen wir zuerst da hinunter steigen?  Ich denke,  ihr kennt den Weg besser,

da ist es doch logisch,  ihr geht zuerst  und wir folgen euch!"

Die Gesichter der Zwerge verfinsterten sich zusehens, drehten sich dann aber abrupt um

und stiegen in den Abgrund.

Gefolgt von den drei Freunden

                                             Aber im sicherem Abstand !

 

 

 

 

 

 

                                                  Kapitel  8

 

   Fagul schloss die Tür der Bibliothek auf, und während er die Tür öffnete,  fiel von oben

 feiner Staub zu Boden.

„Hmmm, es ist lange niemand hier gewesen“, dachte Fagul ging zum Tisch,  der neben der Tür

stand und zündete die Kerzen in dem Kerzenständer,  der dort auf den Tisch stand,  an.

Dann ging er zu dem Regal,  in dem die alten Chroniken standen und nach kurzer Suche

fand er das Buch,  nach dem er suchte .

Fagul nahm es aus dem Regal und ging zu einem großen,  alten  -  und wie es aussah

gemütlichen  Sessel,  stellte den Kerzenständer schräg hinter sich,  so daß das Licht auf das

Buch fiel.

Nun schlug er das Buch auf und fing an zu Lesen-----..............!!!!!!!

 

Es ist das erste Zeitalter:

Ich schreibe dies nieder,  da ich keine Hoffnung mehr habe,  dass  wir noch irgendwo an Land

gehen können. Zu lange sind wir schon auf See,  und der Zustand der Schiffe und der Leute wird immer schlechter.

Wenn nicht bald etwas passiert droht uns eine Meuterei.

Mögen die Götter uns den Weg weisen zu den grünen Gefilden,  von denen die Vorväter erzählten.

Das Volk der Bakaar war gezwungen,  ihr Land und ihre Städte aufzugeben,  zu groß wurden die Opfer,  die der Seuche schon zum Opfer gefallen waren.

Wir müssen......

 

Plötzlich flog die Tür auf, und ein Soldat hastete in den Raum.

"Mein Herr Fagul,  wir werden angegriffen,  der Himmel ist voller Drachen und auf ihnen sitzen die Schergen des dunklen Magier.

Ihr müsst den Leuten sagen,  was sie machen sollen, und die Soldaten brauchen ihren Befehlshaber!"

Fagul sprang aus seinem Sessel und lief nach draußen.

 

Was er sah,  war etwas,  was er immer gefürchtet hatte  -  Drachen !  Fagul ließ die Hauptmänner kommen, gab ihnen einige Anweisungen,  dann liefen sie wieder zu ihren Leuten.

Es wurden große Tore geöffnet, hinter denen sich die großen Katapulte befanden, die nun nach draußen geschoben wurden.

Nun wurden große Speere in die Abschußnut gelegt und angezündet, damit schossen die Bakaar auf die Drachen.

Es hatte aber wenig Erfolg,  die Drachen waren zu schnell und es war ihnen ein leichtes,

den Geschossen auszuweichen.

 

Die Bakaar wehrten sich tapfer,  doch es gab viele Opfer, die Pfeile zeigten keine Wirkung, welche

die Soldaten auf die Drachen abschossen.

Immer wieder griffen die Drachen an,  stießen Feuerstöße gegen die Stadt und ließen Felsbrocken, die sie in den Krallen hatten,  auf die Soldaten fallen.

Die einzigen verletzlichen Stellen der Drachen waren ihre Augen, wenn es gelänge, diese zu treffen, doch auch das war ein hoffnungsloses Unterfangen.

Die Bakaar waren vollkommen unterlegen, so tapfer sie sich auch wehrten, doch plötzlich war der Spuk zu Ende, die Drachen verschwanden in den Wolken.

 

Fagul bot sich ein schreckliches Bild,  es gab soviel Tote und Verletzte, die Wehrgänge waren rot

von Blut, in denen abgerissene Gliedmaßen lagen, Arme,  Beine,  Hände,  Köpfe.

Fagul rief den Ältestenrat zusammen, doch als sich die Tür des Sitzungssaales  öffnete,  sah er nur einen eintreten.

"Wo sind die anderen? Ich habe alle hierher  gebeten,  wir müssen Entscheidungen treffen!"

"Es sind alle tot, soviele Tote -  wir müssen die Stadt aufgeben!" antwortete ihm Seikgar,  der letzte des Ältestenrates.

Fagul setzte sich erschöpft und niedergeschlagen auf seinen Stuhl.

"Was soll nun werden? Was können wir nun noch machen? Ein zweiter Angriff würde uns wehrlos machen. Gegen die Drachen kann niemand bestehen."

 

 "Es gibt noch eine Möglichkeit, unsere Väter,  die diese Stadt erbauten,  haben einen geheimen Gang gebaut, der zu einer Höhle führt, die groß genug ist, um alle Bewohner aufzunehmen.

Wenn die Drachen zurückkehren,  werden sie hier niemanden mehr vorfinden, nur noch leere Mauern. Es ist die einzige Möglichkeit um unser Volk zu retten," antwortete Seikgar.

 

"Was wird aus dem Fremden?  Es geht ihm schlecht,  er muß ruhig liegen und darf nicht transportiert werden, aber zurücklassen können wir ihn nicht“.

„Wir müssen es wagen ihn zu tragen, er ist noch jung , ich glaube,  dass er es schafft, wir haben

 keine Wahl!"

Während Seikgar und Fagul sich noch beratschlagten  was zu tun ist,  erklangen die Alarmhörner erneut.

Nur waren es nun Fusstruppen,  die versuchten die Stadt zu erstürmen, von den Drachen war nichts zu sehen. Das was Fagul sah, als er über die Stadtmauer sah war, als würde sich der Boden bewegen.

Tausende und Abertausende von den Schergen des dunklen Magier bewegten sich auf die

Stadt zu. Eile war geboten, es würde Stunden dauern,  bis alle Bewohner der Stadt in dem geheimen Gang waren.

Die Soldaten mussten sich dem Feind erneut stellen. Der Vorteil war aber nun auf der Seite der Bakaar,  gegen das Fußvolk konnten sie sich einige Zeit verteidigen, besiegen konnten

sie die Angreifer aber auch nicht,  es waren zu viele.

Die Soldaten konnten nur der Bevölkerung Zeit verschaffen,  sich in Sicherheit zu bringen.

Dafür opferten sie ihr Leben. 

"Seikgar, ich gebe Dir nun einen letzten Befehl. Ich vertraue dir das Wohl unseres Volkes an.

Bringe so viel du kannst an den geheimen Ort.

Ich werde hier bleiben und mit den Männern eure Flucht sichern.

Wenn wir uns nicht wiedersehen, bist du der neue König, mögen die Götter mit euch sein!"

Seikgar wollte darauf noch etwas erwidern, doch Fagul drehte sich um,  zog sein Schwert und lief zu seinen Soldaten.

Sie mussten die Feinde solange wie möglich aufhalten.

Fagul ließ die Felsbrocken herbeischaffen, welche die Drachen in die Stadt geworfen hatten,

um diese über die Mauern in die Menge der Feinde zu schleudern.

Diese Felsbrocken rissen zwar viele der Feinde in den Tod,  doch die Lücken die dadurch entstanden, schlossen sich sofort durch nachfolgende Truppen.

Jetzt ließ Fagul heißes Öl über die Mauern gießen und auch heißes Pech kam zum Einsatz.

Doch es half alles nichts,  es waren einfach zu viele.

Ein großer Rammbock wurde herbeigeschafft,  es sollte wohl das starke Stadttor durchbrechen.

 

Fagul befahl seinen Leuten,  sich in den zweiten Verteidigungsring zurückzuziehen, da diese Mauern auf Dauer nicht zu halten waren.

Auch der zweite Verteidigungsring verfügte über ein starkes Tor, das zudem noch durch eine Straßenverengung gesichert war, somit konnten die Feinde mit ihrem Rammbock nichts anrichten,

 es war einfach zu eng.

Wie oft hatte Fagul vor,  dieses Tor zu versetzen, war nun aber froh,  dass er es immer wieder

vergessen hatte.

Es war eines der Dinge,  die ihm nicht so wichtig erschienen, und nun spielte eben dieses

Tor eine wichtige Rolle.

Hinter dem Tor liefen etliche Rinnen , diese ließ Fagul mit Öl füllen und auch dicke Balken

wurden herbei geschafft, um auch diese mit Öl zu tränken und an das Tor zu bringen.

Man konnte sie hören, Pfeile und Speere prasselten an das Tor.

Fagul überlegte ,"bis dieses Tor nachgibt,  könnte der größte Teil der Truppen zum geheimen

Gang kommen und  einigermaßen in  Sicherheit sein."

Er rief nach den Hauptmännern und gab Ihnen den Befehl,  sich zum Palast zurückzuziehen.

Fagul selbst blieb noch , denn einige mussten bleiben,  um die Feuer zu entzünden, falls der

Feind durchbricht! 

