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Vor den Worten Ich war da, wo wenige waren, und habe mich improvisiert. Und weil ich überlebt habe, kann ich Ihnen von Liebe, Hass, Freundschaft, Gewalt, Güte, also von Schicksalen berichten, an denen ich bis heute beteiligt bin. Was sollte ich auch anderes tun? Nun, die geschriebenen Worte sind inzwischen auch zu hören, genial eingelesen von 'der Ohernhschützer', doch hören Sie selber: Über den Roman: Daneben die Welt „Sie haben sich mehr als schuldig gemacht“, sagte man mir vor Gericht; nein, Mist, richtig ist: „ ...das müssen Sie sich als Beamter nun Mal ins Stammbuch schreiben lassen, Herr Angeklagter ...!“, war des Richters Meinung über meine Taten und so weiter, und ganz zum Schluss seiner Rechthaberei: „Sie wollen doch nicht etwa dagegen Rechtsmittel einlegen, Herr ...?“ Bitte?, was ...? „ ...nein, danke, Herr Richter, lieber erzähle ich Ihnen jetzt mal wie es wirklich war ...!“ :Ich bin Strafvollzugsbeamter und heiße Franz Wedell und arbeitete zu jener Zeit in der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Moabit, wie Sie sich wohl erinnern. Als ich in Ausübung meines Dienstes einen Häftling, weil der einen Kollegen von mir geschlagen hatte, in den besonders gesicherten Haftraum verbringen musste, kam es zu einem bedauerlichen Unfall. Der Häftling ist gestorben. Punkt. Nun, ich habe deswegen Schuldgefühle. Das meinen jedenfalls all die Leute um mich herum, deren Namen ich Ihnen aber erst später nenne, wenn überhaupt, denn Knastinterna sind vertraulich, und ich brauche dazu eine Aussagegenehmigung vom Anstaltsleiter, aber das wissen Sie ja. Nun, um mich ’wegen meiner Schuld am Tod des Häftlings’ zu betäuben, trinke ich. „Sie sind Alkoholiker, Mann!“, sagte der Anstaltspsychologe dazu. „Schön, Sie sind ja nun schon seit Jahren trocken. Gratuliere!“, sagt er heute, wenn die Sprache auf mich kommt. Die Sprache kommt aber nicht auf mich, denn es ist alles längst vorbei und abgebüßt. Bis auf die zahlreichen Irrtümer. Zum Beispiel bretterte ich seinerzeit meinen Karren gegen einen Pfeiler im Parkhaus vom KaDeWe als ich mit 3-4 Bierchen (waren es fünf - und ...?) mit meiner Ehefrau Iris im Schlepp von der Feinkostabteilung kam und nach Hause wollte. Iris ist bei dem Crash an der Lippe leicht verletzt wurde. Ein Kratzer. Also eigentlich nichts schlimmes. Doch auch das ärmellose hellblaue Kleid mit den gelben Punkten (ihr Lieblingskleid) hatte es erwischt, - denn Blut geht nie so ganz raus ...? Vor allen Dingen nicht das von meiner gebrochenen Nase. „Es waren mindestens fünf Bier, Herr Richter, und ...!“, beschwor Iris vor Gericht mit Finger hoch. „Und - was?“ „Schnaps, - Kirschwasser!“ Vor dem Gerichtsgebäude küsste sie dann einem dort wartenden Mann voll auf den Mund. Ich musste zusehen und dachte dabei: vielleicht hat der einen größeren Schwanz als ich, oder einen kleinern, dickeren, längeren, kann länger bumsen, lecken - oder war schwul ... Das sagt eigentlich alles, war aber weit nachdem sie sich von mir getrennt hatte. ... getrennt hatte? Scheiße, die war einfach so abgehauen. Hund, Klamotten, Möbel, Geschirr, Bankkonto - alles weg, abgeräumt! Und ich glaubte immer, ich wäre einer, der die Frauen verstehen würde ... Warum die aber wirklich die Fliege gemacht hatte, darüber grübele ich heute noch nach, - und stürzte damals, mit ihrem Bild im Kopf und meinen Erinnerungen an unsere Liebe, in meiner Stammkneipe mit Bier an Kirschwasser immer wieder aufs Neue heftigst ab. Sicher, es war genau die Zeit dafür ... „Sie war wirklich meine große Liebe, Herr Vorsitzender!“, entschuldigte ich mich, „und seitdem sie weg ist, fühle ich diese kolossale Leere in meinem Herzen.