
Wasja in Gießen
Wasja hat die weite Fahrt gut überstanden und war
recht lieb. Er hat kein "Katzentheater" gemacht und brav die 500 km und 4,5
Stunden Fahrt hinter sich gebracht. Mein kleiner Held - komm bald wieder gesund
nach Hause!
12.09.2005:
Wasja hat seinen ersten Tag überstanden. Das
Toraxröntgen brachte keinen Befund. Puh.. Wie geahnt frisst Wasja aber nur in
Handfütterung. Ansonsten ist er wohl recht lieb. Wasselbär, Du fehlst
uns...
13.09.2005:
Wassel macht es spannend wie immer. Heute kamen
seine Blutwerte:
T4 - leicht erhöht (auch nach Gießener
Referenzwerten - Referenzwerte sind von Labor zu Labor
unterschiedlich)
T3 - grenzwertig
TSH - grenzwertig
Also fällt morgen bei der Szintigrafie die
Entscheidung , ob Jod oder nicht Jod. Wenn sich die Ärzte in G. gegen Jod
entscheiden, muß ich besprechen, wie es weitergeht. Gefressen hat Wasja ganz gut
Trofu und Leckerlis und Wasja läßt seinen "Katercharme" wohl jetzt bei der TA
spielen..
14.09.2005:
Die angestrebte Theraphie hat
noch nicht stattgefunden. Nähere Infos erfolgen am Montag, den 19.09.2005, wenn
ich aus Gießen zurück bin. Bis dahin bitte ich um Ihr Verständnis für die
Informationspause. Danke!
Für heute kann ich erst mal folgendes aussagen -
aber genaueres kommt am Montag:
Es gibt gute und schlechte
Nachrichten:
Gut - Wasja hat keine Tumore
Schlecht - Die Jodtherapie kann jetzt noch
nicht gemacht werden. Wasja hat einen erhöhten T4-Wert - aber auch eine
Restfunktion TSH und das darf nicht sein. Wenn er jetzt das Jod bekäme, würde
seine komplette Schilddrüse zerstört.
Ich versuch Euch das mal bildlich zu erklären.
Stell Euch vor, in Wassels Schilddrüse gäbe es ein kleines Kämmerlein. Das muß
völlig leer sein, denn da käme das Jod rein. Wenn da aber noch TSH drin ist ,
schwemmt das über in die ganze Schilddrüse und zerstört sie für immer =
lebenslange Schildrüsenunterfunktion = Hormontabletten.
Da Wasja noch sehr jung ist und keine Tumore hat
- gibt es keinen Grund, dies zu tun.Somit ist die Sache leider nicht ausgestanden.
Wassel muß jetzt regelmäßig Blut nach Gießen schicken.
Wenn das TSH verschwindet, muß er nochmal hin.
Wenn nicht, dann ist er einer von vielleicht 20.000 Katzen, die mit einem
erhöhten Wert geboren sind und damit leben.
Aber das kann man erst sagen,
wenn er mindestens 2 Jahre alt ist. Und da haben wir es wieder - es gibt keine
Studien über sowas, da das sehr selten ist .
So richtig glücklich bin ich nicht - die
"Wackelfahrt" ist also leider nicht zu Ende, sondern geht nur in die nächste
Runde.
Also kann Wassel nach Hause - aber leider kann
ich ihn erst Montag abholen - ich habe vorher kein Auto und Bahn kommt für
meinen kleinen "Schisser" nicht in Frage.Aber er frisst gut und ich werde auch weiter
jeden Tag angerufen, wie er sich verhält. Aber er hat sich ja inzwischen zu
Liebling der Station gemausert – er schäkert mit jedem…
15.09.2005:
Wasja gehts gut, die Narkose von gestern ist
vergessen. Er frisst - immer mehr, schmust und becirct das
Klinikpersonal.
20.09.2005:
Den
Arztbrief aus Gießen erhalte ich erst per Post, Auswertungen erfolgen dann. Aber
Wasja ist wieder zu Hause und seine Geschichte geht weiter .
Die erste, erneute Blutabgabe ist in 4 Wochen
angesetzt.
21.09.2005:
Wasjas Befund:
Grund der Vorstellung: Verdacht auf
Hyperthereose
Diagnose: Euthyreose
(eingeschränkt)
Therapievorschlag: Absetzen des
Thiamazols
Gesamtbeurteilung:
Die Katze Wasja wird mit gutem Allgemeinbefinden
und ungestörten Vitalfunktionen entlassen. Die durchgeführten Untersuchungen
ergaben keinen Hinweis auf das Vorliegen einer Schilddrüsenerkrankung. Bei den
Blutuntersuchungen liegt das FT4 unverändert geringgradig über dem
Referenzbereich. Die Schilddrüsenszintigrafie zeigt eine physiologische
Nuklidspeicherung. Es ergab sich daher keine Indikation zur Durchführung einer
Radiojodtherapie.
Wir raten zum Absetzen des Thiamazols und zu regelmäßigen
Kontrollen der Schilddrüsenwerte. Dazu bitten wir um Zusendung von jeweils ca. 1
cm Serum zur Bestimmung der entsprechenden Werte.