 

 

 

 

                                                              

 Xatur schaute für den Moment eines Wimpernschag's dem kleinen Trupp nach, dann verschwanden

 seine Krieger und er in der Dunkelheit der Höhle.

An der Spitze seiner Krieger ging er zu dem Höhleneingang,  in dem Basul, Rempa und Tersal

die Höhlen betreten hatten.

Dann blieb er vor einer Wand stehen, suchte diese für einen Augenblick ab und drückte dann auf ein vorstehendes Felsstück.

Nach einiger Zeit setzte sich die Felswand in Bewegung und gab einen geheimen Gang frei.

 

Targin sein oberster Hauptmann sah ihn fragend an?

"Woher wusstet ihr,  dass sich hier ein Gang befindet? Wohin führt er?"

"Dieser Gang führt unterhalb des Haupteingang’s ins Freie. Falls noch jemand dort draußen ist,

ist es besser,  man sieht uns nicht gleich.

Unsere Vorväter haben es in den alten Erzählungen beschrieben und wie du siehst, es gibt ihn !

 Nun los,  wir dürfen keine Zeit verlieren!"

Xatur drehte sich zum Eingang und wollte gerade in den Gang gehen, als er  wie von Blitz getroffen stehen blieb.

Xatur drehte sich erneut um,  sah Targin und winkte ihn zu sich.

"Hauptmann Targin,  ich habe über die Krieger,  die wir den Fremden zum Schutz mitgegeben

haben nachgedacht.

Ich hatte gleich ein seltsames Gefühl, als sie sich sofort bereit erklärten,  die Menschen

zu begleiten.

Und soviel ich auch nachdenke,  ich kenne die Zwerge nicht und ich sah sie das erste Mal,  als sie

mit den Dreien fortgingen.

Bei den Göttern,  hoffentlich ist es noch nicht zu spät!

Hauptmann geh’ und such’  ein dutzend Krieger,  die du kennst und geh’ den Fremden nach,

ich habe eine böse Ahnung!"

Targin verbeugte sich vor Xatur und sammelte schnell zwölf seiner Krieger zusammen und sie

 verschwanden  in Richtung der Drei Freunde!

 

 

 

 

 Die Drei stiegen immer weiter die Strickleiter hinunter,  unter sich sahen sie nur den Fackelschein der Zwerge ,der plötzlich verschwand.

Statt der Fackeln sauste ein Brandpfeil an ihnen vorbei.

"Hey,  was soll das?" rief Rempa in die Dunkelheit

"Wir wollten nur sehen,  ob ihr noch da seid, oder ob ihr die Hosen voll habt!"

Ein hämisches Gelächter kam von unten und weitere Pfeile zischten an ihnen vorbei.

"Wenn die uns sehen könnten,   wären wir schon tot !!  Los,  wir müssen wieder nach oben,

schnell,  schnell!"

Die Drei stiegen so schnell sie konnten nach oben.

Als sie fast oben angelangt waren,  hörten sie einen Warnruf von oben.

"Achtung,  geht so dicht wie möglich an die Wand!"

Kurz danach  fielen zwei dicke,  brennende Bündel  an ihnen vorbei, gefolgt von den Blicken Basul's Tersal's und Rempa's, und was sie da sahen,  als das Feuer unten angekommen war,  ließ sie erschaudern.

Dort unten waren keine Zwerge mehr.

Dort unten standen die Schergen des dunklen Magier und schossen einen Hagel von Pfeilen nach oben. Diese konnten aber keinem mehr gefährlich werden,  denn  die Freunde waren außer

 Reichweite.

"Wer seid ihr?",  war die erste Frage,  die Basul an die "Retter" stellte .

"Ich bin Targin,  oberster Hauptmann von König Xatur's Truppen.

Da sind wir gerade noch rechtzeitig gekommen, unser König hatte also recht, der Feind ist in unseren Reihen!

Ihr seid hier verkehrt,  sie wollten euch in die Irre führen und euch dann den Drachen zum  Fraß vorwerfen.

Folgt mir, ich werde euch begleiten und meine Männer sorgen für unsere Sicherheit, laßt uns gehen!"

Targin wandte sich ab und ging in eine völlig andere Richtung.

"Wir können nichts  tun , wir müssen Ihnen vertrauen,  sonst kommen wir hier niemals mehr heraus,

gehen wir mit Freunde"

Zu ihrer Verwunderung gingen die Zwerge bergauf,  durchquerten etliche Gänge,  dann gingen sie wieder eine in Stein gehauene Treppe hinab und an anderer Stelle wieder hinauf.

Es dauerte Stunden.

Dann sahen sie es, ein zarter blauer Schimmer,  der immer kräftiger wurde,  je näher sie kamen.

"Ich dachte auf die blauen Blumen dürfe kein Licht fallen?" fragte Rempa verwundert

den Hauptmann Targin.

"Das ist richtig,  Sonnenlicht und andere Lichtquellen sind tödlich für sie, aber sie erzeugen ein Eigenlicht ! Macht bitte eure Fackeln aus, wir müssen uns beeilen!"

In der Halle angekommen sahen sie, daß der ganze Boden von blauen Blumen übersät war !

Vorsichtig schnitten sie die Blüten ab und achteten darauf,  dass sie auf keine der Pflanzen traten,    so, wie es Ihnen gesagt wurde.

Targin trieb zur Eile an, die Feinde waren bestimmt schon auf dem Weg hierher. In Eile wurden die zwei verbliebenen Gefäße mit den Blüten gefüllt und verschlossen.

"Wo müssen wir hin?" fragte Basul.

Basul bekam nur eine Handbewegung zur Antwort, die ihnen sagte , folgt mir.

"Es gibt einen anderen Ausgang und wenn alles gut geht,  erreichen wir ihn in zwei Stunden!"

sagte Targin nach einer Weile zu Basul.

Sie hetzten durch die Höhlen, immer mit dem Gedanken, dass hinter der nächsten Biegung

der Feind auf sie lauerte.

Targin gab fünf seiner Männer einen Befehl, sie sollten etwas zurückbleiben, damit sie nicht von hinten angegriffen wurden und schickte einen Mann nach vorn,  den Weg zu erkunden.

Aber nichts geschah,  die Götter beschützten sie.

 

Plötzlich kam der Kundschafter aufgeregt zurück, lief zum Hauptmann und berichtete ihm etwas.

Hauptmann Targin winkte den Dreien zu, sie sollten zu ihm kommen.

Dann berichtete Targin,  was der Kundschafter ihm erzählt hatte.

"Der Ausgang ist noch zweitausend Schritte entfernt, und es ist kein Feind in Sicht.

Also beeilen wir uns!"

Alle Vorsicht vergessend liefen sie zum Höhlenausgang.

Doch plötzlich zischten Pfeile durch die Luft, und  der erste der getroffen zu Boden sank,  war der Kundschafter .

Sie kamen von allen Seiten.

Targin, seine sechs Krieger  und die drei Freunde griffen zu ihren Waffen.

Dass noch sechs seiner Krieger fehlten,  schien ihren Gegnern nicht aufzufallen, zu groß war ihre Blutgier.

Die Schergen des dunklen Magier kreisten die Truppe ein.

Sie genossen es,  die Furcht ihrer Gegner zu spüren und waren sich ihrer Überlegenheit bewusst.

Bis der Moment kam,  als aus dem Dunkel der Höhlen Pfeile auf sie abgeschossen wurden,

und einige der Gegner zu Boden gingen.

Targin nutzte den Moment und ging zum Angriff über -  dem ersten spaltete er den Schädel ,

der nächste der in Reichweite seines Schwertes kam,  verlor seinen Kopf .

Es war ein kurzer Kampf, zu groß war die Verwirrung darüber,  dass  sich der Gegner neu ordnen

konnte.

Targin wurde leicht verletzt, von seinen zwölf Kriegern waren noch vier am Leben, die anderen lagen erschlagen in der Höhle.

"Lasst uns gehen !" sagte Targin leise.

Zu groß war seine Trauer um den Verlust seiner Männer.

Also brachen sie und der Rest der Krieger auf,  um endlich aus den Höhlen zu kommen, und

 wieder das Licht der Sonne zu sehen.

 

 Sie waren überwältigt von dem,  was sie sahen, nachdem sie sich an das Tageslicht gewöhnt 

hatten.

Es war eine große Wiese,  in der leichte Hügel eingebettet waren.

In der Ferne erhoben sich mächtige schneebedeckte Berge .

Über den dunklen Tannen,  die den Rand der Wiese säumten, flog ein Adler auf der Suche nach Nahrung.

"Wo sind wir hier,  es ist ein wundervolles Land und hier bin ich noch nie gewesen .

Wem gehört es?" fragte Tersal.

"Das Land gehört dem Land,

muss denn  immer jemand da sein,  der einen Besitzanspruch auf irgend etwas hat?

Die einzige, von der ich weiß,  dass  sie hier lebt,  ist eine Seherin.

Ich war noch jung,  da gingen die Alten schon zu ihr,  um ihre Deutungen zu hören!"

