fragmichnicht


                            

                          Frag mich nicht, wie es dazu kam ...

 

 

 

Nach neun Jahren laufe ich mal wieder durch den Kiez.

 

Früher wohnte ich hier. Berlin Neukölln.

Doch Heimatgefühl ist nicht, dazu ist zu viel passiert ..., und ich bin auch nur da, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen - wie zum Beispiel Machmut; doch das später, denn vor allem will ich Mutter und Vater auf dem Friedhof besuchen. 

 

Blumen habe ich nicht dabei. Nur meine Erinnerungen. Außerdem, was sollen die Toten mit Blumen?

 

Auch klar, ich hätte mit der U-Bahn direkt bis vor den Acker fahren können.

Wollte ich aber nicht. Wollte zu Fuß. Frei lebende Kanakster sehen.

 

Fuhr deswegen nur bis Hermannplatz, dann raus. Ab da die Motherfucker runter bis Ecke Leinestraße.

 

Und, Mann, auf der Meile, da kommt Luft in die Lunge.

Lange nicht gerochener Knoblauchgestank, Zwiebelodem, Döner pur. Dazu noch der Gestank von den zu Dutzenden vor den baufälligen Häusern hockenden Migranten, wie man die Nation der Soziempfänger politisch korrekt nennt.

 

Einige der Affen lassen die Dominosteine sein, als ich vorüber gehe, lüpfen ihre Hintern und drücken sich einen ab, dass ihnen vor Anstrengung die Basedowaugen aus dem Kopf zu platzen scheinen. Sie mögen mich - denke ich.

 

Und, ob du es glaubst oder nicht, alle paar Meter immer noch die dämliche Anmache: he, Alter, Ascheloche, gib Handy -, du, - gib Kohle -, die Jacke, Alter -, bück dich, damit ich dich ficken kann, du Tunte. Und das alles in Kanaksprak, als wenn die über vierzig Jahre Multi Kulti nichts sind.

 

Mein Gott, wie ich das hasse ... immer wieder ...

 

Um die Looser zu kuschen, zeige ich denen meine Kanone. Handarbeit, das Teil. 

 

Was glaubst du, was man aus Seife und Schuhcreme alles so machen kann, wenn man Zeit hat; also zeige ich den Rotzern den Ballerer und empfehle: verpiss dich, du Ziegenfick, sonst blase ich dir die Birne weg - und du schimmelst schneller als du denken kannst neben deinen Artgenossen ...

 

Echt, ich sag’s dir, es liegt nicht nur an der Kanone, - es ist der Geruch von Verwesung und Tod an mir.

Es ist tatsächlich so, dass diese Kretins es riechen können. Dass hängt denen in den Genen. So wie die den Eselsmist und die Kamelscheiße nie aus den Haaren bekommen, - da können die waschen wie die wollen.

 

Und ehrlich, gerade die hier in Neukölln sind in der Evolution noch gar nicht angekommen. Ob mit oder ohne Wesenstest vom Tierschutzverein. Und von wegen Integration, Sozialisierung. Assimilierte Scheiße ist das alles hier. 

Ich weiß, wo von ich rede!

 

Auf dem St. Thomas Friedhof habe ich eine Stunde oder so zu tun um überhaupt das Grab meiner Eltern zu finden.

Zwei- dreimal falle ich auf die Fresse, stolpere über umgeworfene Kreuze und gestürzte Engel die in den letzten Zügen liegen, fasse beim umhereiern im Schrott in frische Graffitis, muss durch die Säure in dieser Pisse unendlich husten - und versaue mir prompt die Hose mit Farbe, die rasend schnell von der Lake zerfressen wird, wie ich sehen kann. Dann trete ich noch voll in die Scheiße ...

Es reicht!

 

Mit Glück finde ich in einem Zelt aus Alditüten und Zweigen einen Friedhofsarbeiter - der offensichtlich menschliche Knochen sortiert, der sowas wie deutsch spricht.

 

Dieser Typ, der in etwa in meinem Alter ist, so eins sechzig groß, mit einem ansehnlichen Morbus Scheuermann, einer mächtigen Gummel als Nase im Gesicht, drunter ein buschiger Bart, spielt, als ich ihn anspreche, doppelte Buchführung durch seine Hosentasche -, ich höre förmlich seine Eier klickern, obwohl bis Osten noch hin ist.

