Mein Leben
1936
in Weiden/Opf. als Sohn eines Ingenieurs und einer Krankenschwester geboren, musste ich schon im Alter von einem Jahr mit umziehen, in die Heimatstadt meiner Eltern, Leipzig, weil sie mit ihrem Autohandel inkl. Reparaturwerkstatt und Tankstelle in Weiden doch nicht Fuß fassen konnten.
1942
Hier kam ich 1942 zur Schule, während mein Vater als Major(Ing) zur Marine nach Kiel eingezogen wurde.

Vati auf Urlaub 1943
1943
Meine Mutter zog dann 1943 mit mir und meiner 1942 geborenen kleinen Schwester nach dem Marktflecken Schlieben in der Niederlausitz um uns die Schrecken der Bombennächte zu ersparen.
Dafür erlebten wir gegen Kriegsende fast tägliche Tieffliegerangriffe, die uns Kinder meist auf dem Schulweg trafen. Wer schnell genug sich in Türnischen drücken konnte, sah und hörte zwar die Geschosse auf der Straße einschlagen, kam aber mit dem Leben davon, wenn er die Wendezeiten der Jagdflugzeuge geschickt nutzte, einige Häuser weiter zu kommen. Wir waren alle sehr flink. Keinen meiner Schulkameraden hat es dabei erwischt...
1945
Noch vor Ende des Krieges, Anfang April, rückten die "Russen", in Wirklichkeit ein buntes Völkergemisch, in dem Ort ein. Sie blieben nicht lange, ging doch der Angriff Richtung Berlin weiter. Wir dachten schon, sie wären abgezogen, so leer war die Gegend von jedem Militär. Keine deutschen, keine sowjetischen Soldaten mehr zu sehen.
Aber Ende April kehrten sie zurück und richteten sich häuslich ein. Von dem noch geltendem Kriegsrecht gedeckt, gaben sie erst einmal den Ort zur Plünderung frei. Alle Hausbewohner mussten sich jeweils in ein Zimmer des Hauses zurückziehen, durften die Tür sogar verschließen. Das Dorf war scheinbar
menschenleer. Erst am nächsten Morgen konnten die Leute wieder in ihre Wohnungen um zu sehen, was übrig geblieben war...
In dem Haus, in dem wir zur Untermiete gewohnt hatten, die stattliche Villa des ehemaligen Molkereibesitzers, richteten die Sowjets ihre Komandantur ein.
Wir mussten, mit max. 25 kg Gepäck das Haus innerhalb von 2 Stunden verlassen.
Eine Bauersfrau nahm uns auf.
Allen Deutschen in der Straße ging es ebenso wie uns. Die ganze Bahnhofstraße war beschlagnahmt worden, um den Offizieren nach den sicher anstrengenden Fronttagen eine halbwegs anständige Unterkunft zu gewähren. Mannschaftsdienstgrade schliefen im Freien, bestenfalls unter primitiven Zeltplanen. Die Straße wurde abgesperrt. Am Straßenende wurde zwischen zwei Dachgiebeln eine Leine gespannt, an der zusammengenähte Betttücher als Kinoleinewand befestigt wurden. Abends lief das sowjetische Frontkino. Wir Kinder konnten das Leinwandgeschehen von der Rückseite betrachten. Verstanden von der Sprache natürlich kein Wort...."
http://radefeld.beepworld.de/schlieben1945.htm
1945
Ab Ende 1945 wieder in Leipzig. Mit allen Widerwärtigkeiten die die zerstörte Großstadt zu bieten hatte. Und es war doch eine Zeit des Aufbruches, und der, wenn auch äußerst langsamen, Normalisierung des Lebens.
Auch- und natürlich im Besonderem-, was meine Erziehung betraf. Ziemlich streng erzog mich Mutter -nach heutigen Maßstäben-, damals eher im absolut normalen Rahmen.
http://radefeld.beepworld.de/leipzig1945-1948.htm
1950
Endete die Grundschulzeit nach damals 8 Jahren. Für mich waren es eigentlich nur 7 gewesen, denn ich hatte wegen einer Hilusdrüsen-TBC nicht einen Tag den Unterricht in meiner 5. Klasse besucht. Wurde trotzdem versetzt, nachdem der Klassenlehrer festgestellt hatte, dass ich den Stoff trotzdem beherrschte. Nur wenige, kaum 10% (!), konnten die Oberschule bis zum Abitur nach der 12.Klasse besuchen. Das war damals noch keine solche Massenerscheinung wie heute. Aus 40 Grundschülern hatten es nur 3 bis zum Abi geschafft. Dafür nahm uns aber JEDE Hochschule, und das OHNE weitere Prüfung.