"Sag Targin, wie heißt sie? Vielleicht können wir etwas über unsere Zukunft erfahren!"

fragte Rempa.

" Sie heißt Elke-vom See-Stern und sie wohnt zu weit von hier, als dass wir zu ihr gehen könnten.

Nun hört auf mit euren ewigen Fragen, es nervt!"

Targin war etwas genervt,  die ewige Fragerei ging ihm auf die Nerven.

"Wir müssen uns einen Unterschlupf suchen,  es wird bald dunkel und ich hab’ keine Lust,

ungeschützt hier draußen zu übernachten!"

sagte Targin, wandte  sich ab und ging einfach davon.

 

      Kapitel   9



       Fagul stand mit seinen Getreuen und gezogenen Schwertern hinter dem zweiten Stadttor und harrte auf die Dinge, die unvermeidlich auf sie zukamen.

Das große Tor knarrte doch schon sehr,  der Druck auf der anderen Seite wurde immer stärker.
Fagul schaute nach oben und suchte die innere Mauer ab,  hinter der sie sich befanden und versank einen Moment in Gedanken an seine Jugend, wie er mit Freunden dort oben auf der Mauer herum-
kletterte und wie sein Vater mit ihm schimpfte, weil er  Angst hatte, dass seinem Sohn ein Leid zustoßen könnte.
Als die Augen Fagul's auf die Fenster der Bibliothek fielen,  dachte er an die alten Chroniken,  die nun wohl dem Feuer zum Opfer fallen würden.
Eigentlich müsste er die alten Schriften retten,  denn das ist die Geschichte seines Volkes.
"Herr, ihr seid geistig abwesend,  was bedrückt euch?"
"Die alten Bücher unseres Volkes liegen dort und werden wohl dem Feuer zum Opfer fallen, das bedrückt mich sehr.
Eine Stadt kann man  wieder aufbauen, doch die Bücher sind unwiderbringlich verloren."
"Herr geht und rettet unser Erbe und euch, wir werden den Feind aufhalten, solange es geht!"
Fagul sah ihn an , legte ihm seine Hand auf die Schulter und sah in die Gesichter der anderen Kämpfer.
"Mögen die Götter mit euch sein!" Doch in seinem Innersten wusste er,  daß das ein Abschied für immer war, diese Männer waren bereit,  für ihr Volk zu sterben.

"Geht Herr,  geht",  hörte Fagul sein Gegenüber sagen.
Fagul hetzte durch die Hallen und Räume des Palastes, endlich in der Bibliothek angekommen, hastete an den Regalen vorbei und nahm nur die wichtigsten Bücher mit, denn alle konnte
er nicht tragen. An der Tür drehte er sich noch einmal  und schaute sich in dem Raum um,  ob er wirklich das Wichtigste mitgenommen hatte.
Die Fenster im Flur, der zur Bibliothek führte, gaben eine Sicht auf das Tor frei, und Fagul sah wie das Tor nachgab.
Als es brach,  fluteten die Massen des Feindes hindurch und Fagul's Kämpfer hatten nicht den Hauch einer Chance.
Sie wurden einfach überrannt  und hatten nicht einmal die Möglichkeit,  das Feuer zu entfachen.
So blieb Fagul nur noch der Weg,  in der Bibliothek Feuer zu legen  in der  Hoffnung, es würde den Feind etwas aufhalten.
Niemals hätte Fagul gedacht,  dass er es sein wird,  der die Stadt in Schutt und Asche legt.


Endlich hatte er den Geheimgang erreicht und  wie es schien,  waren alle Bewohner der Stadt durch ihn entkommen.
Fagul war der letzte,  der sich in den Gang begab, dann aber überfiel ihn ein schrecklicher Gedanke.
Man konnte den Gang nicht mehr verbergen und es war nur eine Frage der Zeit,  dass der Feind ihn entdeckte.
Es musste etwas geschehen!

Plötzlich hörte er,  dass sein Name gerufen wurde:" Schnell,  mein Herr Fagul,  schnell - bevor der Gang bricht!"
Fagul sah,  dass  Staub und Gestein von der Decke fielen und begann zu laufen,  hinter ihm brach der Gang in sich zusammen.
Bei seinen Leuten angekommen sagte man ihm,  dass  es wohl eine geheime Vorrichtung sein musste,  die den Gang zusammenbrechen  ließ.
Der Feind konnte sie nun nicht mehr verfolgen, sie waren erst einmal in Sicherheit.
Aber sie  mussten sich auch  beeilen,  aus den Gängen zu kommen, denn durch das Abbrennen der Fackeln entstand soviel Rauch,  dass ein Atmen bald nicht mehr möglich war.
Also trieb er sein Volk, so schwer es ihm auch fiel,  zur Eile an.
Der Rauch war inzwischen so stark,  dass Fagul befahl,  nur noch alle fünfzig Meter eine Fackel brennen zu lassen.
Jetzt wurde es langsam besser, aber die Leute waren so erschöpft,  dass  es nun doch eine Ruhepause geben musste.

Nach all' der Sorge um sein Volk hatte er fast eines vergessen - Johann ! Fagul erhob sich und machte sich auf die Suche nach dem Fremden.
Es dauerte eine Weile, dann fand er Johann, auf einer Trage festgeschnallt und mit Decken zugedeckt.
Diese Trage bestand aus Finlisal,  einem Stoff,  so dünn und fein wie Spinngewebe,  aber doch stabil wie Eisen.
Wenn Johann bei Bewusstsein gewesen wäre,  hätte er gemeint zu schweben,  so fein und leicht war das Material.
Fagul hatte die Hoffnung,  dass Johann vielleicht wieder bei Bewusstsein wäre, aber es hatte sich an seinem Zustand nichts geändert.
Nach einer Stunde mahnte Fagul erneut zum Aufbruch.
So verrann eine Stunde nach der anderen und immer noch waren sie in dem Gang, er schien kein Ende zu nehmen.
Es wurde eine zweite Pause eingelegt, dann wieder einige Stunden gelaufen
Auf einmal spürten die ersten der Bakaar einen  kaum wahrzunehmenden Luftzug,  der aber bei jedem Schritt stärker wurde.
Der Ausgang schien nahe  -   und plötzlich sahen sie ihn !
Sie betraten eine große Wiese,  in der leichte Hügel eingebettet waren, dunkle Tannen säumten  den Rand der Wiese, schneebedeckte Berge in der Ferne, und als Fagul nach oben in die Wolken sah,
flog dort ein Adler auf der Suche nach Beute.

Fagul war froh,  dass sein Volk erst einmal in "Sicherheit"war.
Aber wie lange hielt diese Sicherheit an?
Fagul wusste es nicht, und er war sich auch nicht im Klaren,  wo sie sich befanden.
Hier war er noch nie gewesen.
Langsam wurde es dunkel und das Volk der Bakaar baute ein provisorisches Lager auf,  und auch Feuer wurden vielfach vorbereitet.
Vielleicht war es falsch,  den Leuten das Anzünden der Feuer zu gewähren, aber er sah das Elend und die Erschöpfung des einst so stolzen Volkes.
Nichts war ihnen geblieben  -   nur das,  was sie am Leibe trugen.
Fagul ging weiter durch die Reihen seines Volkes, er suchte Johann,  denn er wollte sehen, ob er in seinem Zustand alles gut überstanden hatte.
Denn Fagul hatte ein Versprechen geleistet, dass Johann in Sicherheit  wäre und ihm nicht noch mehr Leid geschehe.
Dann im Schein eines kleinen Feuers und etwas Abseits gelegen,  sah er auf einer Trage den jungen Mann liegen.
Als Fagul an die Lagerstatt trat,  war nur Magirta, die Schwester von Agula bei ihm.
"Wo ist eure Schwester ?" fragte Fagul.
Magirta schaute ihn stumm an und schüttelte leicht den Kopf.
"Meine Schwester Agula ist bei den Göttern. Sie ist in der Höhle in eine Felsspalte gestürzt"
Fagul blieb eine Weile bei Magirta und sprach ihr Trost zu. Es war zum Verzweifeln,  warum wurde sein Volk mit soviel Leid geschlagen?
Er kehrte zu seinem Lager zurück, um etwas Ruhe zu finden.


Doch dann fielen seine Blicke auf die alten Bücher , er nahm eines zur Hand und schlug eine
beliebige Seite auf.
Er versuchte noch etwas zu lesen,  was bei dem Licht nicht einfach war:
Endlich sind wir an Land, es hätte nicht länger dauern dürfen.
Die Leute sind glücklich,  endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.
Was wir nun brauchen ist eine Feste, vielleicht gibt es hier Wesen,  die uns feindlich gesinnt sind.
Der zweite Tag an Land.
Fagul schaute auf den Einschlag des Buches,  es war ein Tagebuch aus dem ersten Zeitalter, wie lange wird es noch dauern bis es zerfiel?
Es war alt und seine Seiten waren empfindlich,  ausserdem war Fagul auch zu müde,  um weiter zu lesen.