“ Ach, was heißt schon ’Leere’, es ist eine Art von Trauer, die darin mehr zu Hause als ich es je war ...! „Sie leiden an Depressionen und sollten ...!“, sagte der Anstaltspsychologe dazu. Doch nicht nur dass, es kam seinerzeit noch besser, denn natürlich ist auch meine Pappe seit dem weg, - na der Führerschein, man! Und auch die Freundschaft zu meinem Arbeitskollegen Lanz (der dazu noch mein Vorgesetzter und Trauzeuge war) ging in die Brüche als ich ..., und dabei war ich echt hacke dicht, sonst hätte ich ihm nie den Ausrutscher mit seiner Frau gestanden ... „Wissen Sie, es war wirklich nur eine einzige Nummer, und passierte in einem Hausflur gegenüber vom Rialto Kino als sie wie beschwippst war... Glauben Sie mir bitte, die Frau von Lanz ist sonst viel zu verklemmt um einfach so in einem Hausflur mit jemandem zu f..., es muss also am Film gelegen haben (’Achteinhalb Wochen’, eine Erotikschnulze, zu der Lanz uns die Karten besorgt hatte), dass sie so geil wurde - und von mir verlangte: ’komm, besorge es mir von hinten, dass hatte ich noch nie ...!’ Und danach war sowieso alles irgendwie nur noch blöd!“ Lanz war vieles egal. Nein, dass ich mit seiner Frau ... natürlich nicht, denn der schwärzte mich, Grund war meiner Sauferei im Dienst, bei der Anstaltsleitung an. Erst erhielt ich darauf eine schriftliche Ermahnung, danach war ein Disziplinarverfahren fällig; die Folgen bei einer Wiederholung waren mir schon klar. Doch das war längst noch nicht alles, denn in Folge erpresste mich Lanz, dessen wahren Charakter ich da erst richtig kennen lernte, wegen kleinerer Dienstverfehlungen, die hier im Knast eigentlich tag tägliches Kasperletheater sind. Doch wie das so ist, hat man erst Mal was an der Backe, kann es brenzlig werden und die Entlassung aus dem Dienst droht: Verlust der Pension usw. Und auch deswegen konnte Lanz mich zu Handlungen und persönlichen Gefälligkeiten zwingen, bei denen dann Yamal, ein Kinderficker, der sechs Jahre abzusitzen hatte, ums Leben kam. „Sie sollten dazu wissen, dass Lanz um den Tod nicht auf Kinderficker kann. Der bekommt echt Pickel, wenn er nur vom Weiten einen sieht ...!“, und macht denen das Leben im Knast mehr als nur zur Hölle. „Besser, die wären nie geboren – und wenn doch, sollte man ihnen rechtzeitig die Eier abschneiden“, war seine Meinung. Und besonders meinte er eben Yamal, den er wegen seines negroiden Aussehens als Rolle Dachpappe bezeichnete. Und das mit Yamal war dann so: Das Gericht hatte angeordnet ihn für ein Gutachten über seinen Geisteszustand vom Knast in die Psychiatrie zu verlegen. Von dort flüchtete er, man weiß bis heute nicht wie, misshandelte und vergewaltigte aus Hass auf Lanz dessen Frau, - die sich danach umbrachte. Und genau deswegen wollte Lanz ihn töten -, was ja auch in erster Wut verständlich ist; und ich war wie immer mittenmang. Doch lesen Sie selber. Das Essen kommt Wenn die Schließer beim Aufschließen bloß nicht immer so eine Fete veranstalten würden. ’Essen’, brüllen die, als ob man den Schweinefraß nicht sieben Meilen gegen Wind riechen würde. Schon, als die mich hier her prügelten, - der Richter war übrigens Schuld, die Sau, bloß, weil ich sagte, ich vermute, Herr Staatsratvorsitzender, ihr Vater war Nazi und ihre Mutter fickte mit Göbbels (schreibt der sich nun mit einem oder zwei b?) -, ich werde mal an die Zellentür klopfen und bei den Kollegen nachfragen. Ja, Kollegen! Das hatte ich denen schon in die Klopperei hinein zugerufen: ich bin ehemaliger Kollege - Kollegen... Was ja nicht stimmte, denn hier im Polizeigewahrsam wacht die schwarze Garde. Und das ist ein ganz anderes Kaliber - wie ich früher immer über die sagte: stramm und dämlich, mit kleinem h! Doch das konnte ja keiner