zurück
AKB
Kreisgruppe Rosenheim gegründet
Widerstand
gegen Studiengebühren und Büchergeld formiert sich auch in der
Region
In Rosenheim hat sich im
April 2005 eine Kreisgruppe Rosenheim des Aktionsbündnis für
kostenlose Bildung (AKB) gegründet. Im Abwehrkampf gegen Gebühren
und Büchergeld sind die Studierenden und Schüler/innen dabei nicht
alleine sondern werden von mehreren Verbänden unterstützt. Das
Bündnis wird dabei auf Basis des sogenannten Krefelder Aufrufs
arbeiten, der jede Form von Studiengebühren ablehnt arbeiten.
Ergänzt wurde explizit die Forderung, dass auch alle anderen
Bildungseinrichtungen vom Kindergaren bis zur Meisterschule
jedem Menschen kostenlos zur Verfügung stehen sollte. Der Zugang zu
Bildung darf demnach niemandem durch finanzielle Hürden versperrt
bleiben. Vorerst wird sich die Arbeit des ABK aber darauf
konzentrieren das akut drohende Büchergeld und Studiengebühren zu
verhindern. Das geplante Abkassieren des Freistaats an Schulen und
Hochschulen ist nicht nur eine Frechheit angesichts der
mangelhaften Leistungen unseres Bildungssystems. Viel schlimmer
ist, dass die gesellschaftlichen Folgen dieses massiven Einschnitts
überhaupt nicht abgeschätzt werden können und in der Diskussion
nicht zur Sprache kommen, so eine Sprecherin des AKB. In
Österreich beispielsweise hat die Einführung von Studiengebühren
dazu geführt, dass die Zahl der Neueinschreibungen um 15%
zurückgegangen sind. Untersuchungen des Allgemeinen
Studierendenausschuss (AStA) der Universität München belegen, dass
überwiegend Frauen, Studierende mit Kindern und solche aus
gesellschaftlich und finanziell schlechter gestellten Schichten ihr
Studium bei Einführung von Gebühren abbrechen müssten. Gebühren
stellen demnach eine weitere Barriere im Zugang zur Hochschule dar
und verschärfen somit die soziale Selektivität des bayerischen
Bildungssystems. Zudem bedeuten Studiengebühren aus Sicht des AKB
langfristig eine Entwissenschaftlichung und Verwirtschaftlichung
(im Sinne der einseitigen Reduktion auf ökonomische Aspekte) des
Studiums und der Hochschulen und den Abbau demokratischer
Mitspracherechte von Studierenden. Obwohl auch im Besonderen das
bayerische Schulsystem bereits hochgradig sozial selektiv ist, wird
dort weiter gespart. Als Gegenfinanzierung soll ab kommendem
Schuljahr ein so genanntes "Büchergeld" eingeführt
werden. Dieses soll Eltern noch stärker belasten als die zunächst
angedachte Abschaffung der Lernmittelfreiheit, da bei der geplanten
Höhe von bis zu 40,- mehr Geld in den Haushalt des Finanzministers
fliest als für Bücher derzeit in Bayern ausgegeben wird. Schon
heute kostet Eltern das Schuljahr an einem Gymnasium bis zu 900,-,
wohingegen ein Jahr an der Hauptschule mit ca. 600,- sehr viel
günstiger kommt. Büchergeld kann also ein weiterer Faktor für
Eltern aus sozial benachteiligten Schichten sein, ihr Kind nicht
auf eine weiterführende Schule zu schicken. Im übrigen wird damit
in keiner weise auf die gravierenden und strukturellen
bildungspolitischen Mängel im Freistaat Bayern eingegangen. Weder
Lehrermangel noch das veraltete und international nicht
vermittelbare dreigliedrige Schulsystem werden dadurch aufgehoben.
Als erster Schritt will das AKB in naher Zukunft informieren und
Diskussionsabende veranstalten. An zweiter Stelle steht die
Mobilisierung für landesweite Kundgebungen. Auch eigene Aktionen in
Stadt und Landkreis Rosenheim sind nicht ausgeschlossen.
Unterstützt wird das Bündnis dabei von den parteipolitischen
Gruppierungen Grüne Jugend und Jusos sowie der Sozialistischen
Deutschen Arbeiterjugend Wasserburg (SDAJ), der Infogruppe
Rosenheim und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW).