Gerade als er sich zur Ruh' begeben wollte,  kam ein Wachposten zu ihm.
"Mein Herr Fagul, wir haben in der Ferne Lichter gesehen, sehr schwach zwar,  aber wir sind nicht allein!"  Fagul war mit einem Mal hellwach,  die Müdigkeit war verflogen.
Sofort folgte er dem Wachposten, damit er ihm die Richtung zeigen konnte.
Und wirklich,  kaum zu sehen,  aber dort waren Lichter und so wie es aussah,  waren es auch Lagerfeuer .
Fagul gab sofort den Befehl die Feuer zu löschen, nichts sollte ihn und sein Volk in der Dunkelheit verraten.
Die wenigen Krieger, die Fagul noch geblieben waren, reichten gerade eben,  um sie zu verteidigen.
Er konnte es sich nicht leisten,  auf noch mehr Kämpfer zu verzichten, was aber tun?
Irgend etwas mußte geschehen!
Fagul kam zu einer Entscheidung,  er und drei seiner Kämpfer werden  sich auf den Weg machen,  um zu sehen,  wer sich dort befand.
Es war früher Abend,  also Zeit genug,  um hin und zurück zu kehren.
Zwei Stunden werden sie wohl unterwegs sein, schätzte Fagul.
Sie machten sich auf ins Ungewisse.

 

 

 

 

 

                                                          Kapitel  10

 

 Xatur war mit seinen Kämpfern unterhalb des Höhleneingangs ins Freie gelangt und noch bevor sie die Höhle verließen,  hörten das Gröhlen des Feindes.

                                                                                                                                                                    Sie waren sich sehr sicher, Wachen waren aufgestellt, große Feuer brannten, die Menge schrie,  es sollten sich welche die Kehle durchschneiden

oder auch „schlitz ihn auf“, war zu hören.

Das Glück war mir Xatur und seinen Männern. Es war absolute Dunkelheit, Neumond.

Der Zwergenkönig gab seinen Hauptmännern einige Anweisungen, danach verschwanden sie mit ihren Männern in verschiedenen Richtungen.

Xatur mit seiner Truppe nahm den direkten Weg, genau auf den Feind zu. Sie bewegten sich ganz vorsichtig, immer bedacht,  kein Geräusch zu verursachen.

Als sie fast so dicht waren, dass sie sehen konnten,  was dort vorging, schreckten sie zurück.

Plötzlich tauchte eine Wache aus dem Dunkel auf, direkt auf sie zu.

Die Zwerge hatten keine Möglichkeit,  der Wache aus dem Weg zu gehen, es half nur schneller und lautloser Rückzug.

Xatur überlegte fieberhaft was zu tun wäre, würden sie entdeckt,  wird er bestimmt Alarm schlagen und dann würden sie alle über die Zwerge herfallen.

Mit einem Mal strauchelte einer der Zwerge und fiel hin.

Da kam Xatur die Idee:  "Bleib liegen und spiele den Bewusstlosen,  er wird sich zu dir hinunter- beugen und dann ist es um ihn geschehen."

Xatur ging mit seinen Leuten noch ein Stück weiter zurück,  so dass die Wache,  die den „Bewusstlosen " fand,  sie nicht sehen konnte.

Nach einiger Zeit tauchte eine Gestallt aus dem Dunkel auf, es war die Wache.

Als der den Zwerg auf dem Boden liegen sah, stockte er kurz, dann ging er auf ihn zu und trat ihn mit dem Fuß in die Seite

"Los hoch mit dir! Flüchten ! Wer glaubst du, dass du bist? Ein Vogel?"

Der Zwerg kassierte noch einen Tritt,  aber trotz der Schmerzen blieb er regungslos liegen.

Zweimal umrundete der Wachposten den Zwerg, dann beugte er sich zu ihm herunter.

Das war der Moment,  auf den die anderen gewartet hatten, lautlos  stürmten sie nach vorn und ehe der Wachposten wusste,  was vor sich ging, sackte er mit durchgeschnittener Kehle zu Boden.

 

Ebenso  schnell wurde die Leiche versteckt.

Als der Trupp endlich wieder an der Stelle war,  wo der Wachposten auftauchte, sahen sie,  warum dort so geschrien wurde !

Es waren keine Truppen des dunklen Magier, das waren Sklavenhändler,  denen wieder ein Volk von Zwergen in die Hände gefallen war.

Wie  Xatur sehen konnte,  waren dort in einer Felsnische ungefähr fünfzig bis achtzig Zwerge zusammengepfercht und in Ketten gelegt .

Vier andere waren in einem Kreis -  eine Art Arena  -  sie mussten sich zur Belustigung der Sklavenjäger zerfleischen.

Es war Eile geboten, um alle zu retten.

Seine Krieger mussten inzwischen ihre Stellungen eingenommen haben

Der Zwergenkönig verließ sein Versteck und ging ohne Deckung auf die Sklavenjäger zu, die ihn zuerst überhaupt nicht bemerkten.

Also fing Xatur  an,  laut  zu rufen.

Im selben Augenblick herrschte Totenstille.

"Ich bin Xatur,  König vom Volk der Tolmaar,  und ich fordere euch auf,  die Gefangenen frei zu lassen, dann werdet ihr den nächsten Tag erleben  -

wenn nicht.................?"

 

Es löste sich eine Gestalt aus dem Pulk der Sklavenhändler und kam auf Xatur zu.

Er war riesig, und je näher er auf Xatur zukam,  je größer wurde er, Xatur schätzte ihn auf über zwei Meter.

Dicht vor Xatur blieb er stehen,  hielt seinen Kopf etwas schief und schaute ihn mit einem Grinsen an.

"Was glaubst du , du Zwerg,  du kommst hier an und wir schlottern aus Angst vor dir?

Nun hör mal zu , ich weiß zwar nicht,  wie du aus den Ketten rausgekommen bist, aber wenn du Laus nicht sofort wieder zu deinen Halunken gehst

bist du es,  der den nächsten Morgen nicht mehr erlebt!"

Xatur ging langsam einige Schritte zurück,  gefolgt von dem Sklavenjäger, der langsam sein Schwert zog.

Als er es fast aus der Scheide gezogen hatte , zischte ein Pfeil durch die Luft und durchbohrte den hals des Riesen,  der wie ein gefällter Baum zu Boden ging.

Dann ging alles ganz schnell, die Zwerge kamen von allen Seiten, die Sklavenhändler waren überhaupt nicht in der Lage zur Gegenwehr.

Nach fünf Minuten war der Spuk vorbei,  entweder lagen sie erschlagen auf dem Boden oder sie waren in die Dunkelheit entkommen .

Einige von Xatur's Kriegern wollten die Verfolgung aufnehmen, doch Xatur hielt sie zurück,  zu groß war die Möglichkeit eines Hinterhaltes

Ein verwundetes Wild wird sich auch bis zum Letzten wehren, genauso werden sich die Sklavenhändler wehren,  verschlagen und aus dem Hinterhalt.

Als erstes,  nachdem die Gefangenen befreit waren, wurden die Feuer vergrößert,  es musste mehr Licht her.

Sie waren nun um eine Anzahl Männer mehr und die brauchten Waffen.  Um diese zu finden , die von den Sklavenhändlern  bei ihrer Flucht panisch weggeworfen waren,

brauchte man einfach mehr Licht.

Xatur duldete es,  auch wenn  ihm  dabei ein ungutes Gefühl überkam.

Als alle Waffe gefunden, alle Leichen versteckt und alle Feuer gelöscht waren, zogen sie geordnet weiter zu den Hauptminen der Zwerge.

Erst wenn alle Zwerge befreit waren  konnte man es wagen,  den dunklen Magier und seine Drachen anzugreifen.

 

 

 

 

 

Vor dem Höhleneingang, durch den Basul, Rempa und Tersal vor geraumer Zeit gegangen waren,  zog wieder die Ruhe der Berge ein.

Nichts erinnerte mehr im ersten Anschein daran,  dass hier in dieser Nacht gestorben wurde.

Es war eine sternenklare Nacht und ab und zu huschte eine Sternschnuppe über den Nachthimmel.

 

 

 

 

                                                Kapitel   11

 

 

   "Ich möchte nur einmal wissen, wo der die Energie hernimmt, Pause machen kennt der

wahrscheinlich nicht." fluchte Rempa !

"Nanu,  das sind ja ganz neue Töne Rempa,  bist du endlich wach geworden?

Ich hab’ schon die ganze Zeit gedacht,  wir haben einen Schlafwandler mitgenommen.

Und nun fließt es aus ihm heraus,  wie ein Wasserfall!!" lästerte Tersal,  der neben Rempa stand .

Eigentlich meinte Tersal es ja gar nicht so, er würde auch gern eine Pause einlegen.

Gerade wollte er den armen Rempa noch ein bisschen sticheln, da meldete sich Basul zu Wort.

"Hört auf damit, wir sollten froh, dass  uns die Zwerge helfen, wieder zurück zur Stadt zu finden, hoffentlich kommen wir nicht zu spät und der Fremde ist noch am Leben."

