Vernisage

Den gestrigen Abend habe ich der
Kultur gewidmet, einer bzw. meiner ersten Vernisage. Zur Einführung
hielt ein Kulturbeauftragter der VHS eine Rede, in der er uns
anwies, wir sollen mit den Ohren sehen und den Augen hören. Ich
hab`s wirklich versucht, bei mir funktioniert das nicht.
Dennoch habe ich meine Knöppe wieder aufgemacht und mir die Bilder
auf herkömmliche Art und Weise angeschaut. Wolfgang Henze ist
tatsächlich Künstler, einige seiner Bilder hätte sogar ich daheim
an die Wand genagelt. In einen Großteil seiner Werke hatte er
Gegenstände des Alltags eingebunden, die laut Aussage des
VHS-Experten in diesem Kontext eine besondere Deutung haben. Er
erzählte irgendwas von "interdisziplinarisch", aber um das zu
kapieren, bin ich anscheinend zu blöde. Abgenutzte Teebeutel
und andere Alltagsgegenstände waren in unterschiedlichen Farben zu
verschiedenen Mustern zusammengeklebt. Als erstes fiel mir bei der
Betrachtung Otto Waalkes ein. Wie war das noch mit der Entsorgung,
nachdem die Mülltrennung in Deutschland immer populärer wurde? Den
Tee in die Öko-Tonne, den Beutel in den Papiercontainer, und die
Metallklammer muss selbstverständlich extra entsorgt
werden.
Zurückhaltend wie ich bin, musste
ich das natürlich gleich in die Runde blöken. Einige Leute fanden
das allerdings gar nicht so lustig. Sie guckten mich ganz komisch
an. Erkennt man eigentlicht den künstlerischen Sachverstand daran,
dass man sich so richtig aufbrezelt? Boaaah, waren die alle fein
angezogen! Dann habe ich mich natürlich mit meinem Outfit (Jeans
und T-Shirt) gleich öffentlich disqualifiziert bei diesen
Möchtegern-Experten.


