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"In einem anderen Land" (Brief aus Berlin) by Gültekin Cakmak Copyright © 2006 Die Hauptstadt Berlin ist in mannigfaltiger Betrachtung eine Überraschung und der angenehme Empfang und die Freundlichkeit Beatrices hat das meiste erleichtert, ja ich gestehe, dass sie ein gutes Wesen ist und die Empfindung geben kann, auf dem neuen Kontinent, mit der deutschen Kultur schnell bekannt zu sein. Ferner zeigt sie die Persönlichkeit und Fähigkeit, die es versteht das beispiellose Leben einladend anzubieten oder mitreißend teilzunehmen. Die eingehenden und namenlosen Dinge erscheinen dem Herzen, dem Betrachter seit dem ersten Tag Zutrauen erweckend und beleben das allgemeine Interesse. Als Fremdenführerin, hätte sich keine bessere finden können. Tatsächlich entspricht sie allen Erwartungen, die ich bisher hatte: nicht deutsch oder typisch europäisch zu sein, ja ich könnte sagen, sie hat das Talent, das auf der ganzen Erde heimisch ist. Seit einigen Tagen sind wir von Morgen bis in die Nacht in Bewegung, was ich noch nicht gesehen hatte suchen wir auf. Die typischen berliner Häuserblöcke mit teils kleinen oder großen Innenhöfen, die ineinander und aneinander stehen, ähneln tatsächlich einem Hut-Karton. Dem Betrachter erwartet das angenehmste Leben, indem die Anwohner das kleine bischen Erde mit einer lebhaften Kreativität, zu einem stillen Paradies, in einen genügsamen Ort verwandelt haben. Zumeist werden sie mit heimischen Pflanzen und Bäumen verschönert, mit Sitzplätzen und Tischen ausgestattet, sodass bei gutem Wetter die Anwohner beieinander sitzen können. In der Begegnung ist man sehr hilfsbereit, freundschaftlich und recht vergnügt und die Häuser aus dem letzten Jahrhundert zeigen sich uns in alten Fassaden und restaurierten Farben, als seien sie vor einigen Wochen ausgeführt worden. Die Häuser und Straßen jedoch, die nicht bewohnt und traurig in den Reihen stehen, befinden sich in dürftigen Zuständen, da sie seid dem Fall der Berliner Mauer oder von dessen Besitzern vergessen oder nicht beachtet werden. Das Auffallende aber ist, dass die Stadtteile hie und da auf etwas Kleinstädtisches deuten, da die meisten Einwohner in den eigenen Stadtteilen bleiben und das Nötigste für den Alltag finden. Im Eigenheim mögen es die Deutschen eher bescheiden, indivduell und nach Geschmack, ja fast spartanisch ausgestatt und im Somer bleiben die Fenster offen und das wenige Sonnenlicht kann endlich alle Räume überfluten und die eigene Natur steht nun im Einklang mit der Außenwelt. Seit der Wiedervereinigung ist die ehemals geteilte Hauptstadt eine Begegnungsstätte kreativer Ideen und dem Tatendrang wird von allen Seiten Beifall geleistet. Aus dieser anhaltend und allgemein herrschenden Atmosphäre und mit der nötigen Zuversicht Einzelner entstehen hier neue Hoffnungen, die in der Kunst, Politik und Philosophie aufblühen und als neue Ideale weit im ganzen Land verstreut werden, ja für die späte Zukunft des gesamten Kontinents von Vorteil sind, denn die Einheit von Ost- und Westdeutschland hat die deutschen Herzen allein nicht vereint, es hat zudem dem schlafenden Gewissen des europäischen Kontinents neues Leben eingehaucht. Die Berliner sind sich indessen einig und es ist in aller Munde, dass die zwanziger Jahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die zweite goldene, die wiedergeborenen Zwanziger des zwanzigsten Jahrhunderts sind, in der sie die Zusammengehörigkeit des europäischen Kontinents zugestehen und im Anfang des dritten Jahrtausend den allgemeinen Weltfrieden gesichert sehen möchten.Von den Stadtbewohnern, von der Nation wüsste ich nichts weiter zu sagen, als dass es Naturmenschen sind, die unter der Pracht des Landes nicht ein Haar anders sind, als sie in Höhlen und Wäldern auch sein würden. Es muss hinzugefügt sein, dass die anzutreffenden Religionen, die dahin gelangen mussten, ihren Kultus oder ihre Spekulationen auszudehnen, zuletzt gezwungen sind auf friedliche Weise miteinander zu leben. So