Rempa und Tersal schauten etwas bedrückt,  lächelten verlegen und gingen weiter

hinter Targin her .

Der stampfte immer noch unbeirrt durch das hohe Gras.

 

Die Wiese schien endlos zu sein, immer wenn sie über den nächsten Hügel kamen,

tat sich eine nächste "Weite" auf. Man könnte meinen,  dass  diese Wiesen  unaufhörlich wachsen würden. Auch der Wald, auf den sie zugingen,  kam einfach nicht näher.

Langsam brach die Dunkelheit über sie herein und Targin musste einsehen,  dass sie wohl doch unter freiem Himmel schlafen mussten. Und das behagte ihm überhaupt nicht.

"Haltet,  wir werden hier übernachten, es hat keinen Zweck weiter zu gehen, da wir diese

Gegend nicht kennen,  wäre es zu gefährlich unseren Weg fortzusetzen."

Die drei Freunde ließen sich nichts anmerken, aber sie waren heilfroh,  dass  jetzt endlich

Rast gemacht wurde.

Targin bestimmte zwei der vier ihm noch verbliebenen Kämpfer für die erste Wache,

auch sagte er nichts,  als Rempa und Tersal ein kleines Feuer anzündeten.

Sie sind es nicht gewohnt lange zu wandern , erschöpft sind sie und lange halten sie es nicht mehr durch. Dem Einzigen,  dem ich noch etwas mehr zutrauen würde,  ist dieser Basul.

All’ das ging Targin durch den Kopf, aber was half ihm das,  er hatte einen Befehl seines Königs aufzuführen.

Nun,  als auch er zur Ruhe kam merkte er,  dass es ihm eigentlich auch nicht besser ging,  als den anderen. Eine bleierne Müdigkeit überfiel ihn, und der Drang sich hinzulegen, wurde immer stärker.

Zu Anfang kämpfte er noch dagegen an, aber dann fielen ihm doch die Augen zu, er schlief.

Tersal, Rempa und Basul grübelten nicht so über ihre Zukunft wie Targin, sie waren eigentlich

guter Dinge und der festen Meinung,  dass sie ihre Heimatstadt bald wiedersehen werden.

Sie freuten sich jetzt schon auf den "wilden Hammel". In der Schenke hatten sie so manchen

Krug getrunken und waren bei vielen Festen dabei gewesen.

Aber das schien ihnen  so weit entfernt . Einem nach dem anderen fielen die Augen zu.

 Die beiden Krieger hielten derweil Wache und zuckten bei jedem Geräusch , das aus der Dunkelheit drang, zusammen.

So richtig wohl war es ihnen auch nicht, immerhin waren sie nur noch acht Kämpfer,

wenn man die Menschen mitzählte.

Auch Targin,  den eigentlich nichts zu erschüttern schien,  schlief unruhig und drehte sich von einer Seite auf die andere.

 

Alpträume plagten ihn.

Er träumte von seinem König und den Kameraden,  die er verlassen mußte, er träumte auch, dass sie von dem dunklen Magier in einen Hinterhalt gelockt wurden und sein König schwer verletzt und das ganze Volk versklavt wurde.

Die beiden Wachen zogen in der Zeit weiter ihre Runden und immer, wenn sie an einem der Feuer vorbeikamen,  warfen sie einen Holzscheit in die Flammen.

Die Furcht,  dass die Feuer verloschen,  war gross  -   so konnten sie wenigstens noch etwas erkennen.

Es war alles ruhig im Lager der Menschen und Zwerge,  nur ab und zu hörte man in der Ferne

einen Wolf heulen. Immer,  wenn das geschah,  jagte es den Wachen einen Schauer über den Rücken  -  wenn nur diese verdammte Dunkelheit nicht wäre.

Sie sahen absolut nichts und hörten gelegentlich Dinge,  die nicht real waren.

Nichts wünschten sie sich sehnlichster herbei,  als die Morgendämmerung,  und dass die Sonne wieder schien.

Doch dann , es war kaum zu erkennen, eine Bewegung und ein kaum zu hörendes Rascheln

im Gras. Sie drehten aber weiter  ihre Runden so,  als wäre alles in Ordnung und gingen langsam auf ihren Kameraden zu,  um diese unauffällig zu wecken.

Als sie sich ihrem Hauptmann näherten , schreckte der schweißgebadet hoch.

"Herr,  wir glauben,  wir werden belauert, es sind merkwürdige Schatten zu sehen und ein geheimnisvolles Rascheln im Gras."

Targin und seine Leute,  die inzwischen auch erwacht waren, griffen vorsichtig zu ihren Waffen,

machten kaum zu sehende Bewegungen und doch entfernten sie sich langsam und unaufhörlich von den Feuern, die langsam aber stetig runterbrannten.

 

   Fagul mit seinen Männern  war soweit an das unbekannte Lager angeschlichen, so

dass sie die Schatten von den vermeintlichen Gegnern sehen konnten,  zwar nur schemenhaft

aber immerhin,  dort waren Fremde.

Leise und sehr vorsichtig näherten sie sich immer weiter dem fremden Lager, und so wie es schien, schliefen alle. Irgendwie mussten sie erfahren, wer dort war.

Das sollten sie aber schneller erfahren,  als  ihnen lieb war.

Plötzlich war der "Feind" hinter ihnen und sie fühlten die Spitzen der Schwerter in ihrem Rücken.

Verdammt wir waren wie Anfänger, dachte Fagul.

Sie wurden gezwungen aufzustehen und zum Feuer gebracht, Targin wollte ihnen in die Augen schauen und sehen,  wer sich um ihr Lager schlich!

Als Fagul erkannte,  um wem es sich handelte, verwandelte sich sein Pech in großes Glück,

alles hatte er erwartet  -   nur das nicht!

 

 

 

 

 

                                                         Kapitel     12

 

 

  Immer mehr Kreaturen des Schwarzen Magiers drangen in die Stadt ein.

Eine nicht endende Flut von blutgierigen Massen stürmten auf die Gebäude der Stadt zu,

schwangen ihre Streitäxte und zerstörten die Türen zu den Innenräumen der Häuser  -  auf der Suche nach Menschen.

Doch es war niemand mehr zu finden, sie waren alle fort.

 

Und doch, eine Bewegung hatten sie wahrgenommen.

Jemand hetzte durch die Straßen in Richtung auf den Palast und sofort nahmen einige der Kreaturen die Verfolgung auf.

Sie kamen dem Flüchtigen immer näher, und doch gelang es diesem, die Verfolger immer wieder in die Irre zu führen.

Er nahm Wege,  die so eng waren,  dass  nur jeweils eine Person hindurch passte, eilte durch Häuser,  die von ihren Bewohnern offen stehen gelassen wurden bei der übereilten Flucht aus der Stadt,

dann durch den Hintereingang wieder hinaus,  um so einige Meter Vorsprung zu gewinnen.

 

Der flüchtende war Fagul, als er die Bibliothek verlassen wollte. Er sah,  wie seine Leute überrannt wurden, und es blieb ihm nichts anderes übrig, er musste nach draußen und der einzige Weg führte über den großen Platz vor der Bibliothek.

Er musste es einfach wagen, wenn ihm die Götter wohl gesonnen waren, würde man ihn nicht bemerken.

Doch da hatte er sich geirrt, trotz dem  Durcheinander,  das da herrschte,  hatten sie ihn bemerkt.

Jetzt saß er in einer dunklen Hausecke und verschnaufte kurze Zeit.

Fagul hörte seine Verfolger,  nur verstand er die Sprache nicht,  sie war ihm vollends unbekannt.

Nur soviel konnte er daraus deuten , dass sie ihn anscheinend verloren hatten.

Es gab ein lautes und heftiges Wortgefecht zwischen ihnen, dann kamen Schritte auf ihn zu,

aber nach kurzer Zeit entfernten sie sich wieder,  um sich erneut zu treffen und sich zu beratschlagen.

Nach einigem Hin und Her entfernten sie sich endgültig und  nahmen einen anderen Weg, der sie von Fagul fort führte.

Fagul schaute sehr vorsichtig aus seinem Versteck in jede Richtung, ob nicht doch noch einer von ihnen geblieben war,doch sie waren alle verschwunden.

 

Nun hielt ihn nichts mehr,  er musste zum Palast und zu dem Geheimgang.  Hoffentlich hatten es alle geschafft.

 

In die Armee des Magier war inzwischen etwas Ruhe eingekehrt, überall in der Stadt hatten sie nach Menschen gesucht,  denn ihr Herr wollte einige lebend haben. Aber es hatte sich kein Erfolg eingestellt, die Menschen waren alle geflohen.

  Plötzlich, vor dem Lager der Heerführer erschien ein grüngelber Lichtkegel,  und wie aus dem Nichts stand er unter seinen Truppen:  Der schwarze Magier.

Wie auf ein geheimes Zeichen sanken alle auf die Knie,  wehe dem, der sich nicht vor ihm verneigte -  dem drohte der Tod.

 

"Wo sind die Menschen? Ich will sie sehen!"