 

Immerhin kann er mich mit Gesten und einem simplen Gestammel auf den rechten Weg bringen. Und das kann nicht jeder von sich sagen.

 

Also - denke ich freundlich über ihn, denke: Alter, da hast du aber Glück gehabt - damals - bist davon gekommen. Und ich hoffe, du lobst dafür fünf sechs Mal am Tag Allah und reißt den Arsch in den Himmel, wie es sich gehört, dafür nämlich, dass du überhaupt so alt werden durftest wie du jetzt aussiehst ...  

 

Und wirklich, ich lasse ihn mit dem Zorrozett auf der Stirn überleben obwohl die Situation günstig wie selten - und ich schließlich deshalb nach Neukölln ..., und mein Messer mich auch belatschern will weiter zu machen und ihm die Eier ...

 

Glaub es mir - was mich echt stört, auch bei dem hier, dass all diese Idioten auf meine Handschuhe gaffen, statt mir in die Fresse, wenn es schon sein muss.

 

Sind Handschuhe an warmen Tagen denn so was besonderes?

 

Und als ob die rotzigen Blicke der Motherfuckertypen nicht genug wären, grinsen manche von denen auch noch über meine Sprache, - so wie der Typ auf dem U-Bahnhof in Tegel, als ich ihn höflich frage, wie ich nach Neukölln kommen könne.

 

Du nix deutsch, Alta?, lästert der Nigger, und steckt sich eine an, obwohl hier Rauchen verboten ist. 

 

Pass auf, du Plumssack, dass ich dir nicht deine lange Nille abschneide.

 

Doch dann lass ich das, weil ich meinen Zug höre, vergrößere ihm stattdessen in bester Pulp Fictionmanier mit zwei raschen Schnitten meines Butterfly beide Nasenlöcher.

 

Steht dir besser als zuvor, das Teil, sage ich, als er sich die blutende Gurke hält und vor Schmerzen schreit. Und besser Luft bekommst du nun auch.

 

Doch der hört nicht, kreischt weiter, rotzt Blut ...

 

Ey, hör mal - Mann, lass das Jaulen, dein schleimiger Schwanz ist ja noch dran -, berate ich die Memme durch die offene Wagontür, bis zum Glück für ihn mein Zug abfährt, denn sonst wäre ich noch mal raus um ihm mein persönliches Zorrozett auf die Stirn zu zwiebeln.

 

Klar, er wäre ja längst nicht der einzige Kanake der somit verschönt im Großraum Berlin damit herumläuft; frag den Friedhofsluden ...

 

 

Man lästert nicht über das Unglück und das Aussehen anderer, und auch nicht über das eigene, höre ich Mutter -, eventuell haben die Leute durch dich Schwester oder Bruder verloren.

 

Und wenn ich seine Eltern gleich mit vergast hätte, Mutter, Tote können nicht sprechen, sage ich - und weiß schon in dem Moment, dass es unlogisch ist.

 

 ... ja, warum bist du denn überhaupt hier, schreien mich auch gleich die sechsundfünfzig Pisser an, die ich unter die Erde gebracht habe ...

 

Warum wohl, ihr Idioten, brülle ich zurück -, genau deshalb, weil ich euch hier hergebracht habe ...; und das ist gut so, sage ich, wie der ehemaligen  Bürgermeister, dieses schwule Arschloch, der schließlich an allem Mitschuld hatte.

 

Kannst du dich erinnern, was der anlässlich der Wiedereröffnung der Schule nach der Asbestsanierung sagte?: Die Rütlischule war in der Weimarer Zeit vermutlich das bedeutendste Zentrum sozialdemokratischer Schulreform. Hier sollte das Kind als eigenständige Persönlichkeit im Mittelpunkt der Erziehung stehen ...

 

Wochen später hörte sich das dann so an: Die Polizei-Einsätze hier in der Schule können keine Dauerlösung sein. Es besteht Diskussionsbedarf.

 

Ich muss heute noch kotzen.

 

Ach, Junge, sagt Mutter, hast du denn seit 2006 nichts gelernt.

 

Wo denn? Da wo ich bin?