sind Christen, Juden und Muslime im engsten Raum zusammengedrängt, zeugen Respekt und zeigen gegenseitiges Verständnis. Was den Fremden auffällt und was heute wieder die ganze Stadt reden, aber nur reden macht, sind die fremdenfeindlichen Angriffe, die gewöhnlich in allen Stadtteilen vorkommen, und ich möchte meinen, dass sie in allen Städten der ganzen Welt gegenwärtig sind. Das gut durchdachte System in der Praxis und auf dem Papier, ist uns in allen Stadtteilen gegenwärtig und beweist festgelegte Organisation bis ins kleinste Detail. Die verbindlichen Gesetze oder Vorschriften werden von der Stadtverwaltung erlassen und ohne Begünstigung und Parteilichkeit durchgesetzt. Bestechlichkeit oder Korruption ist hier nicht existent. Mit bemühter Ausdauer und größter Sorgfalt werden die Einzelheiten behandelt, die teilweise Bewunderung auslöst oder bedauerlich ist. Die Polizei ist friedlich im Umgang und besitzt höfliche Entschlossenheit, ja sie gilt als außergewöhnlich freundlich. Die Feuerwehr ist uniformiert und im Auftreten feierlich. Die Sanitäts- oder Krankenhilfe schnell und zuverlässig. Dies alles hat mich sehr beeindruckt. Berlin ist eine Welt und man braucht Jahre, um sich erst drinnen gewahr zu werden. Es existiert nichts Vergebliches oder Leeres, welches hier unmöglich wäre, es ist alles unterrichtend und bedeutend, wenn sich die Gegensätze friedlich beieinander finden. Endlich bestiegen wir den Berliner Fernsehturm. Nahe vor uns die ganze Stadt in ihrer Breite und Weite, unendlich viele Häuser, grüne Plätze, Hügel oder Kirchen. Auch finden sich aller Orten und Enden herrliche Sachen, von denen nicht so viel Redens ist, die nicht auf Postkarten oder Nachbildungen in die Welt gestreut sind. Bei dem Anblick der Kostbarkeiten reinigt und entscheidet sich das innere Bild, und nun erst kann das Gemüt die zerstreuten Stadtteile überschauen und sich mit gelassener Anteilnahme dem ganzen Stadtbild entgegen heben.Die Straßen der deutschen Hauptstadt sind eigentümlich und breit angelegt, es heißt, Berlin ist die Hauptstadt der breiten Straßen. Sie werden von der Stadtverwaltung in Stand gesetzt und täglich sauber gehalten. Zahlose Kunstepochen haben das Eigene hinzugefügt und ganz gut sind jene Bauten oder Brücken, die in der neoklassischen Zeit, im Zeitalter der Aufklärung entstanden sind, als die Europäer und die Deutschen aufstanden ihre Wurzel zu finden und das Gefundene schliesslich in Stein und Bild, für die gegenwärtige Kunst verewigten. So steht die ganze Stadt des Abends im Schweinwerfer Licht. Fassaden, Denkmäler, Kirchen, alles ist in hellen Lichtern beleutchtet und in dieser Dunkelheit hat die göttliche Kunst das eigene hinzugetan und bescheert uns ein kleines Abbild des leuchtenden Sternenhimmels. Man sieht auf beiden Seiten der Straße eine leuchtende Prozession der Lichterketten, die sich in der Dunkelheit der Nacht verlieren und das Leuchtende im Schatten ist ein lebhaftes Schauspiel, stattlich, eindrucksvoll und in allen Teilen schön. „Ja, Berlin ist jedem zu empfehlen“, wird Beatrice nie müde zu sagen und dem kann ich mit ganzem Herzen zustimmen. Nachdem wir alles beherzigt hatten, gingen wir leichten Fußes „Unter den Linden“ und jeder Schritt bietet dem Künstler die herrlichsten Gegenstände. Hier steht das Rathaus, der Hauptsitz des Bürgermeisters, das aus der Nähe zu bewundern und für das Stadtbild, für die Stadtgeschichte von Bedeutung ist, oder der Berliner Dom mit halbrunder Kuppel und vier kleinen Türmen, mit steinernen Heiligen, Spielereien und Zieraten, an den Außenwänden, die die Blicke des Betrachters anziehen möchten. Ja es ist eine ehrwürdige Stätte von himmlischen und irdischen Sphären und als Gotteshaus ein geschmackvoller Blickfang. Die Innenwände sind mit Bildern und heiligen Motiven aus der Bibel ausgemalt und der Innenraum gänzlich in Gold dekoriert und ausgeschlagen. Die Insel der Museen sind allesamt als Säulenhallen in altgriechischem Baustil ausgeführt und sind eines der Anziehungspunkte für Einheimische und