"Mein Imperator,  wir haben nichts gefunden,  es hält sich niemand mehr von diesen Maden hier auf, wir haben alles durchsucht, es gibt hier keine Menschen mehr!" sagte einer der Anführer zu ihm.

Der Magier schaute ihn an, dann ging er auf ihn zu  und sein Gesicht verdunkelte sich immer mehr.

"Du wagst es,  mir das zu sagen? Du Laus hast versagt!" Nach diesen Worten wandte er sich ab  und sein gegenüber fiel tot zu Boden.

 

" So ergeht es jedem von euch,  der meinen Befehl nicht befolgt !

Ich will diese Menschenbrut, sucht sie!!"

Einen Augenblick herrschte absolute Stille,  doch dann kam Bewegung in die Kreaturen der Nacht, sie alle stoben in jede erdenkliche Richtung auseinander.

Einzig der schwarze Magier blieb zurück, wandte sich um,  ging in ein Haus und setzte sich dort auf einen Stuhl.

"Endlich werde ich meine Rache bekommen für die Schmach,  die sie mir zugefügt haben,

auch wenn Jahrhunderte vergangen sind, ich bin noch da!" 

 

 

 

 

 Da war der Eingang zum geheimen Gang und Fagul verschwand darin.

 

Das waren die Gedanken die Fagul durch den Kopf gingen,  als er und seine Leute entdeckt wurden und als er die Schwertspitze in seinem Rücken spürte.

Es waren Zwerge,   wie kamen die hier her?

Sie wurden gezwungen aufzustehen, und dann in Richtung des Feuers gedrängt.

Als sie dort ankamen,  wechselte die Furcht in freudige Überraschung, denn  dort ihm Schein des Feuers saßen Basul,Tersal und Rempa.

Als die drei Freunde ihren Herrn erkannten,  standen sie auf und verneigten sich vor ihm.

"Nehmt die Schwerter fort,  es ist unser Herr, er ist ein guter Mensch!

Was macht ihr hier, soweit entfernt von der Stadt,  es ist doch alles in Ordnung?" fragte Basul seinen Herrn.

"Nein,  meine Freunde,  die Stadt ist verloren, erst kamen die Drachen dann die Heerscharen des dunklen Magier .

Es war hoffnungslos,  sie waren einfach zu viele und wir mussten duch den geheimen Gang

unserer Vorväter fliehen. Nun sind wir  -  das ganze Volk der Bakkaar hier in einem uns fremden Gebiet!

 

Dort hinten lagern sie alle,  nur mit dem,  was sie am Leibe tragen, es musste alles zurückgelassen werden, um das eigene Leben zu retten", antwortete Fagul und zeigte in die Dunkelheit,  dort wo sich sein Volk befand.

"Bei den Göttern,  dann ist der Feind euch auf der Spur, wir müssen sofort aufbrechen,

einen sicheren Ort zu finden,  um uns neu zu formieren". Rempa sprang auf und fing an,

voller Aufregeung auf und ab zu laufen, und sein Blick suchte unentwegt die Dunkelheit ab.

" Sei beruhigt Rempa,  wir sind erst einmal in Sicherheit,  der Gang ,der uns in dieses Land führte,  ist hinter mir in sich zusammen gefallen.

Niemand vermag nun,  noch dort hindurch zu kommen, wir müssen nun nur Überlegen,  wie es weiter gehen soll, wenn der Morgen dämmert wird unser Volk bei uns ankommen.“  Fagul gab seinen Begleitern den Befehl,  zu den Ihren zurückzukehren,  um ihnen den Weg zu weisen.

Danach legte Fagul sich auf ein Lager,  das man für ihn bereitet hatte und schlief erschöpft ein.

 

Als der Morgen dämmerte,  war Fagul als einer der ersten wach, außer ihm war  einer der Zwerge auch schon auf den Beinen und kümmerte sich um das Feuer, das über Nacht so herunter gebrannt war, dass es kurz vor dem Verglimmen war,  doch durch die Geschicklichkeit des Zwerges brannte es bald wieder in voller Größe.

Fagul bemerkte,  das ihn der Zwerg immer wieder misstrauisch von der Seite ansah, ihm war die Gegenwart der Menschen unangenehm,  denn seit seiner Kindheit waren die Menschen Sinnbild allen Übels.

Langsam kroch die Sonne über die Berge und eben so langsam kam auch wieder Leben in die drei Freunde, die sich erst einmal ausgiebig reckten und streckten.

Fagul sah als erster einen langen, schmalen schwarzen Schatten am Horizont:

"Seht" sagte Fagul, "seht,  da kommen sie, das Volk der Bakkaar.

In einer Stunde werden sie bei uns sein".

 

Fagul wandte sich um und ging auf Targin zu.

"Wir müssen reden, Herr Zwerg".

"Mein Name ist Targin, ich bin der oberste Hauptmann meines Herrn und Königs Xatur von Tolmaar!"

"Verzeiht mir mein Benehmen,  aber nach all’ dem Unbill der letzten Zeit........!"

"Was möchte denn Herr Fagul mit einem einfachen Soldaten, wie mir, bereden, soweit ich weiß, haben die Menschen doch immer nur verächtlich auf das Volk der Zwerge herunter geschaut und uns gemieden,  wo sie nur konnten.

Und nun in Zeiten der Not......!"

Targin sah Fagul in die Augen und sah seine Verzweiflung und Ratlosigkeit,  in der er sich befand.

Er ging in Richtung einiger größerer Steine,  die dort zufällig nebeneinander lagen, setzte sich auf einen von ihnen und bot Fagul den anderen Stein zum Platz nehmen an.

 

" Was möchte der Herr Fagul mit einem Zwerg besprechen  -   ist doch seit Alters her Zwietracht zwischen unseren Völkern!"

" Es ist wahr,  dass es seit unseren Vorvätern nur Streit zwischen unseren Völkern  gab. Aber es sind andere wichtige Dinge eine Bedrohung für alle Völker in diesen Land. Die Stadt der Bakkaar ist das erste Opfer, die weiße Stadt ist auf immer verloren, der schwarze Magier rüstet, um uns zu vernichten.

Seine Macht über die Drachen und die Kreaturen,  die sich mehren wie die Blätter am Baum,  sind kaum zu bezwingen und keine Waffe vermag ihre Körper zu durchdringen. Uns allen droht die Vernichtung. Wir sollten ein Bündnis eingehen.

Nun denke ich aber,  dass es besser ist,  unsere Vorurteile abzulegen  und zusammen zu stehen gegen einen gemeinsamen Feind, der immer mächtiger wird,  weil unsere Völker sich in Plänkeleien aufreiben.

Es sollte endlich Frieden zwischen unseren Völkern  sein."

 

"Das sind große Worte,  die ihr sprecht, aber ich bin dann doch nicht der Richtige.

Ich bin nur ein einfacher Hauptmann, ihr solltet mit meinem König sprechen,  ich aber werde euch in diesen Zeiten meinen Schutz anbieten, da ich glaube,  ihr seid ein aufrichtiger Mann.

Ich werde zwei meiner Leute zurückschicken,  um meinen Herrn zu suchen, um ihm zu berichten und um Hilfe zu ersuchen!"

 

Targin stand auf,  machte eine Verbeugung vor Fagul,  wandte sich um und ging zu seinen Männern und sprach mit ihnen in der Sprache der Zwerge.

Lange dauerte das Gespräch der Zwerge, doch endlich schien man sich geeinigt zu haben, zwei der Zwerge gingen zu ihrem Lager,  nahmen ihre Waffen und

kehrten dann zu ihrem Hauptmann zurück,  bei dem sich Fagul inzwischen eingefunden hatte,  machten eine Verbeugung des Respektes vor den beiden und liefen dann zum Höhleneingang zurück. 

 

 Mit großer Besorgnis schauten Targin und Fagul den beiden nach.

 

 

 

 

 

 

 

 

     Dolgin's Reise zu den Bakkaar

                                                                                                                                           und

                                                                                                                               Johann's Rettung aus dem See 

 

 

 

 

 

 

                                                        Kapitel    13

 

 

 

        Dolgin war unterwegs zu seinem Freund aus alten Tagen.

Seit Tagen war er schon durch tiefe Wälder und Täler gegangen,  er wußte jetzt,  warum er diesen Weg nur sehr ungern nahm  -  er war einfach furchtbar !

Das war kein Weg mehr,  das war eine Zumutung, und wenn Dolgin einen Wegbegleiter gehabt hätte,  dann würde er laut vor sich herschimpfen.

"Aber was soll’s“, dachte er, „den Rest werde ich auch noch schaffen“.

Dolgin war schon sehr weit gegangen .

„Aber irgendwie war es doch merkwürdig, ist es denn schon so lange her,  dass ich hier gewesen bin“?, dachte Dolgin.

Es hatte sich soviel verändert,  dass er  immer wieder stehenbleiben musste,  um zu schauen,  ob er sich  noch auf dem richtigen Weg befand.

Dass  Dolgin das Leben im Wald gewohnt war,  kam ihm zugute .