wissen, Kollegen, als die mich verprügelten; stramm und dämlich, mit kleinem h, - stimmt doch. Angefangen zu schreiben habe ich vor ca. fünfzehn Jahren. Leider ist nix bei rausgekommen - als ein Brief an meine Mutter. Mutter war damals schon fünf Jahre tot. Den Brief hab ich in die Tanne an ihrem Grab gebammelt; - stand ja nix weiter wichtiges drin, außer, dass es mir Scheiße geht - und so, und dass ich meinen ersten Entzug hinter mir habe, und so... Übrigens, den aller ersten Entzug hat der Polizeipräse persönlich angeordnet! Ich trage Verantwortung für meine Männer, hat der im Fernsehen gesagt... Dass war, nachdem wir, der Hansi und ich, die drei Kanaken durchgehauen haben, - so richtig mit Schmackes - und einer von denen auf Intensiv gelandet war. Mein Gott, was so eine Behandlung kostet, habe ich Mutter geschrieben, und ob sich das für einen Kanaken lohnt, schrieb ich, statt eines Romans, den ich schreiben wollte. Seit der Sache mit dem Brief an Mutter glotz die ’Begießerinn’ des Nebengrabs immer so blöde. Und ich kenne die doch gar nicht (sicher hat die den Brief an Mutter gelesen), denn das eine Mal, wo die mich zur Ruhebank bei der Kapelle gezerrt hatte, als ich beim Unkrautzupfen leicht angetrunken umgefallen, - nun ja, das zählt nicht, meine ich, das bisschen Hilfsbereitschaft. Da habe ich - zum Beispiel - schon ganz andere Dinger versaut... Hier im Knast hat man ja seine Ruhe. Doch eigentlich will und wollte ich gar keine Ruhe - ich brauche nämlich Äktschen - und was zu trinken. Außerdem habe ich einen Pickel am Sack - und verlange ärztliche Hilfe. Ich weiß auch nicht, wo der Pickel herkommt. Andere spielen Lotto - und gewinnen. Ich bekomme Pickel am Sack - und will die nicht, im Lotto gewinnen schon. Und ich hatte schon mal so einen Pickel da unten. Eklig, so was. Und was ne Anstrengung, den zu killen. Was denkst du, wie Haare und Falten stören, ich möchte später im Gesicht nicht so aussehen -, außerdem ist das Teil saaagenhaaaaft empfindlich, - echt. Damals sah ich, mit einem Spiegel, ja, anders geht’s gar nicht, dass es ein verhärteter Mitesser war. Da saß nämlich (ohne h, wie hier üblich - Saubande) so ein schwarzer Punkt oben auf. Auweia... Als ich dann drückte, mit den Fingernägeln beider Daumen (die schütteln sonst die Pflaumen, wie Mutter einst sang), erst vorsichtig, da passierte erst gar nichts, tat aber schon mächtig weh, - da war mir schon mulmig. Ich drückte dann mit voller Kraft, so quetschend, so aneinanderpressend die Nägel, und mit Urschrei: ’nun komm schon!’, oder so ähnlich, - und wurde vor Schmerzen ohnmächtig. Wieder wach, sang ein Vögelchen ’der Mai ist gekommen’. Und der Spiegel, den hatte ich mir zwischen die Waden geklemmt, von wegen sehen was man tut, war Bruch, und meine Eier auch, meinte ich später, als ich wieder richtig klar war. Und der Typ, der mit der roten Jacke, Aufschrift Notarzt, dessen Rücken ich sah, murmelt was von perversen Sexspielen und, dass er anderes zu tun habe, als solche Spinner ins Leben zurück zu bringen. Außerdem bleib ich auf den Kosten der Reparatur meiner Wohnungstür sitzen. Scheiße, aber auch. Doch ehrlich, an meinem Sack war in Wirklichkeit nur wenig zu sehen. Gut, Haare fehlten. Ein wenig Eiter, ein bisschen Blut; die Eier blau wie frische Blutwurst. Und ich sag’s dir, wenn’s die hier gibt, Blutwurst, gestern war’s, mit Sauerkraut, da könnte ich mich wegschmeißen für. Kannste glauben... Meine Glocken konnte ich nach meiner Notop auch für sechs Wochen wegschmeißen. Sex Wochen nichts, konnte ich Jahrzehnte später drüber lachen. ’Halts Maul’, muss ich mich zusammenreißen, ’deine Probleme sind doch hier ganz andere; du musst - hier - raus, wenn du den Pickel loswerden willst; denn ohne Spiegel - keine Chance’. Was man alles so denkt, wenn man Zeit hat, was? Es ist aber erst zwei, drei Tage her, oder einer?, egal, was ist schon ein Tag ..., jedenfalls schloss die Kneipe um vier. ’Du musst jetzt aber’, ermunterte mich die Wirtin - ich habe ihren Namen vergessen, obwohl ich schon seit Jahren Stamm bin. ’Du musst jetzt aber’, sagt sie seit Tagen. Ich sag dann (manchmal fällt mir dabei ihr Name ein), gib mir noch ne Flasche mit, Gretel, - sag ich dann, mit Namenansage; gib mir noch eine mit, draußen ist kalt. ’Warum geht’s du denn nicht nach Hause’, sagt sie dann jedes Mal. ’Lohnt nicht, ich muss doch nur zwei Stunden durchhalten, dann macht die Zeitungsbude auf’! Dann wanke ich raus, Pulle im Arm, die Kneipenwirtin (hab ich doch deren Namen schon wieder vergessen) lässt die Rollladen runter und meine Füße finden den Weg in den Park, zu einer Bank, die beinahe mir gehört, wie von selber. ’Platz’, sage ich, dort angekommen, zu meinem Hund. Der Hund sitzt dann wie befohlen und pennt auch meist gleich ein; ist ja auch anstrengend, so ein Kneipenleben. Obwohl, meist macht er da ja Fettlebe, - Bouletten, Hühnchen, mal nen Eis. Vor Zufriedenheit gibt er mir deshalb beim Kartenspiel den einen oder andern Tipp. Jepp, so geht das den ganzen Tag. Genau gesagt seit vier Wochen, denn da starb Elfriede. Obwohl, wenn ich genau nachdenke, war das der Tag unserer Scheidung; ja, so können sich Gedanken verdrehen, wenn man Sorgen hat wie ich. Wenn es kalt ist, in der Morgenfrische, dann wickel ich den Hund in meine Jacke. Entgegen der langläufigen Meinung: der Säufer und der Hurenbock die frieren sogar im dicksten Rock, ist mir fast nie kalt; mal ein bisschen frösteln - vom Entzug, sonst nix! Heute frier ich schon in Gedanken. Denn als ich damals den Hund in die Jacke wickeln wollte, wegen der Morgenfrische, da war der gar nicht da. ’Hund’, rief ich erschrocken, ich hatte seinen Namen vergessen, sicher vor Aufregung; ’Hund’ - also. Nichts. Wie vom Erdboden verschluckt, wie’s immer in schlechten Romanen steht. Kein Hund. Nichts! Also, ich erst mal einen Schluck zur Beruhigung, dann nachdenken: wo zuletzt gesehen? Na hier, kommt die Antwort. Hier nicht, kommt die Gegenantwort. Einspruch, schreit der Schnaps: in der Kneipe war’s. Richtig, du Einspruch, sage ich, in der Kneipe -, Mittags, als der das halbe Huhn fraß. Wie hieß gleich noch mal das Huhn? Nicht das! Ich meine die aufgeblasene Tucke, die dem Hund das Huhn spendierte. Werner hieß die, sagt Einspruch. Wirst du mal das Maul halten, sag ich; sag mir lieber wie der Hund heißt, ich will den rufen. Schröder, sagt Einspruch. Werner Schröder, frag ich, - der Hund? Nein, der das Huhn spendierte. Jetzt wird mir aber heiß. Einen Schluck noch, dann rüber - ran an die Kneipe, rein gehorcht. Was? Ja, Rollladen sind runter; weiß ich doch, Karl-Heinz. Karl-Heinz heißt der Hund, siehste. Ich also durch die Rollladenritzen Karl-Heinz gerufen. Ganz leise: Karl-Heinzchen. Gepfiffen: Karl-Heinzchen. Am Rollladenholz gescharrt: Heinzchenkarl... Doch nichts. Wenn nichts kommt, ja, wenn man sich richtig den Arsch aufreißt - und nichts kommt, ja, also, da werde ich zur Sau hoch drei; manchmal noch viel saurer, - jawohl. Ich also mit den Rücken zur Türrolllade, links an der Wand im Windfang ist ein Handlauf, ja, da festgehalten - und dann das rechte Bein gehoben, nicht zum pissen, sondern: ruuuummmsss, gegengetreten... Mit einem Tritt war ich durch, hätte ich nicht gedacht. Von oben, über der Kneipe, kommt ne Stimme: ’Was machen sen da’? ’Mein Hund is eingeklemmt’, sach ich; - wollt ja keinem aufn Sack gehen, wollt nur meinen Karl-Heinz wieder. ’Der Hund is einjeklemmt’? echot die Nulpe zurück. ’Ja’! ’Ich werd die Polizei holen, wenn du Penner nich verschwindest’! ’Na denn - mach mal klar, Opa...’ Der kann mir im Arsch lecken, denk ich; den Hund will ich - ist schließlich meiner. Heb ich also nochmals das Bein, die Tür war schließlich noch im Weg, außerdem glaub ich da drinnen meinen Hund bellen zu hören, - also Gefahr im Verzug, und trete locker und mit der Kraft der drei Herzen aus der Hinterbacke zu. Rrrruummmsss - durch. Na bitte, geht doch... Ich steh in der Kneipe -, doch kein Hund! Hat sich wohl versteckt – wegen dem Krach, vermute ich, locke ihn: ’Karl-Heinzchen’. Nichts. Bevor die Polizeihörner so quenglich werden, dass sie mir in den Ohren weh tun, kipp ich mir aus dem Bestand der Wirtin schnell den Kragen voll. Nicht weil ich konnte, wollte, sollte, nee - weil ich musste! Ich hatte noch nicht ausgetrunken, da griffen mich die Arschgesichter. ’Mensch, Kollege Arschgesicht... ’, will ich noch schlichten. Doch nichts. Erst in der Minna kommt mir einer so nahe, dass ich ihm in die Fresse schlagen kann. Na da hättest du bei sein sollen - da war urplötzlich der Teufel los. Mit allem was die hatten schlugen die zu; das große Besteck, - jawohl. Dann die Acht an, dann die Fußfessel... Na ja, ich kenn das zwar, - aber nicht so rum. ’Kollegen’! sag ich, um einzulenken, ’war doch nicht so gemeint’. ’Halts Maul, du Affenarsch’, sagt der, dem ich eine gegeben habe. Na bitte, meine Schule, dass werd ich dem Polizeipräsident stecken, wenn ich hier raus bin: ’Auf ihre Männer ist verlass’, oder so... Na klar habe ich überlegt was ich noch machen kann und werde, um hier rauszukommen. Wer das wissen will? Na der Richter will’s wissen; der steht auf Wahrheiten. Also werde ich dem einen wahren Traum erzählen: Ich bin in einer Schulklasse, eingeladen, um übers Thema Sucht zu sprechen. Also -, ich werde aufstehen - immerhin habe ich einsfünfundachtzich - jawollo, - !immer noch!, und das hab ich auch dem Haftrichter gestoßen, - den Rest allerdings vergessen, warum ich den angebrüllt habe. Und ist auch egal, glaub es mir; ich werde also aufstehen, ohne Angst und Schweiß - und so, und werde der hungernden Meute sagen: ’Ich bin anonymer Alkoholiker!’, jawohl... Die werden glotzen, denn wenn da son Kerl wie ich steht, locker, gut aussehend, tollen Anzug, Chromkarre vor der Tür, Rolex - und so, und sagt, hört mal, ich hab gesoffen, gef..., ach Scheiß, ich sag: und was da noch dazugehört; dass werde ich sagen - man soll den Kids ja keine Angst machen, von wegen was da noch so kommt, in solchem Leben, nich...? ’Schriftsteller bin ich’, werde ich in die offenen Mauls starrenden Schüler nachschieben. Und wer weiß, ob es von den Girls hier nicht eins gibt, die auf ältere Männer steht, auf Schriftsteller, die den Erfolg quasi direkt vor sich haben. Hier vorne, erste Reihe, die, zum Beispiel. Sone kleine Blonde. Ich bin sicher, die hat nix drunter, die reckt die Beine so hoch, spitzt die Lippen; verflucht, ich könnte mir einen runterholen... ’Schriftsteller. Ich schreibe lesenswertes. Ich schreibe die Wahrheit, nicht so verkacktes Zeug, dass man nach den ersten gelesenen Seiten in den Ofen schiebt. Ich kann’s, ich kann es besser als andere. Ich muss bloß das Saufen sein lassen...’ Auwei, die Ehrlichkeit ist immer wieder schmerzhaft, man legt sein Herz bloß, nicht? Das Herz ist dann überall und schreit bei einer Lüge dazwischen. Also, muss ich auch darüber erzählen, dass ich geklaut habe. ’Und darüber, wieso sie dich bei den Bullen rausgeschmissen haben, du Arsch’. Ja, muss ich... Und das kam so: Ich fuhr mit meinem Partner Hansi Streife. Er fuhr, ich trank. Die Zentrale piepte in mein Trinken und sein Fahren. ’Ba- Ba- Bank- überfall’, sang der Kollege der Leitzentrale seinen Auftrag an uns. ’Den Rest an Info bekommt ihr über Ticker, - wie immer’. ’Schon gut, Kollege’, sagte Hansi, und seine Stimme schmierte etwas beim Sprechen, er aß da gerade Currywürste, Marke extrascharf, - ich trank Wodka Gorbi, wegen der Fahne, und meine Stimme schmiert auch, wenn ich richtig wollte und will. ’Klare Schnäpse machen keine Fahne’, höre ich noch den Rat meines Freundes Max, auch Polizist, - seit drei Jahren tot, von einem Junkie am Bahnhof Zoo erstochen, wie er dem zwischen den Beinen den Stoff abfummeln wollte. ’Die Sau wollte mir einen blasen, Herr Richter’, sagte der Junk bei der Verhandlung ’Zehn Jahre’, sagte der Richter, - das war son alter, son grauer, son ungerechter... ’LL gehört dem’, hab ich den Richter angebrüllt, ’dem gehört lebenslänglich, Sie Arsch’. ’Ihnen gehört in dem Augenblick die Verurteilung zu einer Geldstrafe von fünfhundert Mark, wegen Ungebühr vor Gericht’, blaffte der zurück. ’Da wird sich Mutti aber freuen’. Damit meinte ich die Kneipenwirtin, die wieder auf die Bezahlung meiner Saufschulden warten musste. ’Wenn Sie nicht Ruhe geben, wird’s noch teurer...’ Hansi und ich fuhren also zu diesem Scheißeinsatz die Potze runter. ’Ba- Ba- Bank- überfall’! ’Nun friss schon auf, wir sind gleich da’. Hansi warf den Rest der Wurst aus dem Autofenster, direkt einer Art Rottweiler vor die Füße. ’Ne scharfe Alte, was? Soll Kamilla heißen, kommt aus Engelland, gehört Rocky’. ’Au - Rocky, wo der überall seine Finger drinne hat. Jetzt schon Maso, Sado, Pluto’! ’Wieso Maso-Sado-Pluto’? ’Na, mit der Currysoße vor den Füßen, da halten doch nur Blutfreier an'. ’Pfui Teufel’! ’So..., nun mach Dich fertig, wir sind gleich da’. ’Mann, fahr langsam -, einen zieh ich noch hinter’. Ist nicht möglich, denke ich, denn als wir, so fünfzig Meter vor der Bank, stoppen, die Lage peilen -, das Lage peilen sagt Hansi jedes Mal und ich lach mich dann immer schlapp, kommt der Bankräuber im Schweinsgalopp auf uns zu, Maske noch auf. Hansi springt raus ... Ba- Ba- Bank- überfall im Hinterkopf, ich. Menschenskind, denke ich, der Hansi hat die Knarre von dem nicht gesehen. Ruck zuck, hab ich meinen Schießprügel draußen, die Flasche Wodka zwischen die Knie geklemmt, und: „Halt, Polizei!“, gröhlen, war eins. ’Pscht’, macht Hansi, und eine wegwerfende Handbewegung hinterher. ’Aahaahaaa ...’ Also weißte, denk ich, der hat die Knarre immer noch nicht geschnallt. Kurbel ich also die Seitenscheibe runter, ruckel meinen Hintern zurecht, lege den linken Arm als Unterlage ab, ziehe den rechten mit der Kanone in der Hand darüber, stütze die zusätzlich am Seitenholm ab, beuge den Kopf, kniepe ein Auge zusammen - und habe den Kerl über Kimme und Korn in Visier. Na bitte! „Halt, stehen bleiben, Polizei!“, schmirgelt Hansis Reibeisenorgan über den lapperigen Straßenteer. „Halt...“, ich. In dem Augenblick zieht der Ganove seine Knarre hüfthoch, und schießt beim Laufen unter der Achsel durch wie weiland Tom Mix unter seinem Pferd, trifft Hansi, der taumelnd zusammenbricht, ich nicht mehr weiß was wahr ist und was Lüge, den Finger krümme, und das Ding in meiner Hand losrummst. Zweimal. Oder drei? Immer Herzhöhe. Egal, der Typ läuft noch ein Stück auf mich zu, bis dicht an die Frontscheibe der Karre, dreht den Kopf nach oben, später meinte ich, der wollte sich schon vorsorglich bei Gott bemerkbar machen und bricht zusammen, wobei er im Fallen noch einen rausdrückt –, und ob er mit dem Schuss nun Gott erwischen wollte, weil der ihn vielleicht nicht haben wollte, oder nicht, ich weiß es nicht. Später, beim Vernehmungsrichter, sage ich, - na ja, ein bisschen angeschickert war ich schon, und, dass es klang, als er schoss, als habe jemand einen feuchten Furz gelassen, sage