Grundlagen der Arbeit
des AKB Rosenheim :
[es handelt sich dabei um den
Krefelder Aufruf mit expliziten Ergänzungen]
Krefelder
Aufruf
des Aktionsbündnisses gegen
Studiengebühren (ABS)
Die generelle Einführung von
Studiengebühren steht unmittelbar auf der politischen Tagesordnung.
Das kommt einem historischen Einschnitt gleich. In letzter
Konsequenz würden wesentliche Ergebnisse der Bildungsreformperiode
revidiert und der soziale Grundkonsens in der Bildungspolitik
endgültig aufgekündigt. Ungeachtet der Tatsache, daß die neue
rot-grüne Bundesregierung von der überwiegenden Mehrheit der
Studierenden nicht zuletzt aufgrund der Wahlkampfversprechen beider
Parteien, Studiengebühren gesetzlich zu verbieten, ins Amt gewählt
wurde, scheint die Bereitschaft dazu innerhalb der offiziellen
Bildungspolitik zu erlahmen. Schon stößt in Teilen von SPD, Grünen
und Gewerkschaften der Grundgedanke einer privaten, individuellen
Beteiligung an institutionellen Kosten des öffentlichen
Bildungssystems auf zunehmende Akzeptanz. Erste Einstiege in
Studiengebühren - unter welcher verschleiernden Bezeichnung auch
immer - sind bereits in mehreren Bundesländern vollzogen
(Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Bayern, Sachsen). In
keinem Fall reicht es aus, allein auf verhandlungstechnische und
taktische Manöver in bezug auf Regierungen und Parlamente zu
setzen. Die Verhinderung von Studiengebühren erfordert vielmehr
öffentlichen Druck und eine breite gesellschaftliche Diskussion
über die Funktion des Bildungssystems. Um diese Politisierung der
Auseinandersetzung zu befördern, hat sich auf der Grundlage der im
folgenden dargelegten politischen Positionen und Forderungen das
Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS) gegründet.
Studiengebühren sind aus gesellschafts-, sozial- und
bildungspolitischen Gründen abzulehnen. Sie lösen kein einziges
Problem, sondern verschärfen die Krise des
Bildungssystems.
1. Studiengebühren befördern
die Privatisierung sozialer Risiken. Bildung wird nicht mehr als
ein öffentliches Gut gesehen, dessen Nutzung als allgemeines Recht
gilt, sondern als zu erwerbende und zu bezahlende Dienstleistung,
mit der jedeR einzelne in sein/ihr Humankapital" investiert.
In diesem Sinne sind Studiengebühren integraler Bestandteil des
neoliberalen Politikmodells, dessen Ziel es ist, außer Bildung auch
z.B. Beschäftigung, Gesundheit, Altersvorsorge und andere
gesellschaftliche Aufgaben auf den/die einzelne/n abzuwälzen.
Deswegen betrifft die Studiengebührendebatte nicht nur Studierende.
Sie hat vielmehr eine gesellschaftliche Stellvertreterfunktion, um
die Akzeptanz einer generellen privaten Kostenbeteiligung für alle
weiterführenden Bildungswege (nach der allgemeinen Schulpflicht) zu
erproben und perspektivisch durchzusetzen.
2. Die sozialen Wirkungen und
Steuerungseffekte von Studiengebühren sind gesellschaftlich
schädlich. Studiengebühren fördern ein antisoziales und
entsolidarisierendes persönliches Bildungsverhalten und verstärken
die gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit des
Wissenschaftssystems. Sogenannte bildungsferne" Schichten
werden noch stärker von weiterführender Bildung abgeschreckt. Deren
Erwerb engt sich auf die traditionelle Normalbiographie (männlich,
weiß, deutsch; direkter Übergang Schule/Wehrdienst/Studium)
ein.