" Noch einige Stunden,  dann werde ich es wohl geschafft haben, hoffentlich" !!

Mit einem Mal fiel ihm auf,  dass  es eigentlich viel zu ruhig war.  Wo waren die Vögel, die Rehe,  auch Wolf und Fuchs waren weder zu sehen noch zu hören.

Dolgin blieb stehen  und lauschte in den Wald hinein........Nichts.

Nur ein Rauschen in der Ferne, das aber langsam näher kam, war zu hören.

Er zog es dann doch vor,  sich ein Versteck zu suchen und abzuwarten, wer dort durch die Luft auf ihn zukam.

Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor und am liebsten hätte er sich unsichtbar gemacht, aber das gelang ihm nur in seinem Wald. Wenn er außerhalb diesem war,  war seine Zauberkraft stark eingschränkt

Dann sah er den großen Schatten, und ein alter Freund landete einige Meter vor ihm.

Es war der Adler "Hagar".

Dolgin kam aus seinem Versteck:.“ Hallo,  mein alter Freund, du glaubst nicht,  wie es mich freut,  dich wieder zu sehen .

Würdest du einem alten Mann helfen,  von hier fort zu kommen?

Das wäre sehr nett von dir!"

Und als ob Hagar ihn verstanden hätte, er drehte ihm seinen Rücken zu und sah Dolgin über die Schulter  an.

Dieser ging auf den Adler zu, und als er ganz nah bei ihm stand ,nahm ihn der Adler ganz vorsichtig in seinen Schnabel und setzte ihn auf seinen Rücken.

"Du bist ein echter Freund!

Bring mich zu dem Volk der Bakkaar, bitte" !

Und schon ging es los,  Dolgin klammerte sich in Hagar’s Gefieder fest und ehe er sich’s versah,  waren  sie schon in luftiger Höhe.

"Es ist schon bequemer zu fliegen,  als zu laufen": Dolgin hatte Mühe,  sich auf dem Rücken des Adlers zu halten,  und als ob der Adler es bemerkte,  flog er etwas tiefer,  wo der Wind nicht so stark wehte.

Dolgin war begeistert von dem Flug , wie die Berge und Wälder unter ihm dahin flogen.

Und in der Ferne tauchte plötzlich die weiße Stadt Bakkaar auf und kam schnell näher.

Hagar landete und setzte Dolgin vorsichtig auf den Boden.

Weiter wollte der Adler ihn nicht an die Stadt bringen, zu schlecht waren die Erinnerungen an die Menschen.

"Ich danke dir, mein Freund, für deine Hilfe.

Ich hoffe,  dass wir uns bald wiedersehen, pass auf dich auf !"

Hagar reckte den Kopf nach oben,  schlug mit den Flügeln und erhob sich in die Luft.

Er zog noch einen Kreis über Dolgin und verschwand in der Ferne.

 

Dolgin machte sich auf,  den letzten Rest des Weges zur Stadt zu gehen. Es war immer noch ein fantastischer Anblick , in strahlendem Weiß leuchteten die

Mauern der Stadt, goldene und robinrote Dächer funkelten in der Sonne und wechselten ihre Farbe,  wenn man den Blickwinkel änderte.

Endlich war er an dem Stadttor angekommen.

 

"Hallo,  Wächter der Bakkaar! Laßt einen hungrigen Wanderer ein!"

Von oben blickte eine Wache über die Mauer:" Wer seid ihr? Nennt euren Namen, oder geht eurer Wege“!

"Mein Name ist Dolgin und wenn  ihr mich nicht einlasst,  dann wird es euren Herrn nicht erfreuen".

Der Wächter verschwand von der Mauer und einige Minuten später begann sich das große 

Torgitter langsam zu heben,  zugleich mit dem Fallgitter öffneten sich beide Torflügel .

Dahinter stand Fagul und begrüßte Dolgin mt einer freundlichen Geste, dann kam Dolgin seiner Bitte nach,  ihm in die Stadt zu folgen, zu seinem Palast.

Dort wurde dem Wanderer eine Erfrischung angeboten, die Dolgin auch dankbar annahm.

Fagul und Dolgin waren seit langem Freunde und hatten sich sehr lange nicht gesehen, darum hatten sie sich viel zu erzählen.

Plötzlich wurde an der Tür geklopft und ein Diener betrat den Raum.

"Was gibt es?" fragte Fagul.

"Es wurde ein verletzter Mann gefunden, er schwamm bewusstlos im See.

Fischer haben ihn gefunden und in die Stadt gebracht".

 " Wo sind sie jetzt, der Verletzte und die Fischer?

Ich möchte die Fischer sprechen, sie sollen mir berichten .

Eile dich, sag ihnen,  sie mögen warten:"

"Der verletzte Mann ist bei der Amme Agula,  die Fischer stehen auf dem Platz vor ihrem Haus, auch ich habe sie gebeten zu bleiben,  da ich annahm,  ihr wolltet sie noch sprechen", sagte der Diener und nach einer kurzen Verbeugung wandte er sich zur Tür und ging zurück zu den Fischern, um sie zu bitten,  zu bleiben,  weil sein Herr Fagul Fragen an sie habe.

" Wollen wir gehen, mein Herr Dolgin, schauen was sich zugetragen hat?"

Dolgin nickte zustimmend und erhob sich aus seinem Sessel. Beide gingen nicht hastig, aber doch einen schnelleren Schritt zu dem Haus der Amme Agula.

Am Haus der Amme angekommen,  sahen sie die beiden Fischer,  die sich mit Fagul's Diener unterhielten.

Die beiden Fischer machten, als sie Fagul sahen,  wie er auf sie zukam, eine Verbeugung des Respektes.

Fagul wollte dies’ verhindern, es war ihm unangenehm,  dass sich jeder vor ihm verbeugt, da er doch nur ein Stadtoberer war und kein Adliger.

Aber es war den Leuten so erzogen worden, und Fagul hatte es eigentlich aufgegeben, nur manchmal noch versuchte  er,  solche Bewegungen zu verhindern.

 "Mein Name ist Fagul,  der Stadtobere, darf ich nach eurer beider Namen fragen?"

"Ich heiße Belatao und das ist mein Bruder Hagertul, wir waren am anderen Ende des See's beim Fischen. Da sahen wir einen riesigen Vogel,  der über die Berge flog und etwas verfolgte. Kurz vor dem See stürzte der Vogel fast senkrecht auf etwas zu, erhob sich kurz vor der Wasseroberfläche und schoß wieder in die Luft.

 Er flog in unsere Richtung und wir hatten Angst,  dass wir entdeckt würden, darum sprangen wir ins Wasser und versteckten uns unter unserem Boot.

Und selbst da spürten wir noch den gewaltigen Flügelschlag, entweder hat er uns nicht gesehen oder kein Interesse an uns gehabt.

Mein Bruder sagt,  es war ein Drache, aber das ist dummes Zeug, ich bleibe dabei!

Als dieses Ungetüm dann verschwunden war,  stiegen wir wieder in unser Boot und ruderten so schnell wir konnten zu der Stelle,  an dem dieser Riesenvogel etwas fangen wollte!"

"Es war doch ein Drache, ich hab’ ihn doch ganz deutlich gesehen, als er über uns war,  ich lasse mich nicht davon abbringen!" fiel Hagertul seinem Bruder ins Wort, doch der reagierte nicht darauf und erzählte weiter.

"Als wir da waren,  konnten wir erst  überhaupt nichts  entdecken, mein Bruder sah ihn zuerst als dunklen Fleck im Wasser,  sprang hinterher und kam mit einem jungen Mann wieder nach oben.

Dieser hatte eine schrecklich Wunde auf dem Rücken, und eure Stadt war am nächsten , so sind wir hier, mein Herr!"

"Habt Dank für euren Bericht,  können wir noch etwas für euch tun?. Benötigt ihr etwas,  so wollen wir es euch gewähren, denn für euren Mut sollt ihr nicht mit leeren Händen fortgehen!"

 "Naja  Herr,  unser Boot ist alt, und ein neues ist teuer,  aber so etwas können wir nicht verlangen".

"Nein , Herr,  es ist gut so,  wie es ist und  wichtig,  dass der junge Mann seine Gesundheit wieder erlangt. Und wenn Ihr erlaubt,  möchten wir gehen.

"Natürlich, niemand wird euch aufhalten,  ihr seid freie Menschen!" antwortete Fagul.

 

Dass  der Fischer so ausgiebig berichtet hatte,  ersparte ihm eine lange Unterhaltung, nun konnte er sich den Verletzten anschauen.

Fagul wandte sich zur Tür von Agula's Haus,  nur Dolgin schaute den beiden Fischern noch eine Weile nach,  dann folgte er Fagul.

Im Haus angekommen,  erkannte Dolgin ihn sofort, es war Johann,  dem er gesagt hatte,  er solle wieder nach Hause gehen.

Was macht er hier,  warum hat er nicht auf mich gehört, dachte Dolgin und ging an sein Bett.