Fremde. Berühmte antike Schätze aus der Antike bis in die Neuzeit sind für Jeden zugänglich und sehr häufig besucht. Die Humboldt-Universität, das Opernhaus und die anstehenden Gebäude sind gut durchdacht und bilden aneinandergereiht bis zum Brandenburger Tor ein lückenloses Ganzes. Unmittelbar vor dem „Brandenburger Tor“ breitet sich der allseits beliebte Pariser Platz zu allen Seiten aus und gilt als das Wahrzeichen der Hauptstadt Berlin. Ich konnte nur sehen und anstaunen, hier lebten zu frühen Zeiten die Vornehmen und heute stehen hier die Botschaften europäischer Staaten und die Akademie der Künste. Der Karneval der Kulturen oder die bekannte Loveparade, ist ein tolles Spektakel und allenfalls unterhaltend. Das muss man gesehen haben, um den Wunsch völlig los zu werden, es je wieder zu sehen. Die Loveparade ist eine tanzende Karawane, die sich als bewegende Schlange vom Brandenburger Tor, entlang des 17ten Juni, bis zum Ernst-Reuter Platz hinaus zögert und in der eigenen Mitte, alle Menschen lachend und tanzenden zusammen finden. Es ist ein kreisrunder Platz mit einer Säule in der Mitte und mit einem Siegesengel auf der Spitze, der mit einem Lorbeer Kranz in den Händen, scheinbar die tanzende Menge mit himmlischen Kräften segnen möchte. Ja, der Unterschied zwischen Hohem und Niedern scheint einen Augenblick lang aufgehoben: alles nähert sich aneinender, jeder nimmt, was ihm begegnet, leicht auf, und die wechselseitige Frechheit und Freiheit wird durch eine allgemeine gute Laune im Gleichgewicht erhalten. Die Bewegung ist einförmig, der Lärm betäubend, das Ende des Abends unbefriedigend. Die Hauptstädter pflegen auch die Tradition, eine Weltstadt zu vertreten und dem gehen sie entschieden entgegen, indem sie die Sympathie für alle Kulturen fördern und dankbar entgegennehmen und ich möchte die allgemeine Ideologie der Beatrice vorstellen, die mich in den letzten Tagen bewegt hatte, das deutsche Leben und der nebenan lebenden Parallelgesellschaften und deren Fortschritte, aus den kleinsten Teilen zu einem Ganzen zusammen zu fügen. „Das Zeitalter, in der die topographische Grenze und kulturelle Gewohnheit fortwährend schwindet und mit Hilfe der Technik, hier zum Beispiel: des Internets überwunden werden können, ist tatsächlich ein großer Schritt für das schnelle Zusammenfinden der Gesellschaften und dem kann lediglich ein bejahender Geist mit Dankbarkeit entgegen sehen,“ pflegt Beatrice stets zu sagen und so fand ich die Gelegenheit zu sehen, dass Beatrice etliche Sprachen spricht, Freundschaften aus mehreren Kontinenten hegt und beizeiten global und doch typisch demokratisch denkt. Tatsächlich ist die demokratische Geisteshaltung des Deutschen gegenwärtig und zudem ist der Wohlstand des Landes, in dem die Hauptstädter leben und arbeiten, ein entscheidender und fördernder Faktor, dem sich Niemand entziehen kann und Jenen, die sich dem Reichtum der deutschen Heimat kaum bewusst sind, von allen Seiten aufgedrängt wird. Die Künste werden gefördert und von der Gemeinschaft schon im Kindesalter, im Kindergarten gern gesehen. Es existieren Häuser, Ateliers und Stadtteile in denen die deutsche Kunst stets ausgestellt ist. In der ganzen Stadt sind Ausstellungen im Kleinen und Großen, es ist jedoch nicht zu übersehen, dass die Kunst durch versuchte Neuerung an Gehalt, an Stil, an Reinheit der Formen und des Geschmacks immer mehr abnimmt. Die Künstler sind aufgestanden, welche vornehmlich die Wirkung fürs Auge bezwecken, welche bei gemeinen Gegenständen durch das Gefällige der Auswirkung, andre, die sich durch Witz und Laune des Inhalts Beifall zu erwerben gesucht. Noch von andren wird ausdrücklich gemeldet, sie hätten sich vorzüglich durch die Geschwindigkeit, mit der sie arbeiten, sich hervorgetan, diese sind also genötigt, dem Ausstudierten, Genauen, Wesentlichen, dem Wohlgeendigten zu entsagen. Ja viele behaupten gar; die allgemeine Kunstszene leide an Schönheit und stiller Größe und es ist Zeit aufzustehen, um die gegenwärtige Kunst mit neuen digitalen