 

Weißt du, was die mit einem in der Psychiatrie machen?

Die hauen dich mit Drogen voll, bis dir der Sack platzt. Und nicht nur das, - die Birne quatschen sie dir dermaßen voll, dass du nicht mehr weißt, wer du bist. Und das ist deren Trick: Ohr abkauen - bis zum geht nicht mehr ...

Auch deshalb stehe ich jetzt so angefickt hier -; echt, hat sich ausgekotzt, Alte.

 

Sei doch nicht gleich wieder so aufgebracht, an uns denkst du wohl gar nicht, Junge, was? Uns hast du damals nämlich gleich mit umgebracht ...

 

Erzähl nicht so einen Quatsch, sag ich, - du hast dich fast so gut wie freiwillig vor die U-Bahn geworfen, und Papa hat sich mit Lust und Laune tot gesoffen. Und das alles wegen dieser verlausten Kanakenbrut ...

Glaub mir, hätten die Penner von Psychoheinis mich nicht weggesperrt, wäre das nie passiert!

 

 

Sie, sagte der Anstaltspsycho zu mir, obwohl ich erst vierzehn war. Sie, sie haben einen IQ von 125, sagte der, sie hätten wissen müssen was sie taten, und was darauf folgt.

 

So?

 

Andererseits sagte der vor Gericht dass ich eine Art von Autist bin, Asperger Syndrom - und nur in meinem Jetzt lebe, und mit Mutter ...

 

Kennst du den Tassentalk, fragte ich ihn.

 

Nein, wer oder was ist das?

 

Du kannst mich immer zwei mal mehr am Arsch lecken ..., wörtlich.

 

Finden Sie das witzig?

 

Nein -, aber es trifft.

 

Ach, ich sag’s ja, alles komplette Idioten hier ...

 

Sag mal, Mutter, weißt du eigentlich wie oft wir beide dieses Gespräch schon geführt haben? Nein?

OK, dann klär ich dich auf, denn deswegen bin ich ja hier, - es ist nämlich heute ein runder Tag, ein Geburtstag, so zu sagen ...

Und glaube es - oder nicht, 2999 mal haben wir !genau! dieses! Gespräch! geführt!

 

Gut, du hast recht, nicht so innig, schließlich trennten uns 31,5 Kilometer -, ja, ich habe es mit dem Zollstock auf dem Stadtplan nachgemessen. Und ich habe mindestens jede 2 Nacht die Entfernung zwischen uns nachgemessen.

Ich hatte nämlich nichts anderes zu tun.

 

Und wenn du denkst, die Entfernung ist mit den Jahren größer geworden, Irrtum, nein -, nichts da, die blieb gleich, - jede 2 Nacht -, ist 31,5 Kilometer, seit dem du mich verlassen hast ...

 

So, und heute nun ist es unser 3000 Gespräch über Schuld und Sühne - und so weiter!

 

Woher ich die Zahl 3000 weiß?

Nichts einfacher als das. Ich habe jedes Mal nach unserem Gespräch einen Punkt auf meine Tapete gemalt, - einen kleinen kreisförmigen Punkt mit Buntstiften. Ja, Buntstifte waren das Einzige was ich haben durfte; ich war vierzehn, du erinnerst dich? 14! Und hatte !14 verfickte !Buntstifte! Und nichts weiter.

 

Mit jedem Punkt, den ich auf die Tapete malte, wurde das Gebäude kompletter. In allen Details.

Du kannst dir denken welches ...

 

Einer meiner Therapeuten war der Meinung ich wäre ein Künstler.

 

Der Idiot weiß bis heute nichts von unseren Gesprächen - und das die Buntstiftskizze die Schule zeigt -, in der die sechsundfünfzig Säuger starben.

 

Der wusste auch nichts davon, dass ich, als ich elf war, von Yussuf auf dem Schulklo gefickt wurde - wusste der nicht .. ., so wie ihr es nicht wissen wolltet.

War ja auch klar: Yussuf war Machmuts Sohn. Und Machmut der Pate von Neukölln!

 

 

Mach uns keinen Ärger, Junge, hast du zu mir gesagt, als ich weinend nach hause kam, wir nehmen das Geld von Machmut, und machen uns einen schönen Urlaub in der Türkei.

