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Kein Tier wie dieses Im Film ’Planet der Affen’ kann man lernen, dass Affen auch nicht besser sind als Menschen. Schon deshalb nicht, weil sie so sind wie sie in den Köpfen der Menschen existieren und nicht so sind wie wirklich - und schon lange nicht da, wo sie hingehören. Und so ist das mit jedem Lebewesen, - seien es Buddhisten, Moslems, Christen, Hindus, Juden, - sie funktionieren nur da, wo sie hingehören. Er sitzt vor dem Fernseher. Die Lederjacke noch an. Hose runter. Bier in der Hand. Kippe in der Fresse. Er ist erst vor zwanzig Minuten rein. Er onaniert. Mit rechts. Links hält er das Bier, die Lulle. Die Zukunft ist hässlich. Fernsehen ist schön. Sie wird gefoltert. An ihrer Angst zieht er sich hoch. Ende. Er hat auch Angst. Vor Gewalt. Vor der Schule. In der Schule. Vor Hühnergrippe. Anderen tödlichen Viren wie die in den billigen Dönern, die er jeden Tag frisst. Und vor Aids auch, weil er sich auf dem Schwulenstrich am Zoo ein paar Euro verdient und es ohne Kondom am meisten Kohle bringt. Es ist Frühjahrsmesse am Funkturm. Woche der Kulturen. Und er hat Kundschaft en masse. Von überall. Und Geld. Doch mal muss man ausruhen. Denn Geld ist nicht alles. Die Rückkehr des Bären ist nicht nur eine tolle Sache für Touristen und Bilderjäger, sondern ein erfreuliches Phänomen für das allgemeine Lebensgefühl, hört und sieht er. Das Wissen um die Existenz der Bären verleiht der Wirklichkeit eine wohl tuende Lebendigkeit. Ja, es gibt das wilde und gefährliche Leben da draußen noch, sagt der Sprecher. Fini der Durchsage. Werbepause. Er schaltet um. Sieht Weltnachrichten. Russland: Vergewaltigungen. Vor allem im Tschetschenienkonflikt greifen russische Sicherheitskräfte zu Foltermethoden. Mit Vergewaltigungen, Elektroschocks und Schlägen zwingen sie vor allem Frauen zuzugeben, dass sie Kontakt zu Rebellengruppen haben. USA und Ägypten: Aufhängen Gefangene werden geschlagen, an Hand- oder Fußgelenken aufgehängt und mit Elektroschocks gepeinigt. Zahlreiche Gefangene sind an den Folgen der schweren Misshandlungen gestorben. Syrien: Kopfschläge Im letzten Frühjahr sind sogar kurdische Schulkinder ins Gefängnis gesteckt worden; mussten sich nackt ausziehen, und man schlug auf sie ein, - ihre Köpfe wurden aneinander geknallt. Ein Kind ist an den Folgen der Folter gestorben. Oft foltern labile Persönlichkeiten, hört er. Es langweilt. Er schaltet auf ein anderes Programm: ... sie basteln sich Guillotinen, greifen zum Gewehr, zur Säge, legen sich auf Bahngleise, hüllen ihr Bein in Trockeneis, provozieren Verkehrsunfälle, schauen dem Blut freudig hinterher. Sie fliegen nach Mexiko oder auf die Philippinen, bezahlen 10 000 Dollar, hoffen, dass der Chirurg sein Handwerk versteht. Sie nennen sich ’Rollstuhl jetzt’ oder ’Rollstuhl 2006’ und tauschen Tipps und Tricks, ihr Leid und ihre Euphorie im Internet aus. Und alles, damit ein neues Leben beginne, ein Leben ohne diesen verhassten Arm, dieses Bein, das nicht zu ihnen gehört. Sie wollen einen Körper schaffen nach dem Bilde, das sie in sich tragen, dem Bild eines amputierten Menschen. Längst hat die Wissenschaft sich ihrer angenommen, und nun drängen sie auch in die deutsche Debattenöffentlichkeit: Männer und Frauen mit gestörter Körperwahrnehmung. Er ist mäßig begeistert, schiebt sich noch ein Bier rein. Raucht. Hört weiter:
Als TV Live Anfang November die Reportage 30 Tage im Rollstuhl ausstrahlte, dürften wenige Zuschauer geahnt haben, dass die Hauptperson, ein Student, sich jener Belastung unterzog, die manchen als höchstes Glück scheint. Ein Student, zum Beispiel, ließ seine Beine amputieren. Einen solchen Eingriff streben weltweit wohl mehrere tausend Menschen an. Und die machen sich zur Reise in eine Klinik in den Entwicklungsländern auf, um sich dort vorsätzlich verstümmeln zu lassen ... Getan ist getan, gelebt ist gelebt -, bis die Schnauze weh tut, - denn nur die härtesten kommen in den Garten, weiß er von seinem Vater. Offizier beim Bund. TV aus. Bildzeitung vor die Brust. Er liest im Aufmacher vom Kannibalen von Rothenburg ... Das Telefon klingelt. „Komm, Stiepe, Kundschaft!“ „Echt, wo?“ „Komm ins KA DE WE, Champagnerbar!“ „Nobel, nobel ...“ „OK. Bis gleich.“ © 02.06 michael köhn Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular! |
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