ich. Erklärlich, sagt der Sachverständige, den mein Verteidiger geladen hatte, ihre Ohren waren vom eigenen Schießen kurzfristig geschädigt, und sozusagen dicht. Punkt. ’Prima’, sagt mein Anwalt. Damals, Hansi lag auf dem Pflaster, ich saß im Wagen, war wie erstarrt, schreckte mich ein entferntes Sirenengejaule aus der Trance. Schnell noch ein zwei Schlucke aus der Pulle, die dann im Handschuhfach gebunkert, lohnte sich ja eigentlich gar nicht mehr die Neige -, das Funkgerät gegriffen, und raus. Hör mal, ich hab vor meiner Verurteilung wegen diesem Vorfalls mal ne Schreibgruppe besucht. Wollte aufarbeiten, fragte mich dann später was eigentlich, und warum... Nun ja, der Versuch fand in der Volkshochschule statt. Dienstags. Später Nachmittag. Ich dachte mich trifft der Schlag, als ich das erste Mal da war. Alles alte Weiber, bis auf einen Kerl, der aber aussah wie ein altes Weib. Ich in Lederjacke, Manuskript unterm Arm. Die alten Weiber mit Einkaufskorb und Häkelzeugs. Der alte Bock ein Buch dabei. Ich setzte mich so, ein bisschen schräg, dass ich meine Füße auf einem Stuhl lagern konnte, und den Meisten der alten Weiber in die Visage sehen konnte. Der alte Kerl saß am Kopfende. Der Kursleiter, ein durchgeistigt aussehender Mensch, vermutlich Vollglatze, darüber eine rutschende Roger Willemsen Perücke, schwul bis nur tuntig, Halbbrille, saß am anderen Kopfende, - oder am Schwanz, wie man will. Der sagte aber im Forum recht wenig, auch beim zweiten Mal, als ich hinging, schwieg er sich da trotzig aus. Eventuell dachte der, dreimal ist Bremer Recht. Für mich nicht, bin ich Bremer? Bei der ersten Pause jedenfalls, lief er mir zum Pissen nach. Lass ihn, dachte ich. ’Na, wie gefällt es ihnen denn bei uns?’ Ich sah auf sein tröpfelnde Rohr und sagte: ’Es läuft so, Meister’. Darüber war er so begeistert, dass er beim Abschütteln der letzten Tropfen so heftig wurde, dass es ihm beinahe kam. Und am Ende der ersten Lektion, beim ’Auf-wiedersehen-sagen’, glotzte er mir begehrlich auf die Nüsse. Juni 2009 michael koehn (Verlag/Agentur gesucht)
Bild: Michael Köhn BetreiberInfo: Sie befinden sich in einem Angebot von Michael Köhn
...erschienen --->
Und bei dieser Gelegenheit vorgestellt: !erschienen ist auch ein amateurhafter Gedichtband von mir ---> http://www.epubli.de/shop/showshopelement?pubId=283 - und, ab 2008 2 lausige Romane, die als gedrucktes Buch! zu bestellen sind, die aber auch bei Tredition für 99Cent als Datei heruntergeladen werden können, zu haben. Sehen Sie bitte hier den Direktlink mit Leseprobe:
oder über : http://literatalibre.de http://tredition.de:80/books/ID264
Geboren in Berlin, lebt der Autor in Hitzacker/Elbe. Er schreibt Prosa und Lyrik in einem ihm eigenen Stil, - lotet in seinen Arbeiten die Tiefgründe im Menschen aus. Gedruckt sind Teile seiner Arbeiten in Literaturzeitschriften wie z.B.: Federwelt 36, Asphaltspuren 0, Lesestoff Leipzig 7, Lit.Cafe 3, Federwelt 42, Asphaltspuren 1, Edition Schreib*kraft 2004, Federwelt 61, Edition Schreib*kraft Okt. 2007 Nr. 15 - Prosa. Lerato Verlag Anthologie Dez. 2007 ’Groteske Welt’ - Prosa, usw. ISBN13: 978-3-938882-62-1 Seitenzahl: ca.180 Buchformat: A5, Taschenbuch Erscheinungstermin: 10.Dezember www.romansuche.de/show.php?autorid=83 oder unter Michael Köhn bei google ---> www.google.de/search?hl=de&q=Michael+K%C3%B6hn&btnG=Google-Suche&meta= Neues von der „schreibkraft" http://www.literaturcafe.de/bf.htm?/lyrik/soldat.htm
kürzer als du denkst eine meuterei unterscheidet eine meuterei hier wie in einer pissbude in der nicht gepisst wird da durch dass nicht gemeutert schon gar nicht gepisst wird es tröpfelt lediglich etwas
egal wo ja ich möchte ein star sein statt stur ein buchstabe nur ...