 

!In!die!Türkei!!! Ins Land der Eselsficker fahren. Mit fünftausend Mäusen Schweigegeld. Nie!

 

Gut, Yussuf hat letztlich mit seinem Leben gelöhnt. Und das bringt es ... 

 

So, und jetzt bin ich hier, wo er seit langem ist, - und werde mit einem hohen Strahl auf sein Grab pissen. So von oben herab, weißt du.

 

Ja, darauf habe ich mich Jahre gefreut - erst über ihn, dann über Aische -, klar, über die auch, - hat sich schon lange ausgeliebt, - dann über Petrak, den Russen, den Handlanger fürs Grobe, den Kinderschlitzer, dann über die Bande der Kurden, Araber, Libanesen, auf die drei vier Gelben, all die anderen Wichser ...

 

Ist klar, es lässt sich mit Pisse nichts endgültig tilgen. Nicht mit Blut und Leben. Ich weiß es. Seit heute morgen.

 

Woher?

Ach Mutter, ich weiß es eben ...

 

Ich wusste es schon, als ich damals von der Tanke den Sprit schleppte.

 

Wie viel Kanister ich noch brauchen würde, schnappte der Tankwart nach Luft, er müsse den Plastikscheiß sonst nachbestellen.

 

Es muss reichen, sagte ich dem.

Wofür?

Für einen Grillabend mit meinen ausländischen Freunden, strahlte ich in an, wie ich noch weiß, und weil er es vor Gericht aussagte - und es in den Akten steht, - die ich schon hunderttausend mal gelesen habe.

 

Mach keinen Scheiß, Junge, das kann ins Auge gehen, sagte der Tanki.

 

Ich pass schon auf, sagte ich -, da hatte ich 12 Kanister ...

 

 

Im Heizungsraum der Schule brummelt gemütlich ein Ölbrenner.

Ein ganz neues Teil, an einem herrlicher Ort. Ich fühle mich da immer wohl. Und es kann mich keiner überraschen, - habe ich mir doch einen Schlüssel besorgt.

 

Echt, der Hausmeister ist ein Idiot.

 

Für mein geheucheltes Interesse an moderner Technik und einer Flasche Korn hat der mir den Brennerraum gezeigt, - und danach sein Schlüsselbund vermisst.

 

Ich lasse mir heimlich neue machen, sagte er, als die Pulle alle war, und wir die Suche nach den Schlüsseln als ergebnislos einstellten.

 

Der Brenner läuft sowieso wie von alleine, da gucke ich nur alle 4 Wochen nach dem Rechten.

 

Ja, die Computer gesteuerte Technik ist ein Wunderwerk, sagte ich.

 

War ja auch teuer genug - und alles für dieses Kanakenpack, war er entrüstet, - du bist ja fast der einzige Deutsche hier ...

 

Wir sind drei, sagte ich.

 

Drei von 186.

 

Ist eben eine kleine Schule sagte ich - und es wird sich alles richten, sagte ich.

 

Dein Wort in Gottes Ohr, war er zuversichtlich; - so wie du auch, Mutter, du sagtest das auch immer: Gottes Ohr ...

 

Ich meine eher wir sollten auf seinen Hintern hören, denn eines Tages wird er uns zuscheißen, so wie damals in Thailand mit dem Sunami ...

Oder wie ich es tat, - als sein verlängerter Arm gegen die Moslembande, - die immer wieder gegen unsere Kirchen pisst, unsere Frauen Schlampen nennt - und Gott mit Terror tötet.

 

Versündige dich nicht, sagt Mutter.

 

Keine Angst, Mutter, ich bete täglich drei Ave Marie, - bin frei von Sünde!

 

Gut so, Junge.

 

OK, und jetzt gehe ich Machmut suchen, der hat nämlich seine siebenjährige Haftstrafe wegen Drogenhandel schon nach fünf Jahren wegen guter Führung gefinisht und macht munter weiter.

 

Am leichtesten finde ich die Ratte auf dem Soziamt, denn da besorgt ihm seine Großfamilie das Spritgeld für seinen Kanaksterjeep - und er kommt immer noch persönlich, um die Truppe abzukassieren ...

 

Also, auf, Mutter!

 

 

 

                                                               © april 2006 michael köhn

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