Anamnese:
Fundkatze mit Tierheimaufenthalt, wurde im März
2005 übernommen. Hatte in Folge eine Halsentzündung und Colivirus, bekam 10 tage
Baypamun subkutan. Im Tierheim Coronavirustiter 1:200, dann 1:800. Anschließend
Katzenschnupfen, Behandlung mit Euphorbium D4-spray. Zeigte darüber hinaus
Ruhelosigkeit, schlechtes Fell, hatte Leckekzem am Hinterbein, späterAnorexie,
Aufbaunahrung zugeführt, Blutuntersuchung, T4: 4,7, Normbereich bis 3,9.
Thiamazol 2,5 mg täglich verordnet. 6 Wochen später Kontrolle: T4 2,7, Dosierung
beibehalten bis 2 Tage vor Aufnahme. Vorstellung zur Szintigrafie und ggf.
Radiojodtherapie.
Impfung
regelmäßig: ja
Entwurmung
regelmäßig: ja
Haltung:
Wohnung
Gebrauchszweck: Familienmitglied
Vorwiegende
Fütterung: Fertigfutter trocken/feucht
50/50
Futteraufnahme: normal
Wasseraufnahme: normal
Harnabsatz: Physiologisch
Kotabsatz: Normal
Test
auf Infektionskrankheiten: Coronavirus 1:200
Temperatur:
38,7 Verhalten:
ängstlich
Haarkleid:
Dichte: Alopecia
areata
Lokalitäten. Links cranial Schultergelenk ca. erbsengroße haarlose
Stelle, linke Hintergliedmaße medial am Oberschenkel schütteres Fell mit
narbiger
Hautveränderung
Haut: o.B.
Schleimhäute: o.B.
Lymphknoten: o.B.
Puls:
Frequenz:
168 regelmäßig, gleichmäßig
Größe und Stärke:
Mittelgroß - mittelkräftig
Kreislauf:
KRZ (sec):
1,5 Herzfrequenz: 168
Herzstoß:
beidseitig fühlbar
Atmung:
Atemfrequenz: (A/min):
36
Oberer
Respirationstrakt:
Schilddrüse: nicht
palpapel
Thorax: o.B.
Oberer
Digestionsapperat: o.B.
Abdomen
After und
Umgebung: sauber
Harnapperat: o.B.
Geschlechtsapperat: o.B.
Röntgen Thorax
Knöcherne
Begrenzung: obB
Zwerchfell:
steht
Trachea: obB
Ösophagus: nicht
sichtbar
Mediastinum: nicht eindeutig
abgrenzbar
Lunge: obB
Gefäße: obB
Herz:
Aortensprung erscheint prominent
Blutdruckmessung: 140 mm Hg
systolisch (Doppler Methode)
Endokrinologie
Schilddrüse:
FT3 2,9 pmol/l Norm <
4,8
FT4 27 pmol/l Norm 7,7 -
24,8
TSH-b 0,05 mU/l Norm >
0,04
Szintigrafie mit 40 MBq Tc99m-Pertechnetat am
14.09.2005
Befund:
Im Bereich der Schilddrüsenloge findet
sich beidseits eine physiologische, gering rechtsbetonte und insgesamt etwas
intensivierte Nuklidspeicherung, ansonsten keine wertbare Nuklidspeicherung.
Beurteilung:
Bei der Katze Wasja findet sich eine allenfalls
geringfügig hyperthyreote Stoffwechsellage ohne TSH Suppression. Auch
szintigraphisch gelangt kein Nachweis einer Autonimie, die gering vermehrte
Nuklidspeicherung beider Schilddrüsenlappen ist am ehesten auf eine Jodverarmung
der Schilddrüse auf Grund der Thiammazolmedikation zurück zuführen. Insgesamt
ergibt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt keine Indikation zur
Radiojodtherapie. Wir empfehlen eine regelmäßige Kontrolle der
Schilddrüsenhormone.
Blutbild: auf Maßeinheiten wurde
verzichtet!
Anordnung der Werte: Parameter
- Referenz - 12.09.2005/Wasja
Hämatologie:
WBC 6,0-18,0 15,5
A-neutr. 2,5-12,5 10,66
A-lymph 1,5-7,0 3,95
A-mono 0,04-0,85 0,62
A-eos 0,00-1,50 0,27
A-baso <
0,04 0,01
A-luc/undiff 0,03-0,58 0,01
RBC 5,0-10,0 10,64 +
RDW % 15,7
Hämoglobin 4,9-9,3 9,60 +
HTc 024-0,45 0,45 +
MCH 0,77-1,1 0,90
MCHC 18,4
-22,0 21,05
MCV 40-55 42,60
PLT 180-550 116 -
Große
PLT 18
PLt, milt.
Garnularität 20,2
Klinische Chemie:
Harnstoff 7,14-10,7 6,42 -
Kreatinin 0-168 107
Na+ 147-156 151
Cl- 115-130 115
K+ 3,6-4,8 3,50 -
Ca2+ 1,15-1,37 1,36
Anorg.Phosphat 0,8-1,9 1,79
Totalprotein 54,7-78,0 81,8 +
Albumin 21,0-33,0 31,1
Globulin 26,0-51,0 50,5
Glukose 3,89-6,11 4,85
Bilirubin <
3,4 1,92
Cholesterin 2,46-3,37 2,59
Trigliceride 0,57-1,14 0,37 -
AP <
39,7 39
ALT <70 41
GLDH <
11,3 1
Die nächste Blutkontrolle wird ca. am 20.10.2005 stattfinden -
welche Ergebnisse sie bringt, kann ich noch nicht sagen.
Weiter gehts jetzt mit Wasja wieder in "seiner Geschichte"...