Malu on Tour (Teil 2)
Reisetagebuch Frankreich, Sommer 2002
11.7. Köln - Le Tréport
Direkt bis die Küste, Regen ohne Ende, es stinkt erbärmlich. "Der
Wind steht falsch", klärt mich der Nachbar auf. Mein Wörterbuch
sagt mir, dass er von der Müllverbrennungsanlage nebenan geredet
hat. Kochen, Fernsehen, ab in die Falle.
12.07. Le Tréport St. Valerie en Caux
7.30 Uhr Draussen hupt ein Hirni ohne Ende, ich stehe im Bett.
08.30 Uhr, das gleiche Spiel. Entnervt stehe ich auf, um dem Deppen
mal meine Meinung zu geigen, ich hab schliesslich Urlaub. Was sehe
ich? Einen Bäcker, der mir ein noch warmes Baguette entgegenhält.
Ich bin versöhnt mit Frankreich. Nach dem Frühstück WoMo packen, ab
ins Städele, feiner Bummel, bei dem mir ein popliger 24-Bilder Film
für 9 Teuro angeboten wird. Keine Frage, dass ich auf diesen Kauf
verzichte.Weiterfahrt nach St.Valerie en Caux. Ein kleiner
Stellplatz direkt an der Hafeneinfahrt unter den riesigen Klippen.
Die Möwen kreischen, das Meer rauscht - und im Womo neben mir übt
einer Klarinette. :-( Also nix wie weg, den Ort anschauen.
Ein nettes kleines Städtchen, leider total bewölkt, ab und zu Regen
wie aus Eimern und es ist saukalt.
13.07. St.Valerie en Caux Honfleur
Direkt an der Küste entlang über Frécamp - Etretat - Yport nach
Honfleur. In Etretat hätte ich ja gerne Station gemacht, aber
Parkplatz hamna (gibt es nicht, wie der Afrikaner sagt). In
Honfleur die letzte freie Steckdose am Stromkasten erwischt.
Ein herrliches Städtchen, allerdings ziemlicher Touristenrummel.
Riesige Ausflugsschiffe mit tausenden Rentnern. Trotzdem, der Ort
hat was. Abends, bei herrlichem Wetter in der Altstadt ein
Straßencafé gefunden. Irische Life-Musik am Nebentisch
(Gitarre/Banjo/Akkordeon), einfach Spitze. Ich bin erst gegangen,
als der Wirt ins Bett wollte.
14.07. Honfleur - Arromanches
Puh, Sonntag. Alle Franzosen scheint es ans Meer zu ziehen.
Immer die Küstenstraße lang. Die Fahrt durch Trouville und
Deauville war die Hölle, total enge Straßen, und die Deppen parken,
wie sie wollen, Centimeterarbeit, da durchzukommen. Der Platz in
Pont en Ville, den ich eigentlich nehmen wollte, machen die erst ab
18:00 Uhr für WoMo`s auf, also weiter bis nach Arromanches. Der
ganze Ort steht im Zeichen der Alliierten. Oberhalb des Städtchens,
am 360° Kino, darf man auch nachts stehen bleiben. Ein Platz mit
herrlicher Aussicht übers Meer - falls sich der Nebel denn mal
verziehen sollte.:-(
Jetzt hab ich Depp endlich auch mitgekriegt, warum hier
überall die Blaskapellen langlatschen - 14.7. - Nationalfeiertag
der Franzosen! Der Nebel hat sich endlich verzogen, aber mit ihm
auch alle anderen Wohnmobile. Da übernachte ich doch lieber unten
im Ort auf dem offiziellen WoMo-Stellplatz. Als ich ankomme, ist
der rappelvoll, aber quer an der Ausfahrt passe ich grad noch
rein.
15.07. Arromanches - St. Vaast la
Hogue
Traumwetter, keine Wolke am Himmel. Vom vielgepriesenen
Port-en-Bessin hab ich mangels Parkplatz nicht viel gesehen. Dafür
war ich am Oklahoma-Beach, Utah-Beach und in *Mt.-Sowieso?* in
einer Kirche. Jetzt hab ich die Nase voll von D-Day, Invasion etc.