3. Sozialverträgliche"
Studiengebühren kann es nicht geben! Das ist ein Widerspruch in
sich. Jede Verkoppelung von Bildungschancen mit der - strukturell
ungleichen - privaten Einkommens- und Vermögensverteilung in der
Gesellschaft reproduziert die entsprechende Ungleichheit in der
Bildung. Dieser Ausgangslage kann auch kein noch so ausgefeiltes
Darlehenssystem entgegenwirken, wie die Entwicklung des BAföG
anschaulich zeigt. Studiengebühren verschärfen daher die soziale
Selektionswirkung des Bildungssystems - und verschleiern zugleich
die politische Verantwortung dafür. 4. Die Behauptung,
Studiengebühren würden die Entscheidungsposition von Studierenden
innerhalb der Institution Hochschule stärken, ist falsch. Das
Gegenteil ist der Fall. Studiengebühren ersetzen Rechts-,
Beteiligungs- und Mitwirkungsansprüche durch ein privates
Marktverhältnis zwischen Verkäufern und Kunden. Die neue
Freiheit" der Studierenden wäre daher lediglich negativer
Natur. Sie würde sich auf die Möglichkeit beschränken, zwischen
Angeboten wählen zu können, auf deren Zustandekommen sie nicht den
geringsten Einfluß haben. Wenn etwa Studierende nur noch als
KundInnen, nicht mehr als Mitglieder der Universität betrachtet
werden, haben sie konsequenterweise auch keinen Anspruch mehr auf
selbstverwaltete Strukturen oder Sitz und Stimmrecht in den
Hochschulgremien.
Deswegen fordern
wir:
die grundsätzliche
individuelle Kostenfreiheit für alle weiterführenden Bildungswege.
Dies bezieht sich nicht nur auf die Ablehnung der direkten Erhebung
von Studiengebühren, sondern auch auf alle Modelle von
Bildungsgutscheinen und privatem Bildungssparen;
das eindeutige gesetzliche
Verbot von Studiengebühren im HRG und in den
Länderhochschulgesetzen. Dieses Verbot muß sich auch auf
Verwaltungs-, Zweitstudiums-,
Aufbau-/Ergänzungs-/Erweiterungsstudiums-, Langzeitstudiums- und
Promotionsstudiumsgebühren erstrecken;
den Ausstieg der
Bundesländer aus Modellversuchen, komplementär zu den staatlichen
Hochschulen kleine private oder halbprivate Elitehochschulen zu
betreiben, die mit umfangreichen öffentlichem Mitteln
subventioniert werden und die Infrastruktur staatlicher Hochschulen
mitnutzen, aber dennoch erhebliche Studiengebühren
verlangen.
die grundsätzliche
Gleichstellung und gegenseitige Durchlässigkeit allgemeiner, sog.
beruflicher und akademischer Bildungswege. Dies erfordert etwa die
Abschaffung von privaten Gebühren für Ganztagsberufsschulen und
MeisterInnenausbildung.
die Umsetzung und
Einhaltung des 1973 ratifizierten internationalen Paktes über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, in dem sich die
Bundesregierung zur allmählichen Einführung der Unentgeltlichkeit
von Hochschulbildung verpflichtet hat (vgl. auch den Passus im
Artikel 26 der Menschenrechtsdeklaration der UNO, Dezember
1948).
weitere
Forderungen der AKB Kreisgruppe Rosenheim
Bücher- und Schulgeld,
Abgaben für Kindergärten, -horte und krippen und Gebühren auf eine
Meisterausbildung sind ebenso wie Studiengebühren abzulehnen. Alle
Bildungseinrichtungen sind der Allgemeinheit durch den Staat
gebührenfrei zur Verfügung zu stellen. Die Mitbestimmungsrechte von
Studierenden und SchülerInnen sind ebenso wie die betriebliche
Mitbestimmung von ArbeiterInnen und Angestellten aus- und nicht
abzubauen. Hochschulische Gremien dürfen nicht in Form von
Verwaltungsräten oder ähnlichen Modellen mit VertreterInnen der
Wirtschaft besetzt werden. Das Ziel von Wissenschaft und Forschung
muss der gesellschaftliche und kulturelle Fortschritt sein, nicht
eine Anpassung an wirtschaftliche Erfordernisse. Die Freiheit von
Wissenschaft und Forschung ist unter diesem Aspekt weiter
auszubauen. Anmerkungen: Die Forderung nach gebührenfreien
Kindergärten und kostenloser Meisterschule sind weitgehend als
Position gedacht, die in der Diskussion mit Gebührenfreund/innen
als Gegenargument vorgebracht werden kann.
zurück