Abiturklasse 12b3 der Leibnizschule Leipzig 1954
Und das sind die Klassenkameraden, die wir zum 50.Abi-Jubiläum noch erreichen konnten
1954
Ich entschloss mich, ein Studium in Betriebs- und Verkehrstechnik, speziell der Eisenbahn, aufzunehmen.
Vorher war aber noch ein praktisches Jahr als ganz normaler Rangierarbeiter im durchgehenden Schichtdienst zu absolvieren. Ist mir ziemlich schwergefallen.
Anschließend Studium -6 Semester- und Abschluss als Dipl.Ing.(FH) in Gotha.
Nach 1 1/2 Jahr Praktikantenzeit auf einem kleinerem Bahnhof übernahm ich schließlich die Leitung dieser Dienststelle.
1960
Wurde aber 1 Jahr später zum Dispatcherdienst versetzt. Dort begann meine eigentliche berufliche Laufbahn.
Zur Erklärung: Der Dispatcherdienst war auf dem Gebiet der DDR im Eisenbahnwesen und im Bergbau geschaffen worden, um mit dem Mittel straff geführter Produktion den Mangel zu überspielen oder wenigstens intelligent zu verwalten. Eine interessante Aufgabe! Das ging bei der Eisenbahn von der unmittelbaren Zugleitung (welcher Zug fährt wann?) über den Einsatz der Wagen und Lokomotiven bis zur Organisation der großen Rangier- und Personenbahnhöfe.
In diesem System der operativen Leitung des Eisenbahnwesens stieg ich kontinuierlich auf.

1973
Schon bald, nachdem mir die ersten Leitungsfunktionen übertragen waren, begann ich mich als Schriftsteller in der Fachpresse zu betätigen. Besonders arbeitete ich über Probleme der Verkehrsstömungslehre und der Organisation von Massenguttransporten, die in einem ständig überlasteten Netz enorme praktische Bedeutung besaßen.
Die Zusammenarbeit mit einigen Professoren der Hochschule für Verkehrswesen Dresden brachte es mit sich, dass ich zahlreichen Diplomanten als Mentor für deren Diplomarbeiten zugeteilt wurde.
1980
Schließlich wurde ich zum Hauptingenieur des Stabes ernannt, ein Jahr später als Vertreter des Stabschefs berufen.

Als Haupt-Ing. in meinem Büro 1981
Klingt militärisch. War es aber nicht.
Der Eisenbahnbetrieb war nur analog dem Militärwesen aufgebaut. Da auch hier unbedingte Disziplin für das Funktionieren erforderlich ist, eigentlich logisch .

Nach der Wende und der völligen Umstruktuierung der Leitungsebenen wurde ich als Leiter des Sachgebietes Leistungserfassung und Statistik eingesetzt.
Da ich schon immer großes Interesse an Mathematik, speziell aber dem Bereich Statistik, hatte, war das eine Stelle, auf der ich mich erneut beweisen konnte.
Als der erste große Personalabbau bei der Eisenbahn einsetzte und sehr günstige Vorruhestands-Regelungen getroffen wurden, habe ich mich entschlossen, das Angebot anzunehmen. Auf meinem Dienstposten hatte ich schon seit einiger Zeit einen jungen Dipl.-Ing. zur Einarbeitung. Ihm konnte ich guten Gewissens meine Stellung überlassen. Er hat sie heute noch inne.
Was ich dann tat, steht im Wesentlichen in der HP.
Noch etwas zum Privatleben:
1960 geheiratet, eine Tochter 1967,
Gewohnt in verschiedenen Mietwohnungen, auch Mitglied einer AWG (Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft), die uns nach Einzahlung von 2400 Mark und Ableisten von 650 Arbeitsstunden auf dem Bau(!), -da war 2 Jahre der Urlaub drauf gegangen-, eine kleine 2-Zimmer-Wohnung überließ. Die Wohnung blieb meiner ehemaligen Frau und meiner Tochter.
Scheidung 1984.
Neu verheiratet 1984 und immer noch...

Die Trauung fand im Rathaus Hildburghausen/Th statt
Wir besaßen ein Waldgrundstück für die Freizeit. Selbst auf- und angebaut aus sog."Unland". Schon 1981 hatte ich mich, auch in Vorbereitung der Trennung, ich war nur wegen meiner Tochter noch geblieben, um ein zweites Grundstück bemüht. Bekam es, wieder als "Unland", schließlich 1982 zugesprochen. Dieses habe ich schließlich am 18.Sept.2010 in jüngere Hände gegeben, während meine erste Frau unser ehemaliges Grundstück schon nach wenigen Jahren verkauft hat.
Zu Hobbys und Interessen. Steht (fast) alles in der HP.
Da mein Lebensweg so besonders nun auch wieder nicht ist, keine großen Geheimnisse enthält, habe ich ihn hier geschildert.
Ob ich damit zufrieden bin, meine innere Ruhe gefunden habe? Ich glaube schon.
Aber eines bleibt:
Das ständige Freuen auf etwas Neues, Kommendes. Das hat mich immer wieder aufgerichtet, auch wenn ich einmal ganz unten war. Kam auch vor!
Und es muss nicht immer groß sein. Das kann schon die Freude auf die
kleinsten Dinge sein: Das Frühstück, der Morgenspaziergang, oder
andere, ganz kleine, scheinbar nebensächliche Dinge. Wie die Arbeit an dieser HP zum Beispiel........
Oder neue Freunde kennen zu lernen, etwa über das Gästebuch.
Und alte Freundschaften wieder aufzufrischen wie hier bei einem Klassentreffen anlässlich des Abiturs vor 50 Jahren, auf den Eingangsstufen "unserer " Leibnizschule zu Leipzig

Die Reihen haben sich gelichtet. Einige waren nicht auffindbar, einige leben uns entgegengesetzt (in Australien z.B.) einige haben uns für immer verlassen.....,.
Und auch von denen, die das Bild zeigt, gingen schon wieder einige den letzten Weg:
Prof.Dr. Ernst Gottfried Jäger,
Peter Keppler,
Klaus Bensel
--------------------------------------------------------

_________________