- genug Geschichte!Der Stellplatz in St. Vaast la Hogue liegt
direkt am Hafen, traumhaft! Wenn die Batterie nicht schlappmacht,
bleib ich hier 2 Nächte, schaumermal.
16.07. St. Vaast la Hogue - St. Germain
S/Ay
Euro Relais, toll! 2 Teuro für 100l Wasser, und alle 3
Liter muss ich den Knopf neu drücken, da kommt Freude auf. über
Barfleur (P auf der Kaimauer) die Küste lang - St. Pierre Eglise -
Briquebec nach Carteret. MIr ist nach stundenlangem Duschen, also
auf geht`s (zum 1. Mal auf dieser Tour) zum Campingplatz in St.
Germain S/Ay. Den Strand hab ich dort gesucht und gefunden, nach
fast einem Km Fußmarsch.
Das Duschen war ein Erlebnis der besonderen Art. Nicht nur,
dass ich Döspaddel zwei Flaschen Haarspülung und kein Schampoo
beihatte, es gab auch keinen Temperaturregler. Aber meine
Befürchtung, dass ich nun kalt duschen muß, erwies sich, Gott sei
dank, als unbegründet.... -...ich hab mir fast das Fell verbrannt!
Daher war die ganze Aktion ein sehr kurzes, höchst zweifelhaftes
Vergnügen.
17.07. St. Germain - Brehal - St.
Martin
Herrliches Wetter, heute stand mir der Sinn mehr nach
Abhängen als nach Fahren. Handy auch leer, daher mal wieder an ne
Steckdose und Campingplatz, zumal die kaum teurer sind als manche
Stellplätze. Bréhal, für 2 Nächte 14,30 Euro. Die erste Rollertour
der Reise nach St. Martin gemacht. Marquise raus ist nicht, es ist
total windig. Der CP liegt in den Dünen an einem wunderschönen
Sandstrand, hat was.
19.07. St. Martin - Mt. St. Michel
2 Nächte Camping reichen! über Granville (Stellplatz wg.
Entsorgung aufgesucht) auf direktem Weg nach Mt. St. Michel. Schon
15 km vorher hat man einen tollen Blick auf das Kloster. Riesiger
Park-/Stellplatz direkt unter der Abtei, ansonsten knallheiß und
traumhafter Blick.
So, Kulturprogramm abgehakt! Auf dem Weg nach oben kam ich
mir vor wie im Phantasialand, eine Fressbude neben dem anderen,
dazwischen reichlich Andenkenläden - Horror! Aber das Kloster ist
schön, alles sehr schlicht, war beeindruckend. Und die Aussicht von
oveb über die Bucht - einfach traumhaft.
20.07. Mt. St. Michel - Préhénel
Heute Nacht um 12:00 Uhr mit netten Nachbarn und einer
Flasche Wein auf meinen Geburtstag gewartet. Das Telefon stand
heute nicht still, alle haben angerufen, bis auf Mäuschen, die hat
ihn verpennt. Heute ging es hoch zum Cap Fréhel, eine herrliche
Heidelandschaft auf der Steilküste, ein gelb-lila Blütenmeer.
Seltsamerweise stand ich auf dem Stellplatz alleine, daher auf den
CP nach Préhénel.
21.07. Préhénel - Binic
Über Erguy zwecks Ver- und Entsorgung nach Binic. Das war
auch gut, in Binic, wo die Sani-Station sein soll, ragten nur 3
Kabel aus der Erde. Kleinen Hafenbummel gemacht, am Strand mal die
Füsse ins Wasser gehalten, aber heute ist bewölkt und ein ziemlich
kalter Wind.
22.07. Binic - Plouha
Was ne Nacht! :-( Ich wusste ja vorher, dass ich 2m
neben dem Spritzenhaus stehe, aber dass die Feuerwehrjungs heute
Nacht um 1:00 Uhr mit Blaulicht und Martinshorn direkt nehmen
meinem Bett randalieren, das war die Härte! Zudem hatte ich bis
Mitternacht das Gefühl, unter einer 6-spurigen Autobahn zu pennen,
soviel Verkehr auf der vorbeiführenden D 786. Um die lauschige
Nacht abzurunden, erschien mit Getöse die Müllabfuhr um 5:45 auf
dem Platz. Mir langt es, nix wie weg!
