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Kunstrasen ... ich habe meine Freundin getötet. Zweimal. Für das erste Mal bekam ich zehn Jahre. Für das zweite Mal steckten die Richter mich in den Maßregelvollzug -; Klapse, also. Meine Freundin ist blond -, war blond, muss ich ja wohl sagen, oder? Also, war, - gut, - alle beide waren sie blond. Lana war ein Jahr jünger, - ich zählte damals zweiundzwanzig. Sie kam aus gutem Hause, wie man so sagt. Ihr Vater war Professor für irgendwas. Ich hatte Abitur, und sonst nichts auf der Latte -, außer einem abgebrochenen Medizinstudium. Lana volontierte als Modezeichnerin, wollte Design studieren. Sie hatte Talent! Und glauben sie mir, sie liebte mich, egal weswegen und wofür. Und ich liebte sie. Dafür, dass sie mich liebte. Und auf meine spezielle Art und Weisen. Und die fanden nicht mal meine Richter heraus ..., auch hier werde ich nichts darüber verlauten lassen Nur eins, ich liebe sie heute mehr als früher, weil sie nur noch mir gehört, - auf meine Art. Ja, nur mir -, denn ihr Vater ist tot, und Verwandte sind nicht. Jedenfalls nicht, das ich wüsste. Ich habe das gerade vor ein paar Tagen wieder bemerkt, als ich vor ihrem Grab stand. Ein überwältigendes Gefühl, sagte ich meinem Betreuer auf seine Frage, nachdem er mir die Handschellen abgenommen, damit ich die mitgebrachten Stiefmütterchen einpflanzen konnte. ’Sonst hättest du das machen müssen, Frank’, hänselte ich ihn. Er notierte den Fall. Oder wie Psychologen so was sonst nennen. ’Siehst du Frank, war keiner hier, seit unserem letzten Besuch, sind immer noch meine Fuchsien drauf ...!’ Auf dem Rückweg schauten wir noch nach Rico, meiner zweiten Freundin. Für Rico hatte ich Rosen dabei. Rot. Langstielig. Kein Wunder, denn die Liebe und Trauer über seinen Verlust ist ja auch noch frisch ... Auf dem Grabstein ein Bild von ihm. Ein Foto. ’Sieht immer noch toll aus, der Junge, was Frank? Und sein Grab, so gepflegt. Da sieht man wer sich kümmert - sicher seine Mutter. Eine gute Frau. Sie hätte auf ihn bloß besser aufpassen sollen, denn im Knast wird schnell gestorben.’ Frank notierte den Fall, oder wie man so sagt. ’Lass uns noch einmal über den Kurfürstendamm fahren, Frank -, dafür reicht mein Geld noch!’ Im Taxi roch es nach Veilchen - leider war es ein Nichtraucher. Und zu gerne hätte ich im Kranzler noch ..., aber es ging nicht; nicht mit der Acht. Und Frank wollte die nicht abschließen. ’Nicht so schlimm, Frank. Vielleicht das nächste Mal, dann sind die Vollzugslockerungen eventuell schon durch; also pass auf, was du schreibst,’ riet ich ihm, als er wie wild irgend etwas notierte. Wieder in der Anstalt, meinte Frank, es würde mir vor der Kommission gut anstehen, wenn ich meine Gedanken aufschreiben würde. ’Als ein Geständnis?’ Nein, die eigenen Gedanken und Gefühle werden verlangt; die Gutachter wollen wissen, wer ich wirklich bin, als ich war, und was ich werde, wenn ich bin, wie die wollen. Menschenskind, wenn ich das mal wüsste ... Also -, worüber schreiben? Klar, über das Leben, wie ich es verstand, denn ehrlich, dieser Einheitsbrei kotzt mich an, und ich wollte eigentlich Kacke dazu sagen, und nicht jetzt darin stochern, was ich später mal sein sollte. Denn noch bin ich Ich. Und ich habe. Und schreibe: Ich bin, bis der Tag vorüber ist. Schwarz. In den Stunden davor und danach blättert lautlos die Farbe von der Wand, höre ich in der Stille Fetzen von Lichtschein. Und Staub rieselt, der auch nicht schlafen kann, genau wie meine Gefühle. Dann kämpfe ich mit meinem heißen Atem in der Brust um mein Leben. Höre das Pfeifen und Winseln eingeriegelter Zeit. Kaue an meiner Schuld, beiße in mein Sein. Laufe Arm in Arm mit mir über das Trottoir einer unbekannten Stadt. Trage meinen Penis geringelt wie einen Herrenschirm bei Sonnenschein. Unschuldig. Augenblicklich. Doch seid auf der Hut, Bürgerinnen der Einöde, deren Männer den kriechenden Zug Gänsehaut vom Sack zum Damm beklagen. Und die, wenn sie über mich wissen, noch einsamer und impotenter werden und hinter ihren Kaldaunen her zum Klo schleichen. Ja, wenn ich will, zeigt ihr mir in Demut eure aufgerichteten Rosetten, einer wie der andere -, mir, dem Alphatier, damit ich euch besteige und die Angst vor dem Bösen und dessen Wünschen nehme. Sind so rosa, riesig, wie ich weiß. Und Hände und Mund daran, die vergessen machen, was war, die Zukunft geben und die Entfernung zwischen Gestern und Morgen auf einen Wimpernschlag verkürzen. Ja, die Daten meiner schuldigen Tage liegen auf dem Boden verstreut. Beton. Hängen an den Gittern zum Trocknen. Nur die wichtigsten Noten habe ich in die Wand gekratzt. Die raren Minuten, Stunden, Tage, Wochen. Die elegischen Gesänge. Ein Jahr, wie das andere. Einen Tod, wie den nächsten. Ich dazwischen. Im Laufrad der Vergänglichkeit. Und schon wieder liegt mein Schädel zwischen ihren Beinen. Ihr Kitzler auf meiner Zunge. Mein Schwanz in ihrem Mund. Ihr Kommen das meine ... und immer wieder -, ob sie wollen oder nicht, als wäre es der letzte Fick in Öl auf diesem faulenden Planeten ... Endlich: Ich komme nach Hause, schleife den eigenen Hintern am Faden nach, schließe die Tür. Mein Gott, und Amen -, und vergiss mich nicht, nach dieser Nacht. © 26.02.2006 michael köhn
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