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Berliner Tage Es ist Berlinale. Und es wird gevögelt was das Zeug hält. Ob Mann Mann. Frau Frau. Hölle Engel. Vorne Hinten. Egal. Und wie immer. Ob die da eine gute Schauspielerin ist? Oder er, der so genannte Weltstar? Einerlei. Mich wollen alle nur klein. Winzig. Nur mein Schwanz darf groß sein. Ganz groß. „Du siehst aus wie der junge Helmut Berger!“ Das höre ich oft. Nichts Neues für mich. Aber jeden Tag zu beweisen. Und ich wachse an meinen Aufgaben. Manche filmen dabei. Ist schließlich ihr Metier. Oft die Kamera ganz dicht an meinem Körpern. Taktlos, diese Jungfilmer, filmen mir direkt zwischen den Arschbacken rein. So rotzig intim. Eine ’Lady’ hält ihre Kamera nur auf mein Ding. Ich muss dann wichsen, bis es kommt. Dann aufs Gesicht -, ihr Fokus. Küsst mir die Tränen weg. Schleicht rein in jede Falte, jede Pore, in meine Gefühle, meine Trauer, und die Melancholie, meinen Schmerz, meine Pein. Aber: bringt dreihundert. Und das Lob, sich für mich zu verwenden; so schön altmodisch gesagt, genau wie sie aussieht. Bei manchen träume ich, sie tun es aus Liebe. Irrtum, Illusion -, ich mache alles für Kohle. Um entdeckt zu werden. Krieche in Demütigungen, wie andere ins Vergnügen. Und ich mache mich öffentlich, in Bewegung und Mimik, in all dem Gesums, das für die Karriere nötig ist. Move, schreit der Ami. Der berühmte Regisseur. Der stößt mich rektal. Die Kamera auf dem Bord, gegenüber vom Bett. Dazu aus dem Radio: „With a little help from my friends“. Und ich tu, als wenn es mir gefällt, was er macht. Grinse in die Kamera. Dabei ekele ich mich vor seinem faltigen Hodensack. Seiner Fresse. Den laschen Altmännertitten. Herrgott, diese endlosen Szenen. Die ich Revue passieren lasse, wenn ich Zeit habe. Ungeschnitten, unkommentiert. Nur Musik. Knatschen der Betten, kommt rüber. Das Aneinandereiben von Körpern. Keuchen. Schreie. Diese Unausweichlichkeiten von Zeit und Raum. Und das alles in meinem Kopf, als wäre es in diesem Moment wahr. Ja, es ist eine Story ohne Anfang und Ende, dieses Leben -, die Suche nach Ruhm, Ehre und Liebe -, doch ohne Hoffnung und Verurteilung für die Täter. Nicht durch mich. Denn die sind ohne Gesichter, und genauso arm dran. Es handelt und zählt ausschließlich die Tat. Die Genitalien. Die dokumentierten Beobachtungen. Doch auch die sind lediglich Psychogramme von Gewalt und ohne alle Einfühlungsmöglichkeit für spätere Zuschauer. Genau, die zeigen nur die Abart von Geilheit und Verkommenheit von Menschen. Und Angst. Die mal Star eines Films werden soll. Mit mir, in der zweiten Hauptrolle. Du liebe Güte: Ich habe jetzt schon Hass auf meinen eigenen Körper. Auf mein Gehirn, dass mir zu tun befiehlt, und meine Gefühle killt. Für den Weg, den ich gehen muss, um ganz nach oben zu kommen. Superstar. So nackt -, schonungslos nackt -, wie Selbsttötung. Doch nächstes Jahr wieder. Bis es mal klappt. Ich auf dem Festival. Roter Teppich. Geliebt. Bewundert. Ich ganz vorne. Kusshände verteilen. Autogramme schreiben. Ich. Superstar. Ich werde, ich komme ... „With a little help from my friends“. © 14.02.2006 michael köhn
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