Das war nur eine Etappe von ca. 10km. Der Stellplatz liegt
direkt an einer Badebucht, die sich nachmittags füllt. Direkt
vor mir Dutzende alte Männer, die Boule spielen. Meine Bordbatterie
hat nicht mehr geladen, lag nur an der Sicherung. Bin noch ne 2.
Nacht hier geblieben, habe nette Leute
kennengelernt.
24.07. Plouha - Paimpol -Tréguier
Was für ein Tag heute! Erst mal in Plouha im Supermarkt
eingedeckt und dann immer die Küste lang. Am Pointe de Minard mit
einer traumhaften Aussicht Mittag gegessen und nun habe ich einen
Stellplatz am Hafen direkt an der Kaimauer in Paimpol. Erst mal die
Altstadt erkundet, nettes Städtchen.
Da meiner Bordbatterie immer leerer wird, habe ich
entschlossen, doch etwas weiter zu fahren bis nach Tréguier, um
etwas aufzuladen. Auch hier der Stellplatz direkt am Hafenbecken
unterhalb des Zentrums, wo heute dicke Fete ist. Der Turm der
Kathedrale St. Tugdual ist hinter einem Baugerüst verschwunden,
dafür habe ich das Geburtshaus vom Pinsler Renan
entdeckt.
Als ich meinen Fernseher startklar machen wollte, kam`s
dann: Der Receiver am Glühen und er mag nicht mehr. Das
Boilerwasser mal wieder ausgelaufen. Da der Receiver (immer auf
standby) sich nicht ausschalten lässt, verbringe ich die Nacht ohne
Strom, da ich Angst habe, dass die Kiste mir
abfackelt.
25.07. Tréguier - Pleumeur-Bodou
Direkt gegenüber entdecke entdecke ich einen Laden
fürSatellitenanlagen. Nachdem ich mein Problem geschildert habe,
baut so ein Hansel das Teil aus und verschwindet im
Laden.Warten...... erst eine Stunde......dann noch eine, dann langt
es mir. Ich gehe in den Laden, mein Receiver steht auf dem Thresen,
der Hansel verschwunden und eine ältere Dame erklärt mir: "Il est
en panne." Na klasse, das wusste ich auch vorher. Ich meinen
Receiver geschnappt, festgezurrt und weiter geht es. Erst mal in
Trégastel ver- und entsorgen. Der Stellplatz gefällt mir nicht also
weiter. Nach dem Kauf eines neuen Receivers erst mal auf nen
Campingplatz, die Wäsche schreit nach Reinigung. Auf dem Camping du
Port habe ich mich erst mal häuslich eingerichtet. Markise raus,
Roller runter, den mal waschen und anschliessend gleich mal das
WoMo putzen, Bett beziehen. 1 Waschmaschine, 1 Trockner für
schlappe 6,80 €, und nicht, dass die Wäsche etwa trocken wäre. Und
Glückspilz, der ich bin, fängt es an zu schütten, als ich die
Wäsche gerade aufgehängt habe. Naja, das war Hausfrauentag pur -
ich hasse es!!!!! Als ich am 27. aufstehe, ist mein linkes Auge
total zugeschwollen. Na klasse, bin zwar als Einäugiger unter den
Blinden König, aber so mag ich doch nicht fahren, also wird der
Aufenthalt verlängert.
29.07. Pleumeur-Bodou - Roscoff - St. Pol de
L�on
Meine Roller-Bühne macht mich fertig, entweder klemmt die
Halterung oder alles quietscht wie blöd, habe zigmal angehalten.
Der Stecker vom neuen Receiver hat nen Wackelkontakt, aber sonst
geht`s. Die Strecke heute war herrlich, leider war es ziemlich
diesig. Erst habe ich den Stellplatz in Roscoff angefahren.
Meerblick ist da nicht, die Hecken sind zu hochgewachsen. Da der
Platz so hängt, dass ich nicht mal mit Keilen einigermassen gerade
kam, bin ich zurück nach St.Pol de Léon, wo ich direkt an der
Kaimauer übernachte.