In diesem Moment kam Johann zu Besinnung,  richtete sich kurz auf und redete etwas unverständliches.

 "Du Dummkopf,  habe ich dir nicht gesagt, du sollst nach Hause gehen? Aber nein, der junge Mann muß ja seinen Kopf durchsetzen, auf einen alten Mann muß man ja nicht hören!"

Johann wollte sich aufsetzen:" Bleib liegen, erhole dich erstmal, du Dummkopf und werd’ wieder gesund."

Dolgin schimpfte wie ein Rohrspatz,  eigentlich nicht aus Wut, sondern aus Sorge um ihn.

"Laß es gut sein, komm gehen wir raus, er braucht nun Ruhe!"

Sie verließen den Raum.

Dolgin, sei beruhigt, er ist bei uns in guten Händen, ihm wird hier nichts passieren!"

Dolgin sah ihn mit zuammengekniffenen Augen an:" Na gut, ich hab mich nicht danach gedrängelt,  auf ihn aufzupassen!"

Dolgin drehte sich um und ging einfach davon,  ohne ein Wort und ohne sich zu verabschieden.

"Ich werde mich nicht umdrehen und ich werde auch nicht hier bleiben, es war eine verrückte Idee hierher zu kommen .

Nein keinen Augenblick länger wird es mich hier halten, sollen sie mich ruhig bitten !"

Dolgin steuerte genau auf das Stadttor zu,  das wie von Geisterhand geöffnet wurde  und Dolgin den Weg nach draußen frei gab.

"So,  dann soll der Herr Fagul mal sehen,  was er mit dem Jungen macht"

Dolgin war immer noch im Geiste am Schimpfen,  so schnell konnte er sich nicht beruhigen.

Dann blieb er stehen und überlegte welchen Weg er einschlagen soll, den Weg, den er gekommen war,  wollte er nicht mehr nehmen.Der war furchtbar. Dann fiel ihm ein,  dass es nur fünf Tage dauerte  bis zu den Elben,  ein sehr stolzes,  aber auch hochnäsiges Volk.

Aber warum nicht, dachte er sich, gehen wir mal zu ihnen,  es wird bestimmt spaßig.

Also nahm er den Weg,  der an einer Schlucht entlang führte. Dolgin war ungefähr zwei Tage unterwegs, als er ein fürchterlich lautes Rauschen aus der Luft hörte. Schnell suchte er  sich ein Versteck, keiner sollte ihn gleich sehen können, und dieser Felsvorsprung kam wie gerufen.

Dolgin lief unter den Fels, gerade noch rechtzeitig, denn was er nun zu sehen bekam,  gab ihm zu denken. Dort oben flogen gut zwei Dutzend Drachen in Richtung der weißen Stadt.

Umzudrehen und die Bewohner zu warnen,  dazu war es zu spät, er konnte nur hoffen,  dass die Wache auf der Mauer diese Ungeheuer rechtzeitig sahen .

Aber Eines wusste er, daß das der Anfang großen Unheils war.

Als die Drachen am Himmel verschwunden waren,  wagte sich Dolgin aus seinem Versteck und schaute eine Weile in die Richtung,  in der die Drachen flogen. Wenn es dann so war,  dass ihr Ziel die weiße Stadt war,  mußte es doch etwas geben,  womit man dem Herrn Fagul und den Bewohnern helfen könnte.

Aber Dolgin befand sich praktisch im Nirgendwo,  überall nur Wald und Felsen, und der Weg zu den Elben war noch weit.

Wenn es ihm gelänge,  Hagar zu finden,  er könnte Dolgin sehr schnell zu den Elben bringen, doch wie sollte er ihn erreichen?

Da saß er nun und wusste, dass die Bakkaar dringend Hilfe brauchen würden, doch niemand wusste von der Gefahr, die alle Völker bedrohte.

Dolgin schaute die ganze Zeit auf den Berg,  der vor ihm lag und sich hoch in den Himmel erhob. " Wenn ich dort oben nach Hagar rufen würde, vielleicht habe ich ja Glück und er hört mich" diese Gedanken gingen Dolgin durch den Kopf.

Nach einigem Zögern entschied sich Dolgin, nun doch auf den Berg zu steigen, obwohl er es hasste,  irgendwo hinaufzuklettern. In seinen Wäldern gab es keine Berge und  dafür war er auch nicht geboren.

Es dauerte Stunden bis Dolgin endlich den Gipfel erreichte und er hatte von hier ober einen fantastischen Blick in alle Richtungen.

Doch von Hagar konnte er nichts sehen, was sollte nun werden ?

 

 

                                                    Kapitel  14

 

 

 

     Xatur,  der seine Leute zur Eile antrieb, war der letzte, der  den Ort des Kampfes verließ.

Doch bevor auch er hinter der nächsten Erhebung verschwand,  schaute er noch einmal zurück, ob sie nicht doch verfolgt wurden.

Als sie dann durch eine enge Schlucht mussten, befahl Xatur fünf seiner Kämpfer, den weiteren Weg zu erkunden und fünf weiteren, als Rückendeckung dazubleiben.

Es war eine enge,  bedrückende Schlucht  -   hervorragend geeignet für einen Hinterhalt.

Jetzt einfach dort hineinzugehen, wäre eventuell Selbstmord,  das wusste Xatur. Wenn es ihm erlaubt wäre , würde er selbst die Erkundung ausführen.

Doch seine Hauptmänner erlaubten es ihm nicht, weil es  einem Stadtoberen nicht gebührt,  sich in Gefahr zu begeben,  sagten sie.

Voller Sorge schaute er den fünf Kämpfern nach.

 

Die Zeit floss dahin,  wie der zähe Schleim der Fahbertala -  der größten Schnecke seines Landes.

Endlich sie kamen wieder und berichteten:

"Mein König,  wir haben niemanden angetroffen,  auch in  Höhe der Berge konnten wir niemanden entdecken.

Wir können also ohne Bedenken unseren Weg fort setzen“.

Daraufhin  sammelte sich das Heer,  um so schnell wie möglich durch die Schlucht zu kommen.

Nur die Fünf,  die die Nachhut bildeten,  blieben zurück.

Xatur und seine Krieger gelangten ohne Zwischenfälle durch die Schlucht.

Es begann langsam dunkel zu werden, und als alle die Schlucht hinter sich gebracht hatten,  suchten sie sich eine Höhle,  um dort zu übernachten.

Nun hatte Xatur Zeit,  um über sein Vorhaben nachzudenken.  War es wirklich an der Zeit,  gegen den dunklen Magier in den Kampf zu ziehen?

Konnte er es von den Männern verlangen,  für ihn zu sterben?

Selbst wenn sie nun mehr Kämpfer waren, kamen ihm doch Zweifel.

Wenn er die Leute ansah,  die sie aus den Händen der Sklavenhändler befreit hatten, so sah er völlig erschöpfte Männer,  die nur aus Dankbarkeit ihrer Befreiung mitgingen. Doch eigentlich wollten sie nur eines: Nach Hause! 

Und was war mit dem Magier,  wieviele Krieger hatte er, die die Zwerge in der Gefangenschaft bewachten?

Fragen über Fragen, Xatur ging in die Höhle legte sich hin und schlief sofort ein.

  Am nächsten Morgen rief er die befreiten Zwerge zusammen:

"Ich habe euch gerufen, weil ich zu dem Entschluss gelangt bin, dass  ich es nicht von euch verlangen kann,  für mich zu kämpfen, und ich euren sehnlichsten Wunsch in euren Augen lesen kann.  Ihr wollt nach Hause zu euren Familien und bleibt nur aus Dankbarkeit eurer Befreiung bei uns.

Nun sage ich euch, ein jeder, den es nach Hause zu seiner Familie zieht, möge gehen, niemand wird es wagen,  Böses über euch zu denken.

Das ist es,  was ich euch sagen wollte -- nun müßt ihr entscheiden."

Xatur ging langsam auf die Männer zu und schaute ihnen noch einmal in die Augen.

Nein, dachte er bei sich, nein,  sie wären nur eine zusätzliche Belastung für uns,  es ist besser, sie gehen.

Und wirklich,  die ersten Männer schickten sich an, den Weg nach Hause zu nehmen und andere folgten ihnen .

Xatur atmete erleichtert auf  -   diese Last war von ihm genommen, man gab ihnen noch Verpflegung mit, auch die Waffen,  die sie den Sklavenhändlern abgenommen hatten,  durften sie behalten.

Als Xatur ihnen nachschaute,  sah er nur einen Pulk von abgemagerten  Zwergen  -   hoffentlich kamen sie alle gut nach Hause.

 

Es wurde Zeit,  zur Beratung der Hauptleute zu gehen,  Xatur drehte sich um und ging zu seinen Leuten.

Man musste noch den Angriffsplan festlegen und ob es überhaupt einen Sinn machte, nach der Befreiung der gefangenen Zwerge den dunklen Magier noch anzugreifen.

Wie sie wohl aussahen war jedem klar, wohl genauso wie diejenigen die sich gerade auf dem Heimweg befanden.