Medien zu fördern und als neue Kunstepoche zu zellebrieren. Die bedeutendste Musik der Hauptstadt und die abendfüllenden Inszenierungen sind nach wie vor das Schauspiel, das Konzert, die Oper und das Ballet. Die Musikliebhaber haben hier ein besonders gutes Aufgebot von Mitarbeitern, die aus allen Gegenden der Erde einfliegen und als Musikanten, Schauspieler, Sänger oder Tänzer ein besonders hohes Niveau auf der Weltbühne geben. Seid den letzten Jahrhunderten und bis heute hat die klassische Musikszene, alle Tugenden der Musik beibehalten und kein Stück an stiller Einfalt oder Erhabenheit verloren. In der Modeszene wird allerdings folgendes berichtet. Es heißt, dass dem ansässigen Designer freie Hände gegeben sind und dass die zeitlose Mode zweifellos, einst aus allen Weltkontinenten entnommen und heute ein Bestandteil des deutschen Alltags ist. Das globale Denken, Handeln und Ausleben ist in Deutschland, ja in ganz Europa angekommen und wird in der heutigen deutschen Demokratie beispielthaft ausgelebt. Es muss auch betont sein, dass die heutige Jugend, die Zukunft von Europa ist und es ist tatsächlich eine vorbildhafte Jugend. Die Universitäten sind gut besucht, die Qualtifikationen haben ein fabelhaftes Ansehen und der zweifelslos gute Umgang mit fremden Sitten aus allen Weltgegenden, ist für die deutsche Jugend, für den deutschen Alltag ein willkommenes Geschenk, ja die ganze Welt hat sich hier eingeschlichen und gilt als schicke Gewohnheit, als Betonung der eigenen oder angehenden Persönlichkeit. Für die ansässige Architektur möchte ich weitestgehend einige Sätze hinzufügen. Mit gewöhnungsbedürftigen Plänen geben die vielseitig beschäftigten Architekten ein neues schemenhaftes Stadtbild vor, indem sie auf eindrucksvolle Weise, das allgemein gewohnte Stadtbild beibehalten und die Außenfassaden der neuen Behausung an die anstehenden Wohnstätten und Gebäude anpassen. Für frei stehende Gebiete jedoch, die auf Anweisung der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt werden, sind keine Grenzen gesetzt. Hier kann sich die Phantasie des Gestalters und Architekten ausleben, als Beispiel möchte ich den neuen und imposanten Hauptbahnhof empfehlen, der inmitten eines frei stehenden Feldes, in Stahl und Glas ausgeführt, vielmehr an eine auffallende und fremdartige Erscheinung aus der nahen Zukunft erinnert und Begeisterung bei allen Zuschauern auslöst. Ebenso müssen die Liebhaber der gegenwärtig ästhetischen Architektur, den neuen deutschen Regierungsviertel besichtigen. Hier ist die Architektur als gutes Abbild der tugendhaften Kunst geltend gemacht und es ist beim Anblick des neuen Regierungsviertels ganz bestimmt bestätigt. Bis heute, bin ich keinem Bewohner begegnet, der an Kälte, Durst oder Hunger leiden musste. Kleiderspenden, Suppenküchen, Obdachlosenheime sind in allen Stadtteilen gegenwärtig und dies wird von der Stadtverwaltung vehement und kostenlos gefördert. Die Reichen hingegen sind ökonomisch, halten das Vermögen zurück und leben meist im Stillen und nebenan. Es heisst sie seien oft mit allen Schichten in Gesprächen. In dieser genügsamen Hauptstadt ist es deutlich zu sehen und es ist ungünstig enstanden, dass die Deutschen zwar in Wohlstand oder Verschwendung leben und dass es den Deutschen an den wichtigsten Dingen fehlt. Einsame junge oder alte Menschen, die inmitten der Gesellschaft das fortschreitende Leben fristen, sind keine Seltenheit. Sicher ist es ein typischer Aspekt für alle konsumbestimmte Staaten, die Meisten schaffen für sich und nicht für die Gemeinschaft. Den Kindern mögt ihr lesen oder erzählen: In der feuchten, grauen Einöde ist uns, als ob der alte Weltgeist die Fäden in den Händen hält und aus der Schwerelosigkeit das Schicksal der Stadtbewohner bestimmt. Zuletzt muss ich allen empfehlen, die deutsche Hauptstadt einmal zu besuchen, denn die deutsche Hauptstadt Berlin ist inmitten Europas, das irdische, das wiedererwachte Paradies, das auch Schattenseiten hat.
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