einorgelmaerchen

 

Ein Orgelmärchen?
 
(Übereinstimmung mit lebenden Personen wäre rein zufällig)
 
Es war einmal ein junger Drehorgelspieler, der dank der Güte und Großzügigkeit seines Papas nun endlich eine Drehorgel spielen konnte und diese bei sich zu Hause aufbewahrte. Irgendwann stellte er fest, dass das Alleinspielen doch recht wenig Spaß machte und er schloss sich einer Musikformation an, die klassische Orchestermusik in Kirchen darbietet. Schnell entwickelte sich eine herrliche Freundschaft, nicht nur unter den Drehorgelspielern, sondern auch mit den Familien. So hätte das noch ein paar Jährchen gehen können, wenn nicht der Herr Papa irgendwann ohne triftige Gründe einen Wandel des eigenen Charakters durchmachte. Er wollte auf einmal alle seine Lieblinge (so die Bezeichnung für seine Drehorgeln) und das sind einige Drehorgeln, die er und seine Lebensabschnittsgefährtin im Besitz haben, ständig um sich herum haben. In einer Stinklaune, warum weiß bis heute keiner, entzog er also seinem Sohn die geliebte Drehorgel und holte sie heim ins Heim. Nicht ohne zu betonen, dass er diese Orgel bei sich zu Hause haben möchte. Doch eine gewisse Großzügigkeit zeigte er mit dem Angebot, dass der Sohn sich jederzeit eine Orgel ausleihen könne, diese abholen und 24 Stunden nach Gebrauch wieder abliefern müsse. Wäre ja kein Problem, doch über die Entfernung zwischen den Wohnorten hat der Herr Papa nicht nachgedacht und auch die Kosten für die Fahrerei nicht berücksichtigt. Der junge Drehorgelspieler hat nämlich eine Familie mit 3 Kindern zu versorgen, das Drehorgelspiel bringt auch keine Unsummen ein und wie soll dann diese unnötige Fahrerei  finanziert werden. Na ja, irgendwie wird schon eine Lösung zu erreichen sein, doch dann die kalte Dusche: Im Internet wird die geliebte Orgel  zum Verkauf angeboten. War sie nun nicht mehr der Liebling von Papa? Braucht man unbedingt die Kohle? Jedenfalls hat sich für den Sohn damit das Mitspielen  in der kleinen Musikformation erledigt – ein Horror für ihn, der ja mit Herz und Seele das Kleine Orchester unterstützt hat. Was steckt hinter dieser ganzen Aktion, so fragt sich der Betrachter: Machtspielchen eines Vaters, Probleme mit dem Altwerden, erste gesundheitliche Negativerscheinungen im Kopfbereich – beantworten könnte dies nur der Papa. Doch mit dem wird jeder, der dieses und andere Aktionen mitbekommen hat, nichts mehr zu tuen haben. So zeigt sich am Ende: Orgel wiedergewonnen – Rest der Familie wahrscheinlich verloren. Ob es das Wert ist? Unser Spiel geht jedenfalls weiter, ohne unseren Freund, der uns allerdings in Freundschaft erhalten bleibt.
Kurt Friese 

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