Trächtigkeit und Trächtigkeitstoxikose
bei
Cavia aperea f. porcellus

Vorwort
In der vorliegenden Arbeit, über Trächtigkeit und Trächtigkeitstoxikose bei Cavia aperea f. porcellus, befasse ich mich mit einem Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt.
Ich bin seit einigen Jahren Halterin einer putzmunteren Rasselbande von Meerschweinchen, die mir mit ihrer Liebenswürdigkeit, ihren allabendlichen Quiekkonzerten nach Futter und ihren kleinen Macken und Marotten jeden Tag aufs Neue versüßen. Ebenso groß, wie die Freude, diese quirligen Quieker als Hausgenossen zu haben, ist aber auch die Sorge um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen. Oft mußte ich nämlich schon miterleben oder durch Berichte anderer Meerschweinchenhalter erfahren, wie rar das Wissen um die Anatomie, Physiologie und Behandlung dieser, doch recht häufig bei Haustierhaltern vertretenen, Nager in so mancher tierheilkundlicher Praxis ist. Leider führen kleine Heimtiere noch immer ein Schattendasein im Wissensrepertoir vieler Tierärzte und, wie ich während meiner Ausbildung festgestellt habe, auch einiger Tierheilpraktiker, so daß ich nicht umhin komme anzumerken, daß artgerechte Heilbehandlungen für diese Gruppe der Haustiere oft dürftig und, aufgrund mangelnder Kenntnisse und Fehlannahmen, auch teilweise falsch sind.
Ich erinnere mich mit Schrecken an einen Abend vor 2 Jahren, als ich einem Nottierarzt ein Meerschweinchenbaby mit gebrochenem Vorderbein vorstellte. Bereits durch seine Bemerkung verunsichert, daß er im Laufe seiner langjährigen Erfahrungen als Tierarzt noch niemals einen solchen Fall in seiner Praxis erlebt hätte, grauste mir um so mehr, als er mir sehr plastisch die Prozedur der Knochenverschraubung mittels eines Fixateur externe vorschlug und erklärte. Heute weiß ich, daß meine Meerschweinchendame diesen Eingriff wohl nicht lebend überstanden hätte und das ein dreiwöchiger Leukoplastverband wahrlich Größeres bewirken kann, als eine komplizierte Operation.
Man könnte nun sagen, daß ich einfach an den falschen Tierarzt geraten bin, jedoch möchte ich dies entschieden dementieren. Denn obwohl ich auch auf positive Erlebnisse in tierärztlichen Praxen zurückblicken kann, erschreckt mich doch immer wieder das Unwissen über Nager, Vögel und Exoten, das, trotz enormer Kenntnisse über Pferd, Hund und Katze, nach wie vor vorherrscht.
Um dies zu ändern, möchte ich nun, im Rahmen meiner Facharbeit, einen kleinen Einblick in das Leben dieser, historisch betrachtet sehr alten Haustierart der Caviae aperea f. porcellus, also der Hausmeerschweinchen, geben.
Auch das Thema Trächtigkeit und Trächtigkeitstoxikose habe ich aus aktuellem Anlass gewählt. Ungewollte Trächtigkeiten von Meerschweinchen aus Zoohandlungen, "Kinderzimmerzuchten" und von "Vermehrern" (Züchter, denen es ausschließlich um Quantität auf Kosten der Tiere geht) stellen ein immer größer werdendes Problem für Halter, Notstationen und Tierheime dar, wobei vor allem letztgenannte, wie ich in Erfahrung gebracht habe, aufgrund der gravierenden Unwissenheit über geschlechtsspezifisches Verhalten von Meerschweinchen und den daraus resultierenden Folgen, förmlich "aus allen Nähten" zu platzen drohen. Darum halte ich es für extrem wichtig, Aufklärungsarbeit bezüglich des Themas Paarung, Fortpflanzung und Geburt zu leisten, wie ich es im ersten Teil meiner Arbeit angestrebt habe. Hierbei gebe ich u.a. Einblicke in die Anatomie weiblicher Geschlechtsorgane bei Hausmeerschweinchen, Verhaltensweisen der Brunst und Paarung, Stadien der Trächtigkeit, Ablauf einer normalen Geburt und, was ich als besonders wichtig erachte, die richtige Bestimmung beider Geschlechter zur Vermeidung von Inzucht und Frühträchtigkeiten.
Im zweiten Teil der Arbeit befasse ich mich mit einem Thema, dessen Informationsdichte in Literatur und Internet noch recht spärlich gesät ist und besonders für Züchter und Halter tragender Meerschweinchen von Bedeutung sein wird. Die Problematik der Trächtigkeitstoxikose ist nämlich nicht nur aufgrund ihres oft unklaren Ausgangs für die trächtigen Säue und ihre Feten ein Schreckgespenst, das durch viele Zuchten kreist. Häufig scheuen sich auch Züchter und Halter von Meerschweinchen, über Toxikosefälle in ihrem Bestand zu berichten, da sie Kritik und negatives Käuferverhalten befürchten. Denn abgesehen von einigen schicksalshaften Faktoren, deren Beeinflussung außerhalb der Reichweite menschlichen Handelns liegt, kann man Vieles unternehmen, um dem Auftreten einer Trächtigkeitstoxikose prophylaktische entgegenzuwirken. Auf diese Maßnahmen möchte ich hier vermehrt eingehen, ebenso wie auf die Entstehung, Ursache, Diagnose und Therapie jener schweren Erkrankung, die trächtigen Säuen und deren Feten oft das Leben kostet, zumal auch viele Tierärzte ihr mit einiger Ratlosigkeit entgegentreten.
Mithilfe einer Umfrage unter den Mitgliedern eines Meerschweinchenforums (Danksagung)
habe ich Statistiken zu beiden Themen meiner Arbeit erhoben, die ich an geeigneter Stelle einfügen und
erklären werde.
Den beiden Kapiteln vorangestellt, ist ein Abschnitt über die Domestikation und Verbreitung unserer Hausmeerschweinchen, von ihren Anfängen bis zur heutigen Zeit, um den Lesern einen kleinen Einblick in die bewegte Geschichte dieser vielgeliebten Haustiere zu ermöglichen.
In den Kapiteln finden sich etliche Bilder und Dokumente, die dem Verständnis der Materie und der Anschaulichkeit dienen sollen.
Die in Klammern gesetzen Zahlen sind Quellenangaben und können im Menüpunkt Quellen nachgeschlagen werden
Ich wünsche allen Lesern viel Spaß beim Lesen meiner Facharbeit und hoffe, eine Lanze für meine quirligen Mitbewohner und ihre Artgenossen brechen zu können.