die kalte welt wenn ich die zeit abschalte gehe ich zurück beginne von vorn wenn ich von vorn beginne ist der tag da als ich hätte tot sein können (doch ich bin nur gestorben das hat mir das leben gerettet) wenn ich jetzt die zeit abschalte von vorne zurück beginne gehe ich (ist angst in mir mich tot zu sterben) spent so many nights dschibuti es war 1976. somalische terroristen kaperten einen mit schulkindern besetzten bus. nach ergebnislosen verhandlungen kam es zu einem schusswechsel. fünf terroristen waren sofort tot. der 2. Zug stürmte den bus. ich war auch da. aus neugier. blieb unverletzt. denn wer neugierig ist, kann im grunde gar nicht scheitern. der kann nur immer wieder neugierig sein. denn nichts bewahrt einen besser vor enttäuschungen. also lass den tod kommen. alles andere ist literatur, wenn man so will.
setz dich an den fluss ich habe sechs füße vier davon mit schuh 2 adidas 2 unbekannt 5 linke ein rechter die wurden angeschwemmt wie später alles andere ich warte auf ihre seelen wenigstens eine denn zellgewebe usw. habe ich reichlich von den schaulustigen die mich beobachten und warte
somewhere der mensch ist eine magenschleimhautentzündung und das leben ist krieg gibt sich die klinke in die hand macht leer zündet metastasen in meinem leib geht in den verstand tötet das bauchgefühl ich habe es dabei ertappt und ausgeschissen es fühlt sich betrogen und zu tiefst verletzt nennt sich jetzt hoffnung statt amoklauf doch man muss den ersten teil nicht gelesen haben um den zweiten auch nicht zu verstehen over the rainbow last night all these years - ich hatte die möglichkeit sie wieder zu sehen – in dieser unwirklichken situation am jahrestag unserer scheidung – an einem sonst vollkommenen tag vor der kathedrale in palma – wo ich reglos verharrend auf einem sockel posierte – einen pappbecher für die münzen davor – sie in begleitung mit goldkettchen am handgelenk – mir einen schein und ein zwinkern zukommen ließ – wie man eine centmünze in einen automaten einwirft – als gegenleistung ich wohl unser geheimnis bewahren sollte – but I just smiled
Push up Er sieht die Welt zusammenbrechen Außerdem verstärken sich die Schmerzen In der Brust Er fühlt keinen Puls mehr Seine Lippen werden violett Es schlägt das Herz rasend Die Zunge quillt auf Trocken der Mund Und vermutlich hat er auch Prostatakrebs - Sagt ihm seine Angst All das wegen dem Rummel um seine Person Bis er voll auf Koks und so weiter In getigertem Muskelshirt Mit erigiertem Schwanz in durchsichtiger Hose Arschfrei Die Bühne betritt - Dort ist er Ein Star
Vergewaltigt Rhythmisch sein wiegen Dann kam der Wagen zum Stillstand Nur ihr Klagen ging weiter Während es hell wurde Ich ihn aus ihr herauszog Das Fenster öffnete Um den Gummi zu entsorgen Eine unendliche Kälte Mich in Winterschlaf versetzte Schlagzeugwirbel mich weckte Ich beim Zählen Jeweils einen Gitterstab übersprang your number dunkel Als er fragt Was ihm fehlt Sagen sie nichts Erst in drei Tagen Lägen Ergebnisse vor Also geht er Mit dem ekelerregend Medikament Im Maul Das er draußen in den Schnee spuckt Als Bremsen quietschen Röntgenaufnahmen durch die Luft wirbeln Und er meint Es war falsch Überhaupt hierher zu kommen Nur um Blut im Mund zu haben Erbrochenes auf der Hose Mutter mit seinen Sachen In der Hand Aus der Pathologie kommen zu sehen after dark
alle 2008 michael köhn